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Rassismus als Thema der Interkulturellen Pädagogik

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.Rassismus-Begriff nach Robert Miles
1.1 Rasse als Konstruktion
1.2 Rassismus nach Alfred Schobert und Gabrielle Fuchs
1.3 Neo- Rassismus nach Etienne Balibar, Guthmann und Bukow

2. Was ist interkulturelle Pädagogik?
2.1 Kritik an der interkulturellen Pädagogik
2.2 Berücksichtigung des Rassismus von der Interkulturellen Pädagogik nach Auernheimer, Memmi Albert und Guthmann
2.3 Rassismus kritische Bildungsarbeit von Paul Mecheril und Claus Melter
2.4 Erläuterung der Schritte zur kritischen Rassismus Arbeit

3. Interkulturelle Pädagogik in der Bundesrepublik Deutschland

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Fokus der interkulturellen Pädagogik auf Ras- sismus. Hierbei soll erarbeitet werden, weshalb sich interkulturelle Pädagogik sich mit Rassismus auseinandersetzt. Zunächst wird bezugnehmend auf Rassismus der Film „Selma“1 von der Regisseu- rin Ava DuVernay aus dem Jahre 2014, der die Montgomery Märsche in der USA aus dem Jahre 1965 behandelt vorgestellt. Dieser Tag änderte USA und ging in die Geschichte als „Bloody Sunday“ ein. Der gescheiterte Protestmarsch wegen des Wahlrechts wurde landesweit im Fernsehen übertragen, sorgte wegen ihrer Brutalität gegenüber den Schwarzen für Empörung und tausende strömten nach Alabama um Martin Luther King zu unterstützen. Darunter waren weiße, Kleriker sowie Afroameri- kaner vorhanden.

In dem Film werden trotz des Verbots der Rassentrennung durch den Civil Right Act Schwarze in den Südstaaten schikaniert, diskriminiert und ihrer Rechte entraubt. Insbesondere trotzt des Rechtes zu wählen werden sie in dem Film von den zuständigen Registrierungsbeamten durch diverse diskri- minierende Lese und Schreibtests verhindert. Weiterhin erfolgt eine Veröffentlichung ihrer Daten, so das Schwarze mit Wissen des Staates von rechtsextremen wie etwa dem Ku -Klux -Klan verfolgt und umgebracht werden. Als Martin Luther King von diesen Umständen erfährt, bittet er zunächst Hilfe von dem US- Präsidenten Lyndon B. Johnson. Als der US-Präsident jedoch seine Hilfe verweigert, reist Martin Luther nach Alabama in die Stadt Selma um die dort lebenden Afroamerikaner gewaltlos gegen die Ungerechtigkeit des Wahlrechtes zu unterstützen. Dabei kommt es zu einer Demonstration vor dem Gerichtsgebäude. Folglich wird die Demonstration von dem Sheriff Jim Clark mit Gewalt aufgelöst und Martin Luther King wird verhaftet. Während der Inhaftierung Kings beschließt der Gouverneur Georg Walles um den Schwarzen die Überlegenheit des weißen Mannes zu zeigen eine staatlich legitimierte brutale Auflösung einer friedvollen Demonstration. Hierbei ist wichtig zu be- achten, dass der Gouverneur sich der medialen Macht bewusst ist und ein Zeitpunkt aussucht indem King nicht dabei ist. Somit wird gesichert das es keine medialen Zeugnisse und landesweite Übertra- gung existieren. Während der gewaltsamen Auflösung wird der schwarze, junge Demonstrant Jimmy Lee Jackson vor den Augen seiner Mutter von der Polizei in einem öffentlichen Lokal von einem Polizisten ermordet. Es findet keine Verhandlung, Bestrafung bezugnehmend des Mordes an Jimmy statt. Diese Szene bezieht sich zwar auf ca. 50. Jahre zurück, dennoch gibt es Parallelen zu heute. Die Fallbeispiele von Michael Brown, Eric Garner und Tamir Rice2 zeigen eine neuerliche Debatte über Polizeigewalt gegenüber Afroamerikaner in der USA. Leider werden die Täter entweder gar nicht oder sehr milde bestraft.3 Hinzukommend kann man die NSU-Morde in Deutschland mit einbeziehen.

Der Nationalistische Untergrund bekannt als NSU ermordete in Deutschland zehn Menschen mit Migrationshintergrund zwischen den Jahren 2000 und 2007. Erst im Jahre 2011 konnte der Anschlag der NSU zugeordnet werden. Bis zu 2011 wurden die Opfer und ihre Angehörigen von den Sicher- heitsbehörden und Medien als Täter diffamiert und die Rolle des Verfassungsschutzes ist immer noch im Unklaren.4

Dies zeigt uns, dass Rassismus nicht nur ein historisches Phänomen ist. In dem Zusammenhang wird zunächst das Rassismus Verständnis von Robert Miles, Alfred Schobert und Gabrielle Fuchs definiert und erläutert. Weiterhin wird die Rassenkonstruktion nach dem Soziologen Robert Miles erklärt und die Überlegungen von Etienne und Balibar bezüglich des Neo-Rassismus vorgestellt. Im nächsten Anschnitt erfolgt eine kurze Definition der interkulturellen Pädagogik und der Kritik an interkultu- reller Erziehung. Weiterhin soll unter Berücksichtigung der interkulturellen Pädagogik Rassismus er- läutert und Lösungsansätze nach Melter und Mecherlich vorgestellt werden. Folglich werden hierbei auch neben der Erziehung und Bildung, politische Institutionen mitberücksichtigt werden. Im letzten Abschnitt wird die interkulturelle Erziehung in Deutschland dargelegt und abschließend erfolgt dann das Fazit.

1. Rassismus-Begriff nach Robert Miles

Robert Miles deutet darauf hin, dass bezugnehmend auf den Rassismus-Begriff vielseitige Erklärungsmuster und Verwendungen existieren. In dem Kontext deutet der Soziologe darauf hin, dass der Rassismus-Begriff ein ideologisches Erscheinungsbild sei, da der untersuchende Wert einer Terminologie „[...] durch sein Nutzen für die Beschreibung und Erklärung gesellschaftlicher Prozesse bestimmt ist. “ 5 Weiterhin hebt Miles hervor, dass spezielle Eigenschaften vertreten sein müssen, die für das Verständnis des Rassismus-begriffs relevant sind.6 Laut Miles habe die vielseitige Deutung des Rassismus-Begriffs dazu geführt, dass außerhalb der Ideologie auch andere Praxisfelder mit einbezogen wurden. Somit gebe es keine klare Trennlinie und erschwere die „[...] Bestimmung von Determinationsverhältnissen [...] “ 7 Folglich könne man daher keine Logikbasierte Verbindung zwischen Erkenntnis und Handlung herstellen. Außerdem um gezielt gegen die Ideologien des Rassismus und dessen Exklusion mit der daraus entstehenden Ungleichheit zu agieren, solle man, so Miles, in der Lage sein Rassismus zu unterscheiden.8 Hinzukommend unterscheidet Miles „ [...]die Eigenschaften des Rassismus-Begriffs[... ]“9 die „[...] als repräsentationales Phänomen[...]10 gilt von den Ausschließungspraxen. Hierbei sei nicht der funktionelle Wert, sondern die Ideologien von Bedeutung.11 Dies bezieht sich um bestimmte Gruppen, die bei Ressourcenknappheit und Arbeitsleistungen inkongruent behandelt werden,12 oder innerhalb der hierarchischen Verhältnisse systematisch über oder unter vertreten werden.13 Wichtig ist zu erachten, laut Miles, dass Ausschließungspraxen sich nur auf erkennbare Handlungen und Abläufe beziehen und nicht über das Wesen der Determinanten aussagen. Dies müsse in gesonderter Form untersucht werden.14 Weiterhin deutet der Soziologe auf beabsichtige und nicht beabsichtigte Ausschließungspraxen, die man mit beachten solle und dass Gruppierungen nach innewohnenden Merkmalen von anderen Gruppierungen unterschieden werden. Daher müsse eine Rassenkonstruktion stattfinden.15 In dem Kontext verweist Miles, dass die erwähnten Gruppen negative Eigenschaften erhalten und somit als gefährlich eingestuft werden. Laut dieser Sichtweise gehören alle Menschen einer biologischen Gruppe an, dessen Eigenschaften, biologisch oder kulturell von Natur aus negativ konnotiert werden. Somit beinhalten sie innerhalb der Ideologie ein Gefahrpotenzial, die als Bedrohung empfunden wird.16 Nach Miles besitzt die Ideologie des Rassismus noch weitere Merkmale. In dem Zusammenhang weist Miles auf den dialektischen Charakter des Rassismus. Hiermit ist der Spiegeleffekt gemeint, bei der negativen Darstellung des Anderen spiegelt sich zugleich das eigene Selbstbild mit positiven Merkmalen. Somit ist Rassismus eine ideologische Repräsentationsform um Gruppen von Menschen abzugrenzen und funktioniert als Ein und Ausschließungspraxis und setzt eine Rassenkonstruktion voraus.17 Weiterhin kann Rassismus eine in sich schlüssige Theorie annehmen, er kann eine logische Struktur aufzeigen und Beweise vorlegen, die seine Annahme unterstützen. Der Rassismus stellt für bestimmte Beobachtungen Gesetzmäßigkeiten auf und liefert somit kausale Erklärungsmuster.18 Zusätzlich könne man, so Miles, mit dem Rassismus- Begriff keinen konkreten historischeren Gehalt fassen, sondern „[...] Er bestimmt vielmehr die allgemeinen Merkmale, die ein Diskurs besitzen muß, um als ein Beispiel für Rassismus gelten zu können. Der Rassismus ist, mit anderen Worten keine einförmige, statische Ideologie, die man anhand einer bestimmten Reihe von Behauptungen, bildliche Vorstellungen und Klischees identifizieren kann.[...] “ 19

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass laut Miles, Rassismus von Menschen konstituiert und produziert wird um sich Ein und Auszugrenzen. Hierbei dienen reale oder fiktive biologische Eigenschaften als Ausschließungspraxen, daher ist die Rassenkonstruktion erforderlich. Rassismus kann man nicht nur mit einer Ideologie begründen, sondern das viele Ideologien eine Rolle spielen. Daher wendet er sich von reduktionistischen Erklärungsmuster ab und betont die historische Spezifität. Weiterhin deutet er darauf hin, dass Ausschließungspraxen nicht immer rassistisch begründet werden können. Miles beschränkt Rassismus auf den ideologischen Diskurs.20

1.1 Rasse als Konstruktion

Laut Robert Miles dient die Rassenkonstruktion als ein Kategorisierungssystem, in dem Menschen entsprechend ihrer angeborenen biologischen Merkmale beschrieben und ausgegrenzt werden.21 Da die biologischen Eigenschaften der Menschen zur Strukturierung, Diskriminierung und Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen führen, sei dies somit ein ideologisches Phänomen. Weiterhin betont Miles, „ [...] die Rassenkonstruktion ist ein dialektischer Prozess der Konstruktion von Bedeutung[...] “ 22 Somit erfolgt eine Beschreibung des Anderen mit Hilfe von realen oder fiktiven biologischen Merkmalen, denen biologischen Eigenschaften man eine Bedeutung gibt, um sich selbst zu definieren. Diese ihr wir Dichotomie diene zur Identifizierung der eigenen Identität. Folglich erfolgt dadurch ein Kategorisierungssystem.23

1.2 Rassismus nach Alfred Schobert und Gabrielle Fuchs

Laut des Autoren Alfred Schobert darf man nur dann von Rassismus sprechen, wenn drei Faktoren vorhanden sind.24

Erstens, Differenzierung von Individuen, Gruppierungen „[...] als „ Rassen “ oder „ Ethnien “ unter Verweis [...]“auf ihren gemeinsamen, somatischen und kulturellen Eigenschaften sowie Ideologien unterscheidet und ausgrenzt. Zweitens, wenn bei der Differenzierung positive sowie negative Charakteristik erfolgt und dadurch eine Dichotomie entsteht. Letzteres, wenn „[...] die Vornahme dieser Konstruktion und Wertung aus einer Position der Macht“ entsteht. In dem Kontext definiert Gabriele Fuchs ähnlich wie Alfred Schobert. Rassismus sei ein ideologisches Phänomen, eine Differenzierung von Menschen. Dies diene als Kategorisierungssystem, die zum Teil politisch legitimiert sei. Weiterhin weist sie darauf hin, dass Ausschließungspraxen eine weitere Form von Rassismus seien, welches um Machtsicherung und Absicherung von Herrschaftsverhältnissen diene.25 Rassistische Ausschließungspraxen sind, so Fuchs zum Beispiel das Asyl- und Aufenthaltsgesetz, Bildungsprojekte die rassistisch und sexistisch beinhaltet sind und institutionelle Praxen der Rollenzuteilung von Geschlechtern.26

[...]


1 http://play.maxdome.de/webplayer/https%3A%2F%2Fwww.maxdome.de%2F?portal_host=www.maxdome.de&

2 Vgl. http://www.zeit.de/thema/polizeigewalt-usa

3 Vgl. http://www.zeit.de/thema/polizeigewalt-usa

4 Vgl. Bozay Kemal/Aslan Bahar/Mangitay Orhan: Die Haben Gedacht, Wir Waren Das. MigrantInnen über rechten Terror und Rassismus. Köln 2016.S.9-15.

5 Vgl. Miles Robert: Rassismus. Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs. Hamburg 1991. S.103.

6 Vgl. Ebd. S.103.

7 Vgl. Ebd. S.103.

8 Vgl. Ebd. S.103.

9 Vgl. Ebd. S.105.

10 Vgl. Ebd. S.105.

11 Vgl. Ebd. S.105.

12 wie zum Beispiel: Arbeiterkinder, die an Universitäten sehr wenig vertreten sind, oder die hohe Arbeitslosenanzahl von männlichen indischen Jugendlichen, oder generell das Frauen keine hohen Positionen in der Arbeitswelt besetzen. Vgl. ebd. S.104.

13 Vgl. Ebd. S.103.

14 Vgl. Ebd. S.104.

15 Vgl. Ebd. S.105.

16 Vgl. ebd. S.106.

17 Vgl. Ebd. S.106.

18 Vgl. Ebd. S.106-108.

19 Vgl. Ebd. S.109-110.

20 Vgl. Ebd. S.112- 132.

21 Vgl. Ebd. S.100.

22 Vgl. Ebd. S.100.

23 Vgl. Ebd. S.100.ff.

24 Vgl. Schobert Alfred: Rassismus-Rassismen. In: Heinemann Mirko/Schobert Alfred/Wahjudi Claudia (Hrsg) Essen 2002. S.16.

25 Vgl. Fuchs, Gabriele (1994): Interkulturelles Zusammenleben- aber wie? In: Fuchs/Gabriele, Schratz/Michael(Hrsg.). Österreichischer Studien Verlag: Innsbruck, S.40.

26 Vgl. Ebd. S.43.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668376410
ISBN (Buch)
9783668376427
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351107
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2
Schlagworte
rassismus thema interkulturellen pädagogik
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