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Auswirkungen der Globalisierung auf die Finanzmärkte

Seminararbeit 2004 21 Seiten

VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die historische Entwicklung der Globalisierung der Finanzmärkte

3. Die globale Kapitalmobilität
3.1 Die rechtliche Liberalisierung internationaler Kapitalbewegungen
3.2 Kennzahlen der finanziellen Integration
3.3 Zinsdifferenziale
3.4 Differenz von inländischer Ersparnis und Investition
3.5 Aktienmarktverbindungen
3.6 CAPM-basierte Ansätze

4. Folgen globaler Kapitalmobilität
4.1 Effizientere Kapitalallokation und Wachstum
4.2 Risikodiversifizierung
4.3 Machtverlust für Nationalstaaten
4.4 Kritik und Reformvorschläge
4.4.1 Erhöhte Volatilität und Instabilität der Finanzmärkte
4.4.2 Die Tobin-Steuer

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 – Summe der externen Verbindlichkeiten und Forderungen relativ zum BIP

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 – Überblick über 14 Studien, die den Zusammenhang zwischen finanzieller Integration und Wirtschaftswachstum untersuchen

Auswirkungen der Globalisierung auf die Finanzmärkte

1. Einleitung

Das Schlagwort der Globalisierung ist heutzutage in aller Munde. Das Phänomen der Globalisierung ist oftmals Gegenstand starker Auseinandersetzungen im politischen, wissenschaftlichen, aber auch alltäglichen Diskurs.

Auf der einen Seite wird die Globalisierung oftmals als Risiko, als großes Übel unserer Zeit dargestellt. Sie wird von verschiedensten globalisierungskritischen Organisationen wie zum Beispiel Attac oder Teilen der Gewerkschaften für negativ bewertete Entwicklungen verantwortlich gemacht[1]. So gilt die Globalisierung – zumindest in ihrer augenblicklichen Ausgestaltung - als ursächlich für weltweite Umweltverschmutzung, für die kulturelle Hegemonie der westlichen oder amerikanischen Kultur, für Armut und Hungersnöte in Entwicklungsländern, für Arbeitsplatzverluste in Industrieländern und für die allgemeine Unbeherrschbarkeit multinationaler Unternehmen und des „entfesselten Kapitalismus“.

Auf der anderen Seite werden jedoch auch die Chancen und Vorzüge der Globalisierung genannt. Die fast grenzenlose Mobilität von Personen, Gütern und Dienstleistungen werden als neue Freiheiten wahrgenommen. Ein weltweiter Austausch verschiedener Kulturen, sekundenschnelle Informationsflüsse und größere persönliche Entwicklungspotenziale werden betont. Einen zentralen Aspekt der Globalisierung stellen auch die um ein vielfaches erweiterten wirtschaftlichen Möglichkeiten dar, die eine globalisierte Welt bietet.

Der Begriff „Globalisierung“ ist jedoch nicht eindeutig definiert. So wird Globalisierung oftmals im weiteren Sinne als die weltweite Verbreitung von Kultur und Informationen, globale Präsenz von Fernsehen, Internet und anderen Kommunikationsformen, sowie wachsende Mobilität der Menschen, Waren und Dienstleistungen und die allgemeine Kommerzialisierung des Lebens definiert. Für den Zweck dieser Arbeit ist jedoch eine engere Definition, wie sie zum Beispiel bei Schönberg (2001, S. 154) verwendet wird, praktikabler. Demnach ist die Globalisierung aus ökonomischer Perspektive die Vernetzung von Märkten, die vom Zustand einer geschlossenen Volkswirtschaft in den einer offenen übergehen und sich schließlich zu einer integrierten, globalen Weltwirtschaft formen.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Globalisierung auf die Finanzmärkte. Dies stellt nur einen kleinen Teilaspekt der gesamten Globalisierungs­problematik dar, jedoch findet die Globalisierung der Finanzmärkte in der Öffentlichkeit eine besondere Aufmerksamkeit. Die Globalisierung der Finanzmärkte wird von globalisierungskritischen Organisationen in besonderer Art und Weise kritisiert. Durch die seit den 70er Jahren immer schneller voranschreitende Liberalisierung der internationalen Kapitalströme seien Nationalstaaten um ihre Regulierungs- und Besteuerungsmacht gebracht worden (Soros 2002, S. 15). Entwicklungsländer seien zum Spielball der großen multi­nationalen Finanzkonzerne geworden, die nach Belieben gegeneinander ausgespielt würden und zum Opfer großen Finanzmarktkrisen würden.

Dieses in der Öffentlichkeit emotional diskutierte Thema bedarf jedoch einer sachlichen Analyse und Betrachtung. Die vorliegende Arbeit beschreibt zunächst kurz die historische Entwicklung der Globalisierung und Liberalisierung der internationalen Finanzmärkte. Dann wendet sie sich der Frage zu, wie weit die globale Kapitalmobilität tatsächlich fortgeschritten ist. In einem weiteren Schritt werden die Konsequenzen erhöhter Kapitalmobilität erörtert. Schließlich wird am Ende kurz auf das umstrittene Reformkonzept der Tobinsteuer eingegangen. Eine umfassende Analyse der Finanzkrisen der vergangenen Jahre würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

2. Die historische Entwicklung der Globalisierung der Finanzmärkte

Der heutige Integrationsgrad der globalen Finanzmärkte wird immer wieder als einzigartig und neuartig beschrieben. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Schon in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg waren die internationalen Finanzmärkte stark liberalisiert. So waren die Zinsdifferenzen zwischen Großbritannien und den USA damals sehr gering (vgl. Prasad/Rogoff/Wei et al 2003, S. 35). Erst durch die beiden Weltkriege, die große Weltwirtschaftkrise in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und die damit verbundenen internationalen Spannungen kam es zu einem hohen Grad an Protektionismus und Abschottung der einzelnen Staaten.

Das internationale Währungssystem und damit auch die internationalen Finanzmärkte waren in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg durch das System von Bretton Woods von 1944 geprägt (vgl. Krugman/Obstfeld 2004, S. 697 ff.). Diesem System lag der Gedanke zugrunde, dass nur feste Wechselkurse internationale Stabilität und freien Handel gewährleisten könnten. Es sah feste Wechselkurse zwischen den verschiedenen Währungen vor, wobei der amerikanische Dollar als Leitwährung diente, auf den sich die anderen Währungen bezogen. Die Notenbanken der anderen Staaten waren verpflichtet, auf dem Markt zu intervenieren, wenn der Kurs ihrer Währung zum US-Dollar vom fest vereinbarten Kurs abzuweichen drohte. Die Notenbank der USA musste im Gegenzug für einen festen Betrag an Dollar Gold aus ihren Beständen verkaufen. Der Spielraum der Notenbanken zur Kursfixierung war jedoch durch ihre eigenen binnenwirtschaftlichen Ziele und durch ihre eigenen Devisenreserven begrenzt.

Da dauerhafte Zahlungsbilanzungleichgewichte, hervorgerufen durch eine unkoordinierte Wirtschaftspolitik, die Fähigkeit einzelner Notenbanken zur Kursstabilisierung gefährden konnten, führten viele Staaten zahlreiche Kapitalverkehrskontrollen ein, die die internationale Kapitalmobilität stark einschränkten (vgl. Ohr 2001, S. 15).

Dies führt das so genannte Trilemma der internationalen Wechselkurspolitik vor Augen: Autonome Geldpolitik, Wechselkursstabilität und freier Kapitalverkehr sind nicht gleichzeitig realisierbar. Nur zwei dieser drei Ziele sind zur gleichen Zeit widerspruchfrei umsetzbar (vgl. Krugman/Obstfeld 2004, S. 899).

1973 brach schließlich das System von Bretton Woods zusammen. Der Wechselkurs des Dollars wurde als stark überbewertet wahrgenommen und massive Spekulationen auf eine Abwertung des Dollars führten zu noch stärkeren Zahlungsbilanzungleichgewichten. Schließlich ließ sich der Kurs des Dollars nicht mehr verteidigen und auch letzte Rettungsversuche zeigten sich zwecklos. Die Notenbanken stellten ihre Marktinterventionen zur Verteidigung der festen Wechselkursparitäten ein und gaben damit die Wechselkurse frei (vgl. Krugman/Obstfeld 2004, S. 715).

In der darauf folgenden Zeit der flexiblen Wechselkurse wurden viele Kapital­verkehrskontrollen und -beschränkungen abgebaut. Die flexiblen Wechselkurse ermöglichten den verschiedenen Staaten geldpolitische Autonomie und freien Kapitalverkehr.

Somit trug der Zusammenbruch des Bretton Woods Systems zur Globalisierung der internationalen Finanzmärkte bei. Dies begann in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bei den Industriestaaten. Die finanzielle Integration der weniger entwickelten Länder folgte erst später. Seit dem Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, d.h. nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten abgeschotteten Ostblocks und den letzten Versuchen der Wechselkurstabilisierungen wie dem Louvre-Akkord[2], kann nun wirklich von einem globalen Finanzmarkt gesprochen werden (vgl. Krugman/Obstfeld 2004, S. 749 f.). Dieser ist jedoch kein perfekter Kapitalmarkt, wie im folgenden Abschnitt ausgeführt wird.

3. Die globale Kapitalmobilität

Das Volumen der internationalen Kapitalströme ist in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen. Dies gilt sowohl in absoluten Zahlen wie auch relativ zum BIP oder zum Außenhandelsvolumen der einzelnen Staaten.

In globalisierungskritischer Literatur wird oftmals die These vom entfesselten Finanzmarkt, der nicht mehr zu kontrollieren sei und sich global ohne Rücksicht auf nationale, kulturelle oder moralische Grenzen und Schranken ausbreite, vertreten (Barnet/Cavanagh 2002, S. 93 ff.) In der heutigen „Kasinoökonomie“ sei das Geld von jeder Bindung an geographische Orte und jeder Quelle der Wertschöpfung befreit und suche sich seinen zerstörenden Weg rund um den Globus.

Doch dieses oft auch in der Öffentlichkeit bemühte Bild der totalen Globalisierung der Kapitalströme entspricht nicht unbedingt der Realität. Die oben beschriebenen Ausprägungen der Globalisierung haben mit Sicherheit zu einer höheren Mobilität des Kapitals geführt. So sind Transportkosten und auch Transaktionskosten allgemein gesunken. Jedoch haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass Kapital nach wie vor einem „home bias“ unterworfen ist (Buch 2004, S. 23 f.). Dies bedeutet, dass es auch in Zeiten starker internationaler Liberalisierung der Finanzmärkte noch zu einem großen Teil in seinen Herkunftsländern angelegt wird. Dies widerspricht der allgemeinen Theorie, dass mobiles Kapital seiner effizientesten Verwendung zugeführt wird, egal in welchem Staat sich diese befindet. Bei der Messung der internationalen Kapitalmobilität muss zwischen der (rechtlichen) Liberalisierung der Kapitalverkehrbeschränkungen und der tatsächlichen Integration der weltweiten Finanzmärkte unterschieden werden. Es gibt dabei verschiedene Ansätze zur Messung der Integration der weltweiten Finanzmärkte.

3.1 Die rechtliche Liberalisierung internationaler Kapitalbewegungen

Dieser Ansatz versucht Kapitalmobilität über die rechtlichen Einschränkungen bei der grenz­überschreitenden Transaktion von Kapital, die ein Staat erlässt, zu messen.

Eine gebräuchliche Kenngröße der finanziellen Integration ist das „IMF-Restriction“-Maß, das für Jahre, in denen keine rechtlichen Beschränkungen hinsichtlich Transaktionen, die die Kapitalbilanz betreffen, den Wert 0 annimmt und für Jahre in denen Restriktionen bestehen den Wert 1 annimmt (vgl. Miniane 2004, S. 278). Dabei kann man einen deutlichen Rückgang der Kapitalverkehrsbeschränkungen zwischen den Industriestaaten seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts beobachten. Anfang der 90er Jahre beschleunigte sich diese Entwicklung so dass man sagen kann, dass diese inzwischen (finanziell) offene Volkswirtschaften sind. Bei den Entwicklungsländern gab es diesen Prozess in den 70er Jahren auch, jedoch wurde er in den 80er Jahren wieder umgekehrt. Erst in den 90er Jahren war wieder eine deutliche Liberalisierung zu beobachten, wobei sich jedoch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Entwicklungsländern ergeben (vgl. Prasad/Rogoff/Wei et al 2003, S. 7 f.).

Da dieses Maß in seiner binären Ausgestaltung jedoch recht beschränkt ist, gibt es eine Reihe von Weiterentwicklungen. Miniane (2004, S. 278 f.) gibt dazu einen umfassenden Überblick. Die Ergebnisse dieser Indikatoren bestätigen den Trend, dass Kapital in immer weniger Ländern Beschränkungen unterworfen ist und damit potentiell mobiler wird.

Der Ansatz, internationale Kapitalmobilität über die rechtlichen Beschränkungen, die Kapitaltransaktionen auferlegt werden, zu messen hat den Nachteil, dass auf diese Weise kaum die Intensität der tatsächlichen finanziellen Integration eines Staates in die internationalen Finanzmärkte gemessen werden kann. So kann es sein, dass ein Land zwar weitgehende Beschränkungen der Kapitalmobilität erlassen haben, diese jedoch legal oder illegal umgangen werden, wie es zum Beispiel in Südamerika in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der Fall war. Andererseits kann es auch sein, dass ein Land seinen Kapitalverkehr zwar weitgehend liberalisiert hat, jedoch trotzdem keine nennenswerten Kapitaltransaktionen anfallen (Prasad/Rogoff/Wei et al 2003, S. 6).

[...]


[1] So z.B. ausführlich unter www.attac.de. Bhagwati (2002) zur Motivation globalisierungskritischer Organisationen.

[2] Der Louvre-Akkord stellte einen letzten Versuch dar, die Wechselkurse in einer bestimmten Bandbreite zu fixieren.

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638345781
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34319
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – VWL
Note
1,7
Schlagworte
Auswirkungen Globalisierung Finanzmärkte Außenwirtschaftliches Seminar

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