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Die Rechtschreibreformen von 1876 und 1901

Hausarbeit 2004 23 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rechtschreibreform von 1876
2.1 Vorgeschichte
2.2 Konferenzbeschlüsse
2.3 Die weitere Entwicklung bis 1901

3 Die Rechtschreibreform von 1901
3.1 Konferenzbeschlüsse
3.2 Veränderungen zur Konferenz und Reform von 1876

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Anschluss an die Vorlesung „Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht“, habe ich mich mit den Rechtschreibkonferenzen von 1876 und 1901 beschäftigt.

Beide orthographischen Konferenzen spielen in der Geschichte der deutschen Orthographie eine wichtige Rolle und markieren bestimmte Stationen im Prozess der Herausbildung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung.

In dieser Hausarbeit wird die Vorgeschichte der „Ersten Orthographischen Konferenz“ näher beleuchtet, ihre Konferenzbeschlüsse genannt und die weitere Orthographische Entwicklung des deutschsprachigen Raumes bis hin zur „Zweiten Orthographischen Konferenz“ 1901 dargestellt. Danach folgen die Nennung der Konferenzbeschlüsse und der Vergleich beider Konferenzen.

Am Ende fasse ich meine Ergebnisse in einem Fazit zusammen.

2 Die Rechtschreibreform von 1876

„Nicht zwei Lehrer derselben Schule und nicht zwei Korrektoren derselben Offizin waren in allen Stücken über die Rechtschreibung einig, und eine Autorität die man hätte anrufen können, gab es nicht.“[1]

Mit diesen Worten beschrieb Konrad Duden die Missstände bezüglich der uneinheitlichen deutschen Orthographie, die sowohl an Schulen als auch im Druckgewerbe bestand und zu einer großen Verunsicherung der Menschen geführt hatten.

Im Folgenden werden die Bemühungen um eine Reform der deutschen Orthographie durch die „Erste Orthographische Konferenz“ von 1876 dargestellt, die versuchte diese Missstände aufzuheben.

2.1 Vorgeschichte

Der Hauptgrund warum es keine einheitliche Regelung zur Orthographie gab, war die politische Situation des Deutschen Reiches. Durch die vielen einzelnen Kleinstaaten, die jeweils mit eigener Kulturhoheit ausgestattet waren, machte eine Verordnung zu einer einheitlichen Orthographieregelung für das gesamte Deutsche Reich unmöglich. Zu dieser Zeit lagen selbst in den Schulen einer Stadt oder eines Kreises nur selten Einigungen über verlässliche Rechtschreibnormen vor, und wenn solche existierten, so versuchten sich Einzelne dennoch „die Wahrung so genannter berechtigter Eigentümlichkeiten vorzubehalten.“[2]

So ist es auch nicht allzu verwunderlich, wenn vorhandene Regelbücher nicht über die Landes- und Stadtgrenzen hinaus kamen und wirken konnten. Erst durch die Reichsgründung von 1871 durch Bismarck wurde diese Lage geändert, da es nun ein einheitliches Deutsches Reich gab.

Da man Einheitsbestrebungen gegenüber tendenziell aufgeschlossen war hofften viele auf eine deutsche Einheitsschreibung.[3]

In der Zeit vor der Konferenz galt also grundsätzlich das Prinzip der Schreibung nach Aussprache, welches aufgrund von landschaftlichen Einflüssen und den verschiedenen Dialekten zwangsläufig Schwankungen nach sich zog. Die folgende Tabelle verdeutlicht diese Unstimmigkeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 / Siehe Nerius 1989.[4]

Natürlich gab es Bemühungen durch verschiedene Persönlichkeiten wie zum Beispiel Johann Christian HESYE, der bereits 1814 die „Theoretisch-praktische deutsche Grammatik oder Lehrbuch zum reinen und richtigen Sprechen, Lesen und Schreiben der deutschen Sprache. Für den Schul- und Hausgebrauch bearbeitet“ vorlag, diese Missstände zu beheben und eine Einheitliche Schreibung zu finden. Ein weiterer Vertreter war Karl Ferdinand BECKER mit seiner „Deutschen Grammatik“ die 1829 erschien.

Beide Werke waren wichtige Impulse in ihrer Zeit und führten erste Regeln und Gesetze ein, die auch Einfluss auf der Ersten Orthographischen Konferenz 1876 hatten.[5]

2.2 Konferenzbeschlüsse

Ab 1870/71 sind es die Schulbehörden, die eine Lösungsfindung im Sinne eines einheitlichen Schreibgebrauchs suchen. Deswegen beriefen sie vom 5. bis 15. Januar 1876 die „Erste Orthographische Konferenz“ in Berlin ein. Von den Teilnehmern wurde eine „gründliche Sachkenntnis und praktische Erfahrungen oder doch eingehendes Verständnis“[6] im Schulbereich gefordert und sie mussten mit dem vorgelegten Regelwerk prinzipiell einverstanden sein ohne es vorher zu kennen. Dadurch wurden von Anfang an radikale Anhänger der historischen Richtung sowie radikale Phonetiker ausgeschlossen um einen Fortschritt zu garantieren. Teilnehmer waren vierzehn Stimmberechtigte aus den verschiedensten Bereichen. Dazu gehörten Vertreter der Universitäten, des Schulwesens (u.a. Konrad DUDEN) sowie ein Vertreter des Buchhändlerverbandes und ein weiterer des Buchdruckervereins.[7] Das Ziel der Verhandlungen war „eine größere Einigung in der deutschen Rechtschreibung“[8] herbeizuführen.

Zudem war allen bewusst, dass „nicht die Schaffung einer neuen Orthographie angestrebt werden sollte, sondern nur die Vereinheitlichung der jetzt bestehenden.“[9] So wurden Entscheidungen getroffen, die die zahlreichen Fälle unterschiedlicher Schreibvarianten beseitigen und eine einheitliche Form finden sollten. Abgestimmt wurde nach Mehrheitswahlrecht, d.h. es setzte sich jeweils die Schreibvariante durch, welche die Mehrheit der Stimmen hatte.

So wurde zum Beispiel beschlossen:

- „die Durchsetzung der Schreibung – iren statt – ieren:
- probiren, studiren
- die Beseitigung schwankender Einzelwortschreibungen:
- wider, nicht wieder / wider
- tot, nicht todt / tot
- samt, nicht samt / sammt
- gibt, nicht giebt / gibt
- Weitgehende Umstellung von <C> > <Z>, <K> bei Fremdwörtern:
- Kasse, Klasse, Konferenz, Kultur, Insekt, Zelle, Zirkel;
aber: Centner / Zentner, Censur / Zensur,
Medicin / Medizin, Princip / Prinzip;
Centimeter, Cigarre, Citat, Civil
- „Heysesche“s -Regelung:
- Fass, Fässer – Fuß, Füße, heiß
- Trennbarkeit von pf, st, tz:
- Also: auch Wes-te
- Die Längenregelung nach e, i einerseits und a, o, u andereseits ergab:
- Bare, Fane, Gefahr, Har, Han, Jar, Lam,…..
- Bone, Höle, Lon, Mos, Hun, Stul,[10]

[...]


[1] Duden, Konrad: Rechtschreibung. In: Rein, Wilhelm (Hg.): Encyklopädisches Handbuch der

Pädagogik. 2. Auflage Bd. 7 Langensalza 1908, S. 331.

[2] Sanders, Daniel: Die deutsche Rechtschreibung. In: Archiv für das Studium der neueren

Sprachen und Literaturen. Braunschweig 1873, S.80.

[3] Vgl.: Lüthgens, Stephanie: Rechtschreibreform und Schule. Die Reformen der deutschen

Rechtschreibung aus der Sicht von Lehrerinnen und Lehrern. Peter Lang. Frankfurt am Main

2002, S. 23.

[4] Nerius, Dieter (Hg.): Deutsche Orthographie. 2. Auflage. VEB Bibliographisches Institut.

Leipzig 1989, S. 240 f.

[5] Vgl. Scheuringer Hermann: Geschichte der deutschen Rechtschreibung. Ein Überblick. In:

Ernst, Peter (Hg.).: Schriften zur diachronen Sprachwissenschaft. Band 4. Praesens. Wien

1996, S. 60 ff.

[6] Lüthgens, Stephanie: Rechtschreibreform und Schule. Die Reformen der deutschen

Rechtschreibung aus der Sicht von Lehrerinnen und Lehrern. Peter Lang. Frankfurt am Main

2002, S. 32.

[7] Vgl. Ebd., S. 33.

[8] Duden, Konrad: Rechtschreibung. In: Rein, Wilhelm (Hg.): Encyklopädisches Handbuch der

Pädagogik. 2. Auflage Bd. 7 Langensalza 1908, S. 331.

[9] Bramann, Klaus-Wilhelm: Der Weg zur heutigen Rechtschreibnorm. Abbau orthographischer

und lexikalischer Doppelformen im 19. und 20. Jahrhundert. Peter Lang. Frankfurt am Main

1987, S. 88.

[10] Scheuringer Hermann: Geschichte der deutschen Rechtschreibung. Ein Überblick. In:

Ernst, Peter (Hg.).: Schriften zur diachronen Sprachwissenschaft. Band 4. Praesens. Wien

1996, S. 76 ff.

Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638345699
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34305
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
Rechtschreibreformen

Autor

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Titel: Die Rechtschreibreformen von 1876 und 1901