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Ethik im Unternehmen. Theoretische Aspekte und ihre Auswirkungen auf die praktische Anwendung

Hausarbeit 2015 19 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Vorwort

2 Ethik und Moral

3 Wirtschaftsethik
3.1 Wirtschaft und Ethik - ein Gegensatz?
3.2 Die Ebenen der Wirtschaftsethik

4 Die Mesoebene der Wirtschaftsethik: Unternehmensethik
4.1 Begriff und Gegenstand
4.2 Deutschsprachige Ansätze
4.2.1 Systematisierung der Ansätze
4.2.2 Formal-normative Unternehmensethik
4.2.3 Governanceethik nach Wieland
4.3 Praktische Anwendung der Ethik im Unternehmen
4.3.1 Ethik-Management
4.3.2 Compliance und Integrity
4.3.3 Ethik-Kodizes: Regelwerk für das Ethik Management
4.3.4 Interne, organisatorische Maßnahmen
4.3.5 Strategische Entscheidungen für Markt und Umwelt
4.3.6 Ethik-Audits

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Ebenen der Wirtschaftsethik

Abbildung 2: Systematik von Ansätzen der Unternehmensethik

1 Vorwort

Ob Korruption, Massenentlassungen, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit oder die Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008/09 - zahlreiche Unternehmensskandale sorg­ten in den letzten Jahren für Schlagzeilen und auch mehrere große Unternehmen rückten deshalb in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ein Beispiel stellt hier der Schmiergeldskandal des deutschen Technologiekonzerns Siemens dar, der zwischen 2006 und 2008 aufgedeckt wurde.[1] 1,3 Milliarden Euro sind in schwarze Kassen geflossen, um an Aufträge im Ausland zu gelangen.[2] Der entstan­dene Schaden belief sich auf rund 2,5 Milliarden Euro für Bußgelder, Steuerrückzah­lungen, Anwälte und Wirtschaftsprüfer, sowie ein immenser Imageschaden.[3] Durch diese und weitere Skandale haben unternehmensethische Themen in den letzten Jahren sowohl in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft an Bedeutung gewonnen.

Ziel dieser Arbeit ist es zum einen, einen Überblick über verschiedene, theoretische Ansätze der Unternehmensethik im deutschsprachigen Raum zu geben. Hierbei soll insbesondere auf die Governanceethik nach Wieland eingegangen werden, da dieser Ansatz einen besonders großen Praxisbezug hat. Zum anderen werden mögliche Mittel zur erfolgreichen Umsetzung einer Unternehmensethik in der Praxis diskutiert.

2 Ethik und Moral

„Die Ethik sagt nicht, was das Gute in concreto ist, sondern wie man dazu kommt, et­was als gut zu beurteilen.“[4]

Ethik wird verstanden als die Lehre des Verhaltens und Handelns der Menschen und der Beurteilung dessen, ob gut oder böse, sittlich richtig oder sittlich falsch. Orientierung hierbei schaffen verschiedene Prinzipien, Normen und Werte.[5] Häufig werden die Be­griffe Ethik und Moral als Synonym verwendet. Die Moral jedoch bewertet Handlun­gen, Zustände oder Haltungen in einer Gesellschaft nach Maßstäben wie Wertorientie­rungen, Sinnvorstellungen, Sitten, Gebräuche oder Prinzipien.[6] Die Ethik analysiert die der Moral zugrunde liegenden Werte und Normen und ist somit die Theorie der Moral. Entscheidender Unterschied ist das „Sein“ der Moral und das „Sollen“ der Ethik.[7] Die grundsätzlichen, ethischen Prinzipe und Werte werden in verschiedenen Bereichen (Bereichsethiken), z. B. in der Umwelt, den Medien, der Medizin, der Politik oder der Wirtschaft, angewendet (angewandte Ethik).[8]

3 Wirtschaftsethik

3.1 Wirtschaft und Ethik - ein Gegensatz?

Ökonomik ist die „Wissenschaft vom wirtschaftlichen Handeln“[9]. Das Ziel des wirt­schaftlichen Handelns ist es, mit Hilfe von knappen Gütern die Wünsche und Bedürf­nisse aller Individuen zu befriedigen und dabei möglichst wenig Kosten zu verursa- chen.[10] In der Öffentlichkeit geht man deshalb häufig in Bezug auf Ethik und Wirtschaft von zwei konträren Themengebieten aus. Unternehmen seien nur auf Gewinnmaximie­rung aus. Soziale, ökologische oder gesellschaftliche Themen würden hinten angestellt werden.[11] Nach Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sollen Unter­nehmen jedoch wettbewerbs- und erfolgsorientiert handeln. Gewinne seien nötig, um Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern, technologischen Fortschritt zu erzielen, den Wohlstand zu erhalten oder sich sozial zu engagieren. Demnach wäre Wirtschaften kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck.[12] Wirtschaft und Ethik stellen also grundsätz­lich keine Gegensätze dar. Oftmals rangieren in Unternehmen jedoch ökonomische Zie­le wie das Gewinnstreben weit vor den moralischen Überlegungen, was zahlreiche Skandale belegen.

3.2 Die Ebenen der Wirtschaftsethik

Angesichts der Vielschichtigkeit und der Komplexität wird die Wirtschaftsethik syste­matisch in drei Ebenen gegliedert.

Es erfolgt eine Einteilung in die Mikroebene (Individualethik), Mesoebene (Unterneh­mensethik) und Makroebene (Ordnungsethik). Auf alle drei Ebenen wirken individuell definierte Unternehmenskodizes sowie staatliche Rahmenbedingungen. Untersuchungs­gegenstand der Mikroebene sind die einzelnen Individuen, die Makroebene beschäftigt sich dahingegen mit der Wirtschaftsordnung. Die Mesoebene nimmt eine Mittelstellung zwischen der Mikro- und der Makroebene ein, da sich diese auf die moralischen Wert­Vorstellungen und das moralische Agieren von Unternehmen bezieht. Hierfür wird meist der Begriff der Unternehmensethik verwendet, auf welchen sich der weitere Verlauf der Arbeit fokussiert.[13] (Vgl. Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die drei Ebenen der Wirtschaftsethik[14]

4 Die Mesoebene der Wirtschaftsethik: Unternehmensethik

4.1 Begriff und Gegenstand

Die Mesoebene beschäftigt sich mit der Unternehmensethik. Unter dem Begriff der Un­ternehmensethik versteht man das moralische Auftreten von Unternehmungen.[15] Gegen­stand sind ethische Fragen bei ökonomischen Operationen von Unternehmen. Hierbei werden Überschneidungen aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Ethik impli­ziert. Grundlage ist also der Konflikt zwischen unternehmerischen Gewinnstreben und moralischen Idealen.[16]

Zum Themenbereich der Unternehmensethik gehören z. B. die Folgen und Nebenwir­kungen unternehmerischen Handelns, ethische Aspekte der Unternehmensführung wie beispielsweise der Vorbildfunktion des Managements (Leadership) oder Fragen der Unternehmenssteuerung (Corporate Governance) und die ethische Analyse der unter­nehmenspolitischen Ziele.[17]

4.2 Deutschsprachige Ansätze

4.2.1 Systematisierung der Ansätze

Im Bereich der Unternehmensführung im deutschsprachigen Raum gibt es eine Vielzahl gängiger Ansätze.

Grundsätzlich bietet sich je nach dem verfolgten Wirtschaftsziel eine Unterscheidung in deskriptive, normative und analytische Ansätze an, wie in Abbildung 3 zu sehen ist.[18]

Abbildung 2: Systematik von Ansätzen der Unternehmensethik[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Beschreibung, Erforschung und Erfassung der Wirkung ethischer Normen und Wer­te im Unternehmen bezeichnet man als deskriptive Unternehmensethik, während norma­tive Ansätze die geltende Sitte prüfen, bewerten und Grundsätze für richtiges Handeln und Entscheiden erarbeiten. Die analytische Unternehmensethik stellt Anwendern Wis­sen zur Lösung ethischer Probleme bereit und vereint hierzu sowohl deskriptive als auch normative Aspekte. [20]

Bisher beschränken sich die Theorien der Unternehmensethik auf die normative Ebene. Material-normative Ansätze beschäftigen sich mit dem Inhalt von Normen und Werten. Die formalen Ansätze forschen nach Regelungen und Anforderungen, die an die allge­meingültigen Werte für unternehmerisches Handeln zu stellen sind. Diese sind heutzu­tage bedeutsamer als die material-normative Unternehmensethik, weshalb sich der wei­tere Verlauf der Arbeit auf diese beschränkt.[21]

4.2.2 Formal-normative Unternehmensethik

Je nach charakteristischer Besonderheit lassen sich die formalen Ansätze in ökonomist- sche-, stakeholder-, methoden- und prozessorientierte Ansätze einteilen.

Zu den ökonomistisch orientierten Positionen gehören der Verzicht auf Unternehmen­sethik und die entscheidungstheoretischen Ansätze. Vertreter des Verzichtes sind der Meinung, dass das Streben nach Erfolg und Gewinnmaximierung die soziale Kompo­nente beinhaltet, da der Umgang mit Gütern optimal reguliert wird und somit zur sozia­len Wohlfahrt beiträgt.[22] Ansätze der normativen Entscheidungstheorie konzipieren Ratschläge, Empfehlungen oder Kriterien, wie Entscheidungen im Unternehmen bei verschiedenen Bedingungen vernünftig getroffen werden können und welches Verhalten dabei angemessen ist.[23]

Normative stakeholderorientierte CSR-(Corporate Social Responsibility-)Ansätze be­schäftigen sich mit der bewussten und „an Werten orientierte[n] Gestaltung der Bezie­hung einer Unternehmung und ihren Anspruchsgruppen oder Stakeholdern“[24]. Dazu gehören die rechtlichen Anforderungen sowie die wirtschaftliche, ethische und phi­lanthropische[25] Verantwortung.[26]

Die Gliederung der methodenorientierten Ansätze erfolgt in die ökonomische Ethik von Homann, die Governanceethik von Wieland und die ordonomische Ethik von Pies. Homann vertritt die Sicht, dass Ethik und Moral von außen gesteuert werden müssen, also durch eine Rahmenordnung in der Wirtschaft.[27] Der ordonomische Ansatz von Pies besagt, dass sich die Unternehmen an der Ausarbeitung und Verbesserung der übergeordneten Wirtschaftsordnung beteiligen sollten.[28] Die detaillierten Aspekte der Governanceethik werden anschließend diskutiert.

Zuletzt ist die prozessorientierte Ebene zu nennen, welche die integrative Unternehmen­sethik von Ulrich sowie die republikanische, dialogorientierte Unternehmensethik von Steinmann beinhaltet. Im integrativen Ansatz nach Ulrich wird darauf abgezielt, das Wirtschaften aus ethischer Sicht zu betrachten und so die „Zwei-Welten-Konzeption“[29] von Ethik und Ökonomik aufzuheben.[30] Steinmann möchte mit seiner Dialogethik er­reichen, dass alle Handlungen zwischen Individuen in der Gesellschaft friedlich vonstat­ten gehen. Hierbei beschränkt er sich besonders auf die Auswirkungen des Verhaltens der Führungskräfte und deren Unternehmen.[31]

4.2.3 Governanceethik nach Wieland

Die Governanceethik basiert auf der Systemtheorie nach Luhmann und der Neuen Insti­tutionsökonomie - insbesondere der Transaktionskostentheorie von Williamson. Für die Anwendung und den Bezug auf moralische Probleme in der Wirtschaft werden Teile der beiden Theorien weiterentwickelt.[32]

Wieland konzentriert sich auf Governance-Strukturen. Diese beinhalten alle formalen (Preise, Verträge, Organisationsregeln etc.) und informalen (Normstandards, Moral etc.) Potenziale, um eine Transaktion durchzuführen.[33] Die distinkte, wirtschaftliche Trans­aktion (also z. B. Arbeitsverträge, Lieferantenverträge) und deren Durchführung nach einer moralischen Dimension ist der Gegenstand der Governanceethik.[34] Transaktionen in Unternehmen werden durch Verträge verkörpert. Wieland geht von unvollständigen Verträgen aus (wie Williamson). In der Neuen Institutionenökonomik wird den Menschen opportunistisches Verhalten und Arbeitsscheu unterstellt, weshalb die Vertragserfüllung nur durch Kontrolle oder das Schaffen gewisser Anreize erreicht werden kann. Nach Williamson sind sogenannte Beherrschungs- und Überwachungs­systeme die Lösung dieses Problems, welche jedoch Transaktionskosten erzeugen. Je höher also die Moralstandards der Mitarbeiter sind, desto weniger Kontrollen und An­reize sind nötig, was wiederum zu geringeren Transaktionskosten führt.[35] Deshalb wird Williamsons Theorie von Wieland um personale Aspekte wie Ehrlichkeit, Loyalität, Fairness etc. erweitert.[36] Die Rede ist hierbei von „implizierten Verträgen“, die zum Einsatz kommen, wenn „formale Vertragstexte an Komplexitäts- und Kontigenzgrenzen stoßen“.[37] Es besteht also neben jedem formalen Vertrag ein implizierter Vertrag, der sich auf gegenseitige Erwartungen und Verpflichtungen beruft, obwohl sie nicht expli­zites Element des formalen Vertrages sind.[38]

Wielands Grundgedanke ist es, „dass sich alle herkömmlichen Probleme der Wirt­schafts- und Unternehmensethik mikroanalytisch darstellen lassen als die moralische Dimension bzw. Ansprüche distinkter wirtschaftlicher Transaktionen.“[39] Um den vollständigen Gegenstandsbereich der Governanceethik zu definieren, hat Wie­land folgende Formel entwickelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[40]

Die Formel besagt, dass moralische Ansprüche einer distinkten, wirtschaftlichen Trans­aktion ( ) von den individuellen Selbstbindungsstrategien der Akteure (IS), den formalen (FI) und informalen (IF) Institutionen eines gegebenen Umfelds und der Koordi­nations- und Kooperationsmechanismen einer Organisation (OKK) ist. Jedes Element wird mit Blick auf einen spezifischen Ort (j) und auf die distinkte Transaktion (i) be­trachtet. Die Koeffizienten a-d können jeweils den positiven (+1), negativen (-1) oder zu vernachlässigenden Wert annehmen (0). Diese Werte sagen aus, wie wirksam die einzelnen Argumente (IS, FI, IF, OKK) in der Funktion Tm sind.[41]

Mit seinem Ansatz gelingt es Wieland, Unternehmen konkrete Empfehlung für die Ge­staltung deren Wertemanagements zu konzipieren und diese in der Praxis auf die Probe zu stellen.[42] In der Praxis fließen diese Werte in die vorhandenen Managementprozesse ein. Ethik-Kodizes, Ethik-Kommissionen, Ethik Trainings, Ethik Audits und weitere Instrumente können zur praktischen Umsetzung verwendet werden.[43]

4.3 Praktische Anwendung der Ethik im Unternehmen

4.3.1 Ethik-Management

Versucht ein Unternehmen, Moral in interne (zwischen Mitarbeiter und Abteilungen) sowie externe (zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit/Markt) Beziehungen einzu­binden, wird das als Ethik-Managements bezeichnet. Es sollen hierbei obligatorische und ethische Handlungsregelungen in allen Unternehmensstrukturen und Entschei­dungsprozessen der Unternehmung verankert werden. Ethik-Management unterstützt somit die Steuerung einer guten Unternehmensführung (Good Corporate Governance).[44]

Die Voraussetzungen für ein effektives Ethik-Management sind strategische Entschei­dungen. Basis kann die Kombination von Compliance- und Integrity-Ansätzen sein.[45] Dies ist Grundlage für den Aufbau eines Ethik-Kodex. Die im Kodex enthaltenen Ver­haltensempfehlungen werden intern mit Hilfe der Organisationsstruktur und der Unter­nehmenskultur sowie extern über angemessene, strategische Entschlüsse für den Markt und die Öffentlichkeit umgesetzt. Über Ethik-Audits werden die Handlungen des Ethik­Managements kontrolliert und bei Bedarf verbessert.[46]

4.3.2 Compliance und Integrity

Mit Hilfe der Compliance soll unethisches Verhalten wie Opportunismus durch klar definierte Regeln und Einschränkungen verhindert werden. Diese Rahmenbedingungen ergeben sich aus externen Gesetzten und Richtlinien sowie freiwilliger, unternehmens­interner Regeln. Compliance-Ansätze beinhalten zudem Kontrollsysteme, ob sich die Mitarbeiter an das geltende Recht halten.[47]

Aufgrund von „Schwachstellen auf personaler, organisationaler und konzeptioneller Ebene“[48] der Compliance wurde das konträre Konzept der Integrity entwickelt. Bei die­sem Ansatz wird auf die moralische Verantwortung der Mitarbeiter gebaut. Gesetze und Regeln werden durch unternehmensinterne Leitwerte ergänzt. Es wird auf eine Selbst­steuerung abgezielt, wobei die Mitarbeiter Eigenverantwortung zeigen und moralische Probleme selbst lösen.[49]

4.3.3 Ethik-Kodizes: Regelwerk für das Ethik Management

Ethik-Kodizes sind ein weitverbreitetes Instrument zur Etablierung einer Unternehmen­sethik und beinhalten Normen und Werte über angemessenes Verhalten im Unterneh­men sowie gegenüber externen Stakeholdern.[50] Der Kodex regelt unter anderem auch die Frage, welche Mittel und Methoden für die Zielerreichung zulässig sind und welche nicht. Er dient primär als Orientierung, indem er auf die Erwartungen in Hinsicht auf das moralische Verhalten hinweist und den Mitarbeitern ein Ziel vorgibt, an dem sie sich orientieren sollen. Der Kodex bietet sowohl für interne als auch externe Stakehol­der eine Grundlage zum Dialog, welcher Voraussetzung für „integres Verhalten“[51] ist. Um Kommunikation möglich zu machen, benötigt das Unternehmen eine spezielle Inf­rastruktur, welche durch verschiedene Instrumente realisiert werden kann.[52]

4.3.4 Interne, organisatorische Maßnahmen

Eine fehlerhafte Organisationsstruktur kann der Ursprung für unethisches Handeln sein. Um das Ethik-Management in die Unternehmensstruktur zu verankern, sind verschiede­ne Formen möglich. Es müssen organisationale Barrieren, die moralisches Verhalten von Mitarbeitern behindern, abgebaut werden und „organisationale Unterstützungspo­tentiale“[53] aufgebaut werden. Die Umsetzung erfolgt häufig durch Ethik- Kommissionen.[54]

Die Mitglieder von Ethik-Kommissionen kommen aus unterschiedlichen Bereichen und können auch von Extern einberufen werden. Die Einbindung Externer ist deshalb so wichtig, da Unternehmen oft nicht selbstkritisch und offen für Veränderungen sind. Ethik-Kommissionen können außerhalb der Unternehmensstruktur stehen oder intern ohne spezielle Hierarchie.[55] Der Aufgabenbereich liegt u. a. darin, die Einhaltung des Ethik-Kodex zu überprüfen, Verstößen nachzugehen, ethische Fragen von Mitarbeitern zu beantworten oder ethische Konflikte mit bestimmten Stakeholdern zu lösen.[56] Weitere Instrumente sind Ethik-Hotlines, Ethik-Officers oder Ethik-Komitees, die sich innerhalb des Unternehmens etablieren.[57]

Unter Unternehmenskultur versteht man die tatsächlich gelebten und geteilten Wertvor­stellungen im Unternehmen. Haben die Individuen in der Organisation eine falsche Vorstellung von Werten, kann dies zu unethischen Verhalten führen. Diese lassen sich nicht einfach verändern oder manipulieren, man kann nur versuchen, sie langfristig zu gestalten. Das ist sowohl durch die Führungsethik als auch durch die Ethik der Mitar­beiter möglich.[58]

Wesentlicher Ansatzpunkt der Führungsethik ist die Hierarchie im Unternehmen und der damit verbundenen Unterwerfung der Mitarbeiter. Um dies zu humanisieren, kön­nen Führungleitlinien eingeführt werden, die eine faire Beziehung zwischen Vorgesetz­ten und Mitarbeitern regeln.[59]

Zur Förderung der Werte und Normen der Mitarbeiter werden häufig Ethik-Trainings durchgeführt. Ziel ist es, die im Kodex festgesetzten Regelungen in den Unternehmens­alltag zu integrieren. Häufig verwendete Methoden sind Gespräche, Seminare, Vorträge, Workshops oder Case Studies.[60]

4.3.5 Strategische Entscheidungen für Markt und Umwelt

Ethik muss nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch gegenüber Externen kommuniziert werden. Bei der Wettbewerbsstrategie geht es hauptsächlich darum, Ethik in die Produktion und somit in die Produkte mit einzubeziehen. Dies gelingt z. B. durch umweltfreundliche Produkte oder Produktionsverfahren, die einen hohen Schutz für Mitarbeiter garantieren. Zweck der ordnungspolitischen Strategie ist es, Lücken der gesetzlichen Rahmenordnung durch die Teilnahme an Multistakeholderdialogen, Bran­chenvereinbarungen, Ethik-Management-System u. Ä. zu kompensieren.[61] Die Markt­austrittsstrategie ist eine sehr folgenschwere Entscheidung, auf unethisches Verhalten zu reagieren. Denkbar ist hier jedoch nicht nur ein vollständiger Austritt des Unterneh­mens, sondern auch der Rückzug aus bestimmten Produktionsmärken oder aus entspre­chenden geographischen Märkten.[62]

4.3.6 Ethik-Audits

Die Überprüfung der Effizienz und Effektivität der verschiedenen Instrumente sowie die Überwachung der Einhaltung des Ethik-Kodex erfolgt über Ethik-Audits. Im Allgemei­nen wird also kontrolliert, ob das Ethik-Management die Aufgaben richtig erfüllt. Dies erfolgt durch Medien wie Berichte, Bilanzen, Statistiken u. Ä. Hierfür werden entspre­chende Informations- und Kontrollsysteme benötigt. Ebenso ist eine Kommunikation der moralischen Anliegen des Unternehmens für externe Stakeholder wie Konsumenten oder künftige Kapitalanleger interessant. Dafür bietet sich die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts oder einer Sozialbilanz an, welche unter anderem Aufschluss über die verschiedenen Interaktionen mit Stakeholdern, Initiativen für den Umwelt­schutz und Informationen über Forschung und Entwicklung geben.[63]

5 Schlusswort

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über das komplexe Themenfeld der Unterneh­mensethik zu geben. Dazu wurden verschiedene Ansätze und mögliche Instrumente für die Umsetzung im Unternehmen besprochen. Im Allgemeinen ist zu sagen, dass es für Unternehmen unerlässlich sein sollte, ethisch zu handeln, da auch die Gesellschaft deut­lich mehr darauf achtet.

Wird eine Ethik glaubwürdig umgesetzt, kann dies durchaus positive Resonanzen für das Unternehmen erzielen. Die Reputation des Unternehmens wird gesteigert. Durch das gestiegene Ansehen, wird vermehrt nachgefragt, was wiederrum die Wettbewerbs­fähigkeit stärkt. Zudem kann die Zusammenarbeit im Unternehmen sowie mit Stakehol- dern verbessert werden. Die ökonomischen Aspekte sollten jedoch nicht das oberste Ziel einer Unternehmensethik sein. Hierfür ist es wichtig, dass die Organisation die Im­plementierung nicht nur als Marketing-Maßnahme ansieht. Die theoretischen Grundla­gen aus Ethik-Kodizes u. Ä. müssen glaubwürdig durch verschiedene Instrumente in der Praxis umgesetzt werden. Ansonsten kann dies zu unerwünschten Konsequenzen füh­ren.

Als Beispiel kann hier wieder der Korruptionsskandal von Siemens aufgegriffen wer­den. Trotz einer vorhanden Compliance-Struktur, Anti-Korruptions-Beauftragte, Mit­gliedschaft in der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International und Ethikrichtlinien konnte über Jahre hinweg die Schmiergeldaffäre betrieben werden. Es scheiterte an der mangelnden, praktischen Umsetzung.[64] Kurz nach Bekanntwerden des Skandals beschloss Siemens ein neues Anti-Korruptionsprogramm, änderte seine Anti-Korruptionsrichtlinien und tauschte die Besetzung der Compliance-Abteilung aus.[65] Das Resultat ist erstaunlich. Heute hat die Unternehmung in Hinsicht auf Anti­Korruption-Maßnahmen eine Vorzeigerolle.[66]

Literaturverzeichnis

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Wieland (2007): Wieland, Josef: Die Ethik der Governance; 5. Auflage; Marburg: Met­ropolis, 2007

[...]


[1] Vgl. Süddeutsche Zeitung online (2010)

[2] Vgl. Süddeutsche Zeitung online (2014)

[3] Vgl. Spiegel Online (2011)

[4] Pieper (2003), S. 24

[5] Vgl. Küpper (2011) S. 15f.; Aßländer (2011), S. 8; Homann (2008), S. 2f.

[6] Vgl. Hesseler (2011), S. 5; Göbel (2013), S. 23

[7] Noll (2013), S. 34

[8] Vgl. Bendel (2014), S. 1; Aßländer (2011), S.178

[9] Göbel (2013), S. 55

[10] Vgl. Göbel (2013), S. 55f., S. 61, S. 86

[11] Vgl. BDA, Wirtschaft und Ethik - kein Widerspruch! (2014), S. 1

[12] Vgl. BDA, Wirtschaftsethik (2014), S. 1; Göbel (2013), S. 62

[13] Vgl. Göbel (2013), S. 100-106; Aßländer (2011), S. 184f,; Küpper (2011), S. 31; Noll (2002), S. 45

[14] Noll (2013), S. 44

[15] Vgl. Göbel (2013), S. 100; Küpper (2011), S. 34

[16] Vgl. Küpper (2011), S. 34f.; Aßländer (2011), S. 184

[17] Vgl. Küpper (2011), S. 184

[18] Vgl. Küpper (2011), S. 107

[19] Küpper (2011), S. 107

[20] Vgl. Küpper (2011), S. 108; Noll (2002), S. 39

[21] Vgl. Küpper (2011), S. 108

[22] Vgl. Küpper (2011), S. 110f,; Hesseler (2011), S. 163

[23] Vgl. Küpper (2011), S. 108, 112f.

[24] Küpper (2011), S. 126

[25] auf das Wohl des Menschen bedacht

[26] Vgl. Küpper (2011), S. 125ff.

[27] Vgl. Küpper (2011), S. 130f,; Hütte (2002), S. 103ff.; Hesseler (2011), S. 163; Dietzfelbinger (2008), S. 325ff

[28] Vgl. Küpper (2011), S. 140f.

[29] Küpper (2011), S. 151

[30] Vgl. Küpper (2011), S. 151f.; Palazzo (2001), S. 45ff.

[31] Vgl. Dietzfelbinger (2008), S. 320ff.; Hesseler (2011), S. 163; Küpper (2011), S. 145ff.

[32] Vgl. Aßländer (2011), S. 124f.

[33] Vgl. Aßländer (2011), S. 126; Küpper (2011), S. 139; Palazzo (2001), S. 39

[34] Vgl. Wieland (2001), S. 12

[35] Vgl. Aßländer (2011), S. 126; Palazzo (2001), S. 38f.

[36] Vgl. Aßländer (2011), S. 126

[37] Palazzo (2001), S. 39

[38] Vgl. Palazzo (2001), S. 38f,; Aßländer, (2011), S. 126

[39] Wieland (2001), S. 8

[40] Aßländer (2011), S. 128; Wieland (2001), S. 9

[41] Vgl. Aßländer (2011), S. 128; Wieland (2001), S. 9ff.

[42] Vgl. Wieland (2007), S. 81; Küpper (2011), S. 140

[43] Vgl. Küpper (2011), S. 140; Dietzfelbinger (2008), S. 322

[44] Vgl. Noll (2013), S. 156f.

[45] Vgl. Noll (2013), S. 185; Risi (2014), S. 221

[46] Vgl. Noll (2013), S. 184

[47] Vgl. Noll (2013), S. 185ff,; Risi (2014), S. 221f.

[48] Risi (2014), S. 221

[49] Vgl. Noll (2013), S. 185ff,; Risi (2014), S. 223-226

[50] Vgl. Noll (2013), S. 188f.; Aßländer (2011), S. 229

[51] Risi (2014), S. 224

[52] Vgl. Risi (2014), S. 224

[53] Göbel (2013), S. 242

[54] Vgl. Göbel (2013), S. 241-245; Noll (2013), S. 194-198

[55] Vgl. Noll (2011), S. 202f.

[56] Vgl. Göbel (2013), S. 248f.

[57] Vgl. Noll (2013), S. 199ff

[58] Vgl. Noll (2013), S. 204f, 209-212

[59] Vgl. Noll (2013), S. 213f.; Göbel (2013), S. 181

[60] Vgl. Noll (2013), S. 216-219; Aßländer (2011), S. 144

[61] Vgl. Noll (2013), S. 220f.; Homann/Blome-Drees (1992), S.136-139

[62] Vgl. Noll (2013), S. 222f.

[63] Vgl. Noll (2013), S. 223f.; Küpper (2011), S. 225

[64] Vgl. Schlüter (2008), S. 1

[65] Vgl. Schlüter (2008), S. 5

[66] Vgl. Süddeutsche Zeitung online (2011)

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (Buch)
9783668341739
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343950
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
ethik unternehmen theoretische aspekte auswirkungen anwendung

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Titel: Ethik im Unternehmen. Theoretische Aspekte und ihre Auswirkungen auf die praktische Anwendung