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Der Einfluss sozialer Ungleichheit auf das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf das Sport- und Bewegungsverhalten

Ein sozialisationstheoretischer Erklärungsversuch

Hausarbeit 2016 33 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Grundbegriffe
2.1 Soziale Ungleichheit
2.2 Gesundheitliche Ungleichheit
2.3 Soziale Ungleichheit in der Sportbeteiligung

3. Forschungsergebnisse soziale Ungleichheit und Sportverhalten
3.1 Schichtspezifisches Sportverhalten
3.2 Geschlechtsspezifisches Sportverhalten
3.3 Kulturelle Unterschiede im Sportverhalten

4. Erklärungsansätze zum Sport- und Bewegungsverhalten und sozialer Ungleichheit
4.1. Sozialisation und Sport
4.2 Sportengagement und Lebensstilmerkmale der Eltern
4.3. Strukturmodell nach Nagel

5. Schlussüberlegungen

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

8. Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Ein gesundheitsbewusstes Verhalten gilt als eine fundamentale Determinante für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Umgekehrt ist es unbestritten, dass ungesunde Verhaltensweisen wie Rauchen, einseitige Ernährung, zu viel Stress und unzureichende Bewegung und körperliche Aktivität das Auftreten zahlreicher Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes oder auch Erkrankungen des Herzkreislaufsystems begünstigen können (vgl. Altenhöhner/Phillippi/Böcken 2014, S. 19). Wie wir uns verhalten und täglich handeln, hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Doch nicht alles liegt nur in der eigenen Hand. Das soziale Umfeld, die Arbeitssituation und die Umwelt beeinflussen unser Wohlergehen ebenfalls. Gesundheit, wie wir sie heute verstehen, gründet sich auf die „Ottawa- Charta“ (1986) der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selber und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen.“

(vgl. Ottawa-Charta WHO, zit. nach Bundesministerium für Gesundheit 2014)

Dem sozioökonomischen Status kommt in dem Zusammenhang von Gesundheit eine besondere Bedeutung zu. Während im Zusammenhang von sozialer Ungleichheit als einem klassischen Gegenstand von Soziologie, Pädagogik und Gesundheitswissenschaft, lange Zeit von Klassen und Schichten gesprochen wurde und in diesem Kontext von eher vertikalen Differenzierungen die Rede war, entfernte man sich etwa seit den 80er Jahren zunehmend vom Schichtbegriff und tendiert zu dem allgemeineren Fachbegriff der „Sozialen Ungleichheit“ (vgl. Klein/Fröhlich/Emrich 2011, S. 54). Die meisten Forscher sind sich darüber einig, dass der sozioökonomische Status ein bedeutendes Ausmaß im Alltag der Menschen einnimmt (vgl. Woolfolk 2008, S. 2005). Besonders auffallend zeichnen sich die gesundheitlichen Folgen und Konsequenzen in Bevölkerungsgruppen ab, deren Lebensverhältnisse durch eine dauerhafte soziale Exklusion und daraus entstehenden Nachteilen und Belastungen charakterisiert sind. Hierzu zählen z.B. Personen mit niedrigem Einkommen, Langzeitarbeitslose, Personen mit geringer schulischer Bildung, Migranten oder auch allein erziehende Mütter. Personen dieser Bevölkerungsgruppen scheinen in nahezu allen Bereichen ein riskanteres gesundheitliches Verhalten aufzuweisen und sind häufiger von Krankheit betroffen als beispielsweise Personen mit höherem Bildungs- oder Berufsstatus (vgl. Mielck/Lüngen/Siegel & Korber 2012, S. 6). In Bezug auf Kinder und Jugendliche, um die es in folgender Arbeit gehen soll, konnte im Rahmen der KiGGS-Studie belegt werden, dass sich Kinder aus statusniedrigen Familien besonders wenig sportlich betätigen und Adipositas in häufigerem Ausmaß vorkommt. Auch für das Rauchverhalten sind ähnliche Ergebnisse zu konstatieren (ebd., S. 15). Viele Studien zeigen auf, dass sich dieser Zusammenhang zwischen solch genannten gesundheitlichen Risiken und Dimensionen des sozialen Status auch bei Erwachsenen fortsetzt. In der wissenschaftlichen Diskussion wird der Zusammenhang zwischen Sozialstatus und Morbidität bzw. Mortalität als „gesundheitliche Ungleichheit“ bezeichnet. Die Erklärung dessen ist jedoch komplexer und vielschichtiger als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es kann in diesem Zusammenhang beispielsweise die Frage gestellt werden, warum jemand mit niedriger Bildung kränker ist als jemand mit höherer Bildung, wenn beide jedoch weder Hunger leiden noch frieren müssen (ebd., S. 10). Es ist nun zu hinterfragen, welche die prägenden Bedingungen sind, die für einen gesundheitsrelevanten Lebensstil bzw. ein gesundheitsbewusstes Verhalten von Kindern und Jugendlichen eine Rolle spielen? Und welche diese möglicherweise negativ beeinflussen können? Anschließend ist zu fragen in wie weit der soziale Status der Eltern eine Rolle spielt und welchen Einfluss grundsätzliche die Sozialisation im Sinne gesundheitlicher Ungleichheit einnimmt.

Diese Fragen sollen zentral für folgende Arbeit sein, die das Sport- und Bewegungsverhalten im Hinblick auf ein gesundheitsbewusstes Verhalten von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang des sozioökonomischen Status untersuchen möchte. Zwar ist hinzuzufügen, dass nicht jede Art von sportlicher Aktivität automatisch gesund ist (Abu-Omar, Rütten & Schröder 2004, S. 103), allgemein wird körperliche Aktivität aber als eine bedeutsame Voraussetzung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen eingeschätzt (vgl. Lampert et al. 2008, S. 23).

2. Grundbegriffe

Deutschland gehört zu einem der reichsten Länder der Welt und verfügt über ein gut ausgebautes soziales System. Ungeachtet dessen wachsen Kinder und Jugendliche auch hierzulande unter sehr heterogenen Lebensbedingungen auf. Gerade im Hinblick auf die Armut leben in Deutschland Kinder und Jugendliche in Familien, die über weniger als 60 % des mittleren gesellschaftlichen Einkommens verfügen (vgl. Lampert/Kuntz 2015, S. 1). Die soziale Ungleichheit der Lebensbedingungen sowie Teilhabechancen spiegeln sich in der gesundheitlichen Situation der heranwachsenden Generation wieder. Um zu klären, welche Bedeutung dem sozialen Status zukommt, welchen Einfluss er in Hinblick auf die gesundheitliche Situation und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat und welchen Anteil Sport und Bewegung in diesem Zusammenhang einnehmen, sollen zunächst die Fachtermini definiert und erklärt werden.

2.1 Soziale Ungleichheit

Eine anerkannte Definition, welche den Begriff der sozialen Ungleichheit beschreibt, stammt von Stefan Hradil (2001). Er definiert ihn wie folgt:

„Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten“ (Hradil 2001, S.). Die Forschung zur sozialen Ungleichheit thematisiert die heterogenen und ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu verschiedenen Ressourcen. Es ist immer dann von „sozialer Ungleichheit“ die Rede, wenn „[...] als wertvoll geltende Güter nicht absolut gleich verteilt sind“ (Helmert 2003, S. 8). Diese Ungleichheit äußert sich in einer hierarchischen, geschichteten Ordnung der modernen Gesellschaft (vgl. Richter 2005, S. 17). Menschen sind in der Regel in konstanten zwischenmenschlichen Gefügen, wie beispielsweise der Familie oder Vereinen eingebunden. Dies führt im Verlauf ihres Lebens zur Entwicklung eines Mit- und Gegeneinanders in vielfältigen Beziehungen und lässt den Menschen unterschiedliche soziale Positionen einnehmen (Hradil 1999, S11.). In diesem Zusammenhang lassen sich unabhängig von der Individualität, soziale Gemeinsamkeiten oder Unterschiede erkennen, die sich in den Lebensbedingungen und Lebensweisen äußern. Viele dieser sozialen Unterschiede stellen nicht nur verschiedenartige Lebensbedingungen und Lebensweisen dar, sondern bringen auch Vor- und Nachteile zwischen den Gesellschaftsmitgliedern hervor (ebd.). Diese positionsgebundenen Vor- und Nachteile werden allgemein als soziale Ungleichheiten beschrieben. In der Forschung zur sozialen Ungleichheit beschäftigt man sich mit den ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu verschiedenen Ressourcen. Darunter werden in Bezug auf soziale Ungleichheit Gegenstände verstanden, die sowohl materieller als auch immaterieller Natur sein können (vgl. Rössel, J. 2009, S. 38). Für die Bestimmung und Erklärung sozialer Ungleichheit ist es sinnvoll zwischen vier Strukturebenen sozialer Ungleichheit zu differenzieren. Diese können nach Stefan Hradil (1993) wie folgt untergliedert werden:

- Ursachen sozialer Ungleichheit: Soziale Prozesse bzw. Mechanismen durch die die Zugehörigkeit zu bestimmten Sozialkategorien in einer Art und Weise sozial relevant wird, dass dies zu Vor- und Nachteilen in anderen Dimensionen (Lebensbereichen) führt (z.B. ökonomische Ausbeutung, gesellschaftliche Funktionserfordernisse, soziale Vorurteile).
- Determinanten sozialer Ungleichheit: Soziale Merkmale von Personen (z.B. Geschlecht, Bildungsniveau, soziale Herkunft), die Zugehörigkeiten zu sozialen Gruppen beschreiben, die wiederum Ausgangsebene für Vor- und Nachteile in bestimmten Handlungs- und Lebensbedingungen repräsentieren.
- Dimensionen sozialer Ungleichheit: die wichtigsten Arten sozialer Vor- und Nachteile, die in einer bestimmten Gesellschaft vorkommen. Grunddimensionen stellen Einkommen, materieller Wohlstand, Macht, Prestige und heute auch Bildung dar. Weitere Dimensionen stellen Wohnbedingungen, Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse, Gesundheitsbedingungen und andere zentrale Lebensbedingungen dar.
- Auswirkungen sozialer Ungleichheit: Konsequenzen der sozial strukturierten Vor- und Nachteile. Diese können weitere Ungleichheiten in den Lebensbedingungen, wie beispielsweise Gesundheitsrisiken sein. Ebenso zählen hierzu soziale Differenzierungen in Mentalitäten um alltägliche Verhaltensweisen, die sich aus der jeweils betrachteten Dimension sozialer Ungleichheit ergeben.

(vgl. Solga/Berger/Powell 2009, S. 16-20)

Abb. 1: Strukturebenen sozialer Ungleichheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Solga/Berger/Powell 2009, S. 17).

2.2. Gesundheitliche Ungleichheit

Bis zu den 70er Jahren wurde der Begriff Gesundheit noch als „Abwesenheit von Krankheit“ (Kroll 2010, S. 52) definiert. Im wissenschaftlichen Diskurs zum Thema Gesundheit vollzog sich allerdings ein Perspektivenwechsel hinsichtlich der Konzeptualisierung des Begriffes, welcher vorallem von der Weltgesundheitsorganisation WHO forciert wurde. Diese bezieht sich nicht nur auf die körperlichen Aspekte des Menschen, sondern geht darüber hinaus und wird als das Vorliegen eines völligen körperlichen, seelischen und geistigen Wohlbefindens verstanden (vgl. Kroll 2010, S. 52). Das Konzept eines somit negativ geprägten Gesundheitsbegriffes, d. h. Abwesenheit von Krankheit, ist aus heutiger Sicht unzureichend. Gesundheit ist zwar kein eindeutig definierbares Konstrukt, doch besteht heute in den Sozialwissenschaften als auch in der Medizin, Einigkeit darüber, dass der Begriff Gesundheit mehrdimensional betrachtet werden muss (vgl. Ritterbach/Wohlfarth 2009, S. 55). Angesichts der Heterogenität kann bis heute keine Definition von Gesundheit angebracht werden, welche als allgemein gültig und anerkannt wird. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation, welche sich auf Aspekte physischer als auch psychischer Gesundheit konzentriert, kann für folgende Arbeit als Richtlinie gelten: „Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of diease or infirmity“ (vgl. WHO 1964).

Unter Gesundheitsverhalten wird ein Verhalten, ein Verhaltensmuster, eine Handlung oder eine Gewohnheit bezeichnet, die mit der Erhaltung, der Wiederherstellung oder mit der Verbesserung von Gesundheit in Verbindung steht (vgl. Knoll, et al. 2011, S.26). Hierzu zählen beispielsweise regelmäßige körperliche Aktivität oder auch eine gesunde und ausgeglichene Ernährung. Im Gegensatz dazu können Verhaltensweisen welche die Gesundheit potenziell gefährden bzw. aufgrund ihrer Häufigkeit oder Intensität das Auftreten einer Erkrankung erhöhen unabhängig davon ob der Zusammenhang bewusst wahrgenommen wird als Risikoverhalten bezeichnet werden (vgl. Ritterbach/Wohlfarth 2009, S. 57). Es kann also grob zwischen zwei Formen gesundheitsbezogener Verhaltensweisen unterschieden werden: Risikoverhaltensweisen und präventives Gesundheitsverhalten. Gesundheitsverhalten wurde bislang im engeren Sinne auf die Bereiche Ernährung, Bewegung und Alltagssüchte bezogen. Zu erwähnen ist, dass erst in den letzten Jahren Definitionsansätze entwickelt wurden, welche sich an den Zielen der physischen Gesundheit, des psychischen und sozialen Wohlergehens sowie der persönlichen Entwicklung orientieren (vgl. ebd.).

Im Forschungsfeld, welches sich auf gesundheitlicher Ungleichheit konzentriert, soll untersucht werden, in welchem Zusammenhang eine ungleiche Verteilung von „den wertvollen Gütern einer Gesellschaft“ (Hradil 2001, S. 30), mit dem Gesundheitszustand der Menschen steht (vgl. Richter/Hurrelmann 2009, S. 13).

Andreas Mielck (2005) beschreibt den Begriff der Sozialen Ungleichheit wie folgt: „Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Mortalität (Sterberate) bzw. Morbidität (Krankheitshäufigkeit) wird im deutschen Sprachraum zumeist als gesundheitliche Ungleichheit bezeichnet“ (Mielck 2005, S. 7).

Für eine strukturierte Analyse dieser Ungleichheit wurden von Matthias Richter und Klaus Hurrelmann drei zentrale Herausforderungen erarbeitet:

1. Die reine Beschreibung der gesundheitlichen Ungleichheit: Soll den Umfang sozioökonomischer Differenzen in der Gesundheit offenzulegen erforschen.
2. Die Erklärung: Anschließend an die zuvor beschriebenen Ungleichheiten soll erforscht werden, welche Umstände zu der Situation beigetragen haben und wie sich die Beobachtungen aus der Beschreibung erklären lassen.
3. Die Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit: An dieser Stelle sollen, auf Grundlage der Erkenntnisse aus der Beschreibung und Erklärung, Prozesse entworfen und umgesetzt werden, die zu einer Minderung der Unterschiede beitragen können. (vgl. Richter/Hurrelman 2009, S.14.)

Die Erklärung für die Zusammenhänge zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen muss an verschiedenen Stellen ansetzen. Hierfür sind nach Richter und Hurrelmann (2009) folgende zu nennen:

- Einkommenssituation des Haushaltes
- Elterliche Erziehungsstil
- Erfahrungen in der Gleichaltrigengruppe
- Soziale und personale Ressourcen des Heranwachsenden
- Verhaltens-, Wahrnehmungs-, Deutungsschemata

(vgl. Richter/Hurrelmann 2009, S. 2018).

Lampert und Schenk (2004) haben ein Modell entwickelt, welches auf die Systematisierung des bisherigen Kenntnis- und Wissensstandes abzielt (ebd., S. 218). Das Modell soll in folgender Arbeit herangezogen werden, da es eine Mehrebenenbetrachtung der gesundheitlichen Ungleichheit von Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Somit kann dem Leser eine erleichterte und zusammenfassende Sicht der bisherigen Forschungsergebnisse gewährleistet werden.

Abb. 2.: Mehrebenenmodell zur Systematisierung bisheriger Erklärungsansätze der gesundheitlichen Ungleichheit in der heranwachsenden Generation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Richter/Hurrelmann 2009, S. 2019) 1

Das Modell differenziert zwischen sozialen Strukturen und gesellschaftlichen Problemen, Lebenskontexten und Versorgungsbereichen sowie Persönlichkeit und individuellem Verhalten. Die gesundheitliche Ungleichheit als gesellschaftliches Problem kann mithilfe der vorhandenen Forschungsergebnisse zum Beispiel an der sozial ungleichen Verteilung von Krankheit oder Beeinträchtigungen der psychosozialen Gesundheit festgemacht werden (Richter/Hurrelmann 2009, S. 220). Erklärungsansätze der gesundheitlichen Ungleichheit müssen dem Modell nach hervorheben, wie sich die soziale Herkunft der Kinder und Jugendlichen auf ihre Lebensbedingungen, Teilhabechancen, Persönlichkeitsentwicklung und ihr gesundheitsrelevantes Verhalten auswirkt (ebd.).

2.3 Soziale Ungleichheit in der Sportbeteiligung

In folgender Arbeit soll davon ausgegangen werden, dass die Position innerhalb eines gesellschaftlichen Ungleichheitsgefüges einerseits mit einem spezifischen Zugriff auf ökonomische und kulturelle Ressourcen verbunden ist und andererseits mit typischen Lebensstilen und Geschmackspräferenzen in Verbindung steht. Beide Dimensionen sozialer Ungleichheit können darüber aussagen, ob sich Personen am Sport in unterschiedlichen Engagementformen beteiligen. Im Hinblick auf Kinder und Jugendliche ist zu dem zu fragen, inwieweit die gesellschaftliche Stellung der Eltern deren Ressourcen und Engagement dazu beitragen, dass Kinder zu Sport und Bewegung angeregt werden. Die soziale Ungleichheit in der Sportbeteiligung wird in neueren und älteren Arbeiten im Regelfall mit Hilfe von Schicht- und Klassenmodellen analysiert (vgl. Schmiade/Mutz 2012, S. 116). In diesem Zusammenhang wird angenommen, dass sich hinter dem Schicht- und Klassenbegriff eine heterogene Ressourcenausstattung verbirgt, durch welche die Nutzung von Sport- und Bewegungsangeboten mehr oder weniger stark eingeschränkt sein kann. Hierzu zählen beispielsweise finanzielle Mittel, welche ermöglichen an Sportangeboten teilnehmen zu können. Des Weiteren wird vermutet, dass sich Menschen mit unterschiedlichem sozialen Status nicht nur aufgrund der Ressourcen, die in das Sporttreiben investiert werden unterscheiden, sondern auch darin, welche Motivation im Hinblick auf das Sportengagement besteht, welche Sportarten sie bevorzugen, an welchen Orten sie gerne Sport treiben und welchen Sinn sie mit dem Sporttreiben verbinden (ebd.).

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Details

Seiten
33
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668346604
ISBN (Buch)
9783668346611
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345061
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
einfluss ungleichheit gesundheitsverhalten kindern jugendlichen hinblick sport- bewegungsverhalten erklärungsversuch

Autor

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Titel: Der Einfluss sozialer Ungleichheit auf das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf das Sport- und Bewegungsverhalten