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Der Wiederaufbau in West- und Ostdeutschland, Großbritannien und Polen. Ein Vergleich

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Teil: Der Wiederaufbau im Osten
1.1. Der Wiederaufbau in Polen
1.1.1. Die Industrialisierung
1.1.2. Die Kollektivierung der Landwirtschaft
1.2. Der Wiederaufbau in Ostdeutschland
1.2.1. Die Einführung des Sozialismus
1.2.2. Probleme und Mauerbau

2. Teil: Der Wiederaufbau im Westen
2.1. Der Wiederaufbau in Westdeutschland
2.1.1. Das Wirtschaftswunder
2.1.2. Westintegration
2.2. Der Wiederaufbau in Großbritannien
2.2.1. Die Krisen der Nachkriegszeit
2.2.2. Großbritannien als Empire
2.2.3. Verstaatlichungen und Wohlfahrtsstaat

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit sollen die bedeutendsten Grundlagen der Wiederaufbaupolitik nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht werden. Nach einer Zeit großer Umwälzungen und Schwierigkeiten sollte die Welt neu aufgebaut werden. Der Wiederaufbau lag im Schatten zweier Weltmächte, die ihrerseits versuchten, ihren Einflussbereich zu vergrößern und ihre Macht zu stärken. „Mit dem zweiten Weltkrieg ging auch die Dominanz des europäischen Staatsystems, die seit der Entstehung der neuzeitlichen Weltgesellschaft gegolten hatte und im Zuge der Industrialisierung Europas verstärkt worden war, zu Ende.“[1]

Auch die direkten Folgen der Wiederaufbaupläne sind wichtig für die gesamte Geschichte des Kalten Krieges und so wird die Machtpolitik des Wiederaufbaus die Geschichte für fast 50 Jahre bestimmen. Des Weiteren sind die Folgen dieser Politiken bis heute spürbar, so zum Beispiel die Spätfolgen des Wohlfahrtsstaates in Großbritannien, die dort bis heute ein wichtiges Thema darstellen.

Die verwendete Lektüre bezieht sich auf recht frühe Werke aus den 60er und 80er Jahren. Diese wurden insbesondere für Recherchen über Osteuropa benutzt, da sie den Zeitgeist besser wiederspiegeln als spätere Werke. Auch wurden Aufsätze in großen historischen Sammelbänden wie „Geschichte der Welt“ als Einstiegslektüre und Wegweiser für die Hausarbeit benutzt.

In der Hausarbeit selbst sollen über verschiedene Zwischenetappen mit jeweils eigenen Denkansätzen die großen Leitfragen der Arbeit beantwortet werden. Diese Etappen stellen die wichtigsten Punkte des Wiederaufbaus in Ost und West anhand jeweils zweier Beispielländer heraus. Durch verschiedene Etappen und Beispiele sollen am Ende der Hausarbeit folgende Leitfragen beantwortet werden: Wie sahen die verschiedenen Wiederaufbaupläne in Ost und West aus? Welche Schwierigkeiten brachten sie mit sich? Wie groß waren die Einflüsse der beiden Supermächte USA und UdSSR? Führten die verschiedenen Wiederaufbaupolitiken zu einer Teilung der Welt in Ost und West?

1. Teil: Der Wiederaufbau im Osten

Was waren die Grundideen des Wiederaufbaus im Osten und welche Probleme brachten sie mit sich? Diese Frage wird im Folgenden an den Fallbeispielen Polen und Ostdeutschland erläutert.

1.1. Der Wiederaufbau in Polen

Der Wiederaufbau in Polen ist nach dem Zweiten Weltkrieg vom sowjetischen Einfluss geprägt. Dieses System besteht hauptsächlich im kommunistischen Ideal der Planwirtschaft: „Es zeigt sich immer mehr, daß die große Errungenschaft der Revolution die Planwirtschaft ist. Sozialismus, das ist der Plan."[2]

Aus der ursprünglichen Marktwirtschaft sollte eine Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild werden.[3] Die Planwirtschaft besteht im Wesentlichen aus zwei grundlegenden Faktoren: der Verstaatlichung der Industrie und der Verstaatlichung und Kollektivierung der Landwirtschaft. Die Grundideen für den Wiederaufbau Polens liegen in zwei großen Wirtschaftsplänen: dem Dreijahres- und dem Sechsjahresplan.

Der Dreijahresplan bezieht sich weitestgehend auf die Restauration Polens, um den Standard, welcher vor dem Krieg herrschte, wiederzuerlangen, während der Sechsjahresplan weiterreicht und die Errungenschaften, sowie Produktivität und Polens Einfluss in der Weltwirtschaft anheben soll.

1.1.1. Die Industrialisierung

Wie erreichte die Sowjetunion die wirtschaftliche Abhängigkeit und Integration Polens? Nach den Erfolgen der Industrialisierung in der Sowjetunion wurde diese auch in den anderen Ostblockländern eine dringende Notwendigkeit, in der sich alle linken Parteien dieser Länder einig waren. Man stritt sich lediglich um das Tempo und die Umsetzung.[4] Russland wollte die Beziehungen zu Polen anders handhaben als zur Zarenzeit im 19. Jahrhundert: Polen musste aufgebaut und industrialisiert werden.[5]

Die ersten Pläne für ein solches Unterfangen wurden in der Tschechoslowakei, Polen und Ungarn entworfen und gründeten auf dem Glauben, Kredite von den USA aufnehmen zu können. Allerdings war dies durch ein Verbot der USA nicht erlaubt, was die Abhängigkeit zur Sowjetunion verschärfte.

Dies führt zwangsläufig zur Frage: Wie abhängig machten sich die Ostblockstaaten von der Sowjetunion um ihre Ziele zu erfüllen? Am Beispiel Polens soll diese Frage erläutert werden. Um die notwendigen Ressourcen zur Durchsetzung der Industrialisierungspläne zu finanzieren, musste Polen Kredite von der UdSSR in Anspruch nehmen. Diese bestanden im Wesentlichen aus zwei Arten von Krediten: lang- und kurzfristige Kredite. Die langfristigen Kredite dienten in erster Linie dazu, die Industrie von Grund auf aufzubauen. Die Sowjetunion kaufte die Produkte dieser Industriebetriebe, jedoch zu einem geringen Preis, welcher die Produktionskosten nicht abdeckte. Dies führte dazu, dass die Betriebe rote Zahlen schrieben. Um zudem die Industrie zu stützen, musste die polnische Regierung wiederum kleinere, kurzfristige Kredite bei der UdSSR aufnehmen. Dies führte zu einem Schuldendreieck, durch den sich Polen abhängig machte.

Diese Kredite und die Bereitstellung von Rohstoffen durch die UdSSR führten zu einer weiteren Abhängigkeit, da die polnischen Betriebe sich damit verpflichteten, ihre Erzeugnisse in die Sowjetunion und unter sich abzusetzen. Dies führte zu einem System der Wirtschaftsbeziehungen und war von der UdSSR durchaus zur Integration durch wirtschaftliche Verflechtung der Ostblockländer geplant.[6]

1.1.2. Die Kollektivierung der Landwirtschaft

Wie erreichte man die Kollektivierung und auf welche Schwierigkeiten stieß man dabei? Bis 1948 wurde die polnische Landwirtschaft von Kleinbauern dominiert. 56,8% der 2765000 landwirtschaftlichen Betriebe verfügten über weniger als fünf Hektar Nutzfläche.[7] Es war also eine Sanierung notwendig. Diese Sanierung bestand in der Gründung von Genossenschaften, welche die wichtigsten Produktionsgüter, sowie den Grund und Boden der Bauern kollektivieren sollten.[8] Da jedoch recht viele Bauern „antigenossenschaftlich“ eingestellt waren, versuchte man in Regierungskreisen die Bauern nicht nur durch Drohungen, sondern auch durch Privilegien zu locken; wie zum Beispiel staatliche Darlehen und Schenkungen oder der Verringerung der vorgeschriebenen Liefermengen. Diese wurden jedoch nur vereinzelt anerkannt und so kam es dazu, dass die verbliebenen privaten Bauern willkürlich ausgebeutet wurden anstatt die versprochenen Privilegien umzusetzen.

Doch waren die Genossenschaften oft weniger rentabel als die Betriebe der privaten Bauern. In Jugoslawien brachte eine Untersuchung hervor, dass ein Drittel der Genossenschaften rote Zahlen schrieb, ein Drittel keine Gewinne einbrachte und nur ein Drittel tatsächlich rentabel war.[9] Dies führte im Winter 1951 zu einer totalen Umorganisation der Genossenschaften. Hauptsächlich sprach man den Genossenschaften und ihren Leitern mehr Autorität und Verantwortung zu. Zum Beispiel stellte man parteitreue stellvertretende Direktoren an die Spitze der Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS), welche bereits 1948 gegründet wurden, um die Bauern mit Maschinen und Traktoren zu unterstützen.[10] Erst nach diesen Reformen der Genossenschaften gelang eine langsame, umfangreiche Kollektivierung und Verstaatlichung der Landwirtschaft.

1.2. Der Wiederaufbau in Ostdeutschland

Nach dem Krieg wollte man in dem von der Sowjetunion besetzten Deutschland einen Sozialismus nach sowjetischem Vorbild ohne Revolution aufbauen. Man wollte einen „besonderen deutschen Weg“[11] einschlagen. Dieser „deutsche Weg“ soll im Folgenden erläutert werden. Dabei richtet sich der Fokus auf folgende spezifische Fragen: Wie wurde der Sozialismus in der DDR eingeführt? Warum führten die Reformen zum Mauerbau und zur Spaltung der Welt in Ost und West?

1.2.1. Die Einführung des Sozialismus

Bereits 1945 gab es erste sozialistische Maßnahmen sowohl auf industrieller, wirtschaftlicher, als auch auf landwirtschaftlicher Basis. Am 30. Oktober 1945 wurde die erste Industriereform durchgesetzt unter dem Vorwand, die Industrie von Nazis und Kriegsverbrechern zu befreien und diese dem Volk zu übergeben. Die Industriebetriebe wurden verstaatlicht und fortan „Volkseigene Betriebe“ (VEB) genannt.[12]

Auf wirtschaftlicher Basis wurden im Jahr 1945 Banken und Sparkassen verstaatlicht.[13] 1947 wurde die „Deutsche Wirtschaftskammer“ als zentrale Planungs- und Leitungsinstanz gegründet, welcher weitreichende Vollmachten zugeschrieben wurden und deren Spitze fast ausschließlich von SED-Leuten besetzt war.[14] Mit der Verstaatlichung der Banken und Sparkassen gingen auch die Enteignung und Umverteilung allen Grundbesitzes, der größer als 100 Hektar betrug, einher. So wuchs die Zahl privater landwirtschaftlicher Betriebe bis 1950 auf 855600 an.[15] Bis 1952 wurde diese Entwicklung von Volk und Partei begrüßt jedoch distanzierte man sich in der Partei immer mehr davon, bis schließlich im Jahr 1961 alle Landwirtschaftsbetrieb verstaatlicht wurden.

1.2.2. Probleme und Mauerbau

Diese Maßnahmen führten jedoch zu weitreichenden Problemen: die Planwirtschaft hemmte die wirtschaftliche Entwicklung mehr als sie zu fördern, da Ulbricht, der Vorsitzende der SED, und die SED den industriellen Schwerpunkt auf die Schwerindustrie legten, kam es zu Versorgungsengpässen, da die Konsumgüterindustrie schwer vernachlässigt wurde.[16]

Auch die Bodenreform war eine Katastrophe: nach 1946 waren die Produktion und der Standard der Landwirtschaft auf unter Vorkriegsniveau gesunken.[17] Außerdem erhielten viele Bauern nach den Umverteilungen überhaupt kein Land, da diese zu nach den Umverteilungen ankamen. Hier handelte es sich oft um Kriegsflüchtlinge aus dem Osten.[18]

Die Landwirtschaft litt unter den Folgen der Bodenreform. Die Produktivität sank und die Grundlebensmittel wurden knapp. Bis zum Jahr 1958 wurden diese durch Rationierung nur mit Lebensmittelkarte erhältlich.

Diese Missstände führten zu einem Aufstand des Volkes, auf den die SED mit Flugblättern auf denen sie das Vertrauen des Volkes zur Partei in Frage stellten, und den Bauern und Arbeitern die Verdopplung der Arbeitsaufträge androhte.[19]

Da die Unzufriedenheit in der Bevölkerung nun noch weiter anwuchs, machten sich viele Bürger daran, die DDR in Richtung der BRD zu verlassen. Diese Massenauswanderung führte schließlich am 13. August 1961 zum Beginn des Baus der Berliner Mauer, da die Auswanderungen Ausmaße erreichten, durch die die SED den Zerfall der DDR fürchtete.[20]

Das Volk einzusperren schien für Ulbricht die einzige Rettung der DDR. Dies führte schlussendlich zur endgültigen Trennung der Welt in Ost und West.

[...]


[1] LOTH, Wilfried, Staaten und Machtbeziehungen im Wandel. in: IRIYE, Akira/ OSTERHAMMEL, Jürgen (Hg.), Geschichte der Welt. 1945 bis heute die globalisierte Welt, Großbritannien 2013.

[2] Fetjö, François, Die Geschichte der Volksdemokratien. Band I Die Ära Stalins 1945-1953, Frankreich 1972, Seite 315.

[3] König, Kurt, Die Wandlung der inneren Wirtschaftsstruktur in Polen seit 1945. Eine wirtschaftspolitische Studie unter Berücksichtigung der Autarkie- und Exporttendenzen, Würzburg, 1963, Seite 12.

[4] FETJÖ, François, Die Geschichte der Volksdemokratien. Seite 316.

[5] König, Kurt, Die Wandlung der inneren Wirtschaftsstruktur in Polen seit 1945. Seite 13.

[6] König, Kurt, Die Wandlung der inneren Wirtschaftsstruktur in Polen seit 1945. Seite 13.

[7] Fetjö, François, Die Geschichte der Volksdemokratien. Seite 360.

[8] Ebenda Seite 365.

[9] Ebenda Seite 368.

[10] Fetjö, François, Die Geschichte der Volksdemokratien Seiten 369-371.

[11] Heil, Werner, Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Deutschland 2013 Seite 120.

[12] Heil, Werner, Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Seite 122.

[13] Ebenda Seite 121.

[14] Ebenda Seite 122.

[15] Ebenda Seite 121.

[16] Ebenda Seite 130.

[17] Sandfort, Gregory W., From Hitler to Ulbricht. The communist Reconstruction of East Germany 1945-1983, Großbritannien, 1983, Seite 114.

[18] Ebenda.

[19] Heil, Werner, Zeitgeschichte des 0. Jahrhunderts. Seite 132.

[20] Ebenda.

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668356672
ISBN (Buch)
9783668356689
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345716
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg
Note
2,7
Schlagworte
Kalter Krieg Wiederaufbau DDR BRD Polen Großbritannien
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