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Einsatz der sozialen Medien zur Unterstützung des PSNV-Konzeptes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 20 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

3. Geschichte
3.1 Geschichte der Psychotraumatologie
3.2 Notfallpsychologie in Deutschland

4. Fragebogen

5. Online-Angebote

6. Rechtliche Aspekte

7. Moglichkeiten

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die Zukunft soil man nicht voraussehen wollen, sondern moglich machen...“

Antoine de Saint-Exupery (1900 - 1944)

Die neuen sozialen Medien spielen mittlerweile in vielen Bereichen unseres Lebens eine mehr oder weniger groBe Rolle. Man teilt sein Essen in Form von Bildern bei Facebook, zeigt der ganzen Welt seine neuen Schuhe auf Instagram, sucht alte Schulfreunde bei Stayfriends um Klassentreffen zu organisieren oder halt auf den unzahligen Partnerborsen nach der Liebe des Lebens Ausschau. Naturlich braucht man nebenbei noch mehrere E­Mail Konten, diverse Apps fur ein bewussteres Leben, dazu ein Fitness Armband fur das Gewissen, ein paar Spiele gegen die Langeweile und das alles wird in einem Smartphone vereint und ist jederzeit und uberall verfugbar. Nur der Akku dieser Gerate halt leider nicht ewig.

Auch unser Akku, und hier meine ich die psychische Gesundheit, halt nicht beijedem auf Dauer. Sie macht eben nicht alles mit und kann durchaus mal aus dem Gleichgewicht geraten. Was dann? Wie gehe ich damit um? Wie geht es weiter? Eine Antwort auf diese und viele andere Fragen kann wohl niemand abschlieBend geben. So ist heute der erste Weg nicht etwa zum Arzt des Vertrauens, sondern zu Google. Das Internet bietet nicht nur viele Informationen, sondern auch den Vorteil der sicheren Anonymitat. So konnen Probleme geschildert und auch Fragen gestellt werden ohne seine Identitat preiszugeben und es wird das Gefuhl vermittelt, dass man als Betroffener nicht alleine ist. Uber die verschiedenen Internetseiten und vielleicht auch uber die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co, gelangt der Betroffenen auch auf Seiten, die professionelle PSNV anbieten. Insgesamt bietet das Internet also nicht nur eine enorme Informationsfulle, sondern ist grade durch die sozialen Medien in der Lage, viele Menschen in sehr kurzer Zeit zu erreichen. Da die Strukturen der PSNV in Deutschland mittlerweile sehr gut ausgebaut sind, konnen sie jedem Bedurftigen angeboten werden (Psychosoziale Notfallversorgung: Qualitatsstandards und Leitlinien Teil I und II 2012, S. 7). Nun stellt sich folgende Frage: 1st es moglich, mit standardisierten psychometrischen Untersuchungen und einer Verbreitung uber die neuen

Kommunikationstechnologien, das bestehende PSNV-Konzept weiterzuentwickeln? Da eine Weiterentwicklung angestrebt ist und regelmaBige Konsensus-Konferenzen stattfinden (ebd. S. 8ff.), sollte auch ein Blick auf die neuen Medien gerichtet sein, da diese die Weiterentwicklung des PSNV-Konzepts erleichternd unterstutzen konnen.

2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Um die Ausgangsfrage zu beantworten, wird als erstes ein Uberblick uber die Geschichte der Psychotraumatologie und den Hilfsangeboten gegeben. Im vierten Kapitel werden dann verschiedene Screening-Instrumente vorgestellt, zwei werden ausfuhrlicher beschrieben und auch auf die Auswertung eingegangen, bevor im Folgenden funften Kapitel einige Online-Angebote aufgezeigt werden. Bei den Online-Angeboten wird neben tatsachlich abrufbaren Internetseiten, auch ein Buch zitiert das weitere interessante Moglichkeiten aufzeigt. Da gerade soziale Netzwerke und das Angebot im Internet als gesamtes viele rechtliche Fragen aufwerfen, wurde diesem Themenkomplex ein eigenes, namlich das sechste, Kapitel gewidmet. Im vorletzten Kapitel werden einige Moglichkeiten der Gestaltung mit Hilfe des sozialen Netzwerkes Facebook aufgezeigt und herausgestellt wie die Arbeit der PSNV unterstutzt werden kann. Im achten und letzten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst, Vor- und Nachteile dargestellt und eine mogliche Antwort auf die Ausgangsfrage gegeben.

3. Geschichte

Die Geschichte der Psychotraumatologie lasst sich in zwei Bereiche unterteilen. Es gibt auf der einen Seite die Naturgeschichte der Psychotraumatologie und auf der anderen die Wissenschaftsgeschichte der Psychotraumatologie. Eine klare Trennung von beiden ist nach dem heutigen Wissensstand nicht sinnvoll, sie lassen sich nur zusammen verstehen. (Fischer und Riedesser 2009, S. 33) In den folgenden Kapiteln werden die Natur- und Wissenschaftsgeschichte kurz dargestellt und im weiteren Verlauf ein Uberblick uber die Entwicklung der Psychotraumatologie in Deutschland gegeben.

3.1 Geschichte der Psychotraumatologie

Verletzungen der Seele als Folge von Unglucken, Verlust von geliebten Menschen, erschreckende Naturphanomene und viele andere individuelle Ereignisse, waren in ihrem Erscheinen meist so auBergewohnlich, dass die Menschen schon immer versucht haben die Folgen zu mindern. Die Naturgeschichte der Psychotraumatologie enthalt viele Belege dafur, dass es verschiedenste Rituale, Sitten und Gebrauche gab, um die Folgen seelischer Verletzungen zu mildern. Ein weiterer Punkt war, Antworten auf die Sinnfrage nach Tod, Leiden und Naturkatastrophen zu finden. Auch viele Dichter und Dichterinnen haben sich in ihren Werken mit diesen Themen auseinandergesetzt. So wurden traumatisierende Lebensumstande, der Umgang mit Traumen und Moglichkeiten der Bewaltigung von Traumen beschrieben. Es finden sich auch kritische AuBerungen zum sozialen System, bei denen die ergriffenen MaBnahmen zu einer Verschlechterung der Symptome fuhrten. Die dafur prominentesten Vertreter sind der Roman „01iver Twist“ von Charles Dickens und die Comic-Serie „Prinz Eisenherz“ die ursprunglich von Hal Foster geschrieben und gezeichnet wurde. (Fischer und Riedesser 2009, S. 34f.)

Die Wissenschaftsgeschichte der Psychotraumatologie wurde von vielen Forschern gepragt, wobei die wohl bedeutendsten Pierre Janet, Sigmund Freud, Hans Selye und John Bowlby sind. Neben vielen anderen, haben diese durch ihre Forschung wissenschaftliche Pionierleistungen fur die Psychologie, Psychopathologie, Psychiatrie und Psychotraumatologie erbracht. Janet und Freud, die Zeitgenossen waren, waren die Begrunder der Psychoanalyse. Die Arbeiten der beiden gelten als die Werke im Bereich der Psychotraumatologie. So war es Janet der als erster den Begriff „Dissoziation“ verwendete. Nach ihm handelt es sich dabei um:“ [,..]dass die Erinnerung an traumatische Ereignisse oft nicht angemessen verarbeiten kann: sie wird daher vom Bewusstsein abgespalten, dissoziiert, um zu einem spateren Zeitpunkt wieder aufzuleben [...]“ (Fischer und Riedesser 2009, S. 37). Das Aufleben kann in unterschiedlichsten Formen stattfinden, so sind zum Beispiel das Erleben sehr emotionaler Zustande, wiederkehrende Bilder und Reinszenierungen im Verhalten des Betroffenen moglich. (Fischer und Riedesser 2009, S. 37) Auch in Sigmund Freud's Werken lasst sich der Begriff Dissoziation finden. Er setzte allerdings verschiedene Akzente und fuhrte das Konzept der Abwehr ein, womit er das bewusste Vergessen meint. Demnach ist das Bewusstsein nicht mit der Verarbeitung des Erlebten uberfordert, sondern die Eingliederung wurde die Personlichkeit mit unangenehmen oder nur schwer zu ertragenden Gefuhlen belasten. Ein weiterer Schwerpunkt in seinen Werken war die psychische Traumatisierung in Verbindung mit der sexuellen Verfuhrung von Kindern. Er ging davon aus, dass die sexuelle Verfuhrung von Kindern in jedem Fall die Grundlage fur eine spatere hysterische

Storung ist, in Fachbuchern auch als Verfuhrungstheorie bezeichnet. In seinen spateren Forschungen ging es um die psychosexuelle Entwicklung von Kindern, das Innenleben, in dessen Folge er die Sexualtheorie entwickelte. Ein weiterer bedeutsamer Begriff in der Traumatheorie von Freud ist die Nachtraglichkeit. Gemeint ist damit, dass eine in jungeren Jahren erlebte Situation ruckwirkend neu bewertet wird, wobei die mittlerweile entwickelten Erfahrungen eine andere Sichtweise ermoglichen. Die Nachtraglichkeit, also die zeitliche Einordnung des Erlebten in die Lebensgeschichte, ist in der weiteren Forschung von Freud zu finden. Die Forschung von Sigmund Freud und seine Werke wurden von vielen anderen Forschern als Grundlage fur die Weiterentwicklung des Trauma Konzeptes herangezogen und sind auch heute noch bedeutsam. (Fischer und Riedesser 2009, S. 38ff.) Ein weiterer Autor der die Psychoanalyse in ihrer Entwicklung weiter vorantrieb, war John Bowlby. Er gilt als einer der ersten, der die empirische Forschung mit der psychoanalytischen Theorie und Praxis verband und aus dessen Feder ein Werk zum Deprivationstrauma stammt, dass heute noch zu den Standardwerken in der Psychotraumatologie zahlt. (Fischer und Riedesser 2009, S. 43) Eine weitere bedeutende Forschungsrichtung ist die von Selye durchgefuhrte Stressforschung. Als Internist beschaftigte er sich Reaktion des Korpers auf auBere Einflusse die er „Stressoren“ nannte. Er unterteilte die „Stressoren“ in die mit positiver und die mit negativer Bedeutung fur den Organismus und untersuchte die Einflusse. In der folgenden Zeit wurden Selye's Forschungen weitergefuhrt und auch die Abwehr- oder auch Coping Strategien naher betrachtet. (Fischer und Riedesser 2009, S. 44f.)

3.2 Notfallpsychologie in Deutschland

Die psychische Betreuung von Opfern und Angehorigen eines Notfalles hat vermutlich schon immer in irgendeiner Form stattgefunden. So sollen Familienangehorige, Freunde und / oder Geistliche den Betroffenen Unterstutzung gegeben haben. Es gibt vereinzelte Berichte uber die psychische Belastung und ihre Folgen, die vom fruhen 19. Jahrhundert bis zum Mittelalter zuruck reichen. Ab den 1940-er gibt es vermehrt Berichte zu verschiedenen Ereignissen und den daraus resultierenden psychischen Belastungen und Folgen. Ein Beispiel ist ein Brand in Boston, bei dem der Deutsch-Amerikaner Erich Lindemann gezielte psychiatrische Hilfe forderte und diese dann auch organisierte. Seine Publikation zu diesem Ereignis erschien unter den Titel „Symptomatology and Management of Acute Grief ‘ im Jahr 1944 und wird als erste Veroffentlichung uber „Krisenintervention“ bezeichnet. Eine bedeutende Rolle in der Geschichte der psychologischen Betreuung ist der Entwicklung des Telefons zuzuschreiben. So wurde durch den New Yorker Baptistenpfarrer Harry Warren im Jahr 1896 eine Art Telefonseelsorge eingerichtet. Ihm folgte im Jahr 1953 der Baptistenpfarrer West in England, der sich v.a. auf die Suizidpravention konzentrierte. Die Suizidpravention hat in der Geschichte der notfallpsychologischen Betreuung einen besonderen Stellenwert.

So wurden neben den ersten Telefonseelsorgediensten, in Wien, Berlin und anderen Stadten Anlaufstellen fur Lebensmude gegrundet. Erst spater beschaftigte man sich mit der Betreuung von anderen Zielgruppen. Die ersten Erfahrungen mit traumatisierten Menschen wurden mit Fluchtlingen aus Ex- Jugoslawien Anfang der 1970-er gesammelt, in dessen Zusammenhang auch das erste Mai der Begriff „psychological first aid“ fiel. Ebenfalls in den 1970-er wurde der „WeiBe Ring“ gegrundet. Die Mitglieder kummern sich uberwiegend um die Opfer von Kriminalitatsdelikten. Eine weitere Neuerung im Bereich der psychologischen Betreuung war 1997 die Einfuhrung der bundeseinheitlichen Rufnummer fur Telefonseelsorge. (Lasogga und Gasch 2008, S. 3f)

Am Ende des 20. Jahrhunderts anderte sich in Deutschland einiges. In den 1980-er wurde der Begriff „Posttraumatische Belastungsstorung“ herausgestellt und in das DSM III aufgenommen, die Zahl der Publikationen uber Notfalle und ihre psychischen Folgeschaden stieg sprunghaft an und speziell in 1990-er erfolgte ein Umdenken beim psychologischen Umgang mit Notfallopfern. Ein kritischer Blick auf die professionellen Heifer von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten offenbarte, dass der Umgang mit Unfallopfern aus psychologischer Sicht zu wunschen ubrig lieB. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass dieser Bereich in den Ausbildungsunterlagen ganzlich fehlte oder nur sehr oberflachlich behandelt wurde. Im Jahr 1990 gab es dann einen ersten Kongressbeitrag, in dem empirisch fundierte Regeln zum Umgang mit Notfallopfern durch alle Helfergruppen vorgestellt wurden. In den weiteren Jahren wurden auf Grund neuer Erkenntnisse und vereinzelten spektakularen Notfallen sogenannte KIT-Teams gegrundet und es waren auch die ersten Notfallseelsorger aktiv. Beiden ist gemein, dass sie die psychosoziale Akuthilfe anbieten (Kroger 2012, S. 33). Gleichzeitig wurden Verfahren zur Behandlung von psychischen Folgen von Notfallen (Traumatherapie) entwickelt und erforscht. Ein Buch mit dem Titel „Notfallpsychologie“ (Lasogga uund Gasch 2008, S. 5) In Deutschland ist dieses Konzept auch unter der Abkurzung SbE bekannt und besteht aus mehreren Stufen. In der ersten Stufe werden alle betroffenen Einsatzkrafte direkt nach dem Einsatz zusammen gefuhrt. Sie erhalten hier meistens Informationen uber mogliche Belastungsreaktionen, Hinweise fur den Umgang mit den moglichen Reaktionen und weiterfuhrende Hilfsangebote. Beim zweiten Treffen wird die Gruppe kleiner und es besteht die Moglichkeit uber das Erlebte zu berichten und auch hier gibt es weitere Hilfsangebote. Und beim dritten Treffen, dem CISD, werden die Gruppen wieder groBer und hier wird eine strukturierte, nach sieben Phasen ablaufende, Besprechung angeboten, in der neben Gedanken und Reaktionen auch Informationen zu Stress und anderen Themen gegeben werden. Die angebotenen Methoden konnen helfen, gar nichts bewirken oder sogar einen schadlichen Effekt haben und wie bei alien Hilfsangeboten soil eine Teilnahme freiwillig erfolgen. Neuere Forschungsarbeiten zeigen auch, dass bei dem Konzept haufig nicht die gewunschte Wirkung erzielt werden kann. (ebd. S. 178)

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Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668378438
ISBN (Buch)
9783668378445
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351040
Note
1,7
Schlagworte
einsatz medien unterstützung psnv-konzeptes

Autor

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