Lade Inhalt...

Das Leben Kathy Ackers im Spiegel der medialen Wahrnehmung

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung, Gegenstand und Ziel

2 Vita Kathy Ackers und mediale Reflexion
2.1 Kindheit, Jugend und Studienzeit
2.2 Acker in New York
2.3 Schriftstellerische Tätigkeit und Bekanntheit
2.4 San Francisco und Tod

3 Bewertung und Fazit

4 Literatur- und Quellenverzeichnis

5 Anhang

1 Einführung, Gegenstand und Ziel

Mit dem Schreiben habe ich kein Problem, aber als Person ist es schwierig. In England war es absolut schrecklich. Die Medien hatten ein Wahnsinns-Image von Kathy Acker aufgebaut. Es war ein Problem bei Freundschaften, besonders wenn man Sex mit jemanden haben wollte, weil das Medien-Image so sehr ein sexuelles Image ist. Ich bin dort sehr bekannt und kriege tonnenweise Aufträge, aber daß ihnen das gefällt, was ich tue, nein, das kann man nicht sagen. Sie fetischisieren es.

(Kathy Acker im Gespräch mit Sylvère Lotringer im Zeitraum von Oktober 1989 – Mai 1990, New York. Zitiert nach Acker, 1990, S. XXIV)

Insgesamt 16 Romane, zahlreiche Essays und Manuskripte hinterließ Kathy Acker, als sie am 30. November 1997 im mexikanischen Tijuana an Brustkrebs starb. Noch heute kann die in New York geborene amerikanische Schriftstellerin als eine der einflussreichsten Literatinnen ihrer Zeit gesehen werden. So kontrovers ihr Werk behandelt wurde, so unkonventionell bestritt die Autorin ihr eigenes Leben. Allen voran durch die Indizierung ihres Romans Harte Mädchen weinen nicht (im Original Blood and Guts in Highschool, 1978) durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften erregte die Autorin mediales Aufsehen in Deutschland. Doch in welchem Verhältnis stand die Vita Kathy Ackers mit ihrer literarischen Hinterlassenschaft und dem medial reflektierten Echo?

In dieser Arbeit soll die Biographie der Autorin nachgezeichnet und möglichst vielseitig beleuchtet werden. Im Kontext dessen wird ihr schreiberisches Schaffen in Abhängigkeit von ihrem Lebensweg und ihrer Lebensweise betrachtet. Insbesondere die Rolle der Sexualität, die Einflüsse des Punks und des selbst aufgebauten Images sollen dabei als wesentliche Einflussgrößen auf die publizierten Texte und ihre Wirkung hervorgehoben werden. Kernpunkt der Arbeit bildet indes die mediale Wahrnehmung der Kathy Acker und ihres literarischen Werkes. Es stehen die Fragen im Raum, wie und in welchem Ausmaß Kathy Acker und ihre Texte von den klassischen Massenmedien wie Presse und Fernsehen wahrgenommen wurden und welches Image der Autorin angeheftet wurde bzw. in welchem Verhältnis transportiertes Image zu der realen Person Acker steht oder stand. Hierzu sollen exemplarische Pressetexte über die Autorin analysiert und ausgewertet werden, ohne aber der kommunikationswissenschaftlichen Methode der Medieninhaltsanalyse zu folgen (vgl. Rössler, 2005). Vielmehr sollen wiederkehrende Charakteristika und Schlagwörter zur Beschreibung der Autorin herausgearbeitet und im Kontrast zur Autorin und ihres Selbstverständnisses aufgezeigt werden. Ein wesentliches Element bei der Bearbeitung der Erkenntnisziele stellt überdies der Film Who´s afraid of Kathy Acker? (2007) dar. Die 79-minütige ZDF/ARTE/ORF-Produktion von Barbara Caspar soll zum einen als wichtige Quelle dienen, um die Vita der Kathy Acker nachvollziehen zu können. Zum anderen soll aber auch das Doku-Potrait selbst Gegenstand der Betrachtung der medialen Rezeption sein, in der die amerikanische Schriftstellerin nicht nur portraitiert wird, sondern womöglich auch mittels diverser Stilmittel in eine Image-Korsage gezwängt wird. Komplementär dazu stellt sich die Frage, ob derartige Images erst durch die Rezeption und gedankliche Konstruktionen des Lesers konzipiert werden, oder ob womöglich die Person selbst bewusst ein Image kreiert und sich somit selbst inszeniert.

Im Folgenden dieser Arbeit sollen chronologisch die wichtigsten Stationen und Einflussfaktoren der Autorin und die mediale Berichterstattung aufgezeigt werden. Durch die lückenhafte Quellenlage in Bezug auf die Person und die Lebensdaten, sowie fehlende Arbeiten über die in diesem Zusammenhang Rollen spielende mediale Rezeption, ist diese Arbeit als ein erster Versuch zu sehen, die Autorin als Gegenstand unter der Berücksichtigung von Image- und Mediengesichtspunkten zu behandeln.

2 Vita Kathy Ackers und mediale Reflexion

2.1 Kindheit, Jugend und Studienzeit

Kathy Acker wurde an einem 18. April in New York geboren. Das exakte Alter der Amerikanerin kann nicht sicher wiedergegeben werden. Während beispielsweise Der Spiegel (Nr. 50, 1997, S. 258) und die Süddeutsche Zeitung (SZ, 5. Dezember 1997, S. 17) übereinstimmend zum Tod der Autorin vermerken, dass sie 53-jährig gestorben und somit im Jahr 1944 geboren worden sei, wird in dem Portrait von Barbara Caspar aus dem Jahr 2007 angegeben, dass Acker erst 1947 zur Welt gekommen sei (2007, 00:09:14 h). Ihr Vater verließ die Mutter noch vor der Geburt. Acker selbst behauptete weiterhin, dass ihre Mutter sie nicht leiden könne (Caspar, 2007, 00:11:50 h). Diese Tatsache wird verdeutlicht, als Kathy Acker, später in New York „unterhalb der Armutsgrenze“ lebend, wie ihre damalige Affäre Alan Sondheim erinnert (Caspar, 2007, 00:24:00 h), ihre Mutter um Geld bat und die Mutter entgegnete, dass die Stadt sie lebendig begraben möge (ebd.).

Trotz dieser prekären familiären Situation wuchs Kathy Acker in „bester New Yorker Gesellschaft“ (SZ, 5. Dezember 1997, S. 17) auf und musterte sich zu einer „Eliteschülerin“, wie SZ-Autor Willi Winkler in diesem Artikel vermerkt. Auch Acker selbst sagte, dass sie eine gute Schülerin gewesen sei, „my teachers loved me“ (Caspar, 2007, 00:12:01 h). Acker studierte nach ihrem Schulabschluss von 1964 bis 1966 zunächst Altphilologie an der privaten Brandeis University in Waltham, Massachusetts (Caspar, 2007, 00:12:30 h), ehe sie später in San Diego Griechisch und Latein studierte (Acker, 1990, VIII). Bereits früh entwickelte die New Yorkerin ein reges Interesse für das Schreiben, zunächst aber, wie die Autorin in einem Interview 1984 in der Londoner „Southbank Show“ betont, ohne eine weibliche Sprache: „there was no female language given me“ (Caspar, 2007, 00:07:38 h). Diese anfängliche „Sprachlosigkeit“ der Autorin, die dennoch schrieb und auf Anraten ihrer Eltern für die Bestellerlisten schreiben solle, wie ihre Schwester Wendy Bowers in einem Interview für die ARTE/ZDF/ORF-Produktion betont (Caspar, 2007, 00:09:50 h), änderte sich, als Kathy Acker ihrem privilegierten Leben, geprägt von Privatschulen und Theaterbesuchen (Caspar, 2007, 00:09:37 h), den Rücken kehrte und immer wieder in das New Yorker Szeneviertel Greenwich Village flüchtete, wo sie laut Aussage ihrer Schwester „viel Inspiration für ihre Texte fand“ (Caspar, 2007, 00:10:34 h).

Erstmals an der Brandeis University, die Acker inmitten der 1960-Bewegung besuchte, entstand ein Image von Kathy Acker. Dieses Image war jedoch noch nicht medial geprägt, da die junge Literatin noch nicht in ihrem künstlerischen Schaffen öffentlichkeitswirksam aufgetreten ist. Vielmehr schaffte sie sich selbst ein Image. Und zwar das, „eines androgyn aussehenden Genies, das seit seinem 13. Lebensjahr regelmäßig Sex hat. Sie war sehr clever und hing ständig in der Bibliothek rum. Wirklich ständig“, wie Mel Freilicher, ehemaliger Kommilitone Ackers und derzeitiger Lektor an der Universität San Diego, berichtet (Caspar, 2007, 00:12:56 h). Durch die Abgrenzung zu ihren Kommilitonen, beispielsweise indem sie ihre Haare kurz geschnitten trug und so eine Androgynität hervorhob, teste sie gepaart mit einer sehr frühen Sexualität die Wirkung auf ihre Mitmenschen und machte sich selbst interessant. Dieser Schritt der Emanzipation – womöglich vom Elternhaus, von Freunden etc. – kann als richtungsweisend für die nach und nach aufkommende Persönlichkeitsentwicklung gesehen werden.

2.2 Acker in New York

Äußerst jung heiratete Kathy Acker bereits im Jahr 1967. Ein Faktum, das nicht in das von im weiteren Verlauf stärker von Rebellion geprägten jungen Leben der Schriftstellerin passte. „Wir waren sehr überrascht als sie heiratete. Es erstaunte mich nicht, dass ihre Ehe nur sehr kurz hielt“, belegt auch Schwester Wendy Bowers (Caspar, 2007, 00:19:00 h) den für Acker ungewöhnlichen Schritt in die Ehe. Wen die Autorin heiratete, ist mittels der Quellenlange jedoch nicht zu ermitteln. Mit ihrem Schritt 1973 nach New York City zu ziehen, änderte sich das Leben der Kathy Acker radikal. Anfänglich hatte sie den Prozess der bewussten körperlichen Veränderung noch nicht vollzogen, da sie – wie in der nach und nach aufkommenden Punkbewegung üblich – weder Tätowierungen noch Piercings trug. Acker hielt zu dieser Zeit auch erste Lesungen ab. Dabei war Acker indes noch nicht „die Kathy, die sie selbst erschaffen würde. Aber sie war eines dieser Kinder mit sehr klaren Visionen. Sie war ein Kind“, berichtet die Künstlerin und Weggefährtin Ackers, Carolee Schneemann, über die ersten Begegnungen mit der jungen Autorin (Caspar, 2007, 00:21:53 h).

Der weitere Werdegang Kathy Ackers wurde gerade in New York verstärkt durch Sexualität geprägt. So blieb vor allem ihre Arbeit in diversen Sex-Clubs, in denen Acker als Tänzerin und Stripperin für bis zu drei verschiedene Clubs pro Abend tätig war (Caspar, 2007, 00:24:55 h) und das Video „The Blue Tape“, einem künstlerischen (Soft-) Porno mit explizitem Inhalt und Zeigen der Geschlechtsteile aus dem Jahr 1974 von Kathy Acker und dem Videokünstler und damaligen Partner Alan Sondheim, medial in Erinnerung[1]. Als „ehemalige Porno-Darstellerin“ betitelte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung (SZ, 22. März 1996, S. 15) die Autorin auch nach weit über 20 Jahren seit „The Blue Tape“. Dies belegt, dass gerade die vermeintlich skandalträchtigen Kapitel in der Lebensgeschichte Kathy Ackers als wichtig (auch als Einfluss auf ihre literarischen Texte) erachtet werden. Gleichzeitig bedeutete die zunehmende Sexualisierung des eigenen Lebens geprägt durch die Arbeit in zwielichtigen Nachtclubs auch den sozialen Abstieg, wie die Autorin selbst in einem Interview bekräftigt: „That was my life.

[...]


[1] Ausschnittsweise auch in der ARTE/ZDF/ORF-Produktion W er hat Angst vor Kathy Acker? (Caspar, 2007, 00:22:15) zu sehen

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668351417
ISBN (Buch)
9783668351424
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345315
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät: Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Kathy Acker Biographie Medien Image Schriftstellerin

Teilen

Zurück

Titel: Das Leben Kathy Ackers im Spiegel der medialen Wahrnehmung