Loading...

The main principles for the management of health organizations

Essay 2016 11 Pages

Medicine - Public Health

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe von gesellschaftlicher Verantwortung
2.1. Sozialverantwortung als „Social Investment“
2.2. Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship
2.2.1. CSR-Konflikt - zwischen Freiwilligkeit und Pflicht
2.2.2. Ökonomische Perspektive der Unternehmensverantwortung - CSR als Business Case
2.3. Social Entrepreneurship

3. Die Deutsche Bank – ein empirisches Beispiel
3.1. Die Deutsche Bank und gesellschaftliche Verantwortung (CSR)
3.1.1. Ethisches Verhalten, Grundsätze und Governance
3.1.2. Corporate Citizenship
3.1.3. Produkt und Dienstleistung
3.1.4. Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit
3.1.5. Risk Management
3.2. Kritische Diskussion - DB zwischen Anspruch und Wirklichkeit - die Krise seit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmensführung als freiwillige Einbeziehung verschiedener Bezugsgruppen - Anspruchsgruppen - der Unternehmung in unternehmerische Entscheidungen. Hierbei handelt es sich um Interessengruppen wie Konsumenten, Arbeitnehmer, Geldgeber und Gesellschaft. Bei Konflikten sollte es ein Instrument des Managements sein, Lösungen durch Kommunikation zu finden, dabei ist es die Aufgabe des Managers (der Unternehmensführung), vor allem ethisch tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Die Idee der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmensmanagements kann als Reaktion auf die Kritik einer immer stärker gewinnmaximierenden Ausrichtung gewertet werden. Unternehmen nutzen diesen Ansatz, um ihre Reputation zu verbessern, d.h., dass die Herausforderungen von Unternehmen hierbei im Kern darauf beruhen, ethische Ansprüche und erwerbswirtschaftliche Prinzipien zu harmonisieren. Unternehmen steigern somit ihre Reputation, Integrität und vor allen das Vertrauen seitens der Gesellschaft.

Im Zuge der Globalisierung wird gesellschaftliche Verantwortung großgeschrieben, Unternehmen engagieren sich, übernehmen Verantwortung und gleichen an manchen Stellen hierin sogar dem Staat, dennoch werden sie kritisch betrachtet. Die Erklärung dieser kritischen Betrachtung liefert uns der Soziologe Peter Imbusch, indem er schreibt: Die Wirtschaftseliten genießen gegenwärtig in der Öffentlichkeit keinen allzu guten Ruf, viele Konzerne stehen am Pranger: die Vorwürfe reichen von Gewinnmaximierungssucht und reiner Shareholder-Orientierung bis hin zur Höhe der Managergehälter und problematischen Abfindungszahlungen sowie der Heuschreckenmetapher (Imbusch 2006, 18). An dieser Stelle lässt es sich deutlich erkennen, warum es wichtig ist, die gesellschaftliche Verantwortung von Managern als Managementansatz kritisch zu betrachten und zu analysieren.

Die Frage, die sich aufgrund der oben ausgeführte Darstellung stellt, lautet, inwiefern Unternehmen und vor allem Konzerne gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, wenn sie Shareholder-Value-orientiert sind, hohe Gehälter an ihre Manager zahlen und an manchen Stellen sogar unverantwortlich der Gesellschaft gegenüber handeln. Diese Analyse versucht, die Frage anhand des empirischen Beispiels der Deutschen Bank als weltweit agierender Konzern zu beantworten. Hierbei werden die gesellschaftliche Verantwortung und die Managementstrategie der Anspruchsgruppen analysiert.

Um eine möglichst gerechte Antwort auf die oben formulierte Fragestellung anhand des ausgewählten Beispiels zu geben, wird im Kapitel 2 dieser Arbeit der Hintergrund von gesellschaftlicher Verantwortung analysiert. Dabei wird Sozialverantwortung als soziale Investition dargestellt. In diesem Kapitel werden die Begriffe der Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship (CC) im Zusammenhang mit der Fragestellung erörtert. Das nachfolgende Kapitel 3 beschäftigt sich ausschließlich mit dem empirischen Beispiel der Deutschen Bank. Im empirischen Teil wird die gesamte gesellschaftliche Verantwortung der Deutschen Bank (CSR) erläutert, dabei wird gezeigt, wie der Konzern ethisches Verhalten definiert (Grundsätze und Governance), seine Coporate Citizenship, Produkt und Dienstleistung, Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit, Risk Management werden ebenfalls in Betracht gezogen, weil die CSR der Deutschen Bank auf diese Bereiche konzentriert ist. Daran anschließend wird eine kritische Beurteilung hinsichtlich der gesamten gesellschaftlichen Verantwortung der Deutschen Bank vorgenommen. Der Grund für eine solche Kritik lässt sich durch den gesamten Ruf des Konzerns in den Medien und der Öffentlichkeit erklären. Im Rahmen dieser Analyse werden eher kritische Literaturbeiträge sowie Internetquellen verwendet, während als fürsprechende Literatur in Bezug auf die Deutsche Bank deren eigene Literatur aus den Unternehmensarchiven herangezogen wird.

2. Hintergründe von gesellschaftlicher Verantwortung

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen wird in der heutigen Wahrnehmung als selbstverständlich betrachtet, denn Unternehmen übernehmen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und zeigen dies sehr gerne bzw. reden sehr gern darüber. Das Thema ist nicht nur präsent in der Gesellschaft, sondern nimmt auch in der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik immer mehr an Bedeutung zu. Es wird seit Jahren über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen spekuliert und diese wird unterschiedlich definiert. Auf einer Seite hatte sich die Vorstellung durchgesetzt, dass die einzige unternehmerische Verantwortung die Gewinnmaximierung sei, da diese die Gemeinwohloptimierung (über eine optimale Ressourcenallokation) bereits implizit erfülle (Pommerening 2005, 1). Die Gegenposition forderte ethisches Verantwortungsbewusstsein von Unternehmern und die Ausrichtung der Unternehmensziele an den Bedürfnissen der Gesellschaft, die den Unternehmen die Gewinnerwirtschaftung erst ermöglicht (vgl. überblicksartig für die Entwicklungsgeschichte z.B. Liebl 2002).

Vor diesem Hintergrund lässt sich erklären und verstehen, warum die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen permanent diskutiert wird. Aber die Frage, die sich an dieser Stelle stellt, lautet, ob Unternehmen diese gesellschaftliche Verantwortung freiwillig übernehmen oder ob sie es nur tun, weil sie seit Jahren in der Kritik stehen. Tatsache ist, dass Manager sich in erster Linie ihrem Unternehmen verpflichtet fühlen, wie der Nobelpreisträger und Ökonom Milton Friedman äußerte. Das heißt, dass sich Unternehmensführungen einzig und allein um ihre Geschäfte kümmern sollen, denn wie Shui Ta in Bertold Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ bereits sagte: „Gute Taten? Das bedeutet Ruin! “ Mit diesem Ansatz und dieser Sichtweise lässt sich die ökonomische Theorie erklären und sie wird von vielen Managern vertreten, weil Unternehmen gewinnmaximierende Wirtschaftssubjekte sind.

Fakt ist, dass Manager bzw. Unternehmensführungen in einer Gesellschaft agieren, in der ihnen Anspruchsgruppen (Stakeholder) gegenüberstehen und diese wünschen sich so wie die Gesellschaft ideale bzw. wünschenswerte Unternehmen, die Verantwortung übernehmen. Die daraus resultierende Folge solcher Wünsche ist öffentlicher Druck für die Unternehmen, also müssen sie Farbe bekennen und sich verpflichten. Manager können sich daher nicht mehr nur auf die Lösung rein wirtschaftlicher Probleme beschränken, sondern müssen heute unter dem Druck der öffentlichen Meinung ihre Aufmerksamkeit auch auf die gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Verhaltens richten (Buß 2012, 343). Somit gerät das Managementhandeln in Legitimationsnöte, wobei es sich an die neue Situation anpassen muss.

Auch hier ist die Frage, ob sich Manager nach diesem öffentlichen Druck wirklich freiwillig bzw. altruistisch der Gesellschaft gegenüber verpflichten oder ob bei der gesellschaftlichen Verantwortung von Managern nicht doch eher Hintergedanken mitschwingen. Die Frage lässt sich im nächsten Kapitel deutlich beantworten, das sich damit beschäftigt, dass soziale Verantwortung eher als soziale Investition seitens des Managements angesehen wird, es sich dabei also eher um eine rationale Entscheidung zum Wohl des Unternehmens und nicht zum Wohl der Gesellschaft handelt.

2.1. Sozialverantwortung als „Social Investment“

Wie der Titel des Kapitels es bereits andeutet, ist Sozialverantwortung eine Art Investition mit Return on Investment für Unternehmen, das heißt, dass Unternehmen soziale Verantwortung als eine Möglichkeit sehen, in die Gesellschaft zu investieren, um anschließend in Form von Kredibilität (Glaubwürdigkeit) oder Image (Ruf) etwas dafür zurückzubekommen. Sie bewirken somit eine Platzierung ihres Rufs und ihrer Produkte innerhalb der Gesellschaft. Sozialverantwortung ist also keine altruistische Tat, sondern eine Unternehmensstrategie mit Hintergedanken für Marketing und Absatz.

Im Hinblick auf soziale Verantwortung lassen sich drei Stufen unterscheiden: a) es gibt eine evidente Verpflichtung zur Verantwortungsübernahme, die sich aus gesetzlichen Vorhaben oder allgemein anerkannten Maßstäben korrekten Handelns ergibt ; b) soziale Verantwortungsübernahme ist sozial erwünschtes Handeln, das nicht eingeklagt werden kann, dessen Missachtung jedoch Legitimationsdruck erzeugt; oder c) es handelt sich dabei um über das zu Erwartende hinausgehende Aktivitäten, die als vorbildlich oder selbstlos wahrgenommen werden (Imbusch/Friedrichs 2012, 106).

Bei der Differenzierung des Begriffs der gesellschaftlichen Verantwortung der Eliten betrachten Hradil/Imbusch (2003, 99-144), Hartmann (2004) und Wasner (2004) Eliten als qua Position und/oder Funktion aus ihrem Umfeld hervorgehoben. Manager spielen also durch ihren Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Entscheidungsprozesse eine wichtige Rolle und verfügen über Macht, wobei ihre Macht weitgehend institutionalisiert ist (Imbusch/Friedrichs 2012, 104). Zu dieser ständig wachsenden Macht von Unternehmen stellt sich für sie die Frage, wie sie diese Ansprüche für sich nutzen können, daher ist gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen eine eigennützige Angelegenheit, um in der Gesellschaft glaubwürdig zu erscheinen.

Sozialverantwortung bedeutet für Unternehmen nicht ein Engagement gegenüber der Gesellschaft (Anspruchsgruppen), sondern ist eine wirtschaftliche Maßnahme, um Geschäfte zu optimieren, weil eine Investition in die Gesellschaft oder zum Beispiel in die Weiterbildung eines Mitarbeiters für das Unternehmen einen Mehrwert bringt. Deswegen spricht man von Sustainability Strategy, also von Nachhaltigkeit in der Beziehung von Unternehmen und Gesellschaft, hierbei betrachten Unternehmen ihre Auswirkung sowohl intern (Mitarbeiter) als auch extern (gesamte Gesellschaft).

Früher haben die Unternehmen die Kosten der Sozialverantwortung nicht in ihre Geschäfte einkalkuliert, weil dies nicht zum Tagesgeschäft gehörte, aber heute ist das Thema bei der zunehmenden Macht von Unternehmen als Institutionen inzwischen so wichtig geworden, dass sie sozusagen zur Verantwortung gezogen werden. Die Reaktion der Unternehmen als Wirtschaftssubjekte ist demnach, die gesellschaftliche Verantwortung für sich selbst zu nutzen, weil Sozialverantwortung wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringt. In der Ökonomie spricht man von „ triple bottom line “, das heißt, dass Manager die miteinander verknüpften ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen in Einklang bringen und sie vermehren. Die wirtschaftsliberale Position erkennt sogar an, dass die soziale Verantwortung von Unternehmen eine Investition in die Gesellschaft im Sinne eines erfolgreichen ökonomischen Handelns für Shareholder ist, was inzwischen auch vom Shareholder–Value-Ansatz vertreten wird, man spricht von wirtschaftlich effizienter Unternehmensführung. Gesellschaftliche Verantwortung ist keine altruistische Tat, denn „ [t]here is one and only one social responsibility of business - to use its resources and engage in activities designed to increase its profits“ (Friedman 1962, 133). Zusammengefasst ist gesellschaftliche Verantwortung also eine Investition in die Gesellschaft, die sich für das Unternehmen lohnt. So wird etwa betont, dass ohne vorgängige Gewinnerwirtschaftung auch nichts umverteilt werden könne oder dass gesellschaftliches Engagement eine „Investition“ in ein bestimmtes gesellschaftliches Umfeld sei, mit der dann Win-win -Situationen entstünden (Habisch/Meister/Schmidpeter 2001). Unternehmerisches Handeln verpflichtet hier geradezu zu gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme auch unter Abstrichen von Gewinninteressen (Ulrich 1999 und 2000). Aus diesem Grund sind in den letzten Jahren Konzepte zur Analyse der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen entstanden, nämlich die im folgenden Kapitel besprochenen CSR und CC.

2.2. Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship

Im Zuge der Debatten über gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen sind zwei wesentliche Konzepte entstanden: das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) und der Corporate Citizenship (CC). Mit CSR und CC haben zwei Konzepte große Verbreitung gefunden, welche das ethisch-verantwortliche Verhalten von Unternehmen für Zwecke der Gewinnmaximierung nutzen (Pommerening 2005, 1). Dabei wird das unternehmerische Streben nach Gewinnmaximierung nicht als ausreichende Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung angesehen. Gewinnmaximierung ist zwar ethisch legitim, aber nur solange sie mit einer gewissen Verantwortung betrieben wird. Bei den beiden Konzepten wird die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als nicht altruistische Mehrleistungsinvestition (also ökonomisch) verstanden, die sich für das Unternehmen langfristig in Form von positivem Image (Glaubwürdigkeit) in der Öffentlichkeit bezahlt macht.

CSR und CC werden unterschiedlich verstanden. Die Auslegungen reichen von einer originären sozialen Verantwortung (mit der Intention, den Vorteilsgedanken durch tatsächliche Aufwendungen für soziale Belange zu relativieren) über die moralische Verantwortlichkeit im Sinne von Mildtätigkeit (Geben ohne die Intention des Bekommens) bis hin zum Prinzip der gänzlich instrumentellen sozialen Investition (Geben mit der Erwartung des Bekommens) (Imbusch/Friedrichs 2012: 107).

Beide Konzepte sind sehr stark von der Praxis abhängig und in der Praxis sind sie auch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, also besteht keine allgemein anerkannte Definition bei beiden Begriffen. Verschiedene Akteure haben auch verschiedene Verständnisse der beiden Begriffe und sogar die Wissenschaft, außer etwa die Soziologie, ist durch eine unscharfe Verwendung der beiden Termini gekennzeichnet. Die uneinheitliche Verwendung und die uneindeutigen Grenzen eines Begriffs werden dann problematisch, wenn sie einem Akteur ermöglichen, den Begriff nach Belieben mit für ihn zweckmäßigen Inhalten zu füllen (Pommerening 2005, 2).

In der Vielzahl der Begriffsverständnisse lassen sich zwei Grundauffassungen erkennen. Die eine versteht Corporate Social Responsibility als umfassendes Dachkonzept, welches Corporate Citizenship als philanthropischen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen mit einschließt (Pommerening 2005, 12). Dabei wird Corporate Citizenship u.a. auch als Corporate Philanthropy (vgl. z.B. Copenhagen Center), Corporate Community Involvement oder Community Investment (BSR) bezeichnet. Mitunter werden die Begriffe Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship auch synonym verwendet (Carroll 2003). Die andere Grundauffassung begreift Corporate Citizenship als Dachkonzept, wobei gesellschaftlich verantwortliches Verhalten auch von einem Unternehmen als gutem, korporativem Bürger erwartet wird (Weltwirtschaftsforum, Warwick Business School). Daneben werden die beiden Konzepte von einigen Akteuren auch als eigenständig betrachtet, wobei jedoch auch wieder jeweils unterschiedliche Aspekte gesellschaftlicher Verantwortung und unterschiedliche Instrumente mit einbezogen werden (Nottingham University Business School für CSR und BMWA für CC). Die Wissenschaft an sich hat es leider bislang nicht geschafft, eine einheitliche Definition beider Begriffe in Einklang zu bringen, und somit existieren unterschiedliche Verständnisse der beiden Begriffe in der Literatur.

CC und CSR sind also zeitgemäße Formen der Unternehmenspräsentation nach außen, bei denen es letztendlich darum geht, sich in der Öffentlichkeit besser darzustellen, um für die eigenen Produkte einen Mehrwert zu schaffen. Deshalb sprechen Unternehmen sehr gerne über ihre Taten und machen ihre soziale Verantwortung zu ihrem Unternehmensschild. Sie wollen von der Gesellschaft als sozialverantwortlich betrachtet werden, deshalb ist es wichtig, dass die Wissenschaft einheitliche Definitionen der beiden Konzepte findet, um Missverständnisse sowie deren vorsätzliches Ausnutzen zu vermeiden. Beide Begriffe müssen inhaltlich geschärft werden, damit beide Konzepte auch langfristig ihre eigene Glaubwürdigkeit in Bezug auf ethische Ansprüche nicht verlieren.

2.2.1. CSR-Konflikt - zwischen Freiwilligkeit und Pflicht

Im Rahmen der bisherigen Analyse ist erkennbar, dass gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen nicht freiwillig getragen wird, sondern einfach, weil es sein muss und es inzwischen zum Teil des Geschäfts geworden ist. Jedes Unternehmen steht also vor dem Dilemma, ob es CSR und CC freiwillig betreiben will oder es eher als Pflicht ansieht.

Bei Corporate Citizenship (CC) und Corporate Social Responsibility (CSR) wird das Managementhandeln gleich dem Sozialhandeln betrachtet (business case = social case), dabei bringt Philanthropie keinen Nutzen (business case < social case), während Sponsoring dem Unternehmen dient (business case > social case). Deshalb versuchen Unternehmen, diese Ansätze so zu gestalten, dass sie ihren Nutzen maximieren. Aus diesem Grund thematisieren Unternehmen selbst ihr gesellschaftliches Engagement und sehen sich dabei als gesellschaftliche Leistungs- und Führungsträger. Die Globalisierung wird genutzt, um viele ihrer Geschäfte und Amtsgeschäfte zu erklären, da die Unternehmen inzwischen weltweit agieren. Am liebsten würden große Unternehmen aufgrund ihrer Präsenz in der Gesellschaft und deren Übernahme an sozialen Engagements den Staat abschaffen, sie fördern sozialpolitische Reformen, um ihre marktradikalen Positionen zu legitimieren.

Zu diesem Gedanken lässt sich einmal mehr interpretieren, dass Unternehmen sich nicht freiwillig engagieren, sondern ihre Engagements als Pflicht betrachten, die wiederum eine Nutzensteigerung mit sich bringen soll. Sie agieren also opportunistisch. Somit gibt es eine markante Differenz zwischen dem, was bei Unternehmern und Top-Managern auf der „Vorderbühne“ abläuft, und dem, was auf der „Hinterbühne“ geschieht (Goffman 1983). Denn interessanterweise korrelieren das gesellschaftliche Engagement und die demonstrative Verantwortungsübernahme auf der Vorderbühne mit einer ganz anderen Politik auf der Hinterbühne (Imbusch/Friedrichs 1992, 113). Das bedeutet ganz einfach, dass das, was Manager für die Gesellschaft tun, eigentlich nur ein Art Show ist, um sich besser darzustellen (Vorderbühne), während auf der Hinterbühne ganz andere eigennützige Gedanken durchgeführt werden.

Die empirischen Ergebnisse zeigen hier eindeutig, dass gesellschaftspolitisches Engagement nicht aus Altruismus, reiner Überzeugung, freiwillig und wider die ökonomische Vernunft betrieben wird. Ganz im Gegenteil: Wie Untersuchungen zu Corporate Citizenship in Deutschland (z.B. Maaß/Clemens 2002; Seitz 2002; Westebbe/Logan 1995) zu entnehmen ist, betrachten Großunternehmer und Top-Manager ihre Aktivitäten mehrheitlich als Investition in ihr gesellschaftliches Umfeld. Sie versuchen dadurch, die Grundlagen ihrer eigenen Existenz zu sichern und die Expansion voranzutreiben. Einen Beitrag zum Abbau gesellschaftlicher Probleme und zur Weiterentwicklung ihres sozialen Umfeldes zu leisten, liegt nach eigenen Auskünften nämlich im ureigenen Interesse der Unternehmen (vgl. z.B. Frankfurter Aufruf 2003). Also können solche Engagements nicht als freiwillig betrachtet werden, das Management sieht sie als Pflicht, eine Pflicht mit Kosten, die sich lohnen und mit langfristigen Gewinnen verbunden sein muss.

Fragt man danach, was sich Unternehmen von ihrem gesellschaftlichen Engagement erwarten, so steht für drei Viertel der Unternehmen die Verbesserung des Unternehmensbildes in der Öffentlichkeit im Vordergrund, versprechen sie sich doch durch ihr Engagement v.a. einen Imagegewinn (Imbusch/Friedrichs 1992, 116). Danach folgen personalpolitische (Motivation und Bindung der Mitarbeiter, Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit – 59%), kunden- und absatzbezogene (Produkt- und Firmenwerbung, bessere Beziehung zu Geschäftspartnern, Kundenbindung, Verbesserung der Vertriebskanäle – 53%) und persönliche Ziele der Führungspersonen (Eigeninteresse am Unterstützungsbereich – 47%) (Imbusch/Friedrichs 1992, 116). Ethische Motivation, Engagement ohne strategische Kalküle und die Aussicht auf wenigstens mittelbaren Nutzen sind dagegen nur bei einem Viertel der Unternehmen der Grund für ihr soziales Engagement (Imbusch/Friedrichs 1992, 116).

Unternehmen als Institutionen betreiben heute inzwischen Politik und im Zuge der Globalisierung gehören sie zu den politischen Akteuren der Welt. Das Politische bricht jenseits der formalen Zuständigkeiten und Hierarchien auf, Politik ergibt sich somit als weitreichende „Nebenfolge“ der unkoordinierten Handlungen etwa von Unternehmen, wirtschaftlichen Organisationen und internationalen Institutionen (Beck 2002, 39). Deswegen sind Unternehmen als Hinterbühne des Politikfelds anzusehen, sie entscheiden durch Lobbys und auch durch Verbände über die Zukunft der Welt. Außerdem besitzen sie Drohpotential für jeden Staat und unterliegen keinen verbindlichen politischen Rahmenbedingungen, was die Gesellschaft auch weiß und daher von den global agierenden Unternehmen als politischen Playern gesellschaftliches Engagement erwartet. Aus diesem Grund kann man nicht von einem freiwilligen, aber auch nicht von einem Pflichtengagement sprechen, weil die Sozialengagements von Unternehmen unterschiedlich definiert und auch unterschiedlich verstanden werden.

2.2.2. Ökonomische Perspektive der Unternehmensverantwortung - CSR als Business Case

CSR erzeugt betriebswirtschaftlichen Mehrwert für Unternehmen, deshalb nutzen die Unternehmen es auch als betriebswirtschaftliche Strategie. CSR schafft Wettbewerbsvorteile für Unternehmen, dies in Form von Einsparungen oder Steigerungen des Umsatzes, aber es begünstigt auch Faktoren wie Mitarbeitermotivation, Reputation etc. Hierbei geht es darum, sehr viel ökonomischen Mehrwert durch die sozialen Engagements zu erzielen.

[...]

Details

Pages
11
Year
2016
ISBN (eBook)
9783668350519
ISBN (Book)
9783668350526
File size
524 KB
Language
English
Catalog Number
v344711
Grade
28/30
Tags
health organizations health care management Henri Fayol Max Weber Frederick Taylor

Author

Share

Previous

Title: The main principles for the management of health organizations