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Didaktik und Kommunikation

Vorbereitender Fall zu einem Didaktik Workshop

Essay 2016 11 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Didaktik und Kommunikation

Fall zur Bearbeitung der Aufgabenstellungen:

1) Herleitung des Situation:

2.) Vorschläge zu einem Alternativen Vorgehen:

Literatur

Didaktik und Kommunikation

Fallbearbeitung zur Vorbereitung auf eine Präsenzveranstaltung zu kommunikationstheoretischen Ansätzen. Analyse des Falles unter Verwendung von kommunikationstheoretischen Ansätzen für einen besseren Ablauf.

Fall zur Bearbeitung der Aufgabenstellungen:

(eigene sinngemäße Wiedergabe des original bearbeiteten Falles)

Ein erfahrener Erwachsenenbilder erscheint pünktlich und positiv gestimmt zu seiner Veranstaltung. Er fühlt sich voller Energie und bereit ein gutes Seminar zu halten. Fast kann er seine Befürchtungen bezüglich der Anfangsphase verdrängen. Das Warm-Up verläuft ohne merkliche Probleme.

Seine Einführung beginnt es behutsam und leitet zur ersten inhaltlichen Frage über. Ein Teilnehmer mit deutlich wahrnehmbaren Signalen in Körpersprache und Gesichtsausdruck erweckt bereits bei seiner Meldung negative Ahnungen.

Der Teilnehmer formuliert gereizt, die Thematik sei viel zu stark verkürzt. Die Komplexität könne insgesamt nicht mit den angekündigten Punkten des Programms abgedeckt werden. Eine zufriedenstellende Bearbeitung erscheine unmöglich.

Die übrigen Teilnehmer beobachten gespannt die Situation und sehen Abwechselnd zwischen den beiden Akteuren hin und her.

Dem Erwachsenenbilder wird klar, der Teilnehmer wirkt, entgegen seiner ersten Vermutung, fachlich durchaus kompetent. Er fühlt sich persönlich angegriffen und sieht eine Infragestellung darin. Seine Reaktion erfolgt in Rechtfertigungen, der Teilnehmer hingegen verteidigt seinen Standpunkt verbissen.

Die übrigen Teilnehmer langweiligen sich während des Zwiegespräches und wenden sich der Umgebung oder privaten Unterhaltungen zu.

Der Erwachsenenbildner verliert unterdessen die Geduld und weist den Teilnehmer zurecht: „Das ist mein Kurs und meine Kursplanung. Sie liegen falsch und das werden Sie noch erkennen müssen!“ Darauf geht der Teilnehmer wortlos.

Eigener Fall in Anlehnung an:

Koob, D. (2008): Mit negativen Emotionen professionell umgehen. Frustrations- und Ambiguitätstoleranz als Kernkompetenz von Weiterbildnern. In: DIE-Zeitschrift 2008/3, S. 45-49 (URL: http://www.diezeitschrift.de/32008/emotionskompetenz_koob_08.htm . - Quelle verifiziert am 21.05.2016

Aufgabenstellung:

1) Erläutern Sie anhand von kommunikationstheoretischen Ansätzen, wie es zu der Problematik des Falls gekommen sein könnte.

2) Wie hätte der Erwachsenenbildner in der Situation souverän reagieren können? Erarbeiten Sie Vorschläge und begründen Sie diese mithilfe von kommunikationstheoretischen Ansätzen.

1) Herleitung des Situation:

Der Erwachsenenbildner war zwar vorbereitet, doch in der Falldarstellung durchaus mit Befürchtungen bezüglich der Anlaufphase des Seminars. So sicher er im fachlichen gewesen sein mag, so bestand eine emotionale Unsicherheit in dieser Befürchtung bezüglich der Anfangsphase. Kaum schien dieser Risikoteil überwunden, kam die Störung des Ablaufs. Ein vorbereiteter Alternativplan mag bei ihm für diese Einführung vorgelegen haben, aufgrund des Falles aber sicher nicht für direkt danach.

Eine Nachricht wird nach dem verbreiteten Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver von einem Sender kodiert, über einen Kanal übertragen und vom Empfänger dekodiert.[1] Watzlawik erklärt, der Mensch kann nicht nicht kommunizieren.[2] Der Mensch kommuniziert also stets, die Frage ist nur ob bewusst oder unbewusst bzw. in welcher Intensität sich beide mischen. Weiterhin verbindet sich laut Watzlawik in jeder Kommunikation Inhalt und Beziehungsebene.[3] Die Kombination von Sprache und Körpersprache kann gegensätzliche Signale übertragen und zur Verwirrung führen.[4] Die Gereiztheit des Teilnehmers kann mit der Situation zusammen gehangen haben, doch ist dies im Fall keineswegs sicher. Seine Körpersprache mag auch aus einem vorangegangenen Kontext übertragen worden sein, während er nun diese Emotionen in das Seminar und die Person des Referenten projiziert. Der Erwachsenenbilder mag keine Möglichkeit gehabt haben, dies zu erkennen.

In der überraschenden Situation auf die erste Frage sofort eine derartige Reaktion zu erhalten, kann es leicht zu einem Missverständnis kommen. Der Teilnehmer und der Referent sprechen nicht auf der gleichen Ebene miteinander. Hierzu lässt sich das Vier-Ohren Modell heranziehen.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1Eigene Abbildung des Vier Ohren Modells auf Basis des Studienbrief EB 0410, Seite 57 bis 58

Das Vier-Ohren Modell nach Schulz von Thun nutzt vier Ebenen zur Klassifizierung von Aussagen. Neben einem Sachinhalt, einer Selbstoffenbarung, einer Beziehungsebene gibt es noch den Appell. Der Sender spricht auf diesen vier Ebenen, im Original vier „Schnäbeln“ genannt. Der Empfänger hört mit vier Ohren. Missverständnissen und Konflikten entwickeln sich, wenn die Ebenen der involvierten Personen nicht übereinstimmen. Der Empfänger kann bei der Decodierung der empfangenen Nachricht unbewusst eine andere Ebene wählen, als vom Sender angestrebt war oder bemerkt wurde. Empfänger, die ihr Gehör geschult haben, können Wahrnehmung, Interpretation und Gefühl als bewusst erkennen. Selbstbild des Empfänger und das Fremdbild, welches der Empfänger vom Sender hat, sind ausschlaggebende Faktoren für die Decodierung und Deutung. Ein Empfänger kann also hören, was er vermutet; der Sender hingegen hatte dies jedoch am wenigsten gewünscht auszudrücken.[6] Der Empfänger hätte also die Situation (mit-)erzeugt, die am ehesten vermeiden wollte, ohne dies bemerkt zu haben. Im vorliegenden Fall könnte Herr Müller also die Situation eskaliert haben, weil er eine solche befürchtet hatte.[7]

Die Kritik des Teilnehmers bezog sich auf Fragestellung und Ausführung der behutsamen Einführung. Der Referent bezog diese Kritik auf sich in persönlich, was zu Frust führte, so entstanden die Versuche der Rechtfertigung. Diese Reaktion war eine Verschwendung eigener Kräfte, durch Eröffnung eines neuen strategisch unbedeutenden Kampfplatzes, entgegen der Ökonomie der Kräfte.[8] Eine genauere Analyse der Situation hätte die Konzentration auf das eigentlich Feld der Auseinandersetzung, die Inhalte, bewirken können. Es besteht die Möglichkeit, dass die als eine Art von Selbstoffenbarung mit der Absicht selbst eine Führungsrolle zu übernehmen geschah.[9] Ein solches aggressives Verhalten ist oft der Versuche eine dominante Rolle in der Gruppe einzunehmen.[10] Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Suche nach Aufmerksamkeit das primäre Motiv des Störers war.[11] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass es appellativ gemeint war, als Einforderung von mehr Inhalten. Die Inhalte in ihrer Intensität hingegen muss der Erwachsenenbildner an der gesamten Gruppe ausrichten, nicht an einem einzelnen Teilnehmer.

Die Zielsetzung von Seminaren trifft auf unterschiedliche Kernerwartungen von Teilnehmern. Die definierte Zielgruppe entspricht in der Praxis selten der realen Zusammensetzung im Seminar, unterschiedliche Haltungen und Vorwissen treffen zusammen. Hier muss der Erwachsenenbildner eine ordnende Rolle einnehmen, um allen gerecht zu werden. Diese Rolle wurde im Fall nicht sichtbar. Es wurde eher Schwäche gezeigt und dann eine autoritäre Rolle versucht zu spielen, als bereits alles verloren war. Dies zeigt sich im Satz „ Das ist mein Kurs und meine Kursplanung. Sie liegen falsch und das werden Sie noch erkennen müssen! “ Dieser Wechsel des Stils wirkt eher nach einer verzweifelten Ausbruchstaktik unter Schwächung der Moral der eigenen Truppen, als nach einer Lösungsstrategie.[12] Kurz gesagt, es wirkte nach einem verzweifelten Ausbruch aus der zuvor eingesetzten Strategie.

[...]


[1] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 53

[2] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 54

[3] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 54

[4] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 56

[5] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 57

[6] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 41

[7] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 57 bis 60

[8] Vgl. Clausewitz, Vom Kriege, Seite 94 bis 96

[9] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 113

[10] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 111

[11] Vgl. Von Felden, Didaktisches Handeln und Kommunikation in Lerngruppen, Seite 112

[12] Vgl. Sun Tzu, The Art of War, Seite 61 bis 63 und 65 bis 66

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668347670
ISBN (Buch)
9783668347687
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344848
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
Schlagworte
TZI themenzentrierte Interaktion Vier-Ohren-Modell Kommunikation Kommunikationsebenen Strategie Kommunikationsstrategie Führung Kommunikationskonflikte Transaktionsanalyse

Autor

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