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Der Neorealismus und die Kubakrise. Eine Erklärung aus theoretischer Perspektive

von Lirana Kadiewski (Autor)

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Neorealismus nach Kenneth N. Waltz
2.1. Entstehung und Entwicklung des Neorealismus
2.2. System, Struktur und Akteure im Neorealismus
2.3. Der Machtbegriff im Neorealismus

3. Die Kubakrise
3.1. Die Vorgeschichte der Kubakrise
3.2. Die Kuba-Krise im Oktober 1962

4. Erklärungsansatz: Die Kubakrise aus theoretischer Perspektive
4.1. Der Neorealismus und die Kubakrise
4.2. Alternative Theorien

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Themengebiet der internationalen Beziehung zeichnet sich in der Politikwissenschaft vor allem durch die Erforschung von zwischenstaatlichen Beziehungen und zwischenstaat- lichen Konflikten aus, weswegen sich die darin entstandenen Theorien überwiegend auf die Erklärung der Entstehung oder einer möglichen Lösung solcher Konflikte konzentrieren. Doch auch der Verlauf und das Ende eines zwischenstaatlichen Konflikt sind wichtig für die entwickelten Theorien, da einige Theorien versuchen, einen möglichen Ausblick darauf zu geben, wie ein Konflikt hätte verlaufen können, sofern die beteiligten Akteure anders agiert hätten und was hätte geschehen müssen, damit ein Konflikt erst gar nicht entstanden wäre.

Als ein wichtiges historisches Ereignis in den internationalen Beziehungen gilt die Kubak- rise. Der Neorealismus, eine von dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Kenneth Neal Waltz elaborierte Theorie, gewann in diesem Zeitraum zunehmend an Bedeutung, da dieser, abgeleitet aus dem klassischen Realismus, die (nuklearen) Differenzen zu Zeiten des Ost-West-Konflikts zu erklären versucht und der klassische Realismus seit der Schwächung der US-amerikanischen Führungsrolle in den 1960er zunehmend an Bedeutung verlor. Die Kubakrise gilt als der Höhepunkt des Ost-West-Konflikts, da zu diesem Zeitpunkt der kalte Krieg zu einem heißen Krieg zu werden schien, wobei die Macht der UdSSR immer weiter wuchs und die Macht der USA reduziert wurde. Sowohl der Osten als auch der Westen be- fanden sich in einem jahrzehntelangen Rüstungsstreit, was dazu führte, das die Welt kurz vor einem atomaren Abgrund zu stehen schien, welche letzten Endes durch einen Rückzieher auf Seiten der UdSSR verhindert werden konnte. Nur dadurch wurde ein dritter Weltkrieg verhindert.

Die hier vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den kalten Krieg und vor allem die Kubakrise anhand der Theorie des Neorealismus zu erklären. Zunächst wird der Neorealismus erklärt und die verschiedenen Grundannahmen der Theorie vorgestellt. Daraufhin folgt eine detail- reichere Erklärung des kalten Krieges und der Kubakrise. Zum Schluss werden die Theorie und die Empirie mit der Orientierung an folgenden Fragen zusammengeführt: In wie fern erklärt der Neorealismus den kalten Krieg und die Kubakrise? Welche theoretischen Aspekte passen nicht zu einer umfangreichen Erklärung und existieren womöglich andere Theorien, die die hier vorgestellte Empirie eher, oder teilweise sogar besser erklären?

2. Der Neorealismus nach Kenneth N. Waltz

„States, like people, are insecure in proportion to the extent of their freedom. If freedom is wanted, insecurity must be accepted.” (Waltz 1979: 112).

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Definition der Theorie des Neorealismus. Zunächst gibt ein historischer Abriss einen Überblick auf die Entstehung und die zentralen Fragen dieser Theorie. Darauf folgt eine genauere Erklärung der für diese Theorie wichtigen Begriffe System, Struktur und Akteure. Zum Schluss wird in diesem Kapitel der Machtbegriff des Neorealismus vorgestellt.

2.1. Entstehung und Entwicklung des Neorealismus

Der Begriff des Neorealismus wurde überwiegend durch den US-amerikanischen Politikwissenschaftler Kenneth Neal Waltz geprägt. In den 1970er Jahren entwickelte er diese Theorie, da der klassische Realismus im Zuge des kalten Krieges vor allem in den 1960er Jahren zunehmend an Bedeutung und Erklärungskraft verlor.

Um den Neorealismus verständlich zu erklären, ist eine Definition seines unmittelbaren Vorgängers, dem klassischen Realismus, von Nöten.

Als Begründer des klassischen Realismus gilt der US-amerikanische Politikwissenschaftler und Jurist Hans Joachim Morgenthau. In seinem Werk „Macht und Frieden“ (original: „Peace among Nations“) definiert er umfangreich den Realismus als Theorie in den interna- tionalen Beziehungen. Sein Erkenntnisinteresse liegt dabei überwiegend auf der Frage nach dem politischen Wesen bzw. den Grundzügen des politischen Realismus, dem theoretischen Menschenbild, der Bestimmung der Kräfteverhältnisse zwischen den Staaten und der Wir- kung dieser Kräfteverhältnisse auf die internationalen Beziehungen und Institutionen. Die Gesetze der Politik haben nach Morgenthau ihren Ursprung im Wesen des Menschen (vgl. Morgenthau 19631948: 49). Als politische, rational handelnde Akteure gelten die Staaten im internationalen System, welche jeweils versuchen, durch ein rationales Kalkül ihre eigene Macht zu vergrößern, um ein Überleben im anarchischen, internationalen System zu gewähr- leisten (vgl. Gu 2010: 60).

Insgesamt lässt sich der klassische Realismus als systemische Theorie verstehen, deren Haupterklärungsfaktor die Machtverteilung zwischen den Staaten ist. Dabei liegt der Fokus auf dem Akteur; das Menschenbild ist machtorientiert. Generell ist Morgenthau der Auffas- sung, dass sowohl Innen- als auch Außenpolitik „(…) zwei verschiedene Ausdrucksformen derselben Erscheinung [.]“ sind, nämlich dem Kampf um Macht. (Morgenthau 19631948: 80). Wie auch im Neorealismus ist der Machtbegriff im klassischen Realismus ein wichtiger Begriff, an welchem sich die gesamte Theorie zu orientieren scheint. Macht bedeutet nach Morgenthau „(…) die Herrschaft von Menschen über das Denken und Handeln anderer Men- schen (…)“, politische Macht bedeutet „(…) die wechselseitige Machtbeziehungen zwi- schen den Inhabern öffentlicher Gewalt und zwischen diesen einerseits und dem Volk ande- rerseits.“ (Morgenthau 19631948: 71). Das Hauptziel aller Staaten ist die Friedenserhal- tung wird durch zwei Faktoren gewährleistet: Zum einen ist dieses Streben in der Gesell- schaft verankert und kommt auf internationaler Ebene im Mächtegleichgewicht zum Aus- druck, zum anderen gewährleisten „(…) das Völkerrecht, die internationale Moral und die Weltmeinung [.]“ als normative Beschränkungen den Frieden (Morgenthau 19631948: 68). Im Umkehrschluss ist also davon auszugehen, dass ein fehlendes Mächtegleichgewicht oder Verschiebungen in der Machtverteilung zu Kriegen führen.

Da sich die Geschehnisse des kalten Krieges durch den klassischen Realismus erklären las- sen, nicht jedoch dessen Ende, entwickelte Waltz den Neorealismus bzw. den strukturellen Realismus, dessen genauere Bedeutung und Unterscheidung zum klassischen Realismus im weiteren Verlauf dieses Kapitels erörtert werden. Als eine der zentralen Fragen des Neorea- lismus gilt die, warum Staaten trotzdem unterschiedlicher politischen Systeme oder Ideolo- gien in ihren außenpolitischen Handlungen ähnlich agieren. Im Fokus stehen bei neorealis- tischen Untersuchungen die sogenannten „high politics“, zu welchen die Sicherheitspolitik zählt. Soziale oder ökonomische Faktoren werden dabei außer Acht gelassen (vgl. Schörnig 2010: 68).

2.2. System, Struktur und Akteure im Neorealismus

Theorien in den internationalen Beziehungen zeichnen sich vor allem durch drei wichtige Begriffe aus: (internationales) System, Struktur und Akteur. Je nach Theorie wird diesen Begriffen eine unterschiedliche Priorität eingeräumt (vgl. Lemke 2006: 6).

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Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668332102
ISBN (Buch)
9783668332119
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343576
Note
2,0
Schlagworte
Kuba-Krise Neorealismus internationale Beziehungen Kalter Krieg Ost-West-Konflikt UdSSR USA Rüstungsstreit

Autor

  • Lirana Kadiewski (Autor)

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Titel: Der Neorealismus und die Kubakrise. Eine Erklärung aus theoretischer Perspektive