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Fair-Trade im deutschen Einzelhandel

Seminararbeit 2016 13 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Das Konzept und die Bedeutung des Fairen Handels

3 Fair-Prade-Produkte im deutschen Einzelhandel
3.1 Produktangebot und die Bedeutung für den Einzelhandel
3.2 Fair-Trade bei Lebensmittteldiscountern

4 Beliebtheit der Produkte
4.1 Der Absatz von Fair-Trade-Produkten steigt in Deutschland stetig
4.2 Konsumenten achten vermehrt auf die Qualität der Lebensmittel

5 Beispiel Speiseeis von „Ben & Jerry´s“

6 Defizite des Konzepts sowie Kritik an der Vergabe des Fair-Trade-Logos

7 Fazit
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Die Regeln des Welthandels bestimmen die Lebensbedingungen auf dem ganzen Planeten und beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung sämtlicher Länder von Aserbaidschan bis Zypern.“1 Ca. ein Sechstel der Weltbevölkerung (zumeist Bewohner der reichen Länder) hat das Glück, im relativen Wohlstand zu leben, während der Rest (vorwiegend in den Entwicklungsländern) sein Leben in relativer Armut fristet.2 Auch im Zuge der Globalisierung kam es dazu, dass es zu einer wachsenden ungleichen Verteilung der Erlöse des Welthandels kam. Viele Länder der dritten Welt haben im internationalen Handel bis heute das Nachsehen. Das trifft für die Mehrzahl der afrikanischen, aber auch auf einige asiatische und südamerikanische Länder zu. Beispielsweise erhalten Kleinfarmer für ihre Arbeit oft keine angemessene Entlohnung. In diesem Zusammenhang ist das Fair-Trade-Siegel zu erwähnen, welches den Konsumenten die Möglichkeit geben soll, aktiv zu einer gerechteren Verteilung der Handelsgewinne beizutragen. Der Preis für derartige Produkte liegt in der Regel über dem Weltmarktniveau. Das Ziel ist es, den Produzenten in den Entwicklungsländern eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit zu gewährleisten und zudem einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.3

Deutschland galt lange als Nation, welche kaum Geld für Lebensmittel ausgibt.4 Dennoch wächst der Umsatz (Stand 2014) für Fair-Trade-Produkte auch hierzulande stärker denn je.5 Viele Konsumenten möchten demnach ihrer ethischen Verpflichtung nachkommen und aktiv zu einer gerechten Verteilung der Handelsgewinne beitragen. Dementsprechend profitiert auch der deutsche Einzelhandel von dem Verkauf derartiger Produkte. Für den Einzelhandel ist es dementsprechend unabdingbar, entsprechende Artikel im Sortiment zu haben. Dies ist auch erforderlich, um Umsatzeinbrüche zu verhindern und zudem den Ansprüchen und Bedürfnissen der Konsumenten gerecht zu werden.6

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darlegung der Frage, weshalb Konsumenten Fair-Trade-Produkte erwerben und welche Produktangebote es gibt. Des Weiteren wird der Umsatzwachstum dezidiert aufgezeigt und die Bedeutung für den Einzelhandel erläutert. Hierbei wird sich auf den deutschen Lebensmitteleinzelhandel bezogen.

1.2 Vorgehensweise

Zunächst wird dem Leser das Konzept des Fairen Handels erläutert. Darauf aufbauend werden die angebotenen bzw. erhältlichen Fair-Trade-Produkte im deutschen Einzelhandel vorgestellt. Des Weiteren wird auf die verschiedenen Vertriebswege für die Produkte Bezug genommen und dargelegt, weshalb derartige Produkte inzwischen auch bei Lebensmitteldiscountern zu erwerben sind. Anschließend wird dem Leser erklärt, warum die Produkte so gefragt sind und der Kaufpreis hierzulande nicht mehr das entscheidende Kaufkriterium ist. Anhand eines Beispiels (Speiseeis von „Ben&Jerry´s“) wird dem Leser verdeutlicht, was bei der Herstellung/Produktion eines Fair-Trade- Produktes zu berücksichtigen ist, um den vorgegebenen Richtlinien gerecht zu werden. Abschließend werden die Defizite des Konzepts und die Kritik an den Vorgaben für die Vergabe des Siegels aufgegriffen bzw. erörtert.

2 Das Konzept und die Bedeutung des fairen Handels

„Im Rahmen der Globalisierung kam es zu einer wachsenden ungleichen Verteilung der Erlöse des Welthandels.“7 Bis heute sind viele Länder der Dritten Welt im internationalen Handel marginalisiert bzw. ins Abseits geschoben worden. Dies trifft für die Mehrzahl der afrikanischen, aber auch auf einige asiatische und südamerikanische Länder zu. Bestimmte Bevölkerungsgruppen (wie z.B. Kleinfarmer) sind hiervon in besonderem Maße betroffen.

Bislang findet der internationale Handel ganz wesentlich zwischen den Industrienationen statt. Es ist in den vergangenen Jahren wenigen Entwicklungsländern (wie Brasilien, Indien und China) gelungen sich stärker in den Welthandel zu integrieren. Jedoch profitiert hiervon nur eine Minderheit der Bevölkerung. In diesen Ländern bleiben besonders die Kleinfarmer von den Erlösen des Außenhandels ausgeschlossen. Auch die Globalisierung hat dazu beigetragen, dass Entwicklungsländer und ihre wirtschaftliche, ökologische und soziale Situation verstärkt von einzelnen Menschen, aber besonders auch von Nichtregierungsorganisationen, wahrgenommen werden. Diesbezüglich soll z.B. das Fair-Trade-Siegel den Kosumenten die Option verschaffen, zu einer gerechteren Verteilung der Handelsgewinne aktiv beizutragen. Der Preis für Produkte mit dem Siegel liegt in der Regel über dem Weltmarktniveau. Das Ziel ist es, den Produzenten in Entwicklungsländern dadurch eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit zu gewährleisten und ihnen damit einen entsprechenden Lebensstandard zu ermöglichen. Des Weiteren zielt Fair-Trade darauf ab, dass die sozialen Lebensbedingungen von Kleinfarmern verbessert werden. Zudem soll auch ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. Für die Konsumenten in den Industrieländern besteht die Möglichkeit, der ethischen Verpflichtung nachzukommen und bewusst einen Beitrag zur Verbesserung der Situation vieler Menschen in Entwicklungsländern zu leisten.8

3 Fair-Trade-Produkte im deutschen Einzelhandel

3.1 Produktangebot und die Bedeutung für den Einzelhandel

In der Vergangenheit assoziierten Konsumenten mit Fair-Trade hauptsächlich eine Art „Öko-Kaffee“: „Zu bekommen nur in speziellen Läden oder an der Kirchentüre, vor allem für Gutmenschen interessant“.9

Heutzutage wird jedoch eine Vielzahl von Produkten aus Entwicklungsländern angeboten. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Deutschen bewusst nachhaltig einkaufen. Im Jahr 2014 stieg der Fair-Trade-Absatz in Deutschland so stark wie nie zuvor.10 Der Umsatzzuwachs macht deutlich, dass der Einzelhandel die Bedürfnisse der Konsumenten nach nachhaltig produzierten Produkten bedienen sollte, um Absatzeinbrüche zu verhindern.11

Im deutschen Einzelhandel gibt es aus dem Bereich Food: z.B. Tee, Reis, Honig, Zucker, (Trocken-)Früchte, Nüsse und Gewürze. Des Weiteren Süßwaren und verschiedene Getränke wie Säfte und Wein. Im Non-Food-Bereich gibt es Kunsthandwerk, Schmuck, Geschirr und Musikinstrumente. Hinzu kommen Sportbälle, Blumen und mittlerweile auch Textilien aus fair gehandelter Baumwolle.12

Heutzutage haben Fair-Trade-Produkte einen festen Platz im Supermarkt-Regal. Des Weiteren werden diese Produkte aber auch über Weltläden, den Versandhandel, Naturkostläden, Lebensmittelabteilungen einiger Kaufhäuser bzw. Kaufhausketten und institutionellen Einrichtungen (Kantinen oder Behörden) verkauft. Auch in Restaurants, Cafés und Bäckereien werden entsprechende Produkte vermehrt angeboten. So schenkt das international tätige Einzelhandelsunternehmen Starbucks beispielsweise seit dem Jahr 2010 in allen Kaffeehäusern in Europa Espressogetränke aus Fairtrade-zertifizierten Kaffee aus.13

3.2 Fair-Trade bei Lebensmittteldiscountern

Seit 2006 werden führende Lebensmitteldiscounter in Deutschland auch als Vertriebsweg für Fair-Trade-Produkte kontinuierlich und unter stetigem Wachstum ausgebaut. Da über 90 Prozent der Deutschen gelegentlich oder regelmäßig im Discounter einkaufen, ist dieser Vertriebsweg für die Produzentengruppen in den Dritte Welt Ländern enorm wichtig und dementsprechend unumgänglich. Der vom Transfair (Organisation die das Fair-Trade-Siegel vergibt) festgelegte Mindestpreis und die Fair-Trade-Prämie sind für jeden Lizenzpartner einheitlich und unabhängig vom Hersteller oder Vertriebsweg an die Produzenten zu zahlen. Für die Bauern und Arbeiter in den Ländern des Südens ist es daher von Vorteil, wenn sich die Vertriebswege stetig ausweiten, da bei ihnen am Ende die selbe Summe pro verkauftem Artikel ankommt. Die Produkte mit dem Siegel werden im Discounter für den Verbraucher dennoch zu günstigeren Preisen angeboten als in konventionellen Supermärkten oder in Weltläden.14 Diese Entwicklung wird jedoch von der Fair-Handelsorganisation Gepa kritisch betrachtet. Sie äußert sich besorgt, dass die Glaubwürdigkeit von Fair-Trade für viele Konsumenten wegen der teilweise schlechten Umgangsformen mit den Mitarbeitern bei Discountern verloren gehen könnte. Durch das Angebot von Fair-Trade-Produkten versuchen sie, das Image zu verbessern, was Vertrauensverluste bei Fair-Trade-Anhängern verursachen könnte.15

4 Beliebtheit der Produkte

4.1 Der Absatz von Fair-Trade-Produkten steigt in Deutschland stetig

Im Jahr 2015 stieg der Gesamtumsatz mit Fair-Trade-Produkten in Deutschland auf 978 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung bzw. einem Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. Die Branche wächst auf dem deutschen Markt jedes Jahr im zweistelligen Bereich. Der Umsatz hat sich dementsprechend in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht.16 Derartige Wachstumsraten sind in anderen Branchen kaum festzustellen. Das Wachstum wird vor allem durch die Angebote der Supermärkte getrieben, die in den großen Handelsketten zunehmend in den Regalen liegen.17 Bereits im Kalenderjahr 2014 verzeichneten Fair-Trade-Produkte ein Umsatzplus von 26 Prozent. Insgesamt 827 Millionen Euro gaben die Verbraucher in Deutschland 2014 für Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel aus. Dies war rund ein Viertel mehr als im Jahr 2013. Bei der Betrachtung des Volumens kann festgestellt werden, dass der Gesamtabsatz von Produkten mit dem Nachhaltigkeitssiegel um 44 Prozent auf über 102.990 Tonnen gestiegen ist. Jedoch ist trotz der dezidiert erläuterten Zuwächse darauf hinzuweisen, dass Fair-Trade-Produkte im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zwar in einzelnen Regalen in den verschiedenen Betriebsformen erhältlich sind, doch ist der Marktanteil noch sehr überschaubar. So lag beispielsweise der Marktanteil für Kaffee mit dem Nachhaltigkeitssiegel im Jahr 2014 bei 2,9 Prozent. Fair gehandelte Rosen haben den größten Marktanteil. Mit 336 Millionen verkauften Stielen machen sie ein Viertel des deutschen Schnittblumen-Marktes aus. Aufgrund dessen ist Deutschland der größte Markt für Fair-Trade-Rosen.18 Betrachtet man die durchschnittlichen Ausgaben der Deutschen für die Produkte mit dem Nachhaltigkeitssiegel im europäischen Vergleich, hat Deutschland allerdings das Nachsehen. Hierzulande geben Verbraucher nur 13,00 Euro (Stand 2014) für fair gehandelte Produkte aus. Die Briten kommen auf umgerechnet 33,00 Euro und die Schweizer sogar auf 57,00 Euro. Dementsprechend gaben die Schweizer fast viermal so viel wie Verbraucher in Deutschland für Fair-Trade-Produkte aus.19

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1 Steglitz, J.E., Charlton, A. (2006), S. 7

2 Vgl. Steglitz, J.E., Charlton, A. (2006), S. 7

3 Vgl. von Hauff, M., Claus, K. (2013), S. 1-2

4 Vgl. Fründt, S., Grabitz, I., Seidel, H. (2012), Deutsche achten auf hohe Nahrungsmittel-Qualität

5 Vgl. Bundesregierung (2015), "Fairtrade" mehr denn je gefragt

6 Vgl. Vogler, T., Graßer, K. (2015), S. 149

7 Vgl. von Hauff, M., Claus, K. (2013), S. 1

8 Vgl. von Hauff, M., Claus, K. (2013), S. 1-2

9 Vgl. Handelsblatt (2012), Verkauf fairer Produkte wächst um 18 Prozent

10 Vgl. Bundesregierung (2015), "Fairtrade" mehr denn je gefragt

11 Vgl. Vogler, T., Graßer, K. (2015), S. 149

12 Vgl. von Hauff, M., Claus, K. (2013), S. 113

13 Vgl. von Hauff, M., Claus, K. (2013), S. 125-126

14 Vgl. Fairtrade Deutschland, Fairtrade-Produkte bei Discountern, Stand: Oktober 2014

15 Vgl. Fairtrade, Faire Produkte im Discounter - ein Widerspruch?

16 Vgl. Handelsdaten.de, Fairtrade in Deutschland

17 Vgl. Der Tagesspiegel (2015), Die Deutschen kaufen immer häufiger Fairtrade

18 Vgl. Bundesregierung (2015), "Fairtrade" mehr denn je gefragt

19 Vgl. Oer, E. (2015) Faire Rekorde im Supermarkt

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668365780
ISBN (Buch)
9783668365797
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v347015
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule – Hannover
Note
2,0
Schlagworte
FOM Hannover Handel Fairtrade Fair-Trade Fair Lebensmittel Einzelhandel deutschen Einzelhandel

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