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Grundrechte im kolonialen Nordamerika

Die Bedeutung der Grundrechte als machtpolitische Instrumente der kolonialen Eliten Nordamerikas von 1620 bis 1776

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Jura - Öffentliches Recht / Staatsrecht / Grundrechte

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die koloniale Ausnahmesituation in Nordamerika
1.1 Die koloniale Selbstverwaltung
1.2 Die direkte Demokratie
1.3 Die Notwendigkeit der Kooperation

2. Die Provinzialregierungen und die koloniale Elite
2.1 Die Gesetzgebungskompetenz der Provinzialregierungen
2.2 Die kolonialen Eliten

3. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Nordamerikas
3.1 Grundbesitz als Voraussetzung kolonialen Wohlstandes
3.2 Arbeit als knapper Produktionsfaktor der Kolonialwirtschaft
3.3 Die wirtschaftlichen Interessen als bestimmender Faktor

4. Die Entwicklung der Staaten Virginia und Pennsylvania
4.1 Die Entwicklung Pennsylvanias
4.2 Die Entwicklung Virginias
4.3 Die Grundrechtskataloge Virginias und Pennsylvanias
4.3.1 Unterschiedliche Ausgestaltung gemeinsamer Grundrechte
4.3.2 Ausschließliche Grundrechte der Staaten

Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

Die herausragende Bedeutung der Entwicklung der britischen Kolonien in Nordamerika während von 1620 bis 1776 für das heutige Verständnis der Grundrechte in der westlichen Welt ist unbestritten. So repräsentierten die einzelstaatlichen Verfassungen der nordamerikanischen Kolonien nicht nur die ersten niedergeschriebenen Verfassungen überhaupt, sondern werden in diesen vielmehr erstmalig in der Menschheitsgeschichte individuelle Grundrechte kodifiziert.[1]

So erkannte Donald S. Lutz vollkommen zutreffend, dass „in an age sensitive to the ratio of imports and exports, the idea of human rights, the nature and basis of those rights, and the practice of placing rights in an constitution (…) are worth noting as among the most important and successful of American exports.“[2]

Diese Arbeit behandelt jedoch nicht die Proklamation der Grundrechte selbst oder dessen Auswirkung auf die westliche Demokratiebewegung der Folgezeit, sondern analysiert die Grundrechtsentwicklung innerhalb der nordamerikanischen Kolonien von deren Anfängen bis zu der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776.

Schwerpunkt dieser Analyse ist die Fragestellung, ob die Grundrechte in den britischen Kolonien Nordamerikas ein machtpolitisches Instrument der kolonialen Eliten waren, welche deren Entwicklung primär nach ihren individuellen wirtschaftlichen Interessen gestalteten.

Die Bearbeitung der Fragestellung erfolgt in drei Schritten. In einem ersten Schritt werden die einzigartigen Voraussetzungen des kolonialen Nordamerikas herausgearbeitet, welche eine spätere Grundrechtsentwicklung überhaupt erst ermöglichten. Darauf aufbauend werden in einem zweiten Schritt die Bedeutung der kolonialen Eliten für die Kodifizierung der Grundrechte und das Gewicht ihrer wirtschaftlichen Interessen für die einzelstaatliche Ausgestaltung der Grundrechte herausgearbeitet. Abschließend wird in einem dritten Schritt die der Arbeit zugrundeliegende These anhand eines Praxisbeispiels geprüft. In diesem Zusammenhang wird ein direkter Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonialstaaten Virginia und Pennsylvania sowie deren individuelle Ausgestaltung der Grundrechte in den jeweiligen einzelstaatlichen Grundrechtskatalogen (Bill of Rights) von 1776 gezogen.

1. Die koloniale Ausnahmesituation in Nordamerika

Die Entwicklung der Grundrechte in den britischen Kolonien Nordamerikas ist das Ergebnis einer Konstellation besonderer Faktoren, welche in der Geschichte einzigartig ist. So spricht Gerhard Ritter in diesem Zusammenhang überaus treffend von einer „kolonialen Ausnahmesituation“[3], welche bis 1776 in Nordamerika vorherrschte. In diesem Kapitel werden die drei zentralen Faktoren dieser Ausnahmesituation, namentlich die koloniale Selbstverwaltung, die direkte Demokratie und die Notwendigkeit der Kooperation in den Kolonien, näher beleuchtet. Ohne das Vorhandensein dieser realen kolonialen Voraussetzungen wäre eine vergleichbare Grundrechtsentwicklung in den nordamerikanischen Kolonien nicht denkbar gewesen.

1.1 Die koloniale Selbstverwaltung

Die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung der Grundrechte in den nordamerikanischen Kolonien war der hohe Grad an kolonialer Selbstverwaltung. Um diese nachvollziehen zu können, muss zunächst ein Blick auf das britische Kolonialsystem selbst geworfen werden. Das britische Kolonialsystem basierte, ganz im Sinne des damaligen vorherrschenden Merkantilismus, auf einer Kontrolle der Kolonien primär durch Handel und nicht durch eine direkte Gewaltausübung.[4] Ferner war die Besiedlung Nordamerikas, im Gegensatz zu dem spanischen und portugiesischen Kolonialstreben, ein Anliegen britischer Kaufleute und nicht der britischen Krone.[5] Zwar fand die Intention der Kaufmannsklasse durchaus die Unterstützung der britischen Krone, jedoch trugen die Kaufleute maßgeblich das Finanzierungsrisiko des nordamerikanischen Kolonieprojektes. So war auch die erste permanente Siedlung Nordamerikas, welche 1607 unter dem Namen Jamestown durch die London Company (später umbenannt in Virginia Company) gegründet wurde, ein Projekt der britischen Kaufmannsklasse.[6] So beschreibt Perry Miller die Besiedlung Nordamerikas als primär angetrieben durch „the common and acceptable human emotions of greed and the search for greater wealth“[7].

Die kommerzielle Ausrichtung der Kolonialisierung Nordamerikas führte zu zwei entscheidenden Weichenstellungen für die koloniale Selbstverwaltung. Erstens war die Kolonialmacht hierbei auf die freiwillige Teilnahme der Kaufleute wie auch Siedler angewiesen. Diese mussten die Kolonialisierung als potentiell vorteilhaft wahrnehmen, damit sie diese durch Investitionen oder ihre Arbeitskraft ermöglichen. Diese Vorteilhaftigkeit wurde maßgeblich durch eine erweiterte Handlungs- und Verwaltungsfreiheit der Siedler und Kaufleute in Nordamerika repräsentiert. Folgerichtig legte die britische Kolonialmacht einen der Grundsteine, aus dem später nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die konstitutionelle Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien erwuchs, selbst.[8]

Zweitens bewertete die englische Krone, aufgrund ihrer handelspolitischen Ausrichtung, die Qualität der nordamerikanischen Kolonien primär anhand ihrer Handelsgewinne.[9] Die Möglichkeiten der Generierung von Handelsgewinnen waren zu Beginn der Kolonialisierung Nordamerikas, aufgrund harter klimatischer Bedingungen und dem Nichtvorhandensein potentieller Arbeitskräfte, überaus gering.[10] Dementsprechend war das handelskapitalistische Interesse der englischen Krone in Nordamerika im Vergleich zu den pazifischen Kolonien, wo ohne großen Mehraufwand und schnell verschiedene Rohstoffe sowie lokale Kulturen ausgebeutet werden konnten, überaus gering.[11] Dieses handelskapitalistische Desinteresse führte zu einer geringen Implementierung britischer Kontrollinstitutionen in den nordamerikanischen Kolonien und zwangsläufig der Herausbildung einer eigenständigen kolonialen Selbstverwaltung.

1.2 Die direkte Demokratie

Eine weitere zentrale Voraussetzung für die Grundrechtsentwicklung Nordamerikas war die Direktheit der Demokratie und Gesellschaftsbeteiligung, welche in den britischen Kolonien zeitnah entstand. Diese Direktheit ist hierbei zu weiten Teilen auf den hohen Grad kolonialer Selbstverwaltung zurückzuführen. Aber auch die gesellschaftlichen Besonderheiten zu Beginn der Kolonialzeit förderten die Demokratieentwicklung der nordamerikanischen Kolonien nachhaltig. So wurde das Klassensystem, welches die britische Gesellschaft beherrschende, aufgrund des handelspolitischen Schwerpunktes und der zunächst geringen Zahl der Siedler nicht in den Kolonien etabliert. Die koloniale Gesellschaft selbst wurde als Resultat auf dem Fundament kleiner und oftmals verstreuter Gemeinden stufenweise aufgebaut.[12]

Die Ausgestaltung der politischen Institutionen in dieser Form war jedoch nicht das Ergebnis eines ideellen Strebens, sondern eine verwaltungstechnische Notwendigkeit, welche auf das nur rudimentäre Vorhandensein eines britischen Verwaltungsapparates zurückzuführen ist. Zwangsläufig organisierten sich die Siedler eigenständig in repräsentativen Provinzialregierungen, welche auf lokaler Ebene die Belange der kolonialen Gesellschaft effizient zu lösen vermochten.[13] Georg Jellinek sieht in dieser Entwicklung die Quelle der nordamerikanischen „Vorstellung von der Volkssouveränität als Basis der Gesetzgebung und Regierung“[14], welche für die spätere Grundrechtsentwicklung essentiell war.

1.3 Die Notwendigkeit der Kooperation

Die letzte zentrale Voraussetzung für die nordamerikanische Grundrechtsentwicklung repräsentierte die überlebensnotwendige Kooperation zwischen den verschiedenen Siedlern. Das Leben in den ersten Siedlungen Nordamerikas war als Folge ihrer Abgeschiedenheit und dem Nichtvorhandensein lebensnotwendiger Infrastrukturen überaus hart und gefährlich. So betrug die jährliche Todesrate in der ersten Siedlung Jamestown ungefähr 60% in 1607, 45% in 1608 und immer noch über 50% in 1610.[15]

In einer solch verzweifelten Situation verloren Staat, Nationalität, Religionszugehörigkeit und Klassenunterschied für die Siedler signifikant an Relevanz. Diese ehemals etablierten Werte wurden ersetzt durch die private Initiative, den Wagemut, die Fähigkeiten sowie die Kompromissbereitschaft eines Individuums.[16] Als direkte Folge entwickelte sich in den nordamerikanischen Kolonien eine Fokussierung auf das Individuum und die gegenseitige Toleranz, welche für die Entwicklung individueller Grundrechte unerlässlich waren.

Nachdem nun in einem ersten Schritt die Voraussetzungen für die Grundrechtsentwicklung nachgezeichnet wurden, muss an dieser Stelle eine Differenzierung vorgenommen werden. Grundsätzlich muss zwischen der Möglichkeit der Etablierung von Grundrechten und deren Ausgestaltung unterschieden werden. In den folgenden Kapiteln werden die Mechanismen, welche der Ausformung der Grundrechte in Nordamerika zugrunde lagen, behandelt.

2. Die Provinzialregierungen und die koloniale Elite

In den verschiedenen nordamerikanischen Kolonien, obwohl diese mit nahezu identischen grundrechtstechnischen Voraussetzungen gegründet wurden, kam es zu signifikant unterschiedlichen Entwicklungen dieser Grundrechte. So verfügten im Jahr 1776 lediglich sechs der dreizehn britischen Kolonien, welche sich zu den Vereinigten Staaten zusammenschlossen, über einen expliziten Grundrechtskatalog (Bill of Rights), welche sie ihren jeweiligen Verfassungen voranstellten. Ferner waren diese Grundrechtskataloge weder quantitativ, noch qualitativ homogene Dokumente.[17] Entgegen etablierten Erklärungsmodellen untersucht diese Arbeit die abweichende einzelstaatliche Entwicklung nicht als Resultat ideologischer Impulse, sondern realpolitischer Notwendigkeiten. Fraglich ist im Besonderen, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingen das entscheidende realpolitische Element waren, welche die Ausformung der einzelstaatlichen Grundrechte nachhaltig bestimmt haben.

Ausdrücklich nicht behandelt werden die verschiedenen ideologischen, religiösen[18] und traditionell-rechtlichen[19] Einflüsse, welche im Rahmen der Kolonialisierung Nordamerikas in den Schiffen der Siedler ebenfalls ihren Weg in die neue Welt fanden. Obwohl diesen verschiedenen Einflüssen eine besondere Stellung in der Grundrechtsentwicklung eingeräumt werden muss, stellen sie nicht die entscheidenden Faktoren der Entwicklung während der Kolonialzeit selbst dar. Diese Elemente begünstigten ohne Zweifel die spätere Ausbildung der Grundrechte, jedoch bedingten sie diese nicht.

2.1 Die Gesetzgebungskompetenz der Provinzialregierungen

Vor der Bestimmung der relevanten Faktoren, welche den Umfang und Gehalt der einzelstaatlichen Grundrechtskataloge bestimmt haben, muss zunächst ermittelt werden, wer die Kompetenz zu einer solchen Gestaltung in den jeweiligen Einzelstaaten besaß. In diesem Zusammenhang ist die Feststellung essentiell, dass es sich bei den Grundrechtskatalogen und Verfassungen der Einzelstaaten aus dem Jahr 1776 lediglich um eine Kodifizierung von lokalen Rechten handelte, welche bereits seit über einem Jahrhundert in den Kolonien gewachsen waren und gelebt wurden.[20] Erlassen wurden diese Gesetze und Richtlinien durch lokale Provinzialregierungen. Diese genossen, aufgrund des hohen Grades der kolonialen Selbstverwaltung und bestärkt durch signifikante interne Konflikte des britischen Empire von 1640 bis 1688 sowie der französischen Kolonialkonkurrenz von 1700 bis 1760, ein beeindruckend hohes Maß an legislativer Freiheit. Dieses drückte sich in einer Unzahl an regionalen Gesetzen und Richtlinien aus, welche durch die lokalen Provinzialregierungen während der Kolonialzeit eigenständig erlassen wurden.[21]

2.2 Die kolonialen Eliten

Doch änderten sich im Rahmen der kolonialen Entwicklungen nicht nur die lokalen Gesetze und Bestimmungen, sondern auch der Prozess der Gesetzgebung selbst. Das anfangs vorherrschende System der direkten Demokratie im Rahmen von Gemeindeversammlungen wich einer legislativen Dominanz durch eine koloniale Elite in den einzelnen Kolonien, welche ihren politischen Einfluss auf die lokalen Provinzialregierungen stetig ausbaute.[22] Die politische Dominanz war hierbei in urbanen Siedlungsräumen stärker ausgeprägt als in vorwiegend ländlichen Siedlungsräumen, in welchen oftmals noch die lokalen Gemeinschaften verwaltungs- sowie organisationstechnische Regelungen vornahmen.[23]

Die koloniale Elite entstammte dem wirtschaftlichen Aufstieg der britischen Kolonien in Nordamerika während des ersten Jahrhunderts nach der originären Ansiedlung. Ihre Macht basierte dementsprechend auf ihrem wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand[24], welchen sie durch Landwirtschaft oder Handel erzielten. Demzufolge war die politische Dominanz der kolonialen Eliten abhängig von ihrer wirtschaftlichen Dominanz. Diese Abhängigkeit führte zwangsläufig zu unterschiedlichen Interessen innerhalb der kolonialen Eliten basierend auf ihren lokalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.[25] Diese Tatsache führte zu einer Wechselwirkung[26] zwischen politischer und wirtschaftlicher Dominanz der kolonialen Eliten. Die politische Dominanz resultierte nicht nur aus der wirtschaftlichen Dominanz, sondern wurde sie auch eingesetzt, um die wirtschaftliche Vormachtstellung zu erhalten oder auszubauen.[27] Folgerichtig muss auch in der jeweiligen Ausgestaltung individueller Rechte ein machtpolitisches Instrument gesehen werden, mit deren Hilfe die kolonialen Eliten ihre wirtschaftliche und politische Dominanz erhielten.

Um abschließend nachvollziehen zu können, wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der nordamerikanischen Kolonien im Ganzen und der kolonialen Eliten im Speziellen nachhaltigen Einfluss auf die Grundrechtsentwicklung genommen haben, werden zunächst die elementaren Mechanismen der kolonialen Wirtschaft Nordamerikas erläutert. Wie bereits erarbeitet, bestimmten diese Mechanismen die Interessen der kolonialen Elite, welche wiederrum die Gestaltung individueller Grundrechte entscheidend mitbestimmten.

3. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Nordamerikas

Bei der Kolonialisierung Nordamerikas handelte es sich um ein Handelsprojekt der englischen Kaufmannsklasse mit Unterstützung der britischen Krone zur Generierung höchstmöglicher Handelsgewinne.[28] Die wirtschaftliche Performance der nordamerikanischen Kolonien steigerte sich nach den anfänglichen Problemen in einem nicht vergleichbaren Maße während der gesamten Kolonialzeit.[29] Die wachsende Prosperität Nordamerikas beruhte hierbei auf einem stetigen Populationszuwachses 1660 und 1780[30] sowie der kommerziellen Landwirtschaft, welche knapp 85% der freien Arbeitskräfte beschäftigte[31] und die Voraussetzung für die steigenden Exporthandel war[32].

Der Wohlstand der britischen Kolonien in Nordamerika wie auch der kolonialen Eliten war somit ein direktes Ergebnis der Kombination der Produktionsfaktoren Land und Arbeit. Die hohe Verfügbarkeit von (vermeintlich) freien Land, welches essentiell für die Land- und Viehwirtschaft der Kolonien war[33], war in diesem Zusammenhang ebenso bezeichnend für die Kolonialwirtschaft Nordamerikas wie die stete Knappheit von Arbeit.

3.1 Grundbesitz als Voraussetzung kolonialen Wohlstandes

Grundbesitz war die fundamentale Ressource zur Generierung von Wohlstand während der Kolonialzeit, sowohl in Europa wie auch in Nordamerika.[34] Der Unterschied zwischen den Kontinenten bestand lediglich in der Tatsache, dass der Erwerb von Grundbesitz in Nordamerika günstig und frei von Klassenrestriktionen war. Zwangsläufig war eine umfangreiche Ausgestaltung der individuellen Eigentumsrechte und des Investitionsschutzes, zwecks Sicherung des Wachstums von Landwirtschaft und Population, essentiell für die nordamerikanische Wirtschaft[35].

Die leichte Verfügbarkeit von Land und führte zu zwei gegenläufigen Entwicklungen in der Kolonialwirtschaft Nordamerikas. Zum einen führte die Erschwinglichkeit von Land in Verbindung mit den vergleichsweise hohen Löhnen[36] zu einer erhöhten Mobilität der Arbeiter. Diese verließen ihre Dienstherren oftmals kurze Zeit nach der Erarbeitung des notwendigen Kapitals für den Grunderwerb und zogen hinaus in das Grenzland (Frontiers), um als eigenständige und unabhängige Landwirte ihren Lebensunterhalt zu erwerben.[37] Diese Entwicklung wiederrum führte zu einer schnellen Ausbreitung kleinbäuerlicher und dezentralisierter Siedlungen, welche durch flache Hierarchien, familiäre Eigenleistung und einem hohen Grad an direkter Demokratie charakterisiert waren. Diese Entwicklung war vor allem in den nördlicheren Kolonien, welche durch vergleichsweise harte klimatische Bedingungen gekennzeichnet waren, zu erkennen.[38] Dementgegen war vor allem in den südlichen Kolonien ein anderer Trend erkennbar. Als Folge der landwirtschaftlichen Bedingungen war in diesen die ganzjährige Plantagenwirtschaft möglich und es entwickelte sich die Tendenz zur größtmöglichen Akkumulation von Grundeigentum und in Folge dessen einer Zentralisierung der Produktion.[39]

[...]


[1] Vgl. Jellinek, G. (1964[1927]), S. 10ff, 15, 59

[2] Lutz, D. S. (1990), S. 3

[3] Ritter, G. (1964 [1958]), S. 203

[4] Vgl. Mayer, M. (1979), S.19

[5] Vgl. Mayer, M. (1979), S.17, 19

[6] Vgl. Atack, J. und Passell, P. (1994), S. 29

[7] Miller, P. (1956), S. 56

[8] Vgl. Mayer, M. (1979), S.19

[9] Vgl. Lutz, D. S. (1990), S. 6

[10] Vgl. Acemoglu, D., Johnson, S. und Robinson, J. (2004), S. 59; vgl. auch Mayer, M. (1979), S.18f

[11] Vgl. Engerman, S. L. und Sokoloff, K. C. (2005), S. 2

[12] Vgl. Ritter, G. (1964 [1968]), S. 221

[13] Vgl. Mayer, M. (1979), S. 23f

[14] Jellinek, G. (1964 [1927]), S. 46

[15] Vgl. McCusker, J. J. und Menard, R. R. (1991), S. 118

[16] Vgl. Ritter, G. (1964 [1968]), S. 218; ebenfalls vgl. Lutz, D. (1990), S. 6

[17] Von den amerikanischen Einzelstaaten besaßen 1776 lediglich Massachusetts (30 Artikel), New Hampshire (38 Artikel), Pennsylvania (16 Artikel), Maryland (42 Artikel), Virginia (16 Artikel) und North Carolina (25 Artikel) einen expliziten Grundrechtskatalog. Trotz dieser Heterogenität findet man lt. Lutz, D. S. (1990, S. 4) in drei einzelstaatlichen Grundrechtskatalogen nahezu alle der in U.S. Bill of Rights erwähnten Grundrechte, sowie in weiteren fünf einzelstaatlichen Grundrechtskatalogen bis zu zwei Drittel der Grundrechte aus der U.S. Bill of Rights.

[18] Einen ausführlichen Überblick zu der Religionsfreiheit als vermeintliche Quelle der Grundrechte in Nordamerika bietet Funke, T. G. (2006), S. 17-24. Hierbei wird das Streben nach religiöser Dominanz als wirkliche Intention der ersten Siedler (Pilgerväter) nachgewiesen.

[19] Die Entwicklung der Grundrechte in den britischen Kolonien Nordamerikas als konsequente Weiterentwicklung der englischen Magna Carta (1215), Petition of Rights (1628), Habeas-Corpus-Akte (1679) und der (englischen) Bill of Rights (1689) wird ausführlich von Lutz, D. S. (1990), S. 3ff sowie Engerman, S. L. und Sokoloff, K. L. (2005), S. 3f widerlegt.

[20] Vgl. Schlechter, S. L. und Bernstein, R. B. (1990), S. XV; ebenfalls vgl. Lutz, D. S. (1990), S. 10 sowie vgl. Ritter, G. (1964 [1958]), S. 214

[21] Obwohl nicht abschließend, soll diese Aufzählung die bedeutendsten kurz wiedergeben: Massachusetts Body of Liberties (1641), Laws and Liberties of Massachusetts (1647), Maryland Toleration Act (1649), General Laws and Liberties of Connecticut (1672), William Penn’s Charter of Liberties (1682), Laws and Liberties of New Hampshire (1682) und New York Charter of Liberties and Privileges (1683).

[22] Vgl. Greene, J. (1993), S. 61

[23] Vgl. Mayer, M. (1979), S. 76

[24] Vgl. Philips, K. (2002), S. 6

[25] Vgl. Mayer, M. (1979), S. 75

[26] Eine ausführliche Erläuterung zu dem Verhältnis von „de jure political power“ und „de facto political power“ geben Acemoglu, D. / Johnson, S. und Robinson, J. (2004), S. 61-65

[27] Vgl. Rakove, J. N. (1996), S. 41; ebengalls vgl. Greene, J. P. (1993), S. 50f

[28] Vgl. Engerman, S. L. und Sokoloff, K. L. (2005), S. 8

[29] Hierzu vertiefend Atack, J. und Passell, P. (1994), S. 26-53

[30] Lt. McCusker, J. J. und Menard, R. R. (1991, S. 217) ist hierbei von einem Gesamtwachstum in Höhe 3% pro Jahr auszugehen, wobei die New England Staaten mit 2,4% deutlich unter den südlichen Staaten (Chesapeake und Lower South) mit 4,3% pro Jahr liegen

[31] Vgl. Atack, J. und Passell, P. (1994), S. 32

[32] Vgl. Greene, J. P. (1993), S. 47; ebenfalls Mayer, M. (1979), S. 27f

[33] Vgl. DeJohn Anderson, V. (2002), S. 8f, 13ff

[34] Vgl. Atack, J. und Passell, P. (1994), S. 32f

[35] Vgl. Acemoglu, D.; Johnson, S. und Robinson, J. (2004), S. 24ff

[36] Lt. Mayer, M. (1979, S. 40) überstiegen die Löhne der kolonialen Arbeiter die der Arbeiter auf dem britischen Festland um 30-100%

[37] Vgl. McCusker. J. J. und Menard, R. R. (1991), S. 239

[38] Vgl. Mayer, M (1979), S. 29f

[39] Vgl. Greene, J. (1993), S. 46

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668370371
ISBN (Buch)
9783668370388
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350468
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Staatswissenschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Menschenrechte Grundrechte Nordamerika England Vereinigtes Königreich Amerikanische Revolution Unabhängigkeitserklärung Bill of Rights Kolonie Kolonialisierung Öffentliches Recht Rechtsgeschichte Politische Ökonomie Institutionen Institutionenökonomie

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