Lade Inhalt...

Anwendung von Pflegediagnosen (NANDA) und Pflegeklassifikationen (NOC) im Bereich der Psychiatrischen Pflege. Ein Fallbeispiel

Praktikumsbericht / -arbeit 2015 14 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Vorstellung des Fachbereichs Psychiatrie
1.2 Fallvorstellung

2. Hauptteil
2.1 Pflegediagnose I mit Begründung
2.1.1 Beschreibung der Pflegeinterventionen
2.1.2 Beschreibung der NOC Skalen + 1. und 2. Einskalierung
2.2 Pflegediagnose II mit Begrünßdung
2.2.1 Beschreibung der Pflegeinterventionen
2.2.2 Beschreibung der NOC Skala Wundheilung: sekundäre + 1. und 2. Einskalierung

3 Evaluation und Bewertung

4 Literaturnachweis

1. Einleitung

Vom 27.07.2015 bis zum 28.08.2015 war ich auf der Akutpsychiatrischen Intensivstation eines Bezirksklinikums als Schülerin im Einsatz. Schon in den ersten Wochen boten sich mir zahlreiche Eindrücke in den Fachbereich Psychiatrie. Zusätzlich bereichert wurden meine persönlichen Erfahrungen durch das Team der Station, welches mir durch geplante Anleitungen und bereitgestelltes Lehrmaterial zu den Themen psychiatrische Krankheitsbilder, Deeskalation, Fixierungsmaßnahmen, intramuskuläre Injektionen, Psychopharmaka, Drogen und Sucht, medizinisches Englisch, Überwachung von Patienten u.v.m. beim Beantworten meiner Fragen zur Seite stand. Im Folgenden werde ich den Fachbereich Psychiatrie knapp vorstellen.

1.1 Vorstellung des Fachbereichs Psychiatrie

Zunächst einmal beschäftige ich mit der Klärung des Begriffs Psychiatrie. Psychiatrie umfasst die Erforschung, Diagnostik und Therapie psychischer Krankheiten des Menschen. Nach ihren methodischen Ansätzen und Forschungsgegenständen werden mehrere Teilgebiete unterschieden. Die Psychiatrie hat enge Beziehungen zu verschiedenen anderen Disziplinen, insbesondere zur Neurologie, Psychophysiologie, Neurobiochemie, Psychologie, Soziologie, Psychoanalyse, Verhaltensforschung, Anthropologie und Genetik. Gerade im Zusammenwirken biologischer und psychosozialer Faktoren und deren Auswirkungen auf das psychopathologische Erscheinungsbild liegt das Wesen der Psychiatrie. Als Teilgebiete der Psychiatrie sind zu nennen: Die Psychopathologie, Psychologie, Biologische Psychiatrie, Psychopharmakologie, Psychopharmakatherapie, Sozialpsychiatrie, Forensische Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin, Neurologie, Psychotherapie und Soziotherapie. Die Psychiatrie sowie die psychiatrische Pflege grenzen sich in vielen Bereichen von der somatischen Medizin und Pflege ab. Ein großer Unterschied besteht darin, dass im Zentrum der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen das Gespräch steht. Ergänzt wird dieses durch genaue Verhaltensbeobachtungen. Verhaltensauffälligkeiten können so erkannt und als Krankheitssymptome gedeutet werden. Schwieriger ist es aber Symptome zu erkennen, die sich auf der Erlebenseben abspielen. Doch auch hier kann das Mittel der Beobachtung herangezogen werden, denn Gestik, Mimik, Bewegungsabläufe und Äußerungen des Patienten sagen etwas über das Erleben aus.

Formale Denkstörungen wie z.B. weitschweifiges-umständliches Denken oder Ideenflucht, inhaltlichen Denkstörungen wie z.B. Wahn oder Zwang und Störungen des Ich-Erlebens wie z.B. eine Störung der Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt sind psychopathologische Phänomene, mit denen sich die Psychiatrie befasst. Depressionen, bipolare Störungen, Persönlichkeitsstörungen, verschiedene Formen der Schizophrenie und Sucht zählen zu den häufigsten psychiatrischen Krankheitsbildern.

Die psychiatrische Diagnostik setzt sich zusammen aus der Erfassung folgender Aspekte: Der psychopathologische Befund, der Verlauf der Symptomatik, frühere psychiatrische und sonstige Erkrankungen, Analyse möglicher Ursachen für das Auftreten der Symptome, die Biografie des Patienten, sowie dessen prämorbide Persönlichkeit und seine Familienanamnese. Zudem werden Patienten in der Psychiatrie auch körperlich untersucht, da z.B. auch neurologische Dysfunktionen zum Auftreten psychiatrischer Symptome führen können.[1]

1.2 Fallvorstellung

Bei dem Patienten, den ich mir für diese Arbeit ausgesucht habe, handelt es sich um einen 45-jährigen Mann, der am 06.07.2015 zum wiederholten Male auf der Station aufgenommen wurde. Der Patient wurde erst vor wenigen Wochen auf Wunsch der Angehörigen von der stationären Behandlung in ein betreutes Wohnheim der Diakonie zum Probewohnen verlegt. Dort sprang der 45-Jährige aus dem 1. Stock, woraufhin er zunächst im Krankenhaus versorgt und anschließend auf die Akutpsychiatrische Intensivstation im Bezirksklinikum verlegt wurde. Auslöser für den Suizidversuch seien finanzielle Ängste des Patienten bezüglich der Heimgebühren gewesen. Der Patient - gelernter KFZ-Mechaniker, seit Jahren EU-berentet, ledig und ohne Kinder - weist ein bekanntes schizophrenes Residuum auf, sowie multiple Frakturen (Brustwirbelfraktur T11 und T12, Lendenwirbelfraktur L2, Distale Radiusfraktur, Unterarmfraktur sonstige Teile, Kalkaneusfraktur) nach dem Suizidversuch. Bei der Übernahme war der Patient noch bettlägerig. Am unteren Ende des verlängerten Rückens bzw. am Beginn der Analfalte entwickelte sich ein Dekubitus II. Der Patient leidet unter einer psychogen bedingten Harninkontinenz und ist teilweise auch stuhlinkontinent. Bekannt ist außerdem ein früherer Alkoholmissbrauch; zuletzt habe der Mann täglich drei Bier am Abend getrunken. Weil der Patient suizidgefährdet ist, befindet er sich im Überwachungs-Status, das heißt sein Zimmer wird rund um die Uhr kameraüberwacht, alle Wertgegenstände befinden sich in einem abgeschlossenen Wertfach im Stationszimmer, die Türen zum Kleiderschrank und der Nasszelle sind verschlossen und werden nur unter Beaufsichtigung des Pflegepersonals geöffnet. Gefährliche Gegenstände - dazu zählen harte, spitze, scharfkantige, schwere usw. - sind im Überwachungszimmer verboten, ebenso wie sehr kleine Gegenstände oder Flüssigkeiten in Form von Parfums, Deos, Duschgels (Verschluckungsgefahr), Gürtel, Kabel (Gefahr der Strangulierung), Plastiktassen, Handys, Tablets, Laptops aber auch Kuscheltiere, denn in ihnen wurden schon häufig Gegenstände hineingeschmuggelt. Wenn ein Patient in den Ü-Status kommt, müssen all seine Besitztümer genauestens kotrolliert werden. Es kam z.B. auch schon vor, dass Rasierklingen in Tampons versteckt wurden. Mein Fallpatient hat außer seinen Klamotten und ein paar Zeitschriften keine Wertgegenstände oder Besitztümer auf der Station. Der psychopathologische Befund vom 06.07.2015 ergab, dass der Patient wach, klar und unscharf zu Zeit und Situation orientiert ist. Im Kontakt wirkt er verschlossen, introvertiert, ratlos und überfordert. Antrieb und Psychomotorik sind deutlich reduziert. Der Mann scheint vermehrt zu grübeln, vermutlich auch bei psychotischem Erleben. Der Gedankengang wirkt verlangsamt, teilweise blockiert. Hinweise, die auf Halluzinationen oder Ich-Störungen hinweisen, gibt es nicht. Der Patient leidet unter paranoiden Ängsten und einem intermittierenden Krankheitswahn, vor allem den Darm betreffend. Im Rahmen der Denkstörung kann die akute Eigen- und Fremdgefährdung nicht hinreichend geprüft werden. Passive Todeswünsche scheinen jedoch durchgehend vorhanden zu sein. Behandlungswunsch und Problembewusstsein sind eingeschränkt. Die Hilfsbedürftigkeit ist, auch im Rahmen des ausgeprägten schizophrenen Residuums, in vielen Bereichen des täglichen Lebens vorhanden. Das Krankheitsbild des Patienten zeichnet sich durch eine ausgeprägte Ratlosigkeit aus. Eine strenge Überwachung ist erforderlich. Aus dem psychopathologischen Befund vom 16.07. lassen sich minimale Verbesserungen des Zustandes erkennen, so wirken zum Beispiel die Gedankengänge des 45-Jährigen etwas flüssiger, der Affekt jedoch ist starr, lässt keinerlei Schwingungen zu.

Der Patient erhält im Rahmen der stationären Versorgung Analgetika (IbuHEXAL 400mg Filmtablette 1-1-0-0, Novaminsulfon 500mg Tablette 1-0-1-0), Neuroleptika (ABILIFY 20mg Tablette 1-0-0-0, Leponex 150mg Tablette 50-0-0-0), Tranquilizer (Tavor Expidet 1mg Täfelchen 1-0-0-0) und Pantoprazol 20mg Tablette 1-0-0-0 als Magenschutz. Es sind keine auffälligen Medikamentennebenwirkungen zu beobachten.

2. Hauptteil

2.1 Pflegediagnose I mit Begründung

Problem: Suizidgefahr

Bedingt durch: Schwerer Suizidversuch in der Anamnese, markante Änderung des Verhaltens, markante Veränderung der Einstellung, alleinstehend, finanzielle Unsicherheit, Ortswechsel, Institutionalisierung, Verlust der Autonomie, Verlust der Selbstständigkeit, Leben/Unterbringung außerhalb des üblichen Milieus, Suchtmittelmissbrauch, psychiatrisches Leiden, männliches Geschlecht, soziale Isolation, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit[2]

Der Patient wurde nach der letzten Entlassung zum Probewohnen in das betreute Wohnheim der Diakonie verlegt, wo sich der schwere Suizidversuch (Sprung aus einem Fenster im 1. OG) ereignete. Dabei zog sich der 45-Jährige zahlreiche Frakturen zu. Grund für den Suizidversuch seien laut Angaben des Patienten finanzielle Ängste gewesen, er hätte nicht gewusst wie er die Heimkosten bezahlen soll. Bei der ersten Aufnahme auf der Akutpsychiatrischen Intensivstation (Anfang 2015) wies der Patient eine eher kräftige Statur auf, gliederte sich gut in den Stationsalltag ein und suchte Kontakt zum Pflegepersonal. Bei der zweiten Aufnahme am 06.07.15 hatte der Patient bereits deutlich an Gewicht und Körpermasse verloren (leider wurde das Gewicht / der BMI nicht dokumentiert), isolierte sich vom Stationsgeschehen und zeigte ein starkes Abwehrverhalten gegenüber dem Pflegepersonal und Mitpatienten. Wenn er denn einmal spricht, dann fallen fast nur Äußerungen wie „Nein!“, „Ich kann das nicht!“, „Wie soll das denn funktionieren?“, „Das geht nicht!“, „Lassen sie das!“, „Ich weiß nicht mehr weiter!“, „Wie soll es denn nur weitergehen?“, "Das hat doch alles keinen Sinn!" etc. Seit ich auf der Station im Einsatz bin, wurde der Patient erst einmal von Angehörigen besucht, auch hat er die Station nur einmal im Rahmen einer Konsilfahrt verlassen. Die anfängliche Bettlägerigkeit und Bewegungseinschränkung trugen außerdem zu der sozialen Isolation bei. Der Patient verhält sich sehr abweisend, gleichzeitig wirkt er aber äußerst hilflos und manchmal auch hilfesuchend. Dies äußert sich durch Aussagen wie „Bleiben sie da!“, „Helfen sie mir!“. Der 45-Jährige braucht Unterstützung in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens, ist seit Jahren EU-berentet und wird von seinen beiden Schwestern betreut. So gut wie alle Entscheidungen, die den Patienten betreffen, werden nicht von ihm selbst, sondern von seinen Angehörigen (beide Schwestern sind Betreuer) oder vom Pflegepersonal gefällt, da der Patient alle erdenklichen Angebote verbal ablehnt und scheinbar entscheidungsunfähig ist. Zudem war der Patient lange Jahre alkoholabhängig. In dem betreuten Wohnheim trank er zuletzt drei Bier am Tag. Sein ebenso jahrelang bestehendes schizophrenes Leiden ging in ein schizophrenes Residuum über. Der Patient erweckt einen äußerst ratlosen, hilflosen und hoffnungslosen Eindruck. Der Suizidgedanke scheint weiterhin zu bestehen (Die Mutter schilderte ein Gespräch zwischen ihr und dem Patienten, in dem der Patient die Frage "Möchtest du sterben?" mit "Ja" beantwortete).

[...]


[1] Vgl. Hans-Jürgen Möller, Gerd Laux, Arno Deister: Psychiatrie und Psychotherapie, 2005, Georg Thieme Verlag KG, S.5-19

[2] vgl. Marilynn E Doenges (Hrsg.) et al.: Pflegediagnosen und Pflegemaßnahmen, 2014, Verlag Hans Huber, S.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668354029
ISBN (Buch)
9783668354036
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345148
Institution / Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Note
2,0
Schlagworte
Psychiatrie Pflege psychiatrische Pflege Pflegediagnosen NANDA NIC NOC Pflegeklassifikation Pflegeinterventionen Krankenpflege Suizid Suizidales Verhalten Intensivstation

Autor

Zurück

Titel: Anwendung von Pflegediagnosen (NANDA) und Pflegeklassifikationen (NOC) im Bereich der Psychiatrischen Pflege. Ein Fallbeispiel