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Jan Hus. Initiator der Hussitischen Revolution?

von John Krohn (Autor)

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Böhmen im 14.Jahrhundert

3 Jan Hus: Eine kurze Biographie

4 Hussens Theologie
4.1 Die Schriften Wyclifs in Böhmen
4.2 Hussens theologische Standpunkte
4.3 Hus gegen die Kurie

5 Hus in Konstanz

6 Die hussitische Revolution (Hussitismus)

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Für die Entwicklung des tschechischen Nationalbewusstseins war Jan Hus, ein Prager Prediger am Ende des 14.Jahrhunderts und Beginn des 15.Jahrhunderts, von immenser Bedeutung. Nach seinem Tod auf dem Konstanzer Konzil 1415 wurde sein Name immer wieder mit einer in Böhmen entstandenen Bewegung in Verbindung gebracht, dem Hussitismus, einer Bewegung, die aufgrund seiner revolutionären Standpunkte auch oft als hussitische Revolution bezeichnet wird. Diese Revolution ist ebenfalls essenziell für Tschechien und damit einhergehend das Nationalbewusstsein der Tschechen. Da die Revolution erst Jahre nach der Verbrennung Hussens ihren Anfang findet, ist ihre Bezeichnung als “hussitisch” interessant und es kann gefragt werden, inwieweit dem böhmischen Prediger tatsächlich eine Initatorrolle zugeschrieben werden kann.

Im Versuch, die Frage zu bearbeiten, ist diese Arbeit entstanden. Zunächst einmal wird auf die Situation im Böhmen des 14.Jahrhunderts eingegangen, sowohl in gesellschaftlicher als auch in theologischer Sicht. Danach wird eine kurze Biographie des Jan Hus beschrieben. Den größten Teil nimmt schließlich die Theologie Hussens und in diesem Zusammenhang auch der Konflikt mit der Kurie ein, da diese für seine Verurteilung und seine Verbrennung verantwortlich waren, welche später zu seinem Märtyrerstatus geführt haben. Dieser Märtyrerstatus spielte für die spätere Revolution eine große Rolle. Im Anschluss wird kurz der Aufenthalt Hussens in Konstanz dargestellt, bevor zum Ende eine kurze Beschreibung der hussitischen Revolution folgt.

Die Revolution wird in der Wissenschaft oft in drei Strömungen unterteilt, eine religiöse eine nationale und eine soziale.[1] Um die Initatorrolle Hussens zu untersuchen, müssen auch seine Standpunkte und sein Einfluss in diesen drei Bereichen betrachtet werden, was in der folgenden Arbeit versucht wird.

In der Forschung begann die Beschäftigung mit Jan Hus und dem Hussitismus im 19.Jahrhundert und wurde zunächst hauptsächlich von tschechischen Historikern betrieben. Erst später schalteten sich auch ausländische Historiker ein und untersuchten die Revolution auch hinsichtlich ihrer Bedeutung in Europa.

2 Böhmen im 14.Jahrhundert

Um Hus Wirken zu verstehen, ist es wichtig, zunächst einmal auf die Zeit und die Umstände einzugehen, in der Jan Hus lebte. Mit der Absicht dies zu gewährleisten, soll nun ein kurzer Abriss von Böhmen zur Zeit Hussens gegeben werden.

Besonders in Böhmen wurde die Zeit, in der Jan Hus aufwuchs oft als “Goldenes Zeitalter” bezeichnet. Dies ist auf die Regierungszeit des böhmischen und römisch-deutschen Königs und Kaisers Karl IV (1346-1378) zurückzuführen[2]. In der ansonsten eher als krisenhaft charakterisierten Zeit des Spätmittelalters ist dies besonders bemerkenswert. Die Krise signalisierte sich durch klimabedingt hervorgerufene Schwierigkeiten im landwirtschaftlichen Bereich und daraus resultierenden Hungersnöten, sowie Einfüssen der in Europa wütenden Pest. Eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber diesen Entwicklungen, zudem sozialen und wirtschafltichen Veränderungen prägte die Bevölkerung Böhmens im Spätmittelalter. Es fanden jedoch keine Klassenkämpfe gegen den Adel statt und die meisten Revolten zu dieser Zeit sind in der Regel nicht als Elendsrevolten zu kennzeichnen.[3]

Eine deutlich als krisenhaft zu kennzeichnende Institution dieser Zeit stellt die Kirche dar. Der übermäßige Reichtum und weltliche Besitz der Kleriker, sowie auch der starke Einfluss auf Staat und Gesellschaft führte zu Unruhen seitens der Bevölkerung. Diese Unruhen wurden durch den oftmals als unmoralisch geltenden Lebensstil der Priester, den diese trotz ihrem Amt pflegten, noch weiter verstärkt. Eine auf diesen Lebensstil und den moralischen Verfall des Klerus ausgerichtete Kirchenkritik blieb allerdings in den gebildeten Kreisen, da sie von den Autoren meist in Lateinisch verfasst wurde. Als größere Bedrohung wurden seitens der Kirche viel mehr die Ketzerbewegungen, als erste große Bewegungen die Katharer und die Waldenser, angesehen, gegen die auch, z.B. mithilfe der Inquisition, vorgegangen wurde.[4]

Eine auch besonders für die hussitische Revolution wichtige Entwicklung im zweisprachigen Böhmen war die Entstehung einer Bewusstheit der sprachlichen Unterschiede zwischen dem Tschechischen und dem Deutschen, die durch soziale Unterschiede nur noch verstärkt wurden. In diesem Zusammenhang entstand auch eine Art Fremdenhass gegenüber den Deutschen, die einen immer stärkeren politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Prag, aber auch am Königshof innehatten. Zu beobachten ist dieser Hass auch in der tschechischsprachigen Reimchronik von Dalimil, die vermutlich von einem Kleriker geschrieben wurde, der sie im Interesse des tschechischsprachigen Adels verfasste.[5]

Es traten in Böhmen schon vor Jan Hus, und auch bevor die Schriften John Wyclifs in Böhmen Verbreitung fanden, Personen hervor, die die Missstände in der Kirche ansprachen und offen gegen sie vorzugehen versuchten. Konrad Waldhauser, der eine Sittenreform durchsetzen wollte, ist hier ebenso zu nennen wie Milic von Kremsier, der auf seine Kanonikatspfründe verzichtete und in freiwilliger Armut lebte, sowie sein Schüler Matthias von Janov, der den Nutzen einer armen Kirche sah und predigte.[6]

3 Jan Hus: Eine kurze Biographie

Über die Herkunft Hussens lässt sich nur wenig mit Bestimmtheit sagen. Man geht davon aus, dass er in ärmliche Verhältnisse um 1370 in Husinec in Tschechien geboren wurde[7]. Sein Name leitet sich auch von diesem Wohnort ab, der sich wohl als “Gänsedorf” übersetzen lässt. Noch später wurde Hus von seinen Gegnern als Gans dargestellt, die auch zu dieser Zeit als dummes Tier galt. Der Beruf seines Vaters kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, es wird aber von manchen Historikern spekuliert, er könnte Fuhrmann gewesen sein[8].

Seiner Mutter wird eine besondere Rolle zugeschrieben, sie soll für die Priesterlaufbahn ihres Sohnes verantwortlich sein. In dieser sah sie wohl eine Möglichkeit, wirtschaftlich und sozial aufzusteigen, war es doch vor allem für aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Personen eine Chance[9]. Hus soll in diesem Zusammengang folgendes gesagt haben: “Als Schüler hatte ich vor, bald Priester zu werden, um eine gute Wohnung und Kleidung zu haben und von den Menschen geschätzt zu werden [...], aber dieses böse Begehren erkannte ich, sobald ich die Schrift verstanden hatte.”[10] Hier zeigt sich bereits eine gewisse kirchenkritische Haltung Hussens, die seine Theologie ausmachen sollte.

Seine Mutter war es wohl auch, die Hus auf die Schule nach Prachatice schickte[11]. Dort lernte er Schreiben, Lesen und Latein, essenzielle Grundlagen für das spätere Studium und die angedachte Priesterlaufbahn. Nach Prag an die Universität kam Hus schließlich um das Jahr 1390[12], wo er, wie üblich, die artes liberales an der Artistenfakultät studierte und damit den Magister Artium anstrebte, den er schließlich 1396 verliehen bekam[13]. Nachdem er zunächst als Hochschullehrer arbeitete, wozu die Studenten nach ihrem Abschluss verpflichtet waren, begann Hus 1400 auch an der theologischen Fakultät zu studieren[14]. Den Höhepunkt seiner akademischen Laufbahn erreichte Hus 1409 mit der Wahl zum Rektor der Universität in Prag.[15]

Ebenfalls im Jahr 1400 wurde Hus zum Priester geweiht und begann zu predigen, ein enorm wichtiger Schritt für seinen weiteren Werdegang. Das wohl wichtigste Kapitel in seinem Predigeramt begann 1402, als Hus die Bethlehemkapelle als Rektor und Prediger übernahm, eine Stellung, die er zwölf Jahre innehaben sollte.[16] In dieser Zeit, so wird geschätzt, hielt Hus ca. 3000 Predigten, zweimal jeden Sonn- und Feiertag. Seine Predigten waren stets gut besucht, unter den Besuchern wohl gelegentlich auch die Frau des Königs, Königin Sophie.[17]

In der Zeit, in der sie von Hus geleitet wurde, wurde die Bethlehemskapelle zu einem zentralen Ausgangspunkt für die tschechische Volksbewegung.[18] Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass die von Hus geleiteten Gottesdienste in tschechischer Sprache veranstaltet wurden und er somit zur Entwicklung des Nationalbewusstseins beitrug. Seiner Meinung nach müssten die führenden Ämter in Böhmen ebenso von Einheimischen, also Tschechen, bekleidet werden, wie es in anderen Ländern, z.B. Frankreich und den deutschen Ländern, auch der Fall war.[19]

Wichtig auch im Zusammenhang mit dem sich bildenden nationalen Bewusstsein der Böhmen ist das Kuttenberger Dekret von 1409. An der Universität hatte jede der vier nationes eine Stimme in universitären Entscheidungsfragen. Die böhmische natio erreichte dann allerdings eine Entscheidung König Wenzels, der den Böhmen, durch das Kuttenberger Dekret, als einheimische Volksgruppe drei Stimmen zusprach.[20]

Seine Predigertätigkeit und daraus folgend die Rolle, die Hus in der Reformbewegung spielte, aber vor allem seine theologischen und reformatorischen Standpunkte, führten zu logischen Konflikten mit der Kurie, die schließlich mit der Verbrennung Hussens auf dem Konstanzer Konzil endete. Diese Standpunkte gehen teilweise auf den englischen Reformator John Wyclif zurück, dessen Schriften Hus zu seiner Studienzeit kennenlernte und die ihn prägten.

Als nächstes soll nun ein Einblick in die Theologie Hussens gegeben werden, die zu diesem Konflikt mit der Kurie, seinem späteren Tod und dem daraus resultierenden Märtyrertum für die hussitische Revolution führte.

[...]


[1] Seibt, Ferdinand: Hussitica. Zur Struktur einer Revolution, Köln 1965, S.5.

[2] Hilsch, Peter: Johannes Hus. Regensburg 1999, S.9

[3] Ebd., S.13-14

[4] Ebd., S.17

[5] Ebd., S.11

[6] Werner, Ernst: Jan Hus. Welt und Umwelt eines Prager Frühreformators (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte Bd. 34), Weimar 1991, S.31-41.

[7] Vgl. Seibt, Ferdinand: Hussitenstudien. Personen, Ereignisse, Ideen einer frühen Revolution (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum Bd.60), 2.Aufl., München 1991, S.167

[8] Ebd., S.167

[9] Hilsch, 1999, S.28

[10] In Ermangelung der Originalquellen verweise ich auf die Angaben bei Hilsch,1999, S.28

[11] Hilsch, 1999, S.28

[12] Ebd., S.29

[13] Ebd., S39

[14] Hilsch, Peter: Die Theologie des Jan Hus. In: Braun, Karl-Heinz (Hrsg.): Das Konstanzer Konzil: 1414-1418, Weltereignis des Mittelalters, Darmstadt 2013, S.87.

[15] Lambert, Malcolm: Häresie im Mittelalter, Darmstadt 2001, S.315.

[16] Hilsch 2013, S.89

[17] Hilsch 1999, S.69.

[18] Lambert 2001, S. 308.

[19] Ebd.

[20] Lambert 2001, S.312-315.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668372498
ISBN (Buch)
9783668372504
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350581
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
Jan Hus Böhmen Reformation Revolution Hussitische Revolution

Autor

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    John Krohn (Autor)

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