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Ankern im NLP

Hausarbeit 2001 40 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 NLP (Neurolinguistisches Programmieren)
1.1 Wie entstand NLP?
1.2 Was bedeutet NLP?
1.3 Grundannahmen des NLP
1.4 Techniken des NLP

2 Ankern im NLP
2.1 Was sind Anker?
2.2 Modalitäten des Ankerns
2.3 Wozu dienen Anker?
2.4 Prinzipien des Ankerns
2.4.1 Spezielle Varianten des Ankerns
2.4.2 Vor- und Nachteile des Ankerns
2.5 Ankern in der Bildungsarbeit
2.5.1 Voraussetzungen für den Einsatz von Anker in der Bildungsarbeit
2.5.2 Der Prozess des Ankerns in der Bildungsarbeit
2.5.3 Kritik des Ankerungsprozesses
2.5.4 Schlusswort

3 Literaturverzeichnis

4 Internetverzeichnis

Einleitung

NLP(Neurolinguistisches Programmieren) habe ich zum ersten Mal durch die Vorlesung „Grundlagen für Lehren und Lernen in der Erwachsenenbildung“ an der Universität Bremen, Fachbereich 12, bei Herrn Professor Herbert Gerl kennen gelernt und dabei einen Abriss über die verschiedenen Grundbegriffe des Kommunikationsmodells erhalten.

Mit dem Thema „Ankern im NLP“ verband ich sofort verschiedene Assoziationen wie z. B. den Anker bei einem Schiff; einen Hafenplatz, an dem man zur Ruhe kommen kann; das Meer; Sicherheit usw. (auf diese Assoziationen werde ich aus Gründen der Unsachlichkeit nur am Rande eingehen).

Beim „Querlesen“ verschiedener Literatur erhielt ich einen Eindruck wie vielfältig ein Anker gesetzt werden kann und wie variantenreich der Ankerungsprozess stattfinden kann. Hier liegt das Augenmerk meiner Arbeit.

Die Darstellung, der verschiedenen Ankerungsmöglichkeiten, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Im Vorwege wird der Begriff des Neurolinguistischen Programmierens näher erläutert, um einen Eindruck über die Entstehungsgeschichte, über die Philosophie sowie über die Grundannahmen der NLP - Methode zu erhalten.

Da der Vorgang der bewussten Erschließung positiver Ressourcen und der bewussten Auflösung problembehafteter Situationen häufig Therapeuten, Beratern oder Coach vorbehalten bleibt, die über ausreichende Erfahrungen im NLP verfügen und die mit der Technik von Ankern vertraut sind, erfolgt meinerseits keine tiefergehende Beschreibung.

Die Hausarbeit wird durch einen theoretischen Bezug zum Integrieren von Ankern in der Bildungsarbeit abgerundet, der sich jedoch auf keine spezifische Lerngruppe bezieht. Die Gründe liegen in meiner nicht vorhandenen Erfahrung mit Lerngruppen aus dem schulischen bzw. universitären Bereich.

Zum besseren Verständnis der Arbeit und aus Gründen der Lesbarkeit habe ich an den meisten Stellen auf die Nennung der männlichen und der weiblichen Form verzichtet und mich auf die männliche beschränkt. Trotzdem sind immer beide gemeint.

Viel Spaß beim Lesen!

1 NLP (Neurolinguistisches Programmieren)

Definition

NLP ist ein Kommunikationsmodell.

Es handelt sich um ein umfangreiches System mit unterschiedlichen Einzeltechniken, das zur Lösung bestimmter psychologischer Probleme und Fragestellungen dient. Dabei spielen Ursachen traumatischer Erfahrungen keine Rolle wie z. B. in den verschiedenen Richtungen der Tiefenpsychologie. Das heißt, es geht im NLP nicht um die inhaltliche Aufschlüsselung traumatischer Erfahrungen, also, warum sich jemand traurig, deprimiert oder unglücklich fühlt, sondern es geht um das Herausfinden von Ressourcen die jemand benötigt, um effektiv und zielorientiert die bislang angewandten Strategien zu verändern.

NLP arbeitet also nicht problem-, sondern zielorientiert.

1.1 Wie entstand NLP?

NLP entstand in den siebziger Jahren aus der Zusammenarbeit von John Grinder (zum Zeitpunkt Assistenzprofessor für Linguistik an der University of California in Santa Cruz) und Richard Bandler (Student der Psychologie an derselben Universität, der nebenbei schon erfolgreicher Gestalttherapeut war). Gemeinsam untersuchten sie die Arbeitsmethoden von drei herausragenden Persönlichkeiten der Psychotherapie. Es waren Milton Erickson (Hypnosetherapie), Fritz Perls (Gestalttherapie) und Virginia Satir (Familientherapie).

Bandler und Grinder fanden bei ihren Untersuchungen grundlegende Strukturen und Muster der Vorgehensweisen der Therapeuten heraus, die ihrer Meinung nach, die Voraussetzungen für jede professionelle Kommunikation sind. Aus den gewonnenen Erkenntnissen entwickelten sie ein Kommunikationsmodell (NLP), ein umfangreiches System mit unterschiedlichen Einzeltechniken, das zur Lösung bestimmter psychologischer Probleme und Fragestellungen beitragen sollte. Seit der Entstehung sind verschiedene Bereiche und weitere Einzeltechniken sowie von den Gründern als auch von verschiedenen anderen Anwendern weiterentwickelt worden.

1.2 Was bedeutet NLP?

Effektive Kommunikation, zielgerichtete Veränderung, beschleunigtes Lernen, mehr Lebensfreude und Lebensqualität kann anhand der NLP - Methode vermittelt werden. (GEIGER 1996, S. 6)

Die Methode verweist auf das systematische Zusammenspiel von Körper (neurophysiologischen Prozessen), Sprache (linguistischem Ausdruck) und subjektiven Denk- und Verhaltensprogrammen. Das bedeutet:

Die inneren Wahrnehmungsprozesse wie Gedanken oder Körperfunktionen als auch die äußeren wie Geräusche und Gerüche lösen im Nervensystem Reaktionen aus. Es handelt sich dabei um ein wechselseitiges Zusammenspiel. Ein körperlicher Zustand wirkt auf die „Gedanken- und Verhaltenswelt“ und kann

z. B. einen bestimmten Sprachstil zur Folge haben. Genauso können Gedanken auf physiologische Vorgänge wirken und Veränderungen im Körper sowie in der Sprache bewirken. Ein Phänomen, das sicherlich jeder von uns schon einmal bei sich selber oder anderen beobachten konnte. Beispielsweise bei Krankheit gehen wir oft gebückt, die Schultern nach vorne gebeugt, unsere Sprache hört sich dann oft kraftlos und „krank“ an oder geht es uns körperlich und geistig gut, so gehen wir aufrecht, unsere Sprache hat „Kraft“ und wir „strahlen“ eventuell sogar sehr viel Energie aus, die von unseren Mitmenschen wahrgenommen werden kann.

Das „N“ steht im NLP für „Neuro“ (Nerven). Es bezieht sich auf die mentalen Verbindungswege unserer fünf Sinne, auf innere und äußere Wahrnehmungssysteme. Zu unseren fünf Sinnen gehören das Sehen (visuelles Wahrnehmungssystem, kurz V), das Hören (auditives Wahrnehmungssystem, kurz A), das Fühlen (kinästhetisches Wahrnehmungssystem, kurz K), das Riechen (olfaktorisches Wahrnehmungssystem, kurz O) und das Schmecken (gustatorisches Wahrnehmungssystem, kurz G). Die olfaktorischen und gustatorischen Kanäle werden dem kinästhetischen Typ zugeordnet. Sie bilden keinen eigenen Wahrnehmungstyp, obgleich auch diese Signale oft unbewusst erhebliche Reize und Reaktionen auslösen können. (BIRKER 1997, S. 52)

Die Wahrnehmungssysteme (VAKOG) dienen einerseits zur Wahrnehmung von Eindrücken, andererseits zum Ausdruck dieser (Eindrücke).

Über unser größtes Organ, die Haut, nehmen wir die Welt um uns herum wahr. Wir erleben die von außen auf uns einwirkenden Reize mit allen Sinnen. Die sinnlichen Eindrücke gelangen über die Nerven ins Gehirn und werden von unseren gespeicherten Erfahrungen subjektiv verarbeitet. Durch das Wiedererleben der erfahrenen Reize, können die Sinneseindrücke ins Bewusstsein zurückgeholt werden. Im NLP wird dieser Vorgang als Repräsentation bezeichnet. Deshalb nennt man die Sinnessysteme auch Repräsentationssysteme.

Das „L“ heißt „Linguistisch“ und steht im NLP für sprachliche Vorgänge jeglicher Art (verbale und nonverbale Kommunikation), die wir zur Kommunikation mit anderen und zur rein gedanklichen Kommunikation mit uns selbst nutzen (innerer Monolog). Hierbei geht es um die Bedeutung der Sprache, die unsere Art des Denkens widerspiegelt und ein Schlüssel zu unseren inneren Vorgängen (Repräsentationen) ist.

Mit Hilfe bestimmter Wörter und sprachlicher Ausdrücke werden unsere inneren mentalen Zustände beschrieben und bewusst bzw. unbewusst zum Ausdruck gebracht. Wenn jemand beispielsweise äußert: >„Ich habe die Nase gestrichen voll!“ > Kann man relativ sicher davon ausgehen, dass sich der Betreffende zur Zeit im olfaktorischen Repräsentationssystem befindet. Weitere Beispiele wären: „Ich sehe die Tatsache so und so...“(visuelles Repräsentationssystem).“Er hat mir die ganze Zeit die Ohren vollgejammert...“(auditives Repräsentationssystem) usw.

Weiterhin wird die nonverbale Sprache im NLP beobachtet und reflektiert, z. B. wie ist die Körperhaltung? Sind die Arme/ Beine verschränkt, die Schultern hochgezogen etc? Wie ist der Gesichtsausdruck? Ist er gelöst oder angespannt? usw.

Nonverbale Unterhaltung findet also durch unsere Körperhaltung, unsere Gestik, unsere Mimik statt und drückt unser inneres Befinden aus.

Welche Botschaften wir durch Nominalisierungen bewusst oder unbewusst senden, wie zum Beispiel beim Ausspruch: „Ich wünsche mir mehr Wärme!“ wird im NLP weiter verfolgt. NLP arbeitet durch genaueres Hinterfragen heraus, von wem, wie, welche, wann, wie oft mehr Wärme gewünscht wird, da Nominalisierungen häufig zu Fehlinformationen bei unserem Gegenüber führen. Dieser assoziiert womöglich mit dem Begriff „Wärme“ etwas anderes als der Sender der Botschaft.

Das „ P “ steht im NLP für „Programmieren“ und ist entscheidend für unsere inneren und äußeren Denk-, Wahrnehmungsprozesse und für unser zwischenmenschliches Verhalten.

Es ist dafür verantwortlich, dass wir so und nicht anders denken, fühlen und handeln. Mit den erlernten bzw. eingeübten Verhaltensprogrammen, die wir während der Schwangerschaft durch die Mutter und nach der Geburt durch die uns umgebende Umwelt wie z. B. die jeweilige Kultur, die Eltern etc. erlernt bzw. eingeübt haben, können wir auf wiederkehrende Situationen individuell handeln. NLP besagt, dass diese inneren Denk- und Wahrnehmungsprogramme geändert (neu programmiert) oder beibehalten werden können. Positive Eigenschaften und besondere Fähigkeiten können verstärkt ausgebaut werden.

Alle jemals erlernten inneren Denkprozesse oder Programme sind laut NLP veränderbar!

1.3 Grundannahmen des NLP

Im NLP gehen die Anwender von verschiedenen Grundannahmen aus, die eine Voraussetzung bei der Anwendung der verschiedenen Techniken darstellen. Gleichzeitig sollen sie als Orientierung in der Praxis dienen, um eine vorbehaltlose, respektvolle und tolerante Aufnahme der verschiedenen Methoden zu ermöglichen. „Die Grundannahmen des NLP gehen von einem humanistischen und Entwicklungsmöglichkeiten bejahenden Menschenbild aus.“

(BIRKER 1997, S. 16/17)

Von den Autoren (BIRKER 1997 und KRAFT 1998) werden sie im Kontext folgendermaßen beschrieben:

- Der ganzheitliche Ansatz bezieht alle Persönlichkeitsaspekte.
- Jeder Mensch verfügt prinzipiell über alle Fähigkeiten die er benötigt, um Lösungen für seine Probleme und Herausforderungen zu finden. Oft ist ihm jedoch der Zugang zu seinen inneren Ressourcen versperrt. NLP hilft die Ressourcen zu erschließen, um neue Modelle zu entwerfen.
- Körper, Geist und Seele beeinflussen sich wechselseitig.
- Bewusstsein und Unbewusstes spielen zusammen.
- Jeder Mensch organisiert sein persönliches Leben nach Landkarten oder Modellen von der Wirklichkeit. Wir reagieren dabei auf eine subjektive Wirklichkeit.
- Keine Landkarte ist an sich besser oder schlechter als eine andere Landkarte, da es keine Objektivität gibt, gibt es auch keinen Maßstab für eine richtige oder falsche Landkarte.
- Wir lernen am Modell.
- Einschränkungen und Verzerrungen des Modells hindern Menschen daran, ihre Ressourcen und Wachstumspotentiale optimal zu nutzen.
- Jeder Mensch ist prinzipiell dazu in der Lage, seine Modelle neu zu kartieren.
- Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.
- Jede Reaktion kann als Feedback genutzt werden.
- Wir wählen stets die beste Möglichkeit, die uns im Moment verfügbar ist.
- Eine Veränderung ist nur gut, wenn sie dem komplexen Gleichgewicht eines Menschen als ganzheitlichem System gerecht wird.

1.4 Techniken des NLP

NLP bietet drei elementare Techniken an (GEIGER 1996, S. 33), mit deren Hilfe der Anwender bewusst eine angenehme, gute Atmosphäre und Kommunikation aufbauen kann. Hierbei handelt es sich um:

- Rapport: Im NLP versteht man unter Rapport den „guten Draht“ zwischen zwei oder mehr Personen, also ein Verhältnis, das durch Harmonie, Verständnis und gegenseitiges Vertrauen geprägt ist. Für Anwender des NLP geht es um die bewusste und zielgerichtete Wahrnehmung der Welt des Gegenübers wie Sprache, Körperhaltung und Augenbewegungen. Der Anwender sollte erkennen, welcher Repräsentationstyp vorliegt und sich durch die Benutzung der gleichen Sprache, Gestik, Mimik und Körperhaltung auf seinen Gesprächspartner einstellen. Voraussetzung für einen guten Rapport ist die gegenseitige Achtung und das gegenseitige Vertrauen der Gesprächspartner.
Durch den Aufbau von Gemeinsamkeiten und das aufeinander Einstimmen von Körper(-sprache) und Sprache ist das Einstellen einer Harmonie zwischen den Partnern zu beobachten, die man mit einem gut gelungenen Tanz vergleichen könnte. Bei frischverliebten oder auch miteinander alt gewordenen Paaren kann man den „Tanz“ zum Beispiel häufig beobachten.

- Pacing und Leading: Im NLP schafft das Pacing die Grundbedingungen für einen guten Rapport. Pacing bedeutet, sich auf seinen Gesprächspartner einzustellen, ihn diskret zu imitieren und zwar im Sprachstil (z. B. VAKOG), in der Stimme (z. B. Tonlage), in der Psyche(z. B. durch gleiche Wertvermittlung), im Äußeren (z. B. Kleidung) oder in der Köperhaltung (z. B. Gestik oder Mimik). In diesem Zusammenhang kann man auch vom Spiegeln des Verhaltens seines Gegenübers sprechen.
Auf ein genügend langes Pacen kann das Leading erfolgen. Es bezeichnet, die unmerkliche diskrete und respektvolle Veränderung, das Führen und Lenken des Kommunikationspartners, z. B. durch den Wechsel des Sprachstils, des Atemrhythmus, der Körperhaltung etc. Leading gilt als geglückt, wenn der Partner an der Veränderung teilnimmt und sich auf den eventuell neuen „Gesprächsstil“ einlässt. Damit gilt der Rapport als geglückt. Ein guter Rapport ist die Voraussetzung für ein reibungsloses und respektvolles Leading. Sofern das Leading misslingt, der Partner dem Verhalten also nicht nachkommt, beginnt das Pacen von vorne. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis ein Leading möglich wird.

- Ankern: Eine weitere Technik im NLP wird als Ankern bezeichnet. Dabei wird ein Reiz (z. B. das Berühren der Schulter) mit einer Stimmung
(z. B. Freude) verknüpft, um durch Auslösen des Reizes (Anker) einen erneuten Zugang zum Erleben zu erhalten. Um Anker von Außenstehenden wie Therapeut, Berater, Trainer usw. setzten zu können, benötigt man das Kalibrieren. Kalibrieren bedeutet das genaue Beobachten und sich Einstellen auf die Physiologie und die Reaktion des Gegenübers, um feststellen zu können, welche äußeren Reaktionen das innere Erleben widerspiegeln. Damit ist wiederum der Rapport hergestellt. Rapport und kalibrieren sind eine wesentliche Voraussetzung für die Veränderungsarbeit im NLP, wobei der Therapeut ganz genau beobachten sollte, welcher Körpersignale und welcher Sprache sich der Klient bedient, um den Anker auf dem Höhepunkt eines emotionalen Erlebnisses „auswerfen“ bzw. „setzen“ zu können.

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Details

Seiten
40
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638121149
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3444
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Erwachsenenbildung/ Weiterbildung
Note
1,0
Schlagworte
Ankern Lehren Lernen Erwachsenenbildung

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Titel: Ankern im NLP