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Der innere Mensch anhand Luthers Schrift. Von der Freiheit eines Christenmenschen

Ausarbeitung 2016 8 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

1. Abschnitt §3 der Freiheitsschrift

In diesem Abschnitt der Freiheitsschrift benutzt Luther Begriffe, wie "Frömmigkeit", "Freiheit", "de[r] inwendige[] geistliche[] Mensch[]", "Seele" und "Leib" (Luther 2012). Um den Sinn und Luthers Absicht dieser Schrift genau nachvollziehen zu können, müssen diese Terme vorher genauer betrachtet und geklärt werden.

Des Weiteren geht es nun nicht mehr nur darum, was einen Christen im ganzen ausmacht, wie im ersten Teil der Schrift („Damit wir gründlich können erkennen, was ein Christenmensch sei […]), sondern noch spezifischer darum, was diesen inneren Teil des Christen ausmacht.

Den jeweiligen Abschnitten, in denen die Begriffe beleuchtet werden, geht der jeweils zugeteilte Abschnitt aus der Freiheitsschrift Luthers voraus.

1.1. Die Freiheit

Nehmen wir uns vor den inwendigen geistlichen Menschen, um zu sehen, was dazu gehöre, daß er ein frommer, freier Christenmensch sei und heiße, so ist´s offenbar, daß kein äußerlich Ding ihn frei noch fromm machen, wie es mag immer genannt werden; denn sein Frommsein und seine Freiheit, wiederum seine Bosheit und sein Gefängnis, sind nicht leiblich noch äußerlich. (Luther 2012)

Luther schreibt, dass "kein äußerlich Ding [...] ihn [den inneren Menschen] frei noch fromm machen [kann]“ (Luther 2012). Freiheit und Frömmigkeit sind wohl Attribute, die dem inneren Christenmenschen innewohnen sollten. Davon ausgehend, muss man genau betrachten, was diese Begriffe für Luther bedeuten könnten.

Ausgehend von seiner Trennung von Altem und Neuem Testament in Gesetz und Evangelium („Diese zwei Predigten sind nicht dasselbe, darum muss man sie gut verstehen, damit man sie unterscheiden kann und weiß, was das Gesetz und was das Evangelium ist“ (aus: Eine Unterrichtung, wie sich die Christen nach Mose richten sollen (1526); (Luther 1904)), ist derjenige, der Luthers Kreuzestheologie folgt, frei geworden vom Gesetz, in dem es darum geht, was der Mensch für Gott tun kann, wohingegen im Evangelium klar der Fokus darauf liegt, was Gott für den Menschen tut und getan hat (Hoffmann 2014). Im Evangelium erkennt man einen schenkenden Charakter. Die Freiheit wird dem Menschen allein durch Glauben an Jesus als den Messias und der Taufe geschenkt, wie auch in Röm 3,28 deutlich geschrieben steht: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“.

Selbst wenn er wollte, das Gesetz kann - laut Luther - vom Menschen nicht erfüllt werden. Luther erachtet es deswegen aber keinesfalls als unwichtiges Element, sondern hält es für „die allerheilsamste Lehre des Lebens“, wie er es in These I der Heidelberger Disputation beschreibt (Hoffmann 2014). Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ergänzt sich wunderbar: Dadurch, dass der Mensch, der der scholastischen Theologie folgt und Gesetze versucht zu befolgen, sein Scheitern immer wieder vor Augen geführt bekommt, soll er sich dem Kreuz zuwenden und hinter den menschlichen Attributen Jesu, wie Angst, Schwachheit und Schmerz, Gott erkennen und begreifen, dass kein Handeln und kein Werk seinerseits Jesu Tod am Kreuz entgegengebracht werden kann. Das Gesetz hält dem Menschen sozusagen immer wieder den Spiegel vor und zeigt ihm, dass dieser nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft gerecht zu werden. Durch dieses Begreifen wird der Mensch zu einem neuen Menschen mit neuen Ansichten und kann Freiheit im Reich Gottes erlangen. Dies gilt jedoch nur für das Christusreich, in dem nach dem Evangelium gehandelt wird und nicht für das Weltreich, in dem die Gesetze der Gesellschaft befolgt werden müssen, wie die Zwei-Regimenten-Lehre Luthers verdeutlicht (Hoffmann 2014).

Die Freiheit bezieht sich also ausschließlich auf den inneren Menschen, der aus dieser Freiheit heraus weltliche Gesetze, aber auch ethische Gebote sowie das Gesetz Gottes allein aus intrinsischer Motivation und aus der erfahrenen Liebe Gottes heraus befolgt und diese Handlungsweisen, nach Erlangen der Freiheit durch das Kreuz, nicht mehr als Unfreiheit empfindet, sondern als logische Konsequenz (Mt 12,34b: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“).

1.2. Die Frömmigkeit

Den Begriff "fromm", bzw. "Frömmigkeit" verbinden viele Menschen heutzutage mit einem gläubigen, bibelfesten Menschen, der regelmäßig in die Kirche geht. Jedoch kann ein anderer mit dem Begriff etwas grundlegend verschiedenes verbinden. Aus diesem Grund muss man das Wort "Frömmigkeit" als solches objektiv beleuchten.

Schlägt man das Wort im Englischen nach, so erhält man statt einer Übersetzung, drei Varianten des Wortes: piety, devoutness und religiosity. Schaut man sich die Rückübersetzung an, so wird deutlich, dass Pietät, Ehrfurcht, Gottesfurcht und Unterwürfigkeit, Demut und Hingabe den Sinn von Frömmigkeit ziemlich genau definieren, wohingegen Religiosit ä t eher eine weit gefasste, menschliche Eigenschaft beschreibt, die unter anderem bedeuten kann, dass man hinter der Schöpfung, bzw. dem Universum etwas Übergeordnetes, Großes, Transzendentes erkennt.

Beruhend auf Luthers theologia crucis, kann man schließen, dass er, wenn er von Fr ö mmigkeit spricht, wohl vor allem Ehrfurcht, Demut und Unterwürfigkeit meint, die die Folge des Erkennens Jesu Tat am Kreuz sind, welches Luther conspecta intelligit (Begreifen des Gesehenen) nennt (Hoffmann 2014). Man kann dem entgegenhalten, dass das Verhalten des Menschen in der Welt, laut Luther, in Bezug auf Gott, zweitrangig oder gar bedeutungslos sei, da man allein aus Glauben vor Gott gerecht wird und somit die aktive Frömmigkeit, die ein Mensch anstrebt, ebenfalls an Bedeutung verliere. Jedoch scheitert diese Widerlegung an der gegenwärtigen Vorstellung, dass sich Luthers frumkeyt, wie es im Originaltext heißt, auf eine menschliche Eigenschaft bzw. auf menschliches Verhalten bezieht und nicht auf die Geltung vor Gott abzielt, die man mit Taten nicht beeinflussen kann (Luther 2012, S.118 Anmerkung des Hg.). Es geht also im Grunde um das Wesen des Menschen von Gott aus betrachtet und nicht darum was man tun muss, um fromm zu werden oder zu sein.

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Details

Seiten
8
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668350656
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345251
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Evangelische Theologie
Note
1,0
Schlagworte
Von der Freiheit eines Christenmenschen Luther Martin Luther Systematische Theologie Evangelisch Kreuzestheologie Rechtfertigungslehre Rechtfertigung Seele Leib Innerer Mensch Äußerer Mensch Christenmensch Jesus Christus Freiheit Fromm Frömmigkeit

Autor

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