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Zur Darstellung von Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung in der Zeitschrift "Eltern" im Zeitraum von 2010 bis Mai 2016

Bachelorarbeit 2016 25 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Behinderung - Definitionen und Darstellung in Medien
1.1. Zur Begrifflichkeit von Behinderung
1.1.1. Schwierigkeiten bei der Definition von Behinderung
1.1.2. Definitionen des Begriffs Behinderung
1.2. Formen und Ursachen von Behinderung
2.1.1. Körperliche Behinderung
1.2.2. Geistige Behinderung
1.3. Repräsentationsweisen von Behinderung in Medien
1.3.1. Darstellung von Behinderung in Medien nach Lothar Sandfort
1.3.2. Darstellung von Behinderung in Medien nach Rosemarie Garland Thomson

2. Zur methodischen Vorgehensweise
2.1. Allgemeines zur qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
2.2. Methodische Vorgehensweise und Begründung der Auswahl
2.3. Zu den Kategorien und Ankerbeispielen
2.3.1. Kategorie ÄElend der Behinderten“
2.3.2. Kategorie ÄElitebehinderte“
2.3.3. Kategorie ÄBedauerlich, aber nicht hoffnungslos“
2.3.4. Kategorie ÄAlltag von Behinderten“
2.3.5. Kategorie ÄBehinderung gekoppelt an einen Skandal“
2.3.6. Kategorie ÄBehinderte als ‚Exoten‘“

3. Darstellung der Ergebnisse der Analyse
3.1. Das Elend der Behinderten
3.2. Elitebehinderte
3.3. Situation der Behinderten ist bedauerlich, aber nicht hoffnungslos
3.4. Alltag von Behinderten
3.5. Behinderung gekoppelt an einen Skandal
3.6. Behinderte als ÄExoten“

4. Zusammenfassung der Analyseergebnisse

5. Interpretation und Anbindung an die Theorie

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vor 20 Jahren fühlten sich etwa 95 Prozent der werdenden Eltern bei dem Gedanken an ein Kind mit geistiger oder körperlicher Behinderung überfordert (Zebothsen 1997, 28). 2002 entschieden sich, statistisch gesehen, im Durschnitt etwa 92 Prozent der Frauen nach der Diagnose ÄDown-Syndrom“ für einen Schwangerschaftsabbruch (Wohlfahrt 2002, 22). Auch heutzutage berichten Ädie Welt“ (Greve-Dierfeld 2015, online), sowie die Zeitschrift ÄEltern“ (Börger 2016, 63) davon, dass 85 bis 90 Prozent der Frauen die Schwangerschaft abbrechen, sollte das Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommen. Ob sich Paare für oder gegen eine Abtreibung entscheiden, könnte unter anderen (z.B. Emotionen, finanzielle Situation etc.) von den Einstellungen über Behinderung und der Vorstellung von einem Leben mit einem behinderten Kind abhängig sein.

Wenn man im alltäglichen Leben, wie im Beruf, in der Familie oder im Freundeskreis keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat, muss man auf die verschiedensten Medien wie Fernsehen, Internet, Printmedien und Literatur zurückgreifen, um ein Bild von Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung zu bekommen (Strachota 2005, 203). Klein (2005, 36) kam in seiner Dissertation zu der Erkenntnis, dass Medien einen großen Einfluss auf die Entstehung von Einstellungen gegenüber Behinderung haben. Das Gelesene in den Medien hinterlässt nachhaltige Eindrücke und die LeserInnen übernehmen meist die Meinung und Einstellungen in den vor ihnen liegenden Texten. Wenn Medien also einen großen Einfluss auf unsere Einstellungen haben, besteht nun die Frage, wie Menschen mit Behinderung in Medien dargestellt werden. Diese Arbeit befasst sich deshalb mit folgender Forschungsfrage:

Welche Repräsentationsweisen von Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung lassen sich in der Zeitschrift „Eltern“ im Zeitraum der Jahre 2010 bis Mai 2016 finden und wie werden diese darin dargestellt?

Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Repräsentationsweisen von Behinderung in Medien nach Garland Thomson und Lothar Sandfort gelegt, welche im Theorieteil dieser Arbeit noch näher beschrieben werden.

Die Zielgruppe der Zeitschrift ÄEltern“ sind vor allem Frauen, die sich für Themen wie Schwangerschaft, Elternschaft, Geburt etc. interessieren und sich Meinungen und Ratschläge zu den unterschiedlichsten Themen erhoffen. Darüber hinaus wird in dieser Zeitschrift immer wieder das Thema Behinderung bzw. Beeinträchtigung aufgegriffen, weshalb dieses Medium eine geeignete Quelle zur Untersuchung dieser Forschungsfrage ist.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird auf den Begriff Behinderung näher eingegangen, die unterschiedlichen Formen etwas näher beschrieben und die verschiedenen Repräsentationsweisen von Behinderung nach Lothar Sandfort und Garland Thomson aufgezeigt. Nach den theoretischen Grundlagen soll im zweiten Kapitel die Methode, bei der es sich um die Inhaltsanalyse nach Mayring handelt, für die Analyse, sowie das Analysematerial vorgestellt werden. Des Weiteren werden, ausgehend von der Theorie, Kategorien gebildet, nach denen die Zeitschrift analysiert wird. Im dritten Kapitel werden die Zeitschriften daraufhin untersucht, wie Menschen mit Behinderung bzw. Behinderung allgemein darin repräsentiert wird bzw. werden. Es werden in dieser Arbeit also nur jene Texte bzw. Textstellen herangezogen, die sich auf Behinderungen beziehen. Im vierten und fünften Kapitel wird versucht die gewonnenen Ergebnisse zusammenzufassen, zu interpretieren und die Forschungsfrage zu beantworten.

1. Behinderung - Definitionen und Darstellung in Medien

Zu Beginn dieser Arbeit soll in diesem Kapitel herausgearbeitet werden, was unter den Begriffen ÄBehinderung“ und ÄMenschen mit Behinderung“ verstanden wird bzw. von welchem Verständnis von ÄBehinderung“ in dieser Arbeit ausgegangen wird. Außerdem werden die Formen und Ursachen von Behinderung aufgezeigt und die verschiedenen Repräsentationsweisen von Behinderung in Medien beschrieben.

1.1. Zur Begrifflichkeit von Behinderung

1.1.1. Schwierigkeiten bei der Definition von Behinderung

Der Begriff Behinderung ist im alltäglichen, sowie auch in wissenschaftlichen Diskursen ein äußert geläufiges Wort, das oft unreflektiert oder viel zu breitgefasst verwendet wird. Das könnte daran liegen, dass es keine allgemeingültige, einheitliche Definition von Behinderung gibt. Denn Ädefinieren bedeutet immer festlegen und zwar endgültig (‚definitiv‘)“ (Speck 1999, 40). Der Grund für die Schwierigkeit einer endgültigen Begriffsbestimmung könnte, unter anderen, in der Komplexität und Individualität des Phänomens Behinderung liegen. Behinderung hängt von der persönlichen, materiellen und institutionellen Unterstützung ab. Aufgrund dieser vielfältigen Bedingungsfaktoren kann sich dieselbe Behinderung bei unterschiedlichen Menschen ganz anders zeigen. (Fornefeld 2013, 59)

1.1.2. Definitionen des Begriffs Behinderung

Wie bereits im vorhergehenden Punkt (siehe 1.1.1) erklärt wurde, gibt es keine allgemein gültige Definition von Behinderung. Bleidick (1993, 5 zit. n. Bleidick 1999, 15) schlägt in seinem Buch folgende weit und- selbstverfasste Definition vor:

ÄAls behindert gelten Personen, die infolge einer Schädigung ihrer körperlichen, seelischen oder geistigen Funktionen soweit beeinträchtigt sind, daß ihre unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilnahme am Leben der Gesellschaft erschwert werden.“

Cloerkes (2007) meint, dass in dieser Definition von Bleidick drei wichtige Elemente vorhanden sind, nämlich:

- ÄDie Dreiteilung in körperliche, geistige und seelische Beeinträchtigungen,
- die Benennung von »Schädigung« als Ausgangspunkt und
- den Verweis auf die sozialen Konsequenzen des Behindertseins.“ (Cloerkes 2007, 5)

Hier lässt sich erkennen, dass Behinderung nicht nur ein komplexes Zusammenwirken einzelner Faktoren ist, sondern auch immer von der individuellen Situation des Einzelnen und dem sozialen Umfeld abhängig ist. Was Cloerkes an dieser Definition zu kritisieren hat, ist, dass Bleidick nicht beschreibt, welche Faktoren nun zu einem Behindertsein führen. Hier erscheint es dem Autor sinnvoll, zwischen Schädigung und Behinderung zu unterscheiden und zieht die ÄInternational Classification of Impariments, Disabilities, and Handicaps“ (ICIDH) der Weltgesundheits-Organisation (WHO) heran, welche von folgenden drei Ebenen ausgeht:

1. ÄImpariment (Schädigung): Störung auf der organischen Ebene (menschlicher Organismus allgemein).
2. Disability (Behinderung): Störung auf der personalen Ebene (Bedeutung für einen konkreten Menschen).
3. Handicap (Benachteiligung): Mögliche Konsequenzen auf der sozialen Ebene (Nachteile, durch die die Übernahme von solchen Rollen eingeschränkt oder verhindert wird, die für die betroffene Person in bezug auf Alter, Geschlecht, soziale und kulturelle Aktivitäten als angemessen gelten).“ (Cloerkes 2007, 5)

Cloerkes meint zwar, dass die Klassifikation von Behinderung der WHO die geeignetste wäre, dennoch kritisiert er, dass ihr Ausgangspunkt die Schädigung als Äobjektivierbare Abweichung der Norm“ (Cloerkes 2007, 7) darstelle. So versucht er sich selbst in einer Definition von Behinderung, wobei es ihm auch nicht gelingt, die Abweichung von der Norm zu umgehen:

ÄEine Behinderung ist eine dauerhafte und sichtbare Abweichung im körperlichen, geistigen oder seelschen Bereich, der allgemein ein entschieden negativer Wert zugeschrieben wird. »Dauerhaftigkeit« unterscheidet Behinderung von Krankheit. »Sichtbarkeit« ist im weitesten Sinne das »Wissen« anderer Menschen um die Abweichung. Ein Mensch ist »behindert«, wenn erstens eine unerwünschte Abweichung von wie auch immer definierten Erwartungen vorliegt und wenn zweitens deshalb die soziale Reaktion auf ihn negativ ist.“ (Cloerkes, 2007, 8, H.i.O.)

Auch Cloerkes spricht, wie auch schon Bleidick von drei unterschiedlichen Formen von Behinderung, auf die im nächsten Kapitel etwas näher eigegangen wird.

1.2. Formen und Ursachen von Behinderung

Im diesen Kapitel werden die Formen und Ursachen von Behinderung näher erläutert, um verständlicher zu machen, nach welchen Artikeln bzw. Arten von Behinderung in der Zeitschrift ÄEltern“ gesucht wird. Im Verlauf der Geschichte der Heilpädagogik hat es verschiedene Versuche gegeben, Behinderungsformen zu klassifizieren. (Haeberlin 1998, 36) Eitle (2003, 47) Bleidick (1999, 15) und Cloerkes (2007, 8) beispeilsweise sprechen von folgenden Arten von Behinderung: körperliche Behinderung, geistige Behinderung und seelische Behinderung. Zudem nennt Eitle noch Sinnesbehinderung (2003, 52), Verhaltensauffälligkeiten (2003, 76) und Mehrfachbehinderungen (2003, 84). In dieser Arbeit wird nun auf die körperliche und geistige Behinderung etwas näher eingegangen.

2.1.1. Körperliche Behinderung

Wie schon in den vorherigen Kapiteln erwähnt wurde, gibt es für Behinderung mehrere Definitionen. Der Begriff Äkörperliche Behinderung“ kann demnach auch in unterschiedlicher Weise definiert werden. So definiert Leyendecker (2000, 22 zit. n. Fries 2005, 28) beispielsweise körperliche Behinderung folgendermaßen:

ÄAls körperbehindert wird eine Person bezeichnet, die infolge einer Schädigung des Sturzund Bewegungssystems, einer anderen organischen Schädigung oder einer chronischen Krankheit so in ihren Verhaltensmöglichkeiten beeinträchtigt ist, dass die Selbstverwirklichung in sozialer Interaktion erschwert ist.“

Wie an dieser Definition zu erkennen ist, handelt es sich bei dieser Form der Behinderung um Schädigungen am Körper, die verschiedene Ursachen haben können und den Alltag erschweren. Laut Leyendecker (2003, 23ff zit. n. Fries 2005, 28f) kann man Körperbehinderung in drei Gruppen einteilen. Die am öftesten vorkommende körperliche Behinderung besteht in einer ÄSchädigung der zentralen bewegungssteuernden Systeme des Gehirns oder des Rückenmarks“. Den größten Bereich umfassen dabei die cerebralen Bewegungsstörungen, welche aus einer Schädigung des Gehirns in der frühen Kindheit ausgehen können. Diese erkennt man an einer abweichenden Muskelaktivität sowie Muskelspannung. Bei den meisten Betroffenen gehen diese Schädigungen mit Beeinträchtigungen des Seh-, Hör- und Sprachapparates, sowie mit kognitiven Störungen einher. Eine weitere Gruppe von Beeinträchtigungen stellen die Fehlbildungen des Skelett- und Muskelapparates dar. Diese Form der Körperbehinderung ist daran erkennbar, dass die Gelenke entweder fehlgestellt oder versteift sind. Des Weiteren werden zur körperlichen Behinderung jegliche Begrenzungen des Bewegungsapparates gezählt, deren Ursache eine dauerhafte Krankheit oder eine innere organische Fehlfunktion ist.

Während Leyendecker vermehrt auf den Bewegungsapparat eingeht, fasst Cloerkes (1979, 14, zit. n. Fries 2005, 27) Körperbehinderung etwas allgemeiner und beschreibt sie als Äeine dauerhafte und sichtbare Abweichung im Körperlichen, der wir allgemein einen ausgeprägten negativen Wert zuschreiben“. Er zählt zu den körperbehinderten Menschen auch diejenigen, die ein entstelltes Gesicht haben, blind sind oder Sehstörungen haben, taube Menschen und Menschen mit Hörstörungen und auch Menschen mit Sprachbehinderung.

1.2.2. Geistige Behinderung

Geistige Behinderung kann von unterschiedlichen Perspektiven aus betrachtet werden. Eitle (2003,71) betont deshalb, dass beispielsweise in der Psychologie der Intelligenzquotient eine entscheidende Rolle spielt. So werden in diesen Disziplinen jene Menschen als geistig behindert bezeichnet, deren IQ unter 50 oder 60 liegt. In der Medizin zum Beispiel ist die Schädigung des Gehirns von großer Bedeutung (Speck 2012, 58). Für Speck (1999, 38) gibt es allerdings keine eindeutige Begriffsbestimmung, da jede Form geistiger Behinderung sich anders zeige. Daher erscheint es für Speck nur begrenzt sinnvoll, zu versuchen, den Begriff klar zu definieren. Im Allgemeinen lässt sich, so Speck, sagen, dass bei einer geistigen Behinderung ÄErziehung und Bildung in spezifischer Weise beeinträchtigt werden“.

Da es viele Formen von geistiger Behinderung gibt, kann eine geistige Behinderung auch unterschiedliche Ursachen haben. So spricht Eitle beispielsweise von Erbschäden, wovon ca. fünf Prozent der geistigen Behinderungen ausmachen, Keimschäden, die vorwiegen durch Infektionskrankheiten hervorgerufen werden, oder auch von Chromosomenveränderungen, wie zum Beispiel bei der Trisomie 21, bei der das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorkommt. Aber auch Stoffwechselstörungen, Rhesusunverträglichkeit, pränatalen, perinatalen und postnatalen Schädigungen werden von Eitle in seinem Buch angesprochen. (Eitle 2003, 73f)

1.3. Repräsentationsweisen von Behinderung in Medien

Nachdem der Begriff der Behinderung im vorherigen Kapitel geklärt wurde, werden im Folgenden die verschiedenen Repräsentationsweisen von Behinderung in Medien dargestellt. Schönwies (2007) beschreibt in seinem Beitrag drei verschiedene Darstellungsmuster von Behinderung in Medien. Auf zwei dieser drei Muster wird im Folgenden näher eingegangen.

1.3.1. Darstellung von Behinderung in Medien nach Lothar Sandfort

Eines dieser drei Muster stammt von Lothar Sandfort, der vier Darstellungsformen von Behinderung beschreibt.

Das Elend der Behinderten: Hier bekommt der/die LeserIn, der/die die Situation der Behinderten Änatürlich“ nicht ändern kann, den Eindruck, dass er/sie, im Vergleich mit Ädiesem Elend“, ein zufriedenes Leben führt. Es wird die Botschaft übermittelt, dass die eigene Lage der LeserInnen erträglich ist, weil es Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht. Die Behinderung wird in Artikeln benutzt, um frustrierte KonsumentInnen seelisch aufzubauen. (Sandfort 1982, 209)

Die Situation behinderter Menschen ist zwar bedauerlich aber nicht hoffnungslos: Hier ist die Mitteilung enthalten, dass für Menschen mit Behinderung alles, was möglich ist, getan wird. Die Äfrohe Botschaft“ erleichtert das Gewissen der LeserInnen, SeherInnen oder HöhrerInnen. Menschen haben oft ein Äschlechtes Gewissen, das meistens aus einem Ädiffusen Gefühl“ heraus entsteht, dass am eigenen Verhalten behinderten Menschen gegenüber irgendetwas nicht stimmt. (Sandfort 1982, 209)

Dynamische Elitebeinderte: Hier geht es um behinderte Personen, die nach dieser Darstellung ihr Äschweres Schicksal“ gemeistert haben. In dieser Darstellung ist die Mitteilung enthalten, dass behinderte Menschen leisten können, sofern sie nur wollen, fleißig sind und tranieren. Die Verantwortung wird hier allein auf die behinderten Menschen zurückgeworfen und entlasten den/die AdressatIn. (Sandfort 1982, 209)

Kopplung an einen Skandal: Hier werden skandalöse Behandlungen einer behinderten Person oder eine Aufdeckung eines Skandals beschrieben. Die Verantwortlichen bekommen manchmal eine schlechte Presse, Gegenaktionen eine gute. Verkäuflich sind diese Berichtserstattungen, weil die Mitschuld der RezipientInnen, ihre eigenen Vorurteile und Ausgrenzungstendenzen nicht angerührt werden. (Sandfort 1982, 209)

1.3.2. Darstellung von Behinderung in Medien nach Rosemarie Garland Thomson

Eine weitere Darstellung, die Schönwies (2007, 44f) in seinem Beitrag beschreibt, stammt ursprünglich von Rosemarie Garland Thomson, welche von Renggli Cornelia übersetzt und zusammengefasst wurde. Garland Thomson schreibt von ÄHelden, Opfern, Exoten und Menschen“ bzw. von den Äaußerordentlichen, rührseligen, exotischen und alltagsnahen“ Repräsentationsweisen. (Renggli 2014, 2)

Die außerordentliche Repräsentationsweise: diese Repräsentationsweise geht davon aus, dass Behinderung als etwas Außergewöhnliches zu betrachten ist. Die heldenhafte Darstellung gewinnt an Bedeutung, wie zum Beispiel die Darstellung von behinderten Menschen, die im Behindertensport Außergewöhnliches leisten oder ihr Leben heldenhaft meistern. Diese Repräsentationsweise ist gekennzeichnet durch ein Hinaufsehen zu Menschen mit Behinderung. (Renggli 2014, 2)

Die rührselige Repräsentationsweise: Bei dieser Darstellung wird auf Menschen mit Behinderung mit voller Mitleid hinuntergeschaut, die als hilflose, leidende Opfer gezeigt werden, die Schutz und Unterstützung benötigen. Diese Repräsentationsweise lässt Behinderung als ein sozial lösbares Problem erscheinen und kann oft in Werbungen beobachtet werden (z.B. Licht ins Dunkel). Häufig werden auch Kinder mit Behinderung dargestellt, womit zusätzlich eine Verniedlichung einherget. (Renggli 2014, 2)

Die exotische Repräsentationsweise: diese Darstellung sieht Menschen mit Behinderung als ÄSensation“ und als ÄObjekt der Neugier“. Medienbeiträge können Menschen mit Behinderung als Äverkörperter Widerspruch“ repräsentieren. Sie stellen einerseits Normen in Frage und bestätigen diese zugleich. Die exotische Darstellung wirkt fremd, entfernt, distanziert, oft sensationell und unterhaltend in ihrer Differenz zur ÄNormalität“. Der ambivalente Umgang mit Normen macht die exotische Darstellungsweise von Behinderung auch für die Werbung attraktiv, da sie Aufmerksamkeit erweckt. (Renggli 2014, 2)

Die alltagsnahe Repräsentationsweise: Hier wird Behinderung als etwas Gewöhnliches, als eine menschliche Erfahrung gezeigt und diese Darstellung schafft normalisierte Nähe. Die Distanz zwischen Betrachtenden und Betrachteten wird reduziert, was zu einer Normalisierung der Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung führt. In Medien werden bei dieser Repräsentationsweise Menschen mit Behinderung weder Äverkärt noch diskriminierend“ dargestellt. Es stehen vielmehr alltägliche Gedanken- und Lebenswelt dieser Menschen im Vordergrund. (Renggli 2014, 2f)

Beide Darstellungsmuster weisen paralellen auf, weshalb diese verschiedenen Repräsentationsweisen für die Beantwortung der Forschungsfrage essenziell sind, da sie später für die Analyse der Zeitschriften herangezogen werden. Nachdem in diesem Kapitel nun die theoretischen Grundlagen geklärt wurden, wird im weiteren Kapitel die methodische Vorgehensweise genauer beschrieben, bevor die Zeitschriften analysiert werden.

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Details

Seiten
25
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668341913
ISBN (Buch)
9783668341920
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343404
Institution / Hochschule
Universität Wien – Bildungswissenschaft
Note
2
Schlagworte
darstellung behinderung menschen zeitschrift eltern zeitraum

Autor

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Titel: Zur Darstellung von Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung in der Zeitschrift "Eltern" im Zeitraum von 2010 bis Mai 2016