Lade Inhalt...

Digitalisierung im Leasinggeschäft. Der "Online-Leasinggeschäftsprozess"

Hausarbeit 2016 21 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Gang der Arbeit

2. Einführung in das Mobilienleasing

3. Vom Leasingantrag zum Leasingvertrag
3.1. Der „Origination-Prozess“
3.2. Der „Origination-Prozess“ in der Praxis

4. Der „Online-Leasinggeschäftsprozess“
4.1. Der papierlose „Origination-Prozess“ als Basis
4.2. Der automatisierte „Origination-Prozess“
4.3. Die digitalisierte Servicebeziehung
4.4. Auswirkungen auf die Eigentumsübertragung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der elektronischen Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

- Abbildung 1: Ein möglicher Prozess im Leasingunternehmen

- Abbildung 2: 3 Ebenen-Modell einer SOA

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Zielsetzung

Mit einem Anteil von 15 %[1] an den Gesamtinvestitionen ist das Leasinggeschäft eine wichtige Finanzierungsform in Deutschland. Sie wird als Finanzdienstleistung von Leasinggesellschaften (im nachfolgenden LSG bezeichnet) erbracht, die damit zugleich zu den größten privaten Investoren in Deutschland zählen.[2] Als Akteur in der Wirtschaft sehen sie sich aktuell mit verschiedenen Themen konfrontiert. Eine davon ist die Digitalisierung und deren mögliche Auswirkungen auf ihre Geschäftsprozesse. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit möchte sich der Verfasser insbesondere mit den Möglichkeiten beschäftigen, wie ein Leasinggeschäft online abgewickelt werden kann und welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Eigentumsübertragung, sowie laufende Abwicklung der Leasingbeziehung, ausübt. Dabei fokussiert sich der Verfasser auf das Mobilienleasing und deren Objektgruppen, die nicht als Kraftfahrzeuge zu charakterisieren sind. Die untersuchten Objektgruppen machten im Jahr 2014 einen Anteil von ca. 30,0 %[3] am gesamten Neugeschäft des Mobilienleasings aus.

1.2. Gang der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist in vier Kapitel gegliedert. Nach diesem ersten einleitenden Kapital erfolgt in Kapitel zwei eine Einführung in das Mobilienleasing. Danach folgt in Kapitel drei eine Präsentation des bestehenden Prozesses, der durch einen Leasingantrag bei der Leasinggesellschaft angestoßen wird. Hierbei untersucht der Verfasser, sowohl den fachlichen Aufbau, als auch dessen aktuelle Ausgestaltung in den LSG. In Kapitel vier wird auf dem Ergebnis dieser Untersuchung angeknüpft und auf Basis bestehender Technologien Lösungsansätze zur Beantwortung der Fragestellungen präsentiert. Zum Ende erfolgt in den letzten beiden Unterkapiteln des Kapitels vier eine Betrachtung der Auswirkungen eines komplett digitalisierten und automatisierten Leasingprozesses auf die laufende Abwicklung, sowie Eigentümersituation am Leasingobjekt.

2. Einführung in das Mobilienleasing

Sämtliche mobilen materiellen Ausrüstung- oder Immaterialgüter werden als Mobilien definiert.[4] Mit einem Gesamtvolumen von ca. 51,0 Mrd. €[5] im Jahr 2015 machten Mobilien die größte Leasinggruppe in Deutschland aus. Das gesamte Leasingvolumen in Deutschland umfasste 2015 zum Vergleich nur ca. 52,2 Mrd. €[6], sodass ca. 1,2 Mrd. €[7] dem Immobilienleasing zuzuordnen sind. Demzufolge ist das Mobilienleasing der bedeutendste Sektor im deutschen Leasinggeschäft. Hauptursache hierfür ist die vergleichsmäßig seltene Leasingfähigkeit von Immobilien, sowie der Anstieg innovativer strukturierter Finanzierungsformen als konkurrierendes Substitut für Immobilieninvestitionen. Das Neugeschäft im Mobilienleasing wird über fünf Vertriebswege generiert. Gemäß dem Report „Leasing 2015“ vom Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen e.V. wird mit ca. 55,0 % der größte Anteil über Händler und Hersteller gefolgt vom eigenen Außendienst mit ca. 29,0 % vertrieben. Lediglich ca. 10,0 % kommen über den Vertriebsweg Bank, sowie ca. 6,0 % über eigenständige Vermittler, deren Geschäftsmodel auf die Akquise von Leasingkunden ausgerichtet ist. Der geringste Anteil wird mit unter einem 1,0 % über den Vertriebsweg E-Commerce erbracht. Bei diesem Vertriebsweg kontaktiert der Interessent ohne Mitwirken eines Dritten die LSG direkt über ihr eigenes Webportal. Der besondere Vorteil dieses Distributionskanals ist es Objekte mit geringem Anschaffungswert wirtschaftlich effizient vermarkten zu können.[8] Somit würde sich das Mobilienleasing durch ihr durchschnittliches Leasingvolumen von ca. 28.000 €[9] je Leasingobjekt für diesen Vertriebsweg besonders gut eignen. Ein Grund für die im Widerspruch stehende bisherige Ausprägung ist die fehlende Möglichkeit das Leasinggeschäft unmittelbar nach der Beantragung auch online abzuschließen.

3. Vom Leasingantrag zum Leasingvertrag

3.1. Der „Origination-Prozess“

Zur Beantwortung der Fragestellungen, ob und wie ein Leasinggeschäft online abgewickelt werden kann, möchte sich der Verfasser dieser Arbeit näher mit dem Kreditentscheidungsprozess innerhalb einer LSG, der auch als „Origination-Prozess“[10] bezeichnet wird, beschäftigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ein möglicher Prozess im Leasingunternehmen.

Quelle: Sauerland, Axel, (2016): Aufbau von Vendor-Leasing im Zeichen von Industrie 4.0, S. 7, (Dokument 11 der CD).

Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist beginnt der Prozess als Erstens mit der Erfassung der Kundenstammdaten, die unter anderem für die Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten gemäß § 3 Geldwäschegesetz benötigt werden. Als Zweites erfolgt der Abgleich des wirtschaftlich Berechtigten mit den aktuellen Embargolisten, wie z.B. der EU Financial Sanction List gemäß EG 2580/2001 und EG 881/200s2[11], der PEP[12] - oder der OFAC[13] -Liste. Als Drittes folgt die Einholung von Bonitätsdaten von externen Anbietern, wie z.B. der Schufa Holding AG oder der Creditreform AG. Kombiniert mit weiteren abgefragten Bonitätsangaben, die in der unternehmensindividuellen Scorecard definiert sind, entwickelt die LSG im vierten Schritt ein internes Scoring.[14] Das interne Scoring quantifiziert die Ausfallwahrscheinlichkeit des Interessenten.[15] Als Fünftes erfolgt ein Abgleich des internen Scorings mit den unternehmensindividuellen Vergaberichtlinien. Befindet sich das Scoring nicht innerhalb der Vergaberichtlinien wird der Antrag abgelehnt. Alternativ erfolgt im sechsten Prozessschritt die Einholung interner und externer Daten, um den Wiederveräußerungswert des Leasingobjekts bestimmen zu können. Durch die Kombination von internem Scoring und dem Forderungsbetrag der LSG im Insolvenzfall des Leasingnehmers kann der Risikoparameter Loss Given Default ermittelt werden. Das Loss Given Default zeigt die Verlustquote der LSG an die im Falle einer Zwangsverwertung nach Abzug des Verwertungserlöses erreicht werden kann.[16] Mit dem internen Scoring und dem Loss Given Default besitzt die LSG alle notwendigen Kennzahlen, um ein entsprechend maximales Obligo[17], unter Berücksichtigung des Leasingobjekts als Sicherheit, ermitteln zu können. Ist das Obligo größer, als die Anschaffungskosten des beantragten Leasingobjekts, erfolgt abschließend die Ausstellung eines Leasingvertrags in Schriftform[18] und falls nicht wird der Antrag abgelehnt. Somit lässt sich festhalten, dass der gesamte Prozess der Antragprüfung bis zur Vertragserstellung aus neun nacheinander folgenden Einzelschritten besteht von denen bis zu einem Drittel durch die Zusammenarbeit mit Dritten erfolgt. Damit ein Leasinggeschäft komplett online abgewickelt werden kann, bedarf es somit der Bereitschaft aller im Leasingprozess beteiligten Unternehmen diesen automatisieren zu wollen.

3.2. Der „Origination-Prozess“ in der Praxis

Im Nachfolgenden möchte der Verfasser dieser Arbeit sich näher mit der Umsetzung des fachlichen „Origination-Prozesses“ innerhalb einer LSG beschäftigen. Studien belegen, dass der „Origination-Prozess“ einer LSG überwiegend über komplexe veraltete Informationstechnologiesysteme, die auch als Legacy Systeme[19] bezeichnet werden, abgewickelt wird.[20] Legacy Systeme erfordern einen hohen Anteil manueller Tätigkeiten, sodass durchschnittlich 25 Personen im „Origination-Prozess“ beteiligt sind.[21] Dieser hohe Anteil steigert die Wahrscheinlichkeit von menschlichen Fehlern und den damit verbundenen zusätzlichen Kosten.[22] Allein während der Kundenkontoeröffnung werden durchschnittlich ca. 50,0 %[23] des anfallenden Papiers wieder verworfen. Eine komplette Onlineabwicklung des „Origination-Prozesses“ besitzt somit ein hohes Kosteneinsparungs- und Effizienzsteigerungspotential. Dennoch gibt es einige Prozessschritte die bereits heute ganz oder teilweise digitalisierbar sind. Hierzu zählt die Kundenstammdatenerfassung die über ein Webportal direkt vom Vermittler oder dem Kunden online durchgeführt werden kann. Auch die weitere Verarbeitung, bei den Prozessschritten „Abgleich mit Embargolisten“ und „Anfrage externen Bonitätsdaten“, kann heutzutage digital und online durchgeführt werden.[24] [25] Weitere Prozessschritte, wie die Ermittlung des LGD oder des Obligos, können ebenfalls bereits heute mit spezialisierter IT-Software durchgeführt werden. Dies führt zu einer monolithischen und siloartigen IT-Systemlandschaft[26], die sich in Form der bereits beschrieben Legacy Systeme wiederspiegeln und bei LSG bis zu 90,0 % des jährlichen IT-Budgets in Anspruch nehmen.[27]

[...]


[1] Vgl. BDL e.V., Leasing 2015, S. 33, (Dokument 2 der CD).

[2] Vgl. BDL e.V., Leasing 2015, S. 10, (Dokument 2 der CD).

[3] Vgl. BDL e.V., Leasing 2015, S. 35, (Dokument 2 der CD).

[4] Vgl. Rinderknecht, Thomas M., (1984), Leasing von Mobilien, S. 12.

[5] Vgl. Städtler, Arno, (2015), Leasing und Anlageinvestitionen, S. 5, (Dokument 9 der CD).

[6] Vgl. Städtler, Arno, (2015), Leasing und Anlageinvestitionen, S. 5, (Dokument 9 der CD).

[7] Vgl. Städtler, Arno, (2015), Leasing und Anlageinvestitionen, S. 5, (Dokument 9 der CD).

[8] Vgl. BDL e.V., Leasing 2015, S. 39, (Dokument 2 der CD).

[9] Eigene Berechnung, die auf Basis der gesamten Verträge, sowie des Gesamtvolumens aus dem Jahr 2014 ermittelt wurde.

[10] Vgl. Afb Application Servcies (2015), Steigerung der Automation, S. 3, (Dokument 1 der CD).

[11] Diese beiden EG Verordnungen umfassen natürliche und juristische Personen, sowie Staaten mit denen europäische Finanzinstitute keine Geschäftsbeziehung unterhalten dürfen.

[12] Die PEP-Liste enthält alle natürliche Personen, die als politisch exponierte Personen im Vergleich zum normalen Bürger strengeren Anforderungen zur Geldwäsche unterliegen. Dieser Personenkreis wird in der EG Richtlinie 2006/70 definiert.

[13] Die OFAC-Liste wird von dem Office of Foreign Assets Control Department der USA bestimmt und enthält juristische und natürliche Personen, sowie Staaten mit denen ein Unternehmen mit Sitz in den USA keine Geschäftsbeziehung unterhalten darf.

[14] Vgl. Weichert, Thilo; Kamp, Meike, (2005), Scoringsysteme zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit, S. 50, (Dokument 10 der CD).

[15] Vgl. Weichert, Thilo; Kamp, Meike, (2005), Scoringsysteme zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit, S. 25, (Dokument 10 der CD).

[16] Vgl. Honal, Martin, (2009), Loss Given Default von Mobilien, S. 32.

[17] Obligo ist im Finanzwesen ein Begriff für eine Verbindlichkeit bzw. einen Kreditrahmen, den die Bank dem Kunden gewähren kann.

[18] Vgl. Skusa, Nico R., (2012), Handbuch Leasing, S. 92.

[19] Legacy-Systeme sind alte eigenentwickelte Informationstechnologiesysteme, die sich durch eine große Anzahl an Schnittstellen und einer hohen Komplexität auszeichnen.

[20] Vgl. Byrnes, Steve; Donnary, Michael; Baez, Michael; u.a., (2015), Business Performance Index 2014/2015, S. 7, (Dokument 3 der CD).

[21] Vgl. Byrnes, Steve; Donnary, Michael; Baez, Michael; u.a., (2015), Business Performance Index 2014/2015, S. 9, (Dokument 3 der CD).

[22] Vgl. Byrnes, Steve; Donnary, Michael; Baez, Michael; u.a., (2015), Business Performance Index 2014/2015, S. 9, (Dokument 3 der CD).

[23] Vgl. Byrnes, Steve; Donnary, Michael; Baez, Michael; u.a., (2015), Business Performance Index 2014/2015, S. 8, (Dokument 3 der CD).

[24] Vgl. Creditreform AG (Hrsg.), (2011), Sanktionslisten, S. 1 (Dokument 9 der CD).

[25] Vgl. Creditreform AG (Hrsg.), (2015), Chancen, Risiken minimieren, S. 4 (Dokument 8 der CD).

[26] Vgl. Manhart, Klaus; Zimmermann, Mark, (2009), SOA, BI, CRM, ECM, S. 49.

[27] Vgl. Byrnes, Steve; Donnary, Michael; Baez, Michael; u.a., (2015), S. 7, (Dokument 3 der CD).

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668382152
ISBN (Buch)
9783668382169
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351608
Note
1,7
Schlagworte
digitalisierung leasinggeschäft online-leasinggeschäftsprozess

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Digitalisierung im Leasinggeschäft. Der "Online-Leasinggeschäftsprozess"