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Gibt es eine sprachliche Verwandtschaft zwischen den Gewässernamen Weißeritz, Iser, Isar und Osero?

Zur europäischen Verbreitung von Hydronymen mit keltischer Wurzel

Wissenschaftlicher Aufsatz 2016 13 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt:

1. Das Flusssystem der Wilden, Roten und vereinigten Weißeritz

2. Der Flussname Weißeritz und seine Verwandten in Europa

3. Zur Herkunft und Bedeutung von Gewässernamen mit der Konsonantenfolge „s-r“ im Wortstamm

4. Beziehungen zwischen Flüssen mit der Konsonantenfolge „s-r“ im Wortstamm und ihren hydrogeographischen Eigenschaften

5. Resümee

6. Literatur:

Anhang: Tafeln 3 und 4

Gibt es eine sprachliche Verwandtschaft zwischen den Gewässernamen Weißeritz, Iser, Isar und Osero?

Zur europäischen Verbreitung von Hydronymen mit keltischer Wurzel von Dr. Bernd Hofmann, Dresden

1. Das Flusssystem der Wilden, Roten und vereinigten Weißeritz

In der rauhen, traditionell schnee- und niederschlagsreichen, oft aber auch sonnigen Kammregion des Osterzgebirges im Bundesland Sachsen und an dessen östlichen Ausläufern entspringen vorwiegend auf böhmischem Gebiet mehrere Flüsse. Diese streben im Wesentlichen in nördlichen Richtungen der Elbe zu. Die Müglitz und die Gottleuba beginnen ihren Lauf in den weniger hoch gelegenen, aber weitläufigen und regenreichen Kammregionen etwa zwischen den markanten böhmischen Bergkuppen Komáří hůrka (Mückenberg, 808 mNN) und Spičák (Schönwalder Spitzberg oder Sattelberg, 724 mNN). Flöha, Freiberger Mulde und Wilde Weißeritz kommen von der ebenso niederschlags­reichen Kammhochfläche zwischen Prame­náč (Brunnen­berg, 909 mNN) und Loučná (Wieselstein, 960mNN). Die Rote Weißeritz entspringt in den Wäldern um den Kahleberg, mit 906 mNN die höchste Erhebung des sächsischen Osterzgebirges. Während die Wilde Weißeritz in ihrem Ober- und Mittellauf weite Wälder durchfließt und abseits von Verkehrswegen nur wenige Siedlungen berührt, wird die Rote Weißeritz bereits unmittelbar nördlich ihres Quellgebietes bis hin zur Talsperre Malter unweit der alten Bergstadt Dippoldiswalde nicht nur von vielen Siedlungen, sondern auf weiten Strecken auch von der Bundesstraße 170 und einer Schmalspurbahn begleitet, die allerdings nach dem Hochwasser von 2002 noch auf ihre vollständige Rekonstruktion wartet. Die Rote und die Wilde Weißeritz vereinigen sich in Freital-Hainsberg in der Nähe des S-Bahn-Haltepunktes Hainsberg-West. Durch Freital und den sog. Plauenschen Grund erreicht die vereinigte Weißeritz das Stadtgebiet von Dresden. Der erste und älteste Übergang über die vereinigte Weißeritz im Einzugsgebiet von Dresden war eine Brücke im heutigen Dresdener Stadtteil Löbtau. Sie entstand bereits im Mittelalter und verband den aus der Dresdner Innenstadt kommenden Fahrweg (heute Freiberger Straße) mit der bedeutenden “Freybergischen Chaussee” (heute: Kesselsdorfer Straße). 1837 entstand die bis heute erhaltene Brücke. Erst 1995 saniert, wurde sie beim furchtbaren Hochwasser im August 2002 in Mitleidenschaft gezogen, ist mittlerweile jedoch wieder befahrbar /7/. Bei ihrem weiteren Lauf durch Dresden wurde das Flussbett der vereinigten Weißeritz durch Hochwasser und Kanalisierung mehrfach verändert. Ursprünglich nahe des alten Dresdener Stadtkerns in die Elbe mündend, wurde ihr Lauf 1893 aus verkehrstechnischen Gründen einige Kilometer stromab nach Dresden-Cotta verlegt. Dadurch stieg die Hochwassergefahr in Cotta stark an. Die Unberechenbarkeit der Weißeritz zeigte sich besonders 2002, als sie praktisch alle ihre alten Betten im Dresdner Stadtgebiet überflutete und sich sogar viel weiter östlich durch die Haupthalle des Dresdener Hauptbahnhofes einen neuen Weg bahnte /4,13/.

2. Der Flussname Weißeritz und seine Verwandten in Europa

Bei der Analyse des Namens Weißeritz stellt man fest, dass die Konsonantenfolge des Wortstammes unseres osterzgebirgischen Flusssystems „s-r“ ist. Der Anlaut „w“ hat sich bei der Eindeutschung aus „b“, dem Anlaut des altslawischen Ursprungs­wortesbystrǔbzw.tsch.bystrýin der Bedeutung von schnell oderasl.bystrinafür Fluß entwickelt. (Eine Aufstellung hier verwendeter, weniger gebräuchlicher Abkürzungen zeigtTafel 1.) Die Verbindung zu diesen altslawischen Ursprungs-wörtern ist noch im frühdeutschen NamenBuistrizifür einen an der vereinigten Weißeritz gelegenen mittelalterlichen Burgward erkennbar /12/. Ebenfalls bereits im Altsla­wischen hat sich offenbar zwischen „s“ und „r“ ein „t“ etabliert, das wohl auch im slawischen NamenIsterfür die untere Donau fortlebt, inWeißeritzaber wieder verschwunden ist. Der Suffix (Nachsilbe) bzw. Auslaut „itz“bzw. „ci“ ist typisch für jünger­sla­wische bzw. eingedeutschte Orts‑, Gewässer- und Flur­namen etc. und hat nichts mit der ursprünglichen Wortbedeutung zu tun /5,8/.

Tabelle 1: Im Text verwendete weniger gebräuchlicher Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nun gibt es in Europa einige Flüsse und Seen mit der Konsonantenfolge „s-r“ im Wortstamm. Dies zeigt ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Aufstellung inTafel 2. Allerdings sind auch einige Abwandlungen wies-k, s-l, j-s-l, s-r-k, s-t-rzu beobachten. Diese dürften auf Konsonantenwechsel (r > l), auf relativ junge Adaptionen durch andere Sprachen, insbesondere im Laufe der Sprachentwicklung aufgenom­mene Prä- und/oder Suffixe (z.B.rät.-cibzw.ital.-cobeiIsarcibzw.Isarco, -itzbeiWeißeritz) bzw. An- und/oder Auslaute (z.B.W- beiWeißeritz) zurückzu­führen sein.

3. Zur Herkunft und Bedeutung von Gewässernamen mit der Konsonantenfolge „s-r“ im Wortstamm

Die Herkunft und Semantik (Wortbedeutung) der Hydronyme (Gewässernamen) Iser, Isar und ihrer Variationen bis hin zur Weißeritz ist umstritten. Häufig wird eine Ableitung vonkelt.ysoderisirás(wild, schnell, frisch, stark, reißend) vermutet /8/. Neuere Forschungen, die eine ältere, allgemeinere indogermanische (indo­euro­päische) Herkunft dieser Gewässernamen vonidg. "es" oder "is" in der Bedeutung „fließendes Wasser“ annehmen, dürften dem nicht entgegenstehen. In heutigen Sprachen hat sich diese ältere Wurzel möglicherweise in den WortenEisundengl.icefür den festen Aggregatzustand des Wassers erhalten /8/. Trotzdem erscheint es gewagt, von einer nur aus einem Vokal und einem Konsonanten bestehenden Wortwurzel regelmäßig auf eine konkrete Wortbedeutung zu schließen, weil sich vor allem Vokale sowohl ethnisch als auch geographisch über die Jahrtausende meist sehr stark verändert haben. Dagegen haben sich Folgen von zwei und mehr Konsonanten in Wortstämmen oft über große Zeiträume, Ethnien und Gebiete erstaunlich lange erhalten /14/.

Tabelle2Einige europäische Gewässernamen mit der Konsonantenfolge „s-r“ im Wortstamm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668331068
ISBN (Buch)
9783668331075
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342890
Note
Schlagworte
Hydrogeographie Historische Sprachforschung Alpen Donau Isar Osterzgebirge Weißeritz Kelten Slawen Indogermanen

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Titel: Gibt es eine sprachliche Verwandtschaft zwischen den Gewässernamen Weißeritz, Iser, Isar und Osero?