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Welche Rolle spielte Amerika in der nationalsozialistischen Außenpolitik? Das deutsch-amerikanische Verhältnis von 1933 bis 1941

Hausarbeit 2003 14 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Ende der deutsch-amerikanischen Kooperation
1.1 Ausgangssituation
1.2. Die Abrüstungs- und Weltwirtschaftskonferenz

2. Die Jahre der Distanzierung und des „non-involvement“
2.1. Zwischen Revisionismus und „non-involvement“
2.2. Handelspolitische Gegensätze
2.3. Die Gründe für Roosevelts Zurückhaltung

3. Der Weg in den Krieg
3.1. Amerikas Unterstützung für Großbritannien
3.2. Gründe für die deutsche Kriegserklärung

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das deutsch-amerikanische Verhältnis von 1933-41 kann in drei Phasen eingeteilt werden. Die erste Phase begann mit der Machtübernahme Hitlers. In ihr wurde die deutsch-amerikanische Kooperation, die seit 1921 bestanden hatte, abgebrochen und es entstand ein Verhältnis gegenseitigen Misstrauens. Besonders die Vereinigten Staaten hatten Vorbehalte zum „neuen“ Deutschland. Hierauf folgte die zweite Phase ab 1935, die gekennzeichnet war durch ein stetiges Abrücken voneinander hin zu einer noch nicht offenen aber dennoch deutlichen Opposition. 1934 schien es zunächst, als würden sich die USA aus Europa zurückziehen. Doch warum hielten sich die Vereinigten Staaten gerade in dieser Periode des deutschen Aufrüstens und Erstarkens zurück, wo es doch zu dieser Zeit relativ leicht gewesen wäre, Hitler seine Grenzen klar aufzuzeigen? Hätte Washington Frankreich nicht den Rücken stärken können, als es eine härtere Gangart gegenüber Deutschland forderte? Die dritte und damit letzte Phase schließlich bestand aus einer eskalierenden Feindschaft, die schließlich in der Kriegserklärung Hitlers an die USA ihren Höhepunkt fand. Doch wieso ging Hitler, der doch den Ersten Weltkrieg sonst als Lehre ansah, das Risiko ein, Amerika wie schon 1917 auf Seiten der Alliierten in den Krieg zu ziehen?

Die These schließlich, dass Hitler keine klare Amerikakonzeption gehabt habe und daher die USA in seinen politischen Planungen als einen zu vernachlässigenden Faktor dargestellt habe, soll widerlegt werden.

1. Das Ende der deutsch-amerikanischen Kooperation

1.1 Ausgangssituation

Die Machtergreifung Hitlers wurde in den Vereinigten Staaten mit Sorge gesehen. Das Verhältnis zwischen den USA und dem Reich verschlechterte sich bereits ab 1933 stetig. Die Gründe hierfür lagen in der schrittweisen Zerstörung der Demokratie in Deutschland und dem zunehmenden staatlichen Terror, dem politische Gegner des Regimes ausgesetzt waren. Die Diskriminierung ethnischer und religiöser Gruppen, Judenmisshandlungen und drohende Pogrome sorgten dafür, dass das Ansehen Deutschlands in den USA erheblichen Schaden nahm. Das Bild von 1917, das einen Kampf zwischen Demokratie und Diktatur zeichnete, wurde wieder wachgerufen. Die Emigration Deutscher, Bücherverbrennungen und die Errichtung von Konzentrationslagern begünstigte diese Entwicklung. Die ablehnende öffentliche Reaktion auf die Machtergreifung Hitlers spielte in den deutsch-amerikanischen Beziehungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die These, dass Hitler kein Interesse an den Vereinigten Staaten hatte, wie dies z.B. von James Compton vertreten wird, ist aber fragwürdig. Nach dieser Auffassung war Amerika in Hitlers Augen dem Verfall geweiht. Die heterogene Gesellschaft, Demokratie und eine von Juden beherrschte Börse sollten für diesen Verfall verantwortlich sein. Außerdem überschätzte Hitler, nach Comptons Ansicht, maßlos den Einfluß der Isolationisten und betrachtete Amerika daher nicht als unmittelbares Problem.[1] Gewichtige Gründe sprechen aber gegen diese These. Die deutschen Medien reagierten kaum auf die zum Teil herbe Kritik aus den USA an dem neuen Deutschland. Die Gleichschaltung der deutschen Publizistik vor Augen, muß man davon ausgehen, dass die NS-Führung sich Vorteile aus einer vorsichtigen Medienpolitik gegenüber den Vereinigten Staaten versprach. Zahlreiche

Presseanweisungen des Propagandaministeriums, die direkte Angriffe auf politische Entscheidungen oder Persönlichkeiten der amerikanischen Regierung untersagten, belegen dies. Die nationalsozialistische Propaganda verglich Deutschland und Amerika sehr gerne, wobei behauptet wurde, dass die Aufgaben, die die Regierungen beider Länder zu bewältigen hätten gleich seien und dass die Mittel, die zur Lösung dieser Aufgaben angewandt würden, ebenfalls Parallelen aufweisen.

Diese Propaganda sollte zeigen, dass das parlamentarisch-demokratische System überholt sei und selbst in Amerika, also dem Land, das maßgeblich an der Demokratisierung Deutschlands beteiligt war, ein autoritärer Staat entstehe. Roosevelt wurde daher von der NS-Propaganda als autoritärer Charakter, als eine „Führerfigur“ dargestellt. Die Nationalsozialisten wollten damit eine Legitimation für ihre eigene Politik schaffen.[2]

Den Versuch, die zunehmenden handelspolitischen Gegensätze zu entschärfen, wollte man nicht dadurch gefährden, dass man einen Krieg der Worte mit Amerika anzettelte.

Außerdem konnte eine deutsch-englische Annäherung, angesichts der seit 1917 immer enger werdenden anglo-amerikanischen Beziehungen, ohne das Wohlwollen oder wenigstens die Tolerierung Washingtons kaum stattfinden.

Erst 1936, als eine Übereinkunft mit Großbritannien in der Frage der Marinerüstung und eine Lösung der wirtschaftlichen Gegensätze mit Amerika in weite Ferne rückte, ließ Berlin allmählich Amerika-kritische Töne zu.

1.2. Die Abrüstungs- und Weltwirtschaftskonferenz

Die historischen Erfahrungen der USA mit einem autoritär geführten Deutschland allein waren schon eine Belastung für die Beziehungen zum neuen Deutschland. In Washington wuchs die Furcht, dass das Reich die bis dahin stetig vorangetriebene Reintegration in die Völkergemeinschaft zugunsten einer aggressiven Revisionspolitik aufgeben würde. In der Weimarer Republik nahm die Zahl derer zu, die forderten, dass entweder die Alliierten auf das Niveau der Reichswehr abrüsten sollten oder die Reichswehr zu einer Wehrmacht aufgerüstet werden sollte. Diese Forderung konnte durch den Versailler Vertrag legitimiert werden, in dem die Abrüstung aller Nationen festgelegt worden war.[3] Auf der Internationalen Abrüstungskonferenz vom 2.Februar 1932 konnte Deutschland mit amerikanischer Unterstützung rechnen. Die USA waren nicht bereit, eine französische Hegemonialstellung in Mitteleuropa zu erhalten. Hoover forderte den „peaceful change of status quo“, der eine Wiedereingliederung Deutschlands in die Völkergemeinschaft vorsah. Deutschland sollte zu einem Gegengewicht zu Frankreich werden. Unter amerikanischen Druck sah sich Paris genötigt, mit der „Fünf-Mächte-Erklärung“ Deutschland als gleichberechtigten Partner anzuerkennen.[4]

Die Machtübernahme Hitlers führte zu einer Umorientierung der amerikanischen Haltung gegenüber Deutschland. Die zunehmend stärkere Betonung Berlins des Gleichberechtigungsarguments sorgte für zunehmendes Misstrauen bezüglich Deutschlands wirklicher Verhandlungsbereitschaft. Berichte über einen verstärkten Militarismus in Deutschland ließen dieses Misstrauen gerechtfertigt scheinen und das nur scheinbare Einlenken der deutschen Delegation, die den McDonald-Plan als Grundlage künftiger Verhandlungen akzeptierte, ließen auf amerikanischer Seite nur wenig Hoffnung aufkommen. Am 14.Oktober 1933 scheiterte die Abrüstungskonferenz mit dem Abzug der deutschen Delegation. Hitler verspielte mit dieser ersten großen Provokation mehr als er gewann. Der erste Beweis für Frankreichs Schwäche und Englands Kompromissbereitschaft kostete ihn die Unterstützung der USA. Eine Unterstützung, die in allen wichtigen Fragen von 1921-33 (z.B. Reparationen, innerer Aufbau) von unschätzbarem Wert gewesen war. Hitler wählte diesen Zeitpunkt, weil die starre deutsche Haltung die Verhandlungen ohnehin in eine Sackgasse getrieben hatte und weil eine Volksabstimmung bevorstand, die die Bestätigung seiner Herrschaft zum Ziel hatte. Hitler ließ mit seiner aggressiven Revisionspolitik das Konzept des „peaceful change“ scheitern und somit den Vereinigten Staaten nur noch die Wahl, sich aus Europa zurückzuziehen oder ihre Kooperationspolitik mit Deutschland zu beenden.

Im Rahmen einer Weltwirtschaftskonferenz wollte die amerikanische Regierung klären, ob eine Abschottung des deutschen Marktes zu befürchten sei. Washington versuchte dem Reich zu vermitteln, dass eine langfristige nationale Gesundung nur über internationale Kooperation zu erreichen sei. Um das Wohlwollen der USA nicht völlig zu verspielen sagte Hitler im März 1933 einer deutschen Teilnahme zu, denn neben der Abrüstungsfrage sollten den USA nicht noch weitere Gründe für eine öffentliche Kritik an Deutschland in die Hände gegeben werden. Berlin musste allerdings akzeptieren, dass nationalsozialistische Judenpolitik und die deutsche Haltung in der Abrüstungsfrage, neben den wirtschaftlichen Fragen, zu Themen der Konferenz gemacht werden sollten. Am 12.Juni 1933 wurde die Weltwirtschaftskonferenz in London eröffnet. Der deutsch-amerikanische Schulterschluß konnte nicht durchgehalten werden, weil beide Seiten zu unterschiedliche Positionen hatten. Hull forderte den Abbau der internationalen Handelshindernisse und meinte, dass nur durch eine Intensivierung des Handels eine Belebung der Binnenmärkte erreicht werden könne. Von Neurath dagegen verteidigte die Ergreifung nationaler Maßnahmen, denn diese seien die Voraussetzung für eine Gesundung der Wirtschaft und damit das Fundament für einen florierenden Außenhandel. Allein der handels- und währungspolitische Gegensatz zwischen den USA einerseits und Frankreich und Großbritannien andererseits verhinderten, dass Deutschland und die Vereinigten Staaten sich noch weiter von einander entfernten. Die Weigerung Roosevelts, den Dollar zu stabilisieren, mit der Begründung, dass die Priorität auf nationalen Interessen liege, führte zum Scheitern der Weltwirtschaftskonferenz. Dieser Ausgang kam dem Reich äußerst gelegen, denn auf diese Weise hatte man weder Kompromisse schließen müssen, noch trug man die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz. Darüber hinaus war die eigene nationalegoistische Position durch Roosevelts Aussagen in der Währungsfrage unterstrichen worden.

Das Jahr 1933 markierte den Wendepunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die seit 1921 bestehende politische und wirtschaftliche Kooperation beider Länder wurde beendet.

[...]


[1] Vgl. Compton, J.: Hitler und die USA. Oldenburg 1968

[2] vgl. Sirois, H.: Zwischen Illusion und Krieg: Deutschland und die USA 1933-1941. Paderborn 2000 S.44-45

[3] siehe Versailler Vertrag Teil V

[4] vgl. Rohe, K.: Die Westmächte und das dritte Reich 1933-39. Paderborn 1982 S.133-155

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783668345584
ISBN (Buch)
9783668345591
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344912
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Schlagworte
Nationalsozialistische Außenpolitik Deutsch-amerikanisches Verhältnis Deutsche Aussenpolitik

Autor

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