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Erfolg im Studium und Beruf. Angewandte Methoden der Wirtschaftspsychologie

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.1 Mein persönliches Lerninteresse

1.2 Welche konkreten Aktionen habe ich diesbezüglich in und außerhalb des Sets unternommen und mit welchen Ergebnissen (Erfahrungslernen)?

1.3 Meine Erkenntnis in Bezug auf Erfolg in Beruf und Privatleben

1.4 Die Gruppendynamik im Set aus meiner Sicht - inwieweit haben wir Shared Leadership betrieben ?

1.5 Was Action Learning für mich bedeutet - eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz mit Bezug zur Theorie

1.6 Fazit

Quellen

Anhang: Lerntagebuch mit SAGA

1.1 Mein persönliches Lerninteresse

In unserer ersten Präsensphase in dem Kurs „Einführung in die anwendungsorientierten Me- thoden der Wirtschaftspsychologie“ sollte jeder Student über seine aktuelle Lebensphase re- flektieren und sein individuelles Problem, in dem er sich wiedererkennt, definieren. In dieser Phase der Selbstwahrnehmung und Reflexion kam mir schnell der Gedanke von meiner „Angst“ nein zu sagen. Ich denke nicht, dass nur ich zu den Betroffenen zähle, sondern dass sich viele Menschen von dieser Problematik angesprochen fühlen. Laut Focus Magazin spre- chen vier von fünf Menschen zu oft ein „ja“ aus, obwohl sie eigentlich lieber „nein“ sagen würden (Strobel 2012). Es stellt sich die Frage, wer und in welchen Situationen wir von der Schwierigkeit des Nein-Sagens betroffen sind. Eine repräsentative Studie von TNS Emnid mit 1.006 Teilnehmern zeigt, dass 81 Prozent der Umfrageteilnehmer ja sagen, wenn sie um etwas gebeten werden, auch wenn sie sich im Nachhinein über diese Zustimmung ärgern. Des Weite- ren ist aus dieser Studie ersichtlich, in welchem Bereich das Nein-Sagen besonders schwer fällt. Somit fällt es 59% der Gesellschaft besonders schwer im privaten Bereich (Freundeskreis) ein Nein zu formulieren. Betrachtet man hingegen eine Situation mit dem eigenen Chef fällt es nur 41,5% der Bevölkerung schwer, eine Bitte von diesem abzulehnen (Statista 2012). Allge- mein ist anzumerken, dass die Angst, nicht nein sagen zu können, einen Verlust der Freiheit beinhaltet. Nach der Reaktanztheorie von Brehm (1966, S. 1-4) führt diese Handlungsein- schränkung zu einer Reaktanz. Diese zeichnet sich in einem motivationalen Zustand aus, wel- cher darauf gerichtet ist, eine Handlungsfreiheit nochmals herzustellen.

Mein persönliches Lernziel beschäftigt sich mit der Frage, wie ich es schaffen kann, ein Nein zu formulieren um somit keine Handlungseinschränkungen zu erleiden. Im weiteren Verlauf möchte ich unteranderem auch herausfinden, in welchen Situationen es mir besonders schwer fällt, nein zu sagen. Wie in dem Theorieteil 2.2.2 erläutert ist es bei der Erreichung des persön- lichen Lernziels weniger entscheidend, dass ich mich auf meine tatsächlich vorhandenen Fä- higkeiten und Fertigkeiten konzentriere. Viel wichtiger ist es von dem allgemeinen Gelingen überzeugt zu sein.

1.2 Welche konkreten Aktionen habe ich diesbezüglich im und außerhalb des Sets unternommen und mit welchen Ergebnissen (Erfahrungslernen)

Um etwas an einem Problem zu ändern, sollte dieses zunächst genau definiert sein. In Punkt 2.1 wurde die Betroffenheit meines Problems dargestellt. Nun soll dieses zunächst psychologisch eingeordnet werden. Sigmund Freud entwickelt 1923 das Strukturmodell der Psyche. In diesem Modell unterscheidet Freud zwischen drei Grundstrukturen, welche die Befriedigung der Trie- be unterstützen. Diese Instanzen teilen sich in „Ich“, „Über-Ich“ und „Es“ auf (Freud 1953, S. 7-9). Im Folgenden möchte ich mein persönliches Problem, nicht nein sagen zu können, auf das Strukturmodell von Sigmund Freud übertragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Strukturmodell

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Freud, 1953 S. 7-9

Wie in Abb. 1 zu erkennen ist, stellt die Instanz „Über-Ich“ den Punkt der gesellschaftlichen Kontrolle dar. In Bezug auf mein Problem stellt diese Kontrolle beispielsweise die in der Kind- heit erlernten Verhaltensregeln dar, welche durch meine Eltern vorgelebt und durch die Gesell- schaft gelebt werden. Zu diesen „Regeln“ zählt unter anderem auch, dass ich Mitmenschen Gefallen tue, womit ich gegebenenfalls meine Bedürfnisse den Bedürfnissen anderer unterord- ne. Die Instanz „Es“ stellt hierzu eine Gegenkomponente - die Bedürfnisbefriedigung - dar. Das Hauptziel des „Es“ ist es, die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Diesen zwei Komponen- ten steht das „Ich“ als Vermittler gegenüber. Die Aufgabe des „Ichs“ ist es, Kompromisse zwi- schen dem „Über-Ich“ und dem „Es“ zu finden. Zu den Stärken dieser Instanz gehört die Angsttoleranz, welche die Fähigkeit wiederspiegelt angsteinflößende Situationen auszuhalten (Freud 1953, S. 7-9). Im Hinblick auf die Angst des Nein-Sagens entspricht mein momentaner Ist-Zustand einem Ungleichgewicht zwischen meinem „Über-Ich“ und dem „Es“. Mein Lern- ziel muss somit unter anderem sein, dass ich mich mehr auf das „Es“ meiner Psyche und somit auf die Durchsetzung meiner persönlichen Bedürfnisse konzentrieren muss, sodass es zu einem gesunden Gleichgewicht kommt.

Wie Neurobiologen erwiesen haben, ist es wichtig, erlerntes Wissen in der Praxis anzuwenden (Centered Learning Deutschland GmbH 2015). Mit meinem Hintergrundwissen des Struktur- modells von Sigmund Freud hatte ich am 12.November 2015 meine erste Praxisanwendung, welche ich nach dem SAGA-Schema festgehalten habe (siehe Anhang Lerntagebuch). In dieser Anwendungssituation habe ich mich darauf konzentriert, mehr auf mein „Es“ zu achten und somit meine persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Im Gespräch zwischen mir und meiner Personalchefin wurde ich um eine zeitliche Umlegung meines Arbeitsplans am darauffolgenden Tag gebeten. Das hätte für mich eine Verlängerung der Arbeitszeit bedeutet. In diesem Moment signalisierte mir mein „Über-Ich“, dass es gesellschaftlich üblich ist, je- mandem einen Gefallen zu tun. Daraufhin habe ich die Bitte bejaht. An dem besagten Arbeits- tag kam es erneut zu einem Gespräch. In diesem wurde ich darum gebeten meine Anwesenheit in der Arbeit um eine weitere, ungeplante Stunde zu verlängern. Hier war mir bewusst, dass meine psychische Instanz „Ich“ nun schon einen Kompromiss eingegangen war, aber jetzt der Zeitpunkt gekommen war, um an dem Gleichgewicht der Instanz „Es“ zu arbeiten und meine eigenen Bedürfnisse zu priorisieren, da ich mich sonst nur ausgenutzt fühle. Im Anschluss an die Arbeit hatte ich schon eine Verabredung geplant, daher musste ich nun die Kraft aufbringen und mit einem klaren Nein antworten. Nein dazu, dass ich nicht noch eine zusätzliche Stunde in der Arbeit bleiben werde und im Umkehrschluss meine Bedürfnisse hinten anstellen muss. Zu meinem Enttäuschen reagierte die Personalchefin ganz anders als von mir erwartet und antwor- tete kurz angebunden mit einem schnippischen „ok“ und ließ mich gehen.

Nach dieser ersten Anwendungssituation habe ich es geschafft ein Nein auszusprechen, um keine persönliche Handlungseinschränkung zu erleiden und mich somit auf die Bedürfnisbe- friedigung des „Es“ zu konzentrieren. Unteranderem ist positiv anzumerken, dass ich meine eigenen Hürden überwunden habe und so von einer Jasagerin zu einer Person wurde, die auch ein Nein formulieren kann. Dadurch habe ich meinen Mitmenschen gezeigt, dass auch ich res- pektiert werden möchte. Dennoch wird mir nach dieser Situation bewusst, dass ich nicht nur mit positiven Konsequenzen zu rechnen habe, sondern auch mit den negativen Reaktionen, die im schlimmsten Fall langfristige Folgen nach sich ziehen können (Baum 2009, S. 16). Es liegt an dem Auftreten der eigenen Person, wie das direkte Umfeld auf ein Nein reagiert. Ein knapp formuliertes Nein stößt eher auf Unverständnis beim Gegenüber als ein Nein mit einer ausrei- chenden Begründung. Dieses Verhalten wird schnell als fehlende Hilfsbereitschaft, Gleichgül- tigkeit oder als Ablehnung gedeutet. So auch im Journal of Experimental Social Psychology: „When Just Say „No“ is not enough“ (Gawronski, Deutsch, Mbirkou, Seibt & Strack 2008, S. 370). Wird von uns im Arbeitsalltag oder im Privatleben etwas gefordert, sind wir unmittelbar gezwungen dem Gegenüber eine schnelle Rückmeldung zu geben. Meist vergisst man in der Kürze der Überlegungsphase die schwerwiegenderen Konsequenzen. In der nachfolgenden Tabelle werden kurzfristige und langfristige Konsequenzen einer Nein- und einer Ja-Aussage gegenüber gestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Plus-Minus-Minus-Plus-Regel

Quelle: eigene Darstellung, Baum 2016, S. 14-15

Wie aus der Tabelle (Tab. 1) hervorgeht, ist es ratsam vor einer Antwort, zwischen kurz- und langfristigen Folgen das Verhalten abzuwägen. Als besonders zu betrachten gilt das blau markierte Kästchen, welches aufzeigt, dass langfristige Folgen eines Neins nicht nur negativ ausfallen müssen. Langfristige Folgen können sich auch in Akzeptanz, Respekt von anderen, eigene Grenzen und in einem stabilen Selbstwertgefühl widerspiegeln. Es lässt sich nun sagen, dass sich bei meiner ersten Anwendungssituation kurzfristige Folgen, nämlich die Verärgerung der Personalchefin und langfristige Konsequenzen, dass ich mir durch mein Nein mehr Respekt und ein stabileres Selbstbewusstsein ergeben haben.

Aus dieser Erkenntnis heraus möchte ich gerne mein persönliches Lernziel wie folgt umformulieren: Wie kann ich es schaffen, mein Nein begründend zu formulieren, um somit keine Handlungseinschränkungen zu erleiden und gleichzeitig zwischen kurz- und langfristigen Konsequenzen abzuwägen? Diese Fragestellung ist in der Hinsicht abgeändert, dass ich nicht nur lernen möchte, nein zu sagen, sondern dies auch begründend auszudrücken und dabei gleichzeitig die kurz- und langfristigen Konsequenzen abwägen möchte.

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Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668377189
ISBN (Buch)
9783668377196
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350034
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,0
Schlagworte
erfolg studium beruf angewandte methoden wirtschaftspsychologie

Autor

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