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Eine Analyse des Gedichtzyklus "Gottfried Benn" von Else Lasker-Schüler unter der Berücksichtigung von Biografie und Zeitkontext

Die Liebe als daseinsbewältigende Macht

Bachelorarbeit 2014 39 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Leben und Selbstmystifizierung der Lasker-Schüler
2.1 Die Kindheit als verlorenes Paradies
2.2 Abkehr vom bürgerlichen Leben

3 Der ‚Spielgefährte‘ Gottfried Benn

4 Mystische Welten: Die Lyrikerin in ihrem Verhältnis zur Religion

5 Einbettung der Lyrik Lasker-Schülers im Zeitkontext
5.1 Gattungsmerkmale und Lebensgefühl des Expressionismus
5.2 Lasker-Schüler - eine expressionistische Lyrikerin?

6 Das einseitige Gespräch des lyrischen Ichs mit dem lyrischen Du

7 Überwindung der Einsamkeit und Verlorenheit

8 ÄDer kühle Tag“: Ablehnung des irdischen Daseins

9 Gegenwelt zur Realität: auf der Suche nach dem verlorenen Paradies
9.1 Himmlische Bildbereiche als mystische Symbole
9.2 Die Bedeutung der Farbmetaphorik
9.2.1 Blau und Gold: die Farben des Himmlischen
9.2.2 Schwarz und Weiß: die Farben der irdischen Welt
9.2.3 ‚Bunt‘: die Farbe des lyrischen Ichs
9.2.4 Rot: die Farbe des Lebens und der Liebe
9.3 Die Liebe als Maske für die Gottessuche
9.4 Daseinsbewältigung reflektiert in der Naturbeschreibung

10 Das Spiel mit dem lyrischen Du als Daseinsüberwindung
10.1 Das erotische Liebesspiel
10.2 Kindliches Spiel als Eskapismus

11 Die Liebe als daseinsbewältigende Macht? Die paradoxe Beziehung zum lyrischen Du

12 Ausblick

13 Literaturverzeichnis
13.1 Primärliteratur
13.2 Sekundärliteratur

14 Abkürzungsverzeichnis

1 EINLEITUNG

Ich bin in Theben (Ägypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis 11 Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich.1

In diesem Zitat der deutsch-jüdischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler offenbart sich bereits die Problematik, die sich aus der Auseinandersetzung mit ihrem Leben und Werk ergibt. So tendiert sie dazu, Fakten über ihr Leben entweder gänzlich zu ver- schweigen oder sie in ihrem Werk und der vorgenommenen Selbstmystifizierung so stark zu poetisieren, dass die Frage nach einer Dokumentation der Realität erhebli- che Schwierigkeiten aufwirft.2 Dieser enorme Drang nach Poetisierung und Mystifi- zierung ihres Lebens ist im Wesentlichen in dem Unvermögen begründet, sich in der Realität zurechtzufinden. Lediglich ihre grenzenlose Fantasie und die daraus resultie- rende Lyrik helfen Lasker-Schüler, den Alltag zu überstehen: ÄIch sterbe am Leben und atme im Bilde wieder auf.“3 Diese Tendenz konfrontiert jedoch einen jeden, der sich mit ihrem Werk auseinandersetzt, mit der Herausforderung eines nahezu gren- zenlosen Übergangs zwischen Realität und Fiktion sowie Werk und Autorin.

Die vorherrschende Deutung der Forschung fokussiert sich überwiegend auf die au- tobiografischen Elemente ihres Werkes und interpretiert dieses als Spiegel ihres Le- bens. Auch bei ihrem Gedichtzyklus Gottfried Benn,4 der im Zentrum dieser Arbeit steht, dominiert die Lesart, die 1917 erstmals veröffentlichten Gedichte als Dokumen- tation einer vermeintlichen Liebesbeziehung zwischen Lasker-Schüler und dem Dich- ter Gottfried Benn zu deuten. Obwohl die offenkundige Nennung Benns im Titel diese Deutung zunächst nahelegen mag, scheint mir die - in der Sekundärliteratur weniger vertretene - Vorgehensweise angemessener, verstärkt zwischen Werk und Biografie der Lasker-Schüler zu differenzieren und insbesondere bei Rückschlüssen von der Lyrik auf ihr Leben Vorsicht walten zu lassen. Dieser Ansatz sieht sich auch durch de Mans Aufsatz Autobiographie als Maskenspiel bestärkt: Ihm zufolge sei eine Unter- scheidung zwischen Fiktion und Autobiografie Äkeine Frage von Entweder-Oder […], sondern unentscheidbar.“5 Denn während jede Fiktion allein durch ihre Autorenschaft persönlich geprägt sei, gehe es in der Autobiografie umgekehrt wie bei jedem fiktio- nalen Buch Äum das Geben und Nehmen von Gesichtern, um Maskierung und De- maskierung, Figur, Figuration und Defiguration.“6

Daher möchte ich in dieser Arbeit von der überwiegenden Lesart des Gottfried Benn Zyklus abweichen. Stattdessen soll in der Analyse der 17 Gedichte die Bedeutung der Liebe als solche im Zentrum stehen.7 Anstatt Rückschlüsse auf eine mögliche Beziehung mit Benn zu ziehen, sollen die wenigen bekannten Fakten über Benn und Lasker-Schüler lediglich paradigmatisch für ihr Liebesverständnis herangezogen werden. Denn obgleich die Gedichte keinen gesicherten Aufschluss über ihr Leben liefern, so macht es die enge Verknüpfung aus Leben und Werk doch unabdingbar, zentrale Aspekte der Biografie, die Begegnung mit Benn und den Zeitkontext als Ba- sis für eine adäquate Interpretation heranzuziehen. In einem ersten Teil sollen diese Elemente dementsprechend herausgearbeitet werden, um diese in einem zweiten Teil der eigentlichen Interpretation der Gedichte zugrundezulegen. Dieser zweite, umfassendere Teil behandelt daraufhin die eigentliche These dieser Arbeit: Nicht eine vermeintliche Beziehung zu Gottfried Benn, sondern die Liebe selbst als da- seinsbewältigende Macht ist das eigentliche Thema, um das alle Gedichte des Zy- klus kreisen. Unter Daseinsbewältigung werden hierbei die Überwindung des Alltägli- chen und das Entgrenzen in eine Gegenwelt verstanden. Inwiefern die Liebe als da- seinsbewältigende Macht fungiert und wie dieses in den Gedichten dargestellt wird, möchte ich anhand steigernd aufeinander aufbauender Erkenntnisse darlegen.

2 LEBEN UND SELBSTMYSTIFIZIERUNG DER LASKER-SCHÜLER

Lasker-Schüler pointiert zu ihren Lebzeiten selbst stets die persönliche Prägung ihrer Lyrik: ÄDaß ich nur von mir spreche geschieht aus übergroßer Gerechtigkeit, Gewis- senhaftigkeit, nicht aus Selbstüberschätzung. Nämlich weil ich nur mich kenne und von mir Auskunft geben kann.“8 Gleichwohl problematisiert es eben jene Verstrickung aus Leben und Werk, ihren Lebensverlauf wahrheitsgetreu zu skizzieren: Persönliche Bezüge im Werk, zahlreiche Briefwechsel und anekdotische Schilderungen der Dich- terin lassen ihr Leben zu einem regelrechten Mythos werden, hinter dem sie ihre pri- vate Existenz zu verstecken und die Spuren ihres Lebens zu verwischen sucht.9 Wie zuvor angemerkt, verfolgt diese Arbeit daher eine Vorgehensweise, die nicht ver- sucht von den Gedichten auf Lasker-Schülers Leben zu schließen oder diese als au- tobiografisches Dokument zu lesen. Umgekehrt gestaltet es die auffällige persönliche Färbung der Gedichte zugleich als unerlässlich, ihre Biografie für die spätere Argu- mentation zu berücksichtigen, da die Gedichte nur vor diesem Hintergrund in Gänze verstanden werden können. Daher werden in diesem Punkt kurz die zentralen und als erwiesen geltenden Aspekte ihres Lebens bis zum Verfassen des Gottfried Benn Zyklus beleuchtet, um diese in der späteren Analyse der Gedichte heranzuziehen.

2.1 DIE KINDHEIT ALS VERLORENES PARADIES

Der Mythos, den Lasker-Schüler um ihre Person kre- iert, zeigt sich bereits im Verschleiern ihrer Lebensda- ten: Seit 1903 nennt sie das Jahr 1876 als ihr Ge- burtsjahr, ob aus weiblicher Eitelkeit oder dem Ver- such, die Fesseln der Realität aufzuheben, ist unbe- kannt.10 Tatsächlich wird Elisabeth Schüler am 11. Februar 1869 in Wuppertal als jüngstes von sechs Geschwistern geboren.11 Ihre Eltern Jeanette und Aaron Schüler sind aufgeklärte Juden des gehobe- nen Bürgertums und stellen wiederholt zentrale Figu- ren im späteren Werk der Dichterin dar.12 Besonders der Mutter gilt ihre schwärmerische Liebe, die immer wieder ein zentrales Motiv ihrer Dichtung sein wird. Auch die Liebe zu ihrem acht Jahre älteren Bruder Paul thematisiert sie regelmäßig: Er ist ihr Lieblings- bruder, der seiner Schwester vorliest, sie leitet und sie als Konvertit mit dem Christentum in Kontakt bringt.13 Als jüngstes Kind wird sie von der Familie besonders verwöhnt und fordert diese Behandlung wohl auch in der Schule von ihren Mitschülern ein. Allerdings stößt sie mit diesem Verhalten auf Unverständnis, was zum Teil auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führt. Diese Vorfälle bedingen jedoch weniger Anpassungsversuche ihrerseits, stattdessen scheint sich die junge Lasker-Schüler in ihrer Andersartigkeit zu gefallen und besonders zu fühlen.14 Auf- grund dieser Konflikte wie auch ihrer Neigung zur Epilepsie wird sie ab dem elften Lebensjahr zu Hause unterrichtet. Sie verbringt daher den Großteil ihrer Kindheit im Schutz der geliebten Familie, was sie als tiefe Geborgenheit empfindet.15

Diese Idylle findet ein jähes Ende durch eine Aneinanderreihung schwerer Schick- salsschläge. So ist der Tod ihres Bruders Paul 1882 ein erster, tiefer Einschnitt in ihrem Leben. Zu diesem Zeitpunkt ist sie dreizehn, nach eigener Zeitrechnung sogar erst sechs - in jedem Fall noch ein Kind - und ihm trauert sie ihr Leben lang nach.16 Nur acht Jahre später stirbt ihre Mutter einen plötzlichen Tod, auch dieser Verlust prägt ihr gesamtes Werk.17 Als sie wenig später ihren Vater verliert, sieht sie die Ge- borgenheit und das Glück ihrer Kindheit endgültig zerstört. Diese Kindheit, die für sie so sehr mit Sicherheit und Liebe verbunden ist, wird sie später zum verlorenen Paradies erhöhen - ein Motiv, das in ihrem Schaffen fast immer präsent ist.18

2.2 ABKEHR VOM BÜRGERLICHEN LEBEN

Konfrontiert mit dem Verlust geliebter Men- schen lernt die 24-jährige Lasker-Schüler im Jahr 1893 den Arzt Berthold Lasker kennen und heiratet ihn bereits ein Jahr später. Von großer Liebe ist nie die Rede, gut denkbar, dass die Hochzeit insbesondere dem sehnli- chen Wunsch entspringt, das verlorene Para- dies wiederzufinden.19 Ihr Brautbild, auf dem sie alleine und mit ernstem Blick abgebildet ist, deutet bereits an, dass diese Ehe ihr die kindli- che Geborgenheit nicht zurückgeben kann. Sie zieht mit ihm nach Berlin, wo er ein angesehe- ner Arzt wird. Doch sie findet sich mit ihrer neuen Aufgabe als Arztgattin nicht zurecht. Stattdessen vernachlässigt sie ihn, nimmt Malstunden und bekommt später sogar ein eigenes Atelier. Schließlich unternimmt sie einen für diese Zeit höchst unüblichen Schritt und verlässt ihren Mann.20

Die Trennung von Lasker gilt als weiterer prägender Einschnitt in Lasker-Schülers Leben, denn ab hier bricht sie mit dem bürgerlichen Leben und beginnt ihre Jahre der bohèmen Existenz: Von nun an findet ihr Leben vor allem im Berliner Nachtleben statt, wo sie Freundschaften mit bekannten Literaten wie Kurt Hiller oder Johannes Holzmann schließt; zugleich beginnt sie erste Gedichte zu verfassen und vorzutra-gen.21 Aus einer ihrer wohl zahlreichen Liebschaften geht ein Sohn hervor, den sie nach ihrem geliebten Bruder Paul benennt. Schon damals gefällt es ihr, ihr Leben in Mythen zu hüllen. So behauptet sie später, Pauls Vater sei ein spanischer Prinz, doch die tatsächliche Vaterschaft bleibt bis heute ungeklärt.22 Zu diesem Zeitpunkt lebt sie in ärmlichsten Verhältnissen, bettelt und ist auf die Unterstützung von Freun-den angewiesen. Sie entbindet Paul in einer Demonstrationsgeburt für Studenten, den Krankenhausaufenthalt verdient sie sich, indem sie die dortigen Fußböden schrubbt. Nachts zieht sie mit Paul von Kneipe zu Kneipe und übernachtet in Kellern und Dachböden einfacher Pensionen. Das wenige Geld, das sie verdient, erhält sie durch Malen und Schreiben.23

Schon bald macht sich Lasker-Schüler in Berlin durch ihre Dichtung, aber auch durch ihr ex- zentrisches Auftreten einen Namen. 1902 er- scheint ihr erster Gedichtband Styx, für den sie viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erhält.24 Anfang des Jahres 1903 lässt sie sich von Las- ker scheiden. Zu diesem Zeitpunkt kennt sie vermutlich bereits ihren zukünftigen Mann Georg Lewin, den sie noch im gleichen Jahr heiratet. Schon damals hat sie eine Vorliebe für Spitznamen und schlägt ihm das Pseudonym Herwarth Walden vor, unter dem er wenig spä- ter Herausgeber einer expressionistischen Zeitschrift wird.25 Sie selbst erhebt sich zur ‚Prinzessin Tino von Bagdad‘ und schafft sich ein morgenländliches Königreich aus Untertanen und befreundeten Expressionisten wie Ernst Toller, Franz Werfel, Georg Trakl oder Franz Marc, mit denen sie enge Kontakte pflegt.26

Doch auch diese Ehe, die so verheißungsvoll begann, scheitert schließlich. Beide nehmen sich das Recht, sich täglich neu zu verlieben, und sie glaubt zunächst wohl an dieses Ehekonzept, doch lässt es sie mit der Zeit zunehmend leiden: „Ich kenn Dich und Du kennst mich, wir können uns nicht mehr überraschen, und ich kann nur leben von Wundern. Denk dir ein Wunder aus, bitte!“27 1911 wird auch diese Ehe geschieden und Lasker-Schülers Leben wird noch unsteter und ärmlicher als zuvor: Sie wird nie wieder eine eigene Wohnung besitzen, stattdessen lebt sie in kleinen Pensionen oder bei Freunden. Häufig klagt sie über Einsamkeit und Verlassenheit, die Geborgenheit der Kindheit vermag sie nicht mehr zu finden. Diese Verlorenheit und die ständige Suche nach dem verlorenen Paradies prägen ihr gesamtes Werk nachhaltig. Ihre einzige Heimat ist das Café des Westens, in dem sie sich mit ihren kreativen Freunden trifft.28 Hier beginnt vermutlich auch ihre Beziehung mit Gottfried Benn, dem sie den hier behandelten Gedichtzyklus Gottfried Benn widmen wird.

3 DER ‚SPIELGEFÄHRTE‘ GOTTFRIED BENN

Die Begegnung zwischen Else Lasker-Schüler und dem Lyriker Gottfried Benn ist ebenso mythenumwoben wie das Leben der Schriftstellerin. Wo die Liebe beginnt und wie sie verläuft, scheint genauso rätselhaft wie die Frage, ob sie überhaupt je existiert hat. Wenn man über das Verhältnis dieser großen Dichter schreibt, bleibt man daher letztlich auf Vermutungen angewiesen, was insbesondere der Tatsache geschuldet ist, dass keine glaubwürdigen Zeugnisse wie Briefe oder Fotodokumente existieren. Die einzigen Hinweise auf eine mögliche Liebesbeziehung liefern gegenseitige Widmungen und textinterne Hinweise in ihren Gedichten.29 In der Sekundärliteratur besteht angesichts dieser Dokumente häufig die Neigung, eine romantische und höchst tragische Liebesgeschichte hinter den Gedichten zu vermuten, was aufgrund der mangelnden Beweise jedoch reine Spekulation bleibt. Daher sollen hier lediglich die wenigen bekannten Fakten dargelegt werden.

Ende 1912 lernen sich die beiden Dichter kennen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die 43-jährige Lasker-Schüler bereits einen Namen als Lyrikerin gemacht. Der 26-jährige Benn arbeitet als Assistenzarzt der Pathologie und obgleich als Lyriker bis dahin kaum bekannt, hat er gerade seine Morgue Gedichte veröffentlicht.30 Der große Altersunterschied ist ihm wohl nicht bewusst, da sich Lasker-Schüler im Kreise der jungen Expressionisten erheblich jünger gibt.31 Nachdem sie Benns Morgue Gedichte gelesen hat, schreibt sie einen geradezu enthusiastischen Brief an ihren Verleger Kurt Wolf, in dem sie ihn bittet, Benns Gedichte zu verlegen:

Er ist halb Tiger, halb Habicht und steht im Keller seines Krankenhauses und öffnet die Leichen. Er ist ebenso herb wie derb ebenso zart wie weich. König, ihr dürft nicht zögern […] Sprich!!! König!! Ich stehe Dr. Benn nicht was Liebe betrifft nah - tue es Ehrenwort hinterrücks, tue es aus Weltordnung nicht mal aus Cultur. Ich der Prinz!32

Bereits aus diesem Zitat lassen sich zwei Erkenntnisse gewinnen: Einerseits ihre Faszination für den Kontrast zwi- schen seinem zum raubtierhaften und zugleich zart stilisierten Wesen. Ande- rerseits bekräftigt sie, nicht in ihn ver- liebt zu sein. Vielmehr lässt ihre fast flehentliche Bitte auf eine tiefgreifende Bewunderung seiner Dichtung schließen. Ihr Enthusiasmus für das Starke und Raub- tierhafte äußert sich kurz darauf erneut, als in der Zeitschrift Die Aktion neben Benns Gedicht Drohungen ihr Essay Doktor Benn illustriert mit einer selbstgezeichneten Profilskizze von Benn erscheint.33 Auch hier wirkt Benns Profil markant mit Habicht- nase und die Metaphern, mit denen sie ihn umschreibt, verdeutlichen, wie sehr sie das aggressiv Unkonventionelle an seiner Dichtkunst schätzt:34 „Jeder seiner Verse ein Leopardenbiß, ein Wildtiersprung. Der Knochen ist sein Griffel, mit dem er das Wort auferweckt.“35 Gleichzeitig scheint er ihr durch seine Stärke als Beschützer zu fungieren: „Er steht unentwegt, wankt nie, trägt das Dach einer Welt auf dem Rücken“, sich selbst bezeichnet sie hingegen als ÄMücke“ oder ÄBiene“ - also als kleines und fragiles Geschöpf.36

Daraufhin entfacht ein regelrechter Dialog aus Liebesgedichten, die sie sich wech- selseitig widmen: Benn dediziert ihr etwa seine Gedichtsammlung Söhne mit den Worten „Ich grüße Else Lasker-Schüler. Ziellose Hand aus Spiel und Blut“.37 Damit deutet er bereits zwei Motive - Blut und Spiel - an, die auch in dem zu analysieren- den Zyklus eine prominente Stellung einnehmen. Eben dieses Spiel-Motiv greift auch Lasker-Schüler auf, als sie ihm ihr Stück Der Prinz von Theben widmet: „Dem / Dok- tor Benn, / meinem teuren Spielgefährten Gisel, / König Giselheer dem Nibelungen / von seinem Prinzen Jussuf“.38 In dieser Widmung benennt sie Benn bereits als ‚Gi- selheer‘, ein Spitzname, den sie auch im Gottfried Benn Zyklus für ihn verwenden wird. Das offenbart erneut ihre Vorliebe für Spitznamen und mythische Welten, auch sie selbst verschmilzt zu dieser Zeit gänzlich mit der Person des ‚Prinzen Jussuf von Theben‘ und trägt sein Kostüm durch Berlins Straßen. Bis heute bleibt es ungewiss, ob ihre Verwandlung in den männlichen Prinzen auch durch Benns angebliche Ho- mosexualität angestoßen wurde. Sie selbst sagt, sie habe die Transformation in einer Nacht tiefster Verzweiflung vollzogen.39 Auch wenn sie Benn durch ihre Verwandlung möglicherweise entgegenkommen will, zeigt sich in seiner Rede von 1952 das leise Unbehagen, das er wohl immer mit ihrem extravaganten Auftreten verbindet:

Man konnte weder damals noch später mit ihr über die Straße gehen, ohne daß alle Welt stillstand und ihr nachsah: extravagante weite Röcke oder Hosen, unmögliche Obergewänder, Hals und Arme behängt mit auffallendem, unechtem Schmuck […] Das war der Prinz von Theben, Jussuf, Tino von Bagdad, der schwarze Schwan.40

Wer sich schließlich abwendet, bleibt ungeklärt, jedoch heiratet Benn wenig später und zieht darauf in den Krieg.41 Lasker-Schüler hingegen mimt in ihren Gedichten und Briefen an Freunde die enttäuschte Geliebte. So schreibt sie an den Maler Franz Marc: „Seit ich Giselheer verlor, kann ich nicht mehr weinen und nicht mehr lachen. Er hat ein Loch in mein Herz gebohrt. Das blutet nicht, das steht offen wie der Grund eines ausgelaufenen Auges“.42 Als sie wenige Jahre später den Gottfried Benn Zyk- lus veröffentlicht, stellt sie den Gedichten neben des Prosatextes und der Skizze aus der Aktion die Widmung ÄDer hehre König Giselheer / Stieß mit seinem Lanzenspeer / Mitten in mein Herz“ voran, die ebenfalls das Bild enttäuschter Liebe zeichnet.43

Es gilt allerdings Lasker-Schülers ausgeprägte Vorliebe für Maskierungen zu beden- ken und, dass ihr stets bewusst ist, welches Bild sie über sich verbreiten möchte. Ob also je eine Liebe im konventionellen Sinne zwischen den beiden Lyrikern bestanden hat, bleibt hinsichtlich der unzureichenden Beweise dahingestellt. Möglicherweise ist Benn auch eben dieser ‚Spielgefährte‘, als den sie ihn stets bezeichnet, und der sich so musenhaft auf ihre Dichtung auswirkt. So bemerkt Paul Raabe über die zu behan- delnden Gedichte, dass sie Ädas Erlebnis der Liebe in das Erlebnis der Dichtung ver- wandeln. Denn wer will entscheiden, ob es nicht allein das >lyrische Ich< [ist], das in diesen Versen Ausdruck [findet]?“44 Gleichfalls vermutet Bauschinger, dass Lasker- Schüler kaum an einem bürgerlichen Liebesverhältnis mit Benn interessiert sei, statt- dessen sei der Zustand des Verliebtseins elementar für ihr Schaffen. Vielleicht ist sie also mehr in die Liebe als Gefühl verliebt, das so beflügelnd auf ihr Werk wirkt, als in jeden einzelnen ihrer mutmaßlich zahlreichen Liebhaber.45 Gerade die Tatsache, dass viele Gedichte des Zyklus bereits vor der vermeintlichen Beziehung verfasst und ihm anschließend nur gewidmet werden, rechtfertigt die weitere Vorgehenswei- se, das Verhältnis zu Benn lediglich paradigmatisch für ihr Liebesverständnis zu se- hen und es ausschließlich als Hintergrundwissen für die Analyse heranzuziehen.

4 MYSTISCHE WELTEN: DIE LYRIKERIN IN IHREM VERHÄLTNIS ZUR RELIGION

Die Deutung des Geliebten als ‚Spielgefährten‘ vermag auch in die mystische Gegenwelt zu passen, die sich Lasker-Schüler in der Realität kreiert: So konstruiert sie sich als ‚Prinz Jussuf von Theben‘ ein regelrechtes Kö- nigreich. Hinter dieser Identität, die sie bis an ihr Le- bensende begleiten wird, verbirgt sich die Figur des alt- testamentarischen Josephs, der von seinen Brüdern ver- raten, nach Ägypten verkauft und am Hofe des Pharao zum Seher und schließlich Liebling des Herrschers wird. Er ist der Gequälte in der Fremde und zugleich Israels geliebtes Kind, der zum Propheten der Liebe wird.46 Die- se biblische Welt des Prinzen prägt ihr gesamtes Werk und ist ihr bereits früh bekannt. Schon als Kind muss Paul ihr die Geschichte Josephs allabendlich erzählen und in der Schule ist sie ihre Lieblingsgeschichte:47

Joseph und seine Brüder war meine Lieblingsgeschichte und ich durfte sie immer erzählen in der Religionsstunde. Ich sei ja der Joseph von Ägypten selbst, rief eines Tages, ganz dumm, eine Mitschülerin. Darum glaubten es alle Kinder in der Klasse, und mir kam´s so vom Himmel hoch herunter; und ich vermochte seitdem gar nicht mehr aufzupassen.48

Allerdings wäre es falsch anzunehmen, dass ihre Familie nach orthodoxem jüdischen Glauben lebt. Tatsächlich leben die Schülers ein weitgehend säkulares Leben im deutschen Kaiserreich und die junge Lasker-Schüler kommt nur wenig mit dem jüdi- schen Glauben in Kontakt, geschweige denn, dass sie eine regelmäßige Besucherin der Synagoge ist. Wenngleich ihr fast jegliches theologisches Wissen über das Ju- dentum fehlt, ist Lasker-Schüler stolz auf ihre jüdische Herkunft und interessiert sich sehr für Religion und die verschiedenen Glaubensrichtungen.49 Besonders der Ver- lust großer Teile ihrer Familie und ihre unglücklichen Ehen bedingen ein existentiel- les Bedürfnis nach Geborgenheit. Das verlorene Paradies vermag sie in der Realität zwar nicht mehr zu finden, doch insbesondere ihr Glauben bietet ihr Zuflucht. Zu- gleich empfindet sie sich als auserwählt, die Menschen über ihre Dichtung zurück zu Gott zu führen.50 Da ihr Religionsverständnis jedoch weniger auf Wissen beruht, ist es vielmehr ein instinktives und gleicht damit dem mystischen Religionsverständnis der Romantik. So ist ihr Glauben zwar stark jüdisch beeinflusst, ähnelt aber einem synkretistischen und selbstgeschaffenem Konstrukt, das Judentum und Christentum eint und zugleich von Mohamed und Buddha gefärbt ist.51 Dies zeigt sich auch in der Identifikation mit Joseph, dessen Geschichte durch seine Stellung im Alten Testa- ment und in der 12. Sure des Korans Christentum, Judentum und den Islam eint. Ihr von einzelnen Theologien losgelöstes Religionsverständnis beschränkt sich nicht nur auf den privaten Lebensbereich, sondern prägt auch ihr künstlerisches Schaffen:

Ob es eine christliche Kunst gibt? Für mich gibt es eine religiöse Kunst, eine lebendige, ja auch eine tote, der der schöpferische Mensch den Odem nicht unsterblich einzuflößen vermochte. Wirkliche Kunst, welches Motiv auch ist stets religiös.52

Mit der Transformation zum Prinzen Jussuf und ihrem synkretistischen Religionsverständnis beginnt sich Lasker-Schüler in Alltag und Werk eine mystische Gegenwelt zu konstruieren, die Elemente verschiedener Kulturen und Religionen eint. Bedenkt man dieses eigenwillige Verhältnis zur Religion, erscheint auch die Wahl Benns zum ‚Spielgefährten‘ als logische Konsequenz. So ergänzen sich ihre jüdische Herkunft und seine streng protestantische Erziehung zu einer synkretistischen Symbiose. Dieser enge religiöse Bezug in ihrer Lyrik ist nicht nur bedeutsam für die spätere Interpretation, sondern liefert zudem Hinweise für die gattungsgeschichtliche Zuordnung, welche im folgenden Kapitel herausgearbeitet werden soll.

gend melancholischen, restlichen Gedichten kontrastiert, wird diesem Gedicht eine gehobene Bedeutung eingeräumt. Zugleich ist es in der bisherigen Analyse weitge- hend unbeachtet geblieben, da es gänzlich dem Spieltopos gewidmet ist. Das Reiter- und Soldatenspiel mit den ÄFingern“ (V.5) des Geliebten mutet im Kontext der ÄGru- ben“ (V.3) zunächst ähnlich wie der Name ‚Giselheer‘ militärisch an. Insbesondere der Höhepunkt des Fingerspiels - ÄBis sie umfallen“ (V.6) - gleicht überdies dem ero- tischen Höhepunkt, weswegen es allegorisch für den Liebesakt verstanden werden kann.131 Bezeichnenderweise begrenzt sich die Beziehung zu dem Du lediglich auf das Liebesspiel, so scheinen ÄHände“ und ÄFinger“ (V.5) nicht als Pars pro Toto den Geliebten zu repräsentieren, vielmehr betonen der Pleonasmus des letzten, synthe- tisch anmutenden Verses und die Exclamatio des Titels unmissverständlich, dass sich die erotische Verzückung ausschließlich auf die ÄBubenhände, die zwei“ (V.8) bezieht. Demnach zeigt sich das Ich vorwiegend fasziniert von der Macht des eroti- schen Liebesspiels, das den Weg zur Fantasie öffnet, und weniger von der Person des Geliebten, der kaum näher charakterisiert wird. Auch diese Erkenntnis stärkt so- mit die These, dass der Geliebte austauschbar bleibt und lediglich die Daseinsbewäl- tigung elementare Bedeutung innehat. Zugleich wird durch ÄHände“ und ÄFinger“, die zuvor als Symbole der Allmacht Gottes entlarvt wurden, erneut ein Bezug zum Reli- giösen hergestellt und der anonymisierte Geliebte gleichsam Gott gleichgestellt.

Während in diesem Gedicht das erotische Liebesspiel noch im Umfallen der Finger gipfelt, gestaltet sich der sexuelle Höhepunkt in dem Gedicht Giselheer der Tiger drastischer: Scheinbar in Form eines Klimax baut sich das Liebesspiel auf, angefan- gen mit dem erregten Ausruf ÄO, wie du bist!“ (V.2), über das fast atemlose Asynde- ton ÄIndianerbuch, / Wild West, / Siouxhäuptling!“ (V.7-9) sowie die nach Atem rin- genden Aposiopesen und schließlich dem Skalpiertwerden als höchstes Lustempfin- den (Vgl. V.16). Dabei wird das Liebesspiel durch verschiedene Bildbereiche skiz- ziert: Zunächst das Heldenlied im Titel, gefolgt von der Tier- und Dschungelwelt in den ersten drei Strophen und abschließend die Indianerwelt der vierten Strophe, in der das Liebesspiel im ÄWild West“ (V.8) verankert ist und sich in hemmungsloser und teils gewaltvoller Lust artikuliert.132 Die Verse ÄIch kann nicht mehr sein / Ohne das Skalpspiel“ (V.12-13) bekunden schließlich, wie essenziell das erotische Spiel für die Daseinsbewältigung ist; zugleich akzentuieren sie aber auch, dass das Spiel mit der Liebe stets zwischen göttlicher Macht und irdischer Ohnmacht, Hingabe und ge- waltsamer Inbesitznahme verortet ist.133

Das Erschaffen einer erotischen Liebeswelt, die nur die Liebenden umfasst, findet sich zudem leitmotivisch in den übrigen Gedichten wieder, wobei insbesondere der innige Zusammenhang zwischen Sex und Mystik kontinuierlich unterstrichen wird. Denn gerade das erotische Liebesspiel scheint als daseinsbewältigende Macht einen Weg in die Transzendenz zu bieten: So mündet etwa das Suchen der Muscheln - die als weibliches Geschlechtsorgan verstanden werden können- im Leuchten des Her- zens (Vgl. ND, V.8), was erneut als Gottes Licht ausgelegt werden kann, und para- phrasiert somit die Entgrenzung durch den Liebesakt, die im Paradiesischen gipfelt. Das gleiche Phänomen zeigt sich auch im Vergleich des Liebesspiels mit der anthropomorphisierenden Metapher der küssenden Sterne (Vgl. DLdS, V.4-6), in der das erotische Spiel der himmlischen Welt gleichgesetzt wird. Am offenkundigsten kommt die Hoffnung, mittels des sexuellen Spiels mit dem Liebsten zurück in das verlorene Paradies zu gelangen, in den Versen ÄUnd legte die Hand / Unter deinen Schritt // Als ob ich dafür / Ins Jenseits käme“ (LD, V.5-6) zum Ausdruck.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Maskeraden des Liebesspiels mit dem lyrischen Du dem Ich einen Weg bieten, sich aus dem irdischen Dasein zu erheben und es in eine mystische Gegenwelt zu überführen. Einem ähnlichen Zweck dient die Flucht ins kindliche Spiel mit dem Liebsten.

10.2 KINDLICHES SPIEL ALS ESKAPISMUS

Nach Ansicht Lasker-Schülers besteht zwischen den Aspekten der Liebe, Kindheit, Kunst und Religion eine spezielle Korrelation: Denn die Künstler Äsind die Lieblinge Gottes, die Kinder der Marien aller Lande.“134 In ihrer selbst geschaffenen Mystik übernimmt nicht nur sie selbst die Rolle von ÄGottes Schlingel“,135 vielmehr ist ihrer Überzeugung nach Äder liebe Gott […] ja selbst ein Kind, immer wieder aufwachsend mit jedem kleinen Menschen, der groß wird“.136 In der unentwegten Flucht in die Kindheit sucht sie daher neben der einstigen Geborgenheit, die sie im Kreise ihrer Familie empfunden hat, überdies eine Verbindung zu Gott. Das Hauptinstrument für die Kindheitsflucht bietet ihr neben der Liebe die Dichtung, da diese jenseits von Ernst steht, Äauf jener ursprünglichen Seite, wo das Kind, das Tier, der Wilde und der Seher hingehören, im Felde des Traumes, des Entrücktseins, der Berauschtheit und des Lachens.“137 Auch im romantischen Verständnis entspricht das Kind dem Ur- sprung in einer paradiesischen Welt und steht Gott noch nahe. Der Wunsch, dieser unbelasteten und kindlichen Welt wieder nahezukommen, eint daher Lasker-Schülers Lyrik mit der Romantik.138

Es mag daher kaum wundern, dass auch in diesem Zyklus das Spiel mit dem Gelieb- ten als ÄKunst des Kindes“139 umschrieben wird, da dieses als reines und unschuldi- ges Wesen, das ähnlich wie die Tiere noch mit Gott verbunden ist, fungiert. Gerade- zu exemplarisch äußert sich das kindliche Spiel in den Bildbereichen des soeben behandelten Gedichts O deine Hände, beispielsweise durch die Hervorhebung des Wortes ÄKinder“ (V.1) im Enjambement mit dem Titel, ÄSpielsachen“ (V.2) oder Äspiel“ (V.4) sowie in dem Hang zur Generalisierung, worin sich eine typisch kindliche Nei- gung zur Übertreibung äußert.140 Demzufolge heißt es in diesem Gedicht ÄAlle“ (V.2) und ÄImmer“ (V.4). Aber auch alle anderen Gedichte sind ausnahmslos geprägt von zahllosen kindlich-naiv klingenden Hyperbeln - ‚Alle/s‘ (Vgl. ODH, GdH, P, V, DB, HBbim, LD), ‚Immer‘ (Vgl. ODH, LD, P, V, GdK, DB, OimadW) - und semantisch auffälligen Pluralbildungen - ÄHimmel“ (DB1, V.4), ÄSeligkeiten“ (P, V.9), ÄSchnee- himmel“ (DB2, V.9), ÄMeere“ (DB2, V.17) - sowie Neologismen - ÄNiemandwer“ (GdH, V.14), ÄWallfahrtzehen“ (DB1, V.10). Zugleich reflektiert das Experimentieren mit dem Klang der Sprache durch Lautmalerei und zahlreiche Enjambements, Paro- nomasien, Anaphern und Alliterationen die kindliche Freude am Spiel.141

Die unmittelbare Sehnsucht nach dem kindlichen Spiel mit dem Liebsten klingt nicht nur sprachlich an, sondern wird überdies direkt vom lyrischen Ich kommuniziert: ÄUnd möchte mit dir spielen“ (GdK, V.4), ÄIch will dich ganz zart mich lehren“ (GdH, V.17) oder ÄUnd lehre deine Sterne spielen“ (DB1, V.6). Aber auch die Sehnsucht nach der Kindheit als unschuldigen und gottesnahen Zustand tritt in dem bereits ausführlich behandelten Gedicht Oh Gott in dem Wunsch Ädie Welt wär noch ein Kind“ (V.4) her- vor. Wie anfangs angedeutet, stehen zudem die einzigen ‚Wir‘-Formen der Gedichte im engen Zusammenhang mit dem Spiel: ÄWir spielen König und Prinz“ (GdK, V.6), ÄWir spielten es schon zarter“ (DLdS, V.6) und ÄWir wollen uns im Himmel verste- cken“ (P, V.14). Alle drei Beispiele verdeutlichen die daseinsbewältigende Macht des Spiels mit dem Geliebten, indem sich die Liebenden in den ÄHimmel“ entgrenzen, in die Fantasiewelt von ÄKönig und Prinz“ erheben oder mit den Wolken und Sternen eins werden. Auch verschmelzen in den Gedichten orientalische, natürliche, mysti- sche und kindliche Bildwelten, da sich das lyrische Ich kindesgemäß jeder weltlichen Logik entzieht und sich eine nach eigenen Gesetzen funktionierende Gegenwelt kre- iert.142

Dieses Kapitel hat somit aufgezeigt, inwiefern die erfüllte Liebe in Form von Liebes- spiel und kindlichem Spiel zur Bewältigung des irdischen Daseins beiträgt. Dies gilt jedoch nur für die erfüllte Liebe, was den Rückschluss zulässt, dass die zurückge- wiesene und unerfüllte Liebe das lyrische Ich in die Verlorenheit und Gottlosigkeit der Realität zurückversetzt. Es bleibt daher noch zu klären, inwieweit das lyrische Du die enormen Erwartungen des Ichs an die Macht der Liebe überhaupt zu erfüllen ver- mag.

11 DIE LIEBE ALS DASEINSBEWÄLTIGENDE MACHT? DIE PARADOXE BEZIEHUNG ZUM LYRISCHEN DU

Die bisherige Arbeit hat herausgearbeitet, welche enorme Macht das lyrische Ich der Liebe zuschreibt: Durch diese erfolgt ein Heraustreten aus den Fesseln und der Kör- perlichkeit des irdischen Daseins sowie eine Freilegung des Göttlichen, so dass sich in der Erfüllung der Liebe eine Daseinsbewältigung vollzieht. Allerdings hat schon die anfängliche Analyse des einseitigen Gesprächs des Ichs mit dem Du dargelegt, dass sich das Ich weitgehend in einer klagenden Position befindet. Gleichermaßen klingt in der Widmung der Gedichte Enttäuschung und Schmerz an, so dass sie bereits die qualvolle Besitznahme des Herzens vermuten lässt, wobei es hochsymbolisch scheint, wie sich ÄGiselheer“ auf ÄLanzenspeer“ reimt, während das ÄHerz“ reimlos und alleinstehend bleibt.143 Angesichts dieser Beobachtungen keimen erste grundle- gende Zweifel auf, ob diese Liebesauffassung überhaupt ihre Erfüllung finden kann.

Im gesamten Zyklus lässt das lyrische Ich durch die kontinuierliche Thematisierung keinen Zweifel an seiner Liebe zum Du: ÄLiebe dich so!“ (GdKö, V.15), ÄIch liebe dich wie nach dem Tode“ (DB1, V.13) oder ÄWie kann ich dich mehr noch lieben?“ (DLdS, V.1). Zwar hat die bisherige Analyse einige Stellen aufgezeigt, in denen die Daseins- bewältigung mittels der Macht der Liebe zu funktionieren scheint, dennoch zeigen die zahlreichen rhetorischen Fragen - etwa ÄDu mich auch?“ (GdKö, V.16), ÄWeißt du das?“ (GdH, V.8), ÄNicht?“ (DB1, V.24) oder ÄWarum reißt du mich von dir?“ (HBbim, V.7) - grundlegende Zweifel des lyrischen Ichs auf. Auch die zahllosen Konjunktiv- konstruktionen lassen erahnen, dass vieles lediglich in der Wunschvorstellung des Ichs verhaftet bleibt. In dem Gedicht Hinter Bäumen berg ich mich wie auch in eini- gen anderen Gedichten erfolgt zudem eine vernehmbare Trennung zwischen Ge- genwart und Vergangenheit: Während in der Vergangenheit anhand der behandelten Naturmetaphern die Bemühung des Ichs geschildert wird, die paradiesische Gegen- welt mittels der Liebe zu erreichen, akzentuiert das Wort ÄNun“ (V.16) den klaren Schnitt zur Gegenwart. In dieser schlägt das Ich Ä[s]eine Tempelwände düster“ (V.17), durch die bereits besprochene negative Konnotation der Dunkelheit zeigt sich folglich, dass die Hoffnung auf Transzendenz, verkörpert durch den ‚Tempel‘, nicht erfüllt worden ist. Die Metonymie der Äkalt[en] […] Grüße“ (HBbim, V.20) wirkt zudem desillusionierend, indem sie sich auf den Äkühlen Tag“ (GdH, V.21) zurückbezieht und somit zur Chiffre für die Rückkehr in die Realität wird.

Demnach vermag die Macht der Liebe bestenfalls für einen kurzen Zeitraum die Rea- lität zu überwinden, was etwa die ‚Wir‘-Formen des Spiels offenkundig gemacht ha- ben. Letztendlich beruht die Liebesauffassung jedoch auf einem gravierenden Para- dox: So verbleibt die daseinsbewältigende Liebe in den Gedichten immerfort im Spiel und der mystischen Gegenwelt verankert. Das bedingt allerdings die logische Kon- klusion, dass die Liebe selbst allzeit nur Fantasie bleiben und niemals in der Realität bestehen kann. Daher scheint es unumgänglich, dass in den Gedichten auf Momente des Glücks in der Daseinsbewältigung letztendlich die Desillusionierung folgen muss. Wenngleich das Ich diese Einsicht überwiegend dem Du anlastet - ÄUnd du so viel Liebe / Launisch verstießest“ (LD, V.14) oder ÄAber deine Lippen sind schwer / Meine Wunder erlösen sie nicht“ (DB2, V.7-8) -, begründet sich die Unmöglichkeit einer dauerhaften Liebeserfüllung letztendlich im eigenen Liebesverständnis. Überdies scheint die Unerfüllbarkeit substanziell in den zahlreichen mystischen Maskierungen verankert zu sein, denn obgleich der Geliebte austauschbar und letztlich stets Maske für die erhoffte Daseinsbewältigung und ein göttliches Gegenüber ist, bleibt er in der Realität schließlich immer eins: ein reales, menschliches Gegenüber. Eben jenes Problem reflektiert sich in der konträren Darstellung des lyrischen Dus; so soll es zu Gott führen und wird sogar zu diesem stilisiert, ist aber zugleich ein ‚Heide‘. Auch seine stark und körperlich behafteten Substantive vermögen zwar Schutz vor der Realität zu bieten, zugleich macht eben diese Gegenständlichkeit eine Auflösung in die mystische Gegenwelt unmöglich. Ihre Zuspitzung finden die antithetischen Bild- bereiche in dem Vers ÄDeine diamantenen Träume“ (DB2, V.11). Während die Träu- me der transzendenten Gegenwelt zugehörig sind, gestaltet der Diamant als Symbol Äder Härte und Unbezwingbarkeit“ trotz seiner Schönheit eine Auflösung des Körper- lichen als unmöglich.144

In diesem Sinne lässt sich auch die mehrfach angesprochene Sonderstellung des Gedichts Klein Sterbelied deuten, das sich anlässlich seines festen Formgefüges unverkennbar von den übrigen Gedichten abhebt: In der erfüllten Liebe war das Ich einst Äblau und fromm“ (V.7), doch die Desillusionierung durch die Unmöglichkeit der Liebesbeziehung ist bereits eingetreten, verdeutlicht anhand des einzigartigen Ver- zichts auf ein lyrisches Du. Mit dem Liebesverlust geht die Rückversetzung in die Fesseln der Realität einher, ästhetisch vermittelt durch den strengen Endreim und das alternierende Versmaß. In diese Deutung der Rückversetzung vermag auch das Gedicht Höre zu passen, das in der bisherigen Analyse weitgehend unerwähnt ge- blieben ist. Durch das Aufgreifen des ‚Wegrandes‘ (Vgl. V.7) steht es vermutlich im direkten Kontext zu Benns Gedicht Hier ist kein Trost, das durch den Vers ÄNiemand wird mein Wegrand sein“ scheinbar das Ende der exemplarisch betrachteten Spiel- freundschaft markiert.145 Als einziges Gedicht im Zyklus enthält es eine weitere irdi- sche Person, eine neue ÄWeibin“ (V.3), die durch den Parallelismus ÄDie dich um- armt“ (V.4) und ÄDie dich streift“ (V.8) als dritte Person akzentuiert wird. Durch die auffallende körperliche Verhaftung und die Nennung einer anderen Frau scheint es sich zunächst grundlegend von den übrigen Gedichten zu unterscheiden und wenig zur These dieser Arbeit beizutragen. Da die Liebe in diesem Gedicht aber offenkun- dig keine Erfüllung findet, verdeutlicht Höre schließlich nur umso deutlicher, wie zent- ral die Daseinsbewältigung und Suche nach Transzendenz an die Erfüllung der Liebe gekoppelt ist und wie diese an der Konfrontation mit der Realität scheitert.

An diesem Punkt scheint es abschließend sinnvoll, noch die Anordnung der Gedichte im Zyklus zu bedenken: Das erste Gedicht O deine Hände skizziert zunächst die en- thusiastische Faszination am Liebesspiel als Form der Daseinsüberwindung. Darauf- hin sehen sich in den folgenden Gedichten die Hoffnungen und Erwartungen an die Macht der Liebe kontinuierlich konfrontiert mit ihrer Unmöglichkeit. Während das vor- letzte Gedicht Dem Barbaren in dem Vers ÄAber dein Herz lässt keine Meere mehr ein“ (V.17) bereits jede Hoffnung zunichtemacht, verdeutlicht das letzte Gedicht O ich möchte aus der Welt das endgültige Verblassen der Liebe: Das Du klingt lediglich noch als Enjambement mit dem Titel im ersten Vers an und verschwindet schließlich ganz. Der letzte, passenderweise alleinstehende Vers des ganzen Zyklus zieht letzt- lich das ernüchternde Fazit der Liebesbedeutung: In einem Dasein ohne Liebe bleibt vom Glauben einzig ÄGottes Grab“ (V.13), das im Gedicht ebenso alleinstehend bleibt wie das lyrische Ich. Das Ende der Liebe führt somit unweigerlich zu dem end- gültigen Verlust Gottes. Trotz der anklingenden Aussichtslosigkeit lässt das ÄIrr[en]“ als ÄFlackerlicht“ (V.12) jedoch erahnen, dass das lyrische Ich die unentwegte Suche nach Transzendenz dennoch nicht aufgeben wird.146

Zusammenfassend vermag die Macht des Verliebtseins im Gottfried Benn Zyklus kurzzeitig zur Bewältigung des irdischen Daseins führen, das von Einsamkeit und Verlassenheit geprägt ist und zugleich zur gottlosen und avitalen Welt stilisiert wird. Für einen kurzen Zeitraum entgrenzt sich das lyrische Ich mittels der Liebe und des gemeinsamen Spiels mit dem Du in eine mystische Gegenwelt, die insbesondere durch die Schilderung von Farben und Natur einem synkretistischen Paradies gleicht. Aufgrund der beschriebenen Antithetik kann die Liebe jedoch dauerhaft nicht beste- hen und was bleibt, ist die unentwegte Suche nach Erfüllung. Insgesamt weist der Zyklus in dieser Unerfüllbarkeit der Liebesauffassung und dem innigen Kontext zwi- schen Tod, Mystik und Liebe deutliche Prallelen zum Expressionismus auf, was die Zuordnung Lasker-Schülers zu dieser Strömung rechtfertigt. So lässt auch im Ex- pressionismus die ÄVerbindung der verschiedensten Ebenen - das Statische mit dem Beweglichen, das Körperliche mit dem Metaphysischen, das Vitale mit dem Tode usw. - die Liebe nie zur Erfüllung kommen.“147

12 AUSBLICK

Angesichts des eingeschränkten Umfangs ist es in dieser Arbeit lediglich möglich gewesen, die Liebesbedeutung in Lasker-Schülers Werk anhand des Gedichtzyklus Gottfried Benn zu untersuchen. Wie essenziell die Liebesbedeutung aber in ihrem gesamten Leben ist, zeigt sich in einem ihrer angeblich letzten Sätze, bevor sie 1945 im Exil in Jerusalem stirbt: ÄMit mir geht es zu Ende, ich kann nicht mehr lieben“.148 In diesem Zitat setzt Lasker-Schüler ähnlich wie das lyrische Ich ein Leben ohne Liebe mit dem Tod gleich. Angesichts dessen erscheinen das Ende des Gedichtzyklus und das Fazit der Analyse, dass das Liebesverständnis des lyrischen Ichs auf Dauer keine Erfüllung finden kann, zunächst niederschmetternd.

In eben dieser Unerfüllbarkeit der Liebe reflektiert sich jedoch erneut die enge Ver- strickung zwischen der Person Lasker-Schüler und dem lyrischen Ich. Fast zwangs- weise muss für Lasker-Schüler die Liebe unerfüllt bleiben, denn nur indem sie sich selbst ihren Platz in der Welt nicht finden lässt, erhält sie die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies in ihren Gedichten stets aufrecht.149 Aufgrund der Parallelen im Liebesverständnis, aber auch der Gemeinsamkeiten in der Realitätsablehnung und Flucht in mystische Gegenwelten sieht sich die Vorgehensweise dieser Arbeit bestä- tigt, den gattungsgeschichtlichen Kontext und Lasker-Schülers Biografie als Hinter- grund für die Gedichtanalyse heranzuziehen. Zugleich hat sich auch gezeigt, welch schwerwiegender Fehler es wäre, die Gedichte ausschließlich auf die Dokumentation einer vermeintlichen Liebesbeziehung zu Benn zu reduzieren. So bleibt Benn, ganz unabhängig davon ob eine Liebesbeziehung bestanden hat oder nicht, als paradig- matischer Adressat der Gedichte lediglich eine Maske für die Suche nach Daseins- bewältigung und göttlicher Transzendenz. Tatsächlich ist Benn nur einer von vielen weiteren Männer, die Lasker-Schüler in ihren zahlreichen Liebesgedichten und Brie- fen andichtet und vorgibt zu lieben: Noch kurz vor ihrer Begegnung mit Benn widmet sie Johannes Holzmann einen ganzen Gedichtzyklus. Wie Benn versieht sie auch ihn mit einem Spitznamen und erhebt ihn als ‚Senna Hoy‘ ebenso zu ihrem Ägeliebten Spielgefährten“.150 Kurz nach der vermeintlichen Beziehung mit Benn, widmet sie dem Schriftsteller Paul Leppin mehrere Liebesgedichte, so auch das Palmenlied, das zuvor noch Benn galt.151 In einem nächsten Schritt wäre es daher äußerst interessant zu untersuchen, wie sich das Liebesverständnis in Lasker-Schülers Werk weiterent- wickelt. Fungiert die Liebe weiterhin als daseinsbewältigende Macht? Und wird das anklingende Irren um Gottes Grab in den übrigen Gedichten fortgesetzt oder vermag die Liebe des lyrischen Ichs schließlich doch seine himmlische Erfüllung zu finden?

13 LITERATURVERZEICHNIS

13.1 PRIMÄRLITERATUR

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14 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Lasker-Schüler, zitiert nach Henneke-Weischer, Andrea: Poetisches Judentum. Die Bibel im Werk Else Lasker-Schülers. Mainz 2003 [= Theologie und Literatur, Band 14], S.42.

2 Vgl. Kupper, Margarete: Lebenslauf. In: Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Friedhelm Kemp. München1966 [= Die Bücher der Neunzehn, Band 134], S.291.

3 Lasker-Schüler, Else: Dichtungen und Dokumente. Gedichte - Prosa - Schauspiele - Briefe. Zeugnis und Erinnerung. Ausgew. und hrsg. von Ernst Ginsberg. München 1951, S.520.

4 Die Gedichte werden in der weiteren Arbeit in der Version der folgenden Ausgabe zitiert: Lasker-Schüler, Else: Gottfried Benn. In: Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Friedhelm Kemp. München 1966 [= Die Bücher der Neunzehn, Band 134], S.121-131.

5 De Man, Paul: Autobiographie als Maskenspiel. In: Die Ideologie des Ästhetischen. Hrsg. von Christoph Menke. Frankfurt am Main 1993, S.133.

6 Ebd., S.140.

7 In der Erstveröffentlichung von 1917 umfasst der Gottfried Benn Zyklus noch weitere Gedichte. Als Lasker-Schüler ihn 1920 jedoch erneut veröffentlicht, verkürzt sie ihn auf 17 Gedichte. In dieser überarbeiten Version ist der Zyklus in nahezu allen späteren Veröffentlichungen erschienen, so auch in der hier verwendeten Version in den Sämtliche[n] Gedichten von 1966.

8 Lasker-Schüler, zitiert nach Hahn, Ulla: Else Lasker-Schülers »Gedichte an Freunde«. In: Meine Träume fallen in die Welt. Ein Else Lasker-Schüler-Almanach. Hrsg. von Sarah Kirsch / Jürgen Serke und Hajo Jahn. Wuppertal 1995, S.90.

9 Vgl. Wallmann, Jürgen P.: Else Lasker-Schüler. Mühlacker 1966, S.5.

10 Vgl. Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.10.

11 Um den Lesefluss nicht unnötig zu beeinträchtigen, wird im Folgenden statt des Mädchennamens Schüler bereits der Name Lasker-Schüler verwendet, den sie ab ihrer Hochzeit mit Berthold Lasker im Jahr 1984 bis zu ihrem Tod tragen wird.

12 Vgl. Hessing, Jakob: Else Lasker-Schüler. Biographie einer deutsch-jüdischen Dichterin. Karlsruhe 1985, S.37.

13 Vgl. Bauschinger, Sigrid: Else Lasker-Schüler. Ihr Werk und ihre Zeit. Heidelberg 1980 [= Poesie und Wissenschaft, Band 7], S.25.

14 Vgl. Sander-Brahms, Helma: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler. Giselheer und Prinz Jussuf. Berlin 1977, S.13.

15 Vgl. Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.14.

16 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.32.

17 Vgl. Hessing: Else Lasker-Schüler, S.37.

18 Vgl. Bauschinger: Else Lasker-Schüler, S.21.

19 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.34.

20 Vgl. ebd., S.36-38.

21 Vgl. Bauschinger: Else Lasker-Schüler, S.29.

22 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.41.

23 Vgl. ebd., S.42.

24 Lasker-Schüler, Else: Styx. Gedichte. Berlin 1902.

25 Vgl. Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.24.

26 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.45-46.

27 Lasker-Schüler: Dichtungen und Dokumente, S.515.

28 Vgl. Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.41.

29 Vgl. Burdorf, Dieter: Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn. Ein Gespräch in Gedichten als ÄLiebender Streit“. In: Liebender Streit. Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn. Hrsg. von Dieter Burdorf. Iserlohn 2002, S.11.

30 Benn, Gottfried: Morgue. In: Gedichte. Hrsg. von Dieter Wellershoff. Wiesbaden / München 1978 [= Gesammelte Werke in vier Bänden, Band 3], S.7-19.

31 Vgl. Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.29.

32 Lasker-Schüler in einem Brief an Kurt Wolf, zitiert nach Hallensleben, Markus: Else Lasker-Schüler. Avantgardismus und Kunstinszenierung. Tübingen 2010, S.189.

33 Die Aktion vom 25.06.1913, zitiert nach Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.72.

34 Vgl. Rölleke, Heinz: Else Lasker-Schülers Gedichte aus der Zeit ihrer Begegnung mit Benn. In: Liebender Streit. Else Lasker- Schüler und Gottfried Benn. Hrsg. von Dieter Burdorf. Iserlohn 2002, S.15.

35 Lasker-Schüler über Benn in der Aktion vom 25.06.1913, zitiert nach Burdorf: Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn, S.11.

36 Ebd.

37 Widmung in Benn, Gottfried: Söhne. Neue Gedichte. Berlin 1913.

38 Widmung in Lasker-Schüler, Else: Der Prinz von Theben. Ein Geschichtenbuch. Leipzig 1914.

39 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.59.

40 Benn, Gottfried: Erinnerungen an Else Lasker-Schüler. Rede auf Else Lasker-Schüler. In: Essays und Reden in der Fassung der Erstdrucke. Mit einer Einführung hrsg. von Bruno Hildebrand. Frankfurt am Main 1989, S.541.

41 Vgl. Rölleke: Else Lasker-Schülers Gedichte aus der Zeit ihrer Begegnung mit Benn, S.18.

42 Lasker-Schüler in einem Brief an Franz Marc, zitiert nach Wallmann: Else Lasker-Schüler, S.50.

43 Widmung in Lasker-Schüler: Gottfried Benn.

44 Raabe, Paul: Gottfried Benns Huldigungen an Else Lasker-Schüler. Unbekannte Dokumente des Dichters 1931-1932. In: Gottfried Benn. Den Traum alleine tragen. Neue Texte / Briefe / Dokumente. Hrsg. von Paul Raabe und Max Niedermayer. Wiesbaden 1966, S.66.

45 Vgl. Bauschinger: Else Lasker-Schüler, S.132.

46 Vgl. Haag, Herbert (Hrsg.): Bibel-Lexikon. Tübingen 1968, Sp.880-881.

47 Vgl. Sander-Brahms: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, S.16.

48 Lasker-Schüler, zitiert nach Cohn, Hans W.: Else Lasker-Schüler. The Broken World. Cambridge 2011 [= Anglica Germanica, Band 2], S.73.

49 Vgl. Bauschinger: Else Lasker-Schüler, S.163-165.

50 Vgl. Weissenberger, Klaus: Zwischen Stein und Stern. Mystische Formgebung in der Dichtung von Else Lasker-Schüler, Nelly Sachs und Paul Celan. Bern / München 1976.

51 Vgl. Bauschinger: Else Lasker-Schüler, S.166-167.

52 Lasker-Schüler, zitiert nach Henneke-Weischer: Poetisches Judentum, S.346.

131 Vgl. Rölleke: Else Lasker-Schülers Gedichte aus der Zeit ihrer Begegnung mit Benn, S.24.

132 Vgl. ebd., S.25.

133 Vgl. Matt, Peter von: Wörterleuchten. Kleine Deutungen deutscher Gedichte. München 2009, S.128.

134 Lasker-Schüler, Else: Prosa und Schauspiele. Hrsg. von Friedhelm Kemp. Frankfurt am Main 1996 [= Gesammelte Werke in drei Bänden, Band 2], S.381.

135 Ebd., zitiert nach Weissenberger: Zwischen Stein und Stern, S.108.

136 Ebd., zitiert nach Hintze: Lasker-Schüler in ihrem Verhältnis zur Romantik, S.225.

137 Huizinga: Homo Ludens, S.118.

138 Hintze: Lasker-Schüler in ihrem Verhältnis zur Romantik, S.223.

139 Lasker-Schüler, zitiert nach Hintze: Lasker-Schüler in ihrem Verhältnis zur Romantik, S.101.

140 Vgl. Koch, Angelika: Die Bedeutung des Spiels bei Else Lasker-Schüler. Im Rahmen von Expressionismus und Manierismus. Bonn 1971 [= Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Band 107], S.29.

141 Vgl. Höltgen, Karl J.: Untersuchungen zur Lyrik Else Lasker-Schülers. Diss. Bonn 1958, S.75.

142 Vgl. Weissenberger: Zwischen Stein und Stern, S.108.

143 Vgl. Rölleke: Else Lasker-Schülers Gedichte aus der Zeit ihrer Begegnung mit Benn, S.23.

144 Butzer / Jacob: Metzler Lexikon literarischer Symbole, S.65-66.

145 Benn, Gottfried: Hier ist kein Trost. In: Gedichte. Hrsg. von Dieter Wellershoff. Wiesbaden / München 1978 [= Gesammelte W erke in vier Bänden, Band 3], S.374.

146 Vgl. Weissenberger: Zwischen Stein und Stern, S.28.

147 Froehlich: Liebe im Expressionismus, S.50.

148 Lasker-Schüler, zitiert nach: Hahn: Else Lasker-Schülers »Gedichte an Freunde«, S.89.

149 Vgl. ebd., S.90.

150 Lasker-Schüler, Else: Meinem so geliebten Spielgefährten Senna Hoy. In: Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Friedhelm Kemp. München 1966 [= Die Bücher der Neunzehn, Band 134], S.108-115.

151 Lasker-Schüler, Else: Paul Leppin. In: Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Friedhelm Kemp. München 1966 [= Die Bücher der Neunzehn, Band 134], S.135-144.

Details

Seiten
39
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668376496
ISBN (Buch)
9783668376502
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351185
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
eine analyse gedichtzyklus gottfried benn else lasker-schüler berücksichtigung biografie zeitkontext liebe macht

Autor

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Titel: Eine Analyse des Gedichtzyklus "Gottfried Benn" von Else Lasker-Schüler unter der Berücksichtigung von Biografie und Zeitkontext