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Der Surrealismus

von Cornelia Laufer (Autor) Frauke Greiner (Autor)

Hausarbeit 2002 18 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entstehung des Surrealismus
2.1 Dadaismus
2.2 Gegenüberstellung von Dadaismus und Surrealismus

3 Die Merkmale des Surrealismus
3.1 Traum, Zufall und Wunderbares
3.2 L’Ecriture automatique
3.2.1 Les jeux verbaux et la centrale surréaliste
3.3 Sigmund Freud und der Surrealismus

4 Das Wirken der Surrealisten
4.1 Die surrealistische Revolution
4.1.1 Bretons erstes „Manifeste du surréalisme“ (1924)
4.1.2 „Second Manifeste du surréalisme“ (1929/ 1930)
4.2 Die politische Haltung der Surrealisten
4.3 Die Skandale der Surrealisten
4.4 Das Ende des Surrealismus

5 Autoren des Surrealismus
5.1 André Breton (1896-1966)
5.2 Louis Aragon (1897-1952)
5.3 Paul Éluard (1895-1952)

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Thema der vorliegenden Arbeit ist der Surrealismus, eine literarisch-künstlerische Avantgardebewegung, die ihre Hochphase im Frankreich in der Zeit zwischen dem I. und dem II. Weltkrieg hatte und international von Bedeutung war.

Der Begriff „Surrealismus“ wurde von Guillaume Apollinaire geprägt, der das Wort „surréaliste“ 1917 im Vorwort zu seinem Theaterstück „Les Mamelles de Tirésias“ erstmals verwendete. Apollinaire bezeichnet damit eine Kombination unvereinbarer Wirklichkeitselemente, die Überraschung erzeugt und durch die die Welt des 20. Jahrhunderts anschaubar werden soll (Vgl. Grimm 1994, S. 301).

André Breton, Begründer und bekanntester Vertreter des französischen Surrealismus, verstand den Begriff im Sinne eines Programms. Für ihn war Surrealismus der Glaube an «(…) la résolution future des ces deux états, en apparence si contradictoires, que sont la rêve et la réalité, en une sorte de réalité absolue, de surréalité. » (Nadeau, Maurice:Histoire du surréalisme, Seite 58)

Der Surrealismus befasste sich also mit einer Art „Überrealität“ (franz. sur = über) jenseits der Kontrolle durch die Vernunft unter Einbeziehung von Traum, Zufall und Wunderbarem.

Auch auf die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte der Surrealismus einen großen Einfluss. Zu den bekanntesten Vertretern gehören hier u.a . Salvador Dalí, René Magritte und Max Ernst.

Im Folgenden werden wir zunächst auf die Entstehung des Surrealismus eingehen und anschließend die zentralen Merkmale der Bewegung und das Wirken der Surrealisten darstellen. Es folgt ein Ausblick über die Entwicklung des Surrealismus nach dem Zweiten Weltkrieg, den Abschluss der Arbeit bildet eine Kurzbiographie der drei wichtigsten Vertreter des französischen Surrealismus (Breton, Aragon und Éluard).

2 Die Entstehung des Surrealismus

2.1 Dadaismus

1916 formierte sich in Zürich die internationale, von pazifistischen Emigranten getragene, antibürgerliche Protestbewegung des Dadaismus.

„Dada“ ist ein willkürliches gewähltes, aus der französischen Kindersprache stammendes Wort (für Schaukelpferd) und soll die Vorstellung des reinen und kindlich-spontanen verkörpern (Vgl. Grimm 1994, S. 300).

Das politische, intellektuelle und künstlerische Programm der Dadaisten kann als absolute Negation bezeichnet werden (Vgl. Lope 1990, S. 331; Grimm 1994, S. 300), Provokation und happeningartige Veranstaltungen waren wichtige Elemente dieser Bewegung. So trugen beispielsweise mehrere Personen gleichzeitig in verschiedenen Sprachen abstrakte Texte auf der Bühne vor, so dass der Zuschauer nur noch Laute ohne Sinnzusammenhang wahrnahm.

Ziel des Dadaismus war es, herkömmliche Werte wie Religion, Moral und Vaterland lächerlich zu machen und teilweise aufzuheben. Grimm (1994, S. 300) spricht von einem „ irrationalen Vitalismus“ als einzig anerkanntem Wert, der sich in Begriffen wie „vitalité“ und „spontanéité“ zeigt.

Zu den wichtigsten Vertretern des Dada zählten u.a. Tristan Tzara (1896-1963), Hugo Ball (1886-1927) und Hans Arp (1880-1966).

Viele Vertreter des Dadaismus gingen später zum Surrealismus über, ab dem Jahr 1922 verlor die Bewegung jedoch zunehmend an Bedeutung.

2.2 Gegenüberstellung von Dadaismus und Surrealismus

1920 siedelte Tzara von Zürich nach Paris über, wo er auf den Kreis um Breton, mit dem er bereits schriftlich in Kontakt stand, stieß; eine Pariser Dadaistengruppe formierte sich (vgl. Engler 2000, S. 367). Nach vielen gemeinsamen Aktionen kam es aufgrund von Unstimmigkeiten (Breton wollte - über die reine Provokation hinaus - vor allem politische Aktionen) 1922 zur Auflösung der Gruppe und zur Herausbildung der selbständigen Bewegung des Surrealismus, zu deren engeren Kreis Breton neben sich u.a. Aragon, Desnos, Éluard, Péret und Soupault zählte (vgl. Engler 2000, S. 368).

Dadaismus und Surrealismus bedingten einander und gingen teilweise ineinander über (auch weil viele Künstler, wie bereits erwähnt, Mitglieder in beiden Strömungen waren). Dennoch war der Surrealismus nicht nur eine Weiterentwicklung des Dadaismus; es gab einige Unterschiede, die im Folgenden dargestellt werden sollen.

Der Surrealismus war nicht nur reine Negation, sondern eine politische Protestbewegung mit theoretischem Unterbau (u.a. begründet in den Manifesten Bretons, Vgl. Abschnitt 4.1). Seine Entstehung basierte nicht auf einem willkürlichen Einfall, sondern war das Ergebnis einer langsamen Entwicklung. Auch der Name der Bewegung war nicht zufällig gewählt, sondern bedeutungstragend.

Vor allem die Surrealisten der ersten Generation (wie Aragon, Breton, Éluard und Soupault) bildeten eine altershomogene Gruppe und wurden stark von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs geprägt, den die Dadaisten nur „passiv“ im Schweizer Exil miterlebten (Vgl. Hilke 2002, S. 59-61). Eine Reaktion der Surrealisten auf die grausamen Kriegserlebnisse war der Verzicht auf Rationalität, die diesen Krieg, z.B. in Gestalt des technischen Fortschritts und erster „Massenvernichtungswaffen“ erst ermöglicht hat.

3 Die Merkmale des Surrealismus

3.1 Traum, Zufall und Wunderbares

Traum, Zufall und Wunderbares sind die drei Begriffe, die die surrealistische Kunst besonders geprägt haben. Die bisher kaum erforschten Gebiete des Unterbewusstseins, der Träume und des Übersinnlichen übten auf die Surrealisten eine große Faszination aus. Dieses Interesse wurde insbesondere von Sigmund Freuds Werken über die Psychoanalyse geprägt, auf die wir später noch einmal zu sprechen kommen werden.

Die Surrealisten hatten ihren Glauben an die menschliche Vernunft und die menschliche Logik verloren, was vor allem an den schrecklichen Erfahrungen, die sie in dem I. Weltkrieg gemacht hatten, lag:

„Wir leben noch unter der Herrschaft der Logik (...). Aber die logischen Methoden unserer Zeit wenden sich nur noch der Lösung zweitrangiger Probleme zu. Der nach wie vor führende absolute Rationalismus erlaubt lediglich die Berücksichtigung von Fakten, die eng mit unserer Erfahrung verknüpft sind. (...) Unter dem Banner der Zivilisation, unter dem Vorwand des Fortschritts ist es gelungen, alles aus dem Geist zu verbannen, was zu Recht oder Unrecht als Aberglaube, als Hirngespinst gilt, und jede Art der Wahrheitssuche zu verurteilen, die nicht der gebräuchlichen entspricht. Scheinbar durch den größten Zufall nur ist vor kurzem ein Bereich der geistigen Welt wieder ans Licht gehoben worden - meines Erachtens der weitaus wichtigste Bereich -, um den man sich angeblich nicht mehr zu kümmern brauchte. Insofern sind wir den Entdeckungen Freuds zu Dank verpflichtet. (...) Die Imagination ist vielleicht im Begriff, wieder in ihre alten Rechte einzutreten. Wenn die Tiefen unseres Geistes seltsame Kräfte bergen, die imstande sind, die der Oberfläche zu mehren oder gar zu besiegen, so haben wir allen Grund, sie einzufangen (...).“ (Breton: Manifeste, S. 15f.)

Der Surrealismus war der Auffassung, dass die eigentliche Wirklichkeit und die letztendliche Einheit allen menschlichen Seins im Unterbewusstsein liegen, zu dem man nur durch Hypnosezustände, Träume, wahnhafte Visionen, Drogenräusche und dergleichen Zugang habe.

Neben Romanen spielte vor allem die Lyrik im Surrealismus eine große Rolle, wobei sich jedoch diese Werke an keinerlei feste lyrische Formen wie Metrik oder Stilmittel hielten. Die surrealistische Literatur entstand ebenso wie die surrealistische Kunst von Salvador Dalí und Max Ernst durch neuartige Methoden, die zur Erforschung des Unterbewussten dienen sollten und die die Grundlagen für das surrealistische Schaffen darstellten.

Die Surrealisten beabsichtigten jedoch nicht, eine neue Art von Kunst und Ästhetik aufzubauen, nachdem der Dadaismus die konventionellen Vorstellungen dieser zerstört hatte. Sie wollten zwar Neuerungen in die Kunst durch die Erprobung neuer Darstellungsformen und neuer Ausdrucksmittel einbringen, jedoch auch neue Erfahrungen mit der Wirklichkeit machen. Für den Surrealismus gehörten die Kunst und das praktische Leben untrennbar zusammen. Die Gruppe um André Breton wollte die Dinge der Außenwelt nicht aus den Augen lassen und sich nicht hinter dem Schutzwall der Kunst zurückziehen. Kunst sollte nicht einfach um ihrer selbst betrieben werden, fernab von jedem Bezug zur Realität, sie sollte nicht der Endzweck, sondern ein Mittel zu surrealistischen Revolution sein.

3.2 L’Ecriture automatique

Das automatische Schreiben, die sogenannte „Ecriture automatique“ galt als ein bevorzugtes Schreibverfahren unter den Surrealisten, das unterbewusste psychische Prozesse sichtbar machen sollte. Dieses Verfahren wurde in dem Werk „Champs magnétiques“ 1919 von André Breton und Philippe Soupault vorgestellt.

Die Methode des automatischen Schreibens sollte die wirklichen Denkprozesse durch eine Art „Denk-Diktat“ ausdrücken.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638347198
Dateigröße
801 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34522
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
Surrealismus

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