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Der Islam in der westlichen Sichtweise – oder: Märchen aus 1001 Nacht. Vorurteile und Einstellungen zum Islam

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Begriffsklärungen
Ethnozentrismus
Evolutionismus
Orientalismus

II. Das Bild des Islams – eine empirische Untersuchung

III. Feindbild Islam

Abschluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Spätestens seit der Ereignisse vom 11. September 2001 wird in der Öffentlichkeit dem Thema Religion, oder spezieller dem Islam, mehr Aufmerksamkeit geschenkt als ihm je zuvor entgegen gekommen ist.

Doch woher kommt auf einmal das Interesse für dieses weitreichende Gebiet?

Ist Terrorismus und auch Unvereinbarkeit mit westlichen Lebensweisen ein neues Synonym für den Islam? Oder ist dies alles nur ein Märchen aus 1001 Nacht?

Was treibt die westlich sozialisierten Menschen dazu eine große Religion, wie auch ,unser Christentum’ es eine ist, und somit die Gläubigen dieser zu verdammen und gleichzeitig vor einer Gefahr zu warnen, die uns „in die Katastrophe führt, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird“[1].

Mit dieser Hausarbeit möchte ich nicht eine Wertung der Ereignisse vornehmen oder bestimmte Aussagen kritisieren, sondern nur zum kritischen Nachdenken über die eigenen Vorurteile und die Autorität bestimmter Quellen und deren Authentizität als auch Objektivität anregen. Die oben gestellten Fragen sollen dabei zum eigenen Nachdenken anregen und es kann keine richtige Beantwortung erwartet werden.

Es soll in der Arbeit erst eine Bestimmung von Begriffen, wie Ethnozentrismus, Evolutionismus und Orientalismus vorgenommen werden. Mit diesen wird dann versucht anhand einer empirische Studie und Veröffentlichungen über den Islam einige Gesellschaftsbilder aufzuzeichnen und Perspektiven in den Raum zu stellen.

Aufgrund der großen Bandbreite des Themas kann in solch einer Hausarbeit natürlich nur ein Teil aufgezeigt werden. Außerdem ist anzumerken, dass auch die Forschung darüber selber noch in den Anfängen steckt.

I. Begriffsklärungen

Ethnozentrismus

Der Ethnozentrismus[2] ist eine emotionale Überzeugung des Menschen, dass seine soziale Gemeinschaft oder Kultur das Zentrum der hochentwickelten Welt ist. Das heißt, dass jede andere Kultur der seinen nicht ebenbürtig ist. Sie ist rückständig, schlecht, dumm und stellt eine Gefahr dar. Auf der Seite des Individuums äußert sich dies in einer Überlegenheit vor dem Gegenüber. Man kann damit sagen, dass hier eine prinzipielle Einstellung vorliegt und keine bloße Ablehnung bestimmter anderer Systeme stattfindet.

Der Eigenname eines Volkes bedeutet oft auch nur Mensch, da man nur sich selbst als die eigentlichen Menschen ansieht.[3]

Ethnozentrismus muss damit aber nicht zwangsläufig etwas negatives sein. Er dient ja immerhin dazu, durch die Abgrenzung das eigene Sein zu konstruieren und stabilisiert dieses auch gleichzeitig, da ja das eigene System das Ideale ist und das andere das Minderwertige. Hierin ist auch die hauptsächliche Funktion des Ethnozentrismus zu sehen.

Diese Bestandteile sind natürlich legitime Einsatzmittel für ein Negativ-Verhalten gegenüber einer anderen Kultur, da der Ethnozentrismus ein universelles Phänomen ist und somit auch keiner expliziten Bestätigung bedarf.

In der Politik lässt sich damit wohl am besten die Propaganda erklären. Die inneren Probleme sollen damit überdeckt bzw. kompensiert werden, und es wird versucht dadurch die Kräfte zu bündeln.

Dies kann sicher auch unter dem Hintergrund von Religion geschehen.

Der westliche Zentrismus ist dabei durch eine Polarisierung in gut (wie sich der Westen selber sieht; der Okzident) und schlecht (die anderen; der Orient) in Verbindung mit dem Glauben an eine lineare und kulturelle Entwicklung verknüpft.

Evolutionismus

Hierin verkörpert[4] sich eine Idee und Forschungsrichtung, die ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert hat. Dabei geht es hauptsächlich darum, dass sich alle Kulturerscheinungen aufgrund bestimmter Gesetzmäßigkeiten entwickeln. Dabei wurde versucht Entwicklungsreihen aufzustellen, die sich vom Einfachen oder auch Primitiven zum Komplizierten oder auch Hochentwickelten darstellen.[5]

Natürlich kann man hier den unterlegenen Kulturbegriff anderer Kulturen aus dem universellen Ethnozentrismus nicht von der Hand weisen, da dies meist zusammen auftritt.

Durch diese Theorie wurde das bis dahin mehr oder weniger statische Weltbild in ein neues modernes und dynamisches Weltbild transformiert.

Die Geschichte ist also stetige Fortentwicklung bis hin zur Vervollkommnung. Diese herrscht dabei bei den vielen Theoretikern in ihrer eigenen Kultur und Zeit vor, was meiner Meinung nach nicht gerade überraschend ist. In ihrer Kultur ist also an diesem Prozess der Entwicklung nicht mehr viel zu ändern.

Eine gewisse Meßlatte für die Vervollkommnung gibt dabei die Technologie. Natürlich befindet sich die westliche (USA und Europa) Seite hierbei in ihrem eigenen Denkmodell an der Spitze. Schließlich entdecken sie ja andere Kulturen, reisen, forschen und erfinden neue Technologien. Oder?6

Der Okzident befindet sich also so zu sagen in der Zukunft des Orients, oder anders herum betrachtet befindet sich der Orient in der Vergangenheit des Okzidents. Daher erscheint es verständlich, dass man sich andere Kulturen für seine Forschung im theoretischen wie auch praktischen Sinne sucht. Es erscheint somit rechtens, wenn nicht sogar Pflicht zu sein, den ‚armen, kleinen’ Kulturen zu helfen. Dabei werden die europäische und amerikanische Sichtweise aufgezwungen. Unterentwickelt ist dabei jedoch nicht etwas negatives, sondern eher durch eine zeitliche Distanz zu verstehen. Diese Kulturen werden ja noch die westliche Entwicklungsstufe erreichen. Ein passender Vergleich wäre hier das Verhältnis Eltern und Kinder. Die Kulturen sind also wie bei Rousseau die ‚edlen Wilden’, die sich noch im Naturzustand befinden und von da herausgeführt werden sollen oder müssen.

Die Verschiedenheit von Kulturen wird dabei natürlich unterschlagen, da man ja auf Grund des Maßstabs alles versucht zu vereinheitlichen.

Es gibt zwar immer einen Wandel und eine Entwicklung. Jedoch sind diese nicht zielgerichtet. Genau diese Überzeugung der rechten Zielrichtung befindet sich jedoch auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen. Im Westen ist dies natürlich die Industriegesellschaft, die sich nun schon seit einigen Jahren von der Kommunikationsgesellschaft ablösen lässt.

Hierbei sei nur angemerkt, dass sicher ähnliche Denkmuster Leitmotive für die Terroristen sind. Dabei soll dies jedoch keine Negierung, sondern eher nur ein Aufzeigen radikaler Ansätze sein.

Orientalismus

Der Begriff Orientalismus ist in seinem ganzen Umfang nur sehr schwer zu fassen, da er sehr von Ort und Zeit abhängig ist. Zum Beispiel reichte der britische Orient im 19. Jahrhundert bis nach China, wobei heute niemand sofort China mit dem Orient in Verbindung bringen würde. Heute gehört geographisch gesehen eher Nordostafrika (speziell Ägypten) und Vorderasien (wobei hier eher das Herrschaftsgebiet des Islams zu betrachten ist) dazu.

Inhaltlich gesehen ist hierbei die Orientfaszination des Westens eine spezielle Ausprägung des Exotismus.

„Exotismus ist eine allgemeine Geisteshaltung, die die Menschen anderer Völker und die Leistungen fremder Kulturen in erster Linie als Kuriosa begreift, die nur dazu dienen, den Hunger nach neuen Zeitbildern zu befriedigen. Die Neugier, die man in Europa allem Fremden entgegen brachte, zeugte oft weniger von der Bereitschaft, eine andere Kultur zu verstehen, als vielmehr von dem Interesse an der eigenen Gesellschaft, für deren Unzulänglichkeiten man Gegenmodelle suchte.“[7]

Hierbei spielen jedoch weniger eigene Erfahrungen im direkten Zusammentreffen eine gewichtige Rolle, sondern eher Sekundärquellen im Sinne von Literatur, Kunst und ‚Wissenschaft’ als auch dem Medium Fernsehen.

Besonders prägend für viele sind hierbei die Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“, die in der Zeit der Jahre 1704-1717 von Antoine Galland, einem Mitarbeiter der Bibliothèque Orientale, sehr frei ins französische übersetzt wurden. Später gab es dann an Hand dieser

Vorlage dann noch Übersetzungen ins Englische und Deutsche.

Durch diese wurde bewirkt, dass man sich die islamische Welt vom Antichrist als heiter, sinnlich, geheimnisvoll und anmutig vorstellte. Den eigenen Phantasien wurde dabei noch viel Spielraum gegeben. So, dass Motive für Reisen eigentlich nur nach Bestätigung seiner eigenen exotischen Phantasien entsprangen. Diese besonders selektive Darstellung fand dann noch Untermalung durch deutsche Schriftsteller wie Nietzsche, Herder und Goethe, die eben diese Märchen für ihre Verarbeitung des Orients nutzten.

[...]


[1] A. Mertensacker, Muslime erobern Deutschland – Eine Dokumentation, Lippstadt 1998, 7.

[2] Vgl. A. Czerny, A. Kappel, S. Kuske, „Das Orientbild des Westens“, in: Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft, Der Islam in den Medien, Gütersloh 1994, 17/18.

[3] siehe Ethnozentrismus auf http://www20.wissen.de/xt/default.do

[4] Vgl. A. Czerny, A. Kappel, S. Kuske, „Das Orientbild des Westens“, in: Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft, Der Islam in den Medien, Gütersloh 1994, 18-20.

[5] siehe Evolutionismus auf http://www20.wissen.de/xt/default.do

[6] die Frage ist hierbei nicht als Wertung zu verstehen, sondern soll eher zum Nachdenken anregen

[7] Vgl. A. Czerny, A. Kappel, S. Kuske, „Das Orientbild des Westens“, in: Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft, Der Islam in den Medien, Gütersloh 1994, 21-29.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638121385
ISBN (Buch)
9783668105263
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3476
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Religionswissenschaftliches Institut
Note
bestanden
Schlagworte
Islam Sichtweise Märchen Nacht Einführung Muslime Jahrhundert

Autor

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