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Politische Karikaturen. Rolle und Bedeutung der politischen Karikatur im Verlauf der Revolution von 1848/49

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriff und Wesen der Karikatur im Allgemeinen

2. Zensur Anfang des 19. Jahrhunderts und während der Revolution 1848/

3. Karikatur im Revolutionsverlauf
3.1 Politische Karikatur in der deutschen Revolution 1848/49
3.2 Analyse des Revolutionsverlaufs auf sechs verschiedenen Karikaturen

4. Rolle und Bedeutung der politischen Karikatur in der Revolution von 1848/

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es ist unmöglich sich die Revolution 1848/49 ohne die Karikaturen vorzustellen. Die zahlreichen Flugblätter und Bilderbogen aus dieser Zeit schaffen es nicht nur den ganzen Verlauf der Revolution bildlich darzustellen, sondern auch die politischen Neigungen verschiedener Gruppierungen und Volksschichten in einfacher verständlichen Form wiederzugeben. Auf solche Weise kann man die Karikaturen im Sinne einer historischen Quelle betrachten. Das Thema der vorliegenden Arbeit ist den deutschen politischen Karikaturen, die im Laufe der Revolution 1848/49 entstanden, gewidmet. Diese Arbeit kann als ein Rückblick auf die Revolutionsjahre, wo zum ersten Mal in Deutschland dem künstlerischen Medium Karikatur zum Durchbruch verholfen und ihm in der politischen Auseinandersetzung eine wichtige Rolle zugewiesen wurde, betrachtet werden. Die Kernfragen dieser Arbeit sind folgende: Was trug zur Entwicklung der politischen Karikatur im Laufe der Revolution 1848/49 bei? Welche Rolle spielte dabei politische Karikatur und welche Bedeutung hatte sie für die revolutionäre Bewegung?

Die große Zahl der Karikaturen, die in Beständen verschiedener Museen Deutschlands sind, ermöglicht es Ausstellungen zum Thema „Karikatur aus der Revolution 1848/49“ zu veranstalten. Über die Aktualität dieses Themas spricht auch die zahlreiche wissenschaftliche Literatur, in der das Medium Karikatur selbst, sein Quellenwert und seine Leistungsfähigkeit untersucht. Bei der Wahl der Literatur, die für das Schreiben dieser Arbeit verwendet wurde, waren solche Kriterien wichtig wie möglichst neue Ausgabe, inhaltliche Genauigkeit und Fülle. Der Name des Autors spielte dabei auch eine gewisse Rolle. Auf der Basis der ausgewählten Literatur wird versucht, das Thema auf begrenztem Raum vorzustellen.

In den nachfolgenden Kapiteln wird festgestellt, welche allgemeinen Merkmale die Karikatur hat, und mit welchen Themen sich die politische Karikatur beschäftigt. Da es wichtig ist festzustellen, in welchen rechtlichen Rahmenbedingungen die politische Karikatur sich entwickelte, wird ein kurzer historischen Überblick im Bereich Rede- und Pressefreiheit in Deutschland vor und während der Revolution 1848/49 gegeben. Außerdem wird festgestellt, welche technischen Bedingungen für die Entwicklung der Karikatur in diesem Zeitraum wichtig waren. Um zu beweisen, dass die politische Karikatur als historische Quelle verwendet werden kann, wird an einigen Beispielen versucht, den Verlauf der Revolution nachzuvollziehen.

1. Begriff und Wesen der Karikatur im Allgemeinen

Das deutsche Wort „Karikatur“ stammt vom italienischen „caricare“ ab, was übersetzt „überladen“, „übertreiben“ oder „verzerren“ bedeutet. Der Begriff „Caricatura“ wurde zum ersten Mal in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Massani benutzt. Er bezeichnete damit speziell die karikierenden Porträtzeichnungen des Carraccikreises. Durch Bernini wurde der Begriff „Caricature“ im 17. Jahrhundert in Frankreich eingeführt. In England findet man die Definition der Karikatur zum ersten Mal in Sir Thomas Brownes „Bibliotheca abscondita“ von 1686.[1]In Deutschland wurde der Begriff „Karikatur“ von Winckelmann benutzt[2].

Die Karikatur stellt ein wichtiges Mittel im Umgang mit Ereignissen, gleich ob politischer oder anderer Natur, dar. Dabei wird ein Ereignis in Form eines Bildes karikiert. Damit aber aus einer Zeichnung eine Karikatur wird, muss sie einige Merkmale erfüllen. Es muss vor allem ein Realitätsbezug zum Gezeichneten vorhanden sein. Nur durch den Realitätsbezug wird die Zeichnung verständlich. Der Betrachter erkennt, welche Aussage der Karikaturist mit seiner Zeichnung machen möchte. Als weiteres Definitionsmerkmal gilt die Übertreibung oder Verfremdung, die den Betrachter zum Lachen bringt. In seinem „Trattato“ von 1646 gibt Mosini die Überlegungen über die Karikatur von Annibale Carracci wieder. Er schreibt:

„Die Natur selbst, meint Annibale, gefällt sich darin, die Züge des Menschen zu deformieren: sie gibt dem einen eine dicke Nase, dem anderen einen großen Mund: wirken diese Unstimmigkeiten und Disproportionen in sich selbst lächerlich, so vermag der Künstler, indem er sie nachahmt, diesen Eindruck noch zu verstärken und den Betrachter zum Lachen zu bringen.“[3]

Dabei darf der Lacheffekt nicht zu den wesentlichen Definitionsmerkmalen gezählt werden, ob über etwas gelacht wird, hängt ganz von der Person des Betrachters ab. Dagegen gehört der Übertreibungs- oder Verzerrungseffekt zum Merkmal einer Karikatur. Das Reale wird bewusst an einigen Punkten so abgeändert und an anderen weggekürzt, dass die entstehende Darstellung eine eindeutige Aussage abgibt, und zwar die Aussage, die der Karikaturist geben möchte. So ist es möglich, für ein Ereignis Karikaturen mit völlig unterschiedlichen Aussagen zu erhalten.

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten die Karikatur umzusetzen. Wenn zur Karikatur zusätzlich noch ein Text hinzugefügt wird, der eine weitere oder die eigentliche Pointe enthält, dann spricht man von einer Bild-Text-Komposition. Wie im nachfolgenden Beispiel „Wie der deutsche Michel von seinem Freiheitsschwindel befreit wird“ wird das Bild durch den hinzugefügten Text lebendiger. Der überwiegende Teil der Karikatur besteht aus so genannten Einzelkarikaturen, d.h. Zeichnungen, die ihre Aussage komplett enthalten. Wenn aber eine ganze Abfolge von Karikaturen vorliegt, deren Aussage nur dann verständlich wird, wenn alle zusammen betrachtet werden, dann spricht man von Abfolgekarikaturen.

Es ist zusätzlich zu unterscheiden, was auf der Karikatur dargestellt wird. Wenn es sich um eine Karikatur handelt, auf der keine Personen sehen sind, dann wird von einer Sachkarikatur gesprochen. Diese Karikaturen sind aber zu selten, da es schwierig ist, einen Umstand oder ein Ereignis ohne dargestellte verantwortliche Person anzuprangern. Ebenso ist die Karikatur, auf der Tiersymbole dargestellt sind, eine Randerscheinung, wobei sich dort oft Tier- und Individualkarikatur vermischen. So wird zum Beispiel der Rumpf eines Tieres mit einem Menschkopf oder umgekehrt dargestellt.

Die eben erwähnte Individualkarikatur zeigt konkret erkennbare Menschen. Dabei eignen sich am besten Politiker oder andere öffentliche Person mit sehr hohem Bekanntheitsgrad.[4]Dazu gibt es viele Beispiele. So sind auf den Karikaturen aus den Jahren 1848-1849 Robert Blum, Friedrich Wilhelm IV. oder Heinrich von Gagern deutlich erkennbar.

Die Porträtkarikatur stellt einen Sonderfall dar. Hier wird eine Person so verfremdet, dass daraus Rückschlüsse auf den Charakter gemacht werden sollen. Der übrige Körper rückt völlig in den Hintergrund, typische Accessoires der Person verschwinden fast ganz.

Zur letzten Gruppe der Karikatur gehört die Typenkarikatur. In diesem Fall werden Personen karikiert, die für bestimmte Volksgruppen oder Schichten stehen und nicht als Persönlichkeit erkannt werden können. Hierfür kann die Karikatur „Drei deutsche Professoren entwerfen den Entwurf des Entwurfs für die Verfassung des deutschen Reichsheeres“ angeführt werden.

Allgemein betrachtet wird bei der Karikatur zwischen Gesellschaftssatire und politischer Karikatur differenziert. Erstere beschäftigt sich mit solchen Themen wie Mode, Alltagsereignissen und kulturellen Verhaltenmustern. Die politische Karikatur macht die Politik zum Thema ihrer Kritik. Sie bezieht sich explizit auf das aktuelle Tagesgeschehen.[5]

2. Die Zensur Anfang des 19. Jahrhunderts und während der Revolution 1848/49

Die Pressefreiheit war in Deutschland eine Tabufrage. Jede politische oder kirchliche Kritik wurde streng verboten und verfolgt. Im Jahre 1788, unter der Regierung Friedrich Willhelm II. schränkte das Wöllnersche Zensurdekret die freie Meinungsäußerung in Preußen besonders ein. In der Zeit zwischen 1813 und 1815 wurde die Situation etwas lockerer, aber nur für kurze Zeit. Nach der Ermordung des Schriftstellers Kotzebue 1819, wurden 1819 neue Regelungen eingesetzt. Für eine bessere Koordinierung der Zensur sind am 20. Oktober 1819 die Karlsbader Beschlüsse rechtkräftig geworden, auch wenn nicht alle Staaten des Deutschen Bundes damit einverstanden waren. Diese Beschlüsse umfassten vier Gesetze: das Universitäts-, das Presse-, das Untersuchungsgesetz und eine vorläufige Exekutionsregelung.[6]Laut dieser Beschlüsse waren nicht nur die Verfasser für den Inhalt einer Schrift verantwortlich, sondern auch Verleger, Drucker und Buchhändler. Die deutschsprachige ausländische Literatur und auch die Literatur, die in einem anderen Staat des Deutschen Bundes schon zensiert worden war, war in Preußen der nochmaligen Zensur unterworfen. Die Karlsbader Beschlüsse galten fünf Jahre. 1824 trat die Bundesversammlung wieder zusammen, „um die Verlängerung auf unbestimmte Zeit bekanntzugeben“[7]. Aber statt eines definitiven Pressegesetzes wurden neue Zusatzregelungen und Erläuterungen in schon existierenden Gesetzen herausgegeben. Diesen neuen Regelungen nach musste jede Schrift vor dem endgültigen Druck einem Zensor für eine Präventivzensur vorgelegt werden.

Mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. 1840, gab es die Hoffnung, dass die Zensur in Preußen weniger beißend bleibt, aber das erwies sie sich bald als eine illusorische Vorfreude. Am 28. Mai 1842 hatte Friedrich Wilhelm IV. das Bilderfreiheitsdekret erlassen, aber es am 3. Februar 1843 wieder aufgehoben. Auf die Initiative des königlichen preußischen Regierungsrats Franz Hugo Hesse hin wurde das Pressegesetz 1843 umgearbeitet. Die neuen Erlasse machten den Zensoren nur zusätzliches Kopfzerbrechen. 1846 hatte Ernst Dronke die damalige Situation so beurteilt:

„Auch in der Presse regt sich allgemein ein freierer Geist. Zwar wurde ein Ministerialrescript über mildere Handhabung der Censur erlassen, aber die Sache der Censur blieb doch immer dieselbe, und die polizeilichen Maßfältigung und zum Verkaufe bestimmt sind, vorher der Polizeibehörde zur Censur vorgelegt werden, wobei es sich von selbst versteht, daß jede auf einem Bilde angebrachte Schrift der vorgängigen Druckerlaubnis des ordentlichen Censors unterliegt. Die Polizei hat sich hiernach darauf zu beschränken, gegen die Schaustellung und Verbreitung unsittlichen, schlüpfriger oder sonst anstößiger Bilder, so wie gegen solche, welche unter die Strafbestimmung [...] fallen, die gesetzlichen Repressiv-Maßregeln zu ergreifen.“[8]

Die Erwähnung der Polizei von Dronke erklärt sich dadurch, dass für die dem Präventivsystem unterworfenen Schriftsteller die Polizeibehörden zuständig waren. Die bildenden Künstler belangte die Justiz.

Die Situation änderte sich 1848. Unter dem Einfluss der Straßenaufstände und der Barrikadenkämpfe verfügte die Bundesversammlung schon am 3. März 1848 den Beschluss die Zensur aufzuheben und die Pressefreiheit einzuführen.[9]Am 17. März 1848 wurde von Friedrich Wilhelm IV. das neue Pressegesetz für Preußen erlassen. In Paragraph 1 dieses Gesetz steht: „Die Censur wird hiermit aufgehoben. Alle auf die Censur bezüglichen Bestimmungen, Anordnungen, Einrichtungen und Strafvorschriften treten außer Kraft.“[10]

[...]


[1]Vgl. Unverfehrt, Gerd: Karikatur – Zur Geschichte eines Begriffs, in: Langemeyer, Gerhard (Hg.): Bild als Waffe. Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jahrhunderten, München 1984, S.348.

[2]Vgl. Wolf, Sylvia: Politische Karikaturen in Deutschland 1848/49, Mittenwald 1982, S.9.

[3]Zit. nach Wolf, Politische Karikaturen, S.13.

[4]Vgl. Grünewald, Dietrich (Hg.): Politische Karikatur. Zwischen Journalismus und Kunst, Weimar 2002, S.14f.

[5]Ebenda: S.14.

[6]Vgl. Kruszynski, Gisela: Untersuchungen zur satirischen Illustration in Deutschland, o.O, o.V., 1978, S.26.

[7]Ebenda: S. 27.

[8]zit. nach: Kruszynski: Untersuchungen zur satirischen Illustration, S. 31.

[9]vgl. Henkel, Anne-Katrin: Zeit für neue Ideen. Flugschriften, Flugblätter, Bilder und Karikaturen – Propaganda im Spiegel der Revolution von 1848/49, Wiesbaden; Hameln 1998, S.33 und Wolf, Sylvia: Politische Karikaturen, S.31.

[10]vgl. Pluschke, Maik Joachim: Noch eine Revolution? Über die Karikatur im Vormärz und den Wegfall der Zensur, in: Riha, Karl (Hg.):1848/1849 – Die Republik der Tiere, Ausstellungskatalog, Siegen 1999, S.55.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638351966
ISBN (Buch)
9783638778619
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35204
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0 (sehr gut)
Schlagworte
Politische Karikaturen Rolle Bedeutung Karikatur Verlauf Revolution Deutschland

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