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Psychische Gefährdungsanalyse im Krankenhaus

Studienarbeit 2015 27 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Executive Summary

2. Einleitung

3. Psychische Erkrankungen
3.1. Ursachen für psychische Erkrankungen
3.2. Stress als Ursache für psychische Erkrankungen
3.3. Arten psychischer Belastungen
3.4. Unterscheidung zwischen psychischer Belastung und Beanspruchung
3.5. Auswirkungen psychischer Belastungen und Beanspruchungen auf den Körper
3.6. Früherkennung

4. Gefahr am Arbeitsplatz Krankenhaus
4.1. Unterschiede im Krankenstand bei den verschiedenen Berufsgruppen
4.2. Belastungen und Beanspruchungen im Gesundheitswesen
4.3. Hauptgründe für psychische Erkrankungen bei Ärzten
4.4. Hauptgründe für psychische Erkrankungen beim nichtärztlichen Personal
4.5. Resultierende Risikofaktoren

5. Präventionsmaßnahmen

6. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbeitsbezogene Belastungen in Krankenhäusern

Abbildung 2: Stress als negativ erlebte Beanspruchung

Abbildung 3: individuelle Stressbewältigung

Abbildung 4: Folgen von Fehlbeanspruchung nach Strobel & v. Krause

Abbildung 5: Gesundheitliche Auswirkungen

Abbildung 6: sprichwörtliche Weisheiten

Abbildung 7: Krankenstand nach Wirtschaftszweigen

Abbildung 8: Faktoren beim Pflegepersonal

Abbildung 9: Ausgewogenheit

1. Executive Summary

In der folgenden Arbeit soll eine psychische Gefährdungsanalyse für den Arbeitsplatz Krankenhaus untersucht werden mit einer Analyse der Arten psychischer Erkrankungen und daraus resultierenden Präventionsmaßnahmen. Dabei wird zwischen ärztlichem und nichtärztlichem Personal differenziert und untersucht, ob für beide Gruppen die gleichen Ursachen für eine psychische Erkrankung vorliegen.

Neben häufig physiologisch ungünstigen Arbeitsbedingungen durch schweres Heben und Tragen spielen psychische Belastungen durch konstante Stressmomente für beide Gruppen eine sehr große Rolle. Erstaunlich ist, dass gerade im medizinischen Bereich die Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung am Häufigsten auftreten.

Psychische Erkrankungen resultieren nicht nur aus einer Ursache, sondern vielmehr dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Diese im Zusammenspiel mit Stress am Arbeitsplatz können zum Krankheitsbild psychischer Erkrankungen führen. Der Begriff Stress, den niemand so recht definieren kann, wird beleuchtet und es wird dargestellt, dass Stress zum Alltag gehört und keine pathologische Ausbildung hat, solange der Organismus die Möglichkeit für eine Regeneration hat. Gibt es keine Möglichkeit mehr für eine Regeneration und werden die Stressoren zu viel, kann der Stress zu einem Krankheitsbild führen, das sich aggressiv oder auch depressiv darstellen kann. Ausführlich werden die langfristigen Stressfolgen auf den Körper aus medizinischer Sicht aufgezeigt.

Die Differenzierung zwischen psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung und deren Auswirkungen auf den Körper wird analysiert mit Darstellung der daraus resultierenden kurz-, mittel- und langfristigen Folgen.

Zur Verhinderung von psychischen Erkrankungen, ist es enorm wichtig, die Symptome für eine mögliche Erkrankung frühzeitig zu Erkennen. Hier ist zum einen der Betriebsarzt gefragt, zum anderen sollten aber auch die Mitarbeiter selber für das Thema und die möglichen Symptome sensibilisiert werden, um mögliche Gefährdungslagen bei Kollegen rechtzeitig erkennen zu können.

Am Beispiel der Intensivmedizin wird das Zusammenspiel der oben genannten Faktoren aufgezeigt.

Bei dem ärztlichen Personal spielt die enorme Verantwortung eine sehr große Rolle. Bei den Ärzten kommen auch neben den normalen Diensten die Hintergrund- und Bereitschaftsdienste hinzu, die es oft unmöglich machen, dass Ärzte in ihrer Freizeit mental vom Dienst abschalten können. Das Arbeiten bis zur körperlichen Erschöpfung und das Treffen von lebenswichtigen Entscheidungen in Sekunden, sind weitere Auslöser für psychische Erkrankungen.

Ein Großteil der bei den Ärzten zutreffenden Auslöser sind auch bei dem nicht ärztlichen Personal zu finden. Hier kommt noch hinzu, dass auf Grund des sich immer weiter verstärkenden Personalmangels oft mehrere Positionen gleichzeitig bedient werden müssen. Durch die arbeitsbedingten Belastungen schaffen es viele nicht mehr, vom Dienst abzuschalten. Dadurch werden immer häufiger dienstliche Probleme in die Partnerschaft und die Familien mitgenommen, was oft zu massiven Differenzen in einer Partnerschaft führt.

Aus psychischen Belastungen und Beanspruchungen resultierende Risikofaktoren können das Burnout Risiko, hohe Morbidität und sogar eine erhöhte Mortalität durch Suizide sein. Besonders Berufsanfänger, die noch nicht beruflich gefestigt sind, tragen hierfür ein erhöhtes Risiko.

Burn Out ist nicht mehr nur eine ‚Manager Krankheit‘. Typische Anzeichen dafür können anhaltende Müdigkeit, der Wunsch nach immer häufigeren Arbeitspausen sein, Ruhephasen und Erholung halten immer kürzer an. Vielen ist es fast unmöglich, von der Arbeit abzuschalten.

Ziel der Präventionsmaßnahmen muss es sein, Fehlbeanspruchungen entgegenzuwirken. Wegen der Komplexität können erforderliche Maßnahmen nur schrittweise umgesetzt werden. Die betroffenen Mitarbeiter müssen davon überzeugt werden, ihre Freizeit auch tatsächlich freizeitmäßig zu nutzen und abzuschalten.

2. Einleitung

An jedem Arbeitsplatz lauern Gefahren. Diese können zum einen in mechanischen Gefahren bestehen oder aber auch in psychischen Momenten. Im Nachfolgenden soll daher untersucht werden, wie sich die psychische Gefährdungslage im Krankenhaus für die Mitarbeiter darstellt.

Krankenhäuser gehören zu den am meisten psychisch belastenden Arbeitsplätzen überhaupt, sowohl für ärztliches als auch für nichtärztliches Personal.

„Auch wenn die durchschnittliche Arbeitszeit von Klinikärztinnen und -ärzten zurückgegangen ist, bringt ihr Arbeitsalltag nach wie vor zahlreiche Belastungen mit sich. Zu den typischen Stressauslösern gehören unter anderem Schwachstellen bei der Arbeitsorganisation, schwierige Interaktionen mit Patienten sowie Probleme bei der Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten. Um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihres ärztlichen Personals schützen und fördern zu können, müssen Kliniken die Schwachpunkte in ihrem Haus kennen. Ermitteln lassen sich diese mit einer stressbezogenen Arbeitsanalyse, die die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zusammen mit der Universität Hamburg entwickelt hat.“[1]

Die im Vorstehenden aufgeführten Kriterien gelten neben dem ärztlichen Personal selbstverständlich im gleichen Umfang auch für das nichtärztliche Personal.

Zu den typischen psychischen Gefahrenquellen in Krankenhäusern zählen neben vielen anderen in großem Umfang vor allem die Infektionsgefahr, eine mögliche Strahlenbelastung oder eine Gefährdung für das Muskel-Skelett-System des Körpers durch physiologisch ungünstige Arbeitsbedingungen und -plätze durch schweres Heben und Tragen. Die am häufigsten verbreitete Gefahrenquelle in Krankenhäusern ist jedoch die psychische Belastung, die überwiegend durch fast konstant vorhandene Stressmomente ausgelöst wird. Die Belastungen im Krankenhaus werden in der Abbildung 1 zusammengefasst dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Arbeitsbezogene Belastungen in Krankenhäusern

(http://www.lpk-bw.de/fachportal/fachbeitraege/lptage_pdf/lpt2013/130627_5_wittich _lpt2013.pdf)

Durch immer mehr Krankschreibungen von ärztlichem und nichtärztlichem Krankenhauspersonal aufgrund von psychischen Erkrankungen entsteht für die Kollegen, die die Arbeit der Kollegen zusätzlich mit abdecken müssen, ein immer größeres Stresspotenzial an psychischen Belastungen und psychischen Beanspruchungen, da die meisten schon mit den regulären Aufgaben an den Grenzen der Belastbarkeit angelangt sind.

3. Psychische Erkrankungen

„Wie es in den Wissenschaften oft der Fall ist (siehe z.B. Intelligenz), existiert keine einheitliche Definition des Begriffes psychische Störung, da sich psychische Auffälligkeiten wie andere Störungsbilder auch durch eine Vielzahl von Merkmalen auszeichnen und es daher schwerfällt, die für die psychischen Störungen charakteristischen Merkmale von vornherein festzulegen. Manche Definitionsversuche sind daher sehr umfangreich in ihrem Bemühen, möglichst vielen Aspekten Rechnung zu tragen.“[2]

Im Allgemeinen wird jedoch in der Medizin eine psychische Erkrankung als eine deutliche Abweichung von der gesellschaftlichen oder medizinischen Normvorstellung psychischer Funktionen verstanden. Betroffen sein können in diesem Zusammenhang neben dem Denken, das Fühlen und die Wahrnehmung. Darüber hinaus kann auch das Verhalten betroffen sein. Sowohl die betroffene Person selbst, als auch die Umwelt können unter den Symptomen einen gewissen Leidensdruck erleiden.

Psychische Erkrankungen können bei Menschen entstehen, die einer dauerhaften psychischen Belastung am Arbeitsplatz ausgesetzt sind oder auch im privaten Umfeld einer hohen psychischen Belastung unterliegen. Meist können diese Menschen kein Gleichgewicht mehr zwischen Belastung und Entspannung herstellen.

Zu den psychischen Erkrankungen gehören Angsterkrankungen, die sich im Arbeitsleben meist durch Angst vor dem Gang zur Arbeit oder täglichem Unwohlsein vor dem Arbeitsantritt ausdrücken, Anpassungsstörungen, die es dem Betroffenen schwer machen, sich an seine Mitmenschen und seine Umgebung anzupassen und bipolare Erkrankungen, die den Menschen starke Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und tiefer Depression durchleben lassen. Des Weiteren gibt es die Borderline – Störung, die eine Impulsivität und Instabilität der Stimmung und Emotionen mit sich bringt, das Burnout – Syndrom, in dem der Betroffene niedergeschlagen wirkt, Depressionen, die sich durch zahlreiche Beschwerden äußern können, wie z.B. gedrückte Stimmung, Hemmung von Antrieb und Denken oder Schlaflosigkeit und der Panikstörung, die eine stärkere Form der Angsterkrankung darstellt. Zudem zählen Persönlichkeitsstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen, Schizophrenie und schizophrene Psychosen, Suchterkrankungen, Zwangserkrankungen und weitere zu den am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen.

3.1. Ursachen für psychische Erkrankungen

Auslöser für psychische Erkrankungen können unter anderem biologische Ursachen, psychologische Ursachen oder soziale Ursachen, z.B. eine Überforderung am Arbeitsplatz sein.

„Psychische Erkrankungen können nicht direkt auf eine Ursache zurückgeführt werden. Für die Entstehung werden sowohl biologische Faktoren (z. B. genetische Belastung, Stoffwechselveränderungen im Gehirn), familiäre Bedingungen (z. B. Eltern mit einer Depression) als auch belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit (z. B. Trennungen, Tod eines wichtigen Menschen) in Betracht gezogen.“[3]

Erst das Zusammenwirken vieler Entstehungsfaktoren kann bei dafür anfälligen Menschen zu psychischen Erkrankungen führen. Für einige Menschen stellen normale alltägliche Situationen schon eine spürbare Überforderung dar. Andere Menschen hingegen können erst bei extremer Belastung eine psychische Belastung wahrnehmen.

3.2. Stress als Ursache für psychische Erkrankungen

Was ist eigentlich Stress?

„Stress sorgt dafür, dass der Körper eine Hochleistung vollbringen kann; weil wir es wollen oder müssen. Stress entsteht aus Freude oder Angst. Das eine nennen wir EuStress, das andere DisStress.

Stress ist eigentlich normal und gesund. Unser System braucht Stress. Stress wirkt sich dann schädlich aus, wenn sich das System nicht genügend von den Auswirkungen des Stress erholen kann.

Stress nutzt, plündert oder raubt unsere Energiereserven, indem über das Nerven- und Hormonsystem Druck auf die Organe und den Stoffwechsel ausgeübt wird.

Stress kann Freude bereiten, aber auch aggressiv oder depressiv machen. Stress vermindert die Selbstwahrnehmung und verändert die Reaktionsfähigkeit.

Der Mensch kann einen größeren Stressor pro Tag verkraften – ohne dass sein Körper Schaden nimmt. In der heutigen Zeit sind wir aber vielen Stressoren gleichzeitig an einem Tag ausgesetzt.

Deshalb müssen wir unbedingt lernen, wie sich Stress und Regeneration eine gesunde Balance halten, denn beide sind für ein erfülltes und gesundes Leben wichtig.“[4]

In der Abbildung 2 wird die Entstehung von Stress noch einmal genauer betrachtet. Stress kann sowohl eine positive als auch eine negative Bewertung bekommen und somit je nach Situation und Voraussetzung des Menschen, diesen fordern oder sogar fördern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Stress als negativ erlebte Beanspruchung

(http://www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/arbeitspsychologie/doc/psybel_arbeitsplatz.pdf)

Die folgende Abbildung verdeutlicht die Entstehung psychischer Erkrankungen durch Stress.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: individuelle Stressbewältigung

(http://www.psychenet.de/psychische-gesundheit/informationen/basiswissen.html)

So wird bei dem Menschen, für den keine Risikofaktoren bestehen das linke Fass zwar leicht gefüllt aber der Betroffene kann mehr Stress bewältigen als andere. Dennoch kann auch bei einem Menschen, der keinen großen Risikofaktoren ausgesetzt ist, eine psychische Erkrankung aufgrund einer sehr großen Belastung entstehen.

Sind bei einem Menschen wenige Risikofaktoren vorhanden, kann er ein gewisses Maß an Stress bewältigen ohne eine psychische Erkrankung zu erleiden. Sollte die Belastung allerdings zu groß werden, so läuft auch bei ihm das Fass im sprichwörtlichen Sinne über.

Das rechte Fass stellt einen Mensch dar, dessen Risikofaktoren sehr stark ausgeprägt sind. Dieser Mensch kann somit nur mit geringem Stress umgehen, da ansonsten schon bei geringer Belastung eine psychische Erkrankung ausgelöst werden kann, was in der Abbildung durch ein schnell überlaufendes Fass dargestellt wird.

3.3. Arten psychischer Belastungen

Neben dem im Vorstehenden bereits ausführlich behandelten Stress, gibt es noch weitere Arten von psychischer Belastung.

- Psychische Ermüdung und ermüdungsähnliche Zustände

Psychische Ermüdung ist eine vorübergehende Beeinträchtigung der psychischen und physischen Funktionstüchtigkeit. Diese eingeschränkte Funktionstüchtigkeit wird subjektiv als Müdigkeit empfunden. Sie zeigt sich aber auch im Anstieg der erforderlichen Anstrengung im Verhältnis zur Leistung sowie in der Zunahme der Häufigkeit von Fehlern. Der Grad psychischer Ermüdung ist wesentlich abhängig von der Dauer und der Intensität der psychischen Beanspruchung.“[5]

Ermüdungsähnliche Zustände entstehen durch immer wiederkehrende identische Arbeitsmuster. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass die einzelnen Arbeitsschritte einfach oder stupide sein müssen. Auch anspruchsvolle immer wiederkehrende Arbeitsmuster können ermüdungsähnliche Zustände auslösen. Ermüdungsähnliche Zustände werden in drei Gruppen unterteilt, in Monotonie, herabgesetzte Wachsamkeit und psychische Sättigung.

„Der Zustand der Monotonie entsteht durch langandauernde, einförmige und sich wiederholende Arbeitsaufgaben. Das menschliche Arbeitsvermögen ist qualitativ unterfordert. Monotonie geht häufig mit Schläfrigkeit, Müdigkeit, Leistungsabfall und -schwankungen einher.“[6]

Herabgesetzte Wachsamkeit ist meistens eine Folge abwechslungsarmer Tätigkeiten wie z.B. Überwachungstätigkeiten auf einer Intensivstation, bei denen durch bestimmtes Personal Überwachungsmonitore kontrolliert werden müssen.

Die herabgesetzte Wachsamkeit steht in direktem Zusammenhang mit der Dauer der monotonen Tätigkeit.

Die psychische Sättigung stellt die dritte Möglichkeit der ermüdungsähnlichen Zustände dar.

„Dies kennzeichnet einen Zustand der Nervosität und Unruhe sowie der Ablehnung einer sich wiederholenden Tätigkeit oder Situation. Es herrscht das Gefühl des "Auf-der-Stelle-Tretens" oder des "Nicht-weiter-Kommens". Weitere Symptome sind Empfindungen von Ärger und Überdruss sowie die Tendenz sich zurückzuziehen. Deutlicher Leistungsabfall ist die Folge.“[7]

3.4. Unterscheidung zwischen psychischer Belastung und Beanspruchung

Im Vorstehenden wurde immer wieder auf psychische Belastungen und psychische Beanspruchungen eingegangen. Diese beiden Begrifflichkeiten müssen ganz eindeutig unterschieden werden. In der Medizin werden psychische Belastung und psychische Beanspruchung wie folgt unterschieden:

Psychische Belastung

ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommt und psychisch auf ihn einwirkt

Psychische Beanspruchung

ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psych. Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien“[8]

„Die Arbeitsanforderungen verändern sich. Zeitvorgaben werden enger, Arbeitstempo und Qualitätsansprüche steigen, Leistung wird auch im Büro gemessen, Verantwortung wächst. Eine fast ständige Verfügbarkeit gilt als normal und der Druck des Marktes wird immer mehr an den einzelnen weitergegeben.

Psychische Belastungen rücken immer mehr ins Blickfeld

Die auf den Menschen in der Arbeit einwirkenden Belastungen verschieben sich von den körperlichen hin zu vorrangig psychischen Anforderungen. Für die einen wird die Arbeit gleichförmiger bis zum Verdruss, für andere erhöht sich enorm ihre Komplexität. Psychische Belastungen wie Terminhetze, hohe Arbeitsintensität und Verantwortungsdruck haben in den letzten fünf Jahren in rund 90 Prozent aller Betriebe stark zugenommen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Eine Umfrage unter Arbeitsschutzexperten ergab, dass Zeitdruck, schlechtes Führungsverhalten und Angst vor Arbeitslosigkeit maßgebliche Faktoren sind, die zu psychischen Fehlbelastungen führen. Die Zahl der Krankheitstage auf Grund psychischer Störungen ist in den letzten Jahren teilweise um 50 Prozent gestiegen, wie Analysen von Krankenkassen (z. B. DAK) zeigen. Psychische Erkrankungen sind inzwischen immer häufiger der Grund für Frühverrentungen. Dadurch entstehen enorme betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten.“[9]

3.5. Auswirkungen psychischer Belastungen und Beanspruchungen auf den Körper

Stress und psychische Belastungen und Beanspruchungen können sich auf vielerlei Art und Weise mit unterschiedlichsten Symptomen äußern. Dabei wird zusätzlich noch in kurzfristige, und mittel- bis langfristige Folgen unterschieden. In der folgenden Grafik werden die Folgen von Stress den daraus resultierenden Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz gegenübergestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Folgen von Fehlbeanspruchung nach Strobel & v. Krause

(http://www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/arbeitspsychologie/doc/psybel_arbeitsplatz.pdf)

[...]


[1] Bruns (Psychische Belastung am Arbeitsplatz 2013).

[2] Walter (Psychologische Störungen 2009).

[3] Tlach/Lambert/Weymann/Liebherz/Dirmaier/Härter (Basiswissen zu psychischen Erkrankungen 2015).

[4] Wolf (Was ist Stress? 2009).

[5] Wanke (Psychische Belastungen).

[6] ergo-online (Psychische Belastungen 2014).

[7] ergo-online (Psychische Belastungen 2014).

[8] Pohling (Der gesunde Arbeitsplatz 2014) S.7.

[9] ergo-online (Psychische Belastungen 2014).

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668351608
ISBN (Buch)
9783668351615
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345358
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Schlagworte
psychische Belastung Arbeitsplatz Krankenhaus psychische Belastung im Krankenhaus Krankenhaus als psychische Belastung

Autor

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Titel: Psychische Gefährdungsanalyse im Krankenhaus