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Green Controlling im Supply Chain Management. Trend oder Notwendigkeit?

von Lisa Villing (Autor) Nora Bohland (Autor) Verena Kreidler (Autor)

Hausarbeit 2016 29 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Green Controlling
2.1.1 Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitscontrolling
2.1.2 Abgrenzung von Green Controlling
2.2 Supply Chain Management
2.2.1 Begriffserklärung
2.2.2 Abgrenzung von Green Supply Chain Management
2.2.3 Abgrenzung von Green Logistics
2.3 Arbeitsgrundlage

3 Einflussfaktoren auf Green Controlling im SCM
3.1 Ressourcenknappheit und Klimawandel
3.2 Änderung im öffentlichen Bewusstsein
3.3 Rechtlicher Rahmen und Zertifizierungen
3.4 Strategie und Wirtschaftlichkeit

4 Trend oder Notwendigkeit?

5 Fazit und Ausblick

6 Anhang

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Strategische Zielsetzungen einer ökologischen Unternehmensausrichtung

Abbildung 2: Integration des Green Controllings innerhalb der internen und externen Wertschöpfungskette

1 Einleitung

Unternehmen und Supply Chains stehen in ständigem Austausch mit ihrem Umfeld. So sind sie getrieben, sich den Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt anzupassen. Eine seit einigen Jahren anhaltende Veränderung ist die Fokussierung auf nachhaltige Entwicklung. Diese wird bestärkt durch stetig steigende Globalisierungsaktivitäten, die in langen Transportwegen und einer erhöhten Umweltbelastung resultieren. Aufgrund dieser Tatbestände integrieren Unternehmen zunehmend ökologische Aspekte in die Unternehmensstrategie. Das sogenannte „Greening“[1] hat sich bis dato in einzelnen Unternehmensbereichen bereits etabliert. Begrifflichkeiten wie „Green Logistics“ sind aus der Berichterstattung nicht mehr wegzudenken. Mit der Integration grüner Aspekte in das Controlling eines Unternehmens wird sich in der Praxis jedoch bisher nur in geringem Maße auseinandergesetzt. Es zeichnet sich allerdings auch in diesem Teilbereich über die letzten Jahre eine zunehmende Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte ab.[2] Zusätzlich zu äußeren Einflussfaktoren findet auch intern ein Paradigmenwechsel in Unternehmen und ihren Supply Chains statt: Ökologie stellt nach Dr. Uwe Michel - Leitungsmitglied der Horváth & Partners GmbH – heutzutage nicht mehr nur einen Kostenfaktor, sondern vielmehr einen Wettbewerbsfaktor dar. So resümiert er, dass das Controlling auf Basis der genannten Entwicklungen gefordert ist, als Unterstützungsfunktion dem Management zu assistieren, um die Ökologieperformance mittels angepasster Instrumente zu messen und zu steuern.[3]

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Thematik auseinander. Sie strebt an, Aufschluss über den tatsächlichen Bedarf der Integration von ökologischen Aspekten ins Controlling des Supply Chain Managements zu geben. Die Argumentation basiert auf der Analyse und Einschätzung differenzierter Einflussfaktoren auf das Green Controlling. So wird schlussendlich eine fundierte Aussage hinsichtlich der Relevanzbewertung von Green Controlling im Supply Chain Management getroffen - handelt es sich hierbei schlichtweg um eine temporäre Modeerscheinung oder vielmehr um eine Notwendigkeit, ohne deren Integration die langfristige Wettbewerbsfähigkeit einer Supply Chain zukünftig nicht mehr gewährleistet werden kann?

Um diese Fragestellung ganzheitlich zu beantworten, werden im zweiten Kapitel die relevanten Begrifflichkeiten erläutert. Daraufhin wird in Kapitel drei eine Auswahl an Einflussfaktoren auf Green Controlling vorgestellt, um schlussendlich in Kapitel vier eine fundierte Stellungnahme zur Frage nach Trend oder Notwendigkeit abgeben zu können. Kapitel fünf fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf weitere Entwicklungen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Green Controlling

2.1.1 Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitscontrolling

Der Begriff Nachhaltigkeit hat sich im Laufe des 21. Jahrhunderts zum Trendwort entwickelt.[4] Per Definition wird Nachhaltigkeit beschrieben mit den Worten: „Meeting the needs of the present without compromising the ability of the future generations to meet their needs.“[5] Diese Auslegung wurde 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung veröffentlicht. So sollen die Lebenschancen künftiger Generationen im Sinne des Erhalts der natürlichen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlage der Gesellschaft garantiert werden.[6] Die ökologische Funktionalität, ökonomische Effizienz und soziale Verantwortung wurden erstmals von der Brundt-land-Kommission innerhalb eines Drei-Säulen-Ansatzes als die Kriterien für nachhaltige Entwicklung genannt.[7]

Unter der ökologischen Funktionalität versteht man den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen für Mensch, Tiere und Pflanzen sowie eine schonende Nutzung natürlicher Ressourcen und deren Sicherung für nachfolgende Generationen. Um dies zu gewährleisten, müssen der globale Energieverbrauch sowie die Ressourcen- und Verkehrsströme dementsprechend verringert und durch erneuerbare Ressourcen substituiert werden.[8] Auf den ökologischen Aspekt der Nachhaltigkeit wird in Literatur und Praxis häufig mit dem Zusatz „Green“ referiert. Unter der sozialen Verantwortung versteht man im Allgemeinen die dauerhafte, menschenwürdige Existenzsicherung und den damit verbundenen Erhalt des Sozialkapitals.[9] Die ökonomische Effizienz zielt weiterhin auf die Aufrechterhaltung des Wohlstandes heutiger und auch zukünftiger Generationen ab.[10] So soll die Entwicklungs- und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft erhalten und Einkommen und Beschäftigung gewahrt werden.[11] Durch die Integration aller drei Nachhaltigkeitsdimensionen stellt nachhaltige Entwicklung eine strategische Herausforderung dar.[12] Aufgrund der Eigengesetzlichkeiten jeder einzelnen Dimension müssen bei der Operationalisierung die Wechselwirkungen zwischen den Dimensionen und ihren Zielsetzungen ermittelt und beachtet werden.

Wie einführend erwähnt, ist die Anpassung der Unternehmensausrichtung an die Anforderungen und Bedürfnisse der Stakeholder eines Unternehmens essentiell, um den langfristigen Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Die Interessengruppen erwarten, dass Unternehmen ihre Rolle als Teil der Gesellschaft wahrnehmen und die damit einhergehende Verantwortung voll ausfüllen.[13] Nachhaltigkeit wird innerhalb des Nachhaltigkeitsmanagements in die Wertschöpfungsprozesse eingebunden. Dieses versteht sich als schnittstellenübergreifende Funktion, die Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette nimmt.[14] Dieses Verständnis impliziert demnach auch die Integration der Thematik in die vorhandenen Controllingprozesse, -instrumente und -methoden. Um eine Verschmelzung von Kerngeschäft und Nachhaltigkeit langfristig zu etablieren und zu wahren, bedarf es der Implementierung eines Nachhaltigkeitscontrollings, da die Umsetzung und Orientierung an Nachhaltigkeit geplant, gesteuert und kontrolliert werden muss.[15]

2.1.2 Abgrenzung von Green Controlling

Green Controlling umfasst die Integration ökologischer Nachhaltigkeitsaspekte ins Controlling eines Unternehmens oder einer Supply Chain und stellt somit eine Teildisziplin des Nachhaltigkeitscontrollings dar.[16] In Literatur und Praxis zeichnet sich einerseits eine synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten Öko-Controlling, Umweltcontrolling und Green Controlling ab, anderseits wird Green Controlling auch als letzte Stufe im Entwicklungsprozess der ganzheitlichen Integration ökologischer Aspekte ins Controlling gewertet.[17]

Die Kernaufgabe von Green Controlling liegt darin, im Rahmen ökologischer Unternehmensziele, durch den Einsatz umweltorientierter messender, bewertender und steuernder Instrumente, sowohl Schwachstellen als auch Optimierungspotentiale zu analysieren.[18] Es fordert und fördert demnach die Umsetzung ökologieorientierter Maßnahmen und leistet somit einen großen Beitrag zur Erreichung von Umweltzielen. Zu betonen ist in diesem Zusammenhang, dass Green Controlling nicht die Aufgabe hat, grüne Daten zu erzeugen, sondern lediglich die Aufbereitung, Analyse und Darstellung generierter Informationen durchführt und somit eine Transparenz bezüglich ökologischer Gegebenheiten sicherstellt.[19]

Neben der Betrachtung als integrative Teildisziplin des Controllings wird Green Controlling oft als Teilsystem des Umweltmanagements eines Unternehmens vorgestellt. Green Controlling wirkt demnach als interdisziplinäre Querschnittsfunktion und fokussiert sich auf die Beschaffung und entscheidungsorientierte Aufbereitung von Informationen hinsichtlich Rohstoff- und Energiedaten, die innerhalb des Produktlebenszyklus generiert werden.[20] Die Daten werden anhand ihrer ökologischen sowie rechtlichen und gesellschaftlichen Wirkung bewertet und konkret aus den folgenden Größen abgeleitet:[21]

- Ressourcenverbräuche und deren Umwelteinwirkungen
- Umwelteinwirkung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und ihrer Vorproduktion
- Emissionen in der Wertschöpfungskette
- Umwelteinwirkungen bei Ge- und Verbrauch sowie bei Entsorgung der Produkte[22]

Green Controlling setzt sich zusammenfassend das Ziel, Managemententscheidungen zu unterstützen und stellt somit einen wesentlichen Treiber und Unterstützer des „Greenings“ in Unternehmen und Supply Chains dar.[23] In diesem Zusammenhang schreibt Dr. Péter Horváth den Controllern die Rolle des Business Partners des Managements zu, der sich durch proaktives Handeln und eine ganzheitliche Kommunikation auszeichnet.[24] Die entsprechenden Aufgaben im Rahmen des Green Controllings sind in Anhang eins aufgeführt.

2.2 Supply Chain Management

2.2.1 Begriffserklärung

Der Begriff des Supply Chain Management ist in der Wissenschaft nicht eindeutig definiert, da er seinen Ursprung in der Unternehmenspraxis hat und erst seit Ende der 80er Jahre in der Literatur diskutiert wird.[25] Daher werden im Folgenden einige Definitionsansätze vorgestellt.

Zum einen kann Supply Chain Management in Abgrenzung zur Logistik definiert werden. Eine Gruppe von Autoren sieht das Supply Chain Management im direkten, engen Bezug zur Logistik oder benutzt diese Begriffe sogar synonym. Hierbei wird die Supply Chain als Liefer-, Versorgungs- oder Logistikkette übersetzt. Andere Autoren definieren Supply Chain Management als ein Managen von Geschäftsprozessen und ziehen dadurch keinen direkten Bezug zur Logistik.[26] Koch stellt in ihrem Buch wiederum Logistik als Teilbereich des Supply Chain Managements dar, der als „interorganisatorische[r] Aspekt der logistischen Management-Aufgabe“[27] fungiert.

Eine andere Sichtweise betrachtet das Supply Chain Management als eine Weiterentwicklung der Fluss- und Prozessbetrachtung, die nicht nur die eigenen, direkten Lieferanten und Kunden, sondern die unternehmensübergreifenden Prozesse und Schnittstellen der Wertschöpfungskette berücksichtigt. Somit werden in der Betrachtung der Supply Chain als unternehmensübergreifendes Netzwerk auch die Lieferanten der Lieferanten usw. in die Planung und Optimierung mit eingebunden.[28] Dieser Netzwerkgedanke wird auch in der Ursprungsdefinition von Handfield und Nichols aufgefasst: „The supply chain is the network of organisations that are involved, through upstream and downstream linkanges, in the different processes and activities that produce value in the form of products and services in the hand of the ultimate customer.“[29]

Die weiterentwickelte Definition von Monczka, Trent und Handfield greift die ursprünglichen Aspekte auf und führt diese weiter aus. Sie beinhaltet somit alle wesentlichen Punkte, die eine Supply Chain charakterisieren. Der in der Hausarbeit verwendete Supply Chain Management Begriff stützt sich damit auf folgende Definition: „The supply chain encompasses all activities associated with the flow and transformation of goods from raw materials stage associated information flows. Material and information flow both up and down the supply (extraction), through to the end user, as well as the chain. The supply chain includes systems management, operations and assembly, purchasing, production scheduling, order processing, inventory management, transportation, warehousing, and customer service. Supply chains are essentially a series of linked suppliers and customers; every customer is in turn a supplier to the next downstream organization until a finished product reaches the ultimate end user. Supply chain management (SCM) is the integration of these activities through improved supply chain relationships, to achieve a sustainable competitive advantage”.[30]

In einem unternehmensübergreifenden Netzwerk benötigt man ein Unternehmen, welches die führende Rolle sowie die zentrale Organisation und Steuerung übernimmt. In einer Supply Chain vertritt diese Position das fokale Unternehmen. Ein fokales Unternehmen hat in der Regel den größten Einfluss auf das Produktdesign und die Auswahl der Lieferanten. Meist handelt es sich hierbei um Unternehmen, die ein Endprodukt produzieren und damit auf dem Markt vom Kunden als Marke wahrgenommen werden. Dadurch haben sie eine enge Beziehung zum Kunden und bestimmen zudem die Vertriebskanäle.[31]

2.2.2 Abgrenzung von Green Supply Chain Management

Der Begriff des Green Supply Chain Managements wird in der Literatur nicht einheitlich gehandhabt und ist noch nicht weit verbreitet. Das Green Supply Chain Management kombiniert die Begriffe „Green“ und „Supply Chain Management“. Demnach umfasst Green Supply Chain Management die Planung und Steuerung aller wertschöpfenden, unternehmensübergreifenden Aktivitäten von der Beschaffung der Rohstoffe, über die Produktion und Veredelung bis hin zur Auslieferung an den Endkunden, nicht nur unter Beachtung von Zeit-, Kosten-, und Qualitätsfaktoren, sondern auch insbesondere von Umweltaspekten. Green Supply Chain Management zielt darauf ab, alle Material-, Finanz- und Informationsflüsse innerhalb der Wertschöpfungskette nach grünen Aspekten auszurichten und somit sicherzustellen, sodass das Produkt, welches am Ende zum Kunden gelangt, ökologisch beschaffen, produziert und transportiert wurde. Alle internen Unternehmensbereiche, aber auch alle Partner, mit denen das verladende Unternehmen zusammenarbeitet, handeln nach ökologischen Grundsätzen.[32]

Das Green Design, welches bereits in der Produktentwicklung ressourcenschonende und ökologisch nachhaltige Aspekte beachtet, stellt ein erstes Handlungsfeld innerhalb des Green Supply Chain Managements dar. Green Operations umfasst die operativen Bereiche des Unternehmens wie Green Manufacturing und Remanufacturing. Hierbei werden zum einen Prozesse geplant, welche so wenige Abfälle wie möglich produzieren. Weiterhin tragen Recyclingprozesse dazu bei, dass Abfälle aufbereitet und wiederverwendet werden können. Einen zusätzlichen Wirkungsbereich des Green Supply Chain Managements umfasst die Logistik und das Netzwerkdesign.[33] Als grüner Ansatz kommt hierbei das Prinzip der Reserve Logistics zum Tragen, welcher sich mit den Prozessen rund um den Rücktransport von neuen und gebrauchten Produkten „back upstream“, also entgegengesetzt der Wertschöpfungskette, zu Reparatur-, Wiederverwendungs-, Weiterverkaufs-, Recycling- oder Verschrottungszwecken beschäftigt.[34] Der Bereich Waste Management umfasst die Abfallvermeidung und -entsorgung sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Umweltverschmutzung.[35] Des Weiteren werden auch die externen Akteure der Supply Chain mit eingebunden, um ökologische Nachhaltigkeit auch in den vorgelagerten Stufen des fokalen Unternehmens zu integrieren. So werden ökologische Anforderungen an die Lieferanten und Sublieferanten herangetragen. Zudem wird auch das Ende der Wertschöpfungskette, die Nutzenphase des Konsumenten, betrachtet. Hierbei können Unternehmen auch einen Beitrag zur Verringerung der Umweltbelastung leisten.[36]

2.2.3 Abgrenzung von Green Logistics

Bereits deutlich geläufiger und etablierter als Green Supply Chain Management ist der Begriff Green Logistics. Der Fachausdruck Green Logistics ist aktuell in aller Munde, hat erheblich an Bedeutung zugenommen[37] und wird schon von vielen Unternehmen verwendet. Aufgrund dessen wird dieser im Zusammenhang mit Green Supply Chain Management näher erläutert.

Wie auch bei der Einordnung der Logistik ins Supply Chain Management bestehen bei der Einordnung des Green Logistics ins Green Supply Chain Management verschiedene Ansätze. So kann bspw. die Grüne Logistik als integraler Bestandteil und Teilbereich des Green Supply Chain Managements angesehen oder aber im Sinne des klassischen Entwicklungsstufenmodells als vorgelagerte Entwicklungsstufe zu grünen unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsketten, sog. Green Supply Chains aufgefasst werden.[38]

Innerhalb beider Zuordnungen lässt sich jedoch der grüne Aspekt aus dem Green Supply Chain Management auf die Logistik übertragen. Green Logistics beinhaltet also zusätzlich zum ökonomischen auch den ökologischen Aspekt der Nachhaltigkeit und bewertet die ökologischen Auswirkungen logistischer Prozesse.[39] Dabei sind insbesondere transportbedingte CO2-Emissionen ein großer Einflussfaktor. Durch den Menschen freigesetzte Treibhausgase (v. a. CO2) sind der Haupttreiber der globalen Erwärmung. Allein der Straßengüterverkehr trägt mit ca. 5% zu den globalen Treibhausgasemissionen bei, was die nächsten Jahre aufgrund des steigenden Transport- und Verkehrsvolumens sowohl auf relativer als auch auf absoluter Basis zunehmen wird. Die Grüne Logistik beschäftigt sich als Reaktion auf diese Entwicklungen mit der Findung neuer CO2-armer, energieeffizienter Transportmöglichkeiten, um einen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen, zur Erreichung von Klimaschutzzielen und letztlich zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu leisten.[40] Ökologie und Wirtschaftlichkeit werden in einer ökoeffizienten Logistik vereint. Diese entwickelt grüne logistische Maßnahmen und Umsetzungsstrategien, die aus ökologischer Sicht sinnvoll sind und bspw. anhand ihrer Kosten und Treibhausgasemissionen bewertet werden können.[41]

Weder in der Wissenschaft noch in der unternehmerischen Praxis liegt ein einheitliches Begriffsverständnis über „Green Logistics“ vor. Über das Ziel der Green Logistics sind sich jedoch die meisten Autoren im Groben einig: „[…]Verbesserungen beim Ressourcenverbrauch und der Umweltverträglichkeit[…]“[42]. In Anhang zwei werden weitere Definitionen aus der Literatur aufgezeigt, welche das Verständnis von Green Logistics vervollständigen sollen. Klar wird, dass Green Logistics mehr ist als die Messung von CO2-Emissionen. Weitere ökologische Umweltaspekte werden in bestehende Logistikprozesse integriert.[43] ^

2.3 Arbeitsgrundlage

Kennzahlen und Controllinginstrumente kommen zur Steuerung von Green Logistics, insbesondere zur Messung und Reduktion von CO2-Emissionen bzw. zur Bewertung des Carbon Footprints[44], bereits zum Einsatz. Dadurch kann sowohl die Berücksichtigung ökologischer Aspekte als auch deren wirtschaftliche Bewertung und Effizienz sichergestellt werden.

Die CO2-Emissionen in der Logistik sind bei vielen Produkten anteilig an der gesamten Wertschöpfungskette gesehen jedoch sehr klein, sodass der Wirkungsgrad in der Supply Chain deutlich größer ist als allein in der Logistik. Denn auch wenn die deutsche Industrie schon beachtliche Erfolge bei der Umsetzung von Ökostandards erreicht hat, wird bei den Zulieferern weniger genau hingeschaut. Ein Nebeneffekt der Globalisierung von Wertschöpfungsnetzen ist, dass mit der Auslagerung der Produktion in andere Länder auch die CO2-Emissionen ausgelagert werden.[45]

Die relativ junge Disziplin des Supply Chain Management geht über die Unternehmensgrenzen und über die reine Logistik hinaus. So fokussieren sich die weiteren Betrachtungen in dieser Arbeit auf das Green Controlling allgemein im Supply Chain Management. In den folgenden Kapiteln soll erörtert werden, ob das Green Controlling in der Wertschöpfungskette, sprich die Integration ökologischer Aspekte ins Supply Chain Controlling als temporäre trendartige Erscheinung oder tatsächlich als Notwendigkeit bewertet werden kann. Dafür werden zunächst vier wesentliche Einflussfaktoren näher erläutert.

3 Einflussfaktoren auf Green Controlling im SCM

3.1 Ressourcenknappheit und Klimawandel

Die Erde bringt alle Ressourcen hervor, die zur Herstellung jeglicher Produkte benötigt werden. Daher sind die Unternehmen darauf angewiesen, jederzeit Zugang zu den betriebsnotwendigen Rohstoffen zu haben. Doch einige Rohstoffe wie Erdöl, Gas und Uran sind nur begrenzt auf der Erde vorhanden, was in Zukunft die Preise auf den Beschaffungsmärkten in die Höhe treiben wird.[46] Bereits heute haben Unternehmen mit stark schwankenden Preisen auf den Weltmärkten zu kämpfen und müssen dafür Risikominimierungsstrategien entwickeln.[47] Doch nicht nur die knappen fossilen Ressourcen stellen ein Risiko dar, sondern auch der allgemein enorme Rohstoffverbrauch. Laut dem Living Planet Report 2014 des WWF werden bereits 1,5 Erden benötigt, um den heutigen Rohstoffbedarf zu decken. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wird sich dieses Problem weiter zuspitzen.[48]

Der Klimawandel beschäftigt die Menschen besonders seit dem Koyoto-Protokoll 1997.[49] Es lässt sich nicht mehr abstreiten, dass der Lebensstil und das Konsumverhalten der Menschheit einen maßgeblichen Anteil zur Umweltbelastung, v. a. der Ausstoß von Treibhausgasen, zum Klimawandel beitragen. Treibende Kräfte sind hierbei insbesondere die Unternehmen des industrialisierten Nordens.[50] Dies begründet eine Verantwortungsübernahme der Unternehmen, die Folgen des Klimawandels zu minimieren. Denn diese werden sich auch langfristig negativ auf die Wirtschaft auswirken.[51] Beispiele sind Ernteausfälle und damit verbundene Versorgungsrisiken und Kosten.

„Unternehmertum verpflichtet“ - dieses bekannte Sprichwort impliziert, dass Unternehmen der Gesellschaft gegenüber eine Verantwortung haben.[52] Somit sind gesellschaftliche Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtige Aspekte, die von den Unternehmen aufgegriffen und verantwortungsvoll in der Unternehmung integriert werden müssen, um den Erhalt der Gesellschaft nachhaltig mitzugestalten.[53]

Unternehmen können durch Nachhaltigkeitsberichterstattung ihre nachhaltigen Bemühungen, Aktivitäten und Leistungen festhalten. Die Zahl der Unternehmen, die in Deutschland Nachhaltigkeitsreports auf Basis der Richtlinien der Global Reporting Initiative herausgebracht haben, ist seit Ende der 90er bis zum Jahr 2007 auf 100 angestiegen.[54] Controlling ist ein wichtiges Instrument bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes, da es die nötigen Informationen und Daten zusammenträgt, woraus Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. In Bezug auf das Nachhaltigkeitsberichtswesen können Unternehmen mit Hilfe des Controllings den Erfolg ihrer bisherigen Aktivitäten kontrollieren und nachweisen. Dadurch werden bisherige sowie zukünftige Maßnahmen gegenüber den Stakeholdern gerechtfertigt.[55]

3.2 Änderung im öffentlichen Bewusstsein

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den Köpfen der Konsumenten angekommen und wird häufig in den Medien thematisiert. Negative Berichte und Schlagzeilen, wie z. B. über den Klimawandel, übermäßigen Ressourcenverbrauch und die Meeresverschmutzung, führen dazu, dass viele Menschen ihren Lebensstil und somit auch ihr Kaufverhalten überdenken und nachhaltiger gestalten wollen. Dadurch stehen die Unternehmen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und Einflussmöglichkeit im Fokus des öffentlichen Bewusstseins, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.[56] Gerade das Internet trägt durch die Möglichkeit des globalen Informationsaustausches maßgebend dazu bei, dass das Handeln der Unternehmen transparent und jeder Fehltritt publik wird. Besonders durch das Engagement von NGOs und Gewerkschaften werden durch unternehmerisches Handeln verursachte Umweltskandale, wie Ölkatastrophen oder massive Abholzung von Regenwäldern, aufgedeckt.[57] Dies führt zu einem schlechten Unternehmensimage, das negative wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Die Reputation eines Unternehmens ist für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend, denn sie beeinflusst die Kaufentscheidung des Kunden und stellt somit einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Themen, die das Image eines Unternehmens um 15 % aufwerten und es von seinen Mitkonkurrenten abhebt.[58]

Die Nachfrage nach ökologisch nachhaltigen Produkten steigt, Ökologie entlang der Supply Chain wird damit zum Kaufargument.[59] Bei einer Endverbraucherstudie der Unternehmensberatung Kienbaum gaben 89% der Befragten an, dass sie für umweltfreundlich produzierte Waren bereit sind mehr zu zahlen. 38% der Studienteilnehmer sind bereit bis zu 25% des Kaufpreises draufzulegen, 33% würden sogar 50% mehr Geld ausgeben.[60] Doch die Preissensibilität in Bezug auf Nachhaltigkeit ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich, da sich der Preis, den der Kunde bereit ist zu zahlen, aus dem Nutzen des Produktes für den Käufer ergibt.[61]

Die Relevanz von Nachhaltigkeit im Unternehmen hängt maßgeblich von den Stakeholdern ab, die als Treiber die unternehmerischen Tätigkeiten beeinflussen. Dazu gehören zum einen interne Stakeholder wie Mitarbeiter, Eigentümer und Manager, zum anderen externe Anspruchsgruppen wie Kunden, Gesellschaft, Politik, NGOs und Fremdkapitalgeber. Je stärker die Interessengruppen eine ökologische Ausrichtung des Unternehmens fordern, desto größer ist der Druck Maßnahmen zu ergreifen.[62]

Als kurzfristige Reaktion auf das veränderte öffentliche Bewusstsein betreiben einige Unternehmen Greenwashing. Der Begriff Greenwashing bedeutet, dass Unternehmen gezielt ihren Werbemaßnahmen, dem Produktdesign, den Marken und der Außendarstellung ein grünes Image verschaffen. Diese Vergrünung soll dem Kunden eine umweltorientierte Ausrichtung und umweltfreundliche Produkte glaubhaft machen, ohne dass tatsächlich langfristig ökologische Maßnahmen ergriffen werden. Die Gesellschaft ist durch die Medienberichterstattung dahingehend bereits sensibilisiert und demzufolge starker grüner Selbstdarstellung von Unternehmen kritisch gegenübergestellt. Deshalb ist es umso wichtiger nur grüne Aktivitäten zu publizieren, die auch tatsächlich so umgesetzt werden und einen reellen Beitrag zum Wohlergehen der Umwelt liefern.[63] Durch einen Nachhaltigkeitsreport, welcher mit Hilfe des Green Controllings als Kontrollinstrument nachvollziehbare und korrekte Daten liefert, kann ein Unternehmen den Verdacht auf Greenwashing minimieren.[64]

[...]


[1] Der Begriff „Greening“ umfasst die umweltgerechte Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten in der operativen Unternehmenspraxis. Vgl. Schrader/Vollmar (2013), S. 8.

[2] Vgl. Isensee (2011), S.1.

[3] Horváth & Partners (2012).

[4] Vgl. Weber (2012), S. 13.

[5] World Commission on Environment and Development (1987), S. 43.

[6] Vgl. Grunwald/Kopfmüller (2012), S. 12.

[7] Vgl. Koplin (2006), S. 22.

[8] Vgl. Scherenberg (2011), S. 138f.

[9] Vgl. Müller-Christ (2014), S. 68.

[10] Vgl. Hauff (2009), S. 18f.

[11] Vgl. Danielli/Sonderegger (2009), S. 41.

[12] Vgl. Koplin (2006), S. 22.

[13] Vgl. Colsman (2016), S. 2.

[14] Vgl. Colsman (2016), S. 42.

[15] Vgl. Colsman (2016), S. 40.

[16] Vgl. Benkendorff/Stehle/Wiedmer (2011), S. 2.

[17] Vgl. Internationaler Controller Verein e.V. (2011), S. 10.

[18] Vgl. Benkendorff/Stehle/Wiedmer (2011), S. 2.

[19] Vgl. Scheffner/Pham Duc (2015), S. 162.

[20] Vgl. Internationaler Controller Verein e. V. (2011), S. 4.

[21] Vgl. Neuhaus (2008), S. 246f.

[22] Vgl. Neuhaus (2008), S. 246f.

[23] Vgl. Nagy (2013), S. 85.

[24] Vgl. Biel (2013), S. 23.

[25] Vgl. Werner (2013), S. 3; S. 6.

[26] Vgl. Werner (2013), S. 12.

[27] Vgl. Koch (2012), S. 246.

[28] Vgl. Arndt (2008), S. 46.

[29] Handfield/Nichols (1999), S. 2.

[30] Monczka/Trent/Handfield (2002), S. 4.

[31] Vgl. Wette (2011), S. 47.

[32] Vgl. Keuschen/Klumpp (2011), S. 19.

[33] Vgl. Keuschen/Klumpp (2011), S. 20.

[34] Vgl. Coyle u.a. (2009), S. 631.

[35] Vgl. Keuschen/Klumpp (2011), S. 20.

[36] Vgl. Küberling/Beermann (2015), S. 309.

[37] Vgl. Lohre/Herschlein (2010), S. 3.

[38] Vgl. Keuschen/Klumpp (2011), S. 7.

[39] Vgl. Gross (2013), S. 16.

[40] Vgl. Gross (2013), S. 15.

[41] Vgl. Gross (2013), S. 11.

[42] Deckert (2016), S. 23.

[43] Vgl. Keuschen/Klumpp (2011), S. 6.

[44] Ökologischer Fußabdruck bzw. CO2-Bilanz eines Produkts: nach ISO 14067:2013 international standardisiert und definiert als „sum of greenhouse gas emissions and removals in a product system, expressed as CO2 equivalents and based on a lifecycle assessment using the single impact category of climate change” International Organization for Standardization (2013).

[45] Vgl. Ramge (2014), S. 26.

[46] Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (2016).

[47] Vgl. Küberling/Beermann (2015), S. 310.

[48] Vgl. World Wide Fund For Nature (2014), S. 9f.

[49] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2015).

[50] Vgl. Bundesministerium für politische Bildung (2013).

[51] Vgl. Ott, Richter (2008), S. 14.

[52] Vgl. Kirchhof, Nickel (2014), S. 44.

[53] Vgl. Colsman (2016), S. 19f.

[54] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2007), S. 5.

[55] Vgl. Günther/Steinke (2016), S. 83f.

[56] Vgl. Kirchhof, Nickel (2014), S. 115.

[57] Vgl. Merck/Fleischer (2013), S. 116.

[58] Vgl. Merck/Fleischer (2013), S. 121.

[59] Vgl. Horváth/Isensee/Michel (2012), S. 43.

[60] Vgl. Kienbaum (2013), S. 27f.

[61] Vgl. Colsman (2016), S. 27f.

[62] Vgl. Internationaler Controller Verein e.V. (2011), S. 16.

[63] Vgl. Colsman (2016), S. 128.

[64] Vgl. PWC (2016).

Details

Seiten
29
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668333307
ISBN (Buch)
9783668333314
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343505
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1,0
Schlagworte
Green Controlling Supply Chain Management Supply Chain Controlling Greening Grünes Controlling Nachhaltigkeitscontrolling Green Supply Chain Management Nachhaltigkeit Ökologie Green Logistics

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