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Betrachtung des Vielseitigkeitssports unter Berücksichtigung erneuerter Sicherheitsmaßnahmen

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in den Vielseitigkeitssport
1.1 Ursprung und Historie der Vielseitigkeit
1.2 Prüfungsformen Vielseitigkeitssport

2 Anforderungen an Reiter und Pferd
2.1 Vielseitige Ausbildung als solide Grundlage für Pferd und Reiter
2.2 Intensität des Trainingsaufwands

3 Hohes Unfallrisiko – Maßnahmen für mehr Sicherheit
3.1 Ursachen und Folgen von Unfällen im Vielseitigkeitssport
3.2 Fallbeispiel eines tödlichen Unfalls
3.3 Neuerungen des Reglements für mehr Sicherheit im Gelände
3.3.1 Einführung flexibler Hindernisse
3.3.2 Aufarbeitung der Richtlinien zur Unfallprävention

4 Ausblick und Ziele für die Zukunft des Vielseitigkeitssports

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Prüfungskategorien CCI (oben) sowie CIC (unten)

Abb. 2: Einsatz von Cavalettis während des Dressurtrainings

Abb. 3: Sturz an einem Wasserhindernis

Abb. 4: Klassischer Rennbahnsprung, versehen mit neuer Sicherheitstechnik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in den Vielseitigkeitssport

Anhand der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über den in den Medien doch eher umstrittenen Vielseitigkeitssport verschafft werden. Es gibt wohl kaum eine andere Sportart, in der das Vertrauen zwischen Mensch und Tier eine so tragende Rolle spielt. Gerade dies fasziniert bis heute zahlreiche Reiter und Zuschauer und motiviert dazu, diese Disziplin des Reitsports auszuüben und zu verfolgen. Viele namhafte und erfolgreiche Reiter legen Wert auf eine vielseitige und abwechslungsreiche Ausbildung von Reiter und Pferd. Auf Grundlage von Expertenmeinungen, statistischen Auswertungen, gültigen Regelwerken, sowie eigener Erfahrung im Vielseitigskeits- und Dressursport, sollen die Vorzüge des vielseitigen Reitens betrachtet werden.

Allerdings kursierten in den letzten Jahren und Monaten zahlreiche Berichte von teilweise tödlichen Unfällen in den Medien, insbesondere durch die sozialen Netzwerke. Aufgrund des enormen Unfallrisikos auf der Geländestrecke wird die Vielseitigkeit heutzutage oftmals eher kritisch betrachtet. Der recht hohen Unfallrate soll mithilfe der Einführung neuer Sicherheitsstandards entgegengewirkt werden. Die Arbeit soll sowohl die positiven Aspekte des vielseitigen Reitens aufgreifen, als auch das einhergehende Risiko, sowie die stets wiederkehrenden Unfälle dabei nicht außer Acht lassen.

1.1 Ursprung und Historie der Vielseitigkeit

Die Vielseitigkeit ist die wohl anspruchsvollste und facettenreichste Disziplin im Reitsport. Durch die Kombination der drei Teildisziplinen Dressur, Springen und Gelände werden vielfältige Anforderungen an Reiter und Pferd gestellt. Ursprünglich geht die Vielseitigkeit auf eine Ausbildungsform des Militärs zurück, weshalb sie auch zunächst als „Military“ bezeichnet wurde.[1]

Die Pferde wurden damals hauptsächlich für einen Einsatz zu militärischen Zwecken vorbereitet und trainiert. Bereits seit 1912 ist die Vielseitigkeit eine olympische Disziplin und wurde in diesem Jahr erstmalig in Stockholm ausgetragen. Im selben Jahr wurden erste Regeln und Vorgaben festgelegt, um das sehr hohe Unfallrisiko einzuschränken. Eine Vielseitigkeitsprüfung erstreckte sich damals über insgesamt fünf Tage. Am ersten Tag war eine Strecke von 55 Kilometern in einer Zeit von unter vier Stunden zu absolvieren. Hierbei waren insbesondere Ausdauer, Kraft und Kondition des Pferdes gefragt. Gleich im Anschluss folgte das Cross-Country-Teil, heutzutage als Gelände bezeichnet, bei dem Naturhindernisse auf einer Strecke von insgesamt fünf Kilometern zu überwinden waren. Aufgrund der enormen Anstrengung des ersten Tages, folgte am zweiten ein Ruhetag. Am dritten Tag war ein Hindernisrennen auf einer Strecke von dreieinhalb Kilometern gefordert. Der Folgetag wurde dann der Springprüfung, bei der ein Parcours mit abwerfbaren Hindernissen auf einem abgegrenzten Reitplatz zu absolvieren war, gewidmet. Kontrovers zum heutigen Ablauf einer Vielseitigkeitsprüfung fanddie Teildisziplin Dressur am fünften und letzten Tag der Prüfung statt. Da diese extrem anspruchsvollen Bedingungen ein immenses Unfallrisiko darstellten, wurde das Reglement bereits 1924 erheblich überarbeitet und wies bereits einige Parallelen zu dem aktuell gültigen Stand auf. Zunächst wurde die Dauer der gesamten Prüfung von fünf Tagen auf drei Tage verkürzt. Am ersten Tag stand bereits damals, genau wie heutzutage, die Dressur auf dem Programm. Darauf folgte dann am zweiten Tag die Ausdauerprüfung, die aus insgesamt fünf verschiedenen Phasen bestand:[2]

1. einer kurzen Wegstrecke
2. einem Hindernisrennen
3. einer langen Wegstrecke
4. einer Cross-Country-Strecke sowie
5. einer Viertelmeile

Die Wegestrecken wurden damals auf der Rennbahn zurückgelegt und erforderten ein hohes Maß an Ausdauer und Schnelligkeit. Beim Hindernisrennen und bei der Cross-Country-Strecke waren nach wie vor feststehende Naturhindernisse zu überwinden. Beim fünften und letzten Abschnitt kam es wieder ausschließlich auf die Schnelligkeit und Kondition des Pferdes auf, welche es auch nach den bereits absolvierten Phasen aufbringen musste. Abschließend fand am dritten und letzten Tag noch das Parcoursspringen statt.

Da es im Olympiajahr 2000 zu erheblichen Unfällen in der Vielseitigkeit kam, wurde das Reglement für die olympischen Spiele 2004 nochmals aufgearbeitet. Dies hatte beispielsweise eine deutlich leichtere Gestaltung der Wegestrecke zur Folge, welche auf einer mit Naturhindernissen versehenen Galopprennbahn zu absolvieren war.

1.2 Prüfungsformen Vielseitigkeitssport

Heutzutage unterscheidet man bei international ausgetragenen Wettbewerben zwischen kurzen Vielseitigkeitsprüfungen, sogenannten Concours International Combiné (CIC), und großen Vielseitigkeitsprüfungen, sogenannten Concours Complet International (CCI). Der Unterschied besteht darin, dass bei CCI die Geländestrecke, vormals auch als Cross-Country bezeichnet, deutlich länger ist, als in den kurzen Prüfungen. Bis 2006 wurden in CCI auch noch die traditionellen Wegestrecken abverlangt. Außerdem muss die Springprüfung im Parcours die letzte Teilprüfung sein. In CIC-Prüfungen hingegen ist die Geländestrecke etwas kürzer und auch die Anzahl der Hindernisse ist geringer als bei einer CCI-Prüfung. Aus diesem Grund gelten die CCI-Prüfungen als noch anspruchsvoller.

Das gesamte Regelwerk für die verschiedenen Disziplinen der Reiterei legt die internationale reiterliche Vereinigung, offizieller Name Fédération Équestre Inter-nationale (FEI), fest. Stetig werden Änderungen und Verbesserungen vorgenommen, um der Sicherheit von Reiter und Pferd gerecht zu werden.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Prüfungskategorien CCI (oben) sowie CIC (unten)[4]

Die Grafiken zeigen die Länge der Strecke, sowie die Anzahl der Hindernisse in den verschiedenen Prüfungskategorien eines CCI (Long Format) und eines CIC (Short Format). Dabei steht die Anzahl der Sterne symbolisch für den Schwierigkeitsgrad der Prüfung. Meisterschaften und große Championate werden in der Regel immer auf CCI-Niveau ausgetragen.

2 Anforderungen an Reiter und Pferd

Im Vergleich zu anderen Disziplinen im Reitsport stellt die Vielseitigkeit sehr umfangreiche Anforderungen. Die drei Disziplinen Dressur, Springen und Gelände müssen parallel zueinander trainiert werden. Die dressurmäßige Arbeit, die als solide Basis für die beiden anderen Disziplinen gilt, steht ebenso im Fokus wie das Konditionstraining, welches zur Bewältigung der Geländestrecke zwingend erforderlich ist. Doch auch Reiter und Pferde aus anderen Sparten der Reiterei können von einer vielseitigen und abwechslungsreichen Grundausbildung durchaus profitieren.

2.1 Vielseitige Ausbildung als solide Grundlage für Pferd und Reiter

Eine vielseitige Grundausbildung ist sowohl für den Reiter, als auch für das Pferd stets förderlich und erstrebenswert. Gerade in Bezug auf die vielfältigen Gegebenheiten und Bedingungen lernen junge Reiter und Pferde bereits frühzeitig mit ungewohnten Situationen umzugehen und gelangen zu mehr Sicherheit und Flexibilität.

In der Ausbildung droht häufig eine zu frühe Spezialisierung auf eine bestimmte Disziplin. So werden die Pferde oftmals bereits im Alter von circa drei Jahren nur im dressurmäßigen Bereich ausgebildet. Sie werden dabei kaum mit Umwelteinflüssen konfrontiert, da sie zumeist ausschließlich auf dem Dressurviereck oder in der Reithalle trainiert werden. Dies hat häufig zur Folge, dass die Pferde sehr schreckhaft sind und sich bereits durch minimale Umwelteinflüsse von ihrer Arbeit ablenken lassen. Hinzuzufügen ist, dass sie mit einer solch monotonen Ausbildungsmethode oftmals Probleme mit neuen, ungewohnten Bodenverhältnissen haben, da sie nur den glatten Boden aus dem präparierten Viereck gewohnt sind. Dies kann gerade dann problematisch werden, wenn unter Turnierbedingungen Abweichungen von dieser Idealsituation vorliegen und die Pferde trotz erschwerter Bedingungen ihre Leistung erbringen sollen.

Ganz ähnlich ist die Problematik auch bei der Ausbildung von jungen Dressurreitern. Häufig werden sie als Kinder bereits im Alter von ungefähr sieben bis acht Jahren auf die Sparte des Dressurreitens spezialisiert. Folglich erstreckt sich ihr Trainingsalltag auf ähnliche Terrains, wie bei den jungen Dressurpferden. Die Kinder lernen nicht, mit ungewohnten Situationen umzugehen und darauf korrekt zu reagieren. Auch das spiegelt sich dann letztendlich im reiterlichen Können auf dem Dressurviereck wider. Sie neigen oft zu einer steifen und zu verkrampften Reitweise, da jeder Schritt geplant und kontrollierbar sein soll. Sollte dies einmal nicht der Fall sein und sich das Pferd eventuell erschrecken, handeln die „reinen“ Dressurreiter oftmals falsch und verunsichern das Pferd unnötig. Auch Experten, wie Olympiasieger Reiner Klimke, raten dazu, stets Abwechslung in das Dressurtraining einzubeziehen. Seiner Erfahrung nach kann man durch einfache Cavaletti[5] -Übungen sehr leicht und spielerisch die Geschmeidigkeit und das Mitgehen der Pferdebewegung verbessern.[6]

Sinnvollerweise legen mittlerweile viele der erfolgreichen Dressurreiter und Reitlehrer Wert auf eine solide vielseitige Ausbildung für Reiter und Pferd. Dazu gehört zum Beispiel das regelmäßige Ausreiten im Gelände, sodass beide Sportpartner sich an die unterschiedlichsten Umwelteinflüsse, Bodenverhältnisse und Situationen gewöhnen können. Dies fördert insbesondere auch das Vertrauensverhältnis, welches für jegliche erfolgreiche Zusammenarbeit erforderlich ist. Auch sollten Bodenarbeit, Übungen mit Cavalettis, sowie kleine Sprünge im Parcours oder im Gelände in die Grundausbildung miteinbezogen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Einsatz von Cavalettis während des Dressurtrainings[7]

Das Bild zeigt Olympiasiegerin Ingrid Klimke beim Training unter Zuhilfenahme von Cavalettis. Diese kleinen Hindernisse lockern die Muskulatur des Pferdes und fordern Konzentration, Aufmerksamkeit und Motivation im Alltag.

Gerade das Dressurpferd erhält so eine gesunde Abwechslung zum Trainingsalltag und wird durch die neuen, spielerischen Anforderungen zu mehr Motivation finden. Auch der Reiter profitiert von dieser Abwechslung zum gewohnten Training. „ Das Überwinden der Cavalettis sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit beim Pferd, es lernt zu taxieren, Aufgaben selbstständig zu lösen und wird dadurch selbstsicherer. Sein Vertrauen in den Reiter wird gestärkt! Außerdem kann der Reiter aus dem Verhalten seines Pferdes Rückschlüsse auf dessen Temperament und Charakter ziehen.“[8] Reiter und Pferd sollten zu Beginn ihrer Ausbildung einen Blick über den Tellerrand wagen, und Einblicke und Erfahrungen in anderen Sparten der Reiterei sammeln. Doch auch nachdem die grundlegende Basis gelegt ist, sollte stets vielfältige Abwechslung in das Training integriert werden.

2.2 Intensität des Trainingsaufwands

Grundvoraussetzung für den Vielseitigkeitssport ist eine solide konditionelle Grundlage, sowohl für den Reiter, als auch das Pferd. Dadurch, dass insgesamt drei Disziplinen trainiert werden müssen, ist der Trainingsaufwand im Vergleich zu anderen Disziplinen im Reitsport enorm hoch. Besonders der Geländeritt erfordert eine beachtliche Ausdauer. Um dem großen Spektrum an Anforderungen einer Vielseitigkeitsprüfung gerecht zu werden, muss der Reiter also im Voraus einen immensen Zeitaufwand auf sich nehmen. Auch wenn der Fokus der Vielseitigkeit eher im Bereich des Springens liegt, ist dennoch besonderes Augenmerk auf die dressurmäßige Arbeit zu legen. Hier geht es im Wesentlichen darum, die Durchlässigkeit des Pferdes zu verbessern und es feinfühlig, aber dennoch konsequent an die zu bewältigenden Aufgaben heranzuführen. „Unter Durchlässigkeit wird die Bereitschaft des Pferdes verstanden, die Hilfen des Reiters gehorsam und zwanglos anzunehmen.“[9] Auf Basis einer soliden dressurmäßigen Arbeit lassen sich Fehler und Probleme im Parcours und im Gelände leichter beheben, oder sogar vermeiden. Auch im Springen und im Gelände muss das Pferd kontinuierlich und sicher auf die Hilfen des Reiters reagieren und diese annehmen. Dies trägt ebenfalls zur Förderung des Vertrauensverhältnisses zwischen Pferd und Reiter bei. Das Springen wird im Alltag eines Vielseitigkeitspferdes zumeist eher dosiert, oder auch in Verbindung mit dem Dressurtraining absolviert. Häufig wird der Fokus eher auf anspruchsvolle Linienführung, als auf die Höhe der Hindernisse gelegt. Dabei wird immer wieder die bereits erwähnte Durchlässigkeit des Pferdes überprüft, die auch im Springparcours unerlässlich ist. Erst wenn Reiter und Pferd über genügend Sicherheit und Routine an den kleineren Hindernissen verfügen, ist es an der Zeit, die Höhe stetig zu steigern. Vor einem anstehenden Wettkampf werden sodann zunehmend komplette Parcours unter Turnierbedingungen absolviert, um bereits im Voraus eine Prüfungssituation zu simulieren.

Recht ähnlich zum Springen verläuft das Training im Gelände. Die erforderliche Sicherheit wird anhand von kleineren Hindernissen und anspruchsvolleren Abfolgen dieser gefestigt. Gerade im Gelände wird dabei an der notwendigen Kondition gearbeitet. Beispielsweise durch Galopptraining am Berg, das Reiten durch Wasserkomplexe, sowie das gleichmäßige und zügige Galoppieren auf langer Strecke, wird die Ausdauer optimiert. Eine komplette Geländestrecke unter Turnierbedingungen sollte gelegentlich eingebaut werden, jedoch eher dosiert um das Pferd nicht unnötig zu strapazieren.

3 Hohes Unfallrisiko – Maßnahmen für mehr Sicherheit

Die Vielseitigkeit ist wohl eine der risikoreichsten Disziplinen der Reiterei. Gerade im Gelände kommt es leider immer wieder zu tragischen Unfällen. Dennoch ist und bleibt die Geländestrecke das Herzstück einer Vielseitigkeitsprüfung und fasziniert bis heute zahlreiche Reiter und Zuschauer. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Risiken des Vielseitigkeitssports, sowie mit der Aufarbeitung der Richtlinien, in denen ein immer größerer Fokus auf die Sicherheit gelegt wird.

3.1 Ursachen und Folgen von Unfällen im Vielseitigkeitssport

Die sogenannte „Krone der Reiterei“ steht leider oftmals im Schatten der zahlreichen und immer wiederkehrenden dramatischen Unfälle. Gerade im Gelände kommt es tragischerweise häufig zu lebensgefährlichen, oder sogar tödlichen, Verletzungen für Reiter und Pferd. Im Gegensatz zu den Hindernissen im Parcours, sind die Geländehindernisse unflexibel und geben bei eventuellem Streifen des Pferdes nicht nach. Dies ist in den häufigsten Fällen auch die Ursache für den Sturz an einem Geländesprung. Findet das Pferd nicht den richtigen Absprung auf die zum Teil sehr mächtigen Sprünge, gerät es leicht ins Straucheln - bei dem hohen Tempo im Gelände stets eine enorme Gefahr für Reiter und Pferd.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Sturz an einem Wasserhindernis[10]

Die Bilder zeigen einen dramatischen Sturz an einem Wasserkomplex. Offensichtlich fand das Pferd nicht den richtigen Absprung und verliert dadurch die Balance, sodass Reiter und Pferd zu Fall kommen. Glücklicherweise kam es in diesem Fall zu keinen schwereren Verletzungen.

3.2 Fallbeispiel eines tödlichen Unfalls

Gerade in jüngster Vergangenheit kursierten immer wieder schockierende Bilder und Berichte von tödlichen Stürzen im Gelände in den Medien der Pferdebranche. Erschreckend ist die Tatsache, dass es sich zumeist um noch recht junge und sehr engagierte Nachwuchssportler handelt.

Besonders im Fokus der Öffentlichkeit stand der Fall eines im Jahre 2014 tödlich verunglückten 25-jährigen Vielseitigkeitsreiters. Der junge, aber dennoch schon sehr erfahrene, Reiter nahm im Juni 2014 mit seinem Erfolgspferd an der deutschlandweit anspruchsvollsten Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen teil. Erst im letzten Drittel der rund sechseinhalb Kilometer langen Geländestrecke kam es zu dem verheerenden Sturz. Es handelte sich um einen eher unspektakulären, einzelnen und dem Anspruch der Prüfung angemessenen Sprung. In sehr zügigem Tempo taxiert der damals zehnjährige Wallach das Hindernis und springt ab. Doch er findet nicht den richtigen Absprung, bleibt mit den Vorderbeinen am Hindernis hängen, sodass sich Reiter und Pferd überschlagen. Nach der ärztlichen Erstversorgung des Reiters wurde der Ernst der Lage gleich erkannt und der Verletzte sofort in eine Spezialklinik nach Hamburg geflogen. Dort erlag er jedoch einem Schädel-Hirn-Trauma, welches dem enormen Aufprall zuzuordnen ist. Das Pferd hat den tragischen Unfall ohne Verletzungen überstanden.

Durch die Tragödie wurde der Vielseitigkeitssport, insbesondere in den sozialen Netzwerken, scharf kritisiert. Doch genau das ist es, was der ambitionierte Sportler nie wollte. "Seine größte Sorge wäre gewesen, dass sein Unfall dazu führen könnte, dass sein Sport in der Öffentlichkeit schlecht geredet wird"[11], äußerte seine Mutter, die selbst aktive Reiterin und Trainerin ist.

3.3 Neuerungen des Reglements für mehr Sicherheit im Gelände

Der Aspekt der Sicherheit wird im Regelwerk der Vielseitigkeit konsequent weiter in den Vordergrund gerückt. Die Geländestrecke sollte dementsprechend so gestaltet werden, dass möglichst alle Reiter unversehrt im Ziel ankommen und sich die Rangierung aus Anzahl der Zeitfehler und Verweigerungen ergibt.[12] Auch wenn sich das Risiko eines Sturzes von Reiter und Pferd wohl nie gänzlich ausschließen lässt.

[...]


[1] Vgl. Paradisi-Redaktion (2016), Web.

[2] Vgl. hierzu und zum Folgenden: Paradisi-Redaktion (2016), Web.

[3] Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung (2016), Web.

[4] Fédération Équestre Internationale (2015), Web.

[5] Cavalettis sind kleine Sprünge zur Lockerung der Muskulatur und des Bewegungsapparates.

[6] Vgl. Klimke,I.,R. (2005), S.13.

[7] HORSEtoday Redaktion (2011), Web.

[8] Roszinsky, M (2011), Web.

[9] Miesner, S., Putz, M., Plewa, M. (1997), S. 174.

[10] NWZ online Redaktion (2009), Web.

[11] Süddeutsche Redaktion (2014), Web.

[12] Vgl. CDV-News Redaktion (2015), Web.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668362567
ISBN (Buch)
9783668362574
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346684
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands – Campus Köln
Note
1,0
Schlagworte
Reitsport Vielseitigkeit Unfälle Military Sicherheit sportunfall

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