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Sozialpädagogische Übergänge. Exemplarische Betrachtungen

Übergänge von Jugend zum Erwachsenalter und Übergänge in die Sexarbeit

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialpädagogik der Übergänge — Der Übergang von Jugend zum Erwachsenenal- ter
2.1 Emerging Adulthood
2.2 Die Jugendphase aus soziologischem und psychologischem Blick
2.3 Handlungsempfehlungen

3. Der Weg in die Prostitution
3.1 Was bedeutet ‚Sexarbeit‘?
3.2 Wege in die Sexarbeit
3.3 Berufseinstieg im Handlungsfeld der Prostitution für sozialpädagogische Fachkräf- te

4. Reflexion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich zwei unterschiedliche Themen darstellen. Der ers- te Teil behandelt den Übergang vom Jugendalter hin zum Erwachsenenalter und die damit verbundenen Herausforderungen. Doch was versteht man unter dem Begriff ‚Übergang‘? Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben individuelle und vielfältige Übergänge, wie zum Beispiel den Übergang vom familiären Nest in den Kindergarten oder von der Schule hin zu einer Ausbildung/ einem Studium und dem damit oftmals verbundenen Auszug aus dem Elternhaus. Meist bedeutet ein Übergang eine Verände- rung der bestehenden Gewohnheiten und eine Anpassung an Neues. Übergänge stel- len längerfristige Veränderungsprozesse dar und beziehen sich auf die betreffende Person als auch das umgebende soziale Umfeld. Setzt man sich mit diesem Thema auseinander, so trifft man auch oft auf den Begriff ‚Transition‘, welcher die Bewältigung der Veränderungen innerhalb der Übergänge meint. Doch nicht bei allen Jugendlichen gelingt die Bewerkstelligung der Übergänge und es kommt zu Schwierigkeiten im Ent- wicklungsverlauf. Daher wird dieses Thema auch für die Pädagogik von immer größe- rer Bedeutung, da Fachkräfte dieses Feldes an den Problemlagen der Betroffenen an- setzen können, um diese in ihren individuellen Lebensläufen und -aufgaben zu unter- stützen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit werde ich auf das im Seminar ‚Sexarbeit - biographische und institutionelle Übergänge‘ behandelte Thema der Prostitution eingehen. Gerade in Trier wird man immer wieder mit diesem Thema konfrontiert, da die Stadt in der Grenz- region ein beliebter Anlauf für Freier aus Frankreich oder Luxemburg ist, wo die Prosti- tution gesetzlich verboten ist. Dadurch ist Sex hier ein sehr lukratives Geschäft und man wird fast täglich mit Reklamen für Bordelle oder Damen am Straßenstrich konfron- tiert. Trier zählt zu den Städten Deutschlands, in der die Zahl der Prostituierten pro 100.000 Einwohner mit am höchsten ist. Eine genaue und offizielle Zahl wie viele Frauen und Männer im Bereich der Sexarbeit tätig sind, gibt es leider nicht. In Trier be- läuft sich die Zahl zur Zeit auf Rund 170 Prostituierte und 20 bis 25 Bordelle.1 Für ge- samt Deutschland wird die Zahl der Prostituierten auf etwa 400.000 geschätzt, welche sich auf vier Bereiche aufteilen lässt: in Bordellen werden rund 89.500 Prostituierte be- schäftigt, in der Straßenprostitution sind etwa 71.600 Frauen tätig, Hostessendienste leisten ungefähr 60.000 und in den sonstigen Bereichen wie Telefonsex, Sexualassis- tenz oder Table-Dance-Bars sind um die 179.000 Beschäftigte zu finden.2 Daneben gibt es jedoch auch viele illegal Beschäftigte, wodurch die Dunkelziffer weiter steigt. Doch was bewegt Menschen zu einem Einstieg in dieses Milieu? Und wie kann sich die Arbeit als sozialpädagogische Fachkraft in diesem Bereich gestalten?

2. Sozialpädagogik der Übergänge — Der Übergang von Jugend zum Erwachse- nenalter

Der Übergang aus der Kindheit ins Erwachsenenalter ist sehr komplex und lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen. Zum einen in die Lebensphase des ‚Erwachsenwer- den‘ im Alter von 18 bis 25 Jahren. Dieser Abschnitt wird auch als ‚Emerging Adult- hood‘ bezeichnet, worauf im weiteren Verlauf noch eingegangen wird. Hinzu kommt die Phase des ‚Noch-Nicht‘: die sich im Übergang befindenden Personen sind noch nicht im Beruf, leben noch nicht in einer festen Partnerschaft, haben noch keine eigenen Kinder und verfügen zudem über keine ausreichende finanzielle Absicherung. Gleich- zeitig findet auch die Phase der ‚Exploration‘ statt, in welcher sich die jungen Erwach- senen ausprobieren (in Bezug auf Sexualität und Partnerschaft), über ihren weiteren beruflichen Weg nachdenken und die eigene Weltanschauung hinterfragen. (vgl. Kön- geter, Dr. Stefan: 10)

Zu den genannten Lebensphasen kommen kognitive und emotionale Entwicklungen jedes Einzelnen hinzu. Komplexe Formen des Denkens entstehen und durch die nicht klar definierte Position im Lebenslauf sind junge Erwachsene häufiger anfällig für psychische Krankheiten, als Personen in anderen Lebensabschnitten. (vgl. ebd.)

2.1 Emerging Adulthood

Der Begriff des Emerging Adulthood stammt von dem Psychologen Jeffrey Arnett und bezeichnet die Phase zwischen Jugend und jungem Erwachsenenalter von 18 bis 25 Jahren. Diese Übergangsphase erstreckt sich heutzutage über einen längeren Zeit- raum als in den vergangenen Jahrzehnten.3 Aufgrund längerer Schul- und Ausbil- dungszeit findet eine ausgedehntere Entwicklungsphase statt. So befanden sich 1960 etwa 70 Prozent der Sechzehnjährigen in einer beruflichen Ausbildung und nur ein Viertel noch in einer Schulausbildung, wohingegen sich bis Mitte der 1990er Jahre die Zahlen getauscht haben; rund 80 Prozent der Sechszehnjährigen besuchen in diesem Zeitraum noch eine Vollzeitschule und die Schulbesuchsdauer ist von 1950 bis 1990 um zwei Jahre angestiegen. (vgl. Weinhaupt und Kühne 2011: 258, zit. in Tremmel 2014: 53) Die durchschnittliche Schulbesuchsdauer lag 2015 bei 12,5 Jahren.4 Durch diese Verlängerung der Schulzeit erfolgt der Auszug aus dem Elternhaus dementspre- chend später und eine Partnerschaft sowie Elternschaft wird zusätzlich nach hinten verschoben. Insgesamt herrscht eine hohe Diversität und es finden viele Wechsel wäh- rend der gesamten Berufslaufbahn statt. (vgl. Köngeter, Dr. Stefan: 11)

Innerhalb des Emerging Adulthood spielen neben den demographischen Veränderun- gen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle, so zum Beispiel die subjektive Wahr- nehmung der jungen Erwachsenen. Als wichtigste Kriterien für das Erwachsensein zählen nicht so sehr die demographischen Variablen, sondern viel mehr persönliche Eigenschaften, das Treffen von unabhängigen Entscheidungen sowie die Übernahme von Verantwortung. (vgl. ebd.: 12) Außerdem ist die Identitätsfindung ein wichtiger Be- standteil im Prozess des Erwachsenwerdens. Diese Phase lässt sich auch als ‚Zeit des Sich-Entscheidens‘ bestimmen. Hierbei kommt es zu Veränderungen in Bezug auf Lie- be und Partnerschaft: Beziehungen werden länger und intensiver und die Frage nach einer lebenslangen Partnerschaft rückt immer weiter in den Vordergrund. Zusätzlich wird das Thema ‚Arbeit‘ und ‚Berufswahl’ wichtiger, denn der ausgewählte Studiengang oder die Ausbildung sollen auf das spätere Erwerbsleben vorbereiten und die Frage nach Jobmöglichkeiten kommt immer häufiger ins Bewusstsein der Jugendlichen. Da- neben überdenken und hinterfragen viele ihre bisherige Weltanschauung, was eventu- ell zu einer Veränderung der eigenen Sichtweise führt und letztlich zu einer Festigung dieser. (vgl. Köngeter, Dr. Stefan: 13)

Der Übergang zwischen Jugend und Erwachsensein lässt keine klare Unterscheidung zwischen zwei Lebensphasen mehr zu, sondern wird durch eine Entstandardisierung des Lebenslaufs geprägt und als Zeit des ‚jungen Erwachsenenalters‘ betitelt. Die For- schungsgruppe ‚EGRIS‘ ( „European Group for Integrated Social Research“5 ) unter- sucht auf europäischer Ebene die sich verändernden Strukturen und Prozesse sozialer Integration im Rahmen der Übergänge zwischen Jugend und Erwachsenenalter und die Konsequenzen für Bildung und Wohlfahrt.6 Eines der Projekte von EGRIS lautet ‚YO-YO‘ (Youth Policy and Participation) und beschäftigt sich mit den Potenzialen der Partizipation und des informellen Lernens im Übergang von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt.7 Doch nicht nur die Übergänge in die Berufswelt werden untersucht, sondern zusätzlich die vielen anderen Übergänge von Familie und Wohnen, Ge- schlecht und Identität, Körperlichkeit und Sexualität, Beziehungen und Partnerschaft, sowie dem eigenen Lebensstil und der Jugendkultur. Die vielfältigen Übergänge wer- den von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Zum einen spielt die Reversibilität (Umkehrbarkeit) eine Rolle, denn im Prozess des Übergangs von Jugend zum Er- wachsensein ist eine Rückkehr in die alte Lebensform jederzeit möglich. Zum anderen wird diese Phase auch von einer Gleichzeitigkeit geprägt, da eine jugendliche und er- wachsene Lebensform parallel möglich ist. Durch die unterschiedlichen Lebensläufe entsteht in der Folge von Übergängen eine Art Diversifizierung (Diversifikation = Viel- seitigkeit) als auch Individualisierung, wodurch Entscheidungen den Erwachsenen überlassen werden. (vgl. Köngeter, Dr. Stefan: 16f.)

Im Verlauf des ‚Emerging Adulthood‘ tauchen mehrere Handlungsparadoxien auf. Dazu zählt das Planungsparadox, denn Jugendliche sollen ihre Zukunft genauestens planen, ohne durch die sich verändernden gesellschaftlichen Anforderungen richtig planen zu können. Zusätzlich wird von ihnen eine gewisse Selbstständigkeit verlangt, ohne dass die Jugendlichen aufgrund von fehlenden ökonomischen Ressourcen eigenständig sein können (Selbstständigkeitsparadox). (vgl. Köngeter, Dr. Stefan: 20)

2.2 Die Jugendphase aus soziologischem und psychologischem Blick

Wie anfangs erwähnt, wird die Jugendphase durch immer länger werdende Ausbil- dungszeiten beeinflusst und beginnt mit dem Eintritt der Geschlechtsreife und endet mit dem Erwerb der ökonomischen Unabhängigkeit.8 In diesem Zeitraum müssen un- terschiedliche Entwicklungsaufgaben bewältigt werden. Die Entwicklung einer sozialen Kompetenz ist Grundvoraussetzung, um selbstverantwortlich zu Handeln und schuli- schen sowie später beruflichen Aufgaben nachkommen zu können. Ebenso wichtig ist der Erwerb der psychischen Kompetenz, da diese zu einer Akzeptanz „körperlicher Veränderungen, der Entwicklung einer Geschlechtszugehörigkeit und [einer] psycho- sozialen Bewältigung“ 9 beiträgt. Zusätzlich spielen die Entwicklung eines eigenen Le- bensstils, eigener Handlungsmuster und eigenem Wertesystems eine große Rolle.

Dieser psychosoziale Prozess wird als Adoleszenz bezeichnet. Hierbei nimmt die enge Bindung zu den Eltern ab und Liebeswünsche an sich selbst, an gleichgeschlechtliche Freunde und im späteren Verlauf auch an gegengeschlechtliche Freunde oder auch gegengeschlechtliche Partner nehmen zu. Hierbei wird der intensive Ablösungspro- zess „von der Suche nach einem inneren Kompass […] geprägt.“ 10 Vielen fällt es schwer, die inneren Empfindungen zu identifizieren und die eigene Selbstständigkeit zu entwickeln und umzusetzen. Es findet eine dauerhafte Suche nach dem Selbst als originelle Persönlichkeit statt. (vgl. Hurrelmann, Klaus: 46) Um sich dem Einfluss der Eltern oder Lehrer zu entziehen, reagieren viele Jugendliche in Form von provokantem Verhalten, worauf hin Eltern zunehmend verunsichert sind. Beide Seiten bewegen sich zwischen emotionaler Verbundenheit und selbstgesteuertem und distanzierten Verhal- ten. Diese Phase wird durch die Aufbruchsstimmung der Jugendlichen geprägt. Die Jugendlichen verlassen ihren sicheren Hafen von Akzeptanz und Geborgenheit und benötigen für einen gelingenden Austritt strukturierende Angebote in Form von Orien- tierung und Halt (wie zum Beispiel die gemeinsame Festlegung eines Auszugs). An solchen Übergangshilfen mangelt es jedoch in den meisten Familien, als auch in der Gesellschaft.11 Innerhalb des Übergangs werden hauptsächlich zwei Konzepte sicht- bar: zum einen den Übergang als Transition, das heißt, der oder die Jugendliche ge- hen direkt von der Herkunftsfamilie in eine Partnerschaft über und der sichere Hafen wird durch einen neuen ersetzt. Zum anderen kann sich der Übergang als Moratorium gestalten, welcher als Schonraum zur Suche nach dem eigenen Ich dienen soll. Hier- bei werden oftmals Wohngemeinschaften als Übergangsform gewählt. Insgesamt er- folgt der Auszug aus dem Elternhaus relativ spät, wohingegen Mädchen früher als Jungs das ‚vertraute Nest‘ verlassen.12

Vergleicht man das Muster des Lebenslaufs aus heutiger Sicht mit dem aus dem vori- gen Jahrhundert, so lassen sich ganz deutliche Unterschiede erkennen. Es gibt keinen standardisierten Lebenslauf mehr, da sich die Arbeitsmarkt- und Lebensbedingungen verändert haben. Eine „feste Abfolge von schulischer und beruflicher Ausbildung und anschließender Erwerbstätigkeit [ist] nicht mehr garantiert“ (zit. Hurrelmann, Klaus: 48) und die Garantie auf ein Erwerbsleben ohne Veränderungen von Berufsbildern ist nur noch selten zu finden. (vgl. ebd.) Zusätzlich nimmt auch die Emanzipation Einfluss auf den veränderten, nicht mehr starr ablaufenden Lebenslauf, denn viele Frauen sind nicht mehr bereit, vollständig auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten und sich nur noch um Haushalt und Kindererziehung zu kümmern.

Dieser Wandel macht somit eine Planbarkeit des Lebenslaufs fast unmöglich und die Erfüllung der oben genannten Entwicklungsaufgaben wird durch die hohe Eigendyna- mik erschwert.

2.3 Handlungsempfehlungen

Mehrere Expertinnen und Experten des Zentrums für Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik und den Aufbau einer Allianz für Jugend haben Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Bereiche der Sozialen Arbeit zusammengefasst und richten sich hiermit an Bund, Länder und Kommunen sowie an die Jugendhilfe, Schulen, Ausbildungsträger, Arbeitgeber und Jobcenter. (vgl. Reißig, Dr. Birgit u.a.: 48) Die Empfehlungen sind in mehrere Bereiche untergliedert:

[...]


1 vgl. http://www.trier-reporter.de/sex-in-trier-aber-wo/ [Zugriff: 21.09.2016]

2 vgl. http://investigativ.welt.de/2013/11/03/black-box-prostitution/ [Zugriff: 21.09.2016]

3 vgl. http://lexikon.stangl.eu/7893/emerging-adulthood/ [Zugriff: 16.09.2016]

4 vgl. http://www.factfish.com/de/statistik-land/deutschland/durchschnittliche%20schul- jahre%2C%20alter%2015%20und%20h%C3%B6her%2C%20gesamt [Zugriff: 16.09.2016]

5 zit. http://www.egris.eu/ [Zugriff: 16.09.2016]

6 vgl. http://www.egris.eu/ [Zugriff: 16.09.2016]

7 vgl. http://www.iris-egris.de/yoyo/index.phtml [Zugriff: 16.09.2016]

8 vgl. http://www.dieg.org/Wissenschaft/pdf/Uebergang_zum_Erwachsensein.pdf [Zugriff: 17.09.2016]

9 zit. http://www.dieg.org/Wissenschaft/pdf/Uebergang_zum_Erwachsensein.pdf [Zugriff: 17.09.2016]

10 zit. http://www.dieg.org/Wissenschaft/pdf/Uebergang_zum_Erwachsensein.pdf [Zugriff: 17.09.2016]

11 vgl. http://www.dieg.org/Wissenschaft/pdf/Uebergang_zum_Erwachsensein.pdf [Zugriff: 17.09.2016]

12 [Zugriff:vgl. http://www.dieg.org/Wissenschaft/pdf/Uebergang_zum_Erwachsensein.pdf 17.09.2016]

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668352407
ISBN (Buch)
9783668352414
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345279
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
sozialpädagogische übergänge exemplarische betrachtungen jugend erwachsenalter sexarbeit

Autor

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Titel: Sozialpädagogische Übergänge. Exemplarische Betrachtungen