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Keynesianismus. Der Ausweg aus der Krise?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 19 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hintergrund und historische Einordnung
Die Weltwirtschaftskrise von 1929

2. Das Theoriegebäude von John Maynard Keynes

3. Grundlegendes
3.1 SchülerInnen und WeiterdenkerInnen

4. Zentrale Konzepte
4.1 Effektive Nachfrage
4.2 Die Bedeutung des Geldes
4.3 Dynamik und wirtschaftliche Entwicklung
4.4 Die Abwrackprämie als fiskalpolitischer Eingriff

Methodologische Grundlagen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der keynesianischen Wirtschaftstheorie deren Genese in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts liegt. Die Grundlagen für diese Wirtschaftstheorie, auf denen alle nachfolgenden Strömungen des Keynesianismus aufbauen, entwarf der britische Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes.

Im Fokus der Hausarbeit stehen die einzelnen Paradigmen des Postkeynesianismus, der sich als die unmittelbarste Weiterentwicklung des Keynesianismus versteht.

Das Hauptaugenmerk liegt hierbei insbesondere auf der Abgrenzung zu der klassischen Wirtschaftswissenschaft der Neoklassik, der unter anderem von Seiten der Anhänger Keynes vorgeworfen wird, wirtschaftswissenschaftliche Modelle auf Basis kaum nachweisbarer Argumente um ihrer selbst Willen zu schaffen. Auch die Annahme der Neoklassik, dass eine Selbstregulierung des Marktes für eine Vollbeschäftigung in einem Wirtschaftssystem sorgt weist der Postkeynesianismus vehement zurück. Vielmehr verweist der Postkeynesianismus auf die Möglichkeit von staatlichen Interventionen die durch antizyklische fiskalpolitische Eingriffe zu einer Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einer Volkswirtschaft führen.

Darauf aufbauend wird ein solcher fiskalpolitischer Eingriff, der 2009 von der deutschen Bundesregierung vorgenommen wurde, vorgestellt und kritisch auf seine Wirksamkeit analysiert.

Abschließend wird zusammenfassend auf die methodologischen Grundlagen und die Vorgehensweise des Postkeynesianismus eingegangen. Ein kurzes Fazit im Anschluss, beschließt die Hausarbeit.

1. Hintergrund und historische Einordnung

John Maynard Keynes wurde am 5. Juni 1883 in Cambridge, Großbritannien geboren. Sein Vater war Dozent für politische Ökonomie und Kanzler der Universität Cambridge, seine Mutter war eine der ersten Studentinnen in Cambridge der damaligen Zeit.

Im Jahre 1902 nahm John Keynes am Kings College in Cambridge sein Studium in Geschichte, Philosophie und Mathematik auf und wechselte 1905 in den Bereich der Nationalökonomie.

Nach Beendigung seines Studiums nahm Keynes zunächst eine Stelle in dem Britischen „Indien-Ministerium“ an, bis er dann 1909 eine Lehrtätigkeit als Dozent am Kings

College aufnahm.[1] Schon zwei Jahre später wurde John Keynes als Herausgeber des Economic Journal, eines der führenden ökonomischen Magazine Englands, gewählt. Dieses Amt bekleidete Keynes bis zum Ende seines Lebens (1946).[2]

Nachdem er im Jahre 1913 Mitglied der Royal Comission on Indian Finance and Economy wurde, berief man ihn ein Jahr später zum Berater des Schatzamts, welches er in Fragen zur Finanzierung von Kriegslasten in Bezug auf den ersten Weltkrieg beraten sollte. Während seines Aufenthaltes in Versailles 1919 im Zuge der Verhandlungen um die Versailler Friedenverträge, an der er als Vertretung für das Schatzamt des vereinigten Königreichs teilnahm, beschloss er dieses Amt niederzulegen, da er der Meinung war, dass die Reperationsvereinbarungen, welche dort getroffen wurden, unverantwortlich seien. Das Werk „The Economic Consequences of the Peace“, welches er daraufhin veröffentlicht, zog rasch die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich und ließ in blitzartig weltweit bekannt werden.

Angetrieben von seinem Erfolg und der großen Zustimmung, die er in Kreisen der Ökonomen Englands und der ganzen Welt erfuhr, engagierte sich Keynes weiterhin auf höchster politischer Ebene und kritisierte 1925 in seinem Artikel „The Economic Consequences of Mr. Churchill“ die Rückkehr Großbritanniens zum Goldstandart.[3]

Er stellt sich in diesem Aufsatz vehement gegen die Politik des damaligen Schatzkanzlers Winston Churchill und weißt darauf hin, dass die Rückkehr zum Goldstandart mit dem überhöhten Vorkriegskurs von 1914 eine negative Auswirkung auf Konjunktur und Arbeitsplätze nach sich ziehen würde.[4]

Der New Yorker Börsencrash von 1929, der eine weltweite Krise auslöste und den Einfluss von sowohl der Klassik als auch der Neoklassik in wirtschaftstheoretischen Belangen nachhaltig einen Schlag versetzte, bewegte Keynes dazu sich noch intensiver um eine Lösung für solch schwerwiegenden Krisen zu bemühen und einen Weg abseits der weit verbreiteten Paradigmen der Klassik und Neoklassik zu finden, um persistente Ungleichgewichte wie z.B. steigende Arbeitslosigkeit weitgehend zu vermindern.[5]

Im Jahre 1936 veröffentlichte John Keynes sein wichtigstes Werk die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ (engl. Originaltitel: „The General Theory of Employment, Interest and Money), welches später wegweisend für die Wirtschaftstheorien des Keynesianismus wird und heute als sein wirtschaftswissenschaftliches Hauptwerk gilt.[6]

Die Weltwirtschaftskrise von 1929

Zwischen 1921 bis 1929 erweckten die USA den Eindruck als gehe es der US-Amerikanischen Volkswirtschaft so gut wie keiner anderen Volkswirtschaft der Welt, trotz der Prohibition und des um sich greifenden Gangstertums. Niemals zuvor war das industrielle Wirtschaftswachstum der führenden Wirtschaftsnation so rasant wie zu dieser Zeit. Die Politik und Finanzwelt verbreiteten unablässig Zuversicht und versprachen dauerhaften Wohlstand der Bevölkerung. Gegen Ende des Jahrzehnts wurde der Boom zu allgemeinen Euphorie. Während in Europa der Kauf eines Automobils lediglich der Oberschicht und somit der reichen Gesellschaft vorbehalten war, hatten es die Amerikaner durch die Einführung neuer Produktionsmethoden, wie etwa der Fließbandproduktion, bereits zu einer Massenproduktion gebracht, welche einen Massenkonsum ermöglichte. Das Automobil rückte in den USA immer mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft und versinnbildlichte den wirtschaftlichen Aufschwung der damaligen Zeit. Dies wiederrum ging mit einer raschen Weiterentwicklung des Kreditwesens einher. Verbraucherkredite, welche den Kauf eines Automobils oder anderer Konsumgüter ermöglichten, die in Europa für die Mittel- und Unterschicht nicht zugänglich waren, in Amerika dank des Wirtschaftsaufschwungs jedoch immer schneller zur Normalität wurden, entwickelten sich zu einer Selbstverständlichkeit.

Auch die Landwirtschaft verzeichnete einen deutlichen Fortschritt in der Produktivität, beeinflusst durch eine immer stärkere Technisierung des Sektor und die Weiterentwicklung effizienter Düngeprodukte. Eine plötzliche Stagnation der weltweiten Nachfrage nach Produkten wie Weizen, bei steigender Produktivität des dritten Sektors in den USA, führte zu einem enormen Preisverfall agrarwirtschaftlicher Erzeugnisse auf den US-amerikanischen Märkten. Durch die entstandenen Nachfrage-Engpässe konnten Kreditvereinbarungen, seitens der Landwirte, mit Banken nicht eingehhalten werden, wodurch diese ihrerseits in eine Krise stürzten.

Auch der Industriesektor verzeichnete einen ähnlichen Abfall der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage weltweit. In der Folge waren über 100.000 Industriebetriebe dazu gezwungen Konkurs anzumelden und eine Welle von Massenentlassungen erschütterte die Amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft.[7]

Ein weiteres Problem stellte gleichzeitig der Aktienhandel auf dem amerikanischen Börsenparkett dar. Eine Lawine von Spekulationen wurde durch den blitzartigen Wirtschaftsaufschwung losgetreten und ermutigte nicht nur Großanleger und Unternehmen, sondern auch zahllose Kleinanleger und Laien ebenfalls ihr Geld in Aktien anzulegen. Unmengen an Krediten wurden aufgenommen, um teilzuhaben an dem vermeintlichen Millionengeschäft. Man sprach damals von „eternal prosperity“, dem ewigen Wohlstand. Dieser Irrglaube sollte sich wenig später jedoch rächen. Der nun einsetzende Trend entwickelte sich schnell zu einem unkontrollierten Hype und löste in der Folge eine entsprechende Überbewertung sämtlicher börsennotierter Unternehmen aus.[8]

Als die Stimmung in sämtlichen Wirtschaftszweigen der USA, durch die enormen Einbrüche am Markt, langsam zu kippen drohte, setzte eine Massenpanik unter den Anlegern an der Wallstreet ein und man versuchte nun seine Aktien um jeden Preis abzustoßen, um wenigstens die von den Banken gewährten Kredite decken zu können.[9]

Der Dow Jones, der seinen Höhepunkt bei 331 Punkten fand, brach in rasendem Tempo ein und pendelte sich erst im Jahre 1932 bei 41 Punkten ein.[10]

Dieser Börsencrash des Jahres 1929 hatte schwerwiegende Folgen für die amerikanische Wirtschaft, sie brach völlig in sich zusammen und eine Massenarbeitslosigkeit breitete sich im ganzen Land aus.

Die extreme Liquiditätsnot, welche die amerikanische Wirtschaft nun ergriff, veranlasste die US-Amerikaner dazu sämtliche Kredite, die nach Europa geflossen waren zurückzufordern. Auch die Tilgung der Schulden, die durch die Schäden des ersten Weltkriegs entstanden waren, sollte fortgeführt werden. Die Wirtschaftskrise, die zunächst nur die USA betraf, griff nun auch nach Europa über und stürzte die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise.[11]

2. Das Theoriegebäude von John Maynard Keynes

Die Wirtschaftstheorie des Keynesianismus richtet sich im Wesentlichen nach dem von John Maynard Keynes begründeten Theoriegebäude (Siehe Abbildung 1). Dieses Theoriegebäude basiert auf drei von ihm persönlich erdachten Grundpfeilern, welche zusammengefasst die Argumentation zur Erklärung, Prävention und Überwindung einer Wirtschaftskrise bieten.

Die drei Grundpfeiler bzw. Säulen bestehen aus der Konsum- beziehungsweise Spartheorie, der Investitionstheorie und der Liquiditätstheorie, welche zusammengefasst die nächste Ebene des Theoriegebäudes, die Krisentheorie begründen. Die Krisentheorie oder auch Krisenerklärung genannt, soll mit Hilfe der drei Basistheorien in der Lage sein eine Erklärung in Form einer Theorie zu schaffen, die Aufschlüsse über mögliche Ursachen und Wirkungen einer Krise, ausgelöst durch den entstandenen Kapitalismus, anbietet. Die oberste Ebene, des von Keynes entwickelte Konstrukts, befasst sich ausschließlich mit der theoretischen Ausarbeitung von Ansätzen zur Bekämpfung und Prävention einer Krise. Hier werden mögliche Wege aus einer Krise, wie etwa die Beschäftigungstheorie, angeboten, die das Ziel einer Verminderung von Massenarbeitslosigkeit, durch die Ergreifung wirtschaftspolitischer Maßnahmen, verfolgen. Entgegen der Meinung der Neoklassik, die postuliert, dass der Kapitalismus als Wirtschaftsform ein absolut intaktes System sei, ist Keynes der Auffassung, dass der Kapitalismus ein System immanenter Krisenhaftigkeit mit dem Hang zur Massenarbeitslosigkeit darstelle. Aber auch in der Entfachung einer sozialistischen Revolution oder der Einrichtung einer sozialistischen Planwirtschaft die etwa der Marxismus als Lösung in der durch den Kapitalismus entstandenen Problematik versteht, nimmt Keynes den Staat als eine Art Koordinator in die Pflicht, der intervenierend durch finanzielle Eingriffe das System der Wirtschaft stabilisieren soll und so einer Krise zuvorkommen kann.[12]

[...]


[1] http://www.whoswho.de/bio/john-maynard-keynes.html

[2] http://www.keynes-gesellschaft.de/wp/keynes-leben-und-werk/lebenslauf-und-biographien/kurzbiographie/

[3] http://www.keynes-gesellschaft.de/wp/keynes-leben-und-werk/lebenslauf-und-biographien/tabellarischer-lebenslauf/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes#Keynes.E2.80.99_wirtschaftspolitische_Grundposition

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes#Keynes.E2.80.99_wirtschaftspolitische_Grundposition

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Theorie_der_Beschäftigung,_des_Zinses_und_des_Geldes

[7] http://geschichte-wissen.de/blog/die-weltwirtschaftskrise-1929-1932/

[8] http://geschichte-wissen.de/blog/die-weltwirtschaftskrise-1929-1932/

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Donnerstag#Zusammenbruch

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Dow_Jones_Industrial_Average#20._Jahrhundert

[11] http://geschichte-wissen.de/blog/die-weltwirtschaftskrise-1929-1932/

[12] Senf, Bernd: Die blinden Flecken der Ökonomie, DTV, München, 2002, S. 199-201.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668365445
ISBN (Buch)
9783668365452
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v347138
Institution / Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter
Note
1.3
Schlagworte
keynesianismus ausweg krise

Autor

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Titel: Keynesianismus. Der Ausweg aus der Krise?