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Antiker und moderner Wahlkampf im Vergleich. Ciceros Ideen in der heutigen Zeit

Hausarbeit 2014 17 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wahlkampfstrategie in der Antike
2.1. Wahlen in der römischen Republik
2.2. Ciceros Wahlkampfstrategien

3. Moderner Wahlkampf in Deutschland
3.1. Personalisierung und Themenwahl des Wahlkampfes
3.2. Spin doctors
3.3. Vermarktungstechniken

4. Vergleich der Wahlkampfstrategien

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutschen Wahlkämpfe ähneln immer mehr den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Diese Behauptung kann man immer häufiger lesen und hören.1 Es mag vielleicht den Anschein haben, dass sich der Wahlkampf immer weiter weg von den Parteien auf die einzelnen Kandidaten zuspitzt, aber der Grund dafür liegt wohl eher in der Weiterentwicklung der Wahlkampfmethoden und Strategien, die das Ergebnis der Modernisierung der Gesellschaft, des technologischen Fortschrittes und des gestiegenen Professionalismus im Wahlkampf ist. Das gezielte Platzieren von Nachrichten, die Personalisierung, spezielle Themenauswahl sowie das direkte Ansprechen ausgewählter Zielgruppen der Wählerschaft sind Erneuerungen in unseren modernen Wahlkämpfen. Aber sind diese Wahlkampfstrategien wirklich neu? Wahlen und Wahlkämpfe gab es bereits in der Römischen Republik. Quintus Cicero legte in einer Denkschrift seinem Bruder, der als Konsul kandidieren wollte, einige Ratschläge und Wahlkampfstrategien nahe, die ihm zum Sieg verhelfen sollten. In dieser Hausarbeit möchte ich nun untersuchen, welche Strategien Quintus seinem Bruder empfahl und wie die Strategien in dem modernen Wahlkampf verfolgt werden. Als Ergebnis der Untersuchung möchte ich feststellen, inwieweit die Ratschläge von Cicero noch bei den heutigen Wahlkampfmethoden im Zeitalter der Massenmedien von Bedeutung sind. Dazu analysiere ich zunächst den antiken Wahlkampf anhand der Denkschrift von Cicero. Danach werde ich den modernen Wahlkampf beleuchten und seinen Wandel in den letzten Jahrzehnten betrachten. Am Ende der Untersuchung werde ich beide Wahlkämpfe vergleichen und ein Fazit ziehen. Dazu verwende ich themenbezogene Fachliteratur aus den Disziplinen Wirtschaft und Politik.

2. Wahlkampfstrategie in der Antike

Das commenentariolum petitionis von Quintus Cicero ist bis heute eine einzigartige Darstellung des römischen Wahlkampfes. In diesem Brief an seinen Bruder Marcus Cicero stellt Quintus Strategien dar und benennt Vorgehensweisen, die sein Bruder bei der Kandidatur für das Staatsamt des Konsuls zu beachten hätte und nach ihnen handeln sollte. Dabei geht er vor allem davon aus, dass die Gewinnung der Massen und Meinungsführer in allen Schichten für sich, der bewusste Verzicht auf Positionierung bei politischen Themen sowie die Diffamierung der Konkurrenten und die zur Schaustellung der eigenen Person die wichtigsten Punkte in seinen Strategien sein sollten, um einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen.2

2.1. Wahlen in der römischen Republik

Die römische Republik besaß in ihren größten Teilen ein freiheitliches Staatswesen mit einigen Abstrichen.3 Allerdings ist davon auszugehen, dass die Wähler in ihrer Stimmenabgabe größtenteils frei und ungebunden waren.4 Daher stammt auch die enorme Relevanz eines gut geführten Wahlkampfes, der die Wähler für sich gewinnt, auch wenn die Wahlen an sich im Verhältnis zu unseren heutigen Demokratien weniger wichtig für die Teilnahme am politischen Prozess waren. Wählen durfte jeder erwachsene römische Mann, der im Besitz der Bürgerrechte war.5 Diese wurden in verschiedene Zenturien unterteilt, die sich nach der Menge der Besitztümer ordneten. Mit dieser Einteilung wurden schließlich jedes Jahr Mehrheitswahlen zur Bestimmung des Konsuls durchgeführt. Die Mehrheit der gewählten Konsuln stammte aus dem Adel oder aus lang etablierten Familien. Für Emporkömmlinge aus nicht adligen Familien war es dementsprechend schwer dieses Amt zu erlangen, da die etablierten Häuser ihre Macht und Prestige sicher wollten.6 Die Wahlen an sich waren in der damaligen römischen Republik im Vergleich zu den heutigen Wahlen schon sehr stark auf die Kandidaten ausgerichtet. Politische Themen blieben unangetastet beziehungsweise wurde es vermieden, einen klaren Standpunkt zu einem politischen Thema einzunehmen, um sich Freiraum für Versprechen gegenüber den verschiedenen Zenturien zu bewahren.7 Infolgedessen wurden viele Versprechen gemacht ohne die Absicht zu haben, diese nach der Wahl auch umzusetzen. Ziel war es, sich eine Anhängerschaft aus allen unterschiedlichen sozialen Klassen zusammenzustellen, die in der Öffentlichkeit Eindruck schinden und als Fürsprecher in Abwesenheit des Kandidaten fungieren sollten.8 Das positive Image des Kandidaten sollte somit in allen Schichten und Regionen gefestigt werden und die Popularität steigern, denn meistens gewannen die Kandidaten nur auf Grund der größeren Popularität im Volke und in den höheren Zenturien.9

2.2. Ciceros Wahlkampfstrategien

Marcus Tullius Cicero gehörte von Geburt her nicht zum Adel und war in den Augen der höheren Zenturien ein Emporkömmling. Dieses Defizit durch seine Herkunft ist vermutlich einer der Hauptgründe, weshalb Quintus ihm in seiner Denkschrift eine bestimmte Wahlkampfstrategie aus pompösen Auftreten in der Öffentlichkeit und intelligenten Wahlkampf empfiehlt.10 Der bedeutsamste Teil der Strategie ist für ihn die Gewinnung der Massen für sich.11 Deshalb spielt die öffentliche Meinung über den Kandidaten eine beträchtliche Rolle. Denn nur durch den Dialog im direkten Bekannten- und Familienkreis wird eine öffentliche Meinung stark geprägt.12 Die Gewinnung aller Schichten kommt also eine tragende Rolle zu. Selbst die Sklaven werden explizit als zu gewinnende Zielgruppe genannt, da auch sie den guten Ruf verbreiten können oder aber in der Lage waren, diesen durch negative Gerüchte gezielt zu.13 Es wird demzufolge deutlich, dass nicht politische Themen im Wahlkampf an erster Stelle stehen sondern die öffentliche Meinung über den Kandidaten und seine Stärken und Schwächen. Um sich nicht in die Enge treiben zu lassen, empfiehlt Quintus seinem Bruder zusätzlich sich nicht auf bestimmte Standpunkte festlegen zu lassen, sich Intrigen soweit es möglich ist zu entziehen und sich den Gewohnheiten der verschiedenen Schichten anzupassen, um nicht anzuecken.14 Des Weiteren soll er Freunde, Bekannte, den Adel, frühere Klienten und auch die niederen Schichten umgarnen und Gefallen einfordern, um sich eine starke Anhängerschaft zu sichern. Nicht nur das Einfordern von Gefallen sondern auch das Machen von Versprechungen sollte er dabei nutzen.15 Das Umgarnen aller möglichen Schichten spricht dafür, dass Quintus davon ausgegangen ist, dass die Wahl nicht im Elitärenkreis der Mächtigen entschieden wird sondern vielmehr der Einfluss der öffentlichen Meinung auf die wichtigen Personen die entscheidende Komponente darstellt.

Als zweite Strategie gibt er ihm den Rat sich möglichst gut zu inszenieren und einen wohlbedachten Opportunismus an den Tag zu legen.16 Demnach ist die Schaustellung seiner Person in besonderem Maße wichtig. Diese sollte vor allem seine positiven Eigenschaften anpreisen und Unrühmliche so gut wie möglich verstecken. Eine gute Inszenierung seiner Person soll ihm Glanz und Anerkennung im Volk verschaffen und personalisiert den Wahlkampf damit noch mehr, da politische Themen wiederum in den Hintergrund abgeschoben werden.17 Um den Opportunismus bedacht umzusetzen, sollte er sich Menschenkenntnis, Ausdauer, Großzügigkeit, Schmeichelei, Renommee und den Ausblick auf Einfluss mitbringen.18 Diese kommen dem Volk zwar nicht merklich zugute, allerdings werden die Menschen, die ihren Nutzen daraus ziehen, davon berichten und dazu beitragen, dass sich ein positiver Eindruck von seiner Person im Volk ausbreitet.19 Zusätzlich soll Marcus weder im Senat noch in den Versammlungen zu politischen Themen direkt Stellung nehmen. Er muss vielmehr eine gewisse Schauspielkunst an den Tag legen, um dem Adel, den Rittern sowie den Bürgern glauben zumachen, dass er ihre Interessen würdig vertreten wird und dass er schon immer ein Mann aus dem Volk gewesen sei.20 Quintus soll dementsprechend sich je nach der Person beziehungsweise dem Personenkreis in dem er sich bewegt, sich verstellen und heucheln. Auch wenn ihm das auf Grund seines Charakters schwerfallen mag, ist dies aber zwangsläufig nötig, um keine einzelnen Gruppen zu verärgern und nicht anzuecken.21 Dazu benötige er allerdings ein gewisses Maß an Schauspielkunst und Beherrschung von Mimik und Gestik, um die Menschen zu täuschen. Quintus macht also deutlich das er den ganzen Wahlkampf für ein Schauspiel hält, indem der beste Selbstdarsteller die Nase am Ende vorne hat.22 Als weiteren wichtigen Punkt im Wahlkampf benennt Quintus die emotionale Personalisierung in Verbindung mit der Diffamierung der Gegenkandidaten. Das Grundprinzip dieser Strategie ist sehr einfach. Sein Bruder soll seine positiven Eigenschaften und moralischen Grundwerte öffentlich zeigen, während er durch gezielte Kommentare und kleinere Provokationen gegenüber seinen Gegnern deren schlechte Charakterzüge offenlegt. Diese Charakterzüge soll er stets betonen um somit eine öffentliche Debatte anzuregen, die seinen Kontrahenten schaden.23 Diese Manipulation des Wahlkampfes soll er gezielt bei jedem Gegenkandidat anwenden. Bei seinem Mitbewerber Catlina soll er zum Bespiel dessen Charakterdefizite wie seine Rechtlosigkeit und die Bevorzugung verschiedener Frauen aufzeigen. Des Weiteren sollen seine Straftaten und moralisch verwerfliche Handlungen aus der Vergangenheit den öffentlichen Dialog über ihn bestimmen.24 Die Umsetzung dieser Manipulation des öffentlichen Diskurs führt somit zur einer positiveren Eigendarstellung der Person von Marcus. Diese gezielte negative Darstellung des Gegners gehörte allerdings vermutlich zwangsläufig zum politischen Tagesgeschehen in der Republik, da die politischen Themen stark ausgegrenzt wurden.25 Durch diese Polarisierung wird beim Gegenkandidat also eine negative Präsenz geschaffen und die eigene gestärkt. Dies zeigt wiederum, dass es Quintus im Wahlkampf nicht um politische Aussagen und Inhalte geht, sondern um die Person an sich mit ihrem Ruhm und Ansehen für den Erfolg bei der Wahl von Bedeutung ist.26

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1 Pfau, Natalie: Gibt es eine Amerikanisierung des deutschen Wahlkampfes?, 12.08.2013, online verfügbar: http://www.ju-es.de/archives/208-Gibt-es-eine-Amerikanisierung-des-deutschen-Wahlkampfes.html, Stand: 10.01.2015.

2 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf: Quintus T. Ciceros Denkschrift über die Konsulatsbewerbung. In: Berg, Thomas(Hg.): Moderner Wahlkampf. Opladen 2002, 9.

3 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 1.

4 Laser, Günter: Quintus Tullius Cicero. Commentariolum petitionis. Darmstadt 2001, 11.

5 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 10.

6 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 10.

7 Laser, Günter: Quintus Tullius Cicero. Commentariolum petitionis, 25.

8 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 11.

9 Laser, Günter: Quintus Tullius Cicero. Commentariolum petitionis, 41.

10 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 10.

11 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. In: Cicero, Marcus Tullius: An Bruder Quintus. An Brutus. Brieffragmente. München 1965, 301.

12 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 303.

13 Laser, Günter: Quintus Tullius Cicero. Commentariolum petitionis, 35.

14 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 325.

15 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 295.

16 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 15.

17 Woyke 1998 S.112

18 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 319.

19 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 319.

20 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 325.

21 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 317.

22 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 16.

23 Jackob, Nicolaus: Antike Traditionen im modernen Wahlkampf, 17.

24 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 299.

25 Laser, Günter: Quintus Tullius Cicero. Commentariolum petitionis, 118.

26 Cicero, Qinutus Tullius: Denkschrift über die Bewerbung. München 1965, 309.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668339071
ISBN (Buch)
9783668339088
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343871
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Politikwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Cicero Wahlkampf spin doctors Personalisierung Moderner Wahlkampf

Autor

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