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Das Phänomen Trashfilm. Exemplarische Analyse der Hai-Trashfilme "Sharktopus" und "Ghost Shark"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 20 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung

2. Das Phänomen Trash
2.1 Rezeptionsmodi
2.2 Entwicklung des Genres
2.2.1 Hai-Trash

3. Exemplarische Analyse der ausgewählten Filme
3.1 Sharktopus
3.2 Ghost Shark
3.3 Das Haimonster als Epitom des Natur/Kultur-Konfliktes
3.4 Analyse im Hinblick auf typische Stilmittel
3.5 Medientheoretische Einordnung der Popularitätsentwicklung des Genres

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung

Als Trashfilme werden Filme bezeichnet, welche sich im Allgemeinen dadurch auszeichnen, dass sie einer qualitativ schlechten Machart entsprechen und mit sehr geringem Budget verwirklicht wurden. Die (produktionstechnische, dramaturgische etc.) Qualität muss hierbei in Kontext zu den momentan gängigen Standards gesetzt werden, wobei diese massiv unterboten werden. Viele der Filme haben mittlerweile sogar einen gewissen Kultstatus erlangt[1]: Der erste Film des Genres, welchem es gelang, ein größeres Publikum auf sich aufmerksam zu machen, Sharknado, erreichte beim Auftakt der Reihe die „Schlechtesten Filme aller Zeiten“ auf Tele 5 beispielsweise mit 3,5 Prozent und 300.000 Zuschauern einen überraschend hohen Marktanteil[2], in den USA sahen den Film bei der Erstausstrahlung rund 1,37 Millionen Zuschauer.[3]

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Trashs im Film, anschaulich gemacht wird dieses am Beispiel von zwei ausgewählten Filmen des Subgenres der Hai-Trashfilme, Sharktopus sowie Ghost Shark, da diese aufgrund ähnlicher Elemente, auf welche im Verlauf der Arbeit näher eingegangen wird, eine gute Vergleichbarkeit ermöglichen.

Zunächst soll der namensgebende Begriff des Trashs erläutert werden, wobei bestimmte wiederkehrende und genrespezifische Merkmale von Trashfilmen erläutert werden, um darauffolgend einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Trashfilm-Genres zu verschaffen und eine Analyse des Phänomens Trash vorzunehmen. Anschließend beginnt die Auseinandersetzung mit den ausgewählten Filmen. Zu diesem Zweck werden beide mit einer kurzen Inhaltsangabe vorgestellt, danach folgt die detaillierte Auseinandersetzung mit denselben, bei welcher der Fokus auf der medienkritischen Beurteilung der Hai-Trashfilme liegt, da spezifische Genres immer auf einem Wiedererkennungseffekt beruhen, welcher rituell charakterisiert werden kann und die Filme somit eine adäquate Vergleichsgrundlage bieten.[4] Hierbei wird besonderer Wert auf die Interpretation unter den Gesichtspunkten eines Natur/Kultur-Konfliktes sowie die Darstellung tradierter Rollenklischees gelegt, ferner werden typische, wiederkehrende Motive analysiert und es erfolgt eine Interpretation derselben sowie die Begründung der Popularitätsentwicklung des Genres.

Das Ziel der Arbeit ist es, die Relevanz der ausgewählten Filme auf Basis der oben genannten Analysekriterien zu beurteilen und ein Fazit zu bilden, in welchem die Faszination dieser Filme medienkritisch begründet wird.

2. Das Phänomen Trash

Das Wort trash stammt vom englischen Wort für Müll, Abfall oder Mist[5], hier ist schon eine deutliche Wertung der Qualität ersichtlich. In der englischen Sprache besteht jedoch seit dem Beginn der Neuzeit eine Unterscheidung zwischen Gütern, Abfällen und Rohstoffen, somit wird ein „Konzept von Müll als Wertzuweisung materieller Konzepte“ erreicht.[6] Mutmaßlich stammt das Wort ursprünglich aus Norwegen und bezeichnet Späne oder andere Holzabfälle, wird jedoch nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern auch im übertragenen Sinne für unsinniges Gerede oder wertlose Objekte benutzt[7], somit zeigt die Wortbedeutung, wie wichtig Abtrennungs- und Unterscheidungsprozesse für ein „Müllkonzept“ sind.[8] Diese Bedeutung wurde in der Moderne nochmals verändert, da sich dem trash benachbarte Begriffe wie junk, waste, rubbish oder garbage zu einem umfassenden theoretischen Konzept, welches auch einen theoretischen Mülldiskurs umfasst, gewandelt haben. Mit ähnlichen Bezeichnungen wie Schund oder Kitsch wurde dem Trash ein neuer ästhetischer Stellenwert beigemessen.[9] Analog zu dem semantischen Bedeutungswandel des ihn klassifizierenden Oberbegriffs veränderte sich im Laufe der Zeit auch der Stellenwert des Trashfilms selbst umfassend.

Während die äußerlich leicht erkennbare Abweichung von gängigen Dramaturgie- und/oder Produktionsstandards immer noch ein konstituierendes Merkmal des Trashfilms darstellt, hat sich die dieser zugrundeliegende Motivation deutlich verändert. Die ersten Trashfilme lassen sich als durchaus ernstgemeinte, sich selbst in der Tradition klassischer Unterhaltungsfilme sehende Produktionen lesen, deren Verfehlung von Qualitätsstandards fehlenden finanziellen und/oder personellen Ressourcen geschuldet ist, und deren komödiantisches Moment sich aus dieser Selbstbild/Fremdbild-Diskrepanz ergibt.

Generell können mit der Bezeichnung Trash Filme charakterisiert werden, mit denen die Macher bewusst alle an die Filmkunst und den guten Geschmack gestellten Erwartungen untergraben und vorrangig nicht an den finanziellen Erfolg der Filme denken. Ein Vorteil der Negativdefinition liegt darin, dass auf den Anspruch, mit dem Film „Kunst“ herzustellen, verzichtet wird.[10]

Merkmale eines Trashfilms sind beispielsweise die dürftige Ausstattung der Sets, Kulissen und Requisiten, welche oft sehr künstlich wirken, schlechte oder innerhalb eines Films nie wechselnde Kostüme, minderwertige, billig aussehende Spezialeffekte, welche keine technisch ausgefeilte Simulation erkennen lassen, schlechte Schauspielerei, minderwertiger Ton und missratene Kameraführung sowie meist triviale, teils unlogische Handlungen mit phrasenhaften Dialogen, die sich in den deutschen Versionen zusätzlich durch schlechte Synchronisationen auszeichnen und welchen es nicht gelingt, eine in sich konsistente und kohärente audiovisuelle Welt zu schaffen[11]. Neue Produktionen nutzen diese Stilmittel jedoch oft bewusst, um gewollt komische Momente zu erzielen, wobei den Anhängern des Genres die beabsichtigte Minderwertigkeit durchaus bewusst ist. Gerade die Amateurhaftigkeit macht den Charme der Trashfilme aus, da sie sich bewusst gegen die Kommerzialisierung und technische Vollkommenheit der Mainstream-Produktionen richten und nicht danach streben, banale Handlungen mit immensem Aufwand herzustellen.

Trash ist „Antikunst als Kunst, ein Fest der Geschmacklosigkeit“ sowie eine „ekstatische Absage an die bildungsbürgerlichen Werte“.[12] Trashfilme repräsentieren die Lust am Abartigen, Sensationellen, Schockierenden und Geistlosen sowie an niveauloser Unterhaltung um ihrer selbst willen. Daher erfordert der Umgang mit diesem Genre ein gewisses Maß an Ironie, da der offizielle Kanon des guten Geschmacks verlassen wird.[13]

Betrachtet man die Filme ohne einen bestimmten Abstand, sind sie einfach minderwertig. Der zugehörige Zynismus, das kokettieren mit dem schlechten Geschmack, und das Verwandeln von schlechtem Geschmack zum künstlerischen Stilmittel, können einen Film zum Kult machen.[14] Somit wird die Definition von Trash als Gegenstück zum künstlerisch wertvollen Film widerlegt, da die Grenzen zwischen Kunst, Mainstream und Trash verschwimmen. Regie-Lieblinge des Postmodernismus, wie Quentin Tarantino und Tim Burton haben es beispielsweise geschafft, die ehemalige Tradition der „Schundfilme“ durch Werke wie Pulp Fiction oder Mars Attacks für alle Publikumsgruppen massentauglich zu machen.[15]

2.1 Rezeptionsmodi

Trashfilme lassen sich auf einige konstante Genres und Subgenres reduzieren. Dazu gehören etwa der Aufklärungsfilm und die Monsterfilme, bis hin zu Science-Fiction-, Horror- sowie Splatterfilmen; eine konsistente Korpusbildung gestaltet sich jedoch schwierig, da Trash sich zwischen dem individuellen Geschmacksurteil und sozialen Konstruktionen befindet und das Ergebnis zahlreicher Individualdiskurse ist.[16] Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass Trash gar kein Genre, sondern eher eine Eigenschaft ist. Das Phänomen des „guten schlechten Films“ unterliegt einer Individualisierung, da Trash im Widerspruch zur Kanonisierung von Filmen steht und nicht in feste Beschreibungsmuster zu pressen ist, des Weiteren steht die Bewertung der Zuschauer immer im Zusammenhang mit sozialen und identitätsstiftenden Dimensionen, welche der Abgrenzung von anderen Gruppen oder Individuen sowie dem Mainstream dienen.[17]

Wenn sich der Trash durch den bewussten Abstand von gängigen Filmstandards definiert, ist er ohne diese, und damit ohne eine „ernsthafte“, d.h. Nichttrash-Filme produzierende Industrie nicht denkbar. Der Trashfilm verhält sich damit quasi parasitär zum Nicht-Trashfilm, indem er von dessen Prämissen profitiert, ohne ihm die Möglichkeiten zur Distinktion einzuräumen (ein Nicht-Trashfilm ist nicht gut, weil er besser als ein entsprechender Trashfilm ist).

Im Adornoschen Sinne muss der Trashfilm als geradezu symptomatisch für die Wirkmechanismen innerhalb der Kulturindustrie bezeichnet werden. Er „fügt Altgewohntes zu einer neuen Qualität zusammen. In all ihren [der Kulturindustrie] Sparten werden Produkte mehr oder minder planvoll hergestellt, die auf den Konsum durch Massen zugeschnitten sind und in weitem Maß diesen Konsum von sich aus bestimmen. Die einzelnen Sparten gleichen der Struktur nach einander oder passen wenigstens ineinander.“[18] Die unabhängig vom bzw. geradezu konträr zum Inhalt stehende Reduktion auf die filmischen und/oder dramaturgischen Stilmittel (oder deren Abwesenheit) macht den Trashfilm von seiner eigenen Geschichte unabhängig, fördert damit dessen innerkulturelle Austauschbarkeit und seine Klassifikation als „[g]eistige Gebilde kulturindustriellen Stils.“[19]

Exemplarisch seien hier die sich in Aufmachung und Thematik fast identisch verhaltenden Fortsetzungen vieler Trashfilme genannt. So existieren alleine von dem in der Einleitung erwähnten Sharktopus (bisher) zwei Fortsetzungen, welchen eine konzeptionelle Weiterentwicklung nur schwer anzumerken ist.

Eine ironische Aufwertung erfährt Trash, im Gegenzug zur Abwertung durch die Bezeichnung als Müll durch das Paradox, dass die Filme nicht einfach schlecht sind, sondern dass es gerade Spaß macht, dass sie so schlecht sind. Die Rezeption der Filme beinhaltet somit eine „deutlich ironische, uneigentliche Komponente“.[20] Das Phänomen Trash lässt sich also als in einem komplexen diskursiven Zusammenhang entstandenes Kulturobjekt definieren, welches der Rezeption als Grundlage für einen selbstreflexiven und auf die Absurdität alles Kulturellen bedachten (ironischen) Zugang dient. Im Folgenden soll durch die Analyse der ausgewählten Filme auf diese Rezeption eingegangen und herausgestellt werden, wie das Phänomen Trash durch die konkreten Beispiele zu erklären ist.

[...]


[1] Erkennbar ist dies beispielsweise daran, dass sich, sowohl von Befürwortern als natürlich auch von kritischen Betrachtern, in unzähligen Internet-Foren, wie u. a. http://www.scifi-forum.de/, http://www.beehave.de/, http://www.filmvisionaere.com/ oder http://forum.mmajunkie.com/ rege über Filme dieser Art ausgetauscht wird.

[2] Vgl. „Trash Hit ‚Sharknado‘ überzeugt auf Tele 5”, In: http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/44216/trashhit_sharknado_ueberzeugt_auf_tele_5/ (09.01.2016).

[3] Vgl. „Syfy ‘Sharknado’ Attracts Average Of 1.369 Million Viewers – Mostly Journalists And Celebrities”, In: http://deadline.com/2013/07/syfy-to-re-run-sharknado-in-response-to-social-media-feeding-frenzy-540202/ (09.01.1025).

[4] Vgl. Lange: Filmwissenschaft, S. 86.

[5] PONS Online-Wörterbuch Englisch, Suchbegriff „trash“.

[6] Vgl. Kulle: Ed Wood, S. 31.

[7] Zu sehen ist dies beispielsweise in William Shakespeares Werk Othello (1603 o. 1604), Akt 5, Szene 1: „Gentleman all, I do suspect this trash to be a party in this injury.”

[8] Vgl. Kulle: Ed Wood, S. 31.

[9] Vgl. ebd., S. 33.

[10] Vgl. „Trash im Film“, In: www.film.at, URL: https://www.film.at/trash_im_film (07.01.2016).

[11] Vgl. Hickethier: Film- und Fernsehanalyse, S. 91.

[12] „Trash im Film“, In: www.film.at, URL: https://www.film.at/trash_im_film (07.01.2016).

[13] Vgl. „Trash im Film“, In: www.film.at, URL: https://www.film.at/trash_im_film (07.01.2016).

[14] Vgl. „Trash im Film“, In: www.film.at, URL: https://www.film.at/trash_im_film (07.01.2016).

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Hickethier: Film- und Fernsehanalyse, S. 18.

[17] Vgl. ebd., S. 24-26.

[18] Adorno, Theodor W.: Resumé über Kulturindustrie, S. 1. In: http://www.mp3-kolleg.de/schroeder/material/CCSchroeder_WS0910_Adorno-Kulturindustrie.pdf (30.01.2016).

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Stiglegger: Rache der Natur, S. 41.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668378704
ISBN (Buch)
9783668378711
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351426
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Medienkultur und Theater
Note
1,7
Schlagworte
phänomen trashfilm exemplarische analyse hai-trashfilme sharktopus ghost shark

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