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Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitssörungen. Prävention und Behandlung von ADS/ADHS

von Rubi Mauer (Autor)

Hausarbeit 2015 29 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufmerksamkeit

2.1. Aufmerksamkeitsprozesse
Geteilte Aufmerksamkeit
Filtertheorie der Aufmerksamkeit
Attenuationstheorie
Theorie der späten Selektion
Determinanten der Reizauswahl
Wahrnehmungsvermeidung
Selektive visuelle Aufmerksamkeit

2.2. Aufmerksamkeit und Performanz
Yerkes-Dodson`sche Regel
Aufmerksamkeitsstörungen
Mehrfachaufgabenperformanz
Automatische Verarbeitung

3 AD(H)S
3.1 Definition
3.2 Prävalenz und Epidemiologie
3.3 Klinische Beschreibung
3.4 Ätiologie und Pathogenese
3.5 Differenzialdiagnose und Komorbidität
3.6 Diagnostik
3.7 Prävention und Behandlung
3.8 Verlauf und Prognose
3.9 Perspektive

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kriterien für die Diagnose einer hyperkinetischen Störung

Abb. 2: Allgemeines Modell für die Entstehung von ADHS

Abb. 3: Bio-psycho-soziales Modell zur Entstehung von Aufmerksamkeitsstörungen

Abb. 4: Differentialdiagnostischer Entscheidungsbaum

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Häufige Komorbiditäten

Tab. 2: Kardinalsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Tab. 3: Symptom-Kriterien der hyperkinetischen Störung

Tab. 4: Ergebnisse der Therapieforschung bei Kindern mit ADHS

1 Einleitung

Diese Hausarbeit betrachtet das viel diskutierte, facettenreiche Symptombild der Aufmerksamkeitsdefizit(hyperaktivitäts)störung. Im ersten Teil findet der Begriff Aufmerksamkeit Beachtung. Was bedeutet er? Welche Prozesse laufen dabei ab? Kann man Aufmerksamkeit überhaupt steuern und wenn ja, wie? Unterschiedliche Theorien über die Aufnahme von Reizen bilden den Anfang. Es folgt eine kurze Abhandlung über die Verarbeitung von Informationen. Anschließend wird dargestellt, wie sich diese Abläufe auf unser Handeln auswirken. Bei Theoriemodellen geht man meist von reibungslosen Vorgängen aus, um Zusammenhänge logisch, schnell und plausibel erklären zu können. Was passiert aber, wenn die Aufmerksamkeit gestört wird oder ist? Dieser spannenden Frage widmet sich der zweite Teil. Voran steht eine Begriffsdefinition, wobei ADS dem allgemein in der Literatur verwendeten ADHS untergeordnet wird. Der Leser erfährt, warum es nötig und gleichzeitig so schwierig ist, diese Diagnose nach bestimmten Kriterien zu erstellen. Fragen nach der Häufigkeit des Auftretens und der Hauptsymptome werden beantwortet. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Theorien über die Entstehung von ADHS. Ein allgemeines und ein komplexeres Modell werden dazu vorgestellt. In einigen Fällen führen andere Erkrankungen zum Symptombild von ADHS. Wie solche Ursachen differenziert werden und welche Begleiterkrankungen auftreten können, ist unter Punkt 3.5 aufgeführt. Wie kann man das Krankheitsbild eindeutig diagnostizieren? Welche Vorgaben, Leitlinien und Ausschlusskriterien gibt es? Diese Punkte werden vor dem anschließenden Themenfeld der Prävention und Behandlung aufgegriffen. Vorbeugende Maßnahmen sind vor allem in den letzten Jahren verstärkt entwickelt worden. Spezielle Programme sollen Kinder, Eltern und Lehrer zu einem kompetenten Umgang mit ADHS anleiten. Mit der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung wird oft die Behandlung mit umstrittenen Psychopharmaka assoziiert. Hier gibt die Verfasserin einen kurzen Überblick unter Einbeziehung des aktuellen Forschungsstands. ADHS hat einen persistierenden, chronischen Verlauf. Dies ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft und deshalb wird dieses komplexe Symptombild auch zukünftig immer neue Fragen aufwerfen, die es zu beantworten gilt.

2 Aufmerksamkeit

Wir alle sind täglich einer Vielzahl von äußeren und inneren Reizen ausgesetzt. Die bewusste Auswahl eines oder einiger weniger Reize wird als Aufmerksamkeit bezeichnet. Wonach wird ein Objekt oder Ereignis, dem wir uns zuwenden wollen, nun ausgewählt? Wie entscheiden wir, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken? Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen die perzeptive Selektion als Auswahl eines Aufmerksamkeitsinhaltes (z. B. die Anamnese eines Patienten). Zum anderen die handlungssteuernde Selektion[1], bei der eine Absicht möglichst effizient umzusetzen ist (die Behandlung des Patienten). Dabei muss das Wahrnehmungs- und Verarbeitungssystem mit allen Komponenten entsprechend eingestellt werden. Die Steuerung der Aufmerksamkeit unterliegt verschiedenen Prozessen.

2.1. Aufmerksamkeitsprozesse

Man erinnert sich oft nur an sehr auffällige Dinge wie bspw. einen roten Hut, den jemand trägt oder an eine besonders tiefe Stimme. Weniger Auffälliges wird nicht bewusst wahrgenommen, das kann die Haarfarbe oder dezenten Schmuck betreffen. Muss man viele identische Gegenstände zählen (wie bei einer Warenlieferung), helfen Ordnungssysteme wie Gruppierungen, welche allerdings fehleranfällig sind. Auch automatische Verhaltensweisen wie das Autofahren auf einer vertrauten Strecke birgt die Gefahr von Aufmerksamkeitsfehlern, weil man die Aufmerksamkeit nicht mehr bewusst auf die Verkehrsführung lenkt. Veränderungen werden dann zu spät wahrgenommen[2]. Gleichzeitig setzen automatisierte Verhaltensweisen aber auch Aufmerksamkeitskapazitäten frei, so dass im genannten Beispiel der Weg zum Ziel bekannt ist und die Konzentration auf unvorhergesehenes Verhalten von anderen Verkehrsteilnehmern möglich ist. Bestimmte Reize gelangen aber ins Bewusstsein ohne dass man speziell darauf fokussiert ist. Das Umspringen der Ampel von rot auf grün beansprucht die volle Aufmerksamkeit. Forschungsergebnisse sagen aus, dass sich die reizinduzierte Vereinnahmung gegenüber der zielgesteuerten Wahl unter bestimmten Umständen durchsetzt[3]. Welche Reize setzen nun welche Prozesse in Gang? Dazu gibt es unterschiedliche Theorien.

Geteilte Aufmerksamkeit

Von geteilter Aufmerksamkeit spricht man, wenn mehrere Aufgaben parallel zu bewältigen sind. Verhaltensexperimente zeigen, dass die Konzentration dann nicht so einfach verteilt werden kann[4]. Diese Form der Aufmerksamkeit wird vor allem im Alltag gebraucht, da viele kleine Informationen für Handlungsabläufe für kurze Zeit im Arbeitsgedächtnis gespeichert und wieder abgerufen werden müssen. Die Prioritäten werden dabei individuell nach unterschiedlichen Gesichtspunkten gesetzt. Charakteristisch sind mehrere gleichwertige Aufgaben, deren Einzelaspekte je nach Wichtigkeit oder Dringlichkeit abgearbeitet werden.

Filtertheorie der Aufmerksamkeit

Diese Theorie soll erklären, wie die Selektion der Aufmerksamkeit erfolgt. Sie geht davon aus, dass von zwei simultan stattfindenden Reizen nur ein Reiz einen auswählenden Filter passieren darf. Der andere wird abgeblockt, verbleibt aber noch zur späteren Verfügung im Speicher. Die serielle Informationsverarbeitung erfordert einen Filter, da die Aufmerksamkeitskapazitäten eingeschränkt sind. Nach Broadbents Ansicht erfolgt die Selektion sehr früh, die Weiterleitung findet nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip statt. Die Verarbeitung einer Informationsart soll nur auf einem „Kanal“ möglich sein und die Teilung der Aufmerksamkeit einen Wechsel zwischen den „Kanälen“ erfordern. Die Filtertheorie dient nicht als vollständige Erklärung für die Aufmerksamkeitssteuerung, da ein Sinneseindruck nicht komplett zur Nutzung eines anderen abgeblockt wird. Zudem wird im zentralen Nervensystem über die Nützlichkeit der Information entschieden. Das spricht ebenfalls gegen eine Ausblendung[5].

Attenuationstheorie

Sie stellt eine Überarbeitung der Filtertheorie dar und besagt, dass auch unbeachtete Informationen den Filter passieren, diese unbeachteten Informationen die beachteten aber sehr wohl beeinflussen. Weiterhin nimmt sie an, dass Übung das Wahrnehmen nicht beachteter Informationen steigern kann und es Wahrnehmungsschwellen für die Bearbeitung von Informationen gibt. Attenuation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass abgeschwächte (attenuierte) Weiterleitungen und Verarbeitungen kaum beachteter Reize zugelassen werden. Aktiviert wird die bewusste Wahrnehmung, wenn Assoziationen wie z.B. der eigene Name vorhanden sind. So wird erklärt, wie es möglich ist, seinen Namen aus einem Stimmengewirr heraus zu hören[6].

Theorie der späten Selektion

Hier wird davon ausgegangen, dass die Selektion erst kurz vor der Reaktion erfolgt, also wahrgenommene Eingangsreize voll analysiert, aktuell relevante Reize ausgewählt und Reize außerdem parallel verarbeitet werden. Ob sie gespeichert oder zum Handeln verwertet werden hängt von der Relevanz des Handlungsziels ab. Es wird angenommen, dass Informationen zentral verarbeitet, bewertet und dann weiterverarbeitet oder verworfen werden. Studien zum dichotomen Hören stützen diese Annahme[7].

Determinanten der Reizauswahl

Reize werden nach ihrer physikalischen Charakteristik oder internen persönlichen Faktoren selektiert. Individuelle Interessen, Motivationen, Emotionszustände und das eigene Wertesystem beeinflussen die Reizauswahl[8]. Weiterhin ist es aktiv willentlich möglich, Aufmerksamkeit zu fokussieren oder sie auch bewusst zu hemmen bzw. zu blockieren. Determinanten sind also Faktoren unterschiedlicher Art, die das Erleben und Verhalten bestimmen. Das kann z.B. die Anwesenheit von Menschen allgemein oder auch die Anwesenheit bestimmter Menschen betreffen. Weitere Faktoren können genetische Einflüsse oder auch einfach die Qualität des dargebotenen Reizes sein.

Wahrnehmungsvermeidung

Laut Freud werden Reize in einem Zweistufenprozess[9] verarbeitet, wobei die Information in der ersten Stufe unbewusst bewertet und dann verdrängt oder verkannt wird. Sobald aufgenommene Reize die zweite Stufe erreichen, werden sie uns bewusst. Man kann Reize nun aber auch bewusst ausblenden, indem man zum Beispiel den Blick abwendet. So kann man erreichen, weniger Angst oder Ekel zu empfinden. Wahrnehmungsvermeidung ist also ein aktiver Prozess. Man entscheidet sich bewusst dafür, auch wenn die Entscheidung zur Vermeidung manchmal gleich wieder verdrängt wird.

Selektive visuelle Aufmerksamkeit

Die selektive visuelle Aufmerksamkeit[10] unterteilt drei Ansätze: ortsbasierte, objektbasierte und lage- bzw. dimensionsbasierte Selektion. Ortsbasierte visuelle Selektion benennt die räumliche Position, auf den sich die Aufmerksamkeit bezieht, welche wiederum endogen oder exogen beeinflusst werden kann. Exogen beschreibt in diesem Zusammenhang einen äußeren Reiz, der die Aufmerksamkeit lenkt. Endogen bedeutet hier eine willentliche Konzentration, welche kontrolliert verläuft. Die objektbasierte visuelle Selektion vermittelt, dass die genaue Analyse nur jeweils eines Objektes möglich ist. So kann es passieren, dass man Ereignisse übersieht, die direkt vor den eigenen Augen ablaufen. Menschen verarbeiten außerdem nicht alle Informationen aus ihrer Umwelt und nehmen Veränderungen hauptsächlich über Bewegung wahr, was dazu beiträgt, dass manche Objekte oder Veränderungen nicht gesehen werden. Die dimensionsbasierte visuelle Selektion beschreibt die Einordnung von Objekten in bestimmte Kategorien wie z. B. Farbe, Form oder Größe. So können Objekte schneller eingeordnet oder auch gefunden werden.

2.2. Aufmerksamkeit und Performanz

Performanz ist eine Bezeichnung, die für das Präsentieren einer Leistung verwendet wird. Um eine optimale, zielerfüllende Performanz zu erreichen, muss im Lern- und Erarbeitungsprozess die Aufmerksamkeit gesteuert werden. Geteilte Aufmerksamkeit bewirkt oft Leistungsbeeinträchtigungen. Nachfolgend soll die Verbindung zwischen Aufmerksamkeit und Leistung, zwischen „Input“ und „Output“, aufgezeigt werden.

Yerkes-Dodson`sche Regel

Die Grundannahme der Yerkes-Dodson`schen Regel[11] ist, dass die Leistung mit steigender Aktivation zunimmt, aber nicht linear. Es ist vielmehr von einer umgekehrten U-Form auszugehen, was bedeutet, dass die Leistung ab einem gewissen Erregungsgrad sinkt. Der Aktivations- oder Wachheitsgrad kann unterschiedlich hoch sein und ist eine Voraussetzung und ein Indikator für die Klarheit des Bewusstseins. Je nach Höhe nehmen wir passiv Informationen auf oder agieren eher. Durch ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann der jeweilige Wachheitszustand sichtbar gemacht werden. Das Verhalten und die Performanz unterscheiden sich in den verschiedenen psychischen Zuständen[12] sehr. Herrscht ein schläfriger Zustand vor, bewirkt es im EEG u.a. eine Desintegration des Alpha-Rhythmus. Die Bewusstseinslage ist geprägt von leichten Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsverlusten, Bilddenken und Pseudohalluzinationen. Im Verhalten zeigen sich dann unkoordinierte und verzögerte Reaktionen und gestörte Zeitsequenzen bei Geschicklichkeitsleistungen. Herrschen hingegen starke Gefühle, Erregung und Spannung vor, zeigen sich im EEG u.a. schnelle und gemischte Frequenzen. Die Bewusstseinslage zeigt ein eingeengtes Bewusstsein, eine Aufmerksamkeitsspaltung und Konfusion. Im Verhalten schlägt sich das in Desorganisation nieder. Es besteht ein Mangel an Kontrolle, außerdem Schreck- bzw. Panikreaktionen. Es ist ersichtlich, wie eng Aufmerksamkeit und Performanz zusammenhängen und es stellt sich die Frage nach der Störbarkeit bzw. Beeinflussbarkeit psychischer Zustände. Vigilanz spielt eine große Rolle in der Arbeitspsychologie. Hier wird der Grad der Bereitschaft, neue Reize und Veränderungen in der Umwelt wahrzunehmen, erforscht. Die Vigilanz ist im Optimalfall auf endogene und exogene Reize abgestimmt. Dadurch ist sichergestellt, dass keine psychische Über-oder Unterforderung eintritt. Manchmal ist sie aber auch temporär oder dauerhaft zu hoch oder zu niedrig eingestellt oder unterliegt extremen Schwankungen, dann ist die Aufmerksamkeit gestört.

Aufmerksamkeitsstörungen

Aufmerksamkeitsstörungen können Menschen eines jeden Alters, mit oder ohne Begleiterkrankungen und unterschiedlichen sozialen Kontexten betreffen. Bei erhöhter Belastung, Stress, Krankheit oder Müdigkeit ist es normal, unkonzentriert zu sein. Von einer Aufmerksamkeitsstörung wird aber erst gesprochen, wenn der Betroffene die an ihn gestellten Forderungen (von Lehrern, dem Arbeitgeber, Gesetz oder Partner) trotz intensiver Versuche nicht erfüllen kann[13]. Typische Symptome[14] einer Aufmerksamkeitsstörung sind:

- Schwierigkeiten beim Aufnehmen und Ausführen von Arbeitsanweisungen, unvollständige Handlungsausführung
- Erhöhte Ablenkbarkeit bei Routine- Tätigkeiten, Probleme bei Aufgaben, die eine längere Ausführungsdauer benötigen
- Probleme, Gesprächen adäquat zu folgen und Gesagtes zu erinnern, Abschweifen in Gedanken
- Aufnehmen neuer Tätigkeiten vor dem Abschluss der aktuell ausgeführten
- Schwierigkeiten beim Planen von Handlungsabläufen, teilweise keine Planung, keine Priorisierung
- Vermeidungsverhalten bei kognitiv anstrengenden Aufgaben, Aufschieben der Aufgaben
- Regelmäßiges Vergessen und Verlegen wichtiger Gegenstände
- Fehlender Überblick über das Gesamtbild, Gefühl des Kontrollverlusts

In der Literatur wird ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) mittlerweile in die Definition des ADHS einbezogen. Das „H“ steht hier für Hyperaktivität. Es wird davon ausgegangen, dass Hyperaktivität in jedem Fall besteht. Nach außen wird sie von der Umwelt als störend empfunden, Hyperaktivität nach innen wird eher als Tagträumen wahrgenommen. Dieses Thema wird in einem gesonderten Abschnitt weiter ausgeführt. Auch ohne Aufmerksamkeitsstörung ist es nicht immer einfach, sich zu konzentrieren. Oft müssen wir unsere Aufmerksamkeit mehreren Prozessen gleichzeitig widmen, was als Mehrfachaufgabenperformanz bezeichnet wird.

Mehrfachaufgabenperformanz

Drei Aspekte[15] beeinflussen die Fähigkeit, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen. Zum Ersten die Aufgabenähnlichkeit. Je ähnlicher die Aufgaben sind, desto schwieriger sind sie gleichzeitig zu bearbeiten. Zum Zweiten die Übung, denn gewohnte Abläufe erleichtern das parallele Erledigen von Aufgaben und zum Dritten die Aufgabenschwierigkeit. Je komplexer die einzelnen Aufgaben sind, umso schwieriger wird es, sie gleichzeitig zu erledigen. Zur Mehrfachaufgabenperformanz existieren folgende Theorien[16]. Die Ein-Kanal-Theorien gehen von einem zentralen Kanal aus. Er allein nimmt eingehende Informationen auf. Zwischen den Reizen müsste also ständig priorisiert und umgeschaltet werden. Die Vorstellung einer zentralen Kapazität beruht auf der Annahme einer begrenzten Grundverarbeitungskapazität, die für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden kann. Eine Selektion müsste dann an der Kapazitätsgrenze erfolgen, welche bei hoher Aufgabenschwierigkeit schneller erreicht ist. Die Modularen Ansichten beschreiben spezialisierte Verarbeitungssubsysteme. Wird ein Subsystem mehrfach angesprochen, entsteht eine Überlagerung und es muss selektiert werden. Hier beeinflusst die Aufgabenähnlichkeit die Verarbeitung. Die Synthesetheorien basieren auf der Vorstellung eines hierarchisch gegliederten Verarbeitungssystems. Ein zentraler Prozessor kontrolliert und koordiniert den jeweiligen Handlungsablauf. Spezialisierte, untergeordnete Verarbeitungssysteme funktionieren relativ unabhängig voneinander.

Tendenziell ist eine parallele Verarbeitung von Aufgaben aber immer zeitraubender als eine serielle Verarbeitung. Studien zum Multitasking weisen auf eine Veränderbarkeit und Trainierbarkeit der Aufmerksamkeitsprozesse hin.

[...]


[1] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 75.

[2] ebenda, S. 76.

[3] Vgl. Gerrig, R./Zimbardo, P.: 2008, S. 142.

[4] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 76.

[5] ebenda, S. 77.

[6] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 78.

[7] ebenda, S. 78.

[8] ebenda, S. 80.

[9] Orth, H.: 2013, S. 82.

[10] ebenda.

[11] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 84.

[12] Vgl. Becker-Carus, C.: 2011, S. 248.

[13] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 86.

[14] ebenda, S. 86.

[15] Vgl. Orth, H.: 2013, S. 87.

[16] ebenda, S.87.

Details

Seiten
29
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668347342
ISBN (Buch)
9783668347359
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344964
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Schlagworte
ADS ADHS Aufmerksamkeit Aufmerksamkeitsstörungen Prävention Behandlung Überblick

Autor

  • Rubi Mauer (Autor)

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Titel: Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitssörungen. Prävention und Behandlung von ADS/ADHS