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Entwicklung eines Vorbereitungslehrgangs auf die staatliche Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter. Reflektierende Dokumentation über die Planung, Durchführung und Evaluation des Projektes

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Praktikumsreflexion
2.1 Praktikumsstelle
2.2 Planung
2.3 Pädagogisch/ didaktische Durchführung
2.4 Evaluation und Qualitätsmanagement
2.5 Projektmanagement

3 Blog-Reflexion

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Gesamtbeurteilung des Vorbereitungslehrganges als Teilausschnitt des Fragebogens. Quelle: Eigener Entwurf

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Die Phasen des ADDIE-Modelles. Quelle: Eigener Entwurf

Abbildung 2: Didaktisch umgesetzte Projektmethoden. Quelle: Eigener Entwurf

1 Einleitung

Im Zuge neuer Berufsausbildungsgesetze kommt auf die ausbildenden Institutionen die Aufgabe zu, die in den Gesetzestexten, Prüfverordnungen und Curricula enthaltenen Vorgaben und Inhalte entsprechend umzusetzen. Valide bildungswissenschaftliche Grundsätze und Methoden sollten hierfür die Grundlage bilden. Der Autor beschreibt im Rahmen des Studiums der Bildungswissenschaft an der Fernuniversität in Hagen im Modul „Praxis der Mediendidaktik“ Aspekte der Etablierung des seit 01.01.2014 in Kraft getretenen Ausbildungsberufes „Notfallsanitäter/in“ an einer rettungsdienstlichen Berufsfachschule. Um die Handlungsfähigkeit und Kompetenz der Studierenden zu steigern, wird in diesem Studienabschnitt durch ein Praktikum ein Theorie-Praxis-Transfer angestrebt und die Erfahrungen und Erkenntnisse in einer reflektierenden Dokumentation aufgearbeitet. Der Autor befasst sich hierzu in der vorliegenden Arbeit mit der Umsetzung eines Vorbereitungslehrganges auf die staatliche Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter. Diese “Ergänzungsprüfung“ ist als „Upgrademöglichkeit“ für Inhaber der bisherigen Berufsbezeichnung „Rettungsassistent/in“ vorgesehen und im neuen Notfallsanitätergesetz (NotSanG) in den „Übergangsvorschriften“ § 32, (2) enthalten. So soll eine in den Rettungsdienstgesetzen der Bundesländer geforderte fachliche Besetzung der Rettungsmittel zukünftig gesichert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben zwischenzeitlich auch bundesweit Kurse für die dreijährige Ausbildung für Berufseinsteiger begonnen, die in dieser Arbeit jedoch thematisch nicht relevant sein sollen. Der Autor war am oben genannten Projekt von der ersten konstituierenden Sitzung über die Planung und Durchführung bis hin zur Evaluation involviert. Als Handlungsablaufmodell wurde die ADDIE-Methode genutzt, welche in Punkt 2.2 begründet, erläutert und mit der praktischen Tätigkeit verknüpft wird. In Punkt 2.3 geht es thematisch um die didaktischen Methoden, die zur praktischen Umsetzung verwendet wurden. Sie werden mit gängigen wissenschaftlich etablierten Methoden verglichen und für die Verwendung im Projekt begründet. Punkt 2.4 befasst sich mit dem Thema Evaluation und Qualitätsmanagement. Beide Begriffe werden inhaltlich erläutert und voneinander abgegrenzt. Zudem werden die Phasen eines Qualitätsmanagementsystems und die unterschiedlichen Evaluationsformen beschrieben und die Inklusion innerhalb des beschriebenen Vorbereitungslehrganges reflektiert. Ob und wie das vom Autor gewählte Handlungsablaufmodell von Punkt 2.2 zu einem modernen Projektmanagement passt, ist Gegenstand von Punkt 2.5. Es erfolgt eine Definition der thematisch relevanten Begriffe sowie eine Differenzierung zwischen beiden Vorgehensweisen. Eine Reflexion des vom Verfasser zuvor geführten Blogs wird in Punkt 3 durchgeführt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse werden mit den Aussagen wissenschaftlicher Literatur verglichen. Im Ergebnis sollte sich zeigen, ob und ggf. wie durch das Bloggen die Aufarbeitung der praktischen Tätigkeit unterstützt werden konnte. Im Fazit, das in Punkt 4 beschrieben ist, wird der Inhalt der reflektierenden Dokumentation verdichtet zusammengefasst. Abschließend wird eine subjektive Bewertung des Autors über den Kompetenzerwerb durch die in der Studienzeit theoretisch erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und den praktischen Transfer in die berufliche Praxis abgeleitet.

2 Praktikumsreflexion

2.1 Praktikumsstelle

Der Autor arbeitet seit 2007 bei der betreffenden Bildungsinstitution als freier Dozent und Prüfer. Es handelt sich dabei um eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Berufe im Rettungsdienst und dem Gesundheitswesen und existiert in dieser Form seit 1998. Sie verfügt über fünf feste- und ca. fünfzehn freie Mitarbeiter, die je nach Qualifikation und Berufserfahrung in den verschiedenen Ausbildungsstufen sowohl im Unterricht als auch als Mitglieder der Prüfungskommission eingesetzt werden. Ein Schwerpunktkrankenhaus trägt als Kooperationspartner sowohl durch qualifizierte ärztliche Unterstützung im Dozentenbereich als auch durch Bereitstellung von erforderlichen Praktikantenplätzen im Anaesthesie- und Intensivbereich mit zur Qualität in der Ausbildung bei. Die Schule verfügt außerdem über ein großes Trainings- und Simulationszentrum, wo auf ca. 800 m2 Fläche durch realistische Infrastrukturen (Wohnungseinrichtung, Straßen, Garten und Krankenhauszimmer) praktisches Training stattfinden kann. In zwei großen Lehrsälen mit multimedialer Einrichtung ist auch theoretischer Unterricht professionell durchführbar. Im Kontext der Vorbereitung und Etablierung des zum 01.01.2014 in Kraft getretenen neuen Berufsbildes war die Berufsfachschule als von Beginn an in dessen Umsetzung im betreffenden Bundesland involviert und der Autor diesbezüglich Teil der zu diesem Zweck gegründeten „Arbeitsgruppe Notfallsanitäter“.

2.2 Planung

Zur Planung, Durchführung und Evaluierung medizinischer Ausbildungen, in denen curriculare Inhalte unter systematischen und effizienten Aspekten ergebnisorientiert zu vermitteln sind, bietet sich das ADDIE-Modell an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Phasen des ADDIE-Modells. Quelle: Eigener Entwurf

Es wurde als Prozessmodell im Rahmen eines Instruktionsdesigns von dem amerikanischen Psychologen Robert M. Gagné entwickelt und zeichnet sich durch die in Abbildung 1 aufgeführten Schritte aus. Instruktionsdesign bzw. Instructional Design umfasst nach Seel Planungs- Gestaltungsprozesse zur Etablierung effektiver Bildungsangebote (2014, S. 726). Eine entsprechende Definition liefert Reiser :

The field of instructional design (…) ecompasses the analysis of learning and performance problems, and the design, development, implementation, evaluation and mangagement of instructional and non-instructional processes and ressources intendet to improve lear- ning and performance in a variety of setting, particulary educational institutions and the workplace. (2001, S. 57 zitiert nach Seel, 2014, S. 726)

Dem Grundgedanken nach handelt es sich um eine „systematische Koordination der fünf Entwicklungsphasen…“ (Niegemann & Schatta, 2015, S. 42) Analyse, Design, Development (Entwicklung), Implementation und Evaluation. Wichtiges Prinzip für Gagné´s kognitionspsychologischen Ansatz war, gute Lernvoraussetzungen für die entsprechenden Inhalte zu schaffen und sicher zu stellen. Er unterscheidet dabei fünf Lernzielkategorien, die den kognitiven Fähigkeiten der Lernenden entsprechen sollen und unterteilt diese in die intellektuellen Fähigkeiten, die kognitiven Strategien, das verbale Wissen, die Einstellungen und die motorischen Fähigkeiten (Niegemann & Schatta, 2015, S. 42-43). Gagné favorisiert aufbauend auf den Lernzielkategorien verschiedene Lernmethoden, die durch empirische Befunde der psychologischen Forschung gestützt sind (Gagné et. Al, 2005, S. 48, zitiert nach Niegemann & Schatta, 2015, S. 43). Instruktionsdesign bzw. Instructional Design entwickelte sich ab den späten fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hauptsächlich aus dem englischen Sprachraum als Teildisziplin der pädagogischen Psychologie. Nach Niegemann und Schatta (2015, S. 40) wird der Begriff der Instruktion dabei weiter gefasst als die Bedeutung von Lehren und Unterrichten im deutschen Sprachgebrauch. Instruktion soll danach ein breites und zielgerichtetes Aufgabenspektrum beinhalten, das in der Konsequenz u.a. durch entsprechend gestaltete Umgebungen den Lernprozess fördern soll (Gagné, Wagner, Golas & Keller, 2005, S. 1, zitiert nach Niegemann & Schatta, 2015, S. 40). Da die ADDIE-Methode auch bei multimedialen Arrangements nutzbar ist, wurde sie im beschriebenen Projekt als Handlungsablaufmodell genutzt. Sie wird im türkischen Online-Journal „TOJET“ als solides Design-Modell im Instruktionsdesign beschrieben (persönliche Übersetzung des Verfassers):

It is thus undoubtedly that ADDIE stands out as a solid design guide to an array and current ID models (Reiser & Dempsey, 2007) not only of second language acquisition and teaching - the focus of this study-but across disciplines, as well. (Khadimally, S., 2015, S. 2)

Im hier verwendeten ADDIE-Schema können dessen Punkte Analyse, Design und Development (Entwicklung) als Teil des gesamten Planungsprozesses für den vom Autor beschriebenen Ergänzungslehrgang herangezogen werden. Dieser startete im Oktober 2013 mit einer ersten konstituierenden Sitzung. Die Mitarbeiter der „Arbeitsgruppe Notfallsanitäter“ wurden für die Aufgabe ausgewählt, ein für die Rettungsdienstschule trag- und zukunftsfähiges Schulungskonzept für ein dem Wesen nach neues Berufsbild mit neuen gesetzlichen Anforderungen und Auflagen zu gestalten. Dazu wurden in einer Brainstorming-Sitzung Vorschläge und Ideen über die zentralen Punkte gesammelt, die zur Umsetzung des Projektes relevant erschienen. Dieses umfasste einen Vorbereitungslehrgang auf eine staatliche Prüfung, um Inhaber der bisherigen Berufsbezeichnung „Rettungsassistent“ die im Notfallsanitätergesetz (NotSanG) in § 32 „Übergangsvorschriften“ zugeschriebene Möglichkeit der staatlichen „Ergänzungsprüfung“ zum Notfallsanitäter zu ermöglichen. Es galt, die in der entsprechenden Prüfverordnung erforderlichen curricularen Inhalte zu berücksichtigen und dabei aus ökonomischen Gründen die Zahl der Präsenztage so gering wie möglich zu halten. Ein Anteil sollte als Fernunterricht absolviert werden, wonach sich dann zeitnah die staatliche Prüfung anschließen sollte. Die Ergebnisse des Brainstormings flossen in ein Exposé ein, das u.a. dazu dient „das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis einzuschätzen“ (Klebl, 2007, S. 140). Das war für die Finanzierung äußerst wichtig, denn diese musste durch die Kostenträger, sprich Krankenkassen genehmigt werden. Das Konzept sollte dabei drei Ziele erreichen. Erstens dem erhöhten Anspruchslevel des NotSanG gerecht zu werden, zweitens die Erfolgsquote so hoch wie möglich zu halten und drittens den finanziellen Aufwand zu berücksichtigen. Dieser wurde im Exposé unter Federführung deszuständigen Ärztlichen Leiters Rettungsdienst kalkuliert. Er hatte das Projekt finanziell und medizinisch zu verantworten. Ein Exposé ist ein relevanter Punkt der Planung, weil nach Klebl (2007, S. 139) „…auf der Grundlage eines Exposé´s häufig wichtige Entscheidungen über ein Projekt gefällt werden“. Im Ergebnis beinhaltete es fünf Tage Präsenzunterricht, im Anschluss daran Fernlehre im Rahmen einer zweimonatigen Selbstlernphase und schließlich die staatliche Prüfung. Dieses Exposé war in den Eckdaten wohl schlüssig, denn es erfolgte eine Genehmigung des Rettungsdienstträgers, der mit den Kostenträgern die Verhandlungen führte. Der nächste Schritt der Planungsphase widmete sich der Bedarfsanalyse und der Zielgruppenanalyse inklusive den Motivationshintergründen der Teilnehmer. Im ersten Ergänzungslehrgang dieser Art waren dies die ausbildenden Rettungsassistenten des Landes, die verständlicher Weise als Erstes zum Notfallsanitäter ausgebildet werden sollten. Es erfolgte ein „Soll/Ist“-Abgleich der Lernbedarfe im Vergleich zu den Forderungen der Prüfverordnung. Im Kern war das Ergebnis, dass zur (Lern)zielerreichung in den Fächern Pharmakologie, invasive medizinische Maßnahmen, Differenzialdiagnostik, Beatmungstechnik, Kommunikation/Interaktion und Psychiatrie, Schulungsbedarf bestand. Diese Inhalte wurden von der Arbeitsgruppe in einem Treatment verarbeitet, und darin die Mittel und Methoden des Projektes festgelegt. Es entsprach allerdings nicht allen Ansprüchen eines wissenschaftlich korrekt ausgearbeiteten, denn nach Klebl (2007, S. 142) soll ein Treatment alle wesentlichen Elemente einer Maßnahme beinhalten und zudem besonders wichtige Punkte besonders detailliert beschreiben. Hier wurden die Ausführungen allesamt grob detailliert aufgeführt. Als nächster Meilenstein stand die Konzeption an, die alle Bereiche gegliedert und strukturiert beinhalten soll und aus der „…gezielt Informationen entnommen werden“ (Klebl 2007, S. 143). Im Handlungsablaufmodell nach ADDIE ist die konzeptionelle Arbeit in den Schritten Design und Development vorgesehen. Im beschriebenen Projekt wurde nicht in Fein- und Grobkonzept unterschieden sondern ein „Gesamtkonzept“ geplant. Für dieses Konzept wurde eine Teamsitzung durchgeführt in der einzelne Themenbereiche an die Mitarbeiter verteilt wurden. Inhalte waren die diversen Lernziele, die theoretischen Inhalte und die Festlegung der didaktischen Methoden. Auch die personelle Festlegung der verschiedenen Unterrichtseinheiten erfolgte an diesem Punkt. Der Autor wurde hier für die Instruktionstätigkeit an einer praktischen Übungseinheit geplant, an der realistische Fallszenarien abgearbeitet werden sollten. Es mussten zudem noch geeignete Ärzte und Dozenten für die Themengebiete Psychiatrie und Kommunikation aquiriert werden, was im Ergebnis formell mit einer Oberärztin für Psychiatrie und ehemaligen Notärztin sowie einem Pädagogen und aktiven Notfallseelsorger gelang. Nach Bastiaens, Deimann, Schrader und Orth (2006, S. 35) ist Instructional Design lernerzentriert, zielorientiert und designorientiert. Die richtige Auswahl und Planung der didaktischen Methoden, der Dozenten und die Inhalte sind somit für die Lernzielerreichung von großer Wichtigkeit. Die Ausarbeitung der meisten Fachskripte übernahm der Ärztliche Leiter Rettungsdienst. Diese sollten auch als Vorlage für die Erstellung der Powerpoint-Präsentationen dienen. In der Design- und Developmentphase wurden auch die Inhalte schriftlich erarbeitet. Der Autor verfasste in diesem Abschnitt die medizinischen Kasuistiken für die praktischen Fallsimulationen. Die Präsenzwoche war im Ergebnis ein Mix aus interaktivem Frontalunterricht in Form mediengestützter Vorträge, Gruppenarbeit zur theoretischen Fundierung und praktischen Übung invasiver Maßnahmen, Fallsimulationen und multimedial unterstützter Fernunterricht. Am Ende dieser Projektphase verfasste der Schulleiter den Stundenplan, der zur kritischen Durchsicht im Team diskutiert wurde. In diesem wurde bereits darauf geachtet, dass sich Theorie- und Praxisanteile an den einzelnen Tagen abwechselten.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668342262
ISBN (Buch)
9783668342279
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343695
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Notfallsanitätergesetz Ergänzungsprüfung

Autor

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Titel: Entwicklung eines Vorbereitungslehrgangs auf die staatliche Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter. Reflektierende Dokumentation über die Planung, Durchführung und Evaluation des Projektes