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Eine Betrachtung der motorischen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

Studienarbeit 2015 14 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die motorischen Grundlagen

3 Motorische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

4 Motorik der Kinder und Jugendlichen in Deutschland

5 Stellenwert von Bewegung für Gesundheit und Motorik

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist die Analyse und Darstellung der motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Zu Beginn erfolgt eine theoretische Einführung in die motorischen Grundlagen. Dazu wird eine Betrachtung der motorischen Entwicklung im Allgemeinen, der aktuellen Situation in Deutschland im Speziellen sowie des Stellenwertes von Bewegung auf die Motorik vorgenommen.

Abschließend werden die erworbenen Erkenntnisse aus der Analyse, der aktuellen motorischen Situation im Allgemeinen sowie in Deutschland im Speziellen, dargestellt.

2 Einführung in die motorischen Grundlagen

Für die motorische Entwicklung gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Definitionen und Theorien. Aus diesem Grund soll in diesem Kapitel zum Verständnis der Terminologie zunächst der Bereich der Motorik sowie die wichtigsten Begriffe, die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten umfassen, erklärt werden.

Motorik umfasst die Steuerungs- und Funktionsprozesse, die Voraussetzung für sämtliche Bewegungen und Haltungen sind. Diese Beschreibung des Begriffs Motorik führt zu einer Differenzierung der Steuerungs- und Funktionsprozesse als Basis und der Bewegungen und Haltungen als Ergebnis von Motorik. An diesen Prozessen sind zudem motivationale, sensorische, perzeptive und kognitive Vorgänge beteiligt. Diese Teilsysteme werden in den Begriffen „Psychomotorik“ und „Sensomotorik“ wiedergegeben und umschreiben die Wechselbeziehungen zwischen psychischen und motorischen Vorgängen.

Als motorische Fähigkeiten werden die Strukturen und Funktionen bezeichnet, die für die Entstehung sportlicher Bewegungen und Leistungen verantwortlich sind. Die Qualität einer sportlichen Bewegung oder Leistung ist somit abhängig von der Qualität der individuellen motorischen Fähigkeiten (vgl. Ahnert, 2005, S. 20).

Die Fähigkeiten können in unterschiedliche Stufen differenziert werden. Der deutsche Sportwissenschaftler Klaus Bös (2007) stellt die energetisch determinierten (konditionellen) Fähigkeiten sowie die informationsorientierten (koordinativen) Fähigkeiten auf die erste Stufe. Auf der zweiten Stufe unterteilt er diese in ihre Grundeigenschaften, welche sich aus Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Bewegung zusammensetzen. Die Grundeigenschaften werden in der dritten Stufe in weitere Eigenschaften unterteilt. Auf der Seite der konditionellen Fähigkeiten wird die Ausdauer hinsichtlich der Art der Energiegewinnung in aerobe Ausdauer (AA) und anaerobe Ausdauer (AnA) differenziert. Die Kraft wird in die Bereiche Kraftausdauer (KA), Maximalkraft (MK) sowie Schnellkraft (SK) unterteilt und die Schnelligkeit in Aktionsschnelligkeit (AS) sowie Reaktionsschnelligkeit (RS) gegliedert. Die koordinativen Fähigkeiten klassifiziert Bös in Koordination unter Zeitdruck (KZ) und Koordination bei Präzisionsaufgaben (KP). Die motorische Fähigkeit Bewegung nimmt in seiner Differenzierung eine gesonderte Position als Leistungsvoraussetzung des passiven Systems ein (vgl. Bös, 2007, S. 10f.).

Abb. 1: Systematisierung motorischer Fähigkeiten nach Bös[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Motorische Fertigkeiten sind aus Lernprozessen resultierende Bewegungsmuster, die zur Lösung sportlicher und alltäglicher Bewegungsaufgaben dienen (vgl. Wollny, 2007, S. 21). Sie sind individuelle Unterschiede im Niveau der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die bei der Durchführung von Bewegungen zum Tragen kommen. Zu ihnen zählen beispielsweise sportartspezifische Techniken, die sich grundsätzlich durch Training erwerben lassen. Die sportartspezifischen Fertigkeiten können in elementare und komplexe Formen unterteilt werden. Zu den elementaren Fertigkeiten zählen sämtliche grundlegenden motorischen Vorgänge, die zum Lösen alltäglicher Bewegungsaufgaben notwendig sind, wie zum Beispiel Gehen, Laufen, Tragen, Heben, Werfen und Fangen. Diese elementaren Leistungs-voraussetzungen werden bereits im frühen Kindesalter erlernt. Auf ihnen bauen die komplexen Fertigkeiten, wie sie unter anderem in sportlichen Aktivitäten gefordert werden, auf (vgl. Ahnert, 2005, S. 22f.).

3 Motorische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

Motorik ist die Grundvoraussetzung für die Interaktion einer Person mit ihrer Umwelt sowie für eine Reaktion auf äußere Einflüsse. Die Entwicklung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten führt dazu, dass bereits im Kindesalter neue Erfahrungen gesammelt und die Umwelt erkundet werden kann. Sie ist für die Entwicklung vieler Persönlichkeitsbereiche elementar wichtig. Die motorische Entwicklung ist somit für die Gesamtentwicklung im Kindesalter von großer Bedeutung. Zwischen der motorischen und kognitiven Entwicklung sowie der Persönlichkeitsentwicklung bestehen Wechselbeziehungen, weshalb die Teilbereiche nicht einzeln betrachtet werden sollten (vgl. Ahnert, 2005, S. 15f.).

Es besteht bis heute kein einheitliches Erklärungsmodell für die motorische Entwicklung. Es gibt vier unterschiedliche Ansätze, die im Folgenden skizziert und miteinander verglichen werden. Diese Grundkonzeptionen unterscheiden sich hinsichtlich des Beobachtungsgegenstandes, des Entwicklungsverlaufs, der Entwicklungssteuerung und des erklärten Lebenszeitraums (vgl. Ahnert, 2005, S. 24f.). Baur (1994) unterteilt die Entwicklungstheorien in biogenetische, strukturgenetische, umweltdeterministische und interaktionistische Konzeptionen (vgl. Abbildung 2).

Abb. 2: Metatheoretische Entwicklungskonzeptionen[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den biogenetischen (endogenetischen bzw. organismischen) Theorien wird die Entwicklung als natürlicher Reifungsprozess verstanden, der durch die biologischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt wird. Die Entwicklung erfolgt nach festen Entwicklungsstufen, die durch äußere Faktoren zwar beeinflusst, aber nicht elementar verändert werden können. Diesen Theorien zufolge wären pädagogische Maßnahmen wirkungs-los, da sich lediglich endogene Faktoren auf die Entwicklung auswirken. Zudem würde sich der Entwicklungszeitraum auf die Phase im Kindes- und Jugendalter beschränken.

Die strukturgenetischen (konstruktivistischen und systemischen) Theorien nehmen über-wiegend Bezug auf die kognitive Entwicklung. Diese Theorien gehen ebenfalls davon aus, dass maßgeblich endogene Faktoren an der Entwicklungssteuerung beteiligt sind. Anders als bei den biogenetischen Theorien beeinflusst der Mensch jedoch auch selbst die Entwicklung. Es herrscht ein ständiger Anpassungsprozess an die äußeren Einflüsse unter Berücksichtigung der eigenen Erfahrungen. Pädagogische Interventionen können hier keine größere Rolle spielen, sondern nur als unterstützende Maßnahme verstanden werden. Dieser Theorieansatz ist auf die kognitive Entwicklung und zudem auch nur auf das Kindes- und Jugendalter begrenzt.

Die umweltdeterministischen (exogenistischen bzw. mechanischen) Theorien beinhalten genau den entgegengesetzten Ansatz. Die Entwicklungssteuerung erfolgt durch Reaktionen des Organismus auf äußere Einflüsse. Der Entwicklungsverlauf hängt von den Umweltbedingungen ab und beeinflusst so die Anpassungen des Menschen. Der Entwicklungszeitraum bezieht sich nicht nur auf das Kindes- und Jugendalter, sondern auf die gesamte Lebensdauer, da die Entwicklung von exogenen Faktoren gesteuert wird und somit nie endet. Endogene und biologische Faktoren werden in diesem Ansatz völlig vernachlässigt. Die entscheidenden exogenen Einflüsse sind hingegen sehr umfangreich. Zu ihnen zählen unter anderem sozioökonomische (z.B. Schichtzugehörigkeit), materielle (z.B. Wohnungsgröße), familiäre (z.B. Familiengröße) und soziale (z.B. Gesundheit) Faktoren.

Die interaktionistischen (handlungstheoretischen, ökologischen und dialektischen) Theorien besagen, dass sich der Mensch durch sein eigenes Handeln und die Wechselwirkungen zwischen Personen und Umwelt entwickelt. Hierbei kommen sowohl biogenetische Faktoren als auch eigens erworbene Erfahrungen zum Tragen. Die Entwicklung wird über das gesamte Leben hinweg von der Interaktion zwischen Personen und ihrer Umwelt beeinflusst (vgl. Ahnert, 2005, S. 24ff.).

Die motorische Entwicklung ist als eine auf das Lebensalter bezogene Veränderung zu verstehen, die nach einem natürlichen Prozess verläuft. Die Steuerungs- und Funktions-prozesse, die für Haltungen und Bewegungen verantwortlich sind, verändern sich mit dem Lebensalter und stellen einen lebenslangen Prozess dar (vgl. Wastl, 2005, S. 2f.). Die entwicklungsspezifischen motorischen Ausprägungen können den jeweiligen Alters-bereichen zugeordnet werden und geben einen Überblick über den Verlauf der motorischen Entwicklung (siehe Abbildung 3).

[...]


[1] Vgl. Bös, K. (1987). Handbuch sportmotorischer Tests. S. 94.

[2] Vgl. Baur, J. (1994). Motorische Entwicklung: Konzeptionen und Trends. S. 30.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668332911
ISBN (Buch)
9783668332928
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343082
Institution / Hochschule
Hochschule für Gesundheit und Sport, Ismaning
Note
1,7
Schlagworte
Motorik motorische Entwicklung Kinder Jugendliche Deutschland

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