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Bedürfnistheorie. Anwendung auf die Pränataldiagnostik

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.) Entwicklung und formuliertes Ziel der Pränataldiagnostik

2.) Bedeutung der Pränataldiagnostik
2.1) Die Sichtweise von werdenden Eltern und Medizinern
2.2) Differenzierte Perspektiven auf die Pränataldiagnostik
2.3). Streben nach Perfektion?

3.) Was ist ein Bedürfnis?
3.1) Bedürfnishierarchie nach Maslow
3.2 Bedürfnisse bei Marianne Gronemeyer

4.Transfer auf der Pränataldiagnostik

Conclusio

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Das Bedürfnis gilt als die Ursache der Entstehung: in Wahrheit ist es oft nur eine Wirkung des Entstandenen.“ (Friedrich Nietzsche)

Dieses Zitat Nietzsches spiegelt die Fragestellung wieder, der diese Arbeit gewidmet ist. Was ist ein Bedürfnis? Welche verschiedenen Formen gibt es? Wie kommen sie zustande? und sind Bedürfnisse die Motivatoren die Entwicklungen vorantreiben oder passen sich Bedürfnisse den Neuerungen und deren Gegebenheiten an? Im Fokus soll hierbei die Entwicklung der schnelle Fortschritt der Pränataldiagnostik stehen. Die Klärung der Fragestellung wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht. So soll sowohl der Fortschritt der Pränataldiagnostik dargelegt werden um die eventuelle Anpassung der Bedürfnisse ersichtlich zu machen, als auch die Auffassung von Eltern, Ärzten Historikern, Philosophen und Vertretern aus Kirche und dem Bereich der Ethik vorgestellt werden um die Haltung und die Motivation die mit dem Bedürfnis nach Klärung oder dem Sicherheitsverständnis einhergeht zu verdeutlichen. Der Gesellschaftliche Aspekt der Verantwortung gegenüber selbiger, die Rolle der Eltern und ihre Autonomie der Entscheidungsfindung sowie ein steigendes Verlangen nach Perfektion spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Der Frage nach der Bedeutung und dem Einfluss von Bedürfnissen, sowie nach der Rolle der Macht deren Ausübung, soll aus einer psychologischen und auch sozialwissenschaftlichen Sichtweise versucht werden nachzugehen. Was zuerst da war, das Huhn oder das Ei lässt sich bekanntermaßen nie eindeutig und zu Aller Zufriedenheit klären!

1.) Entwicklung und formuliertes Ziel der Pränataldiagnostik

Die Pränatale Diagnostik wird als vorgeburtliche Untersuchung nach genetischen Erkrankungen definiert. Sie enthält alle diagnostischen Maßnahmen durch die morphologische, strukturelle, funktionelle, chromosomale und molekulare Störungen vor der Geburt erkannt bzw. ausgeschlossen werden können.[1] Die Pränataldiagnostik (im Weiteren mit PND abgekürzt) hat ihre Anfänge Ende der1960er Jahren mit der Möglichkeit fetale Zellen durch Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) zu gewinnen[2]. Zuvor war man auf tasten und horchen angewiesen. Diese traditionellen Untersuchungsmethoden sind nach und nach immer mehr in den Hintergrund getreten. Geht man weit auf die ersten Vorreiter zurück kommt man auf die Geschichte des Physikerehepaares Curie die mit der technischen Grundlage zum Ultraschall den Betrag zu den nachfolgenden Untersuchungsmethoden geleistet hat[3].1958 legte Ian Donald den Grundstein für den Ultraschall in der Geburtshilfe.10 Jahre später wurde diese Technik auch zum Nachweis der kindlichen Herztöne genutzt[4]. War zunächst der Ultraschall als bildgebendes -nicht invasives Verfahren befriedigend zur Diagnostik des ungeborenen Kindes, so wurden im Verlauf der Jahre mehr und mehr invasive Verfahren entwickelt. Dazu gehören biochemischen Screeningverfahren wie auch die der Molekular bzw.- Zytogenetik.1976 wurde die PND in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen[5] und die Gesundheit der Einheit Mutter und Kind wurde verstärkt in den Blick genommen.1978 folgte die Altersindikation und sorgte für einen rasanten Anstieg der Inanspruchnahme von PND. Waren es 1978 noch 3925 Eingriffe pro Jahr so waren es im Vergleich dazu 1987 bereits 33.535 Eingriffe pro Jahr.[6] Historische Ereignisse wie der Reaktorunfall in Tschernobyl 1986, lösten ein erheblich höheres Verlangen nach PND aus und eine allgemeine Debatte nach einheitlich einzuführenden Screenings.[7] Grundsätzlich blieb aber mehr als 20 Jahre ein erhöhtes Alter der Schwangeren die Hauptindikation für die PND. 1998 jedoch wurde die Altersindikation gelockert. >>Die strenge Einhaltung einer unteren Altersgrenze der Schwangeren als definierte medizinische Indikation zur invasiven pränatalen Diagnostik, die auf das altersabhängig erhöhte Risiko der Mutterschaftsrichtlinien für Chromosomenanomalien des Kindes abhob, wurde inzwischen verlassen<< (Bundesärztekammer 1998: 2)[8] Heute wird die PND auch von vielen Schwangeren genutzt deren Alter keinerlei Risiko für die Schwangerschaft darstellt. Stand 2005 kamen 95 % der Neugeborenen ohne Behinderung auf die Welt. 3% kamen mit einer pränatalen Behinderung bzw. wurden mit Erkrankung geboren und 2% mit einer unter der Geburt entstandenen Behinderung[9]. Mittlerweile ist es möglich bereits in der zehnten Schwangerschaftswoche Chromosomenanomalien des Kindes und auch dessen Geschlecht aus dem Blut der Mutter zu bestimmen (PraeTest). Die Grenze zur PND wird streng genommen schon mit dem ersten Ultraschall zur Bestätigung der SS überschritten und ist mittlerweile Normalität in der Schwangerschaftsvorsorge wo sie auch regelmäßig angewandt wird. Die Richtlinien der PND geben als Ziel die Entdeckung von Fehlbildungen und die Objektivierung der Ängste der schwangeren Frauen an.

2.) Bedeutung der Pränataldiagnostik

Mit der Notwendigkeit, oder dem Nutzen der PND wurde sich mittlerweile schon in diversen Bereichen auseinandergesetzt. Es ist und bleibt ein Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, dessen Beurteilung im späteren Verlauf dieser Arbeit noch nähergehend betrachtet werden soll. Ethikkommissionen, Ärzteverbände Gesellschaftsforscher⃰ /innen Historiker⃰ /innen die Kirche, Feministinnen*, Philosophen⃰/ innen etc. diskutieren dahingehend kontrovers. Die Auffassungen welche Bedeutung die PND hat kommt auf die Betrachtungsweise an, für Wen und mit welchem Nutzen sie für die entsprechende Gruppierung ist. Teilweise wird sie als Emporkommnis einer utilitaristischen Gesellschaft gesehen, als ein Nachfolger der Eugenik[10],als Methode zur Erschaffung von Designerkindern ohne Makel, andererseits als Wohltat und Sicherheit. Auch besteht zwischen der Auffassung der Ärzte⃰ /innen und werdenden Eltern eine unterschiedliche Auffassung im Ziel der PND. Die Ansichten zum Nutzen und den resultierenden Folgen variieren. Wessen Bedürfnisse werden mit der PND befriedigt?

2.1) Die Sichtweise von werdenden Eltern und Medizinern

Aus Sicht der werdenden Eltern kann die PND sowohl eine beruhigende Wirkung haben, als auch Ängste auslösen oder fördern. Häufig wird ein Unterschied zwischen nicht invasiven und invasiven Eingriffen gemacht. Nicht invasive Eingriffe werden vorrangig in Anspruch genommen[11] Die wenigsten Eltern haben sich im Vorfeld Gedanken über die Auswirkungen der PND gemacht und wie mit dem Ergebnis umzugehen ist. PND wird häufig als Vermeidbarkeit von Behinderung verstanden. “Hauptsache gesund “ein Ausspruch in dessen Kürze jedoch ein großer Wunsch oder auch eine große Furcht mitschwingt. Die Befürchtungen, der nach einer Diagnose folgenden Entscheidungspflicht gerecht werden zu müssen, wiegt schwer. Die BZgA. hat 2006 in einer Studie 380 Frauen ab der 20.SSW sowie Frauen deren Schwangerschaft ab der 13 SSW endete befragt aus welchen Gründen Inanspruchnahme der PND erfolgte. 60% gaben dabei die “ Sicherstellung der Gesundheit“ ihres Ungeborenen an,25 % nahmen sie auf Anraten des Arztes an und mehr als ein Drittel glaubten die PND gehöre zur umfassenden Vorsorge dazu. Das zeigt die PND eine sehr hohe Akzeptanz hat[12] und auch welche Normalität Sie mittlerweile aufweist. Aus Sicht der Mediziner hat die PND dazu beigetragen die Mütter und Säuglingssterblichkeit deutlich zu senken. PND macht die Schwangerschaft planbarer und “durchsichtiger”. So lässt sich für die Mediziner z.B. eine vorzeitige Indikation zur Bestimmung des Geburtsmodus ableiten[13]. Janusköpfig ist für die Mediziner hierbei jedoch die Beratung. Gleichsam soll diese umfassend sein, dabei jedoch nicht richtungsweisend häufig führt die Erwähnung durch die Mediziner erst zu der Überlegung der Eltern. Ein Krefelder Kinderarzt drückt das Problem aus indem er sagt: „ Pränataldiagnostik bedeutet eine “Schwangerschaft auf Probe“. Sie bedeutet erst wirklich Ja zu dem Kind zu sagen, wenn der Befund der Chromosomenanalyse unauffällig ist. Das heißt, dass die Frau sich während den ersten 18 Wochen nicht traut, einen Kontakt mit ihrem Kind aufzubauen aus Angst, diesen wieder abbrechen zu müssen, wenn ihr Kind nicht den von ihr (und der Gesellschaft) gesetzten Normen entspricht. Wer etwas von pränataler Psychologie versteht, kann ahnen, was eine solche distanzierte Probephase für Auswirkungen hat “[14] Nicht, oder nur wenig beleuchtet werden die Bedürfnisse der Ungeborenen. Teilweise wird angenommen, dass die Gesundheit und Lebensqualität des Kindes bei Behinderung so schlecht ist, dass es besser nach Diagnosestellung den Verzicht des Kindes zur Folge hat. Diese Annahme findet Anklang in der Aussage des Biologen Richard Dawkins :͈ Abort it and try again, it would be immortel to bring it to the world if you have the choice“[15] Diese Aussage darf natürlich nicht pauschalisiert werden. Allerdings wird das Kind erst nach „ diagnostischem Freispruch[16] frei von den Ansprüchen der Eltern sein und mindert die Gefahr für deren Lebenskonzept.

[...]


[1] Vgl. Detto/Krzmarik (2005); S4.

[2] Vgl. Rath et al. (2010); S.37.

[3] Vgl. Steinmeyer (2015); S.10.

[4] Vgl. Steinmeyer (2015); S.10.

[5] Vgl. Steinmeyer (2015); S.10.

[6] Vgl. Achtelik (2015); S.49.

[7] Vgl. Tolmein1990.:33ff. (in Achtelik 2015; S.50)

[8] Vgl. Feldhaus-Plumin (2005); S.26.

[9] Vgl. Feldhaus-Plumin (2005): S.17.

[10] Vgl. Steinmeyer (2015); S.23.

[11] Vgl. Feldhaus-Plumin (2005); S.126.

[12] Vgl. Steinmeyer(2015) S.44.

[13] Vgl. Rath et al (2010); S.32.

[14] Marius, S.3(in Weber ,2004; S.10).

[15] Vgl. Achtelik (2015); S.46.

[16] Vgl. Maio (2013); S.11.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668381766
ISBN (Buch)
9783668381773
Dateigröße
946 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350560
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1.0
Schlagworte
Pränataldiagnostik Bedürfnisse Maslow Marianne Gronemeyer

Autor

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Titel: Bedürfnistheorie. Anwendung auf die Pränataldiagnostik