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Geldpolitische Instrumente der Europäischen Zentralbank

Hausarbeit 2004 18 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Europäische Zentralbank
2.1 Geldpolitische Ziele und Aufgaben der EZB
2.2 Die Zwei-Säulen-Strategie
2.2.1 Erste Säule: Die Geldmenge
2.2.2 Zweite Säule: Weitere volkswirtschaftliche Indikatoren

3. Die geldpolitischen Instrumente der EZB
3.1 Die Offenmarktgeschäfte
3.2 Die ständigen Fazilitäten
3.3 Die Mindestreserven

4. Die aktuelle Geldpolitik und Einflussnahme der EZB

5. Zusammenfassung/Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der „Maastricht-Vertrag“ wurde im Dezember 1991 im Rahmen der ersten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) von den führenden Staats- und Regierungschefs der EG-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Kerngedanke des „Maastricht-Vertrages“ war die Schaffung der Europäischen Währungsunion und die damit verbundene Einführung einer gemeinsamen Währung, des Euro und die Gründung einer EZB.1

In der zweiten Stufe erfolgte die Gründung des Europäischen Währungsinstitutes im Januar 1994 und die Entscheidung über die Teilnehmer der Währungsunion im Frühjahr 1998.2

Die Europäische Zentralbank (EZB) wurde am 01. Juni 1998 im Rahmen der dritten Stufe der WWU gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Als Kernziele wurden die Fixierung der Wechselkurse zwischen den alten unterschiedlichen Währungen der teilnehmenden Staaten und der neuen Gemeinschaftswährung3 im Januar 1999, die Errichtung einer EZB im Januar 1999 und die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro im Januar 2002, definiert.4 Die Gründung der supranationalen Institution EZB gilt als Höhepunkt jahrelanger Bemühungen zur Schaffung einer dauerhaften Währungsstabilität in Europa und als wichtiger Meilenstein der wirtschaftlichen und politischen Integration zwischen europäischen Ländern.5

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) wurde zusammen mit der EZB am 1. Juni 1998 errichtet.6 Das ESZB besteht aus der europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten. An der Spitze des ESZB stehen die Beschlussorgane der EZB: Der EZB-Rat und das EZB-Direktorium. Das oberste Beschlussorgan der EZB ist der EZB-Rat. Ihm gehören die Präsidenten aller nationaler Zentralbanken, die den Euro eingeführt haben, sowie die einvernehmlich durch die Regierungen der teilnehmenden Mitgliedstaaten auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs zu ernennenden Mitglieder des Direktoriums der EZB (bestehend aus Präsident, Vizepräsident und bis zu vier weiteren Mitgliedern) an. Der Rat der EZB erlässt die Leitlinien und fasst die notwendigen Beschlüsse, um die Erfüllung der dem ESZB übertragenen Aufgaben zu gewährleisten, und legt die Geldpolitik des Euroraums fest.7 Für die Umsetzung ist das Direktorium verantwortlich.8

Der Erweiterte EZB-Rat fungiert ungeachtet der dualen Struktur von EZB-Rat und EZB-Direktorium als drittes Beschlussorgan. Ihm gehören alle Präsidenten der NZBen an. Der Erweiterte Rat beobachtet die Konvergenz-fortschritte der nicht teilnehmenden Mitgliedstaaten und nimmt noch andere, zumeist beratende Funktionen, wahr.9

Die Verantwortung der Währungs- und Geldpolitik ist mit der Gründung der EZB von den nationalen Zentralbanken der WWU-Teilnehmerstaaten10 auf

das Eurosystem11 übergegangen.12

Die EZB trägt damit eine große Verantwortung in der Geld- und Währungspolitik.

Sie wurde mit der nötigen Handlungsfähigkeit ausgestattet, um eine wirksame Geld- und Kreditpolitik im europäischen Wirtschaftsraum durchzusetzen.13

Durch die Gründung der EZB konnte ein großer Teil finanzieller grenzüberschreitender Transaktionen zwischen europäischen Märkten abgeschafft werden. Heute können nur noch Transaktionen mit Ländern außerhalb der EWU die monetäre Politik der EZB negativ beeinflussen. Gemessen am Sozialprodukt der Länder der EWU ist der Anteil internationaler Geld- und Kapitaltransaktionen deutlich zurückgegangen.14

Diese Hausarbeit hat die Instrumente zur Geldpolitik der EZB als Thema.

Zunächst erfolgt ein kurzer Überblick über die Ziele und Strategien der EZB bzw. des Eurosystems. Danach werden die Instrumente zur Durchführung der Geldpolitik der EZB dargestellt. Abschließend wird die aktuelle Geldpolitik der EZB aufgezeigt.

2. Die Europäische Zentralbank

2.1 Geldpolitische Ziele und Aufgaben der EZB

Das vorrangige Ziel des Eurosystems ist es, gemäß Artikel 105 des

EG-Vertrags die Preisstabilität zu gewährleisten. Damit unterstützt das Eurosystem die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Europäischen Gemeinschaft, die sich im Wesentlichen an den Zielen des „magischen Vierecks“ (Preisstabilität, beständiges Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigungsgrad und außenwirtschaftliches Gleichgewicht) orientiert.15

Eine herausragende Rolle im Eurosystem erhält die Preisstabilität, da sie zur Verbesserung der Wirtschaftsaussichten und zu einem höheren Lebensstandard beiträgt, was durch zahlreiche volkswirtschaftliche Studien bewiesen wurde.16 Durch die gezielte Vermeidung andauernder Inflation bzw. Deflation soll unter anderem die Wirtschaftsaktivität erhöht werden und die Transparenz von Preisrelationen verbessert werden.17 Da die Preisstabilität im EG-Vertrag nicht klar definiert wurde, hat die EZB beschlossen, eine quantitative Definition der Preisstabilität zur klaren Orientierung für die Preiserwartungen vorzugeben.18

Die EZB definiert Preisstabilität als einen Anstieg des Harmonisierten

Verbraucherpreisindex (HVPI)19 von unter 2%.20

Zur Zielerfüllung wurden folgende Aufgaben für die EZB definiert:21

- Festlegung der einheitlichen Geldpolitik
- Sicherung der Liquidität des Bankensystems
- Sicherung eines effizienten Zahlungssystems
- Verwaltung der Währungsreserven

Die NZBen wirken im Eurosystem an der Erfüllung der Aufgaben der EZB mit. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Preisstabilität zu gewährleisten und die Währungsreserven zu verwalten. Des Weiteren setzen die NZBen die gemeinsame Geldpolitik des Eurosystems um. Dazu zählt die Refinanzierung des Bankensystems im Rahmen der geldpolitischen Instrumente des Eurosystems.22

2.2 Die Zwei-Säulen-Strategie

Die einheitliche Geldpolitik des Eurosystems zur Gewährleistung der angestrebten mittelfristigen Preisstabilität beruht auf 2 strategischen Säulen. Diese beiden unterschiedlichen Säulen stellen grundlegende Instrumente zur Durchführung der Analysen dar, an denen sich die geldpolitischen Beschlüsse der EZB orientieren.23

2.2.1 Erste Säule: Die Geldmenge

Die erste Säule der geldpolitischen Strategie des Eurosystems hat ihre Grundlage darin, eine auf Sicherung der Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik zu betreiben.

Um die langfristige Stabilität zwischen Preisniveau und Geldmenge zu messen, hat die EZB beschlossen, einen quantitativen Referenzwert für das weit gefasste Geldmengenaggregat M324 bekanntzugeben.25 Diese Geldmenge M3 hat sich im Rahmen einer mittelfristigen Preisstabilitätspolitik durch ihre Zusammensetzung als empirisch besonderes gut geeignet erwiesen, Inflationsprognosen über einen Zeitraum bis zu 2 Jahren und darüber hinaus zu erstellen.26

Der von der EZB angestrebte Referenzwert, der im Einklang mit der

Gewährleistung der Preisstabilität steht, sieht ein Wachstum der

Geldmenge M3 von 4,5% pro Jahr vor.27 Die EZB verfügt über verschiedene Instrumente der Steuerung der Geldmenge.

Die Geldmenge und der Referenzwert

Schon die ökonomischen Klassiker des 19. Jahrhunderts wiesen auf den Zusammenhang von Geldvermehrung und Gütervermehrung hin, um Inflation und Deflation zu vermeiden. Auch der geldmengenorientierten Politik der Gegenwart liegt die Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen Inflation und Geldmenge zugrunde. „Zwischen der Entwicklung der Geldmenge und der Einkommen, dem Sozialprodukt in der Wirtschaft, gibt es eine feste Beziehung.“28

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Geldmengen- und Preis-niveauveränderungen (Quantitätstheorie).29

Vom EZB-Rat wurde der Geldmenge eine herausragende Rolle in der

geldpolitischen Strategie des Eurosystems zugewiesen. Es wurde vom EZB-Rat ein quantitativer Referenzwert für das Geldmengenwachstum bekannt gegeben.

[...]

1 vgl. Schnelting, G. (1998), S. 26

2 vgl. Schnelting, G. (1998), S. 31

3 Anm.: z. B. Deutschland: 1 Euro = 1,95583 Deutsche Mark

4 vgl. Schnelting, G. (1998), S. 31

5 vgl. EZB (2001), S. 9

6 vgl. EZB (2001), S. 9

7 vgl. EZB Bericht (1999), S. 139

8 vgl. Dallmeyer, J./Deutsch, K./Holtzmann, H. D. (1997), S. 18

9 vgl. EZB Bericht (1999), S. 142 – und Anhang S. 12 Schaubild Aufbau des ESZB

10 Teilnehmer der WWU bis dato: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien und Griechenland

11 Die Nationalen Zentralbanken des Euroraums und die EZB bilden zusammen das Eurosystem

12 vgl. Issing, O. (1999), S. 102

13 vgl. Köhler, C., (1999), S. 22

14 vgl. Köhler, C. (1999), S. 22

Seite 2 von 15

15 vgl. EZB (2002) S. 4 und Plewka, H. (1999), S. 63

16 vgl. EZB (2001), S. 41

17 vgl. EZB (2001), S. 41

18 vgl. Issing, O. (1999), S. 104

19 Der HVPI, der von der Europäischen Kommission (Eurostaat) in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Statistikämtern erstellt wurde, beinhaltet zu 61,9% Warenpreise (bestehend aus unverarbeiteten Nahrungsmitteln 8,2%, verarbeiteten Nahrungsmitteln 12,3%, Industrieerzeugnissen 32,1% und Energie 9,5%) und zu 38,1% Preise von Dienstleistungen.

20 vgl. Wagener, A. (2001), S. 56

21 vgl. Artikel 3 ESZB-Satzung

22 vgl. EZB Bericht (2001), S. 57

23 vgl. EZB Bericht (2001), S. 51

24 Anm.: Die Geldmenge M3 besteht aus Bargeldumlauf, täglich fälligen Einlagen, Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit bis zu 2 Jahren, Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu 3 Monaten, Repogeschäfte, Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu 2 Jahren und Anteilen an Geldmarktfonds bzw. Geldmarktpapieren – siehe Anhang, S. 12, Die Entwicklung der Geldmenge M3

25 vgl. EZB (2001), S. 52/53

26 vgl. Görgens, E./Ruckriegel, K. /Seitz, F. (2001), S. 161

27 vgl. EZB (2001), S. 56

28 vgl. Stadermann, H.-J. (1994)

29 vgl. Stadermann, H.-J. (1994), S. 147 ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638347730
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34591
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Geldpoilitische Instrumente Europäischen Zentralbank Volkswirtschaftslehre

Autor

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