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Psychologische Erste Hilfe für Helfer des nichtpolizeilichen Bevölkerungsschutzes im Land Brandenburg

Eine Bestandsaufnahme

Hausarbeit 2016 26 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgehensweise

3. Psychische Erste Hilfe und Psychosoziale Notfallversorgung
3.1. Psychische Erste Hilfe
3.2. Psychosoziale Notfallversorgung
3.3. PSNV und Einsatznachsorge im Land Brandenburg

4. Helfergruppen
4.1. PTBS-Prävalenzen verschiedener Helfergruppen
4.1.1. Spontanhelfer
4.1.2. Ehrenamtliche Helfer im Bevölkerungsschutz
4.1.3. Professionelle Kräfte im Bevölkerungsschutz
4.1.4. Zusammenfassung
4.2. Psychologische Aspekte in der Ausbildung von Helfern
4.2.1. Psychologische Aspekte in der Grundausbildung ehrenamtlicher Helfer
4.2.2. Psychologische Aspekte in der Ausbildung zum Rettungssanitäter
4.2.3. Psychologische Aspekte in der Ausbildung zum Notfallsanitäter
4.3. Fazit

5. Diskussion

6. Ausblick

Abkürzungsverzeichnis A

Literaturverzeichnis B

Abbildungsverzeichnis F

Anlage Einsatzstatistik ENT Land Brandenburg 2015 G

1. Einleitung

Besonders nach schweren Unglücken, Großschadenslagen oder anderen, potentiell belastenden Einsätzen, sind es die Einsatzkräfte[1] der Feuerwehren und Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder der Johanniter Unfallhilfe, die den Erstkontakt zu Überlebenden haben (Helmerichs 2010).

Die Notwendigkeit psychosozialer Notfallversorgung und Nothilfe von Betroffenen, also der Betrachtung und der Behandlung der Psyche eines Menschen, kann inzwischen als unbestritten angesehen werden und „sollte schon aus rein humanen Gründen [...] berücksichtigt werden“ (Lasogga & Okoniewski 2013, S.72). Jede Notfallsituation stellt für alle Betroffenen, also die direkten Notfallopfer, aber auch deren Angehörige, einen direkten Eingriff in das Leben dar. Auf einen Schlag kann sich der gesamte Alltag der Opfer ändern und weitere Konsequenzen für die Zukunft haben (ebd., S.71).

„Auch die Belastungen der Helfer, insbesondere die der Rettungsdienstmitarbeiter und Ärzte sowie die daraus resultierenden Folgen wurden in den 1980-er und 90-er Jahren zunehmend thematisiert [...]“ (Gasch & Lasogga 2011, S. 5). Dass auch Helfer nach Notfällen und Einsatzlagen Hilfe benötigen können, ist, Bernd Gasch zufolge, eine Ansicht, die sich immer weiter durchsetzt. So förderte beispielsweise das BMI Forschungsprojekte, welche der Prävention der Einsatzkräfte dienen sollen (ebd., S. 5). Auch Frank Lasogga und Annalena Okoniewski stellten 2013 fest, dass es zwar Strukturen, Pläne und Konzepte für die PSNV von Notfallopfern nach Großschadenslagen und auch bei Individualnotfällen gibt, deren Umsetzung erfolgt in Deutschland aber zum Teil nur mangelhaft (ebd., S.71). Dies deckt sich mit den Eindrücken des Autors dieser Arbeit im Bereich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, die er durch eigene Tätigkeit in der Wasserrettung und durch Gespräche gewann. Seit Beginn der 2000er Jahre spricht die Berichterstattung in den Medien auch von den möglichen Belastungen der Helfer (Gasch & Lasogga 2011, S. 6). Dennoch ist es fraglich, inwieweit die Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen im Land Brandenburg mit den Möglichkeiten der Psychologischen Ersten Hilfe und deren Anwendung vertraut sind.

2. Vorgehensweise

In der vorliegenden Arbeit wird zwischen Psychischer Erster Hilfe und der psychosozialen Notfallversorgung unterschieden. Mit Hilfe von Informationen des Einsatznachsorgeteams Brandenburgs und dessen Einsatzstatistik erfolgt eine Bestandsaufnahme des Angebotes der PSNV für Einsatzkräfte und Betroffene im Land Brandenburg. Anhand verschiedener Studien werden die Unterschiede bei der Prävalenz von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Rettungskräften aufgezeigt. In der Diskussion um die ehrenamtlichen Strukturen im Bevölkerungsschutz ist vermehrt die Rede von sogenannten Spontanhelfern[2]. Diese Spontanhelfer, in der Literatur auch als ungebundene Helfer, Laienhelfer oder Ad-Hoc-Helfer (Kircher 2014, S.594) bezeichnet, werden ebenfalls in die Betrachtung mit einbezogen. Spontanhelfer werden im Bevölkerungsschutz in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, da sich immer weniger Menschen langfristig an eine Organisation binden möchten (Eisel o. J.). Durch den Vergleich verschiedener Ausbildungsinhalte wird untersucht, welchen Stellenwert die psychologischen Aspekte in der Aus- und Fortbildung im Rettungswesen und Katastrophenschutz einnehmen. Hierfür werden exemplarisch die Helfergrundausbildungen des DRK sowie der freiwilligen Feuerwehren betrachtet. In die Betrachtung der Ausbildungen der professionellen Rettungskräfte fließen exemplarisch ein Lehrbuch für Rettungssanitäter sowie ein frei verfügbares Ausbildungscurriculum für die Ausbildung zum Notfallsanitäter des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ein. In der Diskussion und dem folgenden Ausblick soll versucht werden, Schwachstellen im System der PSNV und der Einsatznachsorge im Land Brandenburg aufzuzeigen. Insbesondere im Ausblick sollen Lösungsansätze vorgestellt werden, welche die Akzeptanz von Angeboten der PSNV im Land Brandenburg erhöhen könnten.

3. Psychische Erste Hilfe und Psychosoziale Notfallversorgung

In der psychosozialen Notfallversorgung nach potentiell belastenden Ereignissen wird grundsätzlich zwischen der PSNV für Betroffene (PSNV-B) und für Einsatzkräfte (PSNV-E) unterschieden (Deutsches Rotes Kreuz e.V. 2012). Während des Einsatzverlaufes sind die Helfer Ansprechpartner für die verschiedenen Betroffenen an den Ereignisorten. Sie arbeiten die Einsatzszenarien ab, bevor die eigene psychische Gesundheit und deren Pflege in die Wahrnehmung rücken können. Die Helfer werden durch Frank Lasogga und Harald Karutz in drei Gruppen eingeteilt, die meist auch zeitversetzt eintreffen: Die Laienhelfer, die professionellen nicht-psychologischen Helfer und die psycho-sozialen Notfallhelfer (Lasogga & Karutz 2011, S. 128). Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass Einsatzkräfte „aufgrund einsatzbedingter Belastungen als Hochrisikopopulation hinsichtlich der Erkrankungswahrscheinlichkeit für traumabedingte Störungen gelten [...]“ (Butollo u. a. 2012,S. 19).

3.1. Psychische Erste Hilfe

„‘Psychische Erste Hilfe‘ ist der regelgeleitete psychologisch angemessene Umgang mit direkten und indirekten Opfern von Notfällen. Psychische Erste Hilfe wird von Laienhelfern und professionellen nicht-psychologischen Helfern (Einsatzkräften) geleistet.“ (Lasogga 2011)

Die von Gasch und Lasogga beschriebenen 11 Regeln der Psychischen Ersten Hilfe für professionelle nicht-Psychologische Helfer, also für Einsatzkräfte und schildern die ersten Maßnahmen, die von Helfern im Umgang mit Betroffenen angewandt werden sollen. Diese Regeln beschreiben wünschenswertes Auftreten der eingesetzten Kräfte, welches von Betroffenen überwiegend als positiv wahrgenommen wird (Lasogga 2011, S.73&74). Die PEH kommt dann zum Einsatz, wenn professionelle psychologische Helfer noch nicht eingetroffen sind. Bei der PEH fließen auch Erfahrungen aus dem Rettungsdienst ein, wie zum Beispiel, dass sich Einsatzkräfte erst einmal einen Überblick verschaffen, sich dem Betroffenen mit Namen und Funktion vorstellen oder versucht wird, den Betroffenen von Zuschauern abzuschirmen. Des Weiteren wurden in die Regeln Wahrnehmungen von Betroffenen aufgenommen, die bestimmte Handlungsmuster von Rettungskräften als hilfreich oder angenehm in ihrer Notlage empfanden. Hierzu zählen zum Beispiel das Aufnehmen des vorsichtigen Körperkontakts zum Betroffenen, kompetentes Auftreten, das Weitergeben von Informationen und das aktive Zuhören. Der Betreuungsansatz wird besonders durch die Regeln verdeutlicht, dass die Selbstkontrolle des Betroffenen zu stärken ist und für psychischen Ersatz gesorgt werden soll. Hiermit soll sichergestellt werden, dass der Betroffene stets durch eine Einsatzkraft betreut wird. Wichtig ist auch, sich vom Patienten oder den Betroffenen zu verabschieden. Auch sollen sich Rettungskräfte bei den Laienhelfern bedanken (ebd. S.76-83).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: zeitlicher Verlauf von PEH und PSNV-Maßnahmen Betroffene (Blank-Gorki & Helmerichs 2013, S.21)

3.2. Psychosoziale Notfallversorgung

Obwohl Einsatzkräfte zu einer Hochrisikopopulation gehören, ist die Grundannahme der PSNV, dass die individuelle Bewältigung psychosozialer Belastungssituationen durch persönliche oder eigene Ressourcen erfolgt. Die Angebote der PSNV sind in der Regel als substituierend oder ergänzend anzusehen (Blank-Gorki & Helmerichs 2013, S. 20). Die PSNV für Einsatzkräfte wird in die drei Bereiche primäre, sekundäre und tertiäre Prävention eingeteilt. Die primäre Prävention umfasst verschiedene Instrumente, die in der Einsatzvorbereitung Anwendung finden sollen. Hierfür soll in der Aus- und Fortbildung erreicht werden, dass die Einsatzkräfte speziell in potentiell belastenden Einsatzsituationen eigene Maßnahmen zur Stressvermeidung und Stressreduktion anwenden können (Beerlage u. a. 2008, S. 24). Dazu zählen zum Beispiel das Fördern einer aktiven Gemeinschaft, eine adäquate Teamzusammenstellung, die Personalauswahl oder auch die Dienstplangestaltung (Lasogga & Karutz 2011b, S.163-168).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: zeitlicher Verlauf von PSNV-Maßnahmen für Einsatzkräfte (Blank-Gorki & Helmerichs 2013, S.23)

Nach belastenden Einsatzsituationen greift die sekundäre Prävention. Dabei sollen den Einsatzkräften Hilfen gegeben werden, die unter anderem der Stressbewältigung und der emotionalen Entlastung dienen. In diesem Bereich sind

„alle Maßnahmen, die durch kurzfristige, mittelfristige und langfristige Hilfen und Interventionen nach belastenden Einsatzsituationen emotionale Entlastung, kognitive Orientierung und umfassende Stressbewältigung ermöglichen und somit der Entwicklung langfristiger Fehlbeanspruchungsfolgen, insbesondere psychischen Traumafolgestörungen vorbeugen sollen“ (Beerlage u. a. 2008, S.24) gemeint.

Zu den kurzfristigen Einsatznachsorgemaßnahmen zählen die Maßnahmen, die in zeitlicher Nähe zu dem Einsatz durchgeführt werden. Das geschieht durch unmittelbare Bedürfnisbefriedigung und durch erste begleitete psychosoziale Maßnahmen (Beerlage u. a. 2008, S.24). Des Weiteren zählen hierzu auch Handlungen der Vorgesetzten, die zum Beispiel Helfer aus Einsätzen herauslösen, wenn der Einsatz länger dauert, oder die Einsatzkraft möglicherweise die Belastungsgrenze erreicht hat (Lasogga & Karutz 2011b, S.165). Die mittelfristige, sekundäre Prävention soll betroffene Einsatzkräfte in „regionale (Selbst-)Hilfenetze“ (Beerlage u. a. 2008, S.25) vermitteln und die Helfer in der Verarbeitung des Erlebten stärken. Sollten die kurz- und mittelfristigen Maßnahmen der Krisenintervention nicht greifen beziehungsweise weitergehende Maßnahmen von Nöten sein, greift die Stufe der langfristigen, sekundären Prävention. Hierzu zählen Angebote für Helfer wie Beratung, Betreuung, aber auch die Vermittlung zu möglichen Ansprechpartnern, mit dem Ziel Traumfolgestörungen und Fehlbeanspruchungsfolgen vorzubeugen.

Die tertiäre Prävention greift dann, wenn es zu Beeinträchtigungen im Alltag durch Stressfolgen kommt. Die Betroffenen werden an geeignete Hilfsangebote, Rehabilitationsmaßnahmen oder ärztliche und psychologische Psycho-therapieangebote vermittelt, um weitere Folgeschäden oder Begleiterscheinungen zu verhindern (ebd., S.25).

Die PSNV-E umfasst also „die Gesamtstruktur und die Maßnahmen der Prävention sowie der kurz-, mittel- und langfristigen Versorgung im Kontext von belastenden Notfällen bzw. Einsatzsituationen“ (Blank-Gorki & Helmerichs 2013, S.20). Zu den Zielen der PSNV zählen somit die Früherkennung und Prävention von Belastungsfolgen und die Sicherstellung des Angebotes geeigneter Unterstützung von Betroffenen und Einsatzkräften (ebd., S.20).

3.3. PSNV und Einsatznachsorge im Land Brandenburg

Im Land Brandenburg sind im Bereich der PSNV nach Unglücksfällen zwei Teams tätig. Für Betroffene, Angehörige und belastete Personen kann durch die Einsatzkräfte das Kriseninterventionsteam beziehungsweise die Notfallseelsorge Brandenburg alarmiert werden. Die Alarmierung erfolgt regelhaft durch die Regionalleitstelle Nord-West in der Landeshauptstadt Potsdam (Deimling 2015). Bei bestimmten Einsatzindikationen werden die Helfer automatisch angefordert. Die Notfallseelsorge wird durch die evangelische Kirche getragen und ist in 16 sogenannte Landkreisteams mit insgesamt 169 Mitarbeitern aufgeteilt. Im Jahr 2015 wurde die Notfallseelsorge im Land Brandenburg 812 Mal angefordert (Notfallseelsorge Land Brandenburg 2016).

Für Einsatzkräfte im Land Brandenburg besteht die Möglichkeit, über die zuständige Einsatzleitung das Einsatznachsorgeteam (ENT) Brandenburg anzufordern. Auch dieses wird über die Regionalleitstelle in Potsdam alarmiert. Aber auch Angehörige von Einsatzkräften können Kontakt zum ENT, zum Beispiel über die Internetpräsenz, aufnehmen (Deimling 2015). Die Mitglieder des ENT sind zertifiziert und geschult in der „Stressbewältigung nach belastenden Ereignissen“ (CISM) nach J. Mitchell (ENT Land Brandenburg 2016). Zu den wichtigsten CISM- Maßnahmen gehören das Defusing, Debriefing und das Crisis-Management-Briefing.

Beim Defusing wird in relativ kurzem zeitlichen Abstand zum Ereignis ein Gruppengespräch angesetzt, bei dem die Helfer ihre Erlebnisse aus dem Einsatz wiedergeben. Den eingesetzten Helfern werden zusätzlich Hinweise zur praktischen Bewältigung des Einsatzes in den folgenden Tagen nach dem Einsatz gegeben.

Das Debriefing dient der Aufarbeitung der Ereignisse und erfolgt in versetztem, zeitlichem Abstand (3-10 Tage) zu dem Einsatz. Die Einsatzkräfte sollen in Gesprächen die größten Belastungsfaktoren identifizieren und eigene Verhaltensweisen im Einsatz reflektieren. Hierbei werden ebenfalls Möglichkeiten zur individuellen Bewältigung aufgezeigt und bei Bedarf auch Ansprechpartner für weitergehenden Gesprächsbedarf vermittelt.

Das Crisis-Management-Briefing ist eine Methode, die dann zur Anwendung kommt, wenn eine große Anzahl an Helfern im Einsatz war. Dies kommt zum Beispiel nach sogenannten Großschadenslagen vor. Es werden allgemeine Informationen zu kritischen Ereignissen, potentiellen Traumatisierungen und Traumfolgestörungen an die Betroffenen weitergegeben. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für Einzelgespräche und Nachfragen (Hausmann 2011).

Das ENT arbeitet zusätzlich, insbesondere bei Großschadenslagen, mit der Methode der Einsatzbegleitung. Dabei stehen die Mitglieder der Einsatznachsorge bei dem Einsatz den eingesetzten Kräften im Hintergrund beratend und begleitend zur Verfügung. Ziel soll es sein, die Helfer zu stabilisieren und präventiv auf sie einzuwirken, um die Einsatzfähigkeit so schnell es geht wiederherzustellen (Deimling 2015).

Im Vergleich zur Notfallseelsorge wurde das ENT im Jahr 2015 verhältnismäßig selten alarmiert. Es kam zu 39 Anforderungen durch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. In 20 Fällen ging die Anforderung von Polizeikräften aus. Ursächlich waren hierbei unter anderem verletzte Kollegen, Suizide von Kollegen oder besonders schwere Einsätze mit toten Personen. Im gesamten Land Brandenburg wurde das Einsatznachsorgeteam viermal durch Rettungsdienste, inklusive Berufsfeuerwehren, angefordert. 14 Alarmierungen erfolgten durch freiwillige Feuerwehren im Land Brandenburg (Reichert 2016).

4. Helfergruppen

Derzeit lassen sich, aufgrund ihrer Professionalisierung und Beschäftigungsart, drei große Gruppen von Helfern in Deutschland ausmachen. Die Gruppe, die in der Regel den geringsten Grad an Professionalisierung aufweist, sind die sogenannten Spontanhelfer oder auch ungebundenen Helfer. Diese Helfer können durchaus Fähigkeiten aus dem privaten und beruflichen Umfeld in den Einsatz einbringen, von Erfahrungen im Bevölkerungsschutz ist aber nicht auszugehen. Diese Gruppe von Helfern zeichnet sich durch eine hohe Selbstorganisation aus und kommt meist bei länger andauernden Szenarien, wie zum Beispiel Hochwasserlagen oder in der Bewältigung der Flüchtlingskrise zum Einsatz (Ely u. a. 2015, S.75-76).

Die zweite im Bevölkerungsschutz tätige Gruppe umfasst die ehrenamtlichen Helfer. Diese Helfergruppe verfügt in der Regel mindestens über eine Grundausbildung im Bereich des Katastrophenschutzes. Auch wenn die Ausbildungen in den verschiedenen Hilfsorganisationen unterschiedlich verlaufen, so sind sie doch ähnlich strukturiert (Scholl 2015, S.365 ff.). Im Zuge der Verwendungen innerhalb ihrer Hilfsorganisation werden die Helfer nach der Grundausbildung nach eigenen Interessen und der Schwerpunktaufgabe der Organisation entsprechend weiter aus- und fortgebildet.

Zu der dritten Helfergruppe im Bevölkerungsschutz zählen die hauptamtlichen Rettungskräfte der Rettungsdienste und Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Helfer weisen in der Regel den höchsten Grad an Professionalisierung auf, da die Ausbildungen sehr umfangreich sind. In der Regel sind die hauptamtlichen Kräfte auch die ersteintreffenden, professionellen Kräfte an einem Einsatzort.

4.1. PTBS-Prävalenzen verschiedener Helfergruppen

Wie in Kapitel drei bereits beschrieben, gelten Einsatzkräfte aufgrund ihrer Tätigkeit als Hochrisikopopulation in Bezug auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit traumbedingter Störungen. Insbesondere nach schweren Naturkatastrophen oder ähnlichen Unglücksfällen, kann zumindest bei allen Helfergruppen erwartet werden, dass sie mit potentiell traumatisierenden Ereignissen konfrontiert werden.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung geschlechterspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen beziehen alle Geschlechter gleichermaßen mit ein.

[2] Ungebundene Helfer sind „Menschen, die sich unter dem Eindruck einer Katastrophe während oder nach dem Ereignis für die Hilfeleistung zur Beseitigung der Folgen des Katastrophenereignisses mit ihren Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Sie kommen aus Gebieten und Bereichen, die nicht von dem Katastrophenereignis betroffen sind. Sie reisen unter Umständen auch aus größerer Entfernung an. Sie werden meist über soziale Medien oder professionelle Berichterstattung zur Hilfe angeregt. Sie können sich entweder selbst organisieren oder stellen ihre Hilfskraft den organisierten Einrichtungen des Katastrophenschutzes zur Verfügung“ (Kircher 2014, S.595).

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668376588
ISBN (Buch)
9783668376595
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351218
Institution / Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften – Internationale Not- und Katastrophenhilfe
Note
2,0
Schlagworte
PSNV PFA Psychologische Erste Hilfe Psychologie Psychosoziale Nachversorgung PTBS Einsatzkräfte Posttraumatische Belastungsstörung PTSD Notfall Seelsorge Notfallseelsorge Brandenburg BOS Einsatznachsorge Einsatznachsorgeteam Psychohygiene

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Titel: Psychologische Erste Hilfe für Helfer des nichtpolizeilichen Bevölkerungsschutzes im Land Brandenburg