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Erlebbare Landeskunde im DaF-Unterricht in Indien. Einige Einsatzmöglichkeiten

Essay 2016 12 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Erlebbare Landeskunde im DaF-Unterricht in Indien: einige Einsatzmöglichkeiten Aparna Sahasrabudhe

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Möglichkeiten zum Einsatz der erlebbaren Landeskunde in DaF-Unterricht in Indien. Der Beitrag konzentriert sich auf den Anfängerunterricht.

DaF-Unterricht in Indien:

Deutsch als Fremdsprache kann wie folgt definiert werden:

„Deutsch als Fremdsprache impliziert also die Aneignung und den Gebrauch des Deutschen durch Nichtmuttersprachler fremder kultureller und nationaler Herkunft innerhalb oder außerhalb des deutschen Sprachraums.“1

Unter den in Indien gelernten Fremdsprachen ist Deutsch eine der wichtigsten und populärsten Fremdsprachen. Die Zahl der Lerner, die Deutsch als Fremdsprache in Indien lernen, nimmt ständig zu.

Der DaF-Unterricht in Indien hat eine lange Tradition. Im Jahre 1914 begann der Deutschunterricht gleichzeitig in Pune und in Mumbai.2

Heute kann man in Indien in der Schule von der 8. bis zur 10. Klasse Deustch als Fremdsprache lernen. Es betsteht auch die Möglichkeit Deutsch als Wahlfach in der 11. und in der 12. Klasse d.h. an dem Junior College auszuwählen. Im ersten Jahr von B.A. und B.Com. (d.h. Geisteswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft) kann man auch anfangen, Deutsch als Fremdsprache zu lernen. Bei dem B.A. Kurs an Senior Colleges wird Deutsch als Hauptfach und als Nebenfach angeboten.

An vielen Universitäten werden auch Teilzeitkurse angeboten. Diese Kurse werden in der Regel in drei Jahre geteilt: Certifiacte Course, Diploma Course und Advanced Diploma Course. Jeder Kurs dauert ca. 180 Stunden pro Jahr. Es gab schon 1996 in Indien ca. 36 Universitäten, die Sprachkurse angeboten haben.3

Deutsch kann an einigen technischen Hochschulen und in Managementkursen gelernt werden. Darüberhinaus kann an zahlreichen Privatinstituten, an sechs Max Mueller Bhavans (Goethe Institut in Indien) und fünf Goethe Zentren Deutsch als Fremdsprache gelernt werden.4

Außer Max Mueller Bhavan findet man in den Deutschkursen große Lernergruppen. Die Zahl der Lerner varriert sich zwischen 50 bis 150 Lerner. Man findet oft überfüllten Lehrstoff und rigide Lehrpläne.

Indien ist ein multikulturelles und multilinguales Land. Die Lerner können unterschiedliche Muttersprachen oder Erstsprachen haben und zu unterschiedlichen Teilkulturen gehören. Die Lernergruppen in den Sprachkursen an den Universitäten und am Max Mueller Bhavan sind auch heterogen hinsichtlich des Alters und des sozialen Hintergrunds der Lerner. In einer Gruppe findet man Studierende, Berufstätige, Hausfrauen u.ä.

Da Indien ein asiatisches Land ist, herrscht es eine große Kulturdistanz zwischen Indien und den deutschsprachigen Ländern.

Landeskunde im DaF-Unterricht:

Neben der Grammatik, dem Wortschatz und den Sprachfertigkeiten ist die Landeskunde ein wichtiger und integraler Bestandteil des DaF-Unterrichts.

„Landeskunde im Fremdsprachenunterricht ist die Wissenschaft von der Erforschung und Vermittlung von Verhaltensweisen einer Sprachgemeinschaft und den Bedingungen der Lebensgrundlage dieser Gemeinschaft, die dem Kommunikationsprozeß zugrundeliegen, ihn ermöglichen und fördern.“5

Landeskunde ist ein umfangreicher Begriff, der auf verschiedene Disziplinen angewiesen ist.

In der Fachliteratur findet man mehrere unterschiedliche Ansätze zur Vermittlung der Landeskunde. Im Zeitraum von 1950 bis 1980 waren die Ansätze wie z.B. der kognitive, der kommunikative und der interkulturelle Ansatz dominierend. Bei dem kognitiven Ansatz geht es um die Faktenvermittlung. Bei dem kommunikativen Ansatz liegt der Schwerpunkt auf der Handlungsfähigkeit in der Zielsprache und -kultur. Der interkulturellen Ansatz bietet die Möglichkeit an, das Fremde mit dem eigenen zu vergleichen und führt zum besseren Verständnis der beiden.6

Seit den 90er Jahren findet man noch weitere Ansätze zur Vermittlung der landeskundlichen Inhalte. Zu diesen Ansätzen gehören die integrative Landeskunde, die erlebte und erlebbare Landeskunde und die kulturwissenschaftliche Landeskunde. Bei der integrativen Landeskunde findet man die Integration der Landeskunde in den Sprachunterricht, die Intergration der Informationen unterschiedlicher Bezugswissenschaften in den Landeskundeunterricht wie z.B. Politik, Geschichte, Geographie u.ä.7 und die Integration der eigenkulturellen Erfahrungen und Einstellungen der Lerner.8 Bei diesem Ansatz findet man auch die Integration aller deutschsprachigen Länder. Die kulturwissenschaftliche Landeskunde hängt im Fremdsprachnunterricht mit dem kulturellen Lernen zusammen und schließt die Kultur als ein symbolisches System und auch Wahrnehmungs- und Verhaltenweisen bzw. Mentalitäten ein.9

In diesem Artikel geht es um die erlebbare Landeskunde.

Laut der ABCD-Thesen zur Vermittlung der Landeskunde (1990) ist die Landeskunde im Fremdsprachenunterricht

„... ein Prinzip, das sich durch die Kombination von Sprachvermittlung und kultureller Information konkretisiert und durch besondere Aktivitäten über Deutschunterricht hinaus wirken soll, z.B. durch Austausch und Begegnung.“10

Man spricht von der erlebten Landeskunde, wenn die fremde Sprache und die fremde Kultur unmittelbar Ävor Ort“ d.h. im Zielsprachenland erlernt wird.11

„Die Teilnehmer erkunden in authentischen Situationen Orte, Begriffe und Themen und werten die gewonnenen Erkenntnisse aus. Sie handeln also als Forschende, die in der anderen Kultur eigene Erfahrungen machen, diese zu ihrem jeweiligen Vorwissen und ihrer Vorerfahrung in Beziehung setzen, das selbst erarbeitete neue Wissen reflektieren und davon ausgehend die Konzequenzen für die eigene Unterrichtstätigkeit diskutieren.“12

Erlebte Landeskunde bedeutet die unmittelbare Begegnung mit Land und Leuten. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten: Aufenthalt in den deutschsprachigen Ländern, Schüler- bzw. DaF-Lerneraustausch, Seminare zur Äerlebten Landeskunde“ für Lehrende.13

Wenn die Landeskunde in einem vom Zielsprachenland weit entfernten Land wie z.B. Indien Äerlebt“ wird, wird sie als Äerlebbare Landeskunde“ bezeichnet. Hackl meint,

„Erlebbare Landeskunde nennen wir zur besseren Unterscheidung das Herstellen von Situationen, in denen ähnliche methodische Schritte wie in der Erlebten Landeskunde möglich sein sollen - jedoch außerhalb des Zielsprachenlandes / Hierher gehören verschiedene Formen von Simulationen, Inszenierungen, Planspielen, Literaturrecherchen u.a.“14

Ganzheitliches Lernen, ‚Learning by doing‘ Verfahren, die aktive Teilnahme der Lerner, Eigentätigkeit, Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, handlungsorientiertes Lernen, Lernerautonomie und Projektunterricht sind die Merkmale der erlebten Landeskunde.15 Diese Merkmale kommen auch bei der erlebbaren Landeskunde vor. Der Lerner steht bei diesem Ansatz im Zentrum. Es handelt sich die Motivation der Lernenden, selbständig weiter zu lernen. Die Fähigkeit zur Selbsterkundung, -erschließung und -analyse wird hier gefordert.16

Der Lehrperson wird bei der erlebbaren Landeskunde die Rolle eines Moderators zugewiesen. Die Lehrperson sollte die notwendigen Strategien und Techniken zum Wissenserwerb vermitteln.

„Landeskunde wird als erkenntnisorientierte Begegnung mit Phänomenen der deutschsprachigen Kultur als Handeln und als Lernprozess verstanden.“17

Indien und die deutschsprachige Länder sind kulturell sehr unterschiedlich. Wegen der Globalisierung und Massenmedien gibt es bestimmt kulturübergreifende Aspekte.

Trotzdem kommen einige kulturspezifische Elemente im deutschsprachigen Raum vor, die beim DaF-Unterricht Probleme und Schwierigkeiten bereiten können wie z.B. die Essgewohnheiten, Feste, Familiensystem u.ä. Die Mehrheit der DaF-Lerner in Indien bekommen kaum eine Chance, die Landeskunde in den deutschsprachigen Ländern zu erleben. Die erlebbare Landeskunde weckt das Interesse der Lerner an der Landeskunde und macht den Sprachunterricht interessant und abwechselungsreich. Beim Einsatz dieser Möglichkeiten kommen die Faktoren wie z.B. Lernspaß, lernpositive Atmosphäre ins Spiel. Mit positiven Ergebnissen verknüpften Informationen werden gut verarbeitet, verstanden und vielseitig im Gedächtnis verankert.18 Aus diesen Gründen soll die erlebbare Landeskunde im DaF-Unterricht in Indien gefördert werden.

[...]


1 Baumgratz, Gisela S. 1296

2 Kulkarni B.B S. 1-4

3 Kamath-Rajan, Rekha: S. 1570

4 http://www.india.diplo.de-Vertretung-indien-en_13culture-German_Language-Learn_German_at_MMB.html

5 Erdmenger S. 32

6 Vgl. Veek, Reiner / Linsmayer, Ludwig S. 1161, Yuan, Li S. 31

7 Vgl. Biechele / Padros S. 101

8 Vgl. Yuan, Li S. 108

9 Vgl. Lüsebrink, Hans-Jürgen S. 488

10 Zit.n. ABCD-Thesen S. 60

11 Vgl. Yuan, Li: Integrative Landeskunde S. 61 Das Konzept wurde vom Goethe-Institut in den 80er Jahren bei einer Lehrerfortbildung eingeführt

12 Ebd.

13 Vgl. Simon- Pelanda S. 49

14 Biechele / Padros S. 110

15 Yuan, Li S. 61

16 Biechele / Padros S. 110

17 Yuan Li S. 62-63.

18 vgl. Vester S. 142

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668375109
ISBN (Buch)
9783668375116
Dateigröße
890 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350916
Institution / Hochschule
Savitribai Phule Pune University, formerly University of Pune
Note
Schlagworte
erlebbare Landeskunde DaF-Unterricht in Indien Theorie der Landeskunde

Autor

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