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Inklusiver Unterricht. Wirksame Lernumgebungen und Handlungsmaximen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inklusion
2.1 Schulische Inklusion
2.2 Von der Homogenität zur Diversität

3. Wirksame Lernumgebungen und Handlungsmaximen für den inklusiven Unterricht

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Inklusion. Gerade wenn man sich intensiver mit diesem Thema beschäftigt – so wie ich zum Beispiel im Rahmen meines Lehramtsstudiums – fallen einem auch im Alltag viele Situationen und Gegebenheiten auf, die an eine solche inklusive Vorstellung gekoppelt sind – oder auch nicht. Keine abgeflachten Bordsteine, wo aber welche sein sollten; Hinweisschilder, die nicht für jeden erschließbar sind; Behindertenparkplätze, die scheinbar kleiner sind als normale Parkplätze; das Wort ‚normal‘, wenn es sich nicht um Behindertenparkplätze handelt. Es gibt viele Hürden, denen Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft entgegentreten müssen und durch welche ihnen das Leben erschwert wird. Die Umgebung spielt in einem störungsfreien Leben im inklusiven Kontext in unserer Gesellschaft eine große Rolle.

Übertragen lässt sich dieses Bild des Straßenverkehrs auch auf den unterrichtlichen Kontext. Auch hier wirkt das Leitbild der Inklusion seit einigen Jahren prägend. Und auch hier kommt der Rolle der Umgebung eine wichtige Aufgabe zu. So lässt sich die Frage der Zugänglichkeit aller Klassenräume und der allgemeinen Barrierefreiheit der Schule stellen. Auch das Denken aller beteiligten Personen in Registern wie ‚normal‘ oder ‚nicht normal‘ findet sich im Klassenraum wieder, steht aber der Teilhabe von allen Schülern und Schülerinnen[1] am Unterricht in inklusiven Settings entgegen. Darüber hinaus gibt es aber auch während des Unterrichtsgeschehens viele Prinzipien, Leitsätze und Handlungsweisen, die eine Lernumgebung zu einer wirksamen und guten Lernumgebung machen. Solche Umgebungen können sich positiv auf das Lernverhalten auswirken und unterstützen somit den Anspruch einer inklusiven Schule positiv. Welche dies sind und wie sich solche im inklusiven Setting erreichen lassen, versucht die vorliegende Arbeit zu beantworten.

Dafür findet zunächst eine begriffliche Annäherung an den Begriff der Inklusion besonders im Hinblick auf den schulischen Kontext statt. Danach werden Eigenschaften einer wirksamen Lernumgebung nach Sliwka dargestellt, die als Grundlage für daraus zu schließende Handlungsmaximen dienen. In einem abschließenden Fazit werden sowohl wesentliche Inhalte zusammengefasst, als auch auf den symbolischen Gehalt des Bildes auf dem Deckblatt eingegangen.

2. Inklusion

Ein bedeutender Schritt in der Entwicklung und Etablierung des Leitbilds der Inklusion stellt die Behindertenrechtskonvention und deren Ratifizierung im Jahr 2008 dar. Diese baut auf der Menschenrechtskonvention auf und deklariert sowohl die allgemeinen Menschenrechte, als auch im Besonderen die Menschenrechte für behinderte Menschen. Sie trägt den Leitgedanken, dass alle Menschen, mit und ohne Behinderung, uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt teilhaben und dass die Verschiedenheit aller Menschen wertvoll ist (vgl. UN-Behindertenkonvention. Verfügbar unter: http://www.behindertenrechtskonvention.info/).

Doch Inklusion geht hierüber noch hinaus, da es alle Facetten der Heterogenität der Menschen miteinbezieht, worunter beispielsweise Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Nationalität und Mehrsprachigkeit fällt. Eine solche Heterogenität muss als Chance und Bereicherung für das gesellschaftliche Leben angesehen werden und darf in keiner Weise zu Diskriminierung führen (vgl. Hinz, 2004). Ein weiteres Ziel dieses niemals endenden Prozesses der Inklusion, stellt Amrhein dar, indem sie sagt, dass es darum geht, die Teilhabe aller Menschen an sozialen Gemeinschaften zu steigern und individuell oder kollektiv erlebte Barrieren zu verringern (vgl. ebd., 2011, S. 15). Sehr treffend stellt auch Barkowsky ein wesentliches Ziel heraus, nämlich die Entwicklung individuell erfüllender, sinnstiftender Lebenskonzepte und einer umfassenden Identitätsfindung in einer inklusiven Gesellschaft: „Das beinhaltet vor allem, dass Gemeinsamkeiten und allgemeine Bürgerrechte in den Vordergrund gestellt, und nicht Unterschiede akzentuiert werden.“ (ebd., 2011, S. 20f)

Anhand dieser definitorischen Annäherungen ist erkennbar, dass Inklusion ein Phänomen darstellt, dass die gesamte Gesellschaft betrifft und vielerlei gesellschaftliche Bereiche umfasst. Dennoch soll im Folgenden die schulische Inklusion im Fokus stehen.

2.1 Schulische Inklusion

Neben der UN-Behindertenrechtskonvention war es auch besonders die Salamanca-Erklärung, die der Inklusion auch in die Schule Eingang gewährte. Grundsätzlich deklariert die Salamanca-Erklärung, dass Kinder mit sonderpädagogischem Bedürfnissen Zugang zu regulären Schulen erhalten, und diese fähig sind mit den besonderen Bedürfnissen in angemessener Weise umzugehen (vgl. UNESCO, 1994, S. viii). „Sonderpädagogische Bemühungen werden hier im Kontext eines für alle Kinder anzustrebenden Bildungsrechts innerhalb des allgemeinen Erziehungswesen gesehen.“ (Amrhein, 2011, S. 27)

Die besondere Bedeutsamkeit, die die Inklusion seitdem erfährt, wird auch im Schulgesetz deutlich, als dass beispielsweise bereits im §2 des Schulgesetzes NRW 2016 Bezug auf ein diskriminierungsfreies Lernen und Leben an Schulen genommen und im Besonderen auf SuS mit sonderpädagogischen Bedürfnissen eingegangen wird (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2016, S. 2).

Dass Inklusion immer weiter Eingang in den schulischen Alltag erfährt, zeigt sich auch anhand vieler Diskussionen um eine bestmögliche Umsetzung dieser und durch die damit verbundenen (Forderungen nach) Änderungen im Schulsystem.[2] Deshalb liegt in der Auseinandersetzung mit der schulischen Inklusion ein besonderer Bedarf vor und wird in dieser Arbeit mit Hinsicht auf wirksame Lernumgebungen thematisiert. Als Grundlage dienen Sliwkas Ausführungen, deren grundlegendes Denken im folgenden Kapitel knapp dargestellt wird.

2.2 Von der Homogenität zur Diversität

Von der Homogenität, zur Heterogenität, zur Diversität – mit diesen Begriffen beschreibt Sliwka in ihren Ausführungen (ebd., 2012, S. 169f) einen Wandel der Schulkultur, indem die Entwicklungsetappen des Begriffssystems dargestellt werden. Die Annahme der Homogenität der Schülerschaft hat eine lange und dominante Tradition, in der – entgegen dem Inklusionsgedanken – keine Anerkennung von Unterschieden vollzogen wird. Sliwka warnt hier deutlich davor, SuS aufgrund von unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, komplexen Begabungsprofilen und verschiedenen Motivationslagen und Interessen beim Lernen in homogene Gruppen einzuteilen (vgl. ebd., 2012, S. 169). „Gleiche Lernziele, ein übereinstimmender Lerninhalt, gleiche Lernschritte und dieselbe Lernzeit für alle Lernenden einer Klasse sind Relikte des frühen 19. Jahrhunderts […]“ (Esslinger-Hinz & Sliwka, 2011, S. 141f).

Das sich daraus entwickelnde Paradigma der Heterogenität geht einen Schritt über solche exkludierenden Annahmen hinaus, indem es die Unterschiedlichkeit als Herausforderung ansieht, welcher man sich stellen sollte. Dies kann beispielsweise durch Modifikationen geschehen, um unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dies wird als Integration bezeichnet.

Die höchste Instanz dieses dreischrittigen Systems ist die Diversität, in welcher die Unterschiede als Gewinn und Ressource für individuelles und wechselseitiges Lernen und Entwicklung gesehen werden. Sliwka formuliert zu letzterem Ansatz sehr trefflich:

„Im Paradigma der Diversität wird die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler […] als ‚Bildungsgewinn‘ wahrgenommen. Die Diversität der Individuen hinsichtlich ihrer herkunftsbedingten Sozialisation, ihren ethnischen und religiösen Wurzeln, ihrer Begabungsprofile und Interessen innerhalb einer Schule kann dann zu einer Lernressource werden, wenn dazu im Unterricht und in der Organisation einer Schule die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden.“

(ebd., 2012, S. 170f.)

Und genau dieser Gedanke sollte Teil und Zielvorstellung des Unterrichts sein und dient deshalb auch als Grundgedanke der folgenden Ausführungen, indem die genannten notwendigen Voraussetzungen im Hinblick auf wirksame Lernumgebungen thematisiert und konkretisiert werden. Denn „eine gute Schule ist eine Schule der Diversität.“ (ebd., 2012, S. 171)

3. Wirksame Lernumgebungen und Handlungsmaximen für den inklusiven Unterricht

Wie bereits zu Beginn deutlich wurde, sind Lernumgebungen besonders ausschlaggebend für ein erfolgreiches Arbeiten im Unterricht. Der Begriff der Lernumgebung ist allerdings sehr weit gefasst und gerade in Sliwkas Ausführungen werden jegliche Faktoren miteinbezogen, die für ein erfolgreiches Lernen wichtig sind. So lassen sich einige Faktoren aufzählen, die zu diesem Verständnis einer Lernumgebung passen.

„Unter Lernumgebung ist im weiten Sinne das gesamte räumliche, mediale und materiale Arrangement und im engen Sinne die Struktur der Lernmaterialien bzw. Lernaufgaben zu verstehen.“ (Kleinknecht, 2010, S. 14) Unter Lernumgebung können des Weiteren auch alle individuellen und eigenverantwortlichen Lernprozesse und non-direktives Lehrerhandeln mit einbezogen werden (vgl. ebd., 2010, S. 13).

Sliwka begründet die Notwendigkeit der Beschäftigung mit Lernumgebungen mit einer veränderten Organisation des Lernens, um dem Leitbild der Diversität gerecht zu werden (vgl. ebd., 2012, S. 171). Ihre Annahmen einer guten Lernumgebung drückt sie in sieben Thesen aus, die im Folgenden erläutert werden. Darüber hinaus werden sich hieraus ergebene Handlungsmaximen für Lehrkräfte beleuchtet und im Hinblick auf einen inklusiven Kontext ausgeführt.[3]

[...]


[1] Schülern und Schülerinnen wird im Folgenden mit SuS abgekürzt.

[2] Siehe hierzu u. a. Ahrbeck 2014, der die Frage nach einer inklusiven Gesellschaft und dessen Umsetzung in der Schule thematisiert. In Esslinger-Hinz & Sliwka 2011 wird die Forderung nach Ganztagsschulen dargelegt, um der Diversität der Schülerschaft gerecht zu werden.

[3] Alle Thesen und zugrundeliegenden Annahmen, beziehen sich, soweit nicht anders markiert, auf Sliwka 2012, S. 172 – 176.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668333581
ISBN (Buch)
9783668333598
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343521
Note
2.0
Schlagworte
inklusiver Unterricht Inklusion Lernumgebung Schule

Autor

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Titel: Inklusiver Unterricht. Wirksame Lernumgebungen und Handlungsmaximen