Lade Inhalt...

NAFTA und sein Einfluss auf den internationalen Handel. Mögliche Implikationen auf die Verteilung des Einkommens durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen

Bachelorarbeit 2016 52 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. NAFTA als nordamerikanisches Modell des Freihandels
2.1 Überblick.
2.2 Der Abbau von Handelshemmnissen
2.3 Erwartungen und Ängste
2.4 Überblick über die Entwicklung des Handels
2.5 Exkurs: Unvorhersehbare nationale und internationale Ereignisse

3. Theoretisch-empirische Analyse des bilateralen Handels
3.1 Das Heckscher-Ohlin-Modell
3.2 Empirische Analyse des bilateralen Handels
3.3 Implikationen auf die Verteilung des Einkommens
3.4 Ergebnis.

4. NAFTA im Kontext der Neuen Außenhandelstheorie
4.1 Das Krugman-Modell des intra-industriellen Handels
4.2 Intra-industrieller Handel zwischen den NAFTA-Staaten
4.3 Ergebnis.

5. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handelswachstum 1993-2015 in Prozent

Abbildung 2: Beweis des Faktorproportionentheorems

Abbildung 3: Auswirkungen von Freihandel auf Preis und Produktion

Abbildung 4: Internationales Handelsgleichgewicht

Abbildung 5: Bilateraler Handel mit Waren der Automobilindustrie (HS 87)

Abbildung 6: Bilateraler Handel mit Agrarprodukten

Abbildung 7: Bilateraler Handel mit Textilien (HS 50,51,52,61,62)

Abbildung 8: Mexikanische und Chinesische Kleidungsexporte in die USA

Abbildung 9: Top-Exportprodukte der USA im bilateralen Handel (2015)

Abbildung 10: Durchschnittlicher Jahreslohn in den USA und Mexiko

Abbildung 11: Marktgleichgewicht bei monopolistischer Konkurrenz

Abbildung 12: Marktvergrößerung durch Freihandel

Abbildung 13: NAFTA und Exportvielfalt

Abbildung 14: Ausländische Direktinvestitionen in Mexiko

Abbildung 15: Effektiver Wechselkurs des amerikanischen Dollars und des mexikanischen Pesos

Abbildung 16: Bilateraler Handel mit Obst und Gemüse (HS 07 + 08)

Abbildung 17: Bilateraler Handel mit Getreide (HS 10)

Abbildung 18: US-Maisexporte und mexikanische Importkontingente

Abbildung 19: Chinesische und Mexikanische Textilexporte in die USA

Abbildung 20: Wert des chinesischen Yuan im Vergleich zu Peso und US-Dollar

Abbildung 21: US-Handelsbilanz mit Mexiko 1990 - 2015 (in Milliarden)

Abbildung 22: Einkommensentwicklung in den USA

Abbildung 23: Least-traded goods: Mexiko to Canada

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auswirkungen der Zollsenkungen auf das Wachstum der Exporte

Tabelle 2: Berechnung des GLI für ausgewählte Industrien (2015)

Tabelle 3: Zusammensetzung des Handelswachstums (1993 - 2001)

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Vor mehr als zwei Dekaden unterzeichneten die Präsidenten der USA, Mexikos und Kanadas das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA und schufen damit eine der größten Freihandelszonen der Welt. Im Rahmen des Abkommens, das 1994 in Kraft trat, wurden fast alle tarifären und viele nicht tarifären Handelshemmnisse zwischen den drei Nationen eliminiert.

Obwohl es in der Wirtschaftstheorie seit Adam Smith als erwiesen gilt, dass freier Handel den Wohlstand der Nationen steigert, stieß NAFTA seinerzeit in weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung. Während einige Politiker in den USA und Mexiko NAFTA als Allheilmittel anpriesen, schürten andere die Ängste der Menschen. Die Diskussion um NAFTA und den Freihandel als solchen, hat seit dem Inkrafttreten des NAFTA nicht abgenommen. Seit 1994 verging kein US-Wahlkampf in dem nicht über NAFTA diskutiert wurde. Einen neuen Höhepunkt hat die Debatte im aktuellen Wahljahr 2016 erreicht. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton möchte das Abkommen neu verhandeln und ihr republikanischer Kontrahent Donald Trump droht gar damit, die Freihandelszone zu verlassen. Doch die Diskussion um den freien Handel ist nicht nur in Nordamerika neu entfacht. Auch in Europa regt sich der Widerstand, wie die aktuelle Diskussion um die Transatlantic Trade and Investment Partnership, kurz TTIP, zeigt.

Dies wirft die Frage auf, ob der Freihandel wirklich so negativ ist wie sein Ruf oder, ob der Abbau von Handelshemmnissen neben dem Handel auch den Wohlstand steigert. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie der mögliche Wohlfahrtsgewinn, gemessen an der Höhe der Einkommen, verteilt ist. Profitieren allein die multinationalen Konzerne vom freien Handel wie es Globalisierungsgegner kritisieren oder werden Gewinne gleich verteilt? Besonders interessant ist die Frage nach der Performance der mexikanischen Wirtschaft, denn NAFTA war das erste Handelsabkommen zwischen Industrieländern und einem Entwicklungsland.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss von NAFA auf den internationalen Handel und die Verteilung der Einkommen zu untersuchen. Der Fokus der Analyse wird dabei auf den bilateralen Handel zwischen den USA und Mexiko gelegt. Mit dem methodischen Werkzeug der Außenhandelstheorie sollen sowohl die Entwicklung der Handelsströme zwischen beiden Ländern als auch die Entwicklung der Einkommen untersucht werden. Hierzu sollen Empirie und Theorie einander gegenübergestellt werden.

Die Arbeit ist in fünf Kapitel untergliedert. In Kapitel 2 wird das NAFTA zunächst vorgestellt und ein Blick auf die dem Abkommen inhärenten Vorschriften zum Abbau von Handelshemmnissen geworfen. Darüber hinaus wird die öffentliche Debatte im Vorfeld der Unterzeichnung in ihren Grundzügen skizziert. Ein Exkurs, der sich mit weiteren Ereignissen von großer makroökonomischer Bedeutung befasst, schließt das Kapitel ab.

Kapitel 3 widmet sich der theoretisch-empirischen Analyse von Handels- strömen und Einkommen. Zunächst wird das Heckscher-Ohlin-Modell, als Referenzmodell der klassischen Außenhandelstheorie vorgestellt. Darauf folgend wird die empirisch beobachtbare Entwicklung der Handelsströme sowie die Verteilung der Einkommen unter Bezugnahme auf das Heckscher- Ohlin-Modell analysiert.

Gegenstand von Kapitel 4 ist der intra-industrielle Handel, der einen Großteil des Handels zwischen den USA und Mexiko ausmacht. Um diesen theoretisch zu erklären, wird zunächst mit dem Krugman-Modell ein Modell der Neuen Außenhandelstheorie vorgestellt. Im Anschluss daran folgt eine empirische Analyse der Bedeutung des intra-industriellen Handels für den Warenaustausch zwischen den beiden NAFTA-Staaten die alternative und in der öffentlichen Debatte um Freihandel oft unbeachtete Quellen steigenden Wohlstands in den Vordergrund stellt.

Das fünfte Kapitel zieht ein Resümee über den Erfolg oder Misserfolg des NAFTA und versucht die in dieser Einleitung aufgeworfenen Fragen bezüglich des Handels und der Einkommensverteilung zu beantworten. Darüber hinaus gibt es einen Ausblick auf das zukünftige Potential des NAFTA.

2. NAFTA als nordamerikanisches Modell des Freihandels

2.1 Überblick

Am 1. Januar 1994 trat das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko und Kanada in Kraft. Durch das Abkommen entstand einer der größten Wirtschaftsblöcke der Welt mit einer Bevölkerung von 360 Millionen Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt von zusammen mehr als 6 Billionen US-Dollar.1 Die Integration im Rahmen des NAFTA ist nicht mit der wirtschaftlichen und ökonomischen Integration innerhalb der EU vergleichbar. Die NAFTA-Staaten haben weder ein gemeinsames Parlament, noch eine gemeinsame Währung.2

Die Ziele des NAFTA sind in Artikel 102 Absatz 1 des Vertrages geregelt. Dieser nennt den Abbau von Handelshemmnissen als oberstes Ziel. Des Weiteren sollen die Staaten für faire Wettbewerbsbedingungen und für verbesserte Investitionsmöglichkeiten im NAFTA-Territorium Sorge tragen. Ferner werden die Mitglieder dazu angehalten, den Schutz des geistlichen Eigentums in ihrem Staatsgebiet sicherzustellen und Verfahren zur effektiven Durchsetzung der Vertragsklauseln zu entwickeln.3

Nicht zuletzt versprach man sich von NAFTA auch die Schaffung eines wettbewerbsfähigen Wirtschaftsblocks. Großes Potential versprach die komplementäre Ausstattung der Staaten mit Produktionsfaktoren. Während die USA das kapitalreichste und technologisch fortschrittlichste Land waren, war Mexiko reich an günstigen Arbeitskräften. Kanada ergänzte das Ganze mit seinen umfangreichen natürlichen Ressourcen.4

Für die USA stellte NAFTA vor allem eine Chance dar, durch Abschaffung der Zölle von Mexiko als Absatzmarkt zu profitieren. Darüber hinaus bestand die Hoffnung, das seit langem schwierige politische Verhältnis zum südlichen Nachbarn verbessern zu können und durch bilateralen Handel zur Sicherung der Demokratie im Nachbarland beitragen zu können.5

Für Mexiko stellte der Beitritt zur Freihandelszone neben dem zollfreien Zugang zum restlichen nordamerikanischen Markt vor allem einen weiteren Schritt im Liberalisierungsprozess der heimischen Wirtschaft dar. Diesen hatte das Land bereits Mitte der achtziger Jahre, nach einer schweren Schuldenkrise, mit einem umfangreichen Reformpaket zur Öffnung des heimischen Marktes beschritten.6 Der Beitritt zum NAFTA sollte zeigen, dass es das Land mit seiner Marktliberalisierung ernst meint.7

2.2 Der Abbau von Handelshemmnissen

Vor NAFTA wurde der Warenverkehr zwischen Mexiko und den USA durch viele tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse erschwert. 1993 betrug der durchschnittliche mexikanische Zoll auf US-Produkte 12%, die USA verzollten mexikanische Importe mit durchschnittlich 2%. Innerhalb der ersten 10 Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens wurden die wichtigsten Zollsenkungen umgesetzt. Bis zum Jahr 2001 sank der durchschnittliche amerikanische Zoll auf mexikanische Importe auf 0,2%, der mexikanische Zoll auf Importe aus den Vereinigten Staaten sank auf 1,3%.8

Automobilindustrie

In der Automobilindustrie wurden im Rahmen des NAFTA zunächst die Herkunftsbestimmungen für Autos und Autoteile verschärft. Dadurch sollte verhindert werden, dass nicht-nordamerikanische Firmen über Umwege von der Zollfreiheit innerhalb Nordamerikas profitieren könnten. Autos müssen seit 2002 zu 62,5% in Nordamerika gefertigt worden sein, um zollfrei im NAFTA-Raum gehandelt werden zu können. Die mexikanischen Importzölle für Autos und Kleintransporter fielen 1994 von 20% auf 10%. Bis 2003 wurden alle Zölle auf Autos und Autoteile vollständig abgebaut. Zu den größten nichttarifären Handelshemmnissen gehörten mexikanische Vorschriften zum Ausgleich der Handelsbilanz. Jedem US-Dollar an Automobilimporten musste mindestens 1,75 US-Dollar an Exporte gegenüberstehen. Diese Vorschriften wurden bis 2004 abgeschafft.9 Die Importzölle auf amerikanischer Seite betrugen vor NAFTA 2,5% für Autos, 20% für Kleintransporter und 3,5% für Autoteile. Auch sie wurden innerhalb von 10 Jahren ausnahmslos abgebaut.10

Agrarsektor

Der Agrarsektor ist der einzige Sektor, der im Rahmen des NAFTA nicht durch ein trilaterales, sondern durch bilaterale Abkommen geregelt ist.11 Das Abkommen zwischen den USA und Mexiko sah den Abbau aller Handelshemmnisse vor.12 Allerdings wurden Zölle nicht gleichzeitig, sondern phasenweise abgebaut. Hierzu wurden die Agrarprodukte in die Kategorien A, B, C und C+ eingeteilt. Für Produkte der Kategorie A wurden alle Zölle zum 1. Januar 1994 eliminiert. Produkte der Kategorie B, C und C+ konnten der Reihenfolge entsprechend ab dem 5., 10. und 15. Jahr frei gehandelt werden. Darüber hinaus gab es einige Produkte, bei denen man durch eine schnelle Liberalisierung mit desaströsen Effekten auf die heimische Landwirtschaft rechnen musste. Darunter fielen aus mexikanischer Sicht Mais und dehydrierte Bohnen. Aus Sicht der USA gehörten zahlreiche Obst- und Gemüsesorten zu dieser Kategorie. Um den heimischen Industrien Zeit für den Transformationsprozess zu geben, wurden Zollkontingente für diese Produkte etabliert. Kontingente sehen individuelle Obergrenzen für den Import bestimmter Produkte vor. Solange die Importe den zuvor festgelegten Wert nicht überschreiten, können sie zu einem niedrigen Zoll oder, wie im Fall des NAFTA, zollfrei importiert werden. Übersteigen die Importe dagegen eine bestimmte Schwelle, so wird ein vergleichsweise hoher Zoll, der sogenannte over-quota-tariff, erhoben. Die Quote für den Import von amerikanischen Mais lag 1994 in Mexiko beispielsweise bei 2,5 Millionen metrischen Tonnen und der over-quota-tariff betrug 215%. Das Abkommen sah ein jährliches Wachstum der Kontingente bei gleichzeitiger Senkung des over-quota-tariffs vor.13

Textilindustrie

Die Textilindustrie war in den USA, wie auch in anderen Industrienationen, ein durch hohe Zölle geschützter Wirtschaftszweig. Wenngleich hohe Herkunftsbestimmungen dem Freihandel Grenzen setzten, war die Liberalisierung des Handels mit Textilien zwischen den drei Ländern ein Novum, denn nie zuvor hatten Industrieländer den Textilhandel mit einem Entwicklungsland wie Mexiko derart liberalisiert.14 Vor NAFTA konnte Mexiko bereits 65% seiner Textilerzeugnisse zollfrei in die USA exportieren. Auf die übrigen Produkte wurde durchschnittlich 17,9% Zoll erhoben. Die mexikanischen Zölle für amerikanische Textilien lagen zwischen 16% und 20%. Innerhalb von 10 Jahren wurde der Handel komplett liberalisiert.15

2.3 Erwartungen und Ängste

In der US-Debatte griffen sowohl Befürworter als auch Gegner des NAFTA auf merkantilistische Argumente zurück. Gegner des Freihandelsabkommens kritisierten, dass sowohl steigende Importe von mexikanischen Gütern, als auch die steigenden Direktinvestitionen amerikanischer Firmen im Nachbarland, zur Zerstörung amerikanischer Arbeitsplätze führen würden. Des Weiteren befürchteten die Kritiker des Freihandels, dass NAFTA die mexikanische Landwirtschaft zum Kollabieren bringen würde und in Folge dessen eine Flut von unqualifizierten mexikanischen Landarbeitern in die USA strömen würde. Die Befürworter waren dagegen der Meinung, dass durch NAFTA die komparativen Vorteile der einzelnen Länder besser genutzt werden könnten. Mittels fallender Preise für Importgüter würden sowohl die Endverbraucher als auch die Industrie von NAFTA profitieren.16 Präsident Clinton pries das Abkommen gar als Lösung des Problems der illegalen Einwanderung an, denn durch das NAFTA würden attraktivere Arbeitsplätze in Mexiko entstehen. Gleichzeitig, so Clinton, könnten amerikanische Firmen von Mexiko als Absatzmarkt profitieren.17

Mexikos Präsident Salinas versprach demgegenüber, dass NAFTA Mexiko zu einem Land der Ersten-Welt machen würde. Im Sinne des in Kapitel 3 thematisierten Faktorpreisausgleichstheorems, versprach er damit, dass NAFTA zu einer Angleichung des Pro-Kopf-Einkommens und der Löhne in den USA und Mexiko führen würde.18 Doch vor allem im mexikanischen Agrarsektor, in dem etwa 25% der Bevölkerung arbeiteten, sah man NAFTA mit großer Sorge. Der lange durch staatliche Subventionen und Importzölle geschützte Wirtschaftszweig sollte sich fortan dem internationalen Wettbewerb stellen.19 Hoffnungen beruhten auf dem arbeitsintensiven Frucht- und Gemüseanbau, der das Potenzial aufwies unter NAFTA zu wachsen.20 In der Manufaktur gaben niedrige Löhne Grund zur Hoffnung auf eine Produktionsausweitung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.21

Über die NAFTA-Staaten hinaus sorgte die Unterzeichnung des Abkommens in Zentralamerika für Beunruhigung. Dort wurde befürchtet, dass NAFTA zu Handelsumlenkungen führen könnte, von denen Mexiko als NAFTAMitglied auf ihre Kosten profitieren würde.22

2.4 Überblick über die Entwicklung des Handels

Seit Inkrafttreten des NAFTA ist der Handel zwischen den USA und Mexiko sehr stark gestiegen. Während 1993 Waren im Wert von 81 Milliarden US- Dollar gehandelt wurden, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2015 auf 532 Milliarden US-Dollar.23 Damit stieg der bilaterale Handel um 556% und somit deutlich stärker als der Welthandel wie Abbildung 1 darlegt.

Abbildung 1: Handelswachstum 1993-2015 in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten der U.S. Customs and Border Protection (2016); World Bank (2016). Es gilt 1993 = 100%.

In Anbetracht dieses enormen Wachstums stellt sich die Frage, welchen Anteil NAFTA daran hatte, dass der bilaterale Handel zwischen den beiden Staaten stärker gewachsen ist als der Welthandelt. Diese Frage soll in Kapitel 3 beantwortet werden. Zuvor soll ein kurzer Exkurs aber noch einige Ereignisse von größerer Bedeutung vorstellen, die es bei der Analyse in Kapitel 3 zu beachten gilt.

2.5 Exkurs: Unvorhersehbare nationale und internationale Ereignisse

Nicht alle positiven und negativen Veränderungen des Handels und der Einkommensverteilung sind auf NAFTA zurückführbar.24 Ein Exkurs soll drei Ereignisse vorstellen, die den bilateralen und die Entwicklung der Einkommen seit 1994 stark beeinflusst haben.

Erstens ist hier die mexikanische Peso-Krise von 1994/1995 zu nennen. Um das steigende Haushaltsdefizit zu finanzieren, gab Mexiko 1994 zunehmend auf Peso lautende Staatsanleihen mit einer garantierten Rückzahlung zu einem festen vereinbarten Dollarkurs aus. Nach politischen Unruhen im Jahr 1994 wuchsen die Zweifel der Investoren. Durch massive Verkäufe der Anleihen sanken die Devisenbestände (US-Dollar) der mexikanischen Zentralbank binnen kürzester Zeit. Eine schlechte Geldpolitik der Notenbank trug dazu bei, dass der Wert des Pesos zum US-Dollar Ende 1994 stark einbrach und das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzte.25

Zweitens hatte der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 weitreichende Konsequenzen für den Handel zwischen den USA und Mexiko. Noch 1995 war China weder für die USA noch für Mexiko ein Handelspartner von größerer Bedeutung. Im Jahr 2009 war China dagegen bereits zweitwichtigster Handelspartner beider Nationen.26

Drittens haben zwei Rezessionen, eine in den USA (2001) und eine globale (2009), dazu geführt, dass der Handel stark einbrach.27

3. Theoretisch-empirische Analyse des bilateralen Handels

In diesem Kapitel soll zunächst das Heckscher-Ohlin-Modell als klassisches Modell der Außenhandelstheorie vorgestellt werden. Im Anschluss folgt eine Überprüfung der Validität des Modells anhand der empirisch beobachteten Handelsströme zwischen den USA und Mexiko sowie der Entwicklung der Einkommensverteilung in beiden Ländern. Ein Resümee zum Einfluss des NAFTA auf Handel und Einkommen schließt das Kapitel ab.

3.1 Das Heckscher-Ohlin-Modell

Das von Eli Heckscher und Bertil Ohlin entwickelte Heckscher-Ohlin-Modell erklärt den internationalen Handel über komparative Vorteile, die auf der unterschiedlichen Ausstattung der Länder mit Produktionsfaktoren beruhen. Die folgende Darstellung des Modells basiert, soweit nicht anders vermerkt, auf dem Buch International Economics von Husted und Melvin.28

Die im Folgenden vorgestellte „2x2x2-Variante“ des Modells betrachtet zwei Ländern, die zwei unterschiedliche Güter mit den beiden einzigen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital herstellen. Die beiden Länder unterscheiden sich in ihrer Ausstattung mit diesen Produktionsfaktoren. Im Folgenden wird angenommen, dass Land A ein relativ kapitalreiches Land ist, während Land B reich mit dem Faktor Arbeit ausgestattet ist. Formal lässt sich dies wie folgt ausdrücken:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenso unterscheiden sich die beiden Güter, im folgenden Autos und Textilien, in ihren Faktorintensitäten. Zur Produktion eines Autos werden mehr Einheiten Kapital pro Einheit Arbeit als bei der Produktion von Kleidungsstücken benötigt, sodass das Gut Auto als relativ kapitalintensives Gut bezeichnet werden kann. Demgegenüber sind Kleidungsstücke ein arbeitsintensives Gut. Formal lässt sich dies wie folgt ausdrücken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüber hinaus gelten folgende Prämissen für das Heckscher-Ohlin-Modell.

- Es herrscht Freihandel und vollständiger Wettbewerb.
- Transportkosten spielen im Rahmen des Modells keine Rolle.
- Die Produktionsfaktoren sind international nicht mobil.
- Die Produktionsfunktionen sind in beiden Länder identisch.
- Die Produktionsfunktionen der beiden Güter sind verschieden.
- Die Produktionsfunktionen weisen konstante Skalenerträge auf.
- Die Nachfrage nach den produzierten Gütern ist in beiden Ländern gleich und unabhängig vom Einkommen.
- Das Modell schließt Umkehrungen in den Faktorintensitäten der beiden betrachteten Güter aus.29

Das Faktorproportionentheorem

Dem Faktorproportionentheorem zufolge, exportiert jedes Land das Gut, bei dessen Produktion es einen komparativen Vorteil aufweist. Anders ausgedrückt: Jedes Land exportiert das Gut, das den im Inland relativ reichlich vorhandenen Produktionsfaktor intensiv nutzt. Folglich wird das relativ kapitalreiche Land A kapitalintensive Autos exportieren, während das relativ arbeitsreiche Land B arbeitsintensive Textilien exportieren wird.

In Abbildung 2 sind die Transformationskurven der Länder A und B bei Autarkie zu sehen. Beide verlaufen konkav, aber unterschiedlich. Zusätzlich sind die Indifferenzkurven beider Länder abgebildet. Da die Präferenzen in beiden Ländern gleich sind, weisen auch die Indifferenzkurven die gleiche Form auf. Die Neigung der Indifferenzkurven gibt die, in den Produktions- punkten I und X herrschenden, Preisverhältnisse in beiden Ländern wieder. Wie man unmittelbar aus der Grafik ablesen kann, ist der Winkel, der an den Produktionspunkt angelegten Tangente und damit deren Neigung, für Land A deutlich geringer als für Land B. Daraus folgt unmittelbar, dass das Preisverhältnis im Land A kleiner sein muss als im Land B.

Abbildung 2: Beweis des Faktorproportionentheorems

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Husted/Melvin (2013), S. 73

Formal lässt sich dies wie folgt ausdrücken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das relativ kapitalreiche Land A weist gegenüber Land B offensichtlich einen komparativen Vorteil in Bezug auf die Produktion von Autos auf. Das relativ arbeitsreiche Land B hingegen besitzt einen komparativen Vorteil in Bezug auf die Textilien-Produktion.

Einführung von Freihandel

Tritt Land A in Handelsbeziehungen mit Land B so hat dies Auswirkungen auf die Güterpreise und die Produktion des Landes. Durch die Einführung von Freihandel steigt die ausländische Nachfrage nach Autos im Land A und der Preis des Gutes steigt im Inland wie in Abbildung 3 zu sehen ist.

Da mit dem Anstieg des Autopreises auch die Terms-of-Trade steigen, verschiebt sich die Produktion im Land A. Durch den neuen realen Wechselkurs kann Land A im Ausland nun mehr Einheiten Textilien pro Einheit Autos bekommen. Die Produktion von Textilien wird in Land A eingeschränkt, während die Produktion von Autos ausgeweitet wird. Dies belegt die Verschiebung des Produktionspunktes von ଴ zu ଵ in Abbildung 3.

[...]


1 Vgl. Hufbauer/Schott (2010), S. 1.

2 Vgl. Baer/Weintraub (1994), S. 111.

3 Vgl. NAFTA Secretariat (2016).

4 Vgl. Blecker (2014), S. 8.

5 Vgl. Hufbauer/Schott (2010), S. 2.

6 Die Schuldenkrise der achtziger Jahre darf nicht mit der weiter unten thematisierten mexikanischen Währungskrise von 1994/1995 verwechselt werden.

7 Hufbauer/Schott (2010), S. 3.

8 Vgl. Lederman et al. (2005), S. 3.

9 Vgl. Hufbauer/Schott (1993), S. 369f.

10 Vgl. Villareal/Fergusson (2014), S. 6

11 Vgl. Hufbauer/Schott (1993), S. 47.

12 Vgl. Hufbauer/Schott (2010), S. 284

13 Vgl. Hufbauer/Schott (1993), S. 47-51

14 Vgl. Hufbauer/Schott (1993), S. 45.

15 Vgl. Villareal/Fergusson (2014), S. 6.

16 Vgl. Burfisher/Robinson/Thierfelder (2001), S. 125.

17 Vgl. Blecker (2014), S. 6.

18 Vgl. Blecker (2014), S. 6.

19 Vgl. Burfisher/Robinson/Thierfelder (2001), S. 125 und Galbraith (2014), S. 61.

20 Vgl. Burfisher/Robinson/Thierfelder (2001), S. 134.

21 Vgl. Burfisher/Robinson/Thierfelder (2001), S. 61.

22 Vgl. Lederman et al. (2005), S.289.

23 Vgl. United States Census Bureau (2016).

24 Vgl. Villareal/Fergusson (2014), S. 10.

25 Vgl. Hufbauer/Schott (2010), S. 8-10.

26 Vgl. Dussel Peters/Gallagher (2013), S. 86.

27 Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V (2016).

28 Vgl. Husted/Melvin (2013), S. 67 - 82.

29 Die Darstellung der Modellprämissen ist aufgrund der übersichtlicheren und kompakteren Darstellung von Gadolfo übernommen worden. Vgl. Gandolfo (2014), S. 63

Autor

Zurück

Titel: NAFTA und sein Einfluss auf den internationalen Handel. Mögliche Implikationen auf die Verteilung des Einkommens durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen