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Der Kommunikationsprozess. Vier Seiten einer Nachricht nach dem Modell von Schulz von Thun

Studienarbeit 2014 17 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Die Anatomie einer Nachricht
2.2 Kommunikation und Metakommunikation
2.3 Die vier Ohren des Empfängers
2.4 Die fünf Axiome der Kommunikation

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nachrichtenquadrat

Abbildung 2: Inkongruente Nachrichten

1 Einleitung

Eine der wohl bedeutendsten Meilensteine der menschlichen Evolution war die Entstehung der Sprache. Durch sie wurde es möglich Informationen, Anweisungen und Erfahrungen weiter zu geben ohne dabei jedes Mal wieder alles durch Versuch und Irrtum neu zu erlernen. (vgl. Gerrig & Zimbardo 2008, S. 70)

Aus diesem Grund haben sich zahlreiche Psychologen und Wissenschaftler mit der Erforschung der Sprache und Kommunikation beschäftigt. Durch die Komplexität der Sprache kann es dabei zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. Einer dieser Kommunikationswissenschaftler war Schulz von Thun, der mit seinem Vier-Seiten- Modell den Kommunikationsprozess und die Mehrdeutigkeit einer Nachricht zwischen zwei oder mehreren Personen untersucht hat.

Schulz von Thun zeigt dabei, dass der Kommunikationsprozess von verschiedenen Perspektiven und Ebenen betrachtet werden kann und dadurch sowohl der Empfänger als auch der Sender einer Nachricht die Botschaft nach seinem Vier-Seiten-Modell auf vier verschiedenen Ebenen verstanden bzw. intendiert werden kann.

In dieser Arbeit wird das Kommunikationsmodell „Vier Seiten einer Nachricht“ von Schulz von Thun beschrieben und dessen Einfluss auf den Kommunikationsprozess dargestellt. Dabei werden zuerst die vier Ebenen des Modells erklärt. Anschließend wird das Modell in Abhängigkeit der Metakommunikation analysiert und das Modell aus Sicht des Empfängers beschrieben. Ergänzend dazu werden zum Schluss noch die fünf Axiome der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick erläutert.

2 Hauptteil

2.1 Die Anatomie einer Nachricht

Der Grundvorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation benötigt einen Sender der eine Botschaft mitteilen möchte und einen Empfänger der diese Botschaft erhält. Dabei verschlüsselt der Sender sein Anliegen in erkennbare Zeichen zu einer Nachricht, die der Empfänger zu entschlüsseln hat. Im Normalfall stimmen gesendete und erhaltenen Nachricht überein. Da ein und dieselbe Nachricht allerdings stets viele Botschaften gleichzeitig enthält, ist der Vorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation so komplex und störanfällig. (vgl. Schulz von Thun 2013, S. 27)

Um die Komplexität dieses Vorganges verständlicher darzustellen entwickelte Schult von Thun das sogenannte Nachrichtenquadrat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Nachrichtenquadrat

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell )

Anhand eines Beispiels werden die vier Seiten verdeutlicht.

Beispiel: Die Chefin (=Sender) sitzt in einem Großraumbüro und zu einem neben Ihr sitzenden Mitarbeiter (=Empfänger); „Kalt hier“.

Die Sachebene

In der Sachebene wird eine sachliche Information übermittelt. „Immer wenn es «um die Sache» geht, steht diese Seite im Vordergrund - oder sollte es zumindest“ (Schulz von Thun 2013, S.28). Der Empfänger soll vom Sender über diese sachliche Information in Kenntnis gesetzt werden, damit dieser darauf reagieren kann. In diesem Beispiel wäre die Botschaft der Nachricht die Information, dass die Raumtemperatur niedrig ist.

Die Selbstkundgabe oder Selbstoffenbarung

„In jeder Nachricht stecken nicht nur Informationen über die mitgeteilten Sachinhalte, sondern auch Informationen über die Person des Senders.“ (Schulz von Thun 2013, S.29) Das bedeutet aber auch, dass der Begriff „Selbstoffenbarung“ nicht nur die ge- wollte Selbstdarstellung, sondern auch die unfreiwillige Selbstenthüllung mit ein- schließt. Somit werden in jeder Nachricht des Senders, ob gewollt oder nicht, auch In - formationen über die Selbstoffenbarungsebene mitgeteilt. Daher lassen sich auch viele Probleme der zwischenmenschlichen Kommunikation auf diese Ebene verbinden. (vgl. ebd., S. 29) In oben stehendem Beispiel können Informationen auf dieser Ebene sein, dass die Chefin schnell friert, sehr sparsam ist um Heizkosten zu sparen oder gerne dünne, wenig wärmende Kleidung trägt.

Die Beziehungsseite

Diese Seite zeigt, wie der Sender zum Empfänger steht oder was er von ihm hält. Die gewählte Formulierung, Tonfall und andere nichtsprachliche Begleitsignale spielen da- bei eine wichtige Rolle. Empfänger reagieren auf dieser Ebene besonders empfindlich, da sie sich als Person in bestimmter Weise behandelt oder misshandelt fühlen. Eine Nachricht senden heißt auch immer, eine Botschaft zu senden, wie der Sender die Be- ziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht. Dabei kann es passieren, dass der Empfänger die Beziehungsdefinition für nicht angemessen oder deplatziert hält und mit Ablehnung reagiert obwohl er womöglich auf der Sachebene zustimmen würde. (vgl. ebd., S. 30f) In dem Beispiel der Chefin und des Mitarbeiters kann von einer Be- ziehung mit unterschiedlich hohen hierarchischen Stufen ausgegangen werden. Somit könnte die Chefin auf Beziehungsebene demonstrieren, dass sie Weisungen gibt und der Mitarbeiter sie auszuführen hat.

Die Appellseite

Auf der Appellebene möchte der Sender den Empfänger zu etwas veranlassen, zu den- ken, zu fühlen oder dass dieser etwas unterlässt. Fast alle Nachrichten haben die Funktion eines Appells. Ist der Versuch der Einflussnahme versteckt, so spricht man von Manipulation. Im Falle einer Manipulation funktionalisiert der Sender die drei anderen Ebenen um sein Ziel zu erreichen. Das heißt, dass die drei anderen Ebenen nicht mehr das spiegeln was ist, sondern z. B. für eine positive Selbstdarstellung missbraucht wer- den. (vgl. ebd., S. 32f) In unserem Beispiel lautet der Appell vielleicht: „Schließe bitte die Fenster“, oder „Schalte die Heizung an“. Der Appellaspekt ist jedoch vom Bezie- hungsaspekt zu unterscheiden. In dem Beispiel mag der Mitarbeiter den Appell an sich vernünftig finden, aber empfindlich auf einen dominanten Führungsstil reagieren. Oder umgekehrt könnte er den Appell für unvernünftig halten weil der Mitarbeiter es nicht für „zu kalt“ hält, aber ihn trotzdem ausführen da er die Beziehungsebene Vorge- setzter zu Mitarbeiter akzeptiert.

2.2 Kommunikation und Metakommunikation

Über die vier Seiten des Modells hinaus müssen für eine gelungene Kommunikation auch noch weitere Aspekte beachtet werden. Einer davon ist, dass eine Nachricht nicht auf eine bestimmte Menge an Wörtern oder Sätzen begrenzt ist und viele Botschaften gleichzeitig enthält. Zu unterscheiden sind aber z. B. explizite und implizite Botschaften. Explizite Botschaften sind ausdrücklich formulierte Botschaften. Implizit sind dagegen solche, die ohne dass es direkt gesagt wird, es auf anderen, oft nonverbalen Ebenen ausgedrückt wird. Auf allen vier Seiten der Nachricht sind explizite wie implizite Bot- schaften möglich. So kann man explizit sagen, dass man aus Hamburg ist, oder sich implizit durch einen Dialekt verraten. Auch ein Appell kann explizit, z. B. „Erna, hol Bier!“ oder implizit, z. B. „Erna, das Bier ist alle“ gestaltet werden. Entgegen der wahr- scheinlicheren Annahme, dass explizite Botschaften, die eigentlichen Hauptbotschaften sind, werden die eigentlichen Hauptbotschaften oft implizit gesendet. Manche Sender haben die Fähigkeit, ihre Botschaften implizit an den Mann zu bringen sehr stark ent- wickelt um notfalls dementieren zu können: „Das habe ich nicht gesagt!“.

(vgl. ebd., S. 36f)

Für implizite Botschaften wird oft der nicht-sprachliche Kanal eingesetzt. Die Kommuni- kation findet dabei über Stimme, über Betonung und Aussprache, über begleitende Mimik und Gestik statt. Diese nicht-sprachlichen Mittel können für eigenständige Bot- schaften oder für qualifizierte Botschaften verwendet werden. Qualifizierte Botschaften geben Hinweise, wie sprachliche Anteile der Nachricht „gemeint“ sind. Das Vier-Sei- ten-Modell lässt sich auch auf nicht-sprachliche Nachrichten anwenden. Die Sachseite ist dabei allerdings meist leer. Ein Beispiel dazu wäre wenn jemand weint. Die Selbstof- fenbarung drückt dabei vielleicht Traurigkeit, seelisches Elend oder andere emotionale Gründe aus. Auf der Beziehungsebene kann eventuell eine Bestrafung des Empfängers beabsichtigt sein: „Da siehst du, was du angerichtet hast!“. Auf der Appellseite handelt es sich vielleicht um eine bewusste Strategie, um Zuwendung oder Schonung zu erhal- ten. (vgl. ebd., S. 37)

Ein weiterer Aspekt sind kongruente oder inkongruente Nachrichten. Von kongruenten Nachrichten spricht man, wenn alle Signale in die gleiche Richtung weisen, wenn also explizite und implizite Botschaften übereinstimmen. Bei inkongruenten Nachrichten da- gegen stehen explizite und implizite Botschaften im Widerspruch zueinander. Wenn eine Person beispielsweise sagt: „Es ist alles in Ordnung“, Tonfall und Mimik aber deutlich ausdrücken, dass etwas nicht in Ordnung ist, dann ist die Nachricht inkongru- ent. Der Sender kommuniziert also immer auf zwei Ebenen gleichzeitig. Der Mittei- lungsebene, meist explizit, und der Metaebene, meist implizit. Die Botschaften der bei- den Ebenen geben wechselseitige Interpretationshilfen darüber, wie die Botschaft der anderen Ebene gemeint ist. Die Ebenen „qualifizieren“ also einander.

( vgl. ebd., S. 39f)

Dabei unterscheidet man vier Möglichkeiten der Qualifikation:

Qualifikation durch den Kontext: Der Kontext qualifiziert das Gesagte in inkongruenter Weise, wenn das Gesagte mit der offenkundigen Situation oder dem offenkundigen Sachverhalt nicht übereinstimmt. Ein Beispiel dafür wäre ein Ehemann der angesichts einer angebrannten Kohlroulade sagt: „Ich bewundere deine Kochkünste!“. (vgl. Schulz von Thun 2013, S. 40)

Qualifikation durch die Art der Formulierung: „Die Art, wie jemand einen Sachverhalt formuliert, qualifiziert das Gesagte. Zum Beispiel wird jemand nach einer Magenverstimmung gefragt, wie es ihm gehe. Die Antwort lautet: «Ich bin todkrank!» Die übertreibende Formulierung qualifiziert den Inhalt der Aussage in inkongruenter Weise.“ (Schulz von Thun 2013, S.40)

Qualifizierung durch Mimik und Gestik: Eine positive Beziehungsaussage wie z. B. „ich mag dich“ kann von einer ablehnenden Körperbewegung begleitet sein.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668337992
ISBN (Buch)
9783668338005
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343736
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
2,0
Schlagworte
kommunikationsprozess vier seiten nachricht modell schulz thun

Autor

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