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Die Chancen Berlins in der Entwicklung zur globalen Metropole

Seminararbeit 2004 59 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Global-City-Ansatz
2.1 Charakterisierung des Global-City-Ansatzes
2.2 Zugehörigkeit Berlins zum Netz der Global Cities

3 Alternative Wege für Berlin
3.1 Stärken Berlins
3.1.1 Berlin, der Wissenschaftsstandort
3.1.2 Hauptstadt Berlin
3.1.3 Berlin im Zentrum Europas
3.1.4 Kulturmetropole Berlin
3.1.5 Berlin als Medienstandort
3.1.6 Tourismusziel Berlin
3.1.7 Multikulturelles Berlin
3.1.8 Weitere Stärken Berlins
3.2 Aufgaben für Berlin
3.2.1 EU-Erweiterung sinnvoll nutzen
3.2.2 Berlin als Einwanderungsstadt etablieren
3.2.3 Die Wissensbasis Berlins stärken
3.2.4 Attraktivität der Stadt für die Jugend fördern
3.2.5 Soziale Differenzen bekämpfen
3.2.6 Stärkung der Region
3.2.7 Unternehmensgründungen unterstützen
3.2.8 Nachhaltiges Wirtschaften
3.2.9 Aufgaben Kommunizieren
3.3 Leitbilder für Berlin

4 Fazit

1 Einleitung

Berlin. Das obenstehende Zitat zeigt deutlich, wie hoch die Erwartungen an diese Stadt gewachsen sind. In kürzester Zeit ist sie vom traurigen, fast leblosen Symbol des kalten Krieges zu dem Hoffnungsträger Deutschlands für den Übergang ins 21. Jahrhundert gewachsen.

Dass sich solche Zukunftsvisionen inzwischen deutlich relativiert haben, ändert aber nichts an der Sache, dass sich die Stadt immer noch in einer Art Neufindungsphase befindet, auf der Suche nach einem Profil bzw. einer Rolle, die sie in Zukunft spielen kann.

Diese Arbeit soll nun klären, inwieweit Berlin schon mit den Weltmetropolen, wie New York, London oder Tokio mithalten kann bzw. wie der Weg aussehen könnte den die Stadt in Zukunft beschreiten wird.

2 Der Global-City-Ansatz

Zu Beginn soll geklärt werden, ob Berlin dem Netz der so genannten „Global Cities“ angehört. Hierfür werden zuerst die Charakteristika der Global Cities herausgestellt und anschließend mit den Begebenheiten, die in Berlin anzutreffen sind, verglichen.

2.1 Charakterisierung des Global-City-Ansatzes

Der moderne Global-City-Ansatz wurde im wesentlichen in den achtziger Jahren von John Friedmann in den USA entwickelt. Er stellt den Zusammenhang von Stadtentwicklung und weltwirtschaftlicher Entwicklung heraus und geht davon aus, dass zwischen dem weltweiten Netz der Städte eine enge Beziehung besteht.

Der eigentliche Begriff der „Global City“ ist dann aber erst 1991 von Saskia Sassen in ihrem Buch „The Global City – New York, London, Tokyo“ geprägt worden. Sie stellt hierin Städte in den Zusammenhang wirtschaftlicher Globalisierung. Hierbei stehen New York, London und Tokio an der Spitze einer Städte-Hierarchie, die sich nach dem Grad der Internationalisierung des städtischen Banken- und Unternehmenssektors und damit nach der Reichweite der Direktions- und Kontrollpotentiale richtet. Sassen definiert später die Global Cities als „zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen, wie sie für die Durchführung und das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten erforderlich sind. In ihnen konzentrieren sich tendenziell auch die Konzernzentralen insbesondere von Unternehmen, die in mehr als einem Land tätig sind. Die Zunahme der internationalen Investitions- und Handelstätigkeit sowie der damit einhergehende Bedarf an Finanzierungs- und Dienstleistungsangeboten förderte die Zusammenballung dieser Funktionen in größeren Städten. Da der Staat anders als noch vor einigen Jahren, als die internationalen Transaktionen vorwiegend im Warenhandel bestanden, keine zentrale Rolle mehr spielt, werden manche organisatorischen und Dienstleistungsaufgaben nunmehr von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen und den globalen Finanz- und Dienstleistungsmärkten übernommen"[1].

Bei der Annahme, Globalisierung führe zur Erweiterung des wirtschaftlichen Aktionsraumes und damit zu einem weltweiten System von Produktion und Märkten, stellt das Städtenetz dessen räumliche Artikulation dar. Global Cities sind somit die räumlich verankerten Knotenpunkte zur Kontrolle und Koordination der weltweiten ökonomischen Aktivitäten. Sie sind Standorte von Hauptquartieren des Unternehmens- und Finanzsektors sowie vielfältiger unterstützender Dienstleistungsunternehmen.

Hieraus lassen sich folgende zusammenfassende Kriterien für eine Global City ableiten:

- Die Global City ist ein Zentrum des internationalen Finanzkapitals.
- Die Global City ist der Sitz von Hauptquartieren transnationaler Unternehmen.
- Die Global City ist Standort eines schnell wachsenden Sektors unternehmensorientierter Dienstleistungen.
- Die Global City gehört zu einem urbanen Netzwerk mit anderen Global Cities.
- Die Global City besitzt eine bedeutende Einwohnerzahl.

Die Einwohnerzahl als Kriterium für eine Global City spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Für Sassen erfüllen Global Cities drei wichtige Aufgaben[2]. Zum einen konzentrieren sich in ihnen wichtige Steuerungsfunktionen. Die durch die Informationstechnologien möglich gewordene Streuung der Wirtschaftstätigkeiten macht die Städte nicht überflüssig, denn diese territoriale Streuung schafft einen Bedarf an umfassenden zentralen Kontroll- und Managementfunktionen. Des weiteren fungieren die Global Cities als „postindustrielle Produktionsstätten der führenden Gewerbezweige unserer Zeit, des Finanz- und spezialisierten Dienstleistungsgewerbes“[3]. Als drittes nennt Sassen die Funktion als transnationaler Marktplatz, auf dem Unternehmen und Staaten Finanzinstrumente und spezielle Dienstleistungen erwerben können.

2.2 Zugehörigkeit Berlins zum Netz der Global Cities

Nachdem geklärt wurde, was Global Cities kennzeichnet muss nun untersucht werden, welche Rolle Berlin überhaupt im Netz der Global Cities spielt.

Ein Kriterium für eine Global City ist, dass sie ein Zentrum des internationalen Finanzkapitals darstellt. In Berlin haben aber gerade einmal sieben der 100 größten deutschen Kreditinstitute ihren Sitz[4]. Davon liegt keine einzige in den Top 10. In Frankfurt am Main dagegen sind allein sechs der zehn größten deutschen Banken beheimatet. Diese Statistik wird durch Abbildung 1 des DIW Berlins noch untermauert. Hiernach ist „der Banken- und Versicherungssektor [...] im Rhein-Main-Gebiet bzw. in der Region München rund viermal so stark wie in Berlin“[5].

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: nach DIW Wochenbericht 10/2002

Dieser Umstand deutet ebenfalls auf den Fakt hin, dass Berlin arm an Konzernzentralen international tätiger Unternehmen ist. So haben die zwanzig größten deutschen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ihren Hauptsitz nicht in Berlin[6]. Die Deutsche Bahn AG bildet hierbei die einzige Ausnahme.

Das dritte Kriterium, die Global City als Standort eines schnell wachsenden Sektors unternehmensorientierter Dienstleistungen, trifft ebenfalls kaum auf Berlin zu. Denn Abbildung 1 zeigt ebenfalls, „dass Berlin im Vergleich zu den westdeutschen Dienstleistungszentren trotz des Entwicklungsschubs Anfang der 90er Jahre in fast allen Bereichen immer noch weit zurückliegt“[7]. Auch beim Wachstum in diesen Branchen fällt Berlin gegen die führenden Regionen Deutschlands zurück, wie Abbildung 2 zeigt.

Abbildung 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: nach DIW Wochenbericht 10/2002

Besonders deutlich ist dies im Fall des Finanzsektors und der Beratungsdienstleistungen zu erkennen. „Die traditionell führenden Regionen Rhein-Main und München wachsen hier jeweils deutlich schneller [...]“[8]. Berlin verliert bei den überregional orientierten Dienstleistungen relativ zu den anderen Regionen Deutschlands an Bedeutung und im Bereich des Finanzsektors sogar absolut an Beschäftigten. Das DIW folgert daraus, „dass es zu einem [...] Aufholprozess Berlins gar nicht kommen wird, da diese Dienstleistungen bereits von den etablierten Regionen in konzentrierter, kompetenter und ausreichender Form erbracht werden“[9].

Zusammenfassend lässt sich also sagen, das Berlin die wichtigsten Kriterien, die eine Global City ausmachen, nicht erfüllen kann. Die geringe Bedeutung Berlins als Finanzzentrum, das Fehlen von Konzernzentralen großer, international tätiger Unternehmen und der schwache Dienstleistungssektor sprechen gegen die Teilhabe der Stadt am Netz der Global Cities. So sagt auch Saskia Sassen selbst, „dass Berlin kein Teil des Raumes für das Management, den Betrieb etc. des globalen ökonomischen Systems ist [...]. In dieser Hinsicht ist Berlin keine Global City. Diese Funktion fällt in Deutschland Frankfurt zu; die Stadt am Main ist das Eintrittstor und der Umschlagplatz für die deutsche Wirtschaft. [...] Berlin liegt nicht vollständig abseits von dieser Art Management“, aber „insgesamt [...] eindeutig am Rand“[10].

[...]


[1] Sassen 1996, S. 39

[2] vgl. Sassen 1996, S. 40

[3] Sassen 1996, S. 40

[4] vgl. Bundesverband deutscher Banken 2003

[5] DIW Berlin 2002, S. 167

[6] vgl. F.A.Z. 2004, Nr. 154, S. U 2

[7] DIW Berlin 2002, S. 167

[8] DIW Berlin 2002, S. 167

[9] DIW Berlin 2002, S. 167

[10] Sassen 2000, S. 17

Details

Seiten
59
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638349789
ISBN (Buch)
9783638698603
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34890
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Chancen Berlins Entwicklung Metropole Seminar Regionalanalyse Berlin/Brandenburg

Autor

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