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Sportrehabilitation beim Impingement-Syndrom der Schulter

Ausarbeitung 2014 33 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Problemstellung: „Impingement, Engpasssyndrom“

2. Methodik und Durchführung
2.1 Anwendung des 5-Phasenmodells der Sportrehabilitation beim Impingement
2.2 Anamnese des Kunden
2.3 Phase 1-3
2.4 Phase 4
2.5 Phase 5

3. Fazit
3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

4. Abbildungsverzeichnis

5. Literaturverzeichnis

6. Internetressourcen

1. Einleitung

1.1 Problemstellung: Sportrehabilitation beim Schulter-Impingement

Dr. Gumpert bezeichnet das Impingement-Syndrom allgemein als: „Einengung des Gleitraumes für die Sehnen der Rotatorenmanschettenmuskulatur und den Schleimbeutel zwischen Oberarmkopf und Schulterdach.“ (siehe www.dr-gumpert.de) Entscheidend ist also, dass es durch eine räumliche Enge der Strukturen sukzessive zu Schäden an Sehnen und Schleimbeutel kommen kann.

Das Impingement-Syndrom beschreibt also gewissermaßen eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung in der normalen Funktion des Schultergelenkes. Die Ursache ist meist eine zu häufige Überbelastung der Strukturen und falsches oder zu einseitiges Training. Auch in selteneren Fällen können genetische Dispositionen die Krankheit verursachen: In diesen Fällen besteht anlagebedingt eine Enge unter dem Schulterdach. Der Schultergürtel und das Schultergelenk ist aber ein äußerst komplexes Gelenk. Der Schulterbereich ist geprägt von dem in der Gelenkpfanne liegenden Kugelgelenk und einer manschettenartigen Anordnung der Umgebungsmuskulatur. Beim Krankheitsbild Impingement-Syndrom erkennt man meistens eine verschleißbedingte Veränderung der Supraspinatussehne.

Diese degenerative Veränderung entsteht als Konsequenz der Enge der Schultermuskulatur und der darauf liegenden Schleimbeutel (Bursa subacromialis). Aufgrund der räumlichen Enge zwischen dem Oberarmkopf und dem darüber liegenden Schulterdach kommt es beim Schulterenge-Syndrom nicht selten zu einer gleichzeitigen Entzündung des Schleimbeutels. Dr. Schmid Wiethoff differenziert auch das mechanische vom entzündlichen Imingement. (vergleiche auch: das Impingement, Seite 98 Traumatologie).

Der Abstand zwischen Oberarmkopf und Schulterdach sollte größer als 10 mm sein. Dieser 10 mm Abstand verhindert in der Regel Einquetschungen der dazwischen liegenden Strukturen. Durch ein wiederholtes Reiben der Rotatorenmanschette (teres minor, infraspinatus, subraspinatus, subscapularis) am Schulterdach können mit der Zeit Schädigungen auftreten. Ferner kann es auch zu Rissen beziehungsweise zu kompletten Abrissen der Rotatorenmanschette kommen.

1. Schlüsselbein / Clavicula
2. Schulterdach (Acromion)
3. Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach
4. Oberarmknochen / (Humerus)
5. Schultergelenk (Articu- latio glenohumerale)

Abbildung 1: Impingement

Abbildung 2: Schleimbeutelentzündung

Zusammenfassend können folgende wichtigen Fakten beim Engpass-Syndrom (Impingement) beschrieben werden:

Definition: Engpasssyndrom im Bereich Caput humeri, Akromion und Proc. coracoideus

Ursachen: Akromionsporn oder Fraktur (strukturell), Übertraining (funktionell): Wurf- und Überkopfsportarten und/oder zu einseitiges Training des Deltoideus. Muskuläre Dysbalancen.

Symptome: Bewegungseinschränkung und Bewegungsschmerz, sogenannter „Painful-Arc“, und je nach Ausprägungsgrad nächtliches Ziehen im Arm.

Diagnose: Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computer Tomographie (CT) und weitere Testverfahren. Der Abstand zwischen Oberarmkopf und Schulterdach kann über Röntgen oder MRT ermittelt werden.

Therapie: Schonung/ Kühlung, entzündungshemmende Medikamente, Krankengymnastik oder je nach Schwere eine Operation mit ggf. Entfernung des Schleimbeutels.

Voraussetzungen für Trainingsbeginn: Schmerzfreiheit beim Ablegen der Schulter in Rückenlage und uneingeschränkte Beweglichkeit des Schulterblatts.

Kontraindikationen: schnelle, ruckartige Armbewegungen (mögliche Überdehnung/Schädigung der Rotatorenmuskeln), einseitiges Krafttraining des Schultermuskels und der Brustmuskulatur, zu viele Überkopfbewegungen, sehr starke Stützbelastungen sowie eine Abduktion des Armes über 60°.

Wesentliche Übungen: vor allem Muskelaufbau des Subscapularis und Infraspinatus und weiteren Bestandteilen der Rotatorenmanschette. Training des Bizeps in Retroversion (lange Bizepssehne) und Adduktion/Abduktion erfolgen. Zusätzlich Ausdauertraining und Verbesserung der Beweglichkeit.

Prognose:

Im Vergleich zu anderen orthopädischen Erkrankungen besteht im Allgemeinen beim Impingement-Syndrom eine recht gute Prognose. Neben dem Alter hängt auch der Grad der Erkrankung des Impingement von den strukturellen Gegebenheiten ab. Nach der Internetseite Schulterhilfe sind ca. 80 % der Patienten mit einem konservativen Therapieansatz beschwerdegebessert, wenn auch nicht vollständig beschwerdefrei. Voraussetzung ist, dass Nachbehandlungen durchgeführt werden und schmerztherapeutische Maßnahmen eingesetzt werden. Außerdem ist es wichtig, dass sich der Patient auch zukünftig noch an rehabilitative Maßnahmen hält. In aller Regel haben die konservativen Behandlungsansätze eine bessere Prognose als die operativen Ansätze.

2. Methodik und Durchführung

2.1 Das 5-Phasenmodell der Sportrehabilitation und Anwendung bei Impingement

Zunächst stehen also bei der Therapie des Impingement-Syndroms die konservative und die nicht konservative, also operative Therapie zur Verfügung:

Konservative Therapie: Bei dem konservativen Behandlungsansatz werden physikalische und medikamentöse Methoden angewendet. Grundsätzlich ist zunächst die konservative Therapie zu empfehlen, weil durch sie meist schon Fortschritte beim Kunden eintreten. In der akuten Phase muss der Arm zunächst geschont werden, - intensive Belastungen müssen unbedingt vermieden werden. Die physiotherapeutische Behandlung hat das Ziel, nicht ausreichend trainierte Muskelgruppen im Bereich der Schulter aufzubauen, um das Schultergelenk zu entlasten und zu stabilisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Diagramm Engpass-Syndrom

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Muskulatur Schulter/Rotatorenmanschette

Gemäß www.Schulterhilfe.de ist es zweckmäßig, erst mal mit leichten isometrischen Übungen zu beginnen. Bei statischen (isometrischen) Muskelübungen wird eine bestimmte Übung nur gehalten, ohne sie dynamisch durchzuführen. Wichtig ist zunächst eine Auswahl von geringen Intensitäten, um die Strukturen, aktiv wie passiv, nicht zu überfordern.

Zur Schmerzbehandlung und um eine entzündungshemmende Wirkung zu erzielen, wird meist auch eine medikamentöse Therapie durchgeführt. In der Regel sind dies Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac. (siehe auch www.Schulterhilfe.de) Durch die schmerzhemmende Wirkung soll möglichst die Schonhaltung wieder aufgelöst werden. Ferner werden in der konservativen Therapie kühlende Maßnahmen eingesetzt. Erst wenn keine Fortschritte mehr durch die konservative Therapie erzielt werden können, sollte die nicht konservative Therapie in Betracht gezogen werden.

Operative Therapien: die Behandlungen durch Operationen werden entweder am offenen Schultergelenk oder durch Arthroskopie behandelt.

Ziel dieser Behandlung ist es, entzündetes Gewebe sowie störende, knöcherne Strukturen aus dem Gelenkspalt zu entfernen.

Bei der Athroskopie wird eine Kamera ins Schultergelenk eingeführt, um Aufnahmen vom Inneren des Gelenks zu machen. Wenn die Einengung des Schultergelenks durch den Rabelschnabelfortsatz verursacht wird, kann dieser bei beiden Verfahren abgeschmiergelt werden, damit er sich nicht mehr den in der Nähe verlaufenden Muskeln reibt. Bei Patienten mit höherem Alter ist meist zusätzlich eine degenerative Veränderung des Schultergelenks an einem Impingement schuld. Auch nach nicht konservativen Therapieansätzen ist eine Nachbehandlung durch krankengymnastische und medikamentöse Maßnahmen wichtig.

In der Sportrehabilitation hat sich folgendes Vorgehen im Fünf-Stufen-Modell bewährt: (zunächst erfolgt die Betreuung ausschließlich durch Ärzte und Physio- Therapeuten)

Stufe 1: Aktivierung, Bahnung und Tiefensensibilität

Entscheidend ist es zunächst, mit leichten mobilisierenden Übungen zu beginnen. Zu Beginn werden also Übungen mit geringeren Widerständen und Übungen zur Verbesserung der Sensomotorik durchgeführt.

Stufe 2: örtliches Muskelausdauertraining

Danach können die betreffenden Strukturen durch örtliches Ausdauertraining langsam an höhere und länger anhaltende Belastungen gewöhnt werden. Das Muskelausdauertraining verbessert neben der Muskelzelle als Effektor auch die Versorgungswege der Muskeln.

Stufe 3: Muskelhypertrophietraining

Es folgt ein Training mit der Absicht einer Muskelmassenzunahme in der Zielmuskulatur. Dies wird vor allem durch eine progressive Steigerung der Widerstandshöhen erreicht.

Stufe 4: intramuskuläres Koordinationstraining

In der nächsten Stufe stehen die Effekte einer neuronalen Verbesserung im Vordergrund. Durch intramuskuläres Koordinationstraining steigt die Rekrutierung und Frequenzierung in der Ansteuerung der einbezogenen Muskelfasern, (Siehe auch Dr. Gottlob, differenziertes Krafttraining)

Stufe 5: Verbesserung variantenreicher und situativer Kraftfähigkeiten

Abschließen folgen multidirektionale Übungen mit unterschiedlichsten Bewegungsrichtungen und größeren ROM`s (Range of Motion), um koordinativ und muskulär über die möglichst große Gelenkreichweiten Stabilität und Beweglichkeit zu optimieren und neue koordinative Herausforderungen auszuüben.

(vergleiche auch Training in der Therapie S. 72, Froböse)

2.2 Anamnese des Kunden

Zusammenfassung der Anamnese: Torsten Maier (männlich) Berufsanamnese:

Ich beginne mit meinem männlichen Kunden, Torsten Maier (Nachname aus Datenschutzgründen geändert), er ist 49 Jahre alt und Manager bei einem Kommunikationsunternehmen. Er gibt an, dass seine Arbeitszeit überwiegend durch sitzende Bürotätigkeit gekennzeichnet ist. Seinen Stress-Level gibt er als mittel an.

Gesundheitsanamnese:

Die Behandlung des Impingement wurde konservativ durchgeführt. Nach der Behandlung durch Medikamente und Krankengymnastik über 3 Monate hat Torsten jetzt die Absicht, durch meine Hilfe weiter die relevante Muskulatur aufzubauen. Neben dem Impingementsyndrom, welches nach Auskunft seines Arztes mittelschwer ausgeprägt ist, möchte ich auch einige andere relevanten Parameter erheben. Der Kunde ist Gelegenheitsraucher (Wochenende ca. 5 Zigaretten), Alkohol auch nur am Wochenende in Maßen (1-2 Gläser Wein). Ferner gibt er an, keine Medikamente einzunehmen. Der Blutdruck ist unauffällig, ein großer Bluttest liegt ca. sechs Monate zurück und wies keine Besonderheiten auf.

Auch sein Muskel- und Skelettsystem sind nach Aussage seines Orthopäden für ein Fitnesstraining grundsätzlich geeignet (selbstverständlich sind die Besonderheiten des Imingements zu beachten). Der Kunde hat den Auftrag, über eine Woche lang morgens nach dem Wachwerden dreimal hintereinander seinen Ruhepuls zu messen und über den Zeitraum von einer Woche jeden Tag ein Ernährungsprotokoll zu führen. Die Kontrolle des Ruhepulses soll unter anderem helfen, seine Ausdauerleistungsfähigkeit besser beurteilen zu können. Die Durchführung des Ernährungstagebuchs soll als Sensibilisierungs- und Kontrollmaßnahme angewendet werden. Ferner gibt der Kunde an, wegen etwas Übergewicht auch abnehmen zu wollen.

Sportanamnese: In den letzten Jahren hat er wenig Sport gemacht. Als Kind hat er Fußball gespielt und als Jugendlicher dies sogar im mittleren Leistungsbereich. Vom Zeitfaktor gibt der Kunde an, dreimal die Woche Zeit für Sport und Bewegung zu haben. Dementsprechend plane ich ein Ausdauertraining einmal die Woche und zwei Krafttrainingseinheiten, eine davon mit wesentlich koordinativen und propriozeptiven Elementen. Ziele sind eine Steigerung der Grundlagenausdauer, eine Verbesserung der Beweglichkeit, ein paar Kilos an Fettmasse abzunehmen und sich einfach fitter im Alltag zu fühlen.

Als Hobbies gibt er an, dass Schwimmen früher für ihn ein toller Sport war. Im Prinzip ergeben sich keine direkten Einschränkungen für das Training. Wegen des Alters ist die maximale Herzfrequenz zu beachten und aufgrund des mittleren Trainingszustands ergeben sich weitere Einschränkungen. Die primären Ziele des Kunden sind die weitere Sportrehabillitation des Schulterproblems, Gewichts- reduktion und eine Verbesserung der Figur. Mein Personal Training ist jetzt vor allem darauf ausgelegt, möglichst rasch, aber ohne den Kunden zu überfordern, diese Ziele zu erreichen. Das wichtigste Trainingsziel ist zunächst der Aufbau der Rotatorenmanschette und ein Training der langen Bizepssehne zur „Kaudalisierung des Humeruskopfes.“ (vergleiche S. 334, Training in der Therapie). Weitere Schwerpunkte des Personal Trainings werden Krafttraining und Ausdauertraining sein, beim Krafttraining vor allem Muskelaufbau der großen Muskeln und Verwendung funktionaler Übungen. Im späteren Verlauf werden Seilzug und Freihantelübungen eingebaut. Beim gemeinsamen Ausdauertraining ist es wichtig, Erlebnisse zu schaffen und den Kunden Spaß beim Training zu vermitteln. Als Methoden bieten sich zuerst die extensive und die intensive Dauermethode an. Später sollen auch Fahrtspiel, Läufe in besonderer Umgebung durchgeführt werden. Dann erfolgen Intervallmethoden, je nach Eignung, und ein konstantes Training im Fettstoffwechsel und Regenerationsbereich.

Im Rahmen des Maximalkrafttrainings wählte ich als Widerstandshöhe 3-6 Wiederholungen RM (Repetition-Maximum), um im Submaximalkraftbereich zu arbeiten. Beim Muskelhypertrophietraining wendeten wir die Wiederholungszahl von 8-12 RM an. Beim Kraftausdauertraining nutzen wir über 30 Wiederholungen RM. Da die Rücksichtnahme des individuellen Belastungsgefühls gerade beim Training in der Sportrehabilitation sehr wichtig ist, nutzen wir zusätzlich zur Belastungssteuerung die RPE Skala, die sogenannte Rate-of-perceived-exertion-Skala (siehe auch: Training in der Therapie, S.20). Ferner wurden zur Belastungssteuerung die klassischen Belastungskriterien der Trainingslehre genutzt. (Belastungsintensität, Belastungsdauer, Belastungsumfang, Belastungsdichte, Belastungskomplexität und Belastungsregelmäßigkeit, vergleiche Weineck, optimales Training). Als Geschwindigkeit beim Krafttraining wählten wir langsam und gleichmäßig aus, - die Range of Motion sollte möglichst groß sein. Bei der Satzanzahl wählte ich in der Regel ein Mehrsatztraining, wobei bei jeder Übung vor Beginn ein spezieller Übungssatz ohne Gewichte erfolgte, um den Zielmuskel und auch passive Strukturen optimal neuromusklär auf die später folgende Belastung vorzubereiten. Bei der Atmung wendeten wir die biomechanische an, das heißt bei der konzentrischen Phase wird ausgeatmet und bei der exentrischen Phase eingeatmet.

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Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668349629
ISBN (Buch)
9783668349636
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343362
Note
1,3
Schlagworte
Impingement Schulterenge

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Titel: Sportrehabilitation beim Impingement-Syndrom der Schulter