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Das Nutzungsverhalten von Instagram im Verlauf des Menstruationszyklus

Forschungsarbeit 2016 17 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Das Nutzungsverhalten von Instagram im Verlauf des Menstruationszyklus

Methoden

Ergebnisse

Diskussion

Literatur

Anhang

MENSTRUATIONSZYKLUS UND INSTAGRAM

Zusammenfassung

Die Online-Präsentation des eigenen Lebens über Bilder auf sozialen Plattformen wie Instagram hat mit der rasanten Verbreitung von Smartphones in den vergangenen Jahren weltweit immer stärker zugenommen (Instagram, 2016). Frühere Studien machen deutlich, dass unterschiedliche Aspekte zwischenmenschlichen Verhaltens, wie etwa die Bereitschaft zu prosozialem Verhalten, im Verlauf des natürlichen weiblichen Menstruationszyklus systematisch fluktuieren (z.B.: Haselton & Gangestad, 2006). Während der fruchtbaren Phase ihres Menstruationszyklus fühlen sich Frauen insgesamt attraktiver, kleiden sich bewusster und sind eher bereit, gesellschaftliche Veranstaltungen aufzusuchen, bei denen sie Männer treffen können (Haselton & Gangestad, 2006). Innerhalb des empirisch-experimentellen Praktikums an der FernUniversität Hagen wurde untersucht, ob das Nutzungsverhalten in sozialen Apps während des Menstruationszyklus schwankt. Anhand einer 31-tägigen Studie sollten die bisherigen Studienerkenntnisse repliziert werden, um herauszufinden, ob die Neigung zur Selbstdarstellung während der fruchtbaren Phase ansteigt und ob in der fruchtbaren Phase des Zyklus mehr Fotos der eigenen Person gepostet werden. Insgesamt 242 Testpersonen nahmen an der Online-Untersuchung teil. In einem zweifaktoriellen within-subject Design wurden die geposteten Bilder zu einzelnen Phasen des Menstruationsverlaufes in Bezug gesetzt. Beide Hypothesen konnten nicht vollständig bestätigt werden. Angesichts des kurzen Erhebungszeitraums sind weiterführende Replikationen empfehlenswert, um gesicherte Erkenntnisse bereitstellen zu können.

Das Nutzungsverhalten von Instagram im Verlauf des Menstruationszyklus

Wie frühere Studien andeuten, unterliegen soziale Bedürfnisse und weitere Aspekte zwischenmenschlichen Verhaltens, wie etwa die Kooperationsbereitschaft, die Suche nach einem geeigneten Partner oder die Bereitschaft auszugehen, während des natürlichen Menstruationszyklus der Frau deutlichen Schwankungen (z.B. Anderl, Hahn, Notebaert, Klotz, Rutter & Windmann, S., 2015; Haselton & Gangestad, 2006). Nach Untersuchungsergebnissen der Forschungsgruppe um Haselton fluktuiert auch die Wahl des Outfits systematisch über den weiblichen Menstruationszyklus hinweg (Haselton, Mortezaie, Pillsworth, Bleske-Rechek & Frederick, 2007). Während der fruchtbaren Tage ihres Menstruationszyklus haben Frauen demnach das Gefühl, attraktiver zu sein, sich bewusster kleiden zu wollen und gesellschaftliche Veranstaltungen besuchen zu wollen, bei denen sie auf Männer treffen (Haselton et al, 2007; Haselton & Gangestad, 2006). Generell scheinen Frauen während ihrer fruchtbaren Tage mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu wollen und die eigene Präsentation zu suchen. Für die virtuelle Selbstpräsentation im Internet nutzen Millionen Menschen weltweit mittlerweile Social- Networking-Sites wie Instagram, um auf diesen Seiten regelmäßig Fotos von sich selbst oder gemeinsam mit Freunden bzw. dem Partner zu veröffentlichen (Fox & Rooney, 2015; Instagram, 2016). Typischerweise wurden die vorliegenden Studien zu prosozialem Verhalten und menschlichen Präferenzen während des Menstruationszyklus bisher entweder im Labor durchgeführt oder in einem klar umgrenzten Studienkontext erfasst.

Durch die Allgegenwärtigkeit von Smartphones im Alltag wurden völlig neue Möglichkeiten für die Untersuchung psychologischer Phänomene und Prozesse geschaffen (Miller, 2012). Nach Miller kann mithilfe des Smartphones das reale Nutzungsverhalten (z.B. die Anzahl von Textnachrichten oder Aktivitäten in sozialen Apps) erfasst und in einen Vergleich zu anderen psychologischen Maßen gebracht werden. Wie Miller aufzeigt, ist hierbei allerdings die ausdrückliche und informierte Zustimmung seitens der Teilnehmer essenziell. Zudem ist bei Smartphone-Studien besonders auf die strikte Einhaltung strenger Datenschutzregelungen zu achten, damit jederzeit ein umfassender Schutz der Persönlichkeitsrechte der Probanden sichergestellt werden kann (Miller, 2012). Ausgangspunkt der eigenen Untersuchung war die Frage danach, ob sich die im Labor erhobenen Befunde auch auf das natürliche Verhalten außerhalb der Laborumgebung übertragen lassen. In einer realen Online-Studie sollte herausgefunden werden, ob sich die vorliegenden Befunde beispielsweise ebenfalls auf das reale Nutzungsverhalten sozialer Smartphone-Applikationen, sogenannter „Apps“ übertragen lassen. Über einen retrospektiven Selbstbericht zum Postingverhalten auf Instagram während des Menstruationszyklus sollte untersucht werden, ob sich die Neigung zur Selbstdarstellung bei Frauen in der fruchtbaren Phase erhöht. Aufgestellt wurde die erste Hypothese, dass Frauen in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus mehr Bilder auf Instagram posten, als in der unfruchtbaren Phase. In einer weiteren Hypothese wurde erwartet, dass hierbei besonders für das Posten von Selfies (Fotos von sich selbst ohne Freunde und ohne Partner) ein Effekt auftreten würde. Diese zweite Hypothese ging davon aus, dass Frauen in der fruchtbaren Phase mehr Selfies posten würden.

Methoden

Die Erhebung der Daten erfolgte in einer Haupt- und einer Nebenanalyse. In die Hauptanalyse wurden alle abgefragten Aspekte der Probandinnen aufgenommen, auch besondere Events, die als Grund für vermehrtes Laden von Bildern angegeben wurden, wie etwa eine Hochzeit oder eine Geburtstagsfeier. In der Nebenanalyse wurden diese Events ausgeschlossen.

Stichprobe

Für die Erhebung war ein Stichprobenumfang von N = 43 Probandinnen für die Hauptanalyse vorgesehen. Zur Generierung einer möglichst großen, aber dennoch heterogenen Stichprobe erfolgte die Rekrutierung der Testpersonen sowohl im virtuellen Testlabor der FernUniversität Hagen, als auch über soziale Online-Netzwerke und persönliche Kontakte. Die Studienteilnehmerinnen des virtuellen Testlabors konnten für ihre Teilnahme eine halbe Stunde als Versuchspersonenstunden-Bescheinigung erwerben. Eine finanzielle Vergütung wurde nicht gewährt. Zudem wurde bereits im Anwerbetext für die Erhebung verdeutlicht, dass alle Daten anonym erfasst werden und es zu keinem Zeitpunkt möglich sein würde, die erhobenen Daten mit der Versuchsperson in Verbindung zu bringen. Voraussetzung zur Teilnahme an der Studie war ein Mindestalter von 18 Jahren und das Vorhandensein eines Instagram-Accounts. Darüber hinaus sollten die Versuchsteilnehmer weiblich sein.

Insgesamt nahmen an der Studie 242 Versuchsteilnehmer teil. Von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen waren Frauen, die innerhalb der letzten zwölf Monate vor Studienteilnahme schwanger waren oder gestillt haben. Ebenfalls ausgeschlossen von der Datenerhebung waren Frauen während und nach der Menopause. Weitere Ausschlusskriterien waren die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel, die Einnahme von Medikamenten bzw. Erkrankungen, die sich auf den Hormonspiegel auswirken, wie beispielsweise das Polyzystische Ovarialsyndom (PCO) und ein unregelmäßiger Zyklus von weniger als 21 Tagen und mehr als 35 Tagen.

Insgesamt 199 Fälle wurden ausgeschlossen, so dass sich die Zahl der Teilnehmenden unter Wegnahme aller Ausschlusskriterien auf 43 Frauen reduzierte. Das mittlere Alter der 43 Studienteilnehmerinnen, die in die Hauptanalyse einbezogen wurden, lag bei 26.12 Jahren (SD = 5.79) bei einer Spannbreite von 18 bis 44 Jahren. Die Frauen sollten nach Angabe der Anzahl geposteter Bilder außerdem vermerken, ob es einen bestimmten Anlass für das Hochladen der Bilder gegeben hatte. Unter Reduzierung des Datensatzes um diese Events blieben für die Vorwärtsmethode nur noch N = 19 Versuchspersonen übrig. Bei der Rückwärtsmethode reduzierte sich der Datensatz auf N = 16 Teilnehmerinnen. Erst am Ende des Online-Fragebogens wurden die Probandinnen nach einer bestehenden Schwangerschaft, Stillzeit oder Menopause, der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, hormonhaltigen Medikamenten oder sich auf den Hormonhaushalt auswirkenden Erkrankungen, der durchschnittlichen Dauer Ihres Zyklus in den letzten sechs Monaten, dem Tag der letzten Periode, gefragt. Bei 37% (n = 16) der Frauen lag die durchschnittliche Zykluslänge bei 28 Tagen. Eine Zykluslänge von 29 Tagen gaben insgesamt 19% (n = 8) der Versuchsteilnehmerinnen an.

Design

Für die Untersuchung wurde ein zweifaktorielles within-subjekt Design ausgewählt. Damit konnten die Anzahl und der Typ der auf Instagram geposteten Fotos (kein Selfie, Selfie allein, Selfie mit Partner, Selfie mit einem Freund) zu den einzelnen Phasen des Menstruationszyklus in Bezug gesetzt werden. Für die Untersuchung wurde eine Signifikanz bei p < .05 als gegeben angesehen. Im Rahmen des gewählten Designs wurde für den Vergleich der frühen follikulären Phase mit der fruchtbaren und der lutealen Phase das Auftreten einer mittleren globalen Wirkung (f = .25) auf einem Alpha-Niveau von .05 erwartet. In der geplanten Bonferroni-Korrektur wurde bei den paarweisen Vergleichen zwischen der frühen follikulären Phase mit der fruchtbaren Phase und der lutealen mit der fruchtbaren Phase das Auftreten eines mittleren Effektes (dz = 0.5) erwartet.

Die verwendeten Daten stellen Primärdaten dar, die mittels quantitativer Querschnittsuntersuchung im Rahmen einer Online-Untersuchung erhoben wurden. Bei der Untersuchung handelte es sich um ein ökologisch besonders valides Studiendesign, da das natürliche Nutzungsverhalten der Versuchspersonen getestet wurde. Die Datenauswertung erfolgte anhand eines 3 x 4 Designs über eine ANOVA mit Messwiederholung. Hier wurden die drei Menstruationsphasen zu den vier Bildtypen ins Verhältnis gesetzt. Für die Messung wurde jeweils einmal die Vorwärtsmethode und einmal die Rückwärtsmethode angewandt (Gangestad, et al., 2016).

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Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668361942
ISBN (Buch)
9783668361959
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346607
Note
Schlagworte
Instagram soziale Medien App Menstruationszyklus Psychologie Fruchtbarkeit

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