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Löst Crowdfunding den traditionellen Kapitalmarkt bei der Finanzierung von Start-Ups ab?

Bachelorarbeit 2013 41 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Traditioneller Kapitalmarkt
2.1 Klassische Funktionen der Bank bei Finanzierungen
2.2 Arten der Finanzierung
2.2.1 Kredite
2.2.2 Venture Capital
2.2.3 Business Angels

3. Crowdfunding

3.1 Definition der Begriffe
3.2 Entwicklung der letzten Jahre
3.3 Varianten des Crowdfunding
3.3.1 Crowdinvesting / Beteiligung
3.3.2 Peer-to-Peer Kredit
3.3.3 Pre-Selling / Vorbestellung
3.3.4 Spende
3.3.5 Sponsoring

4. Analyse
4.1 Aktuelle Finanzierungproblematik für selbstständige Privatpersonen
4.1.1 Problematik bei Krediten
4.1.2 Problematik bei Venture Capital
4.1.3 Problematik bei Business Angels
4.2 Finanzierungslücke in der Frühphase eines Start-Ups
4.3 Lösungsversuch nach Belleflamme, Lambert und Schwienbacher
4.3.1 Modellbeschreibung
4.3.2 Erkenntnisse aus der Beispielrechnung
4.4 Vorteile des Crowdfunding gegenüber dem formellen Kapitalmarkt
4.4.1 Vorteile des Crowdfunding für den Initiator
4.4.2 Vorteile des Crowdfunding für den Geldgeber
4.5 Nachteile des Crowdfunding gegenüber dem formellen Kapitalmarkt
4.5.1 Nachteile des Crowdfunding für den Initiator
4.5.2 Nachteile des Crowdfunding für den Geldgeber

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 „Drei poliger Wirtschaftskreislauf“

Abbildung 2 „Google Trends - Crowdfunding Deutschland“

Abbildung 3 „Finanzierungsvolumen Crowdfunding“

Abbildung 4 „Kreditvolumen Deutschland“

Abbildung 5 „Kreditvolumen Vergleich“

Abbildung 6 „Venture Capital - Volumen Deutschland“

Abbildung 7„Business Angels Umfrage“

Abbildung 8 „Early Gap“

Abbildung 9 „Profit Traditionelle Kapitalmarkt“

Abbildung 10 „Profit Traditionelle Kapitalmarkt mit k“

Abbildung 11 „Profit Crowdfunding“

Abbildung 12 „Profitvergleich“

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Still, many ventures remain unfunded, partially because of a lack of sufficient value that can be pledged to investors, partially because of unsuccessful attempts to find and convince investors.1 Die Finanzierung ist heute eine der größten Schwierig- keiten für die Verwirklichung einer Geschäftsidee. Oft sind die vom traditionellen Kapitalmarkt aufgestellten Hürden für ein junges Start-Up bzw. eine Neugründung zu hoch. Viele gute Ideen laufen so Gefahr im Voraus zu scheitern. Doch in den letzten Jahren entwickelte sich eine neue Form der Kapitalbeschaffung. Das Crowdfunding ist eine Innovation, die besonders durch das interaktive Web 2.0 hervorgehoben wurde. Der Name ist eine Zusammensetzung aus Menge oder Masse (engl. crowd) und finanzieren (engl. to fund), wodurch im deutschen Sprachraum auch der Begriff Schwarmfinanzierung seltener verwendet wird. Die- se Art der Finanzierung umgeht den traditionellen Kapitalmarkt sowie dessen Hür- den und lässt den Kapitalgeber direkt mit dem Kapitalnehmer interagieren. Auf diese Weise bekommen die Innovatoren einer Geschäftsidee die Möglichkeit ihr Projekt einem großen Publikum bestehend aus potenziellen Investoren bzw. Käu- fern vorzustellen. Im Netz wie auch in anderen Medien entwickelte sich eine Popu- larität und Euphorie bzgl. dieser Finanzierungsrevolution, die in Konkurrenz zu Banken, Venture Capital-Fonds und Business Angels tritt.2 Diese Idee der Kapi- talbeschaffung wird von vielen Nutzern des Crowdfunding als das wichtigste Fi- nanzierungsmodell für Start-Ups in naher Zukunft gesehen, welches die Rolle des traditionellen Kapitalmarktes übernehmen wird. Kann das Crowdfunding den tradi- tionellen Kapitalmarkt als Geldgeber ablösen? Diese Arbeit befasst sich mit der Überprüfung dieser Fragestellung und untersucht dazu die gegenwärtige Situation in Deutschland und versucht einen Ausblick auf die weitere Entwicklung zu zeigen. Im Kapitel 2 wird der traditionelle Kapitalmarkt sowie seine populärsten Vertreter bei der Finanzierung von Neugründungen behandelt um eine Vergleichsbasis zu dem in Kapitel 3 näher beschriebenen Crowdfunding und dessen Varianten zu schaffen. Um die Frage „Löst Crowdfunding den traditionellen Kapitalmarkt bei der Finanzierung von Start-Ups ab?“ beantworten zu können, werden in Kapitel 4 eini- ge Themen analysiert. U.a. wird die aktuelle Finanzierungproblematik für selbst- ständige Privatpersonen mithilfe diverser Statistiken aufgearbeitet, die überhaupt die Gründer zum Crowdfunding bewegen könnte. Ebenso könnte die im Kapitel ebenfalls behandelte Finanzierungslücke in der Frühphase ein Beweggrund hierfür sein. Anschließend wird auf den mathematischen Lösungsversuch von den Herren Paul Belleflamme, Thomas Lambert und Armin Schwienbacher eingegangen, zu der eine Beispielsrechnung erstellt wurde. Im Anschluss daran werden Vorteile und Nachteile der einzelnen am Crowdfunding-Prozess beteiligten Parteien zu- sammengetragen. Das abschließende Fazit in Kapitel 5 nutzt die gewonnen Er- kenntnisse aus dem Analyseteil der Arbeit und formuliert eine Antwort auf die For- schungsfrage.

2. Traditioneller Kapitalmarkt

2.1 Klassische Funktionen der Bank bei Finanzierungen

Neben den Funktionen als Abwickler des Zahlungsverkehrs, Dienstleister, Weiter- leiter Geldpolitscher Impulse sowie weiterer wirtschaftlicher Funktionen, ist die Finanzierung eine der Hauptaufgabengebiete der Banken.3 So übernehmen diese die Funktion des Vermögensänderungspols (VÄ) im makroökonomischen Wirt- schaftskreislauf. Im drei-poligen Wirtschaftskreislauf sparen (S) die Haushalte (H) einen Teil ihres Einkommens (Y) bei den Kreditinstituten.4 Diese Investieren (I) diese Gelder in die Unternehmen (U).5 Durch diese Weise werden die Unterneh- men, neben dem Konsum (C) der Haushalte, finanziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten6

Abbildung 1 „Drei poliger Wirtschaftskreislauf“ – Quelle: ebenda, Abb. 1.6: Der elementare 3-polige Kreislauf, eigene Darstellung

2.2 Arten der Finanzierung

Die folgenden Finanzierungsarten des traditionellen Kapitalmarktes für Start-Ups sind aufgrund Vielfalt nur eine Auswahl der populärsten Methoden.

2.2.1 Kredite

Nach wie vor ist der Bankkredit die wichtigste Finanzierungsart des traditionellen Kapitalmarktes.7 Bei der Gewährung eines Kredites wird Kapital bzw. Kaufkraft für einen bestimmten Zeitraum dem Kreditnehmer (Schuldner) überlassen.8 Der Geldgeber (Gläubiger) lässt sich neben der Rückzahlung diese Überlassung i.d.R. mit Zinsen vergüten. Die Kreditlaufzeit unterteilt sich in kurzfristige (bis ein Jahr), mittelfristige (ein bis fünf Jahre) sowie langfristige Kredite (mehr als fünf Jahre). Anders als bei den meisten Beteiligungsfinanzierungen hat der Kreditgeber keine Mitsprache- oder Kontrollrechte gegenüber dem Kreditnehmer. Neben diesem Ri- siko versucht der Gläubiger auch das Risiko des Tilgungsverzugs oder - ausfalls durch vorangehende Prüfung der Kreditwürdigkeit und der Zusage von Kreditsi- cherheiten zu minimieren. Der Kreditnehmer ist kreditwürdig, wenn der Kreditge- ber erwarten kann, dass der Kreditnehmer seine Verpflichtungen (Tilgung und

Zahlung der Zinsen) vollständig und fristgerecht erfüllt. Hierzu informiert sich die Bank über die Zusammensetzung des Vermögens des Kreditsuchenden (z.B. „Goldene Bankenregel“ usw.) sowie Grund für den Kreditantrag (z.B. Investitionen für eine Unternehmenserweiterung usw.). Kreditsicherheiten werden bei Insolvenz des Kreditnehmers liquidiert und decken komplett oder teilweise die Ansprüche gegenüber dem Schuldner. Zudem beeinflussen die hinterlegten Sicherheiten das Verhalten des Kreditnehmers. Die Kreditsicherheiten können in Personal- (z.B. Bürgschaft) und Realsicherheiten (Sicherungsübereignung) unterteilt werden, die wiederum jeweils in akzessorische (für einen Kredit geltend) sowie fiduziarische Sicherheiten (für mehrere Kredite geltend) unterschieden werden können.

2.2.2 Venture Capital

Eine weitere Finanzierungsmethode des traditionellen Kapitalmarktes ist Venture Capital (Risikokapital, Wagniskapital). Dieser Teilbereich des Private-Equity- Geschäftes beteiligt sich mit Kapital an jungen, innovativen, nicht börsennotierten Unternehmen, die sich trotz z.T. unzureichender laufender Ertragskraft durch ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial auszeichnen.9 Die meist institutionel- len Investoren legen ihr Kapital in einen Venture Capital Fonds an, welcher von einem professionellen Investmentmanager betreut wird.10 Dieser investiert dann direkt in die Unternehmen. Es ist hierbei nicht unüblich, dass ein Venture Capital Fonds mehrmals über längeren Zeitraum in ein Start-Up investiert.11 Die Fonds machen eine Investition nicht nur vom Innovationsgrad der Geschäftsidee abhän- gig, sondern investieren bevorzugt in Marktsegmente, bei denen hohe Wachs- tumsraten erwartet werden.12 Für diese hohen Wachstumsraten werden i.d.R. mehrere Jahre ohne positive Rückflüsse in Kauf genommen. Die wesentliche Er- tragskomponente von Venture Capital Fonds basiert somit nicht auf laufenden Di- videndenauszahlungen, sondern aus den erzielbaren Erlösen aus der abschlie- ßenden Beteiligungsveräußerung.13 Der Zeitpunkt der Beteiligung ist in den meis- ten Fällen in der jungen Phase eines bestehenden Unternehmens, da in dieser Phase sowohl bei einem späteren erfolgreichen sowie auch bei einem erfolglosen Unternehmen von einem ähnlich starken Wachstum auszugehen ist.14 Durch W agniskapital geförderte Unternehmen profitieren aber nicht nur durch das Kapi- tal, sondern auch durch den Erfahrungsschatz den die Venture Capital - Geber innerhalb Beratungsleistungen in das Unternehmen miteinbringen.15 Alle Venture Capital - Investments sind zeitlich begrenzt. Beim Ausstieg des Venture Capital Fonds aus dem Unternehmen werden die Anteile entweder an die Gründergesell- schaft zurück (Company Buy Back), an ein anderes Unternehmen mit strategi- schen Interessen (Trade Sale), an eine oder mehrere andere Venture-Capital- Gesellschaften (Secondary Purchase) oder auf dem öffentlichen Aktienmarkt (Ini- tial Public Offering) verkauft.16

2.2.3 Business Angels

Business Angels sind vermögende, unternehmerisch denkende und handelnde Personen, die sich mit eigenem Kapital, Kompetenz und ihrem persönlichen Netzwerk in junge, innovative wachstumsstarke Unternehmen einbringen.17 Im Gegenzug erhalten sie Anteile an den jungen Unternehmen. I.d.R. wird die Investi- tion in ein Start-Up in der Seed- (Vorgründerphase mit Renditemöglichkeiten von 80 % bis 100 %) oder in der Start-Up-Phase (Renditemöglichkeiten von 40 % bis 70 %) getätigt.18 19 Technische, kaufmännische und persönliche Fähigkeiten und der unbedingte Wille, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen, müssen bei dem Gründerteam vorhanden sein, damit ein Business Angel sich für die Beteiligung entscheidet.20 Es gibt viele Überschneidungen zwischen Venture Capital - Geber und Business Angels. So bringen beide neben dem Kapital auch ihr Wissen mit ein und verdienen ihr Geld mit dem späteren Erlös der Anteile. Die Unterschiede sind der Zeitpunkt der Investition, der bei den Business Angels i.d.R. früher ist, und die Kapitalquelle, Venture Capital stammt aus Fonds mit mehreren Invest o- ren, die ihr Geld einem Investmentmanager anvertrauen. Aber auch in der Intenti- on der Investition gibt es Unterschiede. So sollen nur 33 % der Business Angels als oberstes Ziel den Profit sehen.21 Stattdessen weisen viele daraufhin, dass ihnen die Unterstützung, die sie einem jungen Unternehmen anbieten, ein wichti- ges Kriterium ist und dass dies ihnen auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor bietet.22

3. Crowdfunding

3.1 Definition der Begriffe

„Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, die im Wesentlichen über öffentlichen Aufruf im Web 2.0 erfolgt und zum Ziel hat, finanzielle Ressourcen für ein Vorha- ben entweder ohne Gegenleistung oder gegen irgendeine Art von Gegenleistung (finanzielle/materielle Vergütung, immaterielle, ideelle Leistungen und/oder Rech- te, z.B. Stimmrechte) zu erhalten und damit einen bestimmten Zweck erreichen.“ 23 Der Geldsuchende wird als Projektinitiator bezeichnet, während der Geldgeber Crowdfunder genannt wird. Die Crowdfunder (=Anzahl n) können sowohl einzelne

Personen oder Organisationseinheiten (z.B. Unternehmen) sein.24 Crowdfunding- Plattformen treten i.d.R. als Vermittler der beiden Parteien über das Internet auf. Bei dieser Art der Finanzierung gibt der Projektinitiator das Finanzierungsziel (=benötigtes Kapital zur Verwirklichung des Projektes ; K) und den Zeitrahmen, indem das Kapital zusammen kommen muss, vor.25 Innerhalb dieses Zeitrahmens wirbt der Initiator für die Investition (= p je Crowdfunder) in sein Projekt. Erreicht dieses nicht das Finanzierungziel innerhalb der Zeit (np < K), so werden die bisher eingezahlten Gelder, die von der Crowdfunding-Plattform bisher treuhänderisch verwahrt wurden, an die Crowdfunder komplett zurückgezahlt. Erst bei Erreichen des Finanzierungsziels (np > K) erhält das Projekt das Kapital (abzüglich einer Provision für die Plattform) ausgezahlt.

3.2 Entwicklung der letzten Jahre

In den letzten drei Jahren gewinnt Crowdfunding innerhalb Deutschlands immer mehr Aufmerksamkeit. Dies spiegelt sich auch in der Popularität des Suchbegriffs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten26

Abbildung 2 „Google Trends – Crowdfunding Deutschland“ - Quelle: Google Trends

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten27

Abbildung 3 „Finanzierungsvolumen Crowdfunding“ - Quelle: Crowd funding - Monitor und Crowd investing - Monitor, eigene Darstellung

Crowdfunding in der Internet-Suchmaschine Google wider. Das Interesse der In-ternetnutzer stieg von September 2010 bis Juli 2013 stark an. Dies ist für die Fi-nanzierung durch Crowdfunding äußerst wichtig, da das Anwerben von Crowdfun-dern i.d.R. über das Netz stattfindet. Auch in dem Volumen der erfolgreich finanzierten Projekte kann man einen rasanten Aufstieg der Finanzierungsform in Deutschland ablesen. Von 2011 bis 2012 hat sich das Volumen zwar mehr als versechsfacht (684 %), befindet sich im Vergleich mit den Volumen der traditionel- len Finanzierungmethoden bei einem Volumen von bisher insgesamt 14.406.194 Euro noch in einem sehr niedrigen Niveau. Ein neues Rekordjahr wird 2013 defini- tiv, da bereits im ersten Halbjahr das Volumen von 2012 übertroffen wurde. Die höchsten Volumen wurden stets von der Unterart Crowdinvesting erzielt. Der An- teil am Volumen im zweiten Quartal 2013 war mit 76,41 % so hoch wie noch nie.28

3.3 Varianten des Crowdfunding

3.3.1 Crowdinvesting / Beteiligung

Crowdinvesting ist eine Variante des Crowdfunding, bei der es um die Finanzie- rung eines Unternehmens durch Beteiligungen in Form von Genussscheinen, sti l- len Beteiligungen und seltener Aktien geht.29 Das Angebot von Beteiligungen an eine breite und nicht Investment-erfahrene Öffentlichkeit wird allerdings von fast allen Ländern durch hohe rechtliche Anforderungen zum Schutz der Investoren stark reguliert.30 Um diese zu umgehen behelfen sich viele Start-Ups mit anderen Gewinnbeteiligungsmodellen oder der Gründung eines Investorenclubs, wodurch die Mitglieder als qualifizierte Investoren auftreten können.31 Dies entschärft die Regularien.

3.3.2 Peer-to-Peer Kredit

Bei der Ausprägungsform des Peer-to-Peer (=von Privatperson zu Privatperson, kurz P2P) Kredites gewähren i.d.R. mehrere Crowdfunder (Gläubiger) direkt, ohne die Einbindung eines Finanzinstitutes, einen Kredit an den Kapitalsuchenden (Schuldner). Anders als bei Bankkrediten müssen i.d.R. keine Sicherheiten hinterlegt werden.32 Um das dadurch erhöhte Risiko zu streuen, kann der Crowdfunder sein Kapital auf mehrere Kreditgesuche aufteilen. Da mehrere Crowdfunder die Gläubiger sind, entwickelt sich ein ähnlich sicherer Prozess hinsichtlich der Überwachung wie bei Bankgeschäften.33 Die zwischengeschalteten CrowdfundingPlattformen sowie die Crowdfunder die regelmäßig Kredite vergeben müssen jedoch das Kreditwesengesetz beachten, da der Übergang in gewerblicher Kreditvergabe bzw. Kreditvermittlung schnell erreicht ist.34

3.3.3 Pre-Selling / Vorbestellung

Das Vorbestellungs- oder auch Pre-Selling oder Pre-Ordering- Modell ist die bekannteste und verbreitetste Variante des Crowdfunding. Formal handelt es sich hierbei um einen Kaufakt mit Vorauszahlung.35 Durch die Vorab-Unterstützung wird es dem Projektinitiator ermöglicht die Produktion seines Produkts oder die Entwicklung dieses durchzuführen.36 Hierbei kann es sich auch um eine Dienstleistung handeln. Zudem erhält der Initiator Informationen bzgl. der Nachfragestruktur, was ihm das Fehlen von einer eigenen Marktforschung bzw. Marketingabteilung zum Teil kompensieren kann.37

3.3.4 Spende

Über Crowdfunding können auch Spendensammlungen für rein karitative Projekte stattfinden. Sie sind nicht kommerziell und mit ihnen ist kein Rechtsgeschäft verbunden, d.h. das keine Verpflichtungen zu Gegenleistungen bestehen.38

3.3.5 Sponsoring

Beim Crowdfunding-Sponsoring sind die Crowdfunder Mikro-Sponsoren, die mit dem Projektinitiator einen Sponsoring-Vertrag eingehen.39 Ziele der Sponsoren sind meist nicht monetäre Gegenleistungen, sondern marketingorientierte wie Steigerung von Bekanntheitsgrad, Markenwerten und Marktanteilen sowie Imageprofilierung.40 Aus diesen Gründen ist das Crowdfunding-Sponsoring eher für gewerbliche Crowdfunder attraktiv.

4. Analyse

In diesem Kapitel soll geklärt werden, ob sich Crowdfunding als absolute Finanzierungsalternative eignet oder nicht. Der Fokus wird hier auf den deutschen Kapitalmarkt gesetzt.

4.1 Aktuelle Finanzierungproblematik für selbstständige Privatpersonen

4.1.1 Problematik bei Krediten

Die Finanzierung eines Start-Ups mithilfe des klassischen Bankkredites bzw. - darlehen fällt jungen Unternehmensgründer immer schwieriger. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Trotz wachsenden Kreditvolumen, bildet sich ein Gefälle bei der Aufteilung dieser Gelder.41 Das steigende Kreditvolumen, vergeben an Unternehmen und wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen innerhalb Deutschlands, spiegelt sich in Abbildung 4 „Kreditvolumen Deutschland“ wider.

[...]


1 Paul Belleflamme, Thomas Lambert und Armin Schwienbacher: Crowdfunding: Tapping the Right Crowd, 13. Februar 2011, S. 2, Internetabruf vom 21. Juli 2013 unter: http://www2.dse.unibo.it/dsa/seminari/610/Crowdfunding_BLS_13Feb2011.pdf

2 vgl. Kapitel 3.2 Entwicklung der letzten Jahre

3 Wolfgang Grill und Hans Perczynski: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, 44. Auflage, Stuttgart 2010, S.13

4 Gerhard Mussel: Einführung in die Makroökonomik, 10. Auflage, München 2009, S. 16

5 Ebenda

6 Abbildung 1 „Drei poliger Wirtschaftskreislauf“ - Quelle: ebenda, Abb. 1.6: Der elementare 3-polige Kreislauf, eigene Darstellung

7 Wing Lam: Funding gap, what funding gap? Financial bootstrapping: Supply, demand and creation of entrepreneurial finance, International Journal of Entrepreneurial Behaviour & Research 16, Bingley 2010, 1. Auflage, S. 71

8 Jörg Berwanger, Reinhold Hölscher und Ulrike Erdmann: Gabler Wirtschaftslexikon, Kredit, Springer Gabler Verlag, Internetabruf vom 29. Juli 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/828/kredit-v9.html

9 Wolfgang Breuer: Gabler Wirtschaftslexikon, Venture Capital, Springer Gabler Verlag, Inter- netabruf vom 30. Juli 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3397/venture-capital- v9.html

10 Ramon DeGennaro: Angel Investors: Who They Are and What They Do; Can I Be One, Too? in The Journal of Wealth Management Nr. 13, Herbst 2010, S. 57

11 Wing Lam: Funding gap, what funding gap? Financial bootstrapping: Supply, demand and creation of entrepreneurial finance, International Journal of Entrepreneurial Behaviour & Research 16, Bingley 2010, 1. Auflage, S. 270

12 Bob Zider: How Venture Capital Works in Harvard Business Review, November - Dezember 1998, Reprint No. 98611, S. 133, Internetabruf vom 30. Juli 2013 unter: https://notes.utk.edu/units/biz/macc/MAccCal.nsf/0/36abe202e19e223e852571370060c1a7/$FILE/ Venture_Capital_Overview.pdf

13 Wolfgang Breuer: Gabler Wirtschaftslexikon, Venture Capital, Springer Gabler Verlag, Inter- netabruf vom 30. Juli 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3397/venture-capital- v9.html

14 Bob Zider: How Venture Capital Works in Harvard Business Review, November - Dezember 1998, Reprint No. 98611, S. 134, Internetabruf vom 30. Juli 2013 unter: https://notes.utk.edu/units/biz/macc/MAccCal.nsf/0/36abe202e19e223e852571370060c1a7/$FILE/ Venture_Capital_Overview.pdf

15 Wolfgang Breuer: Gabler Wirtschaftslexikon, Venture Capital, Springer Gabler Verlag, Inter- netabruf vom 30. Juli 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3397/venture-capital- v9.html

16 Ebenda

17 Wolfgang Breuer, Claudia Breuer und Ann-Kristin Achleitner: Gabler Wirtschaftslexikon, Busi- ness Angels, Springer Gabler Verlag, Internetabruf vom 31. Juli 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/426/business-angels-v8.html

18 Rudy Aernoudt: Executive Forum: Seven Ways to Stimulate Business Angels’ Investment, Vol. 7, 2005, S. 359 ff.

19 BAND Business-Angels-Netzwerk-Deutschland e.V., Was finanzieren Business Angels?, Essen 2006, Internetabruf vom 31. Juli 2013 unter: http://www.business- angels.de/default.aspx/G/111327/L/1031/R/-1/T/134292/A/1/ID/134294

20 Ebenda

21 Ramon DeGennaro: Angel Investors: Who They Are and What They Do; Can I Be One, Too? in The Journal of Wealth Management Nr. 13, Herbst 2010, S. 59

22 Ebenda

23 Joachim Hemer, Uta Schneider, Friedrich Dornbusch und Silvio Frey: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, 1. Auflage, Stuttgart 2011, S.19

24 Ebenda, S. 33

25 Ebenda S. 35

26 Abb. 2 „Google Trends - Crowdfunding Deutschland“, Quelle: Google Trends, Suchbegriff Crowdfunding innerhalb Deutschlands, Internetabruf vom 1. August 2013 unter: http://www.google.com/trends/explore#q=%22Crowdfunding%22&geo=DE&date=1%2F2010%204 3m&cmpt=q

27 Abb. 3 „Finanzierungsvolumen Crowdfunding“, Quelle: Für-Gründer.de: Crowd funding - Moni- tor, Stand 30. Juni 2013, S. 5, Internetabruf vom 1. August 2013 unter: http://www.fuer- gruender.de/fileadmin/mediapool/Unsere_Studien/Crowd_Q2_2013/Crowd_funding- Monitor_H1_2013.pdf

28 Abb. 3 „Finanzierungsvolumen Crowdfunding“, Quelle: Für-Gründer.de: Crowd investing - Moni- tor, Stand 30. Juni 2013, S. 8, Internetabruf vom 1. August 2013 unter: http://www.fuer- gruender.de/fileadmin/mediapool/Unsere_Studien/Crowd_Q2_2013/Crowd_investing- Monitor_Q2_2013.pdf

29 Gründer Szene: Crowdinvesting, Internetabruf vom 2. August 2013 unter: http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/crowdinvesting

30 Joachim Hemer, Uta Schneider, Friedrich Dornbusch und Silvio Frey: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, 1. Auflage, Stuttgart 2011, S.55

31 Paul Belleflamme, Thomas Lambert und Armin Schwienbacher: Crowdfunding: Tapping the Right Crowd, 13. Februar 2011, S. 6, Internetabruf vom 21. Juli 2013 unter: http://www2.dse.unibo.it/dsa/seminari/610/Crowdfunding_BLS_13Feb2011.pdf

32 Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI): Gutachten zur Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands, EFI Gutachten 2013, Berlin 2013, S. 37, Inter- netabruf vom 24. Juli 2013 unter: http://www.e- fi.de/fileadmin/Gutachten/EFI_2013_Gutachten_deu.pdf

33 Craig R. Everett: Group membership, relationship banking and loan default risk: the case of online social lending, Entwurf 15 März 2013, The Krannert School, Purdue University, S. 14, Inter- netabruf vom 5. August 2013 unter: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1114428

34 Gesetz über das Kreditwesen (KWG); § 1 Begriffsbestimmungen

35 Joachim Hemer, Uta Schneider, Friedrich Dornbusch und Silvio Frey: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, 1. Auflage, Stuttgart 2011, S.53

36 Ebenda

37 Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI): Gutachten zur Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands, EFI Gutachten 2013, Berlin 2013, S. 37, Inter- netabruf vom 24. Juli 2013 unter: http://www.e- fi.de/fileadmin/Gutachten/EFI_2013_Gutachten_deu.pdf

38 Joachim Hemer, Uta Schneider, Friedrich Dornbusch und Silvio Frey: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, 1. Auflage, Stuttgart 2011, S.51

39 Ebenda, S. 52

40 Manfred Bruhn: Gabler Wirtschaftslexikon, Sponsoring, Springer Gabler Verlag, Internetabruf vom 5. August 2013 unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/5126/sponsoring-v7.html

41 Deutsche Bundesbank, Bankenstatistik Juni 2013, S. 34, Internetabruf vom 18. Juli 2013 unter: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Statistische_Beihefte_1/ 2013/2013_06_bankenstatistik.pdf?__blob=publicationFile

Details

Seiten
41
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668369351
ISBN (Buch)
9783668369368
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v349839
Institution / Hochschule
Fachhochschule Trier - Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung
Note
1,3
Schlagworte
löst crowdfunding kapitalmarkt finanzierung start-ups

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