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Die Stellung der Frau in der spartanischen Gesellschaft

Hausarbeit 2016 11 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gesellschaftssystem in Sparta

Quellenlage

Frauen in Sparta

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Spuren, die die Frauen in der Antike hinterlassen haben, kommen einem oft unscheinbar vor. Die Schriften antiker Autoren wie Dichter, Philosophen und Geschichtsschreiber waren Dokumente zur Edukation und Unterhaltung der Wissbegierigen. Aber kaum einer bemühte sich zur Dokumentation des Lebens einer Frau im antiken Griechenland als Nachlass für die Zukunft. Dennoch gibt es Überlieferungen von Wertevorstellungen, sozialen Strukturen und gesellschaftliche Konventionen, die von einer Frau erwartet wurden.

Ziel meiner Arbeit ist es die gesellschaftliche Stellung der Frau in Sparta herauszuarbeiten. Um die Rolle der Spartiatinnen zu verdeutlichen, werde ich zunächst einen kurzen Abriss des Gesellschaftssystems in Sparta aufzeigen und auf die Quellenlage des heutigen Forschungsstandes hinweisen. Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit der Erziehung, Heirat, Schwangerschaft und gesellschaftlichen Stellung der spartanischen Frau. Zum Schluss werden die gesammelten Informationen in einem kurzen Fazit wiedergegeben.

Gesellschaftssystem in Sparta

In den Augen der Griechen war Sparta ein Staat, in dem alle gleich waren. Ein Staat, in dem die Frauen und Männer in der Öffentlichkeit mit ebenbürtigem Respekt behandelt wurden, die Kinder vom Staat kostenlos erzogen wurden, die Bürger nicht arbeiten mussten und das Geld keine Rolle spielte. Jedoch war Sparta für seine Gegner ein Volk, voll von unterdrückten Bauern, in dem die Kinder nur zum Krieger erzogen wurden und die Ehe in erster Linie zum Erhalt des reinen spartanischen Blutes diente.1 Die Spartiaten nannten sich jedoch „die Herrschaft der Gleichen“.2 Diese unterschiedlichen Ansichten von Sparta sind nicht unbegründet.

Der prominenteste Grund für diese sich unterschiedlichen Denkweisen waren die Gesetze des Lykurks. Die ausführlichste antike Quelle zur Gesetzgebung Lykurgs ist die Lebensbeschreibung, die Plutarch ihm gewidmet hat. Obwohl seine Existenz historisch nicht belegt werden kann, gilt Lykurg als der legendäre Verfasser der Großen Rhetra, in dem ein noch nie dagewesenes politische System beschrieben wird, welches vom Orakel von Delphi für gut befunden wurde und somit dem Wort der Götter gleichgestellt war.3

Als sich in Athen im 5. Jahrhundert v. Chr. die Demokratie entwickelte, waren die Gesetze Lykurgs ganz auf die Gleichheit der Spartiaten ausgerichtet. Eine genaue Zuordnung der Regierungsform von Sparta ist nicht möglich. Sie wies sowohl monarchische (Doppelkönigtum), demokratische (Apella), als auch oligarchische (Gerusia) Züge auf.4 Diese Besonderheit lag ganz in der Gleichheit der spartanischen Bürger. So sollte jeder Vollbürger sich dem Staat eingebunden fühlen und dabei spielte Individualität keine Rolle. Von allen griechische Polis ist als einziges in Sparta ein Doppelkönigtum entstanden. Dies hatte den Vorteil, dass ein König in den Krieg ziehen konnte und der andere König in der Polis weiter regierte. Die Nachkommen der Könige erbten ihr Feldherrnamt und behielten es auf Lebenszeit. Sie und eine Gruppe von 28 Männern bildeten die Gerusia bzw. den Ältestenrat. Diese Männer mussten über 60 Jahre alt sein und berieten die Könige und fassten Vorbeschlüsse für die Volksversammlung. Die Ältesten amtierten ebenfalls auf Lebenszeit. Für die Gesetze wurden die Vorbeschlüsse von der Gerusia5 getroffen und bei der Volksversammlung (Apella) durch Zustimmung oder Ablehnung entschieden. Die spartanische Gesellschaft setzte sich aus Vollbürgern (verfügtenüber volle politische Rechte), Staatssklaven (Heloten, die kriegerisch unterworfen wurden) und Periöken (Umwohnern) zusammen. Obwohl die Periöken ihre Freiheit behielten, mussten sie zugunsten der Spartiaten Militärdienst leisten und Handel betreiben. Die Heloten hingegen waren in der Überzahl und mussten ständig von den Spartiaten beaufsichtigt werden. Jedoch sicherten sie die ökonomische Basis der Polis. Somit konnten sich die Spartiaten ganz auf die Agoge konzentrieren.6

Auch die Erziehung der Spartiaten wurde vollkommen durch den Staat beeinflusst und stark gelenkt. Alle neugeborenen Jungen wurden von den Ältesten auf Gesundheit und Kraft untersucht. Wenn sie nicht dem Idealfall entsprachen, wurden die neugeborenen getötet. Sobald sie ihr siebtes Lebensjahr erreicht haben, begann für die Jungen die Agoge.7 Von nun an lebten sie fern von ihren Familien und wurden von älteren Jungen und Lehrern erzogen und zu Kriegern ausgebildet. Die Agoge der Spartiaten war einmalig. In anderen griechischen Poleis mussten die Eltern selbst für die Erziehung ihrer Söhne aufkommen und der Staat zahlte nichts. Dadurch bekamen die reichen Kinder eine viel bessere Ausbildung als die Kinder armer Eltern. Allerdings ging es der Agoge Spartas nicht um Gleichberechtigung oder etwa Chancengleichheit, sondern darum, viele gute Krieger auszubilden. Für die Mädchen gab es auch Sportunterricht. Sie sollten ebenfalls gesund aufwachsen. Auf die Rolle der Mädchen bzw. Frauen wird noch ausführlich eingegangen werden.

Erwachsene Spartiaten bekamen vom Staat ein Stück Land und Heloten,8 die für sie arbeiteten. Doch auch nach der Ausbildung blieben sie nicht bei ihrer Familie, verbrachten ihre Zeit mit anderen Männern, übten weiter den Kampf, aßen gemeinsam und wohnten oft zusammen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. hatte Sparta die besten Hopliten9 Griechenlands. Jedoch wurde auf Bildung und Kunst nicht sehr viel Wert gelegt.

Quellenlage

Im Hinblick auf die Quellenlage stellt sich heraus, dass bedauerlicherweise Spartiaten ihre Geschichte lieber anderen Geschichtsschreibern überließen. Wie bei vielen anderen Themenbereichen in der Alten Geschichte ist die Quellenlage zur Stellung der Frau in der spartanischen Gesellschaft unvollständig.10 Es gibt kaum Quellen von den Spartiaten selbst. Die Hauptquellen für die Erforschung der Stellung der Frau in der spartanischen Gesellschaft bilden die überlieferten Texte von Aristoteles,11 Plutarch12 und Xenophon.13 Ebenfalls sind die Quellen kritisch zu lesen, da eine objektive Ansicht der Autoren nicht gegeben ist. An Xenophons Überlieferungen wird deutlich, dass er ein pro-spartanisches Bild darstellt, welches bei der Analyse seiner Texte bedacht werden muss. Xenophon war Schriftsteller und Geschichtsschreiber der damaligen Zeit und lebte etwa von 430 bis 354 v. Chr. Er schreibt das Werk „Verfassung der Spartaner“ und führt den Erfolg Spartas primär auf den Gesetzgeber Lykurg zurück.

Ganz im Gegenteil tadelt Aristoteles Lykurgs Gesetzgebung und bezeichnet die Unsittlichkeit der Spartiatinnen als Ursprung allen Missstands. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass Aristoteles ein Sympathisant Athens und dessen gesellschaftlicher Normen war, welche er in seinen Berichten über die gesellschaftliche Rolle der Frau reflektierte.

Zeitgenössisch wurde die gesellschaftliche Rolle der Frau nur im 4. Jahrhundert v. Chr. von Aristoteles und Xenophon belegt. Plutarch, der ca. von 45 bis 125 n. Chr. gelebt hat, ist für diesen Zeitraum keine zeitgenössische Quelle. Allerdings äußerte er Kritik an Aristoteles’ Ansicht Lykurgs Gesetzgebung sei maßgeblich für die Übel im spartanischen Staat.

Bedauerlicherweise hat sich keiner dieser Autoren objektiv mit dem Frauenbild der damaligen Zeit auseinandergesetzt. Des Weiteren werden die Spartiatinnen nur nebenbei in politischen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen erwähnt. Auffällig bei allen Quellen ist die Subjektivität der männlichen Autoren.

[...]


1 CLAUS, Manfred, Sparta. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 1998, S.106 - 117.

2 SCHULZ, Raimund, Athen und Sparta, 3. Aufl., Darmstadt 2008, S.57.

3 STIBBE, Conrad M., Das andere Sparta, übers. aus dem Niederländ. v. Herbert Post, Mainz am Rhein, 1996, S.72-74.

4 CLAUS, M., S. 118-138.

5 Gerusia: Bezeichnung für den Ältestenrat

6 CLAUS, M., S.111.

7 Agoge: Militärisches Erziehungssystem Spartas

8 Heloten: Von Sparta unterworfene Sklaven

9 Hopliten: Ausgebildete Krieger Spartas

10 DETTENHOFER, Maria H., Die Frauen von Sparta. Gesellschaftliche Position und politische Relevanz, in: Klio 75, 1993, S.63.

11 ARISTOTELES, Politik, aus Aristoteles: Werke in deutscher Übersetzung, Bd. 9,2 Politik Buch II-III, übers. V. Eckart Schütrumpf, Berlin 1991

12 PLUTARCH, Lykurg, aus: Plutarch: Große Griechen und Römer, übers. v. Konrat Ziegler, Bd. 1, Zürich/Stuttgart 1954

13 XENOPHON, Lakedaimonion politea, hrsg. u. übers. v. Rebenich, Darmstadt 1998

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668357358
ISBN (Buch)
9783668357365
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346440
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Geschichtswissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
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Autor

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