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Empowerments in der Theorie und der Praxis mit Menschen mit geistiger Behinderung

Hausarbeit 2015 13 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Empowerment Konzept
2.1 Begriffliche Annäherungen
2.1.1 Empowerment nach Rappaport
2.1.2 Empowerment nach Herriger
2.2 Empowerment als „Philosophie der Menschenstärken“
2.3 Methoden des Empowerments

3 Definition geistige Behinderung
3.1 Gegenüberstellung Heilpädagogik - Empowerment- Konzept
3.2 Empowerment und Behinderung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können“ (Abraham Lincoln)

Dieses Zitat impliziert, wie bedeutend es ist, Klient_innen in stark belastenden Lebensphasen zur Selbstbefähigung zu fördern, damit sie ein Leben in Eigenregie führen können. Dies ist auch eines der Ziele von Empowerment.

Um herauszufinden, welche Leitmotive Empowerment noch verfolgt und welche Methoden dazu eingesetzt werden, befasse ich mich zuerst mit den Begriffsbestimmungen von Empo- werment,- zum Einen nach Rappaport und zum Anderen nach Herriger. Anschließend widme ich mich den Grundlagen und Prinzipien des Empowerments sowie den Handwerkszeugen dieses Modells.

Da das Modell der Menschenstärken flexibel einsetzbar sein muss, habe ich mich im 3. Kapitel mit Menschen mit geistiger Behinderung befasst. Hier gehe ich zunächst auf die Definition von geistig behinderten Menschen ein. Nachfolgend habe ich eine Gegenüberstellung der Heilpädagogik und des Empowerment - Konzeptes gemacht. Anschließend beschreibe ich Grundzüge für die Arbeit mit geistig behinderten Menschen.

Abschließend werde ich die Ausarbeitung des Themas Empowerment, auch in Bezug auf die Arbeit mit behinderten Menschen reflektieren.

2 Das Empowerment Konzept

2.1 Begriffliche Annäherungen

2.1.1 Empowerment nach Rappaport

„Daher möchte ich ein sozialpolitisches Konzept des „empowerment“ vorschlagen, das Individuen als vollständige menschliche Wesen betrachtet, eine Sensibilität für Handlungsnotwendigkeiten und Widersprüchlichkeiten schafft und divergente und dialektische statt konvergente Lösungen erwarten lässt (Rappaport 1985: 257f.).

Rappaport (1985), Vertreter des Empowerment Konzeptes, stellt in seinem Text die These auf, dass „menschliche soziale Systeme ihrem Wesen nach paradox sind“ (Rappaport 1985: 258).

Der Autor reflektiert zwei Möglichkeiten der Paradoxie: Zum Einen wird die wahre Parado- xie aufgeführt, die zunächst widersprüchlich erscheint und sich später jedoch als wohlbegrün- det herausstellt. Zum Anderen wird die falsche Paradoxie erwähnt, die mehr dem Anschein nach als in der Realität besteht (vgl. Rappaport 1985: 258). In diesem Kontext erwähnt Rap- paport (1985) zugleich den Begriff der Antinomie, den er mit „ein Widerspruch in einem Gesetz, oder zwischen zwei gleichermaßen verpflichtenden Gesetzen“ umschreibt (Rappaport 1985: 258). Veranschaulicht wird dieser Begriff in Bezug auf Schuhmacher (1977) anhand der Gegensätze von Freiheit und Gleichheit, die man in der Erziehung und Politik oftmals wieder- findet. Sobald eine der beiden Werte maximiert wird, wird der andere übersehen. Dieses Pro- blem bedarf das Denken divergenter Natur (vgl. Rappaport 1985: 258f.).

Der Autor gibt divergentem Denken eine größere Akzeptanz als konvergentem Denken, da diese Form des Denkens nach mannigfaltigen Lösungen sucht und genau dies beim Konzept des Empowerments erfordert wird (vgl. Rappaport 1985: 271). Im Gegensatz dazu bezeichnet Rappaport das konvergente Denken als „die nicht belebte Natur“. Damit sind Lösungen gemeint, die nur in eine Richtung gehen und sich mit der Zeit als stabil herausstellen. (vgl. Rappaport 1985: 261). „Wir müssen anfangen eine Sozialpolitik zu entwickeln, die es aufgibt, Probleme auf die einzig mögliche und expertendefinierte Art zu lösen.“ (Rappaport 1985: 271).

In seiner Ansprache 1980 kritisierte Rappaport zum Einen das Konzept der Prävention, wel- ches eine Konsequenz aus einem Bedürftigkeitsmodell darstellt und Menschen wie Kinder betrachtet und zum Anderen das Modell der Anwaltschaft, dass sich nur auf die Rechte der Menschen beschränkt und sie als Bürger sieht (vgl. Rappaport 1985: 257). Beide Ansätze wer- den vom Autor als einseitig tituliert, da der Experte hier als „Meister“ fungiert und den Kli- ent_innen mit seinem Wissen in eine Richtung drängt (vgl. Rappaport 1985: 270).

Das Konzept des Empowerment hingegen betrachtet den Menschen mit seinen Bedürfnissen als auch mit seinen Rechten (vgl. Rappaport 1985: 269).

„Rechte ohne Ressourcen zu besitzen, ist ein grausamer Scherz“ (Rappaport 1985: 268). Für viele Menschen ist es demnach fundamental, dass sowohl ihre Rechte gesichert werden, als auch soziale Fürsorge erhalten (vgl. Rappaport 1985: 269).

„Es muss viele verschiedene und widersprüchliche Antworten zu gleicher Zeit ermöglichen, statt mit einer einzigen Lösung auf jedes soziale Problem zuzugehen“ (Rappaport 1985: 270).

Bei dem Konzept des Empowerments besteht die Annahme, dass die Klient_innen bereits die Fähigkeiten in sich tragen, jedoch unter der Voraussetzung, dass Handlungsmöglichkeiten geschaffen werden (vgl. Rappaport 1985: 270). Zudem fordert der Autor, dass die professionellen Helfer sich mit dem Widerspruch auseinander setzen sollten, dass Menschen vor allem in extrem belastenden Lebensphasen ihr Leben steuern sollten. Außerdem soll es das Ziel sein, den Menschen breitgefächerte Perspektiven anzubieten, um ihr Leben wieder selbst bestimmen zu können (vgl. Rappaport 1985: 269).

2.1.2 Empowerment nach Herriger

„Der Begriff „Empowerment“ bedeutet Selbstbefähigung und Selbstermächtigung, Stärkung von Eigenmacht, Autonomie und Selbstverfügung. Empowerment beschreibt Mut machende Prozesse der Selbstermächtigung, in denen Menschen in Situationen des Mangels, der Benachteiligung oder der gesellschaftlichen Ausgrenzung beginnen, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, in denen sie sich ihrer Fähigkeiten bewusst werden, eigene Kräfte entwickeln und ihre individuellen und kollektiven Ressourcen zu einer selbstbestimm- ten Lebensführung nutzen lernen. Empowerment - auf eine kurze Formel gebracht - zielt auf die (Wieder-) Herstellung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Alltags“. (Herriger 2014: 1).

Des Weiteren definiert Herriger (2014) noch 4 Zugänge von Empowerment:

Erstens: Empowerment - im politischen Sinne: Hier liegt das Augenmerk auf dem Begriffselement „power“, welches sich mit „politischer Macht“ übersetzen lässt und auf die politischen Ungleichheiten hindeutet (vgl. Herriger 2014: 14f.).

Zweitens: Empowerment - im lebensweltlichen Sinne: Der Begriff „power“ lässt sich auch mit „Stärke“, ,„Kompetenz“ , „Durchsetzungskraft“ oder „Alltagsvermögen“ übersetzen. Dies bedeutet, dass ein Mensch ein Leben in Eigenregie führen kann und das Vermögen hat, belastende Lebenssituationen aus eigener Kraft zu bewältigen (vgl. Herriger 2014: 15f.).

Drittens: E mpowerment - im reflexiven Sinne: Diese Definition drückt aus, dass der Mensch sich weiterhin nicht mehr als Marionette des eigenen Lebens fühlt, sondern

die Fäden selbst in die Hand nimmt und aus eigener Kraft die Ohnmacht und Machtlosigkeit besiegt. Die Menschen nehmen „das Steuerrad des Lebens“wieder selbst in die Hand und begeben sich in einen Aufbruch hin zur Unabhängigkeit und weg von der Bevormundung (vgl. Herriger 2014: 16f.).

Viertens : Empowerment - im transitiven Sinne: Empowerment im transitivem Sinne meint die Hilfestellung durch die beruflichen Helfer, die ihre Adressaten auf der Suche nach den individuellen Ressourcen bestärken und sie zur (Wieder-) Aneignung von Selbstbestimmung anregen (vgl. Herriger 2014: 17f.).

2.2 Empowerment als „Philosophie der Menschenstärken“

Empowerment lädt zum Perspektivenwechsel ein und möchte den Wechsel vom DefitzitBlickwinkel hin zu den Stärken und Ressourcen der Menschen. Das Konzept sieht bei den Adressat_innen auch in extrem belastenden Lebenssituationen Fähigkeiten, um das Leben in Eigenregie zu führen. Es ist eine Aufforderung, den Blick auf Abhängigkeiten, Fremdbestimmung und Schwächen abzulegen und an die Menschenstärken zu glauben, auch wenn sie in Phasen der Ohnmacht verschüttet zu sein scheinen. Das Vertrauen in die Menschenstärken ist eine der Leitgedanken dieses Konzeptes (vgl. Herriger 2014: 70ff.).

Herriger fasst dies in folgenden Bausteinen zusammen:

1. Das Vertrauen in die Fähigkeit jedes einzelnen zu Selbstgestaltung und gelingen- dem Selbstmanagement : Menschen werden nicht als hilflose Subjekte angesehen und in fürsorgliche Versorgungsprogramme zugewiesen, sondern als Menschen, die ihre Ressourcen in sich tragen. Die Aufgabe der professionellen Helfer ist es, die Adressat_innen zur Findung ihrer Stärken zu ermutigen (vgl. Herriger 2014: 72f.).

2. Die Akzeptanz von Eigen-Sinn und der Respekt auch vor unkonventionellen Lebensentwürfen: Immer wieder stoßen professionelle Helfer_innen im sozialen Feld auf Lebenslinien der Adressat_innen, die der „Normalität“, wie wir sie kennen, nicht mehr entsprechen. Als sozialer Arbeiter gilt es sich hier unvoreingenommen darauf einzulassen und sie nicht mit dem Expertenwissen einzuengen, jedoch Werkzeuge für die Krisenbewältigung darzubieten. Die Akzeptanz hat z. B. dort ihre Grenzen, wo Menschen ein selbstverletzendes- und schädigendes Verhalten aufweisen (vgl. Herri- ger 2014: 73f.).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668368217
ISBN (Buch)
9783668368224
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v349914
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
empowerments theorie praxis menschen behinderung

Autor

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Titel: Empowerments in der Theorie und der Praxis mit Menschen mit geistiger Behinderung