Lade Inhalt...

Auf Götterpfaden über den Pazifik. Die Geschichte der vermeintlichen Osterinselschrift – Teil 2

Fachbuch 2016 136 Seiten

Geschichte - Australien, Ozeanien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Ich sehe was, das Du nicht siehst

2 Wir sehen, was wir sehen wollen!

3 Wenn zwei das Gleiche sehen ist es noch lange nicht dasselbe

4 Die Sache haben die Menschen gesehen - aber nicht die Ursache

5 Das Ziel der Wissenschaft ist es immer gewesen, die Komplexität der Welt auf simple Regeln zu reduzieren

6 Das Volk liebt den Verrat - nicht den Verräter

7 Quantité negligeable - unzulässig in der Rongorongo-Forschung

8 Mit durchgebogenen Seilen zieht man keine Masse

9 Fünf verrückte Atua

10 Sag’ mir, was du tust - dann sag’ ich dir, wer du bist

11 Das große Fressen in Rongorongo

12 Land essende Sterne

13 Wer bei Kleinigkeiten keine Geduld hat, dem misslingt der große Plan...

14 Handzeichen meinen „mit-der-Hand-zeigen-Zeichen“

15 Yellow Submarine „Fisch mit Armen“ in Rongorongo

16 Der Kopf steuert die Hand - nicht umgekehrt

17 Die Sterne sind der Kompass - zuverlässig

18 . . . den Vorhang zu und alle Fragen offen

19 Nur wer sein Ziel kennt, findet den richtigen Weg

20 Das Interesse am Anderen war einseitig

21 Vom Himmel hoch, da komm’ ich her

22 Ich hab’ da mal eine Frage

23 Der Mensch ist das klügste aller Wesen - weil er Hände hat

24 Das Zeichen im Zeichen

25 Unsichtbare Zeichen sind „sichtbar“

26 Ein kleiner Irrtum am Anfang wird am Ende ein großer

27 Aller guten Dinge sind drei

28 Oben ist unten und unten ist oben - rechts ist links und links ist rechts

29 Und wenn sie nicht gestorben sind - leben sie noch heute

1 Ich sehe was, das Du nicht siehst

Die Grundlage der Rongorongo-Forschung sind sehr kleine Zeichen, in teils harte Hölzer gekerbt. Nun müsste man meinen, dass solche Zeichen ein objektiver Tatbestand sind, der von allen Menschen identisch erkannt werden müsste. Von unseren fünf „klassischen Sinnen“, die bereits der Philosoph Aristoteles beschrieb, benutzt die Rongorongo-Forschung eigentlich nur den Sinn des Sehens. Und damit haben wir den Gau als ständigen Begleiter der Forschung schon richtig erkannt.

Bezüglich der Zuverlässigkeit unserer Sinne: sehen - hören - riechen - schmecken und tasten haben die Götter außerordentlich schluderig gearbeitet. Nichts lässt sich einfacher täuschen und uns vorgaukeln, was es gar nicht gibt, als alles das, was über unsere Augen als „sehen“ wahrgenommen wird. Jeder unserer Sinne ist locker leicht manipulierbar, wenn man weiß, wie es geht.

Es gibt tausende von UFO Sichtungen aus allen Teilen der Welt. Mit heutiger Technik braucht ein Raumschiff 75.000 Jahre zum nächsten Stern und immer noch vier Jahre, wenn es mit Lichtgeschwindigkeit fliegen könnte. Wohlgemerkt: das sind „one way“ Werte. Zurück zur Erde also in doppelter Zeit. Es gibt keinen wissenschaft- lich anerkannten Nachweis von UFOs oder außerirdischen Besuchern. Zu allen Zeiten haben Menschen am Himmel Dinge und Ereignisse gesehen, die sie nicht erklären konnten.

Seit 1850 wird „Bigfoot“ in den Wäldern Kanadas und in den Rocky Mountains gesehen. Es gibt auch hier tausende von protokollierten Sichtungen. Aber auch zu Bigfoot fehlen allgemein anerkannte Beweise seiner Existenz. Es gibt auch zu viele Fälschungen, die an der Wirklichkeit einer solchen Kreatur größte Zweifel angebracht erscheinen lassen.

Jedes Kloster entlang der Bergkette des Himalaya verwahrt alte Aufzeichnungen von Begegnungen oder mindestens Sichtungen, teils sogar angebliche Relikte des Yeti, der sich erst kürzlich als Himalaya-Bär entpuppte. Die untersuchten alten Skalps stammten von Yaks, Bergziegen und anderen Pelztieren, die in den Bergen des Himalaya beheimatet sind.

Es waren keineswegs nur Spinner und Fantasten, die über solche Begegnungen oder Sichtungen berichteten. Piloten meldeten während des Fluges Objekte, die sie sahen, Ranger fanden seltsame Fußspuren oder gaben an, Bigfoot gesehen zu haben. Ganze Mannschaften im Himalaya berichteten nach dem Abstieg über Spuren im Schnee vom Yeti.

Was ist da nur los und gibt es wenigstens eine plausible Erklärung, die nicht im Dunst der Esoterik, der Spekulation oder der offenkundigen Lügen angesiedelt ist? Es gibt sie und das Zauberwort heißt Wahrnehmungspsychologie.

Seit mehr als einhundert Jahren wird wissenschaftlich das Phänomen der Wahrnehmungstäuschungen erforscht und es gibt Ergebnisse, die wir alle nicht hören wollen, wissen möchten und weit von uns weisen. Die schrecklichste Erkenntnis führt nun direkt in die Rongorongo-Forschung, denn:

2 Wir sehen, was wir sehen wollen!

Das ist schon schlimm genug, aber eigentlich ist es noch viel schlimmer, denn wir glauben auch nur, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Was wir mit eigenen Augen sehen, glauben wir (leider meist) unkritisch, weil wir nämlich nur das sehen, was wir glauben wollen. Trotz allem sind Menschen in der Lage, Irrtümer einzu- sehen, Korrekturen vorzunehmen, in gewisser Weise sind die meisten von uns durchaus lernfähig. Wenn aber das zu Korrigierende nicht in unsere „Glaubenswelt“ passt, wenn es sogar unseren Kenntnissen, die wir so gerne mit Erkenntnissen ver- wechseln, widerspricht - was dann?

Im Laufe von fast 40 Jahren Forschung habe ich versucht, logische Arbeitsschritte (für mich selbst) zu finden. Die dabei gefundenen Mechanismen in der RongorongoKonstruktion wurden erklärt mit: die kleinsten Details haben eine Bedeutung.

Das bedeutet, dass man die kleinen Details an den Zeichen und den Zeichenverbindungen oder -kombinationen bewusst erkennen, also wahrnehmen muss, um sie überhaupt verstehen zu können.

Nach meiner Erfahrung sind dafür 3 Schritte erforderlich:

1. erkennen (empfinden)
2. v ehen (organisieren)
3. b men (einordnen)

(Die in Klammern gesetzten Begriffe kommen aus der Wahrnehmungspsychologie und

meinen im Prinzip genau das, was ich laienhaft formulierte über meine Vorgehensweise in der Rongorongo-Forschung).

Diese Reihenfolge ist in der Rongorongo-Forschung unumkehrbar, es muss immer mit dem richtigen Erkennen eines „grafischen Tatbestandes“ begonnen werden und das ist der schwerste Schritt.

Wenn ich nun angebe - selbst nach fast 40 Jahren im Umgang mit Rongorongo - noch immer neue Details zu erkennen bzw. bereits mir bekannte neu zu verstehen, ist das ein Hinweis darauf, auf welch verlorenem Posten Amateure stehen, die sich an Rongorongo versuchen. Nichts in der Welt ist vergleichbar mit der schier unbegrenzten Gabe der Maori Rongorongo, mit ihren Zeichen so kreativ und spielerisch umzugehen, dass jeder Versuch, das System in europäische Ordnungsprinzipien zu pressen, nicht greift. Erst, wenn man alle Solo-Zeichen erkennt, beginnt man ganz allmählich zu verstehen. Der dritte Schritt, den ich mit bestimmen (oder eben einordnen) angebe ist dann fast kinderleicht. Aber man darf nicht mit dem 3. Schritt beginnen! Es gibt ohne eine einzige Ausnahme bisher jedenfalls nur Arbeiten über Rongorongo, in denen genau diese falsche Vorgehensweise zu erkennen ist. Angefangen damit hatte bereits 1877 Jaussen, der sich als erster Laie erhoffte, Rongorongo mit Hilfe eines ausgekochten Betrügers verstehen zu können. Immerhin sah der Bischof selbst ein, dass er hinters Licht geführt wurde. Er verkniff sich deshalb lobenswerter Weise den ganzen Unfug auch noch zu publizieren von vorgesungenen Tafeltexten des angeblich schriftkundigen Plantagenarbeiters Metoro. Thomas Barthel ernannte dann eben diesen Osterinsulaner zum „wichtigsten Zeugen für Rongorongo-Notationen“ und scheiterte damit kolossal.

Ure, ein alkoholisierter Osterinsulaner, laberte 1886 Schiffszahlmeister Thomson dann Texte aus schwarz/weiss Fotografien vor (die er während seiner Rezitation überhaupt nicht ansah) von echten Objekten, die nun der amerikanische Linguist Steven Roger Fischer zur „Kronzeugenaussage“ stilisierte.

Es ist niemals gelungen, aus den Zeichen Texte abzulesen, obwohl seit 150 Jahren darauf bestanden wird, dass Rongorongo die Osterinselschrift ist und dass es deshalb auch Texte geben muss - wenn nicht anders, dann auch mit der Brechstange!

Die Genialität der Maori Rongorongo ist einmalig in der Kunstgeschichte, im Hinblick auf ihre schier unendlichen kreativen Schöpfungen zur Kombination oder Verbindung von Zeichen. Bisher hat die Rongorongo-Forschung weniger als 5% dieser kreativen Meisterwerke überhaupt erkannt. Warum und was ist der Grund dafür?

Ich bin Maler und kann mit meinen Möglichkeiten ganz leicht, einfach und schnell ein Experiment zeigen, dass die höchst unerwünschte, aber leider wahre und plausible Antwort gibt, auf die oben formulierten Fragen.

Zeichnung 1

Es ist eine Porträtskizze von Einstein, gefertigt als Bleistift-Strichzeichnung. Wer Einstein darin nicht erkennen will, wird mir dann wenigstens zugestehen, dass es sich bei der Skizze um einen alten Mann handelt. Ich habe nicht die Absicht gehabt, eine Probearbeit vorzulegen zur Aufnahmeprüfung in eine Kunst-Akademie. Meine Aussage zur Zeichnung hat den Titel: EINSTEIN. Wer nun was und warum mit Einstein und der kleinen abgebildeten Skizze in Verbindung bringt, interessiert nicht einmal in der Größenordnung eines Atoms. Einstein - und Schluss!

Zeichnung 2

Ebenfalls eine Bleistift-Strichzeichnung als Skizze von einer Zipfelmütze, mit schnellem Strich gezeichnet, dem unerlässlichen Attribut eines deutschen Gartenzwerges. Diese Kopfbedeckung wird aber in Märchen und anderen Erzählungen Zwergen generell zugeordnet.

Beide Zeichnungen sind in gleicher Größe, was den Vorlagen im Original natürlich nicht entspricht. Rongorongo-Zeichen sind aber bekanntlich auch alle in gleicher Größe. Bleistift Zeichnungen entsprechen den feinen Einkerbungen der Zeichen in Holz. Ich hätte z.B. ein gesatteltes Pferd zeichnen können und in der zweiten Zeichnung einen mit Stiefeln, Kappe und Gerte leicht erkennbaren Reiter. Spontan hätte dann jeder sofort eine Verbindung zwischen den beiden Zeichnungen „im Kopf“ hergestellt und die Kombination der beiden einzelnen Zeichnungen in eine neue sofort abgenickt. Ich hätte aber auch als Gegenstück zu Einstein eine Geige zeichnen können und das wäre dann der gleiche Effekt wie bei Pferd und Reiter. Aber das Genie Einstein und eine Zipfelmütze in einen Atemzug zu nennen, zu zeigen, sich vorzustellen? Das geht gar nicht.

Doch:

Zeichnung 3

Ich sehe diese kleine Bleistiftzeichnung als Einheit und keinesfalls als aus zwei Versatzstücken zusammengebastelt. Ich sehe die Zeichnung ganzheitlich und zerlege sie keinesfalls in die Details „Zipfelmütze“ und „Porträt Einstein“. Ich kann überhaupt nicht anders sehen, immer nur ganzheitlich, denn diese Art des Sehens ist uns mit der Evolution zugedacht. Deshalb sehe ich auch eigentlich überhaupt nicht die Zeichnung als eine grafische Arbeit - gelungen oder nicht - sondern empöre mich über „mich selbst“, weil das Genie Einstein despektierlich zeichnerisch behandelt wurde. Was soll diese Zeichnung denn sagen? Einstein als „Wissenschaftszwerg“ oder „Zwergwissen“ oder soll er gar als Weihnachtsmann dargestellt worden sein?

Andere Menschen mögen es anders sehen, denn diese als Experiment gearbeitete Bleistiftzeichnung provoziert Emotionen zwischen laut und leise, hell und dunkel, heiß und kalt - das ganze Spektrum des Pro und Contra muss herhalten. Aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sieht kein Mensch, der das Buch liest, meine experimentelle Einstein-Zeichnung zusammengesetzt aus Zipfelmütze und Einstein Porträtzeichnung.

Kein Mensch sieht die Zeichnung so:

Jeder Mensch sieht die berühmten Blumenbilder aus der Renaissance ganzheitlich als Summe einzelner Blumen. Jeder Mensch sieht den Herbstwald als Summe einzelner bunt gefärbter Blätter, und nicht einzelne gefärbte Blätter. Aus Einzelinformationen eines Bildes machen wir automatisch eine Gesamtinformation. Es stellt sich aber die Frage, ob das denn auch immer richtig ist?

Dass das „Sehen“ und die Weiterverarbeitung des Gesehenen in unserem Gehirn eine äußerst komplizierte Angelegenheit ist, kann jeder nachlesen. Für mich ist hier aber nur von Bedeutung, dass wir nie in Einzelinformationen z.B. gemalte Bilder sehen, sondern diese immer unbewusst zusammenführen zu einer ganzheitlichen Sichtweise.

Aus zwei einzelnen Zeichnungen habe ich eine dritte kombiniert, die wir als eine neue Zeichnung verstehen. Aber auch in unserer Sichtweise bleibt dabei die einzelne Information durchaus erhalten, in der Kombination wollen wir aber eine neue Gesamtinformation erkennen. Noch einmal und ganz naiv als Maler gesagt: Aus der Kombination „Zipfelmütze“ und „Porträtzeichnung“ (eines alten Mannes, den man als Einstein sehen kann oder nicht), wird die Zeichnung, der wir vielleicht unterschwellig den Namen geben:

Weihnachtsmann

In der Malkunst ist die Manipulation des Betrachters eines Bildes Usus. Optische Täuschung als Handwerkskunst ist uns Malern schon in die Wiege gelegt. Spielen mit Farben und Formen, um eine Realität zu schaffen, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, ist oberstes Gebot und höchstes Ziel. Wer Dinge so sieht und malt, wie sie aussehen, ist eben kein Künstler. Malen kann nur, wer die „Schule des Sehens“ absolviert hat. Zeichnen kann nur, wer genau diese Schule durchlaufen musste. Rongorongo ist aus der Seele von Künstlern entstanden und braucht als Widerpart zum Verständnis - zumindest am Anfang - einen Partner auf Augenhöhe.

Mir erschien die Arbeit mit den Zeichen manchmal wirklich wie die Restaurierung eines alten Meisterwerkes, dass unter Schmutzschichten aus Jahrhunderten zum Vorschein kommt.

Aus meiner Sicht war das „Original Rongorongo“ verschüttet unter Forschungen, die vorgaben zu wissen, wie man neues Leben in altes Holz bringt. Gearbeitet haben sie dabei mit der Axt, gebraucht hätten sie aber einen Wattetupfer.

In dem folgenden Text habe ich mir erlaubt, ein Wort gegen ein anderes auszutauschen, was den Sinn der Aussage aber nicht verfälscht. Anstelle des Wortes „Wissenschaft“ (im Originaltext) habe ich geschrieben „Forschung“:

Bei der Forschung gilt: Am Anfang steht der Zweifel. Der Zweifel ist der Beginn der Forschung. Wer nichts anzweifelt, prüft nichts. Wer nichts prüft, entdeckt nichts. Wer nichts entdeckt, ist blind und bleibt blind.

Teilhard de Chardin (1881 - 1956),

3 Wenn zwei das Gleiche sehen ist es noch lange nicht dasselbe

Das Grundübel jeder Forschung sind die vermeintlich gesicherten Erkenntnisse. Sie sind leider viel zu oft die „Königsklasse“ des gemeinen Irrtums. Sie sind der Fallstrick, den jeder Forscher um seinen Hals trägt, denn gesicherte Erkenntnisse sind viel zu oft Chimären, nur dazu da, der Wahrheit den Lebensnerv zu nehmen. Ihre Fan-Gemeinde zelebriert die Halbwahrheit, die schon immer die glaubwürdigste aller Lügen war, und verteidigt sie, bis es nicht mehr anders geht. Ursprünglich war Forschung „Geburtshilfe“ für das Neue und Forscher waren die „Hebammen der Wahrheit“. Heute ist z.B. Rongorongo-Forschung der fast aussichtslose Kampf gegen Vorurteile, festgefahrene Strukturen und gegen eine bestimmte Gruppe innerhalb der Science Society, die von den Beatles immerhin mit einem wunder- schönen song bedacht wurde - nowhere man.

Die Rongorongo-Forschung bietet eine Vielzahl von „gesicherten Erkenntnissen“, was angeblich über die Osterinselschrift bewiesen ist. Es macht doch keinen Sinn, dem Irrtum permanent ein update zu verpassen, was nur noch tiefer in die Hilflosigkeit führt. Gebraucht wird ein rigoroser re-set, der neue Verbindungen knüpft und uns wieder handlungsfähig macht.

Richtiges Sehen ist bisher in der Rongorongo-Forschung niemals angewandt worden, sonst wären die gesicherten „Irrtümer“ gar nicht erst entstanden. Und das lässt sich eindrucksvoll jedem Menschen vor Augen führen, der nicht längst für die Wahrheit verloren ist, weil für ihn Rongorongo die geheimnisvolle und niemals zu entziffernde Osterinselschrift ist und auch bleiben soll. Leider sind die Vertreter dieses Irrglaubens die Führer der Blinden, die mit der Krankheit aufgewachsen sind und deshalb die Gesundheit für eine böse Krankheit halten.

Jeder Mensch hat das Recht, in einem Kunstwerk zu sehen, was er sehen will. Kein Mensch hat das Recht, in Rongorongo-Zeichen zu sehen, was er sehen will, sie zu deuten, wie er sie gedeutet haben will, sie zu interpretieren, wie er sie interpretiert haben will. Kein Mensch hat das Recht, die Bedeutung von Rongorongo-Zeichen zu bestimmen, ohne Angabe der Quelle seiner Information bzw. ohne den „zeichnerischen Beweis“ vorzulegen, woraus sich z,B. Kombinationen bilden. Da aber ein solcher Beweis in der Wissenschaft unbekannt ist, wird er niemals anerkannt, denn es kann ja immer nur das sein, was sein darf und niemals das, was nicht sein darf.

Es lässt sich beweisen, dass mit Heine-Geldern bereits 1938 der Begriff der „Osterinselschrift“ unwidersprochen etabliert und bis heute niemals in Zweifel gezogen wurde. Geradezu eine Renaissance als Wiederentdeckung für die Rongorongo-Forschung erlebt der Russe Kudryavtsev. Er hatte die Büchse der Pandorra geöffnet, obwohl er doch die Forschung in das gelobte Land führen wollte, in dem er erkannte, was vor ihm noch nie jemand erkannt hatte. Aber das Sehen und Erkennen in der Rongorongo-Forschung und die Interpretation des Sachverhalts sind nicht zwei verschiedene, unabhängig voneinander zu bewältigende Aufgaben - sie sind aus einem Guss. Wann begann die Massenvergewaltigung der Zeichen und wer ist uns dafür die Rechenschaft schuldig? Präzise hinsehen und nicht liederliches „ wunsch-sehen “ muss gefordert werden - dabei bleibe ich. Unbelehrbar

4 Die Sache haben die Menschen gesehen - aber nicht die Ursache

Die Feststellung hatte der Philosoph Aurelius Augustinus (354 - 430) getroffen und ich will sie unverändert übertragen wissen auf das, was sich seit 1864 so alles Rongorongo-Forschung nennt.

(Natürlich kann man ohne den mühsamen Hürdenlauf zu absolvieren gleich auf das Podest springen an dessen Vorderseite die Zahl eins steht. Den obligatorischen Blumenstraußfür den Sieger kann man gleich selbst mitnehmen und die Medaille sich auch gleich selbst umhängen. Das geht ganz einfach, wenn man z.B. in der Rongorongo-Forschung die so eigenartigen Zeichen als dekoratives, aber stummes Beiwerk betrachtet, und in ihnen sieht, was man sehen will - und ganz schnell davon ablenkt, was wirklich zu sehen ist).

Immerhin hat sich Steven Fischer selbst zum Entzifferer gekürt und muss nun nicht mehr abwarten, bis seine Forschungen anerkannt werden, wovon er als einziger Mensch ausgeht. Er selbst hat entschieden:

The code finally is broken

Wir haben nun gegen seine „ Bruchstücke “ anzukämpfen!)

So hat man denn jüngst ein altbekanntes Thema ausgegraben, das man mit so gut wie keinen Kenntnissen der Rongorongo-Zeichen wissenschaftlich bearbeiten kann. Mit drei jungen russischen Männern 1940 in einem Museum in Leningrad begann für die „tanzenden Männchen“ eine Folter, die bis heute unverändert andauert.

Von den drei Jungen hat es nur einer in die Annalen der Forschung geschafft: Boris KUDRYAVTSEV. Er fiel im Großen Vaterländischen Krieg bei der Verteidigung seiner Heimatstadt Leningrad gegen die Soldaten des Massenmörders H. - so die heroische Fassung. Er ertrank in der Badewanne - so die profane. Bedeutsam geworden ist er, weil er so blind war, wie alle Rongorongo-Forscher vor und nach ihm. Er entdeckte in Rongorongo etwas, was es eigentlich nicht gibt, auf jeden Fall nicht so gibt, wie er es interpretierte und wie es bis heute verstanden wird:

parallele Zeichenfolgen

Parallele Stellen werden in der Rongorongo-Forschung verstanden als mehrere aufeinander folgende identische Zeichen auf verschiedenen Tafeln.

Man kann seit 1958 und erneut seit 1997 diese angeblich parallelen Stellen überprüfen anhand der Abschriften von Barthel und Fischer. Solche Transkriptionen hatte 1940 der junge Russe noch nicht zum Abgleich seiner Entdeckungen. Und deshalb kamen nach 1958 (Barthels „Grundlagen . . .) immer mehr parallele Zeichenfolgen ans Licht, in denen sich doch tatsächlich hier und da einige Zeichen fanden, die fast gleich aussehen.

Die vier Zeichen in der oberen Reihe sah der Russe Kudryavtsev als identische Zeichen mit gleicher Bedeutung. Und wir können davon ausgehen, dass er nicht den kleinsten Unterschied bemerkte zwischen diesen vier Zeichen. Gehen wir ruhig davon aus, dass seine Euphorie über die Entdeckung ihn blind gemacht hat. Er durfte keinen Unterschied sehen, weil ja sonst seine großartige Entdeckung ein großartiger Irrtum geworden wäre. Ebenfalls die beiden Zeichen in der unteren Reihe sah er als identisch. Nun waren die Ecken abgesteckt und das Spiel hatte freien Lauf. Es gab keine Kritik, sondern nur bewundernde Anerkennung der Entdeckung von „parallelen Gesängen mit Refrains en gros“.

Damit war eine neue Dimension eröffnet. Endlich verschwand das ständig bedroh- liche Damoklesschwert, denn nun konnte man Rongorongo-Forschung betreiben, ohne die lästige Forderung nach Erklärung zur Bedeutung der Zeichen, in die Tat umsetzen zu müssen. Und das war der Schlüssel zum Paradies. Barthel konnte deshalb auch Mondzeichen zählen, wie er sie brauchte, um den Mondkalender auf der Mamari zu entdecken. Inzwischen ist er mehrfach beschrieben worden, sogar schon bunt illustriert, wie Sie es im Internet nachlesen können. Zwar zeigen sich die Erscheinungsformen des Mondes von Nacht zu Nacht unterschiedlich, aber das ist für Rongorongo-Forscher wohl nicht bindend. Für sie besteht ein Mondkalender aus 30 oder 29 oder 28 oder 27 Tagen, also aus mehr oder weniger Sicheln. Man zählt (d.h. sieht!) immer gerade so viele Mondsicheln auf der Mamari, wie man braucht.

(Als man mich fragte, warum ein Mondkalender notiert wurde, gab ich zur Antwort: Wie sollten sonst die Frauen auf der Osterinsel die Mülltermine notieren?)

Auch diese beiden Zeichen sieht ein Forscher der Gegenwart als völlig identisch. Seit 1940 darf er das ja auch, denn er zitiert alle, die das auch so gesehen haben. Ich kann in der Größen- ordnung von über 150 solcher Verdrehungen, Verwechslungen und „Vergewaltigungen“ der wirklichen Zeichen aus den Forschungen vorlegen, die aus neuerer Zeit im Internet veröffentlicht wurden.

Es gefiel Barthel ganz und gar nicht, dass die „russischen Parallelen“ nicht in das rechtwinklige Denken seriöser Wissenschaft passen. So ganz gleichlautend oder gleichförmig waren die Zeichen für die „heiligen Gesänge von der Osterinsel“ dann auch wieder nicht.

So störte ihn, dass die vielen menschlichen Zeichen mit den Händen rumfuchtelten und die Köpfe sich auch nicht entscheiden konnten, in welche Richtung man denn eigentlich zu sehen hatte. So riskierte Thomas Barthel ab 1968 bis hin zu seiner letzten Veröffentlichung 1988 mit einem bösen Virus zu arbeiten, den er selbst in das System einbrachte, und ihm den Namen gab:

austauschbar.

Zu dieser ungeheuren Behauptung habe ich Barthel nicht befragt, ich habe ihn „zur Rede gestellt“ und eine nachvollziehbare, logische Erklärung verlangt. Die bekam ich nicht - aber eine Antwort:

Bisher hat sich doch niemand daran gestört - Sie sind der erste, dem das nicht passt.

Der letzte Damm der Vernunft war nicht von der Gewalt der Natur eingerissen, es war die unüberlegte Leichtfertigkeit eines Menschen das Forschungsgebiet Rongorongo zu vergiften, mit dieser niemals zu beweisenden Behauptung.

Die oberen Zeichen sollen austauschbar sein, die hier nur als ein Beispiel angeführt werden. Willkür gegen Absicht - wo bleibt die Vernunft?

Es gibt ein Problem, das in der gesamten Forschung von Anfang an vorhanden war, aber behandelt wird, wie „der Elefant im Raum“ - von jedem gesehen, von niemand beachtet. Barthel konnte doch nicht eine Habilitationsschrift vorlegen, in der das Zauberwort und Allheilmittel jeder Wissenschaft fehlt:

die Regel! ! !

5 Das Ziel der Wissenschaft ist es immer gewesen, die Komplexität der Welt auf simple Regeln zu reduzieren

(Benoit Mandelbrot, 1924 - 2010, Mathematiker)

In den „Grundlagen zur . . .“ finden Sie zwischen den Seiten 158 bis 168 im Kapitel 7 „Regeln und Häufigkeiten“. Regeln für Rongorongo-Notationen, wie wir sie uns vorstellen, finden Sie nicht unter der Überschrift, aber „Erbsenzählen“, deren Ergebnis nur ein Zerrbild der Wirklichkeit ist. Das am häufigsten vorkommende Zeichen ist tatsächlich bedeutungslos, weil es lediglich auf einem einzigen Objekt vorkommt und auch da nur auf einigen Zeilen. (Die wenigen Belegstellen auf den restlichen Objekten lasse ich unter den Tisch fallen). Das von Anfang an falsch verstandene häufigste Zeichen (mit 5,4% Anteil am CIPI) avancierte zum „wichtigsten Zeugen“ für den selbsternannten Entzifferer Steven Fischer.

Nur zur Erinnerung zeige ich die Zeichen, in denen der amerikanische Linguist Fischer jeweils den erigierten Penis erkennt. In dem Zeichen rechts erkannte ich das Zeichen mit gleicher Bedeutung.

Die einzige Regel für das Verständnis von Rongorongo ist die Feststellung, dass es keine Regeln gibt. (Sollte jemand dennoch eine solche herausfinden, ist sie falsch). In Rongorongo gibt es keine Ausnahmen, weil die dafür notwendige Regel fehlt. Ein Werk ohne Regeln kann es nach unserer Auffassung nicht geben, wenn solche „Kreativitätstöter“ fehlen, schreiben wir sie kurzerhand hinein. Regeln sind die Religion in der Forschung, weil man sonst nichts glauben könnte.

Das Konzept Rongorongo steht gegen alles, was uns hoch und heilig ist. Wir haben schon fast alles geregelt und regeln weiter, eben auch das, was sich uns in den Weg stellt.

Nur die Götter wissen, ob es mehr Regeln oder mehr Ausnahmen gibt. Die fehlenden Regeln für Rongorongo können selbst die Götter nicht erklären - aber damit kann man ganz gut leben!

Das haben wir nun geregelt und es ist an der Zeit, zu bilanzieren, ob es erklärbar ist, warum Rongorongo-Forschung so unbefriedigende und so wenig überzeugende Ergebnisse vorgelegt hat. Aus meiner Sicht sind es die Forschungen der nachfolgenden Personen im Zusammenhang mit Rongorongo, die es erklären können, warum wir nicht längst wissen, was doch eigentlich nicht sonderlich schwer herauszufinden ist.

Eyraud

In der ersten Sekunde nach der Entdeckung von Rongorongo auf der Osterinsel war es bereits unmöglich, diese Zeichen zu verstehen. Es war der Entdecker, der die Kugel in die Richtung stieß, in die sie noch immer läuft. Seine Vermutung, dass es sich ursprünglich um eine Schrift gehandelt hat, wurde nicht kritisch hinterfragt oder gar untersucht, sondern mit „leuchtenden Kinderaugen“ übernommen. Es wurde also von Anfang an behauptet, dass Rongorongo eine Schrift ist. Eyraud bekam für diese Annahme keinerlei Bestätigung von Osterinsulanern. Die „Osterinsel-Schrift“ wurde dann von den nachfolgenden Missionaren, Offizieren, Reisenden etc. hineingefragt und kam als erwünschte Antwort von den derart infizierten Osterinsulanern zurück.

Jaussen

Er kannte wohl den Faust I.Teil: Die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt der Glaube. Der einzige Mensch seit der Entdeckung von Rongorongo, der sich bewahrt hatte, nicht allzu leichtgläubig zu sein, war der damalige Bischof in Tahiti. Aus bester Absicht heraus, über einen vermeintlichen „Schriftgelehrten“ von der Osterinsel mehr über den Sinn und Zweck von Rongorongo zu erfahren, kam der Bischof zum Schluss tief enttäuscht darauf, dass er einem Scharlatan aufgesessen war.

Es waren Barthel und Fischer, die unverantwortlich besserwisserisch den Bischof posthum belehrten, dass sein Informant Metoro ein Maori Rongorongo war.

Routledge

Niemand und niemals wieder in der Rongorongo-Forschung hat sich jemand so viele „Bären aufbinden lassen“, wie in den Jahren 1914/15 die Engländerin auf der Osterinsel. Man erzählte ihr von Rongorongo-Schulen, Rongorongo-Korrespondenz, Rongorongo-Schriftgelehrten, die Texte rezitierend singend über die längst gestürzten Moai stolperten, sowie von Rongorongo-Themen zwischen Kamasutra und Bibel - über Rongorongo hatte die ambitionierte Lady zwar viel, aber nichts erfahren, was sich später als sachdienliche Information zeigen sollte.

Heine-Geldern

Die Anfänge von Rongorongo sind in der Mongolei und in China zu finden - das hatte er vor, uns weiß zu machen. Manifestiert hat er aber ohne Wenn und Aber den Begriff der „Osterinselschrift“ und damit der in die falsche Richtung laufenden Kugel noch einen kräftigen Tritt versetzt. Was der Gelehrte so alles über die Osterinselschrift zu erzählen wusste, erwies sich mit keinem Atom als verwertbar für die Forschung.

Kudryavtsev

Das zu seiner Zeit bereits fest verankerte „Wunsch-Denken“ in der Rongorongo- Forschung erweiterte der junge Mann mit großem Elan, den Entdecker gelegentlich verströmen, um das „Wunsch-Sehen“. Er selbst hatte seine Entdeckung der parallelen Zeichen nie veröffentlicht. Warum? Nun kann man leider nur spekulieren und seinen frühen Tod dafür verantwortlich machen. Man kann aber auch denken, dass der junge Mann nach der ersten Euphorie vielleicht selbst erkannte, einen Gang zurück zu schalten und sich alles nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Barthel

Für ihn habe ich ein karelisches Sprichwort gefunden, das seine damalige Situation ziemlich treffend beschreibt:

Sitzt du mit anderen in einem Kahn, halte dich an ihre Regeln.

Die Besatzung in dem Boot, das auf dem Fluss Styx in den Hades fuhr, listete Barthel im Vorwort zu seiner Habilitationsschrift auf. Alle seine Förderer und Gönner, alle seine Mitstreiter waren „Jünger der Osterinselschrift“, denn als Barthel forschte und schrieb, war jede Annahme oder Hypothese, dass Rongorongo weder eine Schrift ist, noch von der Osterinsel kommt, so fürchterlich wie Majestätsbeleidigung. Das war der damalige Zeitgeist, als Begriff heute eher negativ belastet, heißt er deshalb in der Wissenschaft mainstream. Barthel hatte doch die Tortur der Gehirnwäsche erfolgreich bestanden, weil er Zweifel an der Osterinselschrift nur bei denen sah, die nichts von Rongorongo verstehen:

. . . und so beschloss er messerscharf, dass nicht sein kann,

was nicht sein darf.

Alle Arbeiten von Barthel über Rongorongo sind die Grundlagen, um diese Zeichen und den Sinn des Ganzen niemals zu verstehen. Im übertragenen Sinn dokumentiert er, dass die Erde eine Scheibe ist. Ich habe ermittelt - weil er es selbst nicht wusste - dass er mehr als 1.500 Entzifferungen aus den Zeichen ablas. In keinem einzigen Text fand ich das, was ansonsten in der Fachliteratur zu finden ist, polynesisches Denken, Fühlen, Handeln - polynesische Seele. Alle seine Texte sind europäisches Wunschdenken über polynesische Lebensart.

Beispiel:

Der Vogelmann läuft - die Seeschwalbe fliegt zum König.

Es lauschen die abgesonderten Kinder

Sie hören den Gebeten zu

Dem Tafellesen beim Feste Im schattigen Festhaus

Die Beschreibung eines solchen Rituals versetzt mich in die Zeit des Rokkoko an den königlichen Hof mit Gewändern aus Samt und Seide, Flöten- und Cem- baloklängen im Hintergrund, chinesisches Porzellan auf den Tischen und Perücken nach Puder stinkend auf den kahlen Köpfen, Colliers aus Edelsteinen, getragen von Frauen und Männern. Das alles erinnert mich an die Genre-Bilder aus Barock und Rokkoko. So also dichteten Menschen, die in Erdhöhlen oder -löchern hausten, halbnackt herumliefen, an Hühnerknochen nagten, Fehden und ausgewachsene Kriege für nichts und wieder nichts führten, sowie jahrelang auf Steine einschlugen . .

Fischer

Im Verlauf meiner Forschungen über fast 40 Jahre hinweg, musste ich eine Menge Literatur durcharbeiten. Das ist ganz normal und stellt keine besondere Leistung dar. Ich habe dabei niemals unterschieden zwischen „gut“ oder „schlecht“, denn das sind lediglich subjektive Einschätzungen. Trotzdem habe ich diesbezüglich für meine Arbeitskonzeption radikal unterschieden zwischen „sachdienlich und hinweisgebend“ oder „unbedeutend“. Letzteres bezog sich weder auf den Forscher, noch auf seine Forschungen, noch waren damit persönliche Einschätzungen verbunden.

Ich habe in 40 Jahren niemals einen Artikel gelesen, der so unverhohlen und naiv gleichermaßen nur sein anvisiertes Ziel, nur sein persönliches Anliegen, vortrug, wie es Fischer in einem ganzen Buch vom ersten bis zum letzten Wort 1997 tat und publizierte.

Fischers Mix zwischen Fantasie und Wahrheit ist ein Giftcocktail, der alle bedient, die glauben, alles über Rongorongo zu wissen oder nicht zu wissen oder überhaupt nichts wissen wollen, die aber zum Schluss erkennen sollen, dass der große Zampano in der Rongorongo-Forschung erfolgreich zugeschlagen hat. Fischer ist ein Meister der „unbemerkten Fouls“, denn er verschüttet jeden Ansatz, Rongorongo nicht als Schrift zu verstehen, unter Beton. Seine Traumreise, mittels Rongorongo- Zeichen Texte von der Osterinsel auf den Tafeln nachzuweisen, wird für den kundigen Leser zum Albtraum. Fischer versteht dagegen seine Arbeit als die letzt- endliche Heilsbotschaft für alle die, die Rongorongo für unentzifferbar hielten.

Die „heile Welt der Rongorongo-Forschung“, die Fischer in seinem Buch doch nur vorgaukelt, mit Schriftgelehrten von der Osterinsel, mit Behauptungen über Rongo- rongo, die nicht einmal in die Nähe eines Beweises gelangen, weil sie auf dem Weg dahin längst verhungert sind, wurden bereits vor Drucklegung seines Buches von mehreren Wissenschaftlern ins Reich der Fantasie verwiesen. Das ist auch nicht die wirkliche Gefahr, die von seinen Thesen ausgeht. Seit nunmehr 20 Jahren steht noch immer die unbewiesene und unbeweisbare Behauptung von Fischer im Raum, dass Rongorongo die Osterinselschrift war, ist und bleiben soll bis ans Ende der Zeit und das sie auf der Osterinsel erfunden wurde. Forschung soll doch den Blick weiten und nicht einengen nur durch eine Röhre zu schauen. Mit der Kraft des Urknalls wurden in Sekunden alle Maori Rongorongo zu Analphabeten bezüglich ihrer vermeintlichen Schrift. Von jetzt auf gleich wusste niemand mehr, dass er einst etwas wusste. Die Forderung, “ back to the roots “ ist populär, leicht verständlich und äußerst pressewirksam. Fischer verkauft in seinem Buch was er vorher bereits zu Markte trug, nämlich den Anfang aller Anfänge gefunden zu haben für die Rongorongo- Forschung. Da angekommen fand er Fische, Vögel, einen erigierten Penis und die Sonne. Heureka? Das muss jeder selbst herausfinden. Mein Daumen zeigt nach unten.

6 Das Volk liebt den Verrat - nicht den Verräter

So sprach man zur Zeit Napoleons. Heute wissen wir es besser und internationaler, denn ich selbst bin längst in das Ghetto der „Whistleblower“ abgeschoben worden. Und das auf der heute gültigen Verdammnis mit Namen

bashing.

Der Beweis hat seine Stellung langsam und unbemerkt schleichend verloren, dafür rückt mehr und mehr die Behauptung an seine Stelle. Man gewinnt keine einzige Stimme mit dem Nachweis einer guten, soliden Arbeit. Man muss nur behaupten, zu wissen, wie alles noch viel besser zu machen ist - Stimmenfang heißt das Zauberwort - und nicht Stimmengewinn.

Am Anfang meiner Forschungen stand Prof. Barthel vor mir mit erhobenem Zeigefinger seiner rechten Hand und ermahnte mich, doch bitte auf dem Pfad der Tugend zu bleiben mit diesen Worten:

Sie können alles herausfinden - aber es muss Schrift sein!

Die „doch nur gutgemeinten Ratschläge“ unter allen Umständen dieses und jenes nicht zu schreiben, auf keinen Fall über . . . zu berichten, den Text so zu schreiben und doch bitte daran zu denken, was Journalisten gerne lesen und was nicht - diese Liste der Rat-Schläge ist die unendliche Geschichte meiner Forschungen. Wenn ich darauf aufmerksam mache, was alles, von wem und seit wann in der RongorongoForschung schief gelaufen ist, gilt das bereits als bashing. Wenn ich mit keinem Wort darauf eingehe und damit einen Eindruck vermittel, nichts über die bisherigen Bemühungen in der Rongorongo-Forschung zu wissen, ist das massives bashing, weil ich mich doch selbstherrlich darüber hinweggesetzt habe.

Die politische und gesellschaftliche Kultur in Europa hat sich leider polarisiert, wer nicht „dafür“ ist, ist selbstverständlich „dagegen“. In der heutigen Gesellschaft sind von Menschen etablierte Strukturen so mächtig geworden, dass die Kritik an jeder wissenschaftlichen Arbeit sofort (und ungeprüft) als bashing zu beschreiben ist, die von jedermann zerfetzt werden darf.

Wenn jemand nach 150 Jahren einer sehr speziellen Forschung an einem sehr speziellen Thema vorträgt, herausgefunden zu haben, wie man einen Teilbereich der Forschung, nämlich die Zeichen verstehen kann, aus dem Wissen derer, die sie einst erfanden, sollte man ihn und seine Forschungen erst dann für verrückt erklären, wenn man geprüft hat, was zur Prüfung vorgelegt wurde. Die Vorverurteilung zu verdammen ist nutzlos, man darf sie gar nicht erst anwenden.

Und mehr habe ich zu diesem Thema nichts anzumerken.

7 Quantité negligeable - unzulässig in der Rongorongo-Forschung

Allgemein anerkannt und praktiziert in der Naturwissenschaft besteht unter Wissen- schaftlern eine Übereinstimmung, dass man Kleinstmengen (z. B. in Experimenten) vernachlässigen darf, salopp ausgedrückt, „unter den Tisch fallen lassen kann“. In der Forschung gehen wir von ca. 15.000 Zeichen aus. So gesehen wären gerade einmal 9 Vorkommen des angeblichen Vogelmann-Zeichens diese vernachlässig- bare Kleinmenge. (Ich habe Zeichen gefunden, von denen sich nur ein einziges Vorkommen ausmachen lässt).

Zahlenmäßig lässt sich eine Kleinmenge nicht bestimmen, denn sie muss in den Bezug zu einer bekannten Gesamtmenge gesetzt werden. Aber das ist nicht der Punkt. Das angebliche Zeichen für den Vogelmann in Rongorongo wird als ein fundamentaler Beweis angeführt, dass Rongorongo die Osterinselschrift ist und dort auch entstanden sein muss. Dieser Hypothese wäre nur schwer zu widersprechen. wenn es Zeichen gäbe, die sich eindeutig mit den Moai-Köpfen oder den Ahu auf der Osterinsel in Verbindung bringen lassen. Steinerne Monumente (und auch Köpfe) sind zwar nicht ausschließlich auf der Osterinsel zu finden, aber das Design der Skulpturen ist nun wirklich einmalig für die Kunst aus alter Zeit auf Rapanui. (Erst kürzlich wurde übrigens ein solcher Moai auf Pitcairn Island gefunden). Stilisierte Moai als Zeichen in Rongorongo und das auch noch in beeindruckender Anzahl auf den hölzernen Objekten nachweisbar, wäre ein überzeugendes Indiz für die enge Verbindung zwischen Rongorongo und der Osterinsel. Es gibt aber kein Zeichen für die Steinköpfe. Was Barthel als solches sah, ist seine Fantasie. Es gibt auch kein Zeichen für den Vogelmann, auch dann nicht, wenn alle Dilettanten glauben, ein solches ausgemacht zu haben.

Noch immer ist die Frage nach der Herkunft von Rongorongo unbeantwortet. Ein Teil der Forscher behauptet, dass der Fundort und der Tatort identisch sind, womit für sie das Thema der Herkunft geklärt ist. Steven Fischer ist der radikalste Verfechter dieser These, für die er natürlich auch Beweise vorlegt, oder korrekter gesagt, das, was er dafür hält.

Fischer 1997 : 373

. . . one must concede that Easter Island ’ s rongorongo-script was not brought from somewhere else in the distance past - rongorongo originated on Rapanui in the recent past. In other words, rongorongo is unmistakably a late creation of the Rapanui people themselves.

Die mit dem totalen Zusammenbruch der alten Kultur neu erfundene Geschichte der Osterinsulaner behauptet, dass es der Stammvater Hoto Matu’a gewesen sein soll, der mit 67 Rongorongo-Tafeln zur Osterinsel kam. Demnach ein unverzolltes Importgut. Nun kann man aber ein Märchen von der Osterinsel gegen das andere von Fischer nicht ausspielen in der Hoffnung, so die Wahrheit zu finden. (Tradiert ist immer undatiert!)

Halten wir uns an Fakten, liefert Fischer immerhin Material. Sein Ansatz, in Rongorongo-Zeichen Indizien zu finden, die seine These der Entstehung von der vermeintlichen Osterinselschrift just da belegen, ist als Recherche zulässig. Fischer fand 5 Zeichen, deren Entstehung, also deren Vorbilder nach seiner Über- zeugung, nur auf Rapanui zu lokalisieren sind. „Endemisch“ heißt das Zauberwort.

Hier nun aus seinem Buch der Originaltext mit den entsprechenden Zeichen, die seine Hypothese beweisbar machen sollen:

Die Behauptung von Fischer, dass die hölzernen Reimiro „are known only to Easter Island culture“ und sonst nirgends in Ozeanien, ist längst widerlegt und wird hier überhaupt nicht mehr besprochen. So bleiben also noch vier Zeichen für eine Hypothese von grundlegender Bedeutung nicht nur zu Herkunft, sondern natürlich auch zum Verständnis von Rongorongo als Osterinselschrift..

Um es unmissverständlich zu sagen, müssen wir davon ausgehen, dass Rongorongo unentzifferbar wäre, weil wir nicht ein einziges Atom an zutreffender Information über das System als Ganzes und die Teile des Systems als Zeichen haben von der vermuteten Quelle, nämlich von der Osterinsel. Wenn nun Forscher behaupten, sie könnten eine reguläre atomare Explosion über Informationen zu Rongorongo nachweisen, und diesen Unfug auch noch als knallharte Beweise vorlegen, wollen diese Fachleute uns über den Tisch ziehen.

Es gibt keine einzige zutreffende Zeichenerklärung von einem Osterinsulaner, der behauptet hatte, Rongorongo in früher Jugend erlernt zu haben. Es ist niemals gelungen, aus den Zeichen Texte zu extrahieren, die nachprüfbar waren.

Die bisher geleistete Forschung hat niemanden überzeugt, aber sie hat die Trotzreaktion mancher Forscher nur bestätigt, dass Rongorongo die Osterinselschrift zu sein hat. Deshalb gehen sie davon aus, dass ein Irrtum in der Forschung über 150 Jahre hinweg so gut wie ausgeschlossen sein muss. Gut gesichertes Nichtwissen übersteht allemal den Anspruch, dass die Wahrheit immer zumutbar ist. Forschung kann beschleunigen und bremsen. Im worst case kann Forschung aber auch blockieren - und genau das ist über die bisher geleistete Rongorongo- Forschung (von teils hervorragenden Wissenschaftlern) festzustellen. Es ist doch sinnlos, immer wieder zu behaupten, dass die Sonne im Westen aufgeht und im Osten unter. Die Wahrheit ist exakt nach einer 180° Drehung zu finden und zu

sehen!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tangata heißt Mensch, Mann etc. Sie sehen das Zeichen genau so, wie ich es auch gesehen habe, denn es ist eines der Solo-Zeichen. Die Bedeutung werde ich später beschreiben, weil ich nun erst auf einen anderen Zusammenhang hinweisen möchte.

Diese menschliche Figur ist im Ballett der „tanzenden Männchen“ zweifelsfrei ein Hauptdarsteller mit sehr vielen Rollen, sehr vielen Auftritten, unterschiedlichen Kostümen und aktiven Handlungen - aber leider hat er keine „Sprechrolle“, er zwingt uns, seine Choreografie zu verstehen.

In meiner ersten Arbeit habe ich die „ü berflüssige weil doch allgemein bekannte Feststellung “ (O-Ton Barthel) getroffen:

Menschen haben keine Flügel.

Ich antwortete Barthel, das er z.B. nicht weiß, dass Menschen keine Flügel haben, denn er bezeichnet doch das Zeichen Nr. 200 mit tangata. Wenn die Maori Rongo- rongo aber ein solches Zeichen mit über 500 oder noch mehr Vorkommen in zahlreichen Variationen in ihre Tafeln kerbten, dann sagen sie für mich leicht verständlich, dass dieser „Mensch mit Flügeln“ genau das kann, wofür er Flügel hat: fliegen! Dann ist nicht die Erde seine Heimat, sondern der Himmel. Weil er aber kein Vogel ist, sondern ein fliegendes menschliches Wesen, ist er ein vergöttlichter Ahn, der als Stern am Himmel zu sehen ist. So machen die Flügel doch Sinn an dem Zeichen!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Manu heißt Vogel. Auch dieser anatomisch so perfekt dargestellte Vogel, in dem man einen Fregattvogel erkennen kann über seinen gebogenen Hakenschnabel, ist ein Solo-Zeichen. Auch dieser Vogel gehört zum Ensemble der Hauptdarsteller mit unterschiedlichen Rollen, Auftritten, Kostümen etc. - ganz so wie ein großer Ballett- abend sich zeigt. Auch er ist nur zu verstehen über den schwächsten unserer Sinne, das Sehen.

Solo-Zeichen können miteinander verbunden werden, wie z. B. der tangata mit dem manu:

Belegstelle Aa 6

Bereits im 1. Teil meiner Publikation habe ich aufgezeigt, dass Solo-Zeichen regel- recht in ihre Bestandteile zerlegt werden, um dann als Fragment mit anderen Zeichen kombiniert zu werden. Damit stellt sich eine grundlegende Frage zum Verständnis von Rongorongo, ob die zusammengesetzten Zeichen ein neues sind oder ob die in den Solo-Zeichen steckende Information erhalten bleibt und einzeln zum Verständnis herangezogen werden muss. Also eben nicht ganzheitlich, wie wir sehen und verstehen wollen, weil wir es nicht anders können, sondern Einzelinformation plus Einzelinformation plus Einzelinformation . . .

Wir machen aus Zipfelmütze plus Einstein den Bildinhalt: Weihnachtsmann. Das entspricht unserer ganzheitlichen Sichtweise, was bereits ausgeführt wurde. In exakt dieser Denkweise konstruieren nun Rongorongo-Forscher die beiden Signale „Mensch, Mann“ und „Vogel“ als Zeichen und setzen die beiden Informationen zusammen

zum Vogelmann, zum tangata manu

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit ist aus ihrer Sicht ein neues Solo-Zeichen entstanden, dass die Inhalte der beiden hierfür notwendigen Solo-Zeichen vollkommen ignoriert, weil anstelle der beiden Einzelinformation eine neue einzelne Information entstanden sein soll. Nach diesem Konzept arbeitet man in der Forschung seit 150 Jahren erfolglos und verteidigt es gegen jedwede Vernunft, die diesen katastrophalen Irrtum offenlegt und natürlich auch ändern will.

8 Mit durchgebogenen Seilen zieht man keine Masse

Gäbe es ein Zeichen für den Vogelmann in Rongorongo, wäre das alles andere als ein durchgebogenes Seil, das wären massive Kräfte für eine Beziehung zwischen den Zeichen und der Insel.

Das Zeichen Nr. 638 zählt zu den 5% der Zeichenkombinationen, die bisher erkannt wurden. Unübersehbar ist es aus dem Zeichen des „Sitzenden“ und dem typischen Schnabel des Zeichens für den

Fregattvogel zusammengesetzt. Das erkennen schon achtjährige Kinder! Der Sitzende ist in allen Vorkommen und Kombinationen in Rongorongo immer der Stern Beteigeuze im Sternbild Orion. Für

das Vogelzeichen, von dem nur der Schnabel gebraucht wurde, um ihn mit Beteigeuze zu verbinden, gibt es viele Sternkandidaten, die ich an dieser Stelle nicht weiter erklären kann, weil es hier um gänzlich andere Zusammenhänge geht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der Tafel Aruku Kurenga, Belegstelle Br 5, ist das einzige Vorkommen dieser Zeichenkombination zu finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Festzustellen ist, dass es das Zeichen 638 in der von Barthel gelisteten Form nicht gibt, was Fischer aber unverändert übernommen hat.

Auf ca. 15.000 Zeichen lediglich eine einzige Belegstelle anzuführen, um großspurig belehrend zu dozieren one must concede . . . dass Rongorongo nur auf der Osterinsel entstanden sein kann, ist unseriös.

Sogar Fischer stellt ja in seiner Fußnote fest, dass dieser angebliche Vogelmann sich aus zwei Zeichen bildet. Und das ist das weitreichende Problem, denn Fischer macht diese Kombination nun zum „Vogelmann“, er will nichts mehr wissen von den zwei Informationen, aus denen sich sein Vogelmann-Zeichen bildet, er deutet sofort einen neuen Inhalt, wie in allen Zeichenkombinationen und wie von allen Rongorongo- Forschern seit 150 Jahren. Aber sein neuer Inhalt ist doch nichts anderes als die formale Beschreibung des Zeichens: Vogelkopf plus sitzender/stehender Mensch ist gleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rongorongo ohne ein Zeichen für den Vogelmann wäre doch wie eine französische Zwiebelsuppe ohne Zwiebeln, eine Sachertorte ohne Schokolade, ein erotisches Treffen ohne . . . - das geht nicht, denn Rongorongo ist doch die angeblich gesicherte Osterinselschrift und da hat der Vogelmann gefälligst mitzumachen!

So dachte Barthel und so dachte auch Fischer. Vom „Kopf her“ war man sich ja auch einig, aber Barthel erkannte in dem stehenden Mann mit Vogelkopf und Fischer in dem sitzenden Mann mit gleichem Vogelkopf den nur auf Rapanui gemeldeten Vogelmann, denn in keinem anderen Personenstandsregister in der Südsee ist ein solcher offiziell gemeldet.

Weder Barthel noch Fischer, weder ein vor ihnen noch nach ihnen forschender Wissenschaftler, hat jemals alle Vorkommen des vermeintlichen Vogelmannes in Rongorongo untersucht, um dann aber auch die verschiedenen Zeichen sinnvoll zu erklären. So fehlt die Erklärung in der Forschung für diese beiden Zeichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Warum ist das Zeichen eines Vogels mit einem menschlichen Kopf denn kein Vogelmann? Ist der menschliche Körper das Hauptmerkmal oder der animalische Kopf? Das danebenstehende Zeichen hat mich fassungslos gemacht, als ich las, was der deutsche Gelehrte Thomas Barthel darin erkannte. Es sollen die im Wind wehenden langen schwarzen Haare der wunderschönen polynesischen Frauen sein, symbolisiert über drei nach links unten oder rechts unten und sogar nach rechts und links unten abbiegenden Einkerbungen.

Wenn ein Missionar, der sich freiwillig und aus Überzeugung dem Zölibat unterwirft, nicht so ganz die erotische Schönheit wehender Haare einer wunderschönen Frau erkennt, tut er das wohl aus Selbstschutz. (Kann man ja verstehen). Wenn Thomas Barthel, der 6 Monate auf Rapanui weilte nun drei Striche, gänzlich gerade, leicht abgewinkelt und als Zitat an vielen Zeichen nachweisbar, für die langen schwarzen Haare einer Frau hält, so hätte er besser geschwiegen, als solchen Unfug in die Welt zu setzen. Auch diese Erklärung von Barthel ist falsch. Wäre sie aber richtig, so käme zum Vogelmann die Vogelfrau dazu. In den Münchhausen-Geschichten der Rapanui wurde eine Rolle für die Vogelfrau des Vogelmannes nicht geschaffen. Eine Vogelfrau gibt es schlicht und einfach gesagt nicht.

Wenn der Vogelkopf auf dem Körper eines Menschen sitzt, ist das ein Vogelmann nach herkömmlicher Vorstellung. Wenn ein menschlicher Kopf auf einem Vogelkörper sitzt, ist das selbstverständlich doch auch ein Vogelmann. Er passt aber nicht in das Konzept der alles erklärenden Rongorongo-Forscher.

Haben wir es hier etwa mit dem Phänomen des body changing zu tun? Esoteriker müssten doch in Jubelschreie ausbrechen, dass der geheimnisvolle Vogelmann auf der geheimnisvollen Osterinsel in der geheimnisvollen Osterinselschrift zwischen menschlichem und tierischem Körper pendelt!

Die größte Fehlleistung in der Forschung ist bereits im ersten Teil dieser Serie besprochen. Es ist die sehr schwierig zu arbeitende Figur des Sitzenden, der in allen Formen und Vorkommen immer der Stern Beteigeuze im Sternbild Orion ist. Der Sitzende galt bisher entweder als ein Deuterium (ohne Aussage) oder aber als der „Sänger mit seinem Stab“ - als gesicherte Erkenntnis in der Forschung. Nun ist er auch noch ein „sitzender und singender Vogelmann ohne Bedeutung - aber mit Rongorongo-Kenntnissen“.

Bisher nicht entdeckt und schon gar nicht aufgeklärt, ist ein großes Verbrechen am Vogelmann, dass wahrscheinlich zum Tod führte. Der fromme Mann wurde über- fallen und so schwer zusammengeschlagen, dass er mit beiden gebrochenen Flügeln liegen blieb. Das Verbrechen wurde jedenfalls in Rongorongo dokumentiert. Hier ist der Beweis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beweisstelle Br 6

Das Zeichen eines Vogels mit einem gebrochenen Flügel, rechts oder links und natürlich auch verdoppelt rechts und links, ist relativ häufig zu finden. Wenn wir aber den Gelehrten Barthel und Fischer hinterherlaufen und für Bares nehmen, was sie uns so alles auftischen, dann ist hier der Vogelmann zu erkennen - allerdings nicht, wenn man ihn nicht erkennen will. Er hat noch eine weitere Rolle in Rongorongo bekommen, die ihn in dieser Verkleidung zeigt:

Das Solo-Zeichen, das ja wohl einen laufenden Menschen zeigt, hat nun den Vogelkopf bekommen und muss logischerweise als Vogelmann verstanden werden, wenn die beiden Rongorongo-Forscher eine korrekte Deutung vorgelegt haben.

Solche unmittelbaren Vergleiche von Zeichen, die nebeneinanderstehen, sind in den Abschriften nur sehr selten zu finden.

Es folgt eine Lehrstunde für alle, die großspurig und besserwisserisch feststellten, dass die Erkennung von Zeichen doch so einfach ist, dass man darüber kein Wort verlieren müsste.

Also: was fällt Ihnen an den beiden Zeichen auf? Was ist an beiden Zeichen falsch?

Um es sogleich zu unterbinden, Ihr „Bauchgefühl“ interessiert überhaupt nicht, wenn Sie meinen, dass an den beiden Zeichen etwas nicht stimmt. Sagen Sie es konkret - oder hören Sie nur zu, hören Sie ganz einfach auf das, was ich Ihnen zeige, denn in beiden Zeichen ist eine Information versteckt, die niemand vor mir erkannt hat. Darauf gehe ich gleich ausführlich ein.

(übrigens fragte ich den Tübinger Professor, warum er das Zeichen eines Laufendenübersetzt mit „ Bote “ . Frau Routledge hatte 1916/17 auf der Osterinsel eine Menge an Informationen gesammelt, die ich allesamt für Fantasiegeschichten halte ohne einen historischen Hintergrund, ohne einen einzigen Beweis oder wenigstens Nachweis zur Richtigkeit der Informationen. So ließsich die englische Lady doch tatsächlich erklären, dass in „ vormissionarischer Zeit “ ein reger Schriftwechsel zwischen den Häuptlingen oder Königen oder Adligen stattfand, die wohl ihren Sekretären

diktierten, was diese blitzschnell in hartes Holz kerbten. Rongorongo-Notationen als Briefwechsel zwischen alten Männern, deren Hobby die Kriegskunst war? Damit aber der Briefwechsel auch ein solcher sein konnte, mussten natürlich Zustellmethoden ausgeklügelt werden. Könige laufen eben nicht selbst, sie lassen laufen! Somit wäre dann das Zeichen eines laufenden Menschen der erste inschriftlich zeichnerisch dokumentierte Postbote aus vormissionarischer Zeit im Pazifik. Ich erklärte dem Professor, dass wohl die „ Just-in-time-Delfin-Schwimm-Staffel “ auf Rapanui in Konkurs gegangen sein musste, so dass die Ariki wieder auf das bewährte Fußvolk zurückgreifen mussten.

Barthel wollte sich meiner Auslegung nicht anschließen, er verlangte von mir, Belegstellen zu benennen. „ Das, Herr Professor, haben Sie mir gegenüber zuerst zu erbringen, denn meine abenteuerliche Deutung kam erst nach ihrer! Wo, bitte, finde ich denn ihre Belegstellen für den rennenden Rapanuisten im Stundentakt zwischen Königen “ ?)

Bei allen Zeichen, die sich aus mehreren zusammen- setzen, bleibt die Information des einzelnen Zeichens erhalten. Aber genau diese Information ist eben nicht eindeutig, denn man muss wissen, ob das Zeichen und auch die -kombination über der nördlichen oder der südlichen Hemisphäre zu beobachten ist. Der Vogelkopf als Zitat des Zeichens, dass als Fregatt- vogel identifiziert ist, kann mehrere Bedeutungen, sprich Sterne, transportieren. Das Grundproblem ist das so falsch verstandene Zeichen der Mondsichel, dass niemals eindeutig zu bestimmen ist, nur, wenn man sicher weiß, an welchem Himmel sich die Mond- sichel befindet, kann man auch das Zeichen sicher bestimmen.

Es gibt keinen Vogelmann in Rongorongo, man kann ihn natürlich hineinschreiben, wie es Barthel, Fischer und andere ja auch taten. Aber was der dann in Rongorongo so alles macht, haben die Forscher nicht herausgefunden.

9 Fünf verrückte Atua

Die einzige lebenslange optische Täuschung, der jeder Mensch auf der Erde hilflos ausgeliefert ist und bleibt bis ans Ende der Zeit, ist die Beobachtung der Sterne, ist die Beobachtung von allen Vorgängen am Himmel in der Nacht. Zwar haben Menschen versucht, das wegzuforschen, als es nicht gelang, versucht, das zu erklären und als auch das nicht immer richtig war . . .

Jeder Mensch weiß, dass nicht die Landschaft während einer Bahnfahrt an ihm vorbei saust, sondern dass der Zug, in dem er sitzt, mit großer Geschwindigkeit durch die Landschaft fährt. Aber sehen und empfinden tun wir genau das Gegenteil. Wir können nicht wahrnehmen, dass sich unsere Erde mit ca. 100.000 km/h durch das Weltall bewegt. Wir bewegen uns und nicht die Sterne sind in Bewegung, die wir beobachten können. Weil das so ist, nennen wir sie ja auch Fixsterne, also feststehende Sterne.

Die Maori Rongorongo sind davon ausgegangen, dass ihr Lebensraum ein fester Platz im Universum ist und die Sterne, die Sonne, der Mond und alle anderen havenly bodies um sie herumfliegen. Nun können wir sie posthum belehren, dass sie einem grandiosen Irrtum unterlagen, aber dann können wir ihre so ungemein kreativen und intelligenten Zeichen eben nicht verstehen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass ein solches Verständnis von der Mehrheit der Rongorongo-Forscher (klammheimlich und gut versteckt) angewendet wird. Sie vermitteln den Eindruck, es viel besser zu wissen als die alten Seefahrer, die sich am drehenden Himmel entlang hangelten und behaupteten, dass nicht sie das Ziel ansteuern, sondern, dass das Ziel zu ihnen kommt. Verrückte Welt - damals bei den Maori Rongorongo. Aber sie hatten für alles eine Erklärung und sind dabei geblieben, auch dann, als wir versuchten, ihnen das auszutreiben, an das sie glaubten und das sie verehrten.

Damals wie heute galt und gilt bei den Maori genau so, wie bei allen Menschen und überall auf der Welt, die unwiderlegbare Wahrheit, dass sich im Laufe eines Menschenlebens bei der Sternenbeobachtung mit bloßem Auge keine Veränderung der Sterne in ihrer Position zueinander feststellen lässt. Der Anblick der Sterne in der Nacht über der südlichen und nördlichen Hemisphäre ist heute exakt der gleiche, wie zur Zeit der alten Seefahrer im Pazifik vor etwa 1000 Jahren. Noch einfacher gesagt sehen wir heute alles das in gleicher Ordnung, wie es die Maori Rongorongo sahen und notierten.

Aber diese Ordnung am Himmel in der Nacht wurde gestört von fünf verrückten Atua, vergöttlichten Ahnen, die sich höchst seltsam benommen haben und es noch heute tun! Urplötzlich blieben sie doch glatt stehen, liefen rückwärts und nach einer Zeit dann wieder richtig. Wer genau hinsah, konnte erkennen, dass diese „Sterne“ hin und wieder eine Schleife am nächtlichen Himmel zelebrierten. Aber warum? Sie weilten mal in dem einen und dann in einem anderen Sternbild, liefen schneller als die anderen Sterne oder langsamer - sie verhielten sich in vielerlei Hinsicht ganz schön verrückt. Basta.

Rongorongo kann keine astronomisch/astrologische Notation sein, wenn sich fünf „Verrückte“ nicht über fünf kreative und hochintelligente Zeichen identifizieren lassen.

10 Sag’ mir, was du tust - dann sag’ ich dir, wer du bist

In Rongorongo-Zeichen spiegeln sich Verhaltensweisen, Eigenarten, Bewegungen und andere Merkmale wider, die rein äußerlich als auch inhaltlich den Stern bzw. den Atua symbolisieren, den man in Form des Zeichens glaubte so gut zu „tarnen“, dass niemand herausfinden könnte, wer oder was sich darin verbirgt. Das hat ja auch gute 150 Jahre funktioniert. Nichts währt ewig, nicht einmal die Ewigkeit, denn die ist auch nur „endlich“. Und „niemals“ ist kürzer, als man denkt.

Natürlich hat jeder Leser sofort gewusst, dass es sich bei den fünf verrückten Atua um fünf Planeten handelt. Es sind die, die in der Regel mit bloßem Auge beobachtet werden können. Selbstverständlich hatten auch diese Planeten Namen und besondere Merkmale oder Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben wurden und die in Zeichen umgesetzt werden konnten. Wenn man über viele Jahre gelernt hat, wie die Maori Rongorongo dachten und dieses Denken „grafisch formulierten“, kann man im Grundsatz fast jedes Zeichen erkennen, verstehen und bestimmen.

Das Problem der gleichlautenden Namen mit verschiedenen Bedeutungen bzw. astronomischen Zuordnungen habe ich mehrfach angesprochen. Das ist nun nicht anders bei den Namen für die Planeten. Für die fünf Planeten konnte ich aus der Literatur ca. 50 Namen extrahieren und bin sicher, noch längst nicht alle gefunden zu haben. Namen sind für Rongorongo-Forschung immer dann von Bedeutung, wenn bildhafte Vorstellungen darin zu finden sind.

Bisher war es so, dass ich zuerst die polynesische Bezeichnung eines Sterns oder eines Sternbildes etc. mit der Übersetzung fand und dann das mögliche Zeichen in Rongorongo über diese bildhafte Vorstellung suchte. Bei der Suche nach den Zeichen für die fünf Planeten bin ich aber einen anderen Weg gegangen. Diesmal erschien mir unser heutiges Wissen über die Planeten der bessere Ausgangspunkt zu sein, um ein Zeichen in Rongorongo zu finden und zu verstehen, das darüber erklärbar sein könnte. Das ist ziemlich theoretisches Gedöns, praktisch sieht gleich alles ganz anders aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Merkur und Venus sind die beiden inneren Planeten, Mars, Jupiter und Saturn sind die äußeren Himmelskörper, alle weiteren Planeten, die mit bloßen Augen nicht mehr sichtbar sind, spielen in Rongorongo keine Rolle. Die Zeichnung zeigt das Planetensystem und ist in keiner Hinsicht bezüglich Planetengröße, Abständen etc. verbindlich.

Merkur:

In 40 Jahren Forschung ist mir der Planet Merkur in der Literatur nur sehr selten begegnet. Im astrologisch/astronomischen Wissen der tohunga in der Südsee spielte er keine erwähnenswerte Rolle. Für die Navigation ist Merkur ebenfalls unbedeutend. Ich wäre nicht überrascht, wenn es in Rongorongo kein Zeichen für Merkur gäbe. Im Umkehrschluss wäre ein für diesen Planeten bestimmtes Zeichen mit über 500 oder sogar mehr Vorkommen der Beweis einer Fehlinterpretation! In der Forschung kann es kein unwichtiges Zeichen geben, in den Notationen differenzierten die Meister sehr wohl die Bedeutung von Sternen oder Planeten durch die Häufigkeit ihrer Vorkommen.

Merkur ist der Sonne am nächsten, er ist nur für wenige Stunden sichtbar in der Abend- oder Morgendämmerung - er ist niemals in der Nacht zu beobachten. In manchen Monaten gefällt es dem Atua, den wir Merkur nennen, sich überhaupt nicht zu zeigen. Zeigt er sich dann wieder, bleibt er immer lediglich in Horizontnähe. Von der nördlichen Hemisphäre aus ist er im Frühling am Abendhimmel im Westen und im Herbst am Morgenhimmel im Osten zu beobachten. Seine Sichtbarkeit beträgt oft nur wenige Tage bis zu 2 Wochen, dann verschwindet er wieder im Licht der Sonne. Wie das auf der Südhalbkugel der Erde aussieht, kann ich nicht angeben, das wissen Profis besser deren Wissenschaft die Astronomie ist. Merkur donnert mit schlappen 170.000 km/h durch den Raum um die Sonne auf einer elliptischen Bahn. Für einen Umlauf braucht er gerade einmal 88 Tage. Er kommt der Sonne bis auf ca. 46 Mio. km nahe und ist auch nur ca. 70 Mio. km am sonnenfernsten Punkt von ihr entfernt.

Und diese Bahn hat es nun in sich! Merkur durchläuft nicht immer wieder die gleiche Bahn. Von Umlauf zu Umlauf verschiebt sich diese sehr geringfügig, aber durchaus erkennbar von der Erde aus! Nach vielen tausend Umläufen hat sich seine Bahn um die Sonne dann aber deutlich verlagert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Die Abbildung habe ich gefunden unter www.astrokramkiste.de. Astronomie ist im Internet so reichhaltig vertreten, dass ich auf jede, buchstäblich jede Frage im Zusammenhang mit meinen Rongorongo-Forschungen, eine verständliche Antwort fand. Wir müssen immer daran denken, dass nicht unsere heutigen Vorstellungen von der Wissenschaft der Astronomie, der Astro-Physik und allen anderen

Wissenschaften in diesem Zusammenhang ausschlaggebend sind, sondern die Vorstellungen derer zu einer Zeit, in der Rongorongo erfunden wurde. Für die heutige Menschheit haben die Sterne ausgedient, wir brauchen sie ganz einfach nicht mehr für unser Leben. Sterne - das ist „ Hubble “ im Fernsehen oder auf dem Bildschirm des PC, das ist Raumfahrt, das ist weit weg und völlig unverständlich. Nur noch Astro-Freaks kommen damit zurecht.)

Für die Maori Rongorongo und alle Menschen auf den Inseln in der Südsee waren die Sterne am Himmel in der Nacht lebensbestimmend.

Sternbeobachtung in alter Zeit war niemals ein schwärmerischer Blick an den Himmel. Das war Aufgabe und Arbeit für ausgewählte Geheimnisträger, die wahrscheinlich nicht einmal furzten, ohne vorher die Sterne zu befragen. Die minimale Abweichung der Merkur Bahn von der Erde aus zu beobachten und festzustellen, ist das Ergebnis von tausenden von Jahren intensiver Studien Nacht für Nacht, ist geheimes und tradiertes Wissen, bewahrt von Eingeweihten und weitergegeben an die nächste Generation. Die Lehre und Kenntnis der ra-ririki, der kleinen Sonnen, war niemals Wissen für das Volk. Das ist unbestritten, deshalb sind ja auch die astrologischen/astronomischen Informationen von „einfachen Menschen“, die keinen Stallgeruch der Eliten nachweisen konnten, so außerordentlich proble- matisch. Man darf doch allemal in der Forschung nicht als ultima ratio davon ausgehen, dass jede notierte Information so bedeutungsvoll und prophetisch ist, wie die Worte aus dem brennenden Dornbusch.

Wie für die Sterne und Sternbilder auch, suchten die Maori Rongorongo bei jedem Planeten nach seiner unique selling proposition, (abgk. USP), also nach dem, was ihn unverwechselbar machte, nach seiner „Einzigartigkeit“. Aus diesem Verhalten - oder aus seiner Erscheinung - konnten sie dann ziemlich einfach Zeichen entwickeln, die wir nun ganz einfach verstehen, wenn wir uns dabei nicht selber im Wege stehen.

Von den Gesellschaftsinseln kennen wir einen Namen für den Planeten Merkur, der exakt das aussagt, was ich hier angesprochen habe, denn die Bahn des Merkur um die Sonne und die sich daraus ableitende Beobachtung des Planeten ist sein USP!

Makemson 1941 : 193

Ta’ero or Ta’ero-arii, Royal-inebriate, referring to the eccentric and undignified behavior of the planet (Merkur, Anm. v. Verf.) as it zigzags from one side of the Sun to the other.

Ein Zickzackmuster ist überall auf der Welt gleich. Es gibt kein polynesisches oder mongolisches oder australisches oder . . . oder . . . Zickzack. Dass mit einer solchen geometrischen Form in allen Kulturen „gespielt“ wurde, findet Beispiele rund um die Welt. Zackenmuster sind mit die ersten Motive angewandter Kunst auf hölzernen Objekten, auf Keramik etc.

Merkur kommt in dieser Beschreibung nicht gerade gut weg. Seinen exzentrischen Zickzacklauf mit einem Betrunkenen zu vergleichen, ist ein sehr eindrucksvolles Bild. Aber immerhin glaubte man, es mit einem „Royal“ zu tun zu haben.

Schenkeln. Es können die kleinen Dreiecke an den Spitzen links und rechts gekerbt sein und als Besonderheit ist das Zeichen für den Merkur sogar um 90° gekippt in eine waagerechte Stellung gebracht.

Ermittelt habe ich ca. 40 bis 45 Vorkommen, aber das können noch einige mehr sein

- oder sogar weniger! - denn die Abschriften von Barthel und Fischer machen in der Ungenauigkeit auch vor Merkur-Zeichen keine Ausnahme. Die geringe Anzahl der Vorkommen ist ok, sie entspricht der Bedeutung des Planeten, der gelegentlich (betrunken) über den Abend- oder Morgenhimmel wankte und bis heute noch immer nicht ausgenüchtert ist! Für die Navigatoren auf ihren Fahrten war er weder ein guiding star noch ein navigation star.

(Man kann doch nicht abgefüllten Atuas hinterherpaddeln - wo wäre man denn gelandet ?)

Die nachfolgende von mir erstellte Auflistung der Zeichenvorkommen und ihrer diversen Kombinationen mit anderen Sternen und Planeten, ist nicht vollständig. Man findet z.B. einige Vorkommen des Zickzack-Zeichens mit nur drei Schenkeln. Hier bin ich nicht sicher, ob es Merkur ist oder nicht. Solche Unsicherheiten kommen erst dann ans Licht, wenn man so gut wie alle Zeichen versteht, denn erst dann - und niemals früher - erkennt man Anomalien, die entweder ein Fehler von Anfang an sein könnten, was ich für unwahrscheinlich halte, eine fehlerhafte Abschrift sind oder eine Bedeutung haben, die erst noch bestimmt werden muss. Aber das ist Arbeit für künftige Forscher, denn jetzt geht es einzig und allein darum, den Ansatz meiner Forschungen nachvollziehbar zu widerlegen oder ihn zu bestätigen. So lange Rongorongo die Osterinselschrift sein soll, bleibt Stillstand und Agonie die Konzeption in der Forschung. So lange mir ernsthaft vorgehalten wird, dass meine Zeichendeutung für Merkur nicht richtig sein kann, weil das Zackenmuster in der Kunst auf der Osterinsel nicht nachweisbar ist, sind wir noch nicht einmal im finsteren Mittelalter angekommen in dem, was vorgibt, sich Rongorongo-Forschung zu nennen. Noch nie in der Geschichte der Entzifferung hatte ein Forscher von Anfang an alles vollständig richtig verstanden und erklärt. Das ist bei Grundlagenforschung in diesem Genre ja auch nur zweitrangig. Rongorongo ist erst durch die bisher geleistete Forschung unentzifferbar geworden und wird es bleiben, wenn hier nicht Einhalt geboten wird. Der Stecker muss gezogen werden, es brennt doch schon lichterloh! Zur Zeit sind die Kräfte am Werk, die verhindern wollen - obwohl sie längst wissen, was schief gelaufen ist - dass ihre Irrtümer aufgedeckt und angesprochen werden.

Mit Forschung hat das alles nichts mehr zu tun - aber mit MACHT!

Die Beschreibung der sichtbaren „Vorstellung“ des Planeten Merkur ist das, was wir heutigen Grafiker unter einem briefing verstehen. Deshalb würden wir das Zeichen, das ich hier vorgestellt und ansatzweise besprochen habe, heute exakt genau so gestalten, wie weiland die Kollegen Maori Rongorongo irgendwo auf einer Insel im Pazifik. Für mich ist Rongorongo gestern entstanden - nicht einmal vorgestern!

Thomas Barthel erkannte in dem Zickzack-Zeichen die Information „GELB“, damit ist die Farbe gemeint. Ich erspare dem Leser die Erklärung und Begründung des international anerkannten Rongorongo-Forschers zu seiner Deutung.

Hinter dem Ural wird bekanntlich auch geforscht und da fand man heraus, dass es sich um „hiti“ handelt. Bei Steven Fischer musste ich erst gar nicht nachgelesen, denn der erklärt alles, was er nicht erklären kann, mit „suffix und prefix“.

Alle Zeichen in Rongorongo lassen sich auf bildhafte Vorstellungen zurückführen. In ihnen sind die alten und durchaus auch erst in neuerer Zeit entstandenen Vor- stellungen grafisch umgesetzt zu allem, was wir mit „astronomical knowledge“ bezeichnen.

Man ist in der Rongorongo-Forschung immer auf der richtigen Seite, wenn sich Befunde und daraus abgeleitete Erkenntnisse gegenseitig stützen. Das ist auch der Fall bei den Zeichen, die für den inneren Planeten Merkur stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zunächst will ich weitere Planetenzeichen besprechen und dann zumindest einige der Kombinationen zwischen Planeten und Sternen. Das ist bereits jetzt schon außerordentlich problematisch, denn Sterne, also Fixsterne, mit einem Planeten zu verbinden, ist unüblich - dennoch wurde genau das getan und genau das war genau das Richtige!

Hinweisen möchte ich bei den Vorkommen des Merkur-Zeichens zuerst auf die letzte Zeile der gezeichneten Notizen. Nur, wenn Zeichen wirklich zu 100% identisch sind, notiere auch ich nach Barthels Nomenklatur, in dem Beispiel also Sa 4,4. Es gibt das abgebildete Zeichen auf der vierten Zeile der Großen Washington-Tafel vollkommen identisch in zwei Vorkommen. Nicht vollkommen identisch ist der Befund auf der Zeile Br 9. Das erste Zeichen hat 5 Schenkel und zeigt nach links, das danebenstehende Zeichen hat sechs Schenkel und zeigt nach rechts.

Alle Zeichen auf allen Objekten sind das Ergebnis einer vorherigen Planung und nicht der schnelle Strich mit einem Bleistift auf Papier. Solche eindeutigen Befunde austauschbar zu nennen, zeigt Dilettantismus in Vollendung. Aus dem Erkennen dieser Details bestehen die sachbezogenen Fragen zur „ Aufnahmeprüfung für Rongorongo-Forschung “ .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V enus

(Sollte jemand mitten in der Nacht auf einen hell leuchtenden Stern zeigen und schwärmerisch säuselnd erklären, dass es die VENUS ist, kaufen Sie bitte keinen Gebrauchtwagen von dieser Person. Sie sollten ihm auch nicht ihre Tochter zur Frau geben und keinesfalls diese Person bitten, die Pflanzen in ihrem Urlaub zu versorgen. Das ist jemand, der im Zoo vor dem Löwengehege kleinen Kindern erklärt, dass es Tiger sind. Alles klar? Gut, dann bin ich beruhigt).

Der Planet Venus ist niemals mitten in der Nacht zu beobachten, weder hier bei uns, noch in einem Boot mitten im Pazifik, weder am Nord- noch am Südpol.

Die Venus ist nach Sonne und Mond das dritthellste Objekt am Himmel. Seit altersher ist sie als Morgen- oder Abendstern bekannt, obwohl sie natürlich kein Stern ist, sondern ein Planet. Sie ist kleiner als die Erde und nähert sich uns bis auf 40 Mio km. Mit ca. 130.000 km/h brettert der Planet in nur 225 Tagen einmal um die Sonne. Wie Merkur nimmt auch die Venus eine Auszeit, dann befindet sie sich hinter der Sonne und kann von uns natürlich nicht gesehen werden.

Ich übergehe jetzt diverse weitere Angaben zur Venus, weil uns nur zu interessieren hat, welchen USP die Maori Rongorongo in dem Atua Venus erkannten und wie sie das Zeichen dafür entwickelten. Rongorongo ist kein polynesisches Lehrbuch der Astronomie, es setzt solche Kenntnisse ganz einfach voraus!

Etwa alle anderthalb Jahre benimmt sich auch dieser Himmelskörper höchst seltsam. Anstatt ordentlich von Osten nach Westen zu laufen, wie es doch alle anderen Sterne jede Nacht auch tun, bleibt Venus kurzfristig stehen, läuft sogar zurück, bevor sie sich wieder anständig verhält und „richtig“ läuft. Aber das machen eben auch die anderen Planeten und deshalb ist das keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal. Wie diese Bewegung der Planeten zustande kam, konnten die Maori Rongorongo nicht erklären und wir auch erst seit Nicolaus Copernicus (1473 - 1543), der den Beginn der neuzeitlichen Astronomie über das heliozentrische Weltbild markierte.

Etwa alle anderthalb Jahre wird die Venus für ca. 40 bis 44 Tage rückläufig. Mit „Rückläufigkeit“ bezeichnen wir die scheinbare Laufrichtung der Planeten entgegen ihrer normalen Laufrichtung. Das ist natürlich nicht wirklich der Fall, denn die Sterne und Planeten wandern astronomisch stets in einer Richtung um die Sonne.

Nun möchte jeder Leser, der so wenig von Astronomie versteht wie ich, unbedingt eine solche Planetenschleife sehen.

Die Beobachtung der Sterne und Planeten ist immer abhängig von diesen Faktoren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Rongorongo sind alle Notationen unter der Erkenntnis zu verstehen, dass es zwei Himmel gibt. Das betrifft eben auch die Planeten und ihre Bahnen, selbstverständlich auch ihre „Schleifenbahn“. Jede „Rückläufigkeit“ eines „Wandelsterns“ ist immer nur erklärbar, wenn alle Faktoren zur Beobachtung bekannt sind.

[...]

Details

Seiten
136
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668354043
ISBN (Buch)
9783668354050
Dateigröße
19.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343480
Note
Schlagworte
götterpfaden pazifik geschichte osterinselschrift teil

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Auf Götterpfaden über den Pazifik. Die Geschichte der vermeintlichen Osterinselschrift – Teil 2